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Einleitung – Bachmann rekontextualisiert – G. Brinker-Gabler: “Weiterdenken” - Bachmann, the Public Intellectual – R. Pichl: I. Bachmanns ironisches Konzept – S. Lennox: The Transnational Bachmann – K. Achberger: I. Bachmann: Composing after Ausschwitz – Bachmann und das Judentum – M. Anderson: A Delicate Affair: The Young Ingeborg Bachmann – B. Witte: „Ich liebe Dich und ich will Dich nicht lieben“ - I. Bachmann und Paul Celan im Briefwechsel – V. Liska: Two Kinds of Strangers: The Correspondence between I. Bachmann and Paul Celan – Y.-A. Chon: „Feingewirkt, durchwebt“ - Wechselseitige Bespiegelung zwischen Celan und Bachmann – K. Krick-Aigner: “Our eyes are opened” - I. Bachman’s Writing on the Holocaust as Testimony – „Böhmen liegt am Meer“ und andere Gedichte – S. Gölz: „Böhmen liegt am Meer“ - Die Heimkehr in den Grund – P. Gilgen: I. Bachmann’s War: Between Philosophy and Poetry – K. von Tippelskirch: Angrenzen: Anselm Kiefer und I. Bachmann – S. Giannini: In Pursuit of Allegria: I. Bachmann meets Giuseppe Ungaretti – Interpretationen – P. Beicken: „Grab ohne Auferstehung“ - I. Bachmanns Schreiben gegen Gewalt und Krieg – H. Schreckenberger: I. Bachmann’s Radio Play Ein Geschäft mit Träumen in the Context of Post-War Austria – K. Solibakke: „Fest steht der Schrei“ - Zur Krise der Wahrheit in I. Bachmanns Ein Wildermuth – D. Lorenz: Visions of Violence in the Austrian Landscape in Bachmann’s Three Paths to the Lake and Clemens Eich’s Sea of Stone: Two Writers in Discourse with War and Fascism
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Seitenzahl: 489
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Solibakke / von Tippelskirch (Hrsg.)
Die Waffen nieder!Lay down your weapons!
Ingeborg Bachmanns Schreiben gegen den Krieg
Herausgegeben vonKarl Ivan SolibakkeKarina von Tippelskirch
Königshausen & Neumann
Die Herausgeber des vorliegenden Tagungsbandes möchten unseren Förderern und Sponsoren für ihre großzügige Unterstützung danken. Hier seien zuerst Universitätspräsidentin Nancy Cantor, das Humanities Center unter der Leitung von Gregg Lambert und das Department of Languages, Literatures and Linguistics der Syracuse University genannt. Des weiteren gilt unser Dank dem Austrian Cultural Forum und dem DAAD in New York, der Regional Holocaust and Genocide Initiative unter Leitung von Alan Goldberg und dem Institut für Womens’ and Gender Studies der Syracuse University.
Schließlich möchten wir auch jenen zahlreichen hier namentlich nicht genannten Helfern an der Syracuse University (USA) und ihrer Bibliothek, Bird Library, danken, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben.
Gerlinde Ulm Sanford gewidmet
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 2012
Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier
Umschlag: skh-softics / coverart
Umschlagabbildung: Ingeborg Bachmann © Dr. Heinz Bachmann
Bindung: Zinn – Die Buchbinder GmbH, Kleinlüder
Alle Rechte vorbehalten
Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Printed in Germany
ISBN 978-3-8260-4910-1
www.koenigshausen-neumann.de
www.buchhandel.de
www.buchkatalog.de
Einleitung
Bachmann rekontextualisiert
Gisela Brinker-Gabler
“Weiterdenken” – Bachmann, the Public Intellectual
Robert Pichl
Ingeborg Bachmanns ironisches Konzept
Sara Lennox
The Transnational Bachmann
Karen Achberger
Ingeborg Bachmann: Composing after Ausschwitz
Bachmann und das Judentum
Mark Anderson
A Delicate Affair: The Young Ingeborg Bachmann
Bernd Witte
„Ich liebe Dich und ich will Dich nicht lieben“ – Ingeborg Bachmann und Paul Celan im Briefwechsel
Vivian Liska
Two Kinds of Strangers: The Correspondence between Ingeborg Bachmann and Paul Celan
Young-Ae Chon
„Feingewirkt, durchwebt“ – Wechselseitige Bespiegelung zwischen Celan und Bachmann
Kirsten Krick-Aigner
“Our eyes are opened” – Ingeborg Bachman’s Writing on the Holocaust as Testimony
„Böhmen liegt am Meer“ und andere Gedichte
Sabine Gölz
„Böhmen liegt am Meer“ – Die Heimkehr in den Grund
Peter Gilgen
Ingeborg Bachmann’s War: Between Philosophy and Poetry
Karina von Tippelskirch
Angrenzen: Anselm Kiefer und Ingeborg Bachmann
Stefano Giannini
In Pursuit of Allegria: Ingeborg Bachmann meets Giuseppe Ungaretti
Interpretationen
Peter Beicken
„Grab ohne Auferstehung“ – Ingeborg Bachmanns Schreiben gegen Gewalt und Krieg
Helga Schreckenberger
Ingeborg Bachmann’s Radio Play Ein Geschäft mit Träumen in the Context of Post-War Austria
Karl Solibakke
„Fest steht der Schrei“ – Zur Krise der Wahrheit in Ingeborg Bachmanns Ein Wildermuth
Dagmar Lorenz
Visions of Violence in the Austrian Landscape in Bachmann’s Three Paths to the Lake and Clemens Eich’s Sea of Stone: Two Writers in Discourse with War and Fascism
Siglen:
BCCorrespondence: Ingeborg Bachmann and Paul Celan. Edited with commentaries from Bertrand Badiou, Hans Höller, Andrea Stoll and Barbara Wiedemann; translated by Wieland Hoban. Calcutta: Segull Books 2010.
GuIIngeborg Bachmann: Wir müssen wahre Sätze finden: Gespräche und Interviews. München: Piper, 1991.
HZHerzzeit. Ingeborg Bachmann - Paul Celan: Der Briefwechsel. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2008.
IBWIngeborg Bachman: 1978. Werke. Volumes I-IV. Herausgegeben von Christine Koschel, Inge von Weidenbaum, und Clemens Münster. München: Piper, 1993.
KTIngeborg Bachmann: Kriegstagebuch: Mit Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann. Herausgegeben von Hans Höller. Berlin: Suhrkamp, 2010.
TPIngeborg Bachmann: „Todesarten“- Projekt. Kritische Ausgabe. Bearbeitet von Dirk Göttsche unter Mitwirkung von Monika Albrecht. München: Piper 1995.
HandbuchBachmann Handbuch: Leben-Werk-Wirkung. Hrsg. von Monika Albrecht und Dirk Göttsche. Stuttgart: Metzler Verlag 2002.
Karl Ivan Solibakke
Krieg und Gewalt spielen eine gewichtige Rolle im literarischen Vermächtnis Ingeborg Bachmanns. Als hochgeschätzte, mit zahlreichen Preisen bedachte Nachkriegsautorin rückt sie Täter und Opfer in den Fokus ihrer Texte, innerlich deformierte Figuren, die starke Vorbehalte gegen die Verlogenheit der Nachkriegsgesellschaften geltend machen und mit den häufig befremdenden Umständen der Nachkriegsentwicklung konfrontiert werden. In ihren frühen Gedichten und späteren Prosawerken bezichtigt die junge Autorin die Vätergeneration jener Menschenrechtsverletzungen und kollektiven Gewalttaten, die den Problemkonstanten totalitärer Herrschaftsformen zu Eigen sind. Gleichsam als Mitbegründerin einer kritischen Autorengruppe nach 1945 nimmt sie ihre Väter- und Mütterfiguren vor den Konsequenzen ihrer mörderischen Taten in Schutz. Im Rahmen subversiver Erinnerungsmodelle reflektiert Bachmanns Schreiben sowohl die kollektive Gewaltsamkeit der deutsch-österreichischen Geschichte als auch die Ambivalenz individueller Opferund Täterschaft in einer als restaurativ verbrämten Nachkriegsordnung. Zum Vorschein tritt das beschwerliche Verhältnis zwischen Vergessen und Erinnern, das der Wiederherstellung altgedienter Gedächtnismodelle nach 1945 widerspricht sowie die Etablierung demokratischer Gesellschaftsordnungen erschwert.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes gehen auf eine, dem Leitgedanken von Krieg und Konflikt in der Literatur Bachmanns gewidmete Konferenz zurück, die im November 2010 an der Syracuse University in englischer und deutscher Sprache stattfand. Die Vermischung der Sprachräume bestimmt weiterhin das editorische Konzept des vorliegenden Bandes, der einer sowohl deutschen als auch anglo-amerikanischen Leserschaft zugedacht ist. Ausgehend von der in Bachmanns Werk gezielt formulierten Klage über den Fortbestand der Gewalt nach 1945 nehmen die Verfasser der Beiträge in der ersten Abteilung vor, Bachmanns Vorstellungen von Konflikt und Kampf zu systematisieren und ihre Werke innerhalb dieses Diskursgeflechts zu rekontextualisieren. Im Anschluss hieran geht es im zweiten Abschnitt um Bachmann und ihren heiklen Bezug zum Judentum, wobei das jüngst erschienene Kriegstagebuch der jungen Autorin und die von den Nachlassverwaltern freigegebene Korrespondenz mit Paul Celan einen thematischen Schwerpunkt bilden. Nach wie vor fasziniert das 1964 entstandene Gedicht Böhmen liegt am Meer, das erst 1968 als Reaktion auf die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings erschienen ist und die Vermischung von Kunst, Philosophie und Politik in der literarischen Genese Bachmanns aufwirft. Nehmen diese von Bachmann insbesondere in ihrem intellektuellen Selbstverständnis argwöhnisch betrachteten Ausdrucksbereiche breiten Raum ein, so zielen die Beiträge der dritten Sektion auf eine systematische Kontextualisierung der Autorin im Paradigma der deutschsprachigen Nachkriegslyrik hin. Im vierten und letzten Teil runden schließlich neue interpretative Ansätze zu ausgewählten Prosawerken sowie zum 1952 gesendeten Hörspiel Ein Geschäft mit Träumen den Band ab.
