Schattenspiel  der Berge - Manfred Burba - E-Book

Schattenspiel der Berge E-Book

Manfred Burba

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Beschreibung

Der Band streift durch Wörterwälder, der Brocken wird bestiegen, eine Schwarzwaldwanderung kommt in den Blick. Kirschblüten leuchten im Sonnenlicht. Was erzählt uns der Gesang der Wale - eine überraschende Antwort gibt es darauf. Eine Flaschenpost ist auf dem Weg. Vom Kinderkreuzzug wird berichtet, niemand kehrt zurück. Die Gewaltorgie, die der türkische Präsident in seinem Land veranstaltet, gerät in scharfe Kritik. Die planerischen Meisterleistungen für den Berliner Flughafen werden mit stillem Spott bedacht. Warum wohnt man in Hamburg, was macht die Stadt liebenswert? Die eigentümliche Form der Schollen führt zu Gedankenspielen. Kennen Sie schon den Yamdrock-See in Tibet? Das Mozartmeer rauscht im Ton zivilisatorischer Abgründe. Berichte von der Walpurgisnacht sind zu erwarten. Und immer wieder ziehen Gedichte durch Berglandschaften. Das ist ein Schwerpunkt dieses Bandes.

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Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2017

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„In den Körben blau den Rauch der Fernen, Gold der Tiefen unterm Tuch, dem härnen, kommst du wieder mit gelösten Haaren von den Bergen, wo wir Feinde waren.“

Paul Celan

(aus: Bergfrühling)

Inhalt

Helmut Glatz

Der Dichter

Herbstgedanken

Tertiär

Asylanten-Hysterie

Jeden Tag musst du dich neu erfinden

Hanna Fleiss

Maienzeichen

Nächtlich

Karla Reimert

Freidrehen vor den Wirbeltieren

Christina Meffert

Entwurzelte

Martina Onyegbula

Inselstürme

Manfred Burba

Abkehr von der Kirche

Flucht aus Venedig

Bericht aus der Hölle

Cordelia

Kinderkreuzzug

Martin Westenberger

damals, im süden

kurzer abriss über den süden

jasmin

kurzer abriss religiöser ekstase

fischbadetag

ich traf gunther, günther, ganther

Erika Brandner

In der Höhe

Timo Krstin

eine Begehung

Magnus Tautz

Brocken. Aufstieg

Kirschblüten

Ausfallstraße Nordost

Mittag in Zalavár/ Ungarn

Lieper Winkel

Carsten Rathgeber

In der Gästekammer

Hoffnung

Roter Faden

Fremde Zeiten

glaube

eiskalt

Lachen

Luftsprung

Damals

Tribut an Gelika

Tränen-Kanne

kairos

Einsicht

korrektur

bibliothek

Beim Espresso

Norbert Rheindorf

Ebenda

Paul Lindner

Ich zehre davon

Martin Görg

Mit einer Indianerin an der Ostsee

Der Birke Rascheln

Das Mondspiel

Im Archäologischen Institut Tübingen

Wir zogen los

In Wellen

Sonnenlicht rieselt

Von den Almen

Ein Seesturm

Brueghels Truhe

Wird es regnen?

Innertkirchen-März

Dort hat es schon geregnet

Wolfgang Jatz

Erlebnis im Schwarzwald

Wintermärchen

Brief an C.

Die 68er

Orphisch

Sekten

Selbstporträt 1

Selbstporträt 2

Das war‘s

Nach der Lektüre

Der Social-Media-Typ

Walrecht

Wandern, so oder so

Begegnung im Treppenhaus

Die S. rauslassen

Lieblinge

Liab‘s Nachbarle

Träumer

Girls

Werther

Reveille

Angelika Zöllner

Inseln

Lavalegende/Teneriffa

am cafétisch – Florenz

Hannah Pyschny

Die Welt

Michael Johann Bauer

nachtmahr

Wolfgang Rinn

Wandelgänger

Dirk Tilsner

bilanz

robocop

flaschenpost

seh gänge

hört sich gut an …

so bitt‘ ich dich…

Leonhard Ehlen

es gehen fenster auf

wandlungsbünde

spätsommer

wintertag am see

verlängert

spiegelung

unvermeidlich

Ulrich Straeter

Mozartmeer

Energie

Marko Ferst

Helle Mondnacht: 60. Breitengrad

Machtergreifung

Spur nach Tilsit

Blaues Wüstenauge

Dämmerlicht

Schwarze Ampel

Trockenzeit

Hinterlassen

Hans Sonntag

Wörter finden

Versuche wagen

Slawische Welt

Wir einander

Alterskarussell

Berlin – Farben und Düfte

Lebensräume suchen

Sabine Rothemann

Tag, Nachtgleiche

Ein Abend

Gestern heute

Peter Luyendyk

August

Christina Schößler

Tannenberge. Tausendjährig.

