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Der Band streift durch Wörterwälder, der Brocken wird bestiegen, eine Schwarzwaldwanderung kommt in den Blick. Kirschblüten leuchten im Sonnenlicht. Was erzählt uns der Gesang der Wale - eine überraschende Antwort gibt es darauf. Eine Flaschenpost ist auf dem Weg. Vom Kinderkreuzzug wird berichtet, niemand kehrt zurück. Die Gewaltorgie, die der türkische Präsident in seinem Land veranstaltet, gerät in scharfe Kritik. Die planerischen Meisterleistungen für den Berliner Flughafen werden mit stillem Spott bedacht. Warum wohnt man in Hamburg, was macht die Stadt liebenswert? Die eigentümliche Form der Schollen führt zu Gedankenspielen. Kennen Sie schon den Yamdrock-See in Tibet? Das Mozartmeer rauscht im Ton zivilisatorischer Abgründe. Berichte von der Walpurgisnacht sind zu erwarten. Und immer wieder ziehen Gedichte durch Berglandschaften. Das ist ein Schwerpunkt dieses Bandes.
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2017
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„In den Körben blau den Rauch der Fernen, Gold der Tiefen unterm Tuch, dem härnen, kommst du wieder mit gelösten Haaren von den Bergen, wo wir Feinde waren.“
Paul Celan
(aus: Bergfrühling)
Helmut Glatz
Der Dichter
Herbstgedanken
Tertiär
Asylanten-Hysterie
Jeden Tag musst du dich neu erfinden
Hanna Fleiss
Maienzeichen
Nächtlich
Karla Reimert
Freidrehen vor den Wirbeltieren
Christina Meffert
Entwurzelte
Martina Onyegbula
Inselstürme
Manfred Burba
Abkehr von der Kirche
Flucht aus Venedig
Bericht aus der Hölle
Cordelia
Kinderkreuzzug
Martin Westenberger
damals, im süden
kurzer abriss über den süden
jasmin
kurzer abriss religiöser ekstase
fischbadetag
ich traf gunther, günther, ganther
Erika Brandner
In der Höhe
Timo Krstin
eine Begehung
Magnus Tautz
Brocken. Aufstieg
Kirschblüten
Ausfallstraße Nordost
Mittag in Zalavár/ Ungarn
Lieper Winkel
Carsten Rathgeber
In der Gästekammer
Hoffnung
Roter Faden
Fremde Zeiten
glaube
eiskalt
Lachen
Luftsprung
Damals
Tribut an Gelika
Tränen-Kanne
kairos
Einsicht
korrektur
bibliothek
Beim Espresso
Norbert Rheindorf
Ebenda
Paul Lindner
Ich zehre davon
Martin Görg
Mit einer Indianerin an der Ostsee
Der Birke Rascheln
Das Mondspiel
Im Archäologischen Institut Tübingen
Wir zogen los
In Wellen
Sonnenlicht rieselt
Von den Almen
Ein Seesturm
Brueghels Truhe
Wird es regnen?
Innertkirchen-März
Dort hat es schon geregnet
Wolfgang Jatz
Erlebnis im Schwarzwald
Wintermärchen
Brief an C.
Die 68er
Orphisch
Sekten
Selbstporträt 1
Selbstporträt 2
Das war‘s
Nach der Lektüre
Der Social-Media-Typ
Walrecht
Wandern, so oder so
Begegnung im Treppenhaus
Die S. rauslassen
Lieblinge
Liab‘s Nachbarle
Träumer
Girls
Werther
Reveille
Angelika Zöllner
Inseln
Lavalegende/Teneriffa
am cafétisch – Florenz
Hannah Pyschny
Die Welt
Michael Johann Bauer
nachtmahr
Wolfgang Rinn
Wandelgänger
Dirk Tilsner
bilanz
robocop
flaschenpost
seh gänge
hört sich gut an …
so bitt‘ ich dich…
Leonhard Ehlen
es gehen fenster auf
wandlungsbünde
spätsommer
wintertag am see
verlängert
spiegelung
unvermeidlich
Ulrich Straeter
Mozartmeer
Energie
Marko Ferst
Helle Mondnacht: 60. Breitengrad
Machtergreifung
Spur nach Tilsit
Blaues Wüstenauge
Dämmerlicht
Schwarze Ampel
Trockenzeit
Hinterlassen
Hans Sonntag
Wörter finden
Versuche wagen
Slawische Welt
Wir einander
Alterskarussell
Berlin – Farben und Düfte
Lebensräume suchen
Sabine Rothemann
Tag, Nachtgleiche
Ein Abend
Gestern heute
Peter Luyendyk
August
Christina Schößler
Tannenberge. Tausendjährig.