Bachmann rekontextualisiert
Der diesen Tagungsband eröffnende Beitrag Gisela Brinker-Gablers kontextualisiert Bachmann als Intellektuelle während jenes bewegten Zeitraums in den späteren 60er Jahren, als es in Folge weitreichender Revolten zu bald wirksamen, bald entgleisten Umgestaltungen der politischen Szene in Deutschland gekommen ist. Einerseits geht die Verfasserin der Bestimmung Intellektueller in der Nachkriegsgesellschaft nach, andererseits analysiert sie Bachmanns Reflektionen über ihre eigene Mitwirkung an den öffentlichen Diskursen, stets mit dem Blick darauf, dass diese Dialektik die literarische Aussagekraft und politische Autorität der Autorin geprägt hat. Ausgehend von einer Begriffsgeschichte des in der Allgemeinheit agierenden, an einer Gesellschaftskritik interessierten “Intellektuellen” umreißt Brinker-Gabler Bachmanns Selbstaussagen zur Problematik ihrer öffentlichen Persona. Um die Autorin in ihrem Wirkungsradius zu verankern, dienen als wichtige Vergleichsmomente das Fragment „Politik und Physis”, ein Absatz aus einem 1965 an Hans Werner Henze gerichteten Brief, und der im Jahre 1964 veröffentlichte Text „Tagebuch“.
Orte, Verortungen, sowie Grenzen und Entgrenzungen des Denkens sind ebenfalls im Beitrag von Sara Lennox wegweisend, der prüft, inwiefern Bachmanns Werk einer transnationalen Lektüre unterzogen werden kann und soll. Richtet sich das Transnationale gewöhnlich auf das, was die Grenzen der Nation überschreitet oder mehrere Nationen gleichzeitig tangiert, so geht es Lennox um drei Fragestellungen, die ineinander verschränkt sind und ein transnationales Trajekt in der Werkaussage konkretisieren. Erstens wird eine historische Herangehensweise erwogen, nach der Bachmanns Dichtung in die nationalen Diskurse seit dem Frieden von Westfalen 1648 eingeschrieben werden soll. Zweitens wird die Autorin als Tochter Kärntens in der Topographie ihres heimatlichen Drei-Länder-Ecks lokalisiert, womit ihre Biographie vor einem regionalen aber auch länderübergreifenden Seins- und Erfahrungshorizont betrachtet wird. Eine dritte Perspektive thematisiert, inwiefern Bachmann als gefeierte Schriftstellerin und europäisch agierende Intellektuelle sich mit den globalen Dimensionen ihrer Schriftstellerexistenz und ihrer disparaten Lebensräume auseinandersetzte, und ob diese persönlichen Erkenntnisse neue Interpretationswege ermöglichen.
So wie Lennox die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Konflikte transnationaler Sehweisen lenkt, so gelingt es Karen Achberger, das Werk Bachmanns als Abrechnung mit den geistigen Strömungen und Themen ihrer Zeit, gleichzeitig diese auch in ihrem Zusammenhang mit dem Trauma des Holocausts zu verstehen. Als vermeintliche Zäsur in der Geschichte des 20. Jahrhunderts prägt die kaltblutige Vernichtung so vieler Unschuldigen, Kollateralschäden des faschistischen Terrorregimes, so Bachmann, auch die Zeit nach dem Krieg und während des Wiederaufbaus einer Gesellschaftsordnung, die dem Anschein nach demokratisch strukturierten, politisch aufgeschlossenen und wirtschaftsliberal organisierten Rechtsgrundsätzen folgt. Insofern sieht Achberger Bachmanns persönlichen Bezug zur Nachkriegszeit vom Holocaust und der Erinnerung an den Krieg überschattet, und dieses fortwährende Gedenken macht sich insbesondere in den diversen Poetisierungen der Musik in ihrem Werk bemerkbar. Entsprechend wird ihre einem polyrhythmischen, mehrstimmigen Komponieren ähnliche Textherstellung zur poetologischen Methode, die durch Wiederholungen und Zitate, Brechungen und zyklische Wiederaufnahmen gekennzeichnet ist, die den linearen Verlauf der Werke konterkarieren, um so die Schatten aus der Vergangenheit schärfer vergegenwärtigen zu können.
Im Gegensatz zur Bedeutung der Musik als poetologischem Modell lenkt Robert Pichl den Leser auf eine bisher kaum beachtete Charakteristik der Werke Bachmanns hin, ihre Ironie, deren Wirkung nicht nur dem verbalen oder gedanklichen Aufzeigen eines Gegensatzes dient, sondern auch dazu bestimmt ist, die Erwartungshaltung des Rezipienten zu hintertreiben. Mit Hilfe subtiler Brechungen des Textverlaufs soll eine indirekte Mitteilung ans Licht gehoben werden. Hierzu bietet es sich an, für die Untersuchung ähnlicher Phänomene und Techniken ein weitläufiges, facettenreiches Verständnis von „Ironie“ zu verwenden. Pichl argumentiert, dass es zum einen um die idiosynkratische Schreibweise der Dichterin selbst gehe, die zweifellos in ihrer Persönlichkeit begründet ist. Zum anderen mache die Ironie einen permanenten Kriegszustand in der Gesellschaft sichtbar, weshalb die Analyse und Erklärung der ironischen Wirkung in den Texten Bachmanns als Schlüssel zum poetologischen Nukleus ihres konfliktträchtigen Werkes gelte.
Bachmann und das Judentum
Seit der Publikation der Korrespondenz Bachmanns mit Paul Celan im Jahre 2008, sowie des nur wenige Jahre später erschienenen Kriegstagebuchs mit den Briefen des Soldaten Jack Hamesh an die junge Autorin, sind wir nun in der Lage zu erkennen, dass Bachmann das Verhängnis der Opfer des Regimes in dem Augenblick zur Kenntnis nahm, als der Krieg unmittelbar zu Ende war. Weit entfernt davon, ein nur theoretisches, vom Zeitgeist, der die Gräuel der Nazi-Zeit im Zuge des Aufbaus verheimlichte, geprägtes Wissen zu besitzen, war Bachmann sehr früh und persönlich betroffen. “Sie geht mit dem Juden” – so hieß der Vorwurf ihrer Familie und Nachbarn angesichts ihrer Freundschaft mit dem Offizier der Britischen Armee und ehemaligen Wiener Juden, dem sie 1945 begegnete, noch bevor ihr Vater aus dem Krieg zurückgekehrt war. Bisher ist angenommen worden, dass Bachmanns kritische Perspektive auf die Nazi-Zeit erst während des Studiums in Wien geschärft wurde, als sie mit den Überlebenden des jüdischen Schriftstellerkreises Ilse Aichinger, Hans Weigel, Hermann Hakel und, kurzzeitig aber künstlerisch bahnbrechend, mit dem jungen Dichter Paul Celan verkehrte, der in Transit von Bukarest nach Paris war. Mark Anderson führt eindringlich vor, weshalb die Kernaussage des Todesarten-Projekts, in dem die Opferschaft der Juden mit der Misogynie in der abendländischen Ideengeschichte in eine direkte Analogie gebracht wird, bereits in der frühen intellektuellen und sexuellen Entwicklung der Autorin vorgeprägt war.
