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Die Differenzialdiagnose ist Kern der ärztlichen Kunst und vielfach kein linearer Prozess. Eine zielgerichtete differenzialdiagnostische Abklärung setzt Wissen und Erfahrung voraus und stellt so manchen Arzt vor Herausforderungen.
Dieses Werk führt Sie effektiv und evidenzbasiert vom Symptom zur Diagnose.
Erfahren Sie, wie Sie
Fächerübergreifende und vernetzte Darstellungen helfen Ihnen dabei, Zusammenhänge systematisch zu verstehen. Nützliches Bildmaterial, übersichtliche Tabellen und klare Stufenkonzepte sind einprägsam gestaltet.
Profitieren Sie von mehr als 60 Jahren Erfahrung bei der Differenzialdiagnose innerer Erkrankungen und vertrauen Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung auf DAS bewährte und moderne Referenzwerk, in welchem die Experten ihr Denken und Ihre Erfahrungen auf den Punkt bringen.
Jederzeit zugreifen: Der Inhalt des Buches steht Ihnen ohne weitere Kosten digital in der Wissensplattform eRef zur Verfügung (Zugangscode im Buch). Mit der kostenlosen eRef App haben Sie zahlreiche Inhalte auch offline immer griffbereit.
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Seitenzahl: 2742
Veröffentlichungsjahr: 2017
Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten
Vom Symptom zur Diagnose
Herausgegeben von
Edouard Battegay, FACP
Mit Beiträgen von
Esther Bächli, Stefano Bassetti, Edouard Battegay, Manuel Battegay, Peter Bauerfeind, Christian R. Baumann, Konrad Ernst Bloch, Hubert E. Blum, Ulrich W. Böhni, Michael Christ, Clemens D. Cohen, Firat Duru, Daniel Eberli, Franz R. Eberli, Thomas Fehr, Adriano Fontana, Michael Fried, Heiko Frühauf, Jeroen Goede, Matthias Greutmann, Viola Günther, Ulrich Hoffmann, Franz Jakob, Gernot Keyßer, Tobias Kleinjung, Marius E. Kraenzlin, Jan Krützfeldt, Hugo Kupferschmidt, Stephan Lautenschlager, Hermann-Alexander Locher, Thomas F. Lüscher, Markus G. Manz, Benedict Martina, Claudine Meindl-Fridez, Darius Moradpour, Beat Müllhaupt, Christoph Renner, Gerhard Rogler, Peter S. Sándor, Dominik Schaer, Urs Schanz, Dominik Schneider, Stefanie Schwarz, Urs Schwarz, Werner Schwizer, Giatgen A. Spinas, Frank Stenner, Jan-Dirk Studt, Paolo M. Suter, Federico Tatò, Silvia Ulrich, Stephan Vavricka, Arnold von Eckardstein, Wolfgang von Heymann, Roland von Känel, Rainer Weber, Michael Weller, Rudolf P. Wüthrich, Andreas Zeller, Lukas Zimmerli
21., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage
911 Abbildungen
Der Weg vom Symptom zu Diagnose erfordert eine geordnete differenzialdiagnostische Vorgehensweise und dies wiederum viel Erfahrung und Wissen. Gleichzeitig nehmen Erfahrung und Wissen von Jahr zu Jahr überlinear zu. Infolge der Masse an Erkenntnissen spezialisieren und atomisieren sich medizinische Fachkompetenzen zusehends. Internet („Dr. Google“) und zentrale Datenbanken (Medline, Pubmed) erlauben zwar einen raschen Zugang zu medizinischen Erkenntnissen, sind aber bezüglich Differenzialdiagnose und generell bezüglich strukturiertem Denken und systematischem Lernen nur eingeschränkt hilfreich.
Studierende und Ärzte stehen oft vor einem unübersichtlichen Konvolut von inkohärenten Informationen. Auch eine internetaffine Generation (oder vielleicht gerade diese) verliert die Übersicht. Die patientenorientierte Gewichtung des Wissens und der integrierende Blick für das Wesentliche fehlen. Transparenter und vollständiger Überblick über moderne Innere Medizin und die autoritative Gewichtung des internistischen Wissens sind mehr denn je notwendig.
Die traditionsreiche „Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten“ soll Studierenden und einer neuen (und einer alten ...) Generation von Ärzten durch klinische Erfahrung gewichtete wissenschaftliche Erkenntnisse („weighted Evidence“) übersichtlich vermitteln, und zwar geordnet, vollständig, didaktisch modern und vor allem dem jeweiligen Symptom angepasst. Das Leitsymptom ist in diesem Werk Ordnungsfaktor und Basis ärztlich-internistischer Denkart, Handlungsweise und Nosologie. Dabei geht das Buch planmäßig von den Makrodifferenzialdiagnosen („Big Picture“) und den jeweiligen Mikrodifferenzialdiagnosen aus. Die systematische Nosologie der Inneren Medizin gibt eine detaillierte Grundlage der gesamten Inneren Medizin. Denn das Werk soll Studierenden das Lernen erleichtern und ihnen die Vorbereitung auf modern konzipierte Prüfungen im Sinne eines „All-in-one-Textbooks“ erleichtern. So sollen Kernelemente und Relevantes für die unterschiedlichen Prüfungen zusammenfassend, integrativ und hintergründig dargestellt werden – so wie es der modernen Prüfungssystematik und Alltagssituation entspricht.
Das symptombezogene Patientenmanagement und die modernen differenzialdiagnostischen Vorgehensweisen sollen auch den bereits Erfahrenen in der täglichen Arbeit unterstützen, und bieten neben der Möglichkeit einer Vertiefung und der systematischen Nosologie, auch die Funktion von Checklisten („Habe ich etwas vergessen?“). Die „Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten“ sucht also folgende Aspekte zu Händen der Leser in einem didaktisch ansprechenden Format systematisch zu vermitteln:
Differenzialdiagnose aufgrund der Körperregion, relevanten Pathophysiologie, Nosologie und klinischen Erfahrung (inklusive der Förderung von Assoziationen und Intuitionen)
Gewichtung und geordnetes Patientenmanagement
systematische internistische Nosologie
vollständig, evidenz- und erfahrungsbasiert (weighted Evidence)
In dieser Auflage wurde ein weiterer und wesentlicher Schritt Richtung POEM "Patient-Oriented Evidence that Matters", sowie differenzialdiagnostischer Vorgehensweise und Visualisierung von Kernelementen angestrebt. Dazu haben wir den differenzialdiagnostischen Prozess durch moderne "Navigationssysteme", Clinical Pathways und Algorithmen, Tabellen, Schemata und reiche Bebilderung transparent und übersichtlich darzustellen versucht. So ändern sich auch didaktische Konzepte zusehends – das Werk folgt dem Trend zum Schematisieren und Visualisieren. Dadurch sollen Referenzen und Engramme für ein rationelles differenzialdiagnostisches Denken, Vorgehen und Lernen im Sinne von einprägsamen „Spickzetteln“ geschaffen werden.
Die „Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten“ ist nun über die Jahrzehnte und durch den energischen Einsatz meiner Vorgänger als Herausgeber (Robert Hegglin [1952–1980], Walter Siegenthaler [1980–2005]) sowie zahlreicher Autoren zu einem immer einheitlicher konzipierten und koordinierten Mehrautorwerk mit dem Blick für das Ganze gewachsen und gereift. Das Buch soll eine weitere Generation von Studierenden und erfahrene sowie weniger erfahrenere Ärzte unterstützen, ihre Patienten nach allen Regeln der ärztlichen Kunst zu betreuen. Damit möge das Werk unseren erkrankten Mitmenschen dienen, indem es werdende und gestandene Ärzte in ihrer Professionalität zeitgemäß unterstützt.
Im Frühjahr 2017
Prof. Dr. med. Edouard Battegay, FACP
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
UniversitätsSpital Zürich
Mein Dank gilt an dieser Stelle allen Autoren, ohne deren außerordentlich großes Engagement die aufwendige Überarbeitung der einzelnen Buchkapitel oder die Erarbeitung neuer Kapitel nicht möglich gewesen wäre. Ich danke auch allen Mitarbeitern des Thieme Verlags, die bei der Entstehung des Buches mit Herz und Seele, großer Kreativität, professionell, effizient und aufbauend aktiv mitgewirkt haben. Ich bin insbesondere Frau Désirée Schwarz (Projektmanagement), Frau Dr. Antje Merz-Schönpflug (redaktionelle Überarbeitung), Frau Christin Kopenhagen und Frau Dr. Ulrike Kruse (Produktionskoordination), Herrn Jörg-Peter Decker (Grafikbetreuung), und Frau Dr. Claudia Fischer (Programmplanung), außerordentlich dankbar. Sie haben die Entstehung des Werkes entscheidend getragen. Ich danke auch der Geschäftsleitung, namentlich Herrn Dr. Udo Schiller, für die freundschaftliche Umsicht und das große Vertrauen. Und meine langjährige Direktionsassistentin, Frau Claudia Weiss, hat im Kontakt mit Verlag und Autoren viele wertvolle Aufgaben wahrgenommen und war stets geduldig mit mir... Danke!
11β-HSD2
11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2
ABC
ATP-Bindungskassettentransporter
aBGA
arterielle Blutgasanalyse
ABPA
allergische bronchopulmonale Aspergillose
ACE
Angiotensin Converting Enzyme
ACLS
Advanced cardiac/cardiovascular Life Support
ACR
American College of Rheumatology
ACTH
adrenokortikotropes Hormon
AD
autosomal-dominant
ADEM
akute disseminierte Enzephalomyelitis
ADH
antidiuretisches Hormon
ADP
Adenosindiphosphat
ADPKD
autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung
AEA
Anti-Endomysium-Antikörper
AED
automatischer externer Defibrillator
AF
Atemfrequenz
AFP
α-Fetoprotein
AGA
Anti-Gliadin-Antikörper
AGS
adrenogenitales Syndrom
AHA
American Heart Association
AIDS
Acquired Immunodeficiency Syndrome
AIHA
autoimmunhämolytische Anämie
AIP
akute intermittierende Porphyrie
AIP
akute interstitielle Pneumonie, Acute interstitial Pneumonia
AIRE
autoimmunes Regulator-Gen
AIS
Autoimmun-Insulin-Syndrom
AITL
angioimmunoblastisches T-Zell-Lymphom
AK
Antikörper
AKI
Acute Kidney Injury, akute Niereninsuffizienz
ALA
δ-Aminolävulinsäure
ALK
anaplastische Lymphomkinase
ALS
Advanced Life Support
ALT
Alaninaminotransferase
AMA
antimitochondriale Antikörper
AME
Apparent Mineralocorticoid Excess
ANA
antinukleäre Antikörper
ANCA
antineutrophile zytoplasmatische Antikörper
ANGPTL3
Angiopoietin-like Protein 3
ANP
atriales natriuretisches Peptid
anti-GAD
Antikörper gegen Glutaminsäuredecarboxylase
anti-HBc
Antikörper gegen Hepatitis-B-Core-Antigen
anti-HBe
Antikörper gegen Hepatitis-B-Envelope-Antigen
anti-HBs
Antikörper gegen Hepatitis-B-Surface-Antigen
anti-IA-2
Antikörper gegen Tyrosinphosphatase
anti-ZnT8
Antikörper gegen Zinktransporter
AP
alkalische Phosphatase
APBA
allergische bronchopulmonale Aspergillose
APC
aktiviertes Protein C
APL
akute Promyelozytenleukämie
APO
Apolipoprotein
aPTT
aktivierte partielle Thromboplastinzeit
APUD
Amino-Precursor-Uptake-Decarboxylation
AR
autosomal-rezessiv
ARAS
aufsteigendes retikuläres Aktivierungssystem
ARB
Angiotensin-II-Rezeptorblocker
ARDS
Acute Respiratory Distress Syndrome
ARH
autosomal-rezessive Hypercholesterinämie
ARR
Aldosteron-Renin-Ratio
ASAS
Assessment in SpondyloArthritis international Society
ASD
Vorhof-(Atrium-)septumdefekt
ASGPR
Asialoglycoprotein Receptor
AST
Aspartataminotransferase
ASVS
Arterial Stimulation and venous Sampling
ATN
akute Tubulusnekrose
ATP
Adenosintriphosphat
ATS
Australasian Triage Scale
AZ
Allgemeinzustand
BAL
bronchoalveoläre Lavage
BCG
Bacillus Calmette-Guérin
BCS
Budd-Chiari-Syndrom
BE
Base Excess
BIA
Bioimpedanzanalyse
B-lb
B-lymphoblatisches Lymphom
BLS
Basic Life Support
BMI
Body Mass Index
BNP
Brain natriuretic Peptide
BOOP
Bronchiolitis obliterans organizing Pneumonia
BPPV
benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, Benign positional paroxysmal Vertigo
BPS
benignes Prostatasyndrom
BSG
Blutsenkungsgeschwindigkeit
BWS
Brustwirbelsäule
BZ
Blutzucker
Ca
Kalzium
CAH
kongenitale adrenale Hyperplasie
CAP
Community-acquired Pneumonia
CAPD
chronische ambulante Peritonealdialyse
CCK
Cholezystokinin
CCP
zyklisches citrulliniertes Peptid
CDA
kongenitale dyserythropoetische Anämien
CEA
karzinoembryonales Antigen
CED
chronisch entzündliche Darmerkrankung
CESD
Cholesterylester-Speicherkrankheit
CETP
Cholesterinester-Transferprotein
CFS
Chronic Fatigue Syndrome
CFTR
Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator
CHE
Cholinesterase
CIS
Carcinoma in situ
CK
Creatinkinase
CKD
Chronic Kidney Disease, chronische Niereninsuffizienz
CK-MB
Creatinkinase vom Muscle-Brain-Typ
CLL
chronisch lymphatische Leukämie
CMML
chronisch myelomonozytäre Leukämie
CMV
Zytomegalievirus
COP
Cryptogenic organizing Pneumonia, kryptogene organisierende Pneumonie
COPD
Chronic obstructive pulmonary Disease, chronisch obstruktive Lungenerkrankung
CPAP
Continuous positive Airway Pressure
CPEO
chronisch progressive externe Ophthalmoplegie
CPPD
Calciumpyrophosphatdihydrat
CPR
kardiopulmonale Reanimation
CREST
Calcinosis cutis, Raynaud-Syndrom, ösophageale Dysfunktion, Sklerodaktylie, Teleangiektasien
CRH
Corticotropin-releasing Hormone
CRP
C-reaktives Protein
CRPS
Complex regional Pain Syndrome
CSR
Ca-Sensing Receptor
CT
Computertomografie/-gramm
CTAS
Canadian Triage and Acuity Scale
CUP
Cancer of unknown Primary
CVI
chronisch venöse Insuffizienz
CVI
zerebrovaskuläre Insuffizienz
CVI
zerebrovaskulärer Insult
CVID
Common variable Immunodeficiency Syndrome
DAEC
diffus adhärente Escherichia coli
DD
Differenzialdiagnose
DDAVP
1-Desamino-8-D-Arginin-Vasopressin
DHEAS
Dehydroepiandrosteronsulfat
DI
Diabetes insipidus
DIC
disseminierte intravasale Gerinnung
DIP
Desquamative interstitial Lung Disease, desquamative interstitielle Pneumonie
DIP-Gelenk
distales Interphalangealgelenk
DISH
diffuse idiopathische Skeletthyperostose
DLBCL
diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom
DLE
diskoider Lupus erythematodes
DM
Dermatomyositis
DNA
Desoxyribonukleinsäure
DOC
Deoxycorticosteron
DRESS
Drug Rash with Eosinophilia and systemic Symptoms
DSM-5
Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, 5. Auflage
DXA
Doppelröntgenabsorptiometrie, Dual Energy X-ray Absorptiometry
EABV
effektives arterielles Blutvolumen
EAggEC
enteroaggregative Escherichia coli
EBM
Evidence-based Medicine
EBUS
endobronchialer Ultraschall
EBV
Epstein-Barr-Virus
EDTA
Ethylendiamintetraacetat, Ethylendiamintetraessigsäure
EEG
Elektroenzephalografie/-gramm
EF
Ejektionsfraktion
eFAST
Extended focused Assessment with Sonography for Trauma
EGFR
Epidermal Growth Factor Receptor
EGPA
eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis
EHEC
enterohämorrhagische Escherichia coli
EIEC
enteroinvasive Escherichia coli
EKG
Elektrokardiografie / -gramm
EMG
Elektromyografie / -gramm
ENMG
Elektroneuromyografie/-gramm
EPEC
enteropathogene Escherichia coli
EPGN
extrakapillär-proliferative Glomerulonephritis
EPH-Gestose
Ödeme, Proteinurie, Hypertonie
EPO
Erythropoetin
ERC
endoskopische retrograde Cholangiografie
ERC
European Resuscitation Council
ERCP
endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie
ESI
Emergency Severity Index
ESS
Epworth-Schläfrigkeitsskala
etCO
End-tidal Carbon dioxide
ETEC
enterotoxische Escherichia coli
EZR
Extrazellulärraum
EZV
Extrazellulärvolumen
FAP
familiäre adenomatöse Polyposis
FDG-PET
Positronenemissionstomografie mit 18F-Fluor-Desoxyglucose
FE
fraktionelle Exkretion
FEV
1
forciertes exspiratorisches Volumen in der ersten Sekunde, Erstsekundenvolumen
FGF
Fibroblast Growth Factor
FGF
Fibroblasten-Wachstumsfaktor
FHH
familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie
FISH
Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung
FIV1
forciertes inspiratorisches Volumen in der ersten Sekunde
FL
follikuläres Lymphom
FMF
familiäres Mittelmeerfieber
FMS
Fibromyalgie-Syndrom
FNAC
Feinnadelaspirationszytologie
FNH
fokale noduläre Hyperplasie
FODMAP
Fermentable Oligo-, Di- and Monosaccharides and Polyols, fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole
FSGS
fokal-segmentale Glomerulosklerose
FSH
follikelstimulierendes Hormon
FSME
Frühsommermeningoenzephalitis
Fss
Fatigue-Schweregradskala
fT
3
freies Trijodthyronin
fT
4
freies Thyroxin
FTA-Abs-Test
Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptions-Test
FUO
Fever of unknown Origin
FVK
forcierte Vitalkapazität
FVL
Faktor-V-Leiden
GABA
γ-Aminobuttersäure
GAVE
Gastric antral vascular Ectasia (Wassermelonenmagen)
GBL
Gammabutyrolacton
GBM
glomeruläre Basalmenbran
G-CSF
Granulocyte Colony-stimulating Factor
GERD
Gastroesophageal Reflux Disease, gastroösophageale Refluxkrankheit
GFR
glomeruläre Filtrationsrate
GH
Growth Hormone, Wachstumshormon
GHB
Gammahydroxybutyrat
GHRH
Growth Hormone Releasing Hormone
GIST
gastrointestinaler Stromatumor
GLDH
Glutamatdehydrogenase
GLP-1
Glucagon-like Peptide-1
GM-CSF
Granulocyte-Macrophage Colony-stimulating Factor, Granulozyten-Makrophagen-Stimulationsfaktor
GN
Glomerulonephritis
GnRH
Gonadotropin-Releasing-Hormon
GOT
Glutamat-Oxalacetat-Transaminase
GPA
Granulomatose mit Polyangiitis
GPD1
Glycerol-3-phosphate-Dehydrogenase 1
GPIHBP1
GPI-verankertes HDL-Bindungsprotein 1
GPT
Glutamat-Pyruvat-Transaminase
GS
Gallensäuren
GSA
glukokortikoidsupprimierbarer Hyperaldosteronismus
GvHD
Graft-versus-Host Disease
HAP
Hospital-acquired Pneumonia
HAV
Hepatitis-A-Virus
Hb
Hämoglobin
HBcAg
Hepatitis-B-Core-Antigen
HBeAg
Hepatitis-B-Envelope-Antigen
HBsAg
Hepatitis-B-Surface-Antigen
HBV
Hepatitis-B-Virus
HCAP
Healthcare-associated Pneumonia
HCC
hepatozelluläres Karzinom
HCG
humanes Choriongonadotropin
HCL
Haarzellleukämie, Hairy Cell Leukemia
HCV
Hepatitis-C-Virus
HDL
High Density Lipoprotein
HDV
Hepatitis-Delta-Virus
HE4
Humanes Epididymis-Protein 4
HELLP-Syndrom
Haemolysis, Elevated Liver Enzymes, Low Platelet Count
HEV
Hepatitis-E-Virus
HF
Herzfrequenz
HFpEF
Heart Failure with preserved Ejection Fraction
HFrEF
Heart Failure with reduced Ejection Fraction
HHV
humanes Herpesvirus
HIDS
Hyper-IgD-Syndrom
HIT
heparininduzierte Thrombozytopenie
HIV
humanes Immundefizienz-Virus, Human Immunodeficiency Virus
HL
Hodgkin-Lymphom
HLA
humanes Leukozytenantigen
HNF
Hepatic nuclear Factor
HNPCC
hereditäres nichtpolypöses kolorektales Karzinom
HOKM
hypertroph obstruktive Kardiomyopathie
HPF
High Power Field
HPT
Hyperparathyreoidismus
HPV
humanes Papillomavirus
HR
Hazard Ratio
HR-CT
High-Resolution-Computertomografie
HRM
High-Resolution-Manometrie, hochauflösende Ösophagusmanometrie
HSV
Herpes-simplex-Virus
HSZT
hämatopoetische Stammzelltransplantation
HT
Herztöne
HT
Hormonersatztherapie
HTLV-1
humanes T-lymphotropes Virus 1
HUS
hämolytisch-urämisches Syndrom
HV
Halsvenen
HVL
Hypophysenvorderlappen
HWS
Halswirbelsäule
IBS
Irritable Bowel Syndrome
IBS-C
Irritable Bowel Syndrome Constipation Type
ICA
Inselzellantikörper
ICD-10, ICD-11
Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme 10. Revision bzw. 11. Revision
ICF
Idiopathic chronic Fatigue
ICR
Interkostalraum
ICSD
International Classification of Sleep Disorders
IgA
Immunglobulin A
IGAN
IgA-Nephropathie
IGF-1
Insulin-like Growth Factor 1
IGFBP-3
Insulin-like Growth Factor-binding Protein-3
IgG
Immunglobulin G
IGRA
Interferon-γ-Release-Assay
IL-6
Interleukin-6
IMC
Intermediate-Care-Station
INH
Isoniazid
INO
internukleäre Ophthalmoplegie
INR
International normalized Ratio
IP3
Inosintriphosphat
IPF
Idiopathic pulmonary Fibrosis, idiopathische Lungenfibrose
IPF-1
Insulin promoting Factor 1
IPSS
Inferior petrosal Sinus Sampling
IPSS
Internationaler Prostata-Symptom-Score
IRIS
Immune Reconstitution inflammatory Syndrome, Immunrekonstitutionssyndrom
ISG
Iliosakralgelenk
ITP
Immunthrombopenie
ITP
Immunthrombozytopenie
IU
Internationale Einheiten
IVP
intravenöse Pyelografie
IZR
Intrazellulärraum
IZV
Intrazellulärvolumen
JAK2
Janus-Kinase 2
JIA
juvenile idiopathische Arthritis
KHK
koronare Herzkrankheit
KO
kardialer Output
kPA
Kilopascal
LA
linker Vorhof
LAD
Leukozytenadhäsionsdefekt
LAM
Lymphangioleiomyomatose
LC-1-Antikörper
Liver-Cytosol-Antikörper Typ 1
LCAT
Lecithin-Cholesterin-Acyltransferase
LCH
Langerhans-Zell-Histiozytose
LCMV
Lymphozytäre-Choriomeningitis-Virus
LDCT
Low-Dose-Computertomografie
LDH
Laktatdehydrogenase
LDL
Low Density Lipoprotein
LDLR
LDL-Rezeptor
LE
Lungenembolie
LE
Lupus erythematodes
LH
luteinisierendes Hormon
LHRH
Luteinisierendes-Hormon-Releasing-Hormon
LIP
Lymphoid interstitial Pneumonia, lymphoide interstitielle Pneumonie
LIPA
lysosomale saure Lipase
LIPC
hepatische Lipase
LIPG
endotheliale Lipase
LK
Lymphknoten
LKM
Anti-Liver-Kidney-Microsomes-Antikörper
LMF1
Lipase Maturation Factor 1
LMWH
niedermolekulares Heparin
LN-IV
Lupus-Nephritis IV
LORA
Late Onset rheumatoid Arthritis
LPL
Lipoproteinlipase
LPL
lymphoplasmozytoides Lymphom
LR
Likelihood Ratio
LRTI
Lower respiratory Tract Infection
LSB
Linksschenkelblock
LUTS
Lower urinary Tract Symptoms, Symptome seitens der unteren Harnwege
LV
linksventrikulär, linker Ventrikel
LVEDP
Left ventricular end-diastolic Pressure, linksventrikulärer enddiastolischer Druck
LVEF
linksventrikuläre Auswurffraktion
LWS
Lendenwirbelsäule
MALT
Mucosa-associated lymphoid Tissue
MCD
Minimal-Change-Disease
MCP-Gelenk
Metakarpophalangealgelenk
MCT
mittelkettige Triglyzeride
MCTD
Mixed Connective Tissue Disease
MDMA
3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin
MDS
myelodysplastisches Syndrom
MEF50
maximaler exspiratorischer Fluss bei 50% der forcierten Vitalkapazität
MELAS
Mitochondrial Myopathy, Encephalopathy, lactic Acidosis, and Stroke-like Episodes
MEN
multiple endokrine Neoplasie
MERS
Middle East respiratory Syndrome
MF
Mycosis fungoides
Mg
Magnesium
MGN
membranöse Glomerulonephritis
MGUS
monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz
MIBG
Metaiodobenzylguanidin
MIF50
maximaler inspiratorischer Fluss bei 50% der forcierten Vitalkapazität
MKT
mittellangkettige Triglyzeride
MM
multiples Myelom
MMS
Mini-Mental-Test
MODY
Maturity Onset Diabetes of the Young
MOTT
Mycobacteria other than Tuberuclosis, atypische Mykobakterien
MOV
Multiorganversagen
MPA
mikroskopische Polyangiitis
MPGN
membranoproliferative Glomerulonephritis
MPN
myeloproliferative Neoplasien
MPO
Myeloperoxidase
MRC
Magnetresonanzcholangiografie
MRCP
Magnetresonanzcholangiopankreatikografie
MRP
Multidrug Resistance-associated Protein
MRT
Magnetresonanztomografie/-gramm
MS
multiple Sklerose
MSA
Multisystematrophie
MSH
Melanozyten-stimulierendes Hormon
MTD
Genprobe amplified Mycobacterium tuberculosis direct Test
MTP
mikrosomales Transferprotein
MTS
Manchester Triage System
MZL
Mantelzelllymphom
MZoL
Marginalzonenlymphom
Na
Natrium
NAFL
Nonalcoholic fatty Liver, nichtalkoholische Fettleber
NAFLD
Nonalcoholic fatty Liver Disease, nichtalkoholische Fettlebererkrankung
NASH
nichtalkoholische Steatohepatitis
NBT-PABA
N-Benzoyl-L-Tyrosyl-p-Aminobenzoesäure
NCSE
nicht konvulsiver Status epilepticus
NDI
nephrogener Diabetes insipidus
NERD
Non erosive Reflux Disease, nicht erosive Refluxkrankheit
NES
Night-Eating-Syndrom
NHL
Non-Hodgkin-Lymphom
NNM
Nebennierenmark
NNR
Nebennierenrinde
NPV
negativer prädiktiver Wert
NREM-Schlaf
Non-Rapid-Eye-Movement-Schlaf
NSAID
Non-steroidal anti-inflammatory Drug
NSAR
nichtsteroidale Antirheumatika
NSE
neuronenspezifische Enolase
NSIP
Non-specific interstitial Pneumonia, unspezifische interstitielle Pneumonie
NT-proBNP
N-terminales pro B-Typ natriuretisches Peptid
NYHA
New York Heart Association
OAF
Osteoklasten-aktivierende Faktoren
ODM
Osteodensitometrie
ODTS
Organic Dust toxic Syndrome, akutes Staubfieber
ÖGD
Ösophagogastroduodenoskopie
oGTT
oraler Glukosetoleranztest
OH
Ovulationshemmer
OI
Osteogenesis imperfecta
OKR
optokinetischer Reflex
OSAS
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
Osm
Osmolalität
OTC
Over the Counter
OTR
Ocular Tilt Reaction
PAH
pulmonalarterielle Hypertonie
PAN
Panarteriitis nodosa, Periarteriitis nodosa
pANCA
perinukleär betonter Anti-Neutrophilen-Zytoplasma-Antikörper
PAP
pulmonale alveoläre Proteinose
pAVK
periphere arterielle Verschlusskrankheit
PAWP
Pulmonary Artery Wedge Pressure
PBC
primär biliäre Zirrhose
PBG
Porphobilinogen
PCI
perkutane koronare Intervention
PCOS
polyzystisches Ovarialsyndrom
PCR
Polymerasekettenreaktion
PCSK9
Proproteinkonvertase Subtilisin-Kexin Typ 9
PDA
persistierender Ductus arteriosus
PDE
Phosphodiesterase
PE
Probeexzision
PEA
pulslose elektrische Aktivität
PEF
Peak Expiratory Flow
PEG
Polyethylenglykol
PET
Positronenemissionstomografie / -gramm
PF4
Plättchenfaktor 4
PFA
Platelet Function Analyzer
PFAPA-Syndrom
periodisches Fieber, Adenitis, Pharyngitis, aphthöse Stomatitis
PFO
Patent Foramen ovale, offenes Foramen ovale
Ph
Phosphat
PHE
Periodic Health Exam
PHHI
Persistent hyperinsulinemic Hypoglycemia of Infancy
PIGN
postinfektiöse Glomerulonephritis
PIP-Gelenk
proximales Interphalangealgelenk
PKD
Polycystic Kidney Disease
PKF
Phonokardiogramm
PLL
Prolymphozytenleukämie
PM
Polymyositis
PMF
primäre Myelofibrose
PML
progressive multifokale Leukenzephalopathie
PMR
Polymyalgia rheumatica
PNH
paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie
POEMS-Syndrom
Polyneuropathie, Organomegalie, Endokrinopathie, monoklonales Paraprotein, Hautläsionen
PPI
Protonenpumpeninhibitoren
PPV
positiver prädiktiver Wert
PR3
Proteinase 3
PRA
Plasma-Renin-Aktivität
PRCA
Pure red Cell Aplasia
PRES
posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom
PSA
prostataspezifisches Antigen
PsA
Psoriasis-Arthritis
PSC
primär sklerosierende Cholangitis
PSP
progressive supranukleäre Parese
PSQI
Pittsburgh Schlafqualitätsindex
PT
Prothrombin-Mutation
PTA
perkutane transluminale Angioplastie
PTBS
posttraumatische Belastungsstörung
PTC
perkutane transhepatische Cholangiografie
PTCL-NOS
peripheres T-Zell-Lymphom (not otherwise specified)
PTH
Parathormon
PTHrP
Parathormon-related Protein
PTT
partielle Thromboplastinzeit
PTZ
Prothrombinzeit
PV
Polycythaemia vera
PVNS
pigmentierte villonoduläre Synovialitis
PVS
persistierender vegetativer Zustand
QALY
Quality adjusted Life Years
RA
rechter Vorhof
RA
refraktäre Anämie
RA
rheumatoide Arthritis
RAAS
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
RAEB
refraktäre Anämie mit Blastenexzess
RARS-T
refraktäre Anämie mit Ringsideroblasten und Thrombozytose
RAST
Radio-Allergo-Sorbent-Test
RB-ILD
Respiratory Bronchiolitis interstitial Lung Disease, respiratorische Bronchiolitis mit interstitieller Pneumonie
RCMD
refraktäre Zytopenie mit multilineärer Dysplasie
RCUD
refraktäre Zytopenie mit Einliniendysplasie
ReA
reaktive Arthritis
REM-Schlaf
Rapid-Eye-Movement-Schlaf
REO
Respiratory enteric orphan
RES
retikuloendotheliales System
RF
Rheumafaktor
RG
Rasselgeräusche
RIPA
Ristocetin-induzierte Plättchenagglutination
RIVA
Ramus interventricularis anterior
RN
refraktäre Neutropenie
RNA
Ribonukleinsäure
ROSC
Return of spontaneous Circulation
RPGN
rasch progrediente Glomerulonephritis
RPR
Rapid Plasma Reagin
RR
Blutdruck
RS/KS
Rücken-/Kreuzschmerz
RS3PE
Remitting seronegative symmetrical Synovitis with pitting Edema
RSB
Rechtsschenkelblock
RSV
Respiratory Syncytial Virus
RT
refraktäre Thrombozytopenie
RTA
Reintonaudiogramm
RTA
renal-tubuläre Azidose
RV
rechtsventrikulär, rechter Ventrikel
RV
Residualvolumen
SAG
Serum Anion Gap, Serumanionenlücke
SAM
Systolic Anterior Motion
SaO2
arterielle Sauerstoffsättigung
SAPHO-Syndrom
Synovitis, Akne, Pustulose, Hyperostose, Osteomyelitis
SARS
Severe acute respiratory Syndrome
SBP
spontane bakterielle Peritonitis
SCARB1
Scavenger Receptor B1
SDH
Succinat-Dehydrogenase
SDM
Shared Decision-making
SFTS
Severe Fever with Thrombocytopenia Syndrome
SGW
systemischer Gefäßwiderstand
SHBG
Sexualhormon-bindendes Globulin
SIADH
Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
SIBO
Small intestinal bacterial Overgrowth
SIG
Sakroiliakalgelenk
SIRS
Systemic inflammatory Response Syndrome
SLA-Antikörper
Soluble-Liver-Antigen-Antikörper
SLE
systemischer Lupus erythematodes
SLL
Small lymphocytic Lymphoma
SMA
Smooth-Muscle-Antikörper
SMM
Smoldering Myeloma
sMZoL
splenisches Marginalzonenlymphom
SNRI
selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer
SOG
Serum osmolar Gap, osmotische Lücke im Serum
SOS
Sinusoidal Obstruction Syndrome
SpA
Spondylitis ankylosans
SPECT
Single Photon Emission computed Tomography, Einzelphotonen-Emissions-Computertomografie
SRS-A
Slow-reacting Substance of Anaphylaxis
SSRI
Selective Serotonin Reuptake Inhibitor, selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
SSW
Schwangerschaftswoche
sTfR
löslicher Transferrinrezeptor
SV
Schlagvolumen
SVT
Sinusvenenthrombose
TACE
transarterielle Chemoembolisation
TEA
Thrombendarteriektomie
TGA
transiente globale Amnesie
TGF
Transforming Growth Factor
TIA
transitorische ischämische Attacke
TIN
tubulointerstitielle Nephritis
TINU-Syndrom
akut interstitielle Nephritis mit Uveitis
TIPS
transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt
T-lb
T-lymphoblatisches Lymphom
TLK
totale Lungenkapazität
TMA
thrombotische Mikroangiopathien
TNF
Tumornekrosefaktor
TOS
Thoracic-Outlet-Syndrom
TPHA
Treponema-pallidum-Hämagglutinations-Assay
TPO
Thyreoperoxidase
TPPA
Treponema-pallidum-Partikel-Agglutinationstest
TRAK
TSH-Rezeptor-Antikörper
TRAPS
Tumornekrosefaktor-Rezeptor-assoziiertes periodisches Fieber
TREG
regulatorische T-Lymphozyten
TRH
Thyrotropin-Releasing-Hormon
TSH
Thyreoidea-stimulