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Auf der Suche nach dem treffenden Reim, öffnet sich Manfred Burba immer wieder für neue Ideen, Gedankengänge, verknüpft tiefe Lebenserfahrungen mit originellen Zeilen. Er plädiert dafür, den Spuren des Unbewussten zu folgen. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz. Naturgedichte rufen Maienlandschaften auf oder führen durch den Grunewald. Das Lied vom sauren Regen erklingt. Ein nächtlicher Hafen wird angesteuert oder die Ruhe im Strandkorb gestört. Der Tisch seiner Kindheit ersteht wieder auf. Erich Kästner gehört zu seinen Vorbildern, über die Poetik des Dichters sinnt er nach. Mozarts musikalische Geheimnisse geben Rätsel auf. Von einer Flucht aus Venedig berichtet ein Gedicht, ein anderes von Hexenverbrennungen in Würzburg. Hommagen für Erich Fried, Heinrich Heine und Wilhelm Busch lassen sich finden. Aspekte der Gesellschaft, Geschichte, Politik, Wissenschaft und der Religion treten gereimt ins Rampenlicht. Dramatische Ereignisse aus den letzten Kriegstagen werden lebendig und ein Vernichtungslager der Nazis kommt ins Blickfeld. Von der menschlichen Katastrophe in Aleppo ist die Rede und von anderen politisch aktuellen Problemen. Der Band umfasst die Gedichte aus den letzten vier Jahrzehnten des Autors.
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Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2017
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„Es ist leichter, seine Fahne nach dem Wind zu hängen,
als die Windrichtung zu ändern“.
Manfred Burba
(aus: E. Maassen, N. Mieck, H. Lange u.v.a.: Bunte Flusslandschaften. Haiku und andere Kurzgedichte, Aphorismen. Dorante Edition, 2016, S. 153)
Vorwort
Der große Knall
Nächtlicher Hafen
An meiner Hand
Der Tisch meiner Kindheit
Die eigene Meinung
Kästners Lyrik
Der Kleinstadtpoet
Der Typ von nebenan
Ein Pauker der alten Schule
Die Besten
Aus dem Unbewussten
Laudatio für Münchhausen
Bilder der Kindheit
Sokrates
Flucht aus Venedig
Der Mensch ist frei
Der eigene Weg
Die große Schau
Die Hundematte
Die leidigen Touristen
Doktor Eisenbarth
Der Mensch ist schlecht
Ein Rock’n’Roll-Talent
Ein unbekannter Dichter
Wilder Löwenzahn
Auf Bauernfang
Eine sprichwörtliche Geschichte
Grippaler Infekt
Ich halte nichts von alledem
Kindermond
Im Wochenendparadies
Nachruf auf Don Juan
Rätselhafte Zeit
Unsere Wahrheit
Untergetaucht
Eine ausradierte Stadt
Der Judenstern
Ankunft in Skirotava
Kommandant Krause
Vorsaison
Letzte Fragen
Zwei Paar Schuh
Verlorenes Glück
Verkehrte Welt
Vor der Drogerie
Westward Ho!
Weihnachten im Himmel
Das schwarze Pulver
Der Hexenbischof
Die ganze Wahrheit
Nur nicht im Mai
Ein Heldenleben
Die vier Deserteure
Eine ganz normale Stadt
Wie es dazu kommen konnte
Der Anne-Frank-Baum
Der Tag an dem ich sterben werde
Ende einer Epoche
Gedichte schreiben
Im Fußballfieber
Durch den Grunewald
Im Strandkorb
Mozarts Geheimnis
Sonett an Heine
Unterdrückung
Dein Lachen, Selma
Aus alter Tradition
Ferien auf Sylt
Auf der Warteliste
Cordelia
Begegnungen
Todesahnung
Zum Jahreswechsel
Der falsche Graf
Die Helden von damals
Vater einer Braut
Letzte Ruhestätte
Frühlingsgefühle
Heimat du fremdes Land
Notstand
Aufruf zum Frieden
Besuch in Auschwitz
Ansprache vor Deportierten
Durch den Kamin
Metropole des Todes
Sonderkommando
Kinderkreuzzug
Guter Rat
Abkehr von der Kirche
Ein Dichter stirbt
Die Schönheit
Wunschkonzert
Die beiden Amseln
Die beiden Streithähne
Max und Moritz p.m.