Bernd Witte, der Andersons These von der Frühreife Bachmanns gewichtige Akzente beifügt, erhebt in seinem Beitrag den Anspruch, an Hand der Korrespondenz zwischen Bachmann und Celan zu zeigen, dass die symbiotische Beziehung zwischen den angehenden Dichtern grundsätzlich anders war als vermutet. Sei es auch keine glückliche Liebe gewesen, so behauptet Witte, dass sie sich ebenso wenig als eine tragische erwiese: Eher restlos gestört wird die Liebesbeziehung selbst zur traumatischen Erfahrung, die beide Dichter, häufig unglücklich und haltlos, mehrmals abbrechen, um diese dann wie unter einem Wiederholungszwang erneut aufzunehmen. Von Anfang an scheint ihre Verbindung vom Trauma einer Geschichte beschwert, die als Todesschatten über der Generation derjenigen gelegen hat, die vor allem die Gräuel des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs am eigenen Leib erfuhren, ohne diesen entrinnen zu können.
Schon zu einer Zeit ein Exempel statuierend, in der ihre Exemplarität noch nicht allseitig begriffen werden konnte, setzt Vivian Liska den Fokus auf die “exemplarische Art”, mit der Bachmann und Celan das heikle Problem des Schreibens nach Auschwitz adressieren. In dem biographischen, ideengeschichtlichen und affektiven Kontext, in dem ihre Dichtung dennoch allgemeine Anerkennung fand, liegt das persönliche, das intime Dilemma ihrer Briefschaften, die wichtige Hinweise darauf geben, wie die dunkle, hermetische Lyrik beider zu interpretieren ist. Überdies erlangen ihre Mitteilungen in dem Augenblick Profil, in dem ihnen sowohl die Eigenart ihres Werkes als auch ihre Exemplarität als deutschsprachige Dichter nach dem Holocaust bewusst wird. Mittels dieser und ähnlicher Reflexionen sind ihre selbstzerstörerische Liebe, deren Aussagekraft für den historischen Augenblick maßgebend ist, und die Matrix ihres repräsentativen Schrifttums zusammenzudenken. Damit gerät die Frage nach Exemplarität zum Aufschluss über den Tiefsinn dessen, worüber sie gedacht und gedichtet haben.
Nach den Ausführungen Young-Ae Chons kann die Lyrik Paul Celans vor allem deshalb als tiefsinnig gelten, weil sie in der dunklen Geschichte verwurzelt ist und sich keinesfalls wiederholt. Hiermit betont die Verfasserin den unmittelbaren Bezug auf „Auschwitz“ und Krieg in Celans Gedichten. In Anlehnung an Bachmann argumentiert auch Chon, dass all dieses Leiden noch lange nicht zur Ruhe gekommen war, als der Krieg vorbei und das Bemühen um eine friedliche Gesellschaftsordnung vorherrschend war. Das Gedicht Alle Tage, in dem der Krieg unerklärt und bedenkenlos weiter geführt wird, soll nicht allein auf die Zeit des Kalten Krieges rekurrieren. Vielmehr entspringt dieser für Bachmann und Celan prekären Zeit eine schwierige Liebe, die sich gerade auch wegen ihrer Unmöglichkeit in einer Dichtung von Weltrang kristallisierte. Deren Problemkonstante – zwei Menschen, die nur bedingt zueinander finden – bildet ein Paradebeispiel für die persönlichen Antworten auf die Frage nach der Beschaffenheit einer Welt, die sich noch immer im „unerklärten“ Krieg befindet.
Kirsten Krick-Aigner setzt sich zum Ziel, die Werke Bachmanns, die ihre zeitgenössischen Leser nicht nur herausgefordert sondern auch aufgeklärt haben, mit soziokulturellen, geistesgeschichtlichen und literarischen Valenzen in Verbindung zu bringen, die im 21. Jahrhundert weiterhin Gewicht haben. Bachmanns Aussageintention findet noch heute Resonanz, weil ihre Welt von Krieg und Gegnerschaft zerrissen ist und durch die Linse von Gewalt und Zeugenschaft gelesen bzw. verstanden werden soll. So setzen sich ihre Arbeiten mit dem Holocaust und mit dem Trauma der Überlebenden wie der Heimkehrer auseinander, zu denen ebenfalls jene Intellektuellen und Schriftsteller zu zählen sind, die aus dem Exil nach Hause kamen, entweder nach Österreich oder Deutschland, wo sie ein nach wie vor raues, ihnen mit Ablehnung begegnendes Sozialklima vorfanden. Bachmann, die während des Zweiten Weltkrieges aufwuchs und die Bombenangriffe auf Klagenfurt überlebte, war Zeugin des restaurativen Wiederaufbaus Österreichs. Ihre persönlichen und professionellen Beziehungen zu deutschsprachigen Juden, beispielsweise dem Offizier Jack Hamesh, haben ihren Blick auf die Niedertracht der deutsch-österreichischen Gesellschaft geschärft, in der Konflikt, Mord und Hass obsiegen.
Die Lyrik des Philosophierens und das Böhmen-Gedicht
Während der Syracuser Konferenz, auf welche dieser Band zurückgeht, hat man Sabine Gölz die Bemerkung zukommen lassen, sie führe die Diskussion über Bachmanns „Böhmen liegt am Meer“ in einen theoretischen Sumpf. Damit verspürten wohl alle, so der Ausgangspunkt ihrer Ausführungen, eine Aufweichung des bis dahin fest erschienenen Bodens. So sehr diese Aufweichung als Antrieb zu einem neuen Verständnis des Gedichts und als literaturwissenschaftlicher Zugewinn zu begrüßen sei, kann es natürlich in der Tat nicht Ziel der Forschung sein, so Gölz, im theoretischen oder interpretatorischen Sumpf stecken zu bleiben. Ihre Absicht ist vielmehr, der Vorstellung zu widersprechen, es könne in der Literatur und im Medium der Sprache überhaupt festen Boden geben. Insofern liegt die Intention der Verfasserin darin, das Böhmen-Gedicht, ja vielleicht überhaupt alle Literatur, ‚ans Meer’ zu begnadigen.
Peter Gilgens Beitrag befasst sich mit dem, was der Verfasser als die beiden Abschiede Bachmanns bezeichnet, die ungeachtet ihrer spezifischen Differenzen doch noch Gemeinsames aufweisen. Denn in beiden Fällen geht es um die Verabschiedung einer Schreibform, die von einer anderen gefolgt wurde, wobei der Verfasser einerseits auf die Hinwendung zur Dichtung zuungunsten des Dienstes am wissenschaftlichen Duktus um 1950, andererseits die bewusste Ablegung des lyrischen Schreibens und die konsequente Aufnahme der Prosa in den späten 1950er Jahren verweist. Sind die Bruchlinien nicht erkennbar und scheinen beide Abschiede über einen längeren Zeitraum anzudauern, so ist in ihnen eine durchdachte, selbstreflexive Entscheidung mit weitreichenden ästhetischen Folgen zu sehen, die Bachmann jeweils in ihrem eigenen Denken rechtfertigt. Mit klaren Worten äußert sich die Autorin dazu, warum es dem philosophischen sowenig wie dem lyrischen Schreiben angemessen sei, die Weltkatastrophen als dauerhafte Kriegsgebiete zu erfassen. Schließlich stehen beide Abschiede unmittelbar im Zeichen von Bachmanns kritischer Auseinandersetzung mit dem Denken Martin Heideggers, den die noch junge Promovendin zu stürzen gehofft hatte, wie sie im Hinblick auf ihr eigenes Dissertationsvorhaben verkündete.
Karina von Tippelskirch betrachtet das Frühwerk Anselm Kiefers im Lichte des historischen Paradigmen- und Generationenwechsels, der am Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland stattfand. Die Verfasserin sieht Kiefer als Vertreter der ersten nach dem Krieg aufwachsenden Generation und Bachmann als direkt vom Krieg Betroffene und arbeitet einige für das Werk beider Künstler signifikante Berührungspunkte heraus. Ihr besonderer Augenmerk gilt den letzten zu ihren Lebzeiten veröffentlichten Gedichten Bachmanns, insbesondere „Böhmen liegt am Meer“, sowie Kiefers nahezu zeitgleich entstandenem fotografischen Zyklus „Besetzungen“, die aus der Perspektive von Gewalt und Faschismus thematisiert werden. Untersucht wird die Repräsentanz erlittener Traumata im Körper, die als Reaktion auf Krieg und Gewalt und als Ausdruck der Suche nach der eigenen Identität angesehen werden soll. Im letzten Teil des Beitrags werden zwei Gemälde Kiefers zu Bachmanns Böhmen-Gedicht in den Blick gehoben und diese von einer historischen Kongruenz aus als Resonanz auf die Frage nach den Möglichkeiten der Kunst nach Auschwitz interpretiert.