Jänner

Der Himmel graut. Ein Tal.

wenn die Himmel sich häuten

Arbos

Achim Franz Willems

Lust

wenn niemand bleibt

Padre Padrone

Einfaches Bild

Jack Hornes

Nebliges Heidemoor

Krankenhaus Café

Herbstbild

Karen O‘Leary

Die einsame Eiche

Überleben ...?

Elke Abt

Seltsame Tiere

Christian Engelken

Die Schollen

Peter Nied

Nur fliegen ist schöner

Von guten Menschen

Kuscheln mit Onkel Adolf

Zeit der krummen Zinken

Von Helikoptern und Möwen

Überraschungseier

Gudrun Tossing

Traumraum

Herz-Enge

Schwindende Schatten

Irmgard Woitas-Ern

Nebelsee

Im Himalaya

Selfie in der Tigersprung-Schlucht

Kleines Haus am Berg

Zwischen Cork und Kerry

Emei Shan, der Augenbrauenberg

Cliffs of Moher

Am Yamdrock-See

Slieve League

Shangri-La

Otmar Heusch

Abschied

Kinderhände

Dichterdramen

Peter Corant

Manchmal

Susanne Sembray

Gefängnis

Sprunghaft

Seelenfreund

Heike Streithoff

Der letzte Tag im Jahr

Grünes Land

sich fügen

Ufer streifen

Polyfonie der Großstadt

Dieter Strametz

Zuflucht

Tierfreund

Chaos

Liebe zur Geometrie

Meine Mutter

Ulrich A.K. Betz

Licht in den Bergen

Schatten in den Bergen

René Oberholzer

Hermann

Isabelle Gallien

Blattlaub

Peter Heidelbach

Wer probiert die Trauer über Bord zu werfen

Ulrich Straeter

Armes Europa

Ernte unterwegs

Hanne Strack

Miniversion

Rabenkrähenähnlich

trotzdem Weihnachten

gestorben

ein fedrig weißer Tag

Puzzle Mensch

Bastian Klee

Erben

Richtfest

Marie-Helene Zangerle

sommerberg noch einmal

du bergsee

Robyn Dudic

Entdeckt

Tropfende Sekunden

Schattenspiele

Felix Buehrer

Gletscher 2017

Schreiben

Springen

Anna B. Lippmann

Berge

Widerstand

Bruchstücke

Hoch-Tief

Krüppelkiefern

Angstfrei

Das Lied der Berge

An den Dichter

Zuflucht

Erika Maaßen

Stell die Musik leiser

Alexa, kannst du mir meinen Weg weisen

Habe manches nicht gekannt

Während du schläft

Rote Rosen

Rätsel der Begierde von Dali

September

Glatteis

Dämmerstunde

Maskerade

Tausche Trauer gegen Liebe

Erschöpft

Missbrauch

Frieden

Hochzeitstag

So war die Ruhe nicht gemeint

Walpurgisnacht

Träume bleiben jung

Mein bester Freund

Furcht kenne ich nicht

Fehlende Genügsamkeit

Der Amsel Lied

August

Astrid Freudenberg-Messan

Sie strahlt

Jeder hat seine Stärken

Dietrich Lange

So um die Achtzig

Der Weg zum Strand

Brandung

Ferner Strand

Dämmerstunde

Unten am Strand

Meine Verse

Trugbilder

Wachtraum

Morgens auf dem Wasser

Das alte Paar

Die letzte Fahrt

Fortschreitender Verschleiß

Im Keller

Die Badewanne

Schweben

Großmäuler

Das ewige Ziehen

Der Troll

Der Baum

Hanna Conrad-Peters

An der Alster

Echte Autorität

Helge Hommers

Dinge an dir

Zweifel am Zweifel

Agnes Gossen

Ein Sommerurlaub in den Bergen

Von der Alm aus

Renate Maria Riehemann

Geldgeier im Fadenkreuz

Ende der Zugfahrt

Henrike Hütter

In Erwartung

Sanddorn am Strand

Travemünde

Licht über dem Meer

Poel

Abend auf Poel

Pferdewiesen

Schwarzer Grund

Kitesurfer

Insel

Küste im September

Sanddorngebüsch

Kite-Surfer II

Erinnerung an Poel