Ein Intellektueller
Mein letzter Weg
Ein geregeltes Leben
Bericht aus der Hölle
Die Eule, der Kater und die Kuh
Geiz ist geil!
Global Players
Meine Firma
Die Kostenstelle
Grillsaison
Neujahrsparty
Vater Rhein
Der Reim ist tot
…
Wir schaffen das
Ansichten eines Touristen
Mozart forever
Der Köter
Adelheid und ihr Verehrer
Mein Gartenzwerg
Mein Garten
Aus einer anderen Welt
Da war kein Gott
Unter Überlebenden
Unsere atomare Situation
Stroiter Mühle
Sommer am Altendorfer Berg
Vom rechten Glauben an die gute Sache
Das Lied vom sauren Regen
Bis zum Letzten
Bunte Luftballons
Auf Schatzsuche
Ein großer Humorist
Ein Mäuseleben
Wo bist du?
Musica Antiqua
Keine Vakanz
Bunter Schmetterling
Herbstgewitter
Herbstliches Ambiente
Im Totengrund
Die Störche von Bruck
Sterbenszeit
Urlaub in Bad Grund
Im Panaché
Ins Gästebuch geschrieben
Wunschträume
Begegnung in Pisa
Unterdrücktes
Vor dem Grabstein
Tour de farce
Abschied von Sven
Lebenslauf
Keine Zeit
Der Tod als Freund
Demografischer Wandel
Düsseldorf am Rhein
Aleppo
Dein vergessener Brief
Das Bächlein
Nautische Probleme
Auf dem Brocken
Herbstlich
Entsorgung der Welt
Am Ende
Auf meine Gedichte und deren Veröffentlichung habe ich rückblickend viel Zeit verwendet. Die Fertigstellung mancher Gedichte hat sich bis zu ihrer endgültigen Fassung mehrere Jahre hingezogen. Trotzdem fallen mir, wenn ich die Texte jetzt nach längerer Zeit wieder lese, treffendere Formulierungen ein. Ein Gedicht scheint mit dem Autor zu wachsen und findet wohl erst mit dessen Ableben seinen natürlichen Abschluss.
In den verschiedenen Themenbereichen humoristische (komische) Gedichte, Gedichte über Persönlichkeiten und Ereignisse aus der Neueren und Älteren Geschichte, Gedichte über Krankheit, Tod und Sterben, Gedichte über Natur und Umwelt sowie Gedichte mit Themen aus Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft, Weltanschauung usw. spiegeln sich Ereignisse aus dem Leben und aus den verschiedenen Interessengebieten des Autors wieder.
Die Mehrzahl meiner Gedichte ist gereimt. Ich liebe den Reim, genauer Endreim, und seine verschiedenen Arten und habe ihn als Ausdrucks- und Klangmittel von Anfang an eingesetzt.
Rund 160 veröffentlichte Gedichte in knapp 40 Jahren (seit ca. 1980) sind eine mäßige Ausbeute, die zeigt, dass ich die Texte ohne Zeitdruck und Hektik, für mich allein und ohne ökonomische Absicht geschrieben habe. Viele Gedichte wurden prämiert in Lyrik-Wettbewerben, meist von Literaturpodium.de. Dort veröffentlichte ich seit 2008 zahlreiche meiner Gedichte.
Ich brauchte viel Zeit und Zuspruch, um diesen Band zu verwirklichen. Ein paar Illustrationen oder eigene Fotos zu einzelnen Gedichten hätte ich mir noch gewünscht, doch das würde alles noch länger hinausgezögert haben. Meine über 40 wissenschaftlichen Publikationen, die mein Berufsleben nahezu 35 Jahre begleitet und mit ausgefüllt haben, wird man vergessen, sie veralten – meine Gedichte vielleicht nicht.