Die Beschäftigung mit Schreibstilen, Schriftbildern und Sprachgrenzen führt auch zur Frage nach dem Interesse der Autorin an den Gedichten des italienischen Dichters Ungaretti sowie nach ihrer Motivation, Proben seiner außergewöhnlichen Lyrik ins Deutsch zu übertragen. Ausgehend von der Bedeutung der Übertragung als literarischen Projekts rückt Stefano Giannini Bachmanns Arbeiten an den Ungaretti-Gedichten ins Zentrum einer Auseinandersetzung mit den transnationalen Grenzen der Sprache schlechthin. Entsprechend argumentiert der Verfasser, dass Bachmann daraufhin zielt, eine transkulturelle Kompetenz zu lokalisieren, die Wahrheiten jenseits monokultureller Leitvorstellungen zum Vorschein bringen, auch und vor allem deshalb, weil ihre Übersetzungen tradierte Werte in Frage stellen. Folglich versteht Bachmann Ungaretti als „uomo di pena“ oder Dulder, um sein Leiden zu bezeichnen und ihres überhaupt in Worte zu fassen. Bewusst, so Giannini, entwickelt sie aus ihrer Beschäftigung mit Ungaretti eine bahnbrechende Sprache, mit der sie schließlich eine Literatur des sozialen Bewusstseins konturiert.
Interpretationen
Bachmanns frühe Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“, die den ersten Prosaband öffnet, ist nach den Ausführungen Peter Beickens ein poetisch durchkomponierter, memorialer Text, der in einer ganzen Reihe von Aspekten mit ihrem kürzlich erschienenen Kriegstagebuch kommensurabel sei. Dessen wenige Notate reichen zeitlich vom Spätsommer 1944 bis zum Juni 1945 und behandeln in zwei Teilen das letzte Kriegsjahr und die ersten Nachkriegsmonate. Der Vergleich zwischen dem Tagebuch und dem fast fünfzehn Jahre später verfassten Erinnerungstext stellt dem vermeintlich Authentischen der Tagebucheinträge die biographische Fiktion gegenüber. So sollen vor allem Aspekte der Gewalt und des Krieges und die Reaktionen darauf in den Mittelpunkt gestellt werden. Hierbei ergeben sich Einblicke in verschiedene Schreib- und Sehweisen, die Erlebtes in Tagebuchform festhalten bzw. die Kindheit und Jugend literarisch aufarbeiten. Bemerkenswert ist die Vorlage für den Druck des Kriegstagebuches, denn es handelt sich nicht um handschriftliche Originalaufzeichnungen, sondern um ein Typoskript, in dem der Herausgeber aufgrund verschiedener charakteristischer Merkmale eine redigierte, auszugsweise Reinschrift vermutet. Fast fehlerlos weist die Abschrift große zeitliche Abstände zwischen den Eintragungen und eine genau überlegte Gliederung auf. Diese Art der Redaktion des Materials hinterlässt den Eindruck, dass Bachmann das Unmittelbare des Handschriftlichen nicht nur einer überlegten Auswahl, sondern auch einer bearbeitenden Sichtung unterzogen hat, die zur nachdenklichen Lektüre einlädt.
Auch Helga Schreckenberger weist zu Recht darauf hin, dass die politischen und öffentlich wirksamen Dimensionen in den Prosawerken Bachmanns zu einer neuen Lektüre ihrer Lyrik geführt haben, an Hand derer die Ereignisse und Institutionen der Nachkriegsgesellschaft einer eher skeptischen Analyse unterzogen werden. Gleichzeitig hebt sie hervor, dass ähnliche Untersuchungen noch nicht für die Hörspiele vorgenommen wurden, ein Desiderat, das die Verfasserin in ihrem Beitrag zu beheben versucht. Ihre Untersuchung des ersten, wenig bekannten Hörspiels Ein Geschäft mit Träumen, das 1952 erstmalig durch den Sender Rot-Weiß-Rot ausgestrahlt wurde, zeigt, dass bereits im frühen Werk auf die Komplizenschaft Österreichs mit dem Nazi-Terror-Regime und das kollektive Verlangen hingewiesen wird, Erinnerungen an die Geschehnisse des Krieges zu verdrängen. Erst 1976 im Druck erschienen setzt sich das ästhetisch innovative, lyrisch konturierte Hörspiel mit der Verlockung auseinander, den trostlosen Alltag durch Abgleiten in das Imaginäre zu kompensieren. Wenn nicht so augenfällig und raffiniert wie im späteren Werk, so liegt dem Hörspiel eindeutig das kulturelle Gedächtnis als Motiv und strukturierendes Element zugrunde.
Im Rahmen einer Rückführung zur Quelle des Gedächtnisses, das als vermeintliche Abhilfe gegen die rücksichtslosen Lügen der Nachkriegsordnung dienen sollte, benennt Karl Ivan Solibakke zwei performative Perspektiven, die Bachmann in ihrer 1961 erschienenen Erzählung Ein Wildermuth akzentuiert. Einerseits weise die Dekonstruktion der Sprache als Kommunikationsbasis pejorativ auf die Umwertung des menschlichen Lebens in der Moderne hin. Andererseits erzeuge sie im Bezug zur Gegenwart einen Schwellenraum, der den rechtsphilosophischen Anspruch der Wahrheitsfindung als Problem des Gegenübers von Vergangenheit und Gegenwart kennzeichnet. Die Rekonstruktion eines mörderischen Tathergangs, die in einer Gerichtsverhandlung an prominenter Stelle figuriert, markiert den Bruch des vermeintlich modernen Menschen mit seiner Vergangenheit, der als Kausalnexus für ein Urteil über die mörderische Tat dient. Allerdings findet die dialektische Brechung – Vergessen des wesenhaften Ursprungs beim Richter Wildermuth und die Rache am Mitmenschen beim Vatermörder Wildermuth – seine innere Logik in der Entdifferenzierung von Geschichte und Gedächtnis. Die Erkenntnis, dass Geschichte und Gedächtnis in kein Korrespondenzverhältnis zu bringen sind, keinen Wahrheitsbezug zueinander haben, erzeugt „ein stummes Innewerden, zum Schreien nötigend und zum Aufschrei über alle Wahrheiten“ (IBW II, S. 252).
Als abschließender Beitrag im Band nimmt Dagmar Lorenz die für die Nachkriegsgenerationen maßgeblichen Werke Ingeborg Bachmanns und Clemens Eichs, deren frühe Tode der Öffentlichkeit Rätsel aufgaben, zum Anlass, um zu beweisen, dass der Schaffensraum beider Autoren vom Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust überschattet ist. Den Opfern der Nazi-Gräuel eng verbunden haben Bachmann und Eich mit überragender Klarheit erkannt, inwiefern faschistoide Überzeugungen in der österreichischen Provinz noch lange nach dem Krieg wirksam waren. Für beide Schriftsteller spielt der Habsburg-Mythos eine ambivalente Rolle, zumal der von ihm virtuell erzeugte Raum ein Gebiet nostalgischer Sehnsucht und historischer Erinnerungen ist, das durch seine Zwielichtigkeit die Grundlage für das kollektive Narrativ in der österreichischen Nachkriegszeit bildet. Wie Clemens Eich nach ihr betrachtet Ingeborg Bachmann, die abtrünnige Tochter Kärntens, ihre Heimat stets mit kritischem Auge für die Partikularität der Geschichte und Geographie einer Region, die als Schwellenraum die Grenze zwischen Osten und Westen sowie zwischen Tradition und Moderne markiert.
Gisela Brinker-Gabler
Why and to what end would it be meaningful, to rewrite a popular phrase, to study Ingeborg Bachmann as a public intellectual? Would she herself not resent such an attempt that seems directed toward a clear-cut distinction and division between the intellectual and the writer? In the following, I will suggest that Bachmann had a unique understanding of her role and interaction with the public sphere and of the ties between literary and political responsibility. Before I turn to her writing I will take a brief look at the history, the concept and the use of the term “intellectual” or “public intellectual.” Then, I will sketch out Bachmann’s intellectual position with a focus on the early to mid 1960s, a period of radical political and cultural change, by referencing three of her writings: a fragment from the Nachlass entitled “Politik und Physis,” a paragraph from a letter written to Hans Werner Henze in 1965, and Bachmann’s text “Tagebuch,” published in 1964.