Sonnenuntergang an der Ostsee

Ostseeküste

Mit dem Rad

Herbstlandschaft

Ungewissheit

November am Meer

Wilfried Flau

Für Hanna

Schlussstrich

endgültig

Fragen

Illusionen

Geständnis

Etwas fehlt

Schadenfreude

Der Buchfink

Begegnung

Mein Date

Am Strand

Abschied

Das alte Freudenhaus

tierisch

Fabel

Gewusst wie

Herbst

Raben

Seitensprung

Dann

Marvin Müller

meeresleuchten in sternschnuppennacht

vermissen in indien

stillleben in bremen

Rudolf Leder

fahrt auf jungfrau‘s joch

aufundab abundauf

die perlmutter

Cleo A. Wiertz

Beim ersten Morgengrauen

Ein Bänkel-Gesang über ein paar kleine Wünsche oder

Zwei Ansichten der Welt

Elke Sarwey

Der Nudelmann

Trotzdem

Siko

Der Apfelbaum

Was ich mag und was ich nicht mag

Wo, Wie, Was?

Der Stall und der Hammer

Spanisch

Zappenduster

Die Butter

Joachim Gräber

Inseln im Fluss

Beschwernis

Aufstieg, altersgemäß

Entronnen

Im Riesengebirge

Die Bräutigamseiche

Herta Andresen

Hundertwasser

Goliath

Unausgesprochen

Wahrnehmung

Das Spiel

Die ewig Gestrigen

Schlaflos versunken

Mai

Juli

Im Märzenwald

Wo sind sie?

Der Augen-Blick

Im Winter

Schon wieder

Ameisenstaat

Frieden

Völkerschlachtdenkmal

Ungewiß

Modepuppen

Fangorn

Annahme

Ärger

Liebe Anne

Unser täglich Brot

Lesley Wieland

Käuternocken

Schartenhöhe

Gottesackerplateau

Heiligenbluth

Pogau

Gerard J. Duerschke

Schreibfluss

Kosmisches Bewusstsein

Curriculum vitae

Die Schöpfung

Poeta novus – Schatten rufen

Ode an den Dichter Walt Whitman

Nerval

Poesis antinom

Poetisch-philosophischer Traktat

Poetischer Akt

Karin Bolte

Wunschdenken

Schatten

Johanna Krüger-Bandt

worte

sommerlaune

hundstod

zwei

februar

stille

Sarah Töllner

Zur Sache

Ruhestörung

Autorinnen und Autoren stellen vor

Helmut Glatz

Der Dichter

In seinen Augen spiegeln sich die Wörterwälder,

durch die er einstmals ging zu frührer Zeit.

Nun sind sie abgeholzt, die Welt wird kälter,

und in den Nächten ist das Mondlicht gelb beschneit.

Er brach sich manche Blüte von den Bäumen

und warf sie lautlos lachend in den Wind,

derweil am Horizont die Schiffe träumen

von Ländern, die wie schöne Mädchen sind.

Man sieht ihn manchmal aus den Quellen trinken,

und auf sein Sehnen ist der Pfeil gelegt,

der ihn, dieweil die blauen Blüten sinken,

in jene fernen Wörterwälder trägt.

Herbstgedanken

Ich geh die alten Pfade wieder,

die wir einst zusammen gingen,

als die blütenschweren Fliederzweige über Zäune hingen.

Fernher eine Kinderflöte.

Wind, der leis die Blätter regte,

und wir rezitierten Goethe,

während Hand in Hand sich legte.

Bussardruf wie Peitschenhiebe.

Herbstwind fährt mir an den Kragen,

hat den Frühling fortgetragen

und die blasse, junge Liebe.

Tertiär

Im weißen Sand der Chirotherien Spuren,

in dunklen Wäldern letzter Saurier Schrei´n.

Auf Schachtelhalmen schaukeln sich Lemuren,

Sterne stehen rauchend in Azuren

und Wale gehn ins Ungewisse ein.

Auf Blüten, weiß, sitzt sinnend ein Gedanke

seit tausend Jahren, Zukunft heißt sein Kleid.