Manfred Burba, Einbeck im Oktober 2017
Am Anfang war der große Knall,
„Big Bang“ auf Astronomisch,
den hört man heute noch im All,
zum Glück nur elektronisch.
Am Ende steht ein Schwarzes Loch,
worin die Welt verschwindet,
es sei denn, dass man vorher noch
ein Hintertürchen findet.
Der Sinn und Zweck der Explosion
und wer sie inszenierte
sind unbekannt, obgleich man schon
sehr gründlich recherchierte.
Die Flut erreicht den Hafen
und Kutter laufen ein.
Aus engen Ruderhäusern
dringt trüber Lampenschein.
Vom Feuer auf der Mole
erleuchtet ist der Strand.
Es treiben grau im Wasser
die Möwen vor dem Land.
Die See umspült die Buhnen
und Nebel zieht heran.
Im Hafenbecken legen
die letzten Schiffe an.
Ein Wind bewegt die Flaggen
am menschenleeren Kai.
Erloschen sind die Lichter
der Hafenmeisterei.
Die Nacht verschließt den Hafen.
Als Regen rinnt die Zeit.
Die Brandung in der Ferne
rauscht durch die Dunkelheit.
für Wiebke
Du bist an meiner Hand gegangen,
hast freudig zu mir aufgeschaut
und mit erwartungsvollen Augen
mir deine Kindheit anvertraut.
Ich nahm sie auf in meine Obhut
und pflegte sie mit Zärtlichkeit;
sie fühlte sich bei mir geborgen,
behütet und in Sicherheit.
Das gab dir Zuversicht und Stärke
und half dir, in der Welt bestehn,
sie zu begreifen und zu lieben
und deinen eignen Weg zu gehn.
Die Zeit der Kindheit ist vorüber,
jetzt gehe ich an deiner Hand,
doch deine großen, blauen Augen
sind mir noch immer zugewandt.
Der Tisch meiner Kindheit
ist reich gedeckt.
Auf dem Linoleum
türmen sich die Erinnerungen:
Der zwiebelschneidende Vater.
Die Augen verkniffen.
Tränen fallen auf das
zerfurchte Hackbrett.
Vor dem Abwaschtisch die Mutter
poltert mit dem Geschirr.
Ich spiele mit
Eicheln, Bucheckern
und Kastanien:
Die Früchte eines langen Tages.
In der Guten Stube nebenan
glänzt die Mahagoniplatte
wie das Holz unserer Särge.
Es ist nicht leicht, mit ihr zu leben,
so lebt man oft von ihr getrennt;
es soll auch viele Fälle geben,
in denen man sie gar nicht kennt.
Beharrlich muss man nach ihr suchen,
dem schnellen Griff entzieht sie sich,
da hilft kein Jammern oder Fluchen,
nur viel Geduld ist förderlich.
Der Weg zu ihr steht jedem offen,
doch ist er steiler als man denkt.
Man kann sich viel von ihr erhoffen,
nur kriegen wir sie nicht geschenkt.
Was er beschreibt in seinen Versen,
das ist im Allgemeinen klein;
er hat ein Herz für „kleine Leute“,
das könnte gar nicht größer sein.
Und sein Humor und seine Sprache
sind schlicht und einfach und konkret;
er kann die Welt in Worte fassen,
sodass sie jedermann versteht.
Die Bilder und die Reime treffen
und die Pointen sind prägnant;
ironisch ist er, streng und kritisch
und als Satiriker bekannt.
Im großen Ganzen wirkt er heiter,
wie man das auch bei Mozart hat,
ob alle ihn wie Mozart lieben,
das steht auf einem andern Blatt.
Manch einer ist nicht zu belehren
und ganz und gar darauf erpicht,
sein Inneres herauszukehren
in einem lyrischen Gedicht.
Er möchte jedermann erzählen,
worunter er im Leben litt
und was ihn für Gedanken quälen
und welche Meinung er vertritt.