In German speaking countries “intellectual” is commonly used in a straightforward fashion without an adjective, whereas in Great Britain and America “public intellectual” has become the more familiar term.1 This minor difference entails that for any study of intellectuals the specificity of place is of importance; clearly there are national differences between the German and the French, the American and the Russian, the Brazilian and the Chinese intellectual. The specificity of time period is also of importance. Thus, we speak of the Weimar intellectual, the Postwar or the Cold War intellectual. We differentiate further according to ideology and affiliation and speak of the communist intellectual, the left wing or the conservative intellectual, the feminist intellectual, the independent or the academic intellectual.
Specifically, since the 1970s, numerous studies on intellectuals and their histories have been published, often lamenting the decline of the public sphere and the role of the independent intellectual in view of the new plurality of audiences. Explanations of the emergence of the term “intellectual” or “intellectual in public life” often cite the Dreyfus affair in France and Georges Clemenceau’s classification of a group of supporters of the falsely accused officer Alfred Dreyfus as “intellectuals,” among them the esteemed writers Emile Zola and Anatole France. Since then, “intellectual” has been commonly used as a concept, frequently pejorative, to define public engagement with national and social-political issues in a critical manner. The Italian writer and Marxist philosopher Antonio Gramsci introduced the distinction between the traditional and organic intellectual, presenting his argument for an engagement of intellectuals as a group:
A human mass does not “distinguish” itself, does not become independent in it’s own right without, in the widest sense, organizing itself; and there is no organization without intellectuals, that is without organizers and leaders, in other words, without […] a group of people specialized in the conceptual and philosophical elaboration of ideas.2
In the years after the Second World War, Jean Paul Sartre defined intellectuals as the moral conscience of their age. They observe the political and social situation of the moment, and speak out freely in accordance with their consciences, that is, with “commitment.”3
In the 1970s, Michel Foucault joined others in announcing the death of the so-called “universal intellectual,” which may have been a slap against Sartre in an era of the emerging “specific intellectual.”
A new mode of the “connection between theory and practice” has been established. Intellectuals have got used to working, not in the modality of the “universal,” but the “exemplary,” the “just-and-true-for-all,” but within specific sectors, at the precise points where their own conditions of life or work situate them (housing, the hospital, the asylum, the laboratory, the university, family and sexual relations).4
The term “intellectual” or “public intellectual” necessarily calls forth the dialectic of public and private. In his concise study Representations of the Intellectual Edward Said points out that there is no such thing as a strictly private intellectual, nor is there a public intellectual as “figurehead” or “spokesperson.” He writes:
There is therefore this quite complicated mix between the private and the public worlds, my own history, values, writings and positions as they derive from my experiences, on the one hand, and, on the other hand, how these enter into the social world where people debate and make decisions about war and freedom and justice.5
Nevertheless, according to Said, it is still meaningful to use the term “public intellectual,” because there is a “vocation for the art of representing” that can assume many forms, such as writing, talking, teaching or the eye witness role on television. In other words, the vocation is “publicly recognizable and involves both commitment and risk, boldness and vulnerability.”6 In his comprehensive study on the public intellectual, Richard A. Posner suggests a different view. Focusing primarily on the American public intellectual, his study is a rich exploration of various positions and arguments in a wide spectrum from right to left. While he concedes that his definition is narrow, he maintains that: “a public intellectual is a person who, drawing on his intellectual resources, addresses a broad though educated public on issues with a political or ideological dimension.”7 There is an important difference between Posner’s and Said’s statements. In Posner’s definition the intellectual draws “on intellectual resources,” whereas Said brings one’s own history and positions derived from personal experience into play. Furthermore, Posner argues that academic intellectuals as well as experts are not necessarily public intellectuals, while he acknowledges that exceptions are possible. Posner quotes, as does Said, Foucault’s distinction between the “universal” and “specific” intellectual and agrees that the specific intellectual—and he includes the academic as well—has replaced the ‘traditional’ or ‘universal’ intellectual. Said is more reserved than Posner when excluding academics from the general concept of public intellectual; although he speaks here pro domo, he sees, like Posner, a threat in what he calls professionalism and specialization. For Said, specialization means loosing sight of anything outside of one’s field and one’s cultural milieu; the intellectual per definition is someone who speaks beyond his specific expertise on matters of general importance.
One final point in this brief overview, specifically geared to reflect Bachmann’s position, is a contentious issue raised by Posner and Said that references Said’s provocative definition of the “intellectual as exile or marginal.” Said himself acknowledges that this stance relates to his own experience as Palestinian, but he clearly states that for him ‘exile’ is both an actual and a metaphorical condition.
Even intellectuals who are lifelong members of a society can, in a manner of speaking, be divided into insiders and outsiders: those on the one hand who belong fully to the society as it is, who flourish in it without an overwhelming sense of dissonance or dissent, those who can be called yeasayers; and on the other hand, the nay-sayers, the individuals at odds with their society and therefore outsiders and exiles so far as privileges, power and honors are concerned.8
Posner strongly disagrees with this definition of the intellectual as exile, arguing that it might very well be the case that ‘insiders’ (tenured professors, for example) pretend to be outsiders, but he does see public intellectuals as controversialists with a tendency to take extreme positions. Posner’s definition includes another attribute that is important for the characterization of public intellectuals, that is, they address a broad though educated public, which implies that they express themselves “in a way that is accessible to the public, and the focus of his [their] expression is on matters of general public concern, of (or inflected by) a political or ideological cast.”9 On the other hand, according to Said, the basic question for the intellectual is: “How does one speak the truth? What truth? For whom and where?”10
“Politik und Physis:” Singularity and Körperlichkeit
To define Bachmann’s potential position as an intellectual one, I shall take my point of departure from a fragment contained in her Nachlass entitled “Politik und Physis;” the fragment is quoted in Holger Gehle’s study NS Zeit und literarische Gegenwart bei Ingeborg Bachmann:
Was ich unter Politik [verstehe], hat sich herausgebildet in mir, einem [einzelnen], und nun mag das Wort hingeworfen werden zum ersten mal nicht als ein Resultat denkender Überlegungen, sondern als eines der Physis. Damit möchte ich sagen, dass ich nicht eines Tages alle möglichen [Theorien] [vorgestellt] bekommen, in [alle] Praktiken Einsicht genommen, um mich für die eine oder andre zu entscheiden, zum Beispiel daraus hervorzugehen als Demokrat – wählen wir ruhig die harmloseste und schwierigste [Absonderlichkeit] – sondern auf Grund einer langen umwegigen Geschichte der Physis, das heißt, dass ein im [Prozess] befindliches Körperwerk dessen Tentakel die andren [Tentakel] des gesellschaftlichen [Körpers] dauernd berührt, von ihnen abgestoßen und angezogen wird.11
Gehle comments on Bachmann’s statement as follows: “Der politische Satz, der politische Gedanke, die Wertung hängen mit der Geschichte der Körperlichkeit zusammen […] Die Rede vom gesellschaftlichen Körper im Prozess mit dem individuellen indiziert auf welcher Ebene die Konfrontation gestaltet wird.” I agree with Gehle’s conclusion but would like to add that Bachmann’s use of the word “physis” is of critical importance here and needs further explication, so as not to misconstrue “physis” as “body” or Körperlichkeit according to the Western body/mind binary.
The Greek word “phusis,” and its use by Aristotle, is usually translated as “nature.” I will draw on Martin Heidegger’s translation and explication of “phusis,” which should be helpful to understand Bachmann’s approach. Bachmann was familiar with Heidegger’s use of the concept as a consequence of her dissertation Die kritische Aufnahme der Existenzphilosophie Martin Heideggers (1949). In his 1929 lecture course, The Fundamental Concepts of Metaphysics Heidegger introduces phusis as a ‘primal word’: “Phusis means that which is growing, growth, that which has itself grown in such growth.”12 Heidegger is concerned with a narrow use of phusis, that is, German “Natur” or English “nature” as derived from Latin “natura” and usually applied to animals and plants, and a broader sense of “nature” as the object of natural science. He continues his exposition by offering further clarifications: “We shall now translate phusis more clearly and closer to the originally intended sense not so much by growth, but by the ‘self-forming prevailing of beings as a whole’ [selbst bildendes Walten des Seienden im Ganzen].”13 Phusis, then, is understood as processual, and this is precisely, as I will argue, why Bachmann introduced the concept “physis” in this fragment. From this I conclude that “ein im [Prozess] befindliches Körperwerk,” a singular “being as a whole,” is in continual Berührung [contact]—via “tentacles”—with a social “being as a whole” in process. Furthermore, it is of importance for communicating about mankind.
