Die Weissagungen des Mirayi - Sonja Schmidt - E-Book

Die Weissagungen des Mirayi E-Book

Sonja Schmidt

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Beschreibung

Bei "Die Weissagungen des Mirayi - Der Anfang vom Ende" handelt es sich um eine Art Märchen, in dem beschrieben wird, wie ein alter weiser Mann aus den Bergen in ein kleines Dorf kommt, um den dortigen Menschen von den Weissagungen zu berichten, die ihm ein unsichtbares Wesen kundgetan hat. Er soll unter den Dorfbewohnern über den Verlauf der Menschheitsgeschichte abstimmen lassen. Soll es eine Zukunft geben oder soll alles so bleiben, wie es ist?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 36

Veröffentlichungsjahr: 2025

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dem Flörch und dem Fiete

Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werdet ihr feststellen,

dass man Geld nicht essen kann.

Weissagung der Cree

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Die Weissagungen des Mirayi

Epilog

Prolog

Wir hatten „Unterm Rad" gelesen und „Die Leiden des jungen Werther" damals in den 80er Jahren im Deutschkurs bei diesem zerbrechlich wirkenden Achtundsechziger mit Halbglatze, der seinen Pullover auf links trug, mit der Waschanleitung sichtbar nach vorne.

Wir mussten unzählige Erörterungen schreiben, über Themen wie „Pro und Contra 5%-Klausel“. Ich brachte es nur auf eine Drei, manchmal prangte auch frech eine Vier auf meinem Zeugnis.

Der bärtige Alternative, in den die Mädchen verliebt waren, unterrichtete in „Werte und Normen" Demokratietheorie, arbeitete mit uns Texte von Adorno und Marcuse durch und sorgte dafür, dass wir regelmäßig „Informationen zur politischen Bildung" studierten. Auf diesen schwarzen Heften prangten meist düstere Schwarzweiß-Fotos aus der deutschen Vergangenheit oder Abbildungen von Pershings und Cruise-Missiles, die uns Angst machten. Wir erfuhren, dass die Waffen aus Ost und West ausreichten, um die Welt unzählige Male komplett zu zerstören.

Morgens im Religionsunterricht nahmen wir Franz Alts „Frieden ist möglich“ durch, am Nachmittag donnerten Düsenjäger mit ohrenbetäubendem Lärm über unser idyllisches, kleines Dorf in der Lüneburger Heide. Einmal war einer von ihnen abgestürzt und wir fuhren mit unseren Rädern, die Stelle zu suchen. Marcos mit den strahlend weißen Zähnen und der bronzefarbenen Haut hatte als Einziger ein Bonanzafahrrad und ich durfte manchmal hinten auf dem langen Sitz mitfahren. An dem Tag wollte ich nicht.

Hatte ich mir als Kind vorgenommen, mich im nächsten Krieg auf den Fußboden zu legen und so zu tun als sei ich schon tot, immer wenn mein geliebter Großvater von seiner Gefangennahme und der Zeit beim „Iwan“ in einem Kriegsgefangenenlager erzählte, so war mir spätestens im Alter von vierzehn Jahren klar, dass diese meine Strategie mir angesichts der Apokalypse, die uns im Falle eines Atomkriegs drohte, nicht helfen würde. Dass Europa das Schlachtfeld wäre, auf dem die Westmächte und der Ostblock um die Vormachtstellung in der Welt kämpfen würden, hatten wir verstanden. Gleichzeitig verunsicherte man uns Baby-Boomer mit Aussagen über schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, mit der Aussicht auf eine Zukunft in Arbeitslosigkeit und Armut, und, als sei dem Schrecklichen noch nicht genug, prognostizierte Hoimar von Ditfurth abends im ZDF den bevorstehenden Klimawandel und seine bedrohlichen Folgen. Von den Gefahren der Atomkraft ganz zu schweigen.

Alles das war auf uns eingeprasselt und wir versuchten, damit umzugehen, es irgendwie zu verarbeiten. Markus' Beitrag in den Diskussionen begrenzte sich auf den Satz: „Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose“. Raimond und Geli strickten sich Jacken aus unbehandelter Schafwolle und fertigten Knöpfe aus Holz. Anke, Winfried und die Frickels trieb es langhaarig und in bunt gebatikten Hosen und Halstüchern ins Wendland.

Ich schrieb. Schriftstellerin wollte ich schon so lange werden wie ich denken konnte, aber das war „brotlose Kunst“. Schließlich konnte nicht jeder ein Hermann Hesse oder ein Johann Wolfgang von Goethe werden. Was bildete ich mir ein? Resigniert schrieb ich die Worte aus Thomas Manns „Tonio Kröger“ in mein Tagebuch:

„Deine länglich geschnittenen, blauen, lachenden Augen, (...)! So schön und heiter wie du kann man nur sein, wenn man nicht >Immensee< liest und niemals versucht, selbst dergleichen zu machen. Das ist das Traurige!“

Schön und heiter wäre ich gern gewesen. Stattdessen war ich traurig, hatte Angst. So viel Angst! Fast immer.

Heute wohne ich in einem kleinen Reihenhaus, das ich mein Eigen nennen darf, denn mit dem Leben hat es dann doch irgendwie geklappt.

In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Fliegerhorst. Vor 77 Jahren starteten hier die Rosinenbomber in Richtung West-Berlin. Die Vorstellung hat mir immer gefallen und ich erinnere mich, wie ich in den 1990ern mit meinem kleinen Sohn durch den alten Maschendrahtzaun hindurch das Landen und Starten der zweimotorigen Transportflugzeuge beobachtet habe. In den letzten 25 Jahren war es dort recht ruhig.

In letzter Zeit aber höre ich immer häufiger Bollern und Dröhnen vom Fliegerhorst herüberschallen.

Manchmal in der Nacht, noch halb gefangen in einem Traum, will ich den schmalen Flur entlang über den gelb gemusterten Teppich ins Schlafzimmer meiner Eltern laufen. „Mama!“, schreie ich und werde schlag-artig wach.