Doch mangelt es ihm an Erfahrung
auf literarischem Gebiet,
was er bei seiner Offenbarung
ganz offensichtlich übersieht.
So wählt er stets dieselben Worte,
lässt Reim und Rhythmus außer Acht
und Verse von der schlimmsten Sorte
sind schließlich zu Papier gebracht.
Die Tageszeitung druckt bisweilen,
was er in Strophenform verbricht
und mancher Leser liest die Zeilen
und denkt - welch herrliches Gedicht!
Wen ich partout nicht leiden kann,
das ist der Typ von nebenan,
denn all sein Streben geht dahin,
nicht so zu sein, wie ich es bin.
Er raucht und trinkt nicht, isst nicht viel,
hält nichts von BILD und Lottospiel
und fliegt schon gar nicht nach Taiwan,
Sri Lanka oder Pakistan.
Im Garten lässt er Unkraut steh‘n,
die Kinder auf den Rasen geh‘n,
und vor dem Haus parkt ein Objekt,
verbeult, verrostet und verdreckt.
Er lebt nach Kneipp und Hahnemann,
hat immer Jeans und T-Shirts an
und joggt noch abends durch den Ort,
trotz Spielfilm, Tagesschau und Sport.
Was mich jedoch am meisten stört ...
dass dieser Mensch nicht auf mich hört
und sich auch weiter so benimmt,
als ob bei mir nicht alles stimmt.
Man hatte ihn kürzlich nach W. versetzt,
wohl wegen der kränklichen Stimme.
Sein Kehlkopf wurde im Krieg verletzt,
und das war für ihn das Schlimme.
Er lehrte Geschichte und Religion
und musste bei uns unterrichten.
Sein Lieblingsthema war Salomon
und andere alte Geschichten.
Sobald er von Moses und Aaron sprach,
von Saul und den großen Propheten,
da dachten wir über Fußball nach,
die Mädchen und die Moneten.
Und unter den Bänken spielten wir Schach,
auch war uns nach Schlafen und Gähnen,
zur Pause wurden wir wieder wach
mit Kaugummi zwischen den Zähnen.
Er dachte an Gott und merkte nicht viel
und hörte sich selber nur sprechen,
da kamen wir auf ein böses Spiel
mit ihm und seinem Gebrechen.
Wir brummten im Chor mit lächelndem Mund
und blickten empört in die Runde
und störten so aus dem Hintergrund
die ganze Unterrichtsstunde.
Was halfen ihm da seine Frömmigkeit
und Israels alte Geschichte,
das Lernen aus der Vergangenheit ...?
Wir machten ihm alles zunichte.
Er stand vor der Klasse hilflos und bleich
und bebte an Händen und Füßen.
Es war schon ein hundsgemeiner Streich –
doch keiner musste ihn büßen!
In dieser besten aller Welten,
lässt jeder nur die Besten gelten,
denn mit den Plätzen zwei und drei,
sind die Verlierer schon dabei.
Wir sind an manchen Tagen
und wissen nicht warum,
nur schwerlich zu ertragen
als Individuum.
Da bleibt uns nichts verborgen,
geschärft ist der Verstand,
es stört uns schon am Morgen
die Fliege an der Wand.
Beherrscht von dem Verlangen
nach Recht um jeden Preis,
sind wir alsbald gefangen
in einem Teufelskreis.
Der Anlass ist meist nichtig,
der Ärger riesengroß,
nur das allein scheint wichtig:
wie werden wir ihn los?
So kommt, was kommen musste,
wenn man es unterdrückt,
dann spielt das Unbewusste
gelegentlich verrückt.
Ich kenne ihn aus Adelskreisen
als einen ehrenwerten Mann,
der gut und viel erzählen kann
von seinen »wunderbaren Reisen«.
Die Abenteuer und Geschichten,
die er so gern zum Besten gibt,
sind allenthalben sehr beliebt,
wie seine Freunde mir berichten.
Die meisten sind von ihm begeistert,