Man, insofar as he exists as man, has always already spoken out about phusis, about the prevailing whole to which he himself belongs…If we conceive of this state of affairs in an elementary and originary way, we see that what is spoken out is already necessarily within phusis, otherwise it would not be spoken from out of it.14
In other words, Heidegger argues that logos, which is akin to the process that enables the world to appear meaningful, belongs to phusis, the self-forming prevailing of being as a whole.15 In his 1924 lecture series on Aristotle Heidegger introduces “logos” as: “‘speaking,’ not in the sense of uttering a sound but speaking about something in a way that exhibits the about-which of speaking by showing that which is spoken about.”16 Specifically, the emphasis on “speaking by showing” is of major importance for Bachmann’s poetics. In short, to connect this reading and translation with Bachmann’s position, the “phusis” and “logos” of the individual are in interplay with the social “being as a whole” in such a way that it is simultaneously repelled and attracted. This reading brings us to the core of Bachmann’s project as writer and intellectual. Bachmann is no longer a traditional or universal intellectual deriving from a unitary truth, nor is she an organic intellectual in Gramsci’s sense, as someone affiliated with parties or groups. She speaks consciously and decisively as “Einzelne,” that is, in the singular, as someone who no longer maintains a “we” relationship to the public, but whose relation to the “social as a whole” and whose engagement with it is processual in character.
Bachmann’s emphasis on singularity invokes the existentialist ethic of autonomy and commitment, most decisively introduced into the Post World War II and Cold War era by dint of the debate on literature in Jean Paul Sartre’s study What is Literature?17 However, Bachmann replaces Sartre’s notion of abstract moral consciousness and commitment with a new perspective on the interaction of the individual and the social, grounded in a “physis” that pays tribute to the lived, embodied experience in a historically determined process. Not only is she someone who uses intellectual resources, the public intellectual in Posner’s sense, but she also associates “physis” with language, positing “the being as a whole and in process” who interacts with the social “being as a whole” and its language. Bachmann’s vocation as intellectual and writer is defined by the ongoing attraction-repulsion interplay with the social “being as a whole.” Clearly, she sees herself deeply immersed in politics, in actualities and the everyday, thus transcending the limits of a “theory and practice” model. At the same time this puts her at greater risk, as someone who cannot appear “disinterested” or escape into the realm of “pure art.”18 Later, in her “Speech upon the Bestowal of the Anton Wildgans Prize,” she elaborated on what she envisioned as her major duty as a writer.
As for actualities I have only to say that one must write them away, one must corrupt the actualities of one’s time, one must not allow oneself to be corrupted by the catch phrases with which these actualities press upon one. A writer has the catchphrases to destruct […] (IBW IV, 297).19
What Bachman describes as the task of the writer also defines how she speaks and writes as an intellectual, as I will outline below. Her statement expresses a perpetual effort to dispute and resist accepted perspectives in the public realm and so-called conventional “truths.” However, caution is necessary here: to what extent and for how long is the intellectual as independent writer possible? This question has become the topic of many studies on the intellectual, as mentioned earlier, especially given the permanent fragmentation of political and cultural publics over the last thirty years.
„Weiterdenken” versus the paradigm of “us-and-them”
It was not an easy task for Bachmann to maintain her independence and alertness without joining the ranks of groups or organizations in the mid 1960s. This becomes evident in a letter that she wrote to Hans Werner Henze after he was invited by the SPD to present a speech in Munich as a politically committed artist in the stormy election year of 1965.
Alle meine Neigungen sind auf der Seite des Sozialismus, des Kommunismus, wenn man will, aber, da ich seine Verirrungen, Verbrechen etc. kenne, kann ich nicht votieren. Ich kann nur hoffen (hoffen, wie man hofft, wenn man weiß, verloren, verloren, für immer verloren), dass im Laufe der Zeit das Gesicht der einzigen Revolution dieser Zeit die menschlichen Züge annehmen wird, die nie ein System annehmen wird.20
In view of her political skepticism, Bachmann cautions Henze not to become specifically involved in “Tagespolitik” und “Parteiprogramme” but to maintain a perspective on the general and ubiquitous problems of the time.
Es ist so leicht zu sagen, wir “akzeptieren” diesen oder jenen Kurs, aber die Welt, die erniedrigte, hat nur einen Kurs, der Hunger nur einen, die Unwissenheit nur einen, und wir schmoren in unseren kleinen Wirtschaftswundern und Kunstwundern, aber die Geschichte ist eine Dampfwalze, die stark ist, und wir sind stark, nicht, wenn wir “eingehen” auf das Gegebene, sondern wenn wir weiterdenken. Mein ganzes Bemühen ist: weiterdenken…Ich glaube, wir haben nur die Richtung zu exekutieren, das ist es, sie anzuzeigen […] Der große Rest ist allerdings der “Pragmatismus”, für den ich keine Verachtung habe, weiß Gott nicht, aber es gehört ins Geschäft und in die Politik, und wir sind hier, um die Pragmatiker in die Schranken zu weisen und ein[ige] wenige würdige Dinge zu vertreten und zu verteidigen.21
The task of the intellectual as artist and writer, according to Bachmann, is neither to fulfill a particular function as professional policy expert or government advisor, nor to articulate a specific message and engage in pragmatic concerns. Clearly, she resents functioning in a paradigm of government vs. opposition, in other words, as an organic intellectual, a role that Günter Grass was willing to accept in the same year. Since Bachmann did not assume a “we” relationship with the public, the social “body,” she was also unwilling to seek out an oppositional “them-and-us” model associated with a commitment to a specific group or organization. Rather, Bachmann’s attempt to avoid complicity in the dyadic model of government-opposition led her to create a ‘marginal’ site defined by her celebrated utopian Richtungsmetapher, “weiterdenken.” For her, that meant representing and “announcing a direction” [eine Richtung anzuzeigen] going beyond ideologies, systems, and “the given” [das Gegebene].
As pointed out earlier, the importance of one’s individual history and experiences is an argument put forward by Edward Said, who provocatively declared, “the intellectual is an exile and marginal.” For Said, Theodor Adorno was the quintessential tangible and metaphorical exile. He writes:
For him life was as its most false in the aggregate—the whole is always the untrue, he once said—and this, he continued, placed an even greater premium on subjectivity, on the individual’s consciousness, on what could not be regimented in the totally administered society.”22
Bachmann’s fragment and the passages quoted from her letter to Hans Werner Henze display a similar emphasis on the individual and a distancing from systems of powers that qualifies her position as marginal. Other “exile” and “marginal” tropes could be applied to Bachmann’s case, for example Julia Kristeva’s notion of women as generically exiled or Rosi Braidotti’s “nomadic subjects” as a figuration of the postmodern subject in general and of the feminist subject in particular. One could also refer to Bachmann’s actual situation after she left Vienna in 1953 by prompting the signifier “expatriation.” At the end of the published version of her Büchner speech, Bachmann herself elicits the figure of the “Kundschafter” [scout] and “Ortsfremder” [alien], who is “[…] im Vorteil und im Nachteil. Seine Darstellung ist ihm ganz und der Sache nie ganz angemessen.”23 Bachmann’s marginal site emerges from “phusis” as a process of the “being as a whole,” including the faculties of perception, memory, reason, imagination and understanding and their interplay with the social phusis that engages forms of attraction and rejection. All of these establish the creative process and generate the unique form of intellectual that Bachmann came to embody.
Writing Transnationally
I will now turn to Bachmann’s text “Tagebuch,” which she originally wrote for the Revue Internationale in the early 1960s. This was a project that brought a group of intellectuals together, who sought to create a new form of journal addressing what Maurice Blanchot termed “a change in times” and to inquire into the possible role of literature in the process of what Deleuze and Guatteri defined as “deterritorialization,” the weakening of ties between culture and place or territorial boundaries.24 The plan was to create a transnational journal with mostly East and West European contributors. The ambitious project began with writers from Italy, France and Germany, including Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Ingeborg Bachmann and Uwe Johnson. The Revue appeared only once, in April 1964, as a supplement to the Italian review Il Menabo. Her text “Tagebuch” was published in Il Menabo di Letteratura later that year.25 Her focus was European Unification, the role of reconciliation and the possible contribution of the political journal to this process. In the opening passage of “Tagebuch” Bachmann takes a critical stance toward the representatives of the state who aspire to think for their constituency and convince them of the necessity for “reconciliation,” obviously a criticism levied at Adenauer’s and de Gaulle’s presentation and performance of the German-French alliance.