Sümpfe kochen und die Berge wanken,

Lava schlägt mit feuerroten Pranken,

und Wälder drehn sich glühend aus der Zeit.

In Klüften tief die Tintenfische hausen,

Schlangen räkeln sich im blauen Moos.

Die Welt ist Chaos, ist ein großes Draußen.

Angstvoll in des Riesendschungels Brausen

flüchtet sich ein Menschlein. Gott ist groß.

Asylanten-Hysterie

Die Welt ist morsch, die alten Pfeiler rosten,

nichts ist mehr so, als wie es einstmals war.

Ein Tief kommt schaurig aus dem Nahen Osten,

und nach Silvester droht ein neues Jahr.

Das Land ist nunmehr voller Asylanten,

sie sind im Stromnetz, sind im Abflussrohr,

sie drehn verstohlen linksrum an Hydranten

und singen falsch im Kirchenkinderchor.

Sie kommen heimlich über alle Berge,

woher sie sind, das weiß man nicht genau,

sie schlabbern von der Milch der sieben Zwerge

und stehen an der Grenze still im Stau.

Wenns Regen regnet, bleiben sie nicht trocken,

sie sind von Schnee bedeckt, wenns draußen schneit.

Sie schauen aus den Löchern meiner Socken

und klauen von der Kirchturmuhr die Zeit.

Die Welt ist morsch, die grellen Blitze drohen,

das Abendrot bescheint den Himmel rot.

Die heile Welt, sie ist schon längst geflohen,

die Freiheitsstatue ist schon lange tot.

Ich stehe da und trockne meine Tränen,

auch mein Verstand, er bittet um Asyl,

doch steht er ständig vor gebleckten Zähnen,

weil so was wie Verstand

in diesem Vaterland

kein Mensch mehr haben will.

Jeden Tag musst du dich neu erfinden

Jeden Tag musst du dich neu erfinden,

mal fällt das Leben leicht, mal fällt es schwer.

Heut perlt der Himmel, morgen blühn die Linden.

Jeden Tag bist du ein Anderswer.

Schaust in den Spiegel du am frühen Morgen,

dann fragst du dich: Was ist das für Gesicht?

Sollst du´s nehmen, sollst du´s geben, sollst du´s borgen?

Bist dieses Ich da du, bist du es nicht?

Jeden Morgen wirst du neu geboren,

lass das Trübeln, lass das Grübeln sein!

Fasse an der Hand dich und den Ohren,

tanze mutig in den Tag hinein!

Hanna Fleiss

Maienzeichen

Licht flammt in der Straße,

die neue Sonne, ein Aufatmen

geht durch den Tag: Mai ist,

der frühe Traum von Sommer.

Uns Verlassenen, uns Frierenden

sitzt ein Lied in den Kehlen,

es will ins Freie, dahin, wo Wände

nicht nützen.

Gütig die Himmel im Mai.

Wir erbeben beim Gesang jenes

Frühlingsvogels, der die Enge weitet

und des Menschen Nachtherz.

Leb den Tag,

tritt aus dem Schatten. Die Tiefe

der Wälder steht im Grün,

es glänzen die Hügel.

Nächtlich

Stadt, Schläferin,

hülle mich in Lautlosigkeit,

umarme mich

mit deiner dunklen Schönheit,

bis die Amseln erwachen.

Bedecke mich

mit Händen aus Traum,

dass Frieden einzieht in Häuser,

die in Fremdheit flüchten,

Tagträume versäumen.

Stadt, herzlose,

brenn Feuer ins arktische Eis

des Unveränderlichen, sieh,

schon leuchten die Wolken

rot wie Karmin.

Karla Reimert

Freidrehen vor den Wirbeltieren

An Fäden, von unten kaum zu sehen, pendeln

grüne Panzer im Sturzflug. Ein Nachbau der Alpen.

Vor feinkörnigen Ablagerungen steht

eine Familie, bewundert

Metamorphosen in Vitrinen.

Dieser totale Umbau ihres Körpers

während der Puppenruhe, sagt Mutter,

wie im Auftrag ausgeklügelter Kommunikation.

Vielleicht, so Vater, sind wir als göttliche

Entwicklungsillusion nur Antworten

auf Mundwerkzeuge, Antennen und

zur Gänze vollzogene Häutungen.

Die Söhne wittern Spannweiten,

Empires einer Biomacht,

Vereinte Nationen von Gleitkunst.