Jänner
Der Himmel graut. Ein Tal.
wenn die Himmel sich häuten
Arbos
Achim Franz Willems
Lust
wenn niemand bleibt
Padre Padrone
Einfaches Bild
Jack Hornes
Nebliges Heidemoor
Krankenhaus Café
Herbstbild
Karen O‘Leary
Die einsame Eiche
Überleben ...?
Elke Abt
Seltsame Tiere
Christian Engelken
Die Schollen
Peter Nied
Nur fliegen ist schöner
Von guten Menschen
Kuscheln mit Onkel Adolf
Zeit der krummen Zinken
Von Helikoptern und Möwen
Überraschungseier
Gudrun Tossing
Traumraum
Herz-Enge
Schwindende Schatten
Irmgard Woitas-Ern
Nebelsee
Im Himalaya
Selfie in der Tigersprung-Schlucht
Kleines Haus am Berg
Zwischen Cork und Kerry
Emei Shan, der Augenbrauenberg
Cliffs of Moher
Am Yamdrock-See
Slieve League
Shangri-La
Otmar Heusch
Abschied
Kinderhände
Dichterdramen
Peter Corant
Manchmal
Susanne Sembray
Gefängnis
Sprunghaft
Seelenfreund
Heike Streithoff
Der letzte Tag im Jahr
Grünes Land
sich fügen
Ufer streifen
Polyfonie der Großstadt
Dieter Strametz
Zuflucht
Tierfreund
Chaos
Liebe zur Geometrie
Meine Mutter
Ulrich A.K. Betz
Licht in den Bergen
Schatten in den Bergen
René Oberholzer
Hermann
Isabelle Gallien
Blattlaub
Peter Heidelbach
Wer probiert die Trauer über Bord zu werfen
Ulrich Straeter
Armes Europa
Ernte unterwegs
Hanne Strack
Miniversion
Rabenkrähenähnlich
trotzdem Weihnachten
gestorben
ein fedrig weißer Tag
Puzzle Mensch
Bastian Klee
Erben
Richtfest
Marie-Helene Zangerle
sommerberg noch einmal
du bergsee
Robyn Dudic
Entdeckt
Tropfende Sekunden
Schattenspiele
Felix Buehrer
Gletscher 2017
Schreiben
Springen
Anna B. Lippmann
Berge
Widerstand
Bruchstücke
Hoch-Tief
Krüppelkiefern
Angstfrei
Das Lied der Berge
An den Dichter
Zuflucht
Erika Maaßen
Stell die Musik leiser
Alexa, kannst du mir meinen Weg weisen
Habe manches nicht gekannt
Während du schläft
Rote Rosen
Rätsel der Begierde von Dali
September
Glatteis
Dämmerstunde
Maskerade
Tausche Trauer gegen Liebe
Erschöpft
Missbrauch
Frieden
Hochzeitstag
So war die Ruhe nicht gemeint
Walpurgisnacht
Träume bleiben jung
Mein bester Freund
Furcht kenne ich nicht
Fehlende Genügsamkeit
Der Amsel Lied
August
Astrid Freudenberg-Messan
Sie strahlt
Jeder hat seine Stärken
Dietrich Lange
So um die Achtzig
Der Weg zum Strand
Brandung
Ferner Strand
Dämmerstunde
Unten am Strand
Meine Verse
Trugbilder
Wachtraum
Morgens auf dem Wasser
Das alte Paar
Die letzte Fahrt
Fortschreitender Verschleiß
Im Keller
Die Badewanne
Schweben
Großmäuler
Das ewige Ziehen
Der Troll
Der Baum
Hanna Conrad-Peters
An der Alster
Echte Autorität
Helge Hommers
Dinge an dir
Zweifel am Zweifel
Agnes Gossen
Ein Sommerurlaub in den Bergen
Von der Alm aus
Renate Maria Riehemann
Geldgeier im Fadenkreuz
Ende der Zugfahrt
Henrike Hütter
In Erwartung
Sanddorn am Strand
Travemünde
Licht über dem Meer
Poel
Abend auf Poel
Pferdewiesen
Schwarzer Grund
Kitesurfer
Insel
Küste im September
Sanddorngebüsch
Kite-Surfer II
Erinnerung an Poel
Sonnenuntergang an der Ostsee
Ostseeküste
Mit dem Rad
Herbstlandschaft
Ungewissheit
November am Meer
Wilfried Flau
Für Hanna
Schlussstrich
endgültig
Fragen
Illusionen
Geständnis
Etwas fehlt
Schadenfreude
Der Buchfink
Begegnung
Mein Date
Am Strand
Abschied
Das alte Freudenhaus
tierisch
Fabel
Gewusst wie
Herbst
Raben
Seitensprung
Dann
Marvin Müller
meeresleuchten in sternschnuppennacht
vermissen in indien
stillleben in bremen
Rudolf Leder
fahrt auf jungfrau‘s joch
aufundab abundauf
die perlmutter
Cleo A. Wiertz
Beim ersten Morgengrauen
Ein Bänkel-Gesang über ein paar kleine Wünsche oder
Zwei Ansichten der Welt
Elke Sarwey
Der Nudelmann
Trotzdem
Siko
Der Apfelbaum
Was ich mag und was ich nicht mag
Wo, Wie, Was?
Der Stall und der Hammer
Spanisch
Zappenduster
Die Butter
Joachim Gräber
Inseln im Fluss
Beschwernis
Aufstieg, altersgemäß
Entronnen
Im Riesengebirge
Die Bräutigamseiche
Herta Andresen
Hundertwasser
Goliath
Unausgesprochen
Wahrnehmung
Das Spiel
Die ewig Gestrigen
Schlaflos versunken
Mai
Juli
Im Märzenwald
Wo sind sie?
Der Augen-Blick
Im Winter
Schon wieder
Ameisenstaat
Frieden
Völkerschlachtdenkmal
Ungewiß
Modepuppen
Fangorn
Annahme
Ärger
Liebe Anne
Unser täglich Brot
Lesley Wieland
Käuternocken
Schartenhöhe
Gottesackerplateau
Heiligenbluth
Pogau
Gerard J. Duerschke
Schreibfluss
Kosmisches Bewusstsein
Curriculum vitae
Die Schöpfung
Poeta novus – Schatten rufen
Ode an den Dichter Walt Whitman
Nerval
Poesis antinom
Poetisch-philosophischer Traktat
Poetischer Akt
Karin Bolte
Wunschdenken
Schatten
Johanna Krüger-Bandt
worte
sommerlaune
hundstod
zwei
februar
stille
Sarah Töllner
Zur Sache
Ruhestörung
Autorinnen und Autoren stellen vor
In seinen Augen spiegeln sich die Wörterwälder,
durch die er einstmals ging zu frührer Zeit.
Nun sind sie abgeholzt, die Welt wird kälter,
und in den Nächten ist das Mondlicht gelb beschneit.
Er brach sich manche Blüte von den Bäumen
und warf sie lautlos lachend in den Wind,
derweil am Horizont die Schiffe träumen
von Ländern, die wie schöne Mädchen sind.
Man sieht ihn manchmal aus den Quellen trinken,
und auf sein Sehnen ist der Pfeil gelegt,
der ihn, dieweil die blauen Blüten sinken,
in jene fernen Wörterwälder trägt.
Ich geh die alten Pfade wieder,
die wir einst zusammen gingen,
als die blütenschweren Fliederzweige über Zäune hingen.
Fernher eine Kinderflöte.
Wind, der leis die Blätter regte,
und wir rezitierten Goethe,
während Hand in Hand sich legte.
Bussardruf wie Peitschenhiebe.
Herbstwind fährt mir an den Kragen,
hat den Frühling fortgetragen
und die blasse, junge Liebe.
Im weißen Sand der Chirotherien Spuren,
in dunklen Wäldern letzter Saurier Schrei´n.
Auf Schachtelhalmen schaukeln sich Lemuren,
Sterne stehen rauchend in Azuren
und Wale gehn ins Ungewisse ein.
Auf Blüten, weiß, sitzt sinnend ein Gedanke
seit tausend Jahren, Zukunft heißt sein Kleid.
Sümpfe kochen und die Berge wanken,
Lava schlägt mit feuerroten Pranken,
und Wälder drehn sich glühend aus der Zeit.
In Klüften tief die Tintenfische hausen,
Schlangen räkeln sich im blauen Moos.
Die Welt ist Chaos, ist ein großes Draußen.
Angstvoll in des Riesendschungels Brausen
flüchtet sich ein Menschlein. Gott ist groß.
Die Welt ist morsch, die alten Pfeiler rosten,
nichts ist mehr so, als wie es einstmals war.
Ein Tief kommt schaurig aus dem Nahen Osten,
und nach Silvester droht ein neues Jahr.
Das Land ist nunmehr voller Asylanten,
sie sind im Stromnetz, sind im Abflussrohr,
sie drehn verstohlen linksrum an Hydranten
und singen falsch im Kirchenkinderchor.
Sie kommen heimlich über alle Berge,
woher sie sind, das weiß man nicht genau,
sie schlabbern von der Milch der sieben Zwerge
und stehen an der Grenze still im Stau.
Wenns Regen regnet, bleiben sie nicht trocken,
sie sind von Schnee bedeckt, wenns draußen schneit.
Sie schauen aus den Löchern meiner Socken
und klauen von der Kirchturmuhr die Zeit.
Die Welt ist morsch, die grellen Blitze drohen,
das Abendrot bescheint den Himmel rot.
Die heile Welt, sie ist schon längst geflohen,
die Freiheitsstatue ist schon lange tot.
Ich stehe da und trockne meine Tränen,
auch mein Verstand, er bittet um Asyl,
doch steht er ständig vor gebleckten Zähnen,
weil so was wie Verstand
in diesem Vaterland
kein Mensch mehr haben will.
Jeden Tag musst du dich neu erfinden,
mal fällt das Leben leicht, mal fällt es schwer.
Heut perlt der Himmel, morgen blühn die Linden.
Jeden Tag bist du ein Anderswer.
Schaust in den Spiegel du am frühen Morgen,
dann fragst du dich: Was ist das für Gesicht?
Sollst du´s nehmen, sollst du´s geben, sollst du´s borgen?
Bist dieses Ich da du, bist du es nicht?
Jeden Morgen wirst du neu geboren,
lass das Trübeln, lass das Grübeln sein!
Fasse an der Hand dich und den Ohren,
tanze mutig in den Tag hinein!
Licht flammt in der Straße,
die neue Sonne, ein Aufatmen
geht durch den Tag: Mai ist,
der frühe Traum von Sommer.
Uns Verlassenen, uns Frierenden
sitzt ein Lied in den Kehlen,
es will ins Freie, dahin, wo Wände
nicht nützen.
Gütig die Himmel im Mai.
Wir erbeben beim Gesang jenes
Frühlingsvogels, der die Enge weitet
und des Menschen Nachtherz.
Leb den Tag,
tritt aus dem Schatten. Die Tiefe
der Wälder steht im Grün,
es glänzen die Hügel.
Stadt, Schläferin,
hülle mich in Lautlosigkeit,
umarme mich
mit deiner dunklen Schönheit,
bis die Amseln erwachen.
Bedecke mich
mit Händen aus Traum,
dass Frieden einzieht in Häuser,
die in Fremdheit flüchten,
Tagträume versäumen.
Stadt, herzlose,
brenn Feuer ins arktische Eis
des Unveränderlichen, sieh,
schon leuchten die Wolken
rot wie Karmin.
An Fäden, von unten kaum zu sehen, pendeln
grüne Panzer im Sturzflug. Ein Nachbau der Alpen.
Vor feinkörnigen Ablagerungen steht
eine Familie, bewundert
Metamorphosen in Vitrinen.
Dieser totale Umbau ihres Körpers
während der Puppenruhe, sagt Mutter,
wie im Auftrag ausgeklügelter Kommunikation.
Vielleicht, so Vater, sind wir als göttliche
Entwicklungsillusion nur Antworten
auf Mundwerkzeuge, Antennen und
zur Gänze vollzogene Häutungen.
Die Söhne wittern Spannweiten,
Empires einer Biomacht,
Vereinte Nationen von Gleitkunst.
Flieger-Traum im oberen Devon: Schuppen,
Fühler, Facettenaugen. Wirbeltierlungen
atmen mit hohlen Knochen.
Dünn, dünn diese Zeit,
so schwebt sie der Familie vor, aber nahezu
unzerbrechlich, irisierende Platte Chitin.
Die Museumspädagogik im Hintergrund zielt
auf Aneignung eines Humanismusbeispiels
vor dem Tod des Menschen.
Entwurzelte
Statt Heimkehr
pflanzt nun einen Sternengarten.
Euer Warten
tanzt
nicht mehr.
Es kehrt nicht zurück,
was einst verloren.
Das Glück,
denkt nicht,
hat sich gegen Euch verschworen –
Von Ferne ruft
eine neue Heimat,
wo es Sterne
Luft
und Weile hat.
So
werdet Ihr die Nacht
in eine Erinnerung taufen.
Inseln sind wir
mit fremden Land
im selben Meer
retten nackt unsere Haut
bereiten uns zum Trocknen
auf Stränden
aus den zornigen Nächten
wehen noch Flaggen
mit bösem Blick
die brodelnde Wellengischt zu grau
wühlt noch am Morgen
aus dem Gestern Schmerzen auf
gestrandet mit zersprungenen Blicken
und Rissen
auch in Fernrohrgläsern
klafft Meeresfremde
zwischen Inseln auf
spült kalte Wogen auf ein Morgen
Ich habe ihr auch einmal angehört,
das ist schon vor Jahren gewesen;
es hatten mich ihre Lieder betört
und die Bibel mit ihren Thesen.
Jetzt glaube ich nicht mehr an Litaneien,
an Sprüche und fromme Gebete
und falle nicht mehr auf den Pomp herein
und das ganze Etepetete.
Die Kirche hat keine Zukunft mehr
und hält sich an weltfremde Riten;
sie tut sich mit Reformatoren schwer
und dem Volk der Israeliten
und fühlt sich berufen, mit Gott im Bund,
zur Auslegung seiner Gedanken,
doch steht sie wie ich auf irdischem Grund
umgeben von Grenzen und Schranken
und ist eine weltliche Supermacht,
von niemandem mehr zu durchschauen;
sie bietet ein Haus, für Menschen gedacht
mit irrationalem Vertrauen.
In der Kirche möchte ich nicht mehr sein,
entmündigt von Dogmen und Zwängen,
auch bin ich nicht gern in einem Verein,
der geht nicht auf seine Probleme ein,
um sie vor der Welt zu verdrängen.
Angeregt von H. Küng: Ist die Kirche noch zu retten? (2010)
Sein Ruf vor Ort war nicht der Beste:
Er war ein Spieler und Charmeur.
Er reiste viel und liebte Feste
und hatte keine reine Weste
als Lebemann und Hasardeur.
Er trieb Magie und lebte prächtig
als eines Adeligen Sohn,
verführte Frauen oft und mächtig,
war zügellos und sehr verdächtig
der staatlichen Inquisition.
Als Folge solcher Art von Sünden
verurteilte das Tribunal,
wohl aus verleumderischen Gründen
und ohne etwas zu verkünden,
ihn wegen seiner Unmoral.
Man sperrte ihn auf einen Söller,
von einem Wärter streng bewacht.
Doch er war klüger, dachte schneller
und immer auch origineller
als jene, die ihn hergebracht.
So floh er aus dem Staatsgefängnis,
was keinem vor ihm je gelang.
Der Hohe Rat sprach von Verhängnis,
war bloßgestellt und in Bedrängnis
durch ihn und seinen Freiheitsdrang.
Im Ausland machte schnell die Runde,
wie er aus seiner Haft entwich.
Sein Name war in aller Munde,
sein Stern ging auf in jener Stunde
und alle amüsierten sich.
Giacomo Casanova (1725 – 1798), der sich „Chevalier de Seingalt“ nannte, entfloh 1756 aus dem Staatsgefängnis (den „Bleikammern“) der Republik Venedig und entkam so dem mächtigen „Rat der Zehn“ bzw. der Staatsinquisition, was als unmöglich galt und ihn in ganz Europa berühmt machte.
„Pech und Schwefel, Fegefeuer,
gibt es in der Hölle nicht,
es gibt keine Ungeheuer
und kein großes Strafgericht.
Schlagen, Foltern und Kasteien
sind hier völlig unbekannt,
das sind lauter Quälereien,
die man anderswo erfand.
Auch der Teufel ist Erfindung
einer regen Phantasie,
keiner hat zu ihm Verbindung,
er ist reine Theorie.
Statt Verzweiflung, Not und Trauer
findet jeder hier sein Glück
und es hat Bestand und Dauer,
niemand will von hier zurück.
Was sie vielerorts berichten
über Tod und Höllenfahrt,
bleibt uns allesamt erspart,
denn wir haben hier mitnichten
eine Hölle ihrer Art“ –
Es lebte einmal ein König,
dem fiel das Regieren schon schwer;
er fühlte sich alt und gebrechlich
und wollte den Thron nicht mehr.
In drei gleiche Teile teilte
er großmütig Krone und Land,
als Erbe für seine drei Töchter
und Mitgift zum Ehestand
und fragte, um sie zu prüfen,
vor Adel und Rittern im Rat:
„Wer liebt mich von euch am meisten?“
und ahnte nicht, was er tat.
Für zwei seiner Töchter hatte
der König ein offenes Ohr;
die jüngste jedoch, seine liebste,
sie hielt ihm die Frage vor.
„Die Liebe“, sprach sie zum Vater,
„umgibt uns wie Sonne und Licht
und macht uns zu glücklichen Menschen,
doch messen lässt sie sich nicht.“
Die Antwort verdross den König,
weil sie ihm den Auftritt verdarb,
worauf er vom Hof sie verbannte
und keiner mehr um sie warb.
Nur einer der edlen Ritter,
der nannte beim Namen sogleich
das Unrecht, das ihr widerfahren,
und floh aus dem Königreich.
Die anderen aber hielten
zum König und blieben dabei,
da brach sein bisheriges Leben
und bald auch sein Reich entzwei.
Frei nach William Shakespeares „King Lear“(I,1),
dessen Töchter Goneril, Regan und Cordelia hießen.
Es war in den Zeiten des Rittertums,
des Minnesangs und des Betens,
der Armen, der Elenden und des Ruhms,
des Prügelns, Sterbens und Tötens.
Da habe Gott einen Knaben erwählt,
der sollte mit seinem Segen
die Kinder von Köln, so wurde erzählt,
zu einem Kreuzzug bewegen.
Er rief sie und überzeugte, indem
er Heilsversprechungen machte
und führte sie dann gen Jerusalem,
das er zu befreien dachte.
Doch Hitze und Kälte rieben sie auf
und Krankheiten rafften sie weg,
sie nahmen selbst Hunger und Durst in Kauf
für einen utopischen Zweck.
Den jungen Pilgern ging keiner zur Hand,
sie mussten sich sinnlos quälen
und weder der Papst noch der Ritterstand
erbarmten sich ihrer Seelen.
Sie zogen von Deutschland nach Afrika,
da war ihr Kreuzzug zu Ende,
was dort mit den letzten Kindern geschah,
ist unbekannt und Legende.
Denn keines kam in die Heilige Stadt
und keines kam wieder nach Haus –
weil niemand darüber berichtet hat,
fand keiner die Wahrheit heraus.
Anfang des 13. Jahrhunderts (1212) machten sich aus Köln und Südfrankreich zahlreiche Kinder und Jugendliche auf den Weg nach Jerusalem, um die Stadt von den Sarazenen (den Muslimen) zu befreien. Diese religiös begründeten Expeditionen (Kinderkreuzzüge), deren geschichtliche Hintergründe noch weitgehend im Dunkeln liegen, mussten scheitern und forderten viele sinnlose Todesopfer.
blaue tonnen, von
weiß geblendet,
sonnendraht,
wassernetz.
kalksteine
ohne zahl,
weiter in
staubigen schuhen.
versprechen von
seetang,
benetzung der haut.
strenge archäologie,
gesang zwischen
den sonnenständen.
gleiten über die
vorhaben der zeit,
alles, was keinen
namen mehr trägt.
du, im blauen kleid,
unter den farben des himmels,
über den farben der see,
du, mit orangen und sandalen,
mit strohhut und
hintersonnenaugen.
überlandleitungen,
auf den dächern
chromorangen,
die sich drehen.