Und abseits blieben nur einige wenige, Intellektuelle womöglich, verstockte Individuen, die ohne Regung dem Jubel zusahen---beinahe groteskerweise zu verwechseln mit den ganz und gar Gestrigen, Unversöhnlichen, Unbelehrbaren [….] Diese ärgerlichen Sondierer, diese humorlosen Entgeisterten, die unter der mörderischen Bedrohung, unter der alle leben, beharrlich sich doch versteifen und verlangen, dass alle, alle ohne Unterschied und für immer, leben sollen und arbeiten sollen, dürfen, und essen und schlafen, ohne Furcht, und weil dies die conditio sine qua non für sie ist, auch beharrlich verlangen dürfen, dass die Schwierigkeiten des Führens von Frieden keine leichtfertigen, partiellen Lösungen finden, keine emphatischen und sentimentalen, keine langfristig gefährlichen und kurzfristig geflickten Lösungen, Versöhnungen, die schon wieder schmecken nach neuem Frontenverlauf, während der gestrige und gegenwärtige Frontenverlauf einem noch alle Augenblicke das Blut stocken lässt (IBW IV, 68).
Bachmann, the intellectual as controversialist, alerts the public to the complexity of reconciliation, specifically the reconciliation between France and Germany. She does so on the basis of universal principles, that is, everyone’s right to live, work, eat and sleep without fear. In short, partial or tentative solutions in the political realm should not mask any potential dangers of newly established front or alliance building. However, should one not embrace beginnings, since beginnings have to acquiesce to a common sense? As an alternative, Bachmann draws on other senses, memory for example. The wieder, the “again,” calls forth an all too fresh memory of past alliances. Readers are challenged to review their understanding of alliance building before and during the Second World War. Bachmann’s vigilance is directed toward the superficial “Versöhnungsgier.” What appears as a weakening of borders, at the time, strengthens new borders, foreshadowing a development that led to the provocative concept of a “Fortress Europe” in the 1980s.
Bachmann warns us neither to forget the threat of building political fronts in the past, nor the consequences of alliances in the present. The use and abuse of emphatic or hateful celebration that comes with it, Bachmann writes, causes “our blood to curdle” [das Blut stocken lässt]. In contrast to “curdled blood” as the result of hasty reconciliations and their dangers, Bachmann calls for a “breathing space” [Atempause] and “attentiveness“ [Aufmerksamkeit]. These words provide the direction, “die Richtung,” that brings about “a positive palpitation of the heart” (IBW IV, 68).
How can we move towards breathing spaces and attentiveness? Bachmann writes that models of the past will not work anymore. We can neither return to cosmopolitan enthusiasm or the staging of the play entitled “European culture” as performed by a cultural elite prior to the tragic disruptions of two world wars, nor can we entertain a more recent desire, that is, the hunger to “find oneself a world” [sich eine Welt verschaffen], following the isolation and commercially-driven cultural exchanges of the postwar era. As far as the immediate present is concerned, Bachmann writes:
Wenn man unsere Zeitschriften durchsieht, so begegnen einem immer mehr Aufsätze, Analysen, von wenig bekannten Namen gezeichnet, aber umso fachmännischer geschrieben, mit wissenschaftlicher Akribie, als wäre Europa zu einem Gegenstand geworden, dem sich nur mehr Experten nähern dürfen. Man liest diese Untersuchungen, Prognosen, Diagnosen mit der Beklemmung des Laien, der sich dem Fachverstand unterlegen weiss und der dennoch keine Mühe scheuen will, von einem so wichtigen, auch ihn etwas angehenden Gegenstand zu erfahren, von den wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkten, von Verteidigungsmöglichkeiten, Balanceakten und unerhörten Bezügen obendrein, von denen noch andere Experten noch Genaueres wissen. Ja, es sind wahrhaftig die Experten, die sich jetzt der Sache angenommen haben und man fühlt sich unendlich klein und eingeschüchtert […] (IBW IV 74-75).
By the mid 1960s Bachmann had already noted that the guardians of universally grounded values and truths had disappeared. The moment of “Europeanization” had been seized by experts that were driven by their narrow specializations, their professional interests or by profit. It was precisely this moment, as Maurice Blanchot writes in his proposal for the Revue Internationale, which not only calls for political but also for literary responsibility. A journal such as the Revue was designed to provide that utopian space.26 The guiding idea for the Revue contributions, Blanchot proposed, was the fragment that activates a multiple rather than a single authorship.27
In view of Blanchot’s outline, let us take another look at the text that Bachmann entitled “Tagebuch,” that is, journal writing.28 Based on its title, one might surmise that the text is of a preliminary or unfinished nature; it exhibits a quality of openness and is expressive of thoughts that are not fixed yet. As “writing from a journal” generally does, it provides space for reflexivity and sensuality; in addition, it is open to complexity, multidimensionality, and spontaneity. The journal becomes a space for “Atempause,” and “Aufmerksamkeit.” These are the key terms that define the specific moment of the Europeanization process and its core task (not surprisingly), to reference yet another mode of thought that is tied to “Sprach(ge)brauch,” the customs, habits and functions of language use in different venues. According to Bachmann, the project of the Revue is to create a forum where one must speak differently than at home, where one puts trust into the familiar and where one endorses historical and politico-cultural familiarity. In the journal, in contrast, one makes an effort to keep an eye on being "together" and to do so without firm positions that might not be understood elsewhere. In short, one speaks differently, in order to be more exact.
Sprechen aber zu distanzierten Freunden und Mitarbeitern, zu einem distanzierten Publikum, zusammenzuarbeiten, wo es noch Mühe macht, dass “Zusammen” zu sehen und wo das Verlässlichste im Anfang wohl das “Arbeiten” sein dürfte--es kostet die größere Anstrengung, kostet den Verzicht auf Anspielungen unter Beibehaltung der Mundart, den Verzicht auf die vermeintlich feste Position der einzelnen, die anderswo womöglich gar nicht einleuchtet […] Und man kann zugleich unbesorgt bleiben um die Eigenart, denn wo Eigenart ist, wird sie nicht verloren gehen--man wird ein wenig anders sprechen, um genauer zu werden in der Selbstdarstellung und um genauer die Gegenstände in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sich vorzustellen (IBW IV, 64-5).
Bachmann follows the direction Blanchot outlined in his proposal for the Revue. Introducing the task of translation, he writes: “The translator is the secret master of linguistic difference: his task is not to abolish that difference but to use it, to alter his own tongue in such a way as to awaken it to what differences exist in the original.”29 The promise of altering language by and with translations that Blanchot sketches and Bachmann develops reminds us, in turn, of Walter Benjamin’s translation theory in his seminal essay “The Task of the Translator,” entailing the vision of a “greater language” emerging from the process of translation.30 Bachmann comments that French, Italian and German, among others, could prove to be the fertile and strange dialects under consideration for a more comprehensive language, which would not need to be created.31 Rather, one must write in one’s own dialect, Bachmann suggests, but always keep a more comprehensive language in mind and, to cite Bachmann, “in sight”—“mit einer Rücksicht auf eine umfassendere Sprache, die dann freilich niemand zu gründen braucht und sprechen muss. Wenn er nur in seinem Dialekt sie mit meint und mit im Auge behält” (IBW IV, 65). I would argue that the “more comprehensive language” Bachmann elicits here is the language of transnationality. This language does not appear at the end of the road of “reconciliation” [Versöhnung], but, in the spirit of Benjamin, we must envision a growing interpenetration of languages with the result that a new language emerges from them.
In conclusion, as a writer and intellectual in the mid-1960s Bachmann is no longer the traditional or universal intellectual, someone who primarily relies on intellectual resources and a moral consciousness. She still promotes universal principles, such as human rights, peace, freedom, and democracy, but she does so as an embodied singular intellectual relying on “physis,” a “being as a whole in process” imbued with language and interacting with the “social whole” that in “Tagebuch” is transformed into a new transnational space and culture, although these are associated with the outpost “Teileuropa.” Her text “Tagebuch” distinctively ties literary and political responsibility together with the paradigm of translation. Based on an ethics of translation, which keeps an eye on the source language as well as on the plurality of possible target languages, Bachmann outlines a new model of the transnational intellectual and writer.
Dann soll es, in unserem Beruf, ruhig einmal Mühe kosten, für ein Adjektiv tagelang ein entsprechendes Adjektiv zu suchen in der anderen Sprache. Und dann wird auch nichts verloren sein, wenn einmal für ein Wort kein entsprechendes Wort gefunden wird. Wenn das Vertrauen nur da ist in den Dialekt, in das, was übersetzbar an ihm ist, in das, was unübersetzbar bleibt (IBW IV, 74).
In view of the ambitious project presented in “Tagebuch” we might find an answer to what Said has determined as the basic question for the intellectual: “How does one speak the truth? What truth? For whom and where?” Bachmann’s transnational intellectual, writer and translator, I would argue, is someone, who writes in the context [“einer Gegend”] in which she is placed with precision and creativity, valuing her own “dialect” [Mundart] and others as well. Her intellectual stance proposes a direction towards a truth by writing “at home” and “not at home simultaneously,” by speaking to those “at home,” and “keeping an eye” on those in “other places and languages,” in an ongoing effort to create a transnational space open to the diversity of languages and cultures in process.
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1 This overview draws on selected studies on public intellectuals, primarily by Michel Foucault, Edward Said, Richard A. Posner and also on articles in the special issue of the journal Das Argument, “50 Jahre das Argument. Kritisch-intellektuelles Engagement heute.” Dietz Bering’s recent study, Die Epoche der Intellektuellen 1898-2001, published in September 2010, could not be considered.
2 Quot. in Intellectuals in Politics: From the Dreyfus Affair to Salman Rushie. Eds. Jeremy Jennings and Anthony Kemp-Welch. London/New York: Routledge 1997, 210.
3 Sartre did not use the term “intellectual” but “man of letters,” a term that was introduced by Voltaire in 1765 and has been used commonly in France as well as in Great Britain.
4 Michel Foucault: Power/Knowledge: Selected Interviews & Other Writings, 1972-1977. Ed. by Colin Gordon, tr. Colin Gordon, Leo Marshall, John Mepham, Kate Soper. New York: Pantheon Books 1972, 126; Edward Said: Representations of the Intellectual. The 1993 Reith Lectures. New York: Pantheon Books 1994, 9-10.
5 Ibid., 12.
6 Ibid., 13.
7 Richard A. Posner: Public Intellectuals: A Study of Decline. Cambridge, MA/London: Harvard UP 2004, 170.
8 Said: Representations of the Intellectual, 52-53.
9 Posner: Public Intellectuals, 35.
10 Said: Representations of the Intellectual, 88.
11 Holger Gehle: NS-Zeit und literarische Gegenwart bei Ingeborg Bachmann. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 1995, 176 [Nachlass 2490/K 8007].
12 Martin Heidegger: The Fundamental Concepts of Metaphysics: World, Finitude, Solitude. Trans. William McNeill, Nicholas Walker. Bloomington: Indiana UP 1995, 25.
13 Ibid.
14 Ibid., 26.
15 Here, I follow Brendan Mahoney’s convincing argument of the relationship “phusislogos” in his discussion of Heidegger’s “phusis” in Listening to Things: Eco-Poetics in Wittgenstein, Heidegger and Stevens. Dissertation Binghamton University, 2010. Chapter 3, “Lingering with Things.”
16 Martin Heidegger: Basic Concepts of Aristotelian Philosophy. Trans. Robert D. Metcalf, Mark B. Tanzer. Bloomington: Indiana UP 2009, 14.
17 Jean Paul Sartre: “What Is Literature?” and Other Essays. Cambridge, MA: Harvard UP 1988.
18 Understanding the risks involved is crucial for her paradigmatic use of the Krankheitsmethapher, which lends it strong intellectual and sensual connotations.
19 Trans. Andrew Marki.
20Briefe einer Freundschaft: Ingeborg Bachmann, Hans Werner Henze. Ed. by Hans Höller. München: Piper 2004, 267-68.
21 Ibid.
22 Said: Representations of the Intellectual, 55.
23 Ingeborg Bachmann. Ein Ort für Zufälle: Mit Zeichnungen von Günter Grass. Berlin: Wagenbach 1965.
24 Revue Internationale, Atopia, no 10, 01/2007
(http://www.atopia.tk/index.php/gratia12/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=32&Itemid=72). Concerning the journal project and the participation of a German team including Bachmann see Sigrid Weigel: Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter Wahrung des Briefgeheimnisses. Wien: Paul Zsolnay 1999, 386-97.
25 In Menabo di Letteratura, no.7 (Torino 1964) under the title “Diario in Pubblico,” trans. by Lia Secci. The text appears as “Tagebuch” in IBW IV, 63-77.
26 Maurice Blanchot: “Proposal for Revue Internationale.” The Literary Debate: Texts and Contexts. Ed. by Denis Hollier and Jeffrey Mehlmann. New York: The New Press 1999, 379-90.
27 Blanchot was interested in the Jena Romantics’ journal “Atheneum” and F.W. Schlegels’ theory of the fragment: http://www.atopia.tk/index.php?option=com_content&task=view&id=90&Itemid=72.
28 The title of the first publication in Lia Secci’s translation is “Diario in Pubblico” [Public Journal].
29 Blanchot: Proposal, 386.
30 Walter Benjamin: “The Task of the Translator” in Selected Writings 1913-1926. Edited by Marcus Bullock and Michael W. Jennings. Cambridge, MA/London: The Belknap Press, Harvard UP 1996, 253-63.
31 Bachmann alludes here to the constructed international language “Esperanto,” introduced by L. L. Zamenhof in 1887. In the following paragraph, she describes the unsuccessful efforts to establish it as a common language in the post-World-War II years.
Robert Pichl
Es mag auf den ersten Blick merkwürdig erscheinen, im Rahmen eines Symposiums, das Ingeborg Bachmanns „Schreiben gegen den Krieg“ gewidmet ist, das Thema „Ironie“ zu behandeln. Doch wird damit auf eine Facette der Künstlerpersönlichkeit der Autorin verwiesen, die besonders in ihrem späten Prosawerk immer wieder erkennbar ist und die, wie es den Anschein hat, in der Forschung mit einer Ausnahme bisher nie systematisch verfolgt wurde, nämlich ihren Hang zu humorvollen Detailschilderungen und ironischen Pointen. Die erwähnte Ausnahme stellt Karen R. Achbergers 1998 im 1. Band der Reihe Über die Zeit schreiben erschienener Beitrag zum Humor in Ingeborg Bachmanns Todesarten-Projekt dar.1 Um nun eine plausible Verbindung zwischen den scheinbaren Gegensätzen herzustellen, bedarf es zunächst einer Präzisierung des Themas „Krieg“ sowie einer längeren Auseinandersetzung mit dem Ironie-Begriff, der in der einschlägigen Forschung in der Regel vom Humor unterschieden wird.2
Den Begriff „Krieg“ verwendet Ingeborg Bachmann nicht nur für die übliche Bezeichnung einer militärischen Auseinandersetzung, sie versteht darunter vielmehr eine existentielle Grundbefindlichkeit der Gegenwartsgesellschaft, was in mehreren bekannten Zitaten dokumentiert ist. So lautet die Schlusskonsequenz aus dem 2. Kapitel des Malina-Romans, in dem ein differenziertes Spektrum menschenverachtender Gewaltaktionen seitens der allegorischen Vaterfigur vorgeführt wird: „Es ist immer Krieg. Hier ist immer Gewalt. Hier ist immer Kampf. Es ist der ewige Krieg“ (TP 3.1, S. 565). In einem Interview mit Ekkehard Rudolph (23.3.1971) bemerkt die Autorin etwas anschaulicher: „Es ist ein großer Irrtum zu glauben, daß man nur in einem Krieg ermordet wird oder nur in einem Konzentrationslager – man wird mitten im Frieden ermordet“ (GuI, S. 89). Auf Gerda Bödefelds Frage betreffs Bachmanns Beurteilung der menschlichen Gesellschaft als dem „allergrößten Mordschauplatz“ meint diese: „Ja haben Sie denn da einen Zweifel? Daß in dieser angeblich zivilen Welt, zwischen Menschen, die sich scheinbar gut benehmen, im Verborgenen ein permanenter Kriegszustand herrscht? Daß die Menschen einander umbringen, ganz langsam?“ (GuI, S. 111). Und noch präziser wird ihre Anklage im 3. Statement in Gerda Hallers Film „Ingeborg Bachmann in ihrem erstgeborenen Land“ aus dem Jahr 1973: „ich glaube nicht an diesen Materialismus, an diese Konsumgesellschaft, an diesen Kapitalismus, an diese Ungeheuerlichkeit, die hier stattfindet, an diese Bereicherung der Leute, die kein Recht haben, sich an uns zu bereichern“ (GuI, S. 145).
Wir wissen, dass sich Ingeborg Bachmann besonders in ihren Prosawerken bemüht, diesen Kriegszustand in seinen Ursachen und Wirkungen an paradigmatischen Einzelfällen anschaulich darzustellen, andererseits aber keine pragmatischen Vorschläge für eine kollektive Gesellschaftsveränderung ausformuliert. Sie hat, wie noch zu zeigen ist, ein utopisches Ziel vor Augen, das, auch im Bewusstsein von dessen letztendlicher Unerreichbarkeit, von jedem Einzelnen im Rahmen seiner individuellen Geschichte anzustreben ist, um so gleichsam eine schrittweise „Gesellschaftsreform von unten“ in Gang zu setzen.3