Flieger-Traum im oberen Devon: Schuppen,

Fühler, Facettenaugen. Wirbeltierlungen

atmen mit hohlen Knochen.

Dünn, dünn diese Zeit,

so schwebt sie der Familie vor, aber nahezu

unzerbrechlich, irisierende Platte Chitin.

Die Museumspädagogik im Hintergrund zielt

auf Aneignung eines Humanismusbeispiels

vor dem Tod des Menschen.

Christina Meffert

Entwurzelte

Entwurzelte

Statt Heimkehr

pflanzt nun einen Sternengarten.

Euer Warten

tanzt

nicht mehr.

Es kehrt nicht zurück,

was einst verloren.

Das Glück,

denkt nicht,

hat sich gegen Euch verschworen –

Von Ferne ruft

eine neue Heimat,

wo es Sterne

Luft

und Weile hat.

So

werdet Ihr die Nacht

in eine Erinnerung taufen.

Martina Onyegbula

Inselstürme

Inseln sind wir

mit fremden Land

im selben Meer

retten nackt unsere Haut

bereiten uns zum Trocknen

auf Stränden

aus den zornigen Nächten

wehen noch Flaggen

mit bösem Blick

die brodelnde Wellengischt zu grau

wühlt noch am Morgen

aus dem Gestern Schmerzen auf

gestrandet mit zersprungenen Blicken

und Rissen

auch in Fernrohrgläsern

klafft Meeresfremde

zwischen Inseln auf

spült kalte Wogen auf ein Morgen

Manfred Burba

Abkehr von der Kirche

Ich habe ihr auch einmal angehört,

das ist schon vor Jahren gewesen;

es hatten mich ihre Lieder betört

und die Bibel mit ihren Thesen.

Jetzt glaube ich nicht mehr an Litaneien,

an Sprüche und fromme Gebete

und falle nicht mehr auf den Pomp herein

und das ganze Etepetete.

Die Kirche hat keine Zukunft mehr

und hält sich an weltfremde Riten;

sie tut sich mit Reformatoren schwer

und dem Volk der Israeliten

und fühlt sich berufen, mit Gott im Bund,

zur Auslegung seiner Gedanken,

doch steht sie wie ich auf irdischem Grund

umgeben von Grenzen und Schranken

und ist eine weltliche Supermacht,

von niemandem mehr zu durchschauen;

sie bietet ein Haus, für Menschen gedacht

mit irrationalem Vertrauen.

In der Kirche möchte ich nicht mehr sein,

entmündigt von Dogmen und Zwängen,

auch bin ich nicht gern in einem Verein,

der geht nicht auf seine Probleme ein,

um sie vor der Welt zu verdrängen.

Angeregt von H. Küng: Ist die Kirche noch zu retten? (2010)

Flucht aus Venedig

Sein Ruf vor Ort war nicht der Beste:

Er war ein Spieler und Charmeur.

Er reiste viel und liebte Feste

und hatte keine reine Weste

als Lebemann und Hasardeur.

Er trieb Magie und lebte prächtig

als eines Adeligen Sohn,

verführte Frauen oft und mächtig,

war zügellos und sehr verdächtig

der staatlichen Inquisition.

Als Folge solcher Art von Sünden

verurteilte das Tribunal,

wohl aus verleumderischen Gründen

und ohne etwas zu verkünden,

ihn wegen seiner Unmoral.

Man sperrte ihn auf einen Söller,

von einem Wärter streng bewacht.

Doch er war klüger, dachte schneller

und immer auch origineller

als jene, die ihn hergebracht.

So floh er aus dem Staatsgefängnis,

was keinem vor ihm je gelang.

Der Hohe Rat sprach von Verhängnis,

war bloßgestellt und in Bedrängnis

durch ihn und seinen Freiheitsdrang.

Im Ausland machte schnell die Runde,

wie er aus seiner Haft entwich.

Sein Name war in aller Munde,

sein Stern ging auf in jener Stunde

und alle amüsierten sich.

Giacomo Casanova (1725 – 1798), der sich „Chevalier de Seingalt“ nannte, entfloh 1756 aus dem Staatsgefängnis (den „Bleikammern“) der Republik Venedig und entkam so dem mächtigen „Rat der Zehn“ bzw. der Staatsinquisition, was als unmöglich galt und ihn in ganz Europa berühmt machte.

Bericht aus der Hölle

„Pech und Schwefel, Fegefeuer,

gibt es in der Hölle nicht,

es gibt keine Ungeheuer

und kein großes Strafgericht.

Schlagen, Foltern und Kasteien

sind hier völlig unbekannt,

das sind lauter Quälereien,

die man anderswo erfand.

Auch der Teufel ist Erfindung

einer regen Phantasie,

keiner hat zu ihm Verbindung,

er ist reine Theorie.

Statt Verzweiflung, Not und Trauer

findet jeder hier sein Glück

und es hat Bestand und Dauer,

niemand will von hier zurück.

Was sie vielerorts berichten

über Tod und Höllenfahrt,

bleibt uns allesamt erspart,

denn wir haben hier mitnichten

eine Hölle ihrer Art“ –

Cordelia

Es lebte einmal ein König,

dem fiel das Regieren schon schwer;

er fühlte sich alt und gebrechlich

und wollte den Thron nicht mehr.

In drei gleiche Teile teilte

er großmütig Krone und Land,

als Erbe für seine drei Töchter

und Mitgift zum Ehestand

und fragte, um sie zu prüfen,

vor Adel und Rittern im Rat:

„Wer liebt mich von euch am meisten?“

und ahnte nicht, was er tat.

Für zwei seiner Töchter hatte

der König ein offenes Ohr;

die jüngste jedoch, seine liebste,

sie hielt ihm die Frage vor.

„Die Liebe“, sprach sie zum Vater,

„umgibt uns wie Sonne und Licht

und macht uns zu glücklichen Menschen,

doch messen lässt sie sich nicht.“

Die Antwort verdross den König,

weil sie ihm den Auftritt verdarb,

worauf er vom Hof sie verbannte

und keiner mehr um sie warb.

Nur einer der edlen Ritter,

der nannte beim Namen sogleich

das Unrecht, das ihr widerfahren,

und floh aus dem Königreich.

Die anderen aber hielten

zum König und blieben dabei,

da brach sein bisheriges Leben

und bald auch sein Reich entzwei.

Frei nach William Shakespeares „King Lear“(I,1),

dessen Töchter Goneril, Regan und Cordelia hießen.

Kinderkreuzzug

Es war in den Zeiten des Rittertums,

des Minnesangs und des Betens,

der Armen, der Elenden und des Ruhms,

des Prügelns, Sterbens und Tötens.

Da habe Gott einen Knaben erwählt,

der sollte mit seinem Segen

die Kinder von Köln, so wurde erzählt,

zu einem Kreuzzug bewegen.

Er rief sie und überzeugte, indem

er Heilsversprechungen machte

und führte sie dann gen Jerusalem,

das er zu befreien dachte.

Doch Hitze und Kälte rieben sie auf

und Krankheiten rafften sie weg,

sie nahmen selbst Hunger und Durst in Kauf

für einen utopischen Zweck.

Den jungen Pilgern ging keiner zur Hand,

sie mussten sich sinnlos quälen

und weder der Papst noch der Ritterstand

erbarmten sich ihrer Seelen.

Sie zogen von Deutschland nach Afrika,

da war ihr Kreuzzug zu Ende,

was dort mit den letzten Kindern geschah,

ist unbekannt und Legende.

Denn keines kam in die Heilige Stadt

und keines kam wieder nach Haus –

weil niemand darüber berichtet hat,

fand keiner die Wahrheit heraus.

Anfang des 13. Jahrhunderts (1212) machten sich aus Köln und Südfrankreich zahlreiche Kinder und Jugendliche auf den Weg nach Jerusalem, um die Stadt von den Sarazenen (den Muslimen) zu befreien. Diese religiös begründeten Expeditionen (Kinderkreuzzüge), deren geschichtliche Hintergründe noch weitgehend im Dunkeln liegen, mussten scheitern und forderten viele sinnlose Todesopfer.

Martin Westenberger

damals, im süden

blaue tonnen, von

weiß geblendet,

sonnendraht,

wassernetz.

kalksteine

ohne zahl,

weiter in

staubigen schuhen.

versprechen von

seetang,

benetzung der haut.

strenge archäologie,

gesang zwischen

den sonnenständen.

gleiten über die

vorhaben der zeit,

alles, was keinen

namen mehr trägt.

kurzer abriss über den süden

du, im blauen kleid,

unter den farben des himmels,

über den farben der see,

du, mit orangen und sandalen,

mit strohhut und

hintersonnenaugen.

überlandleitungen,

auf den dächern

chromorangen,

die sich drehen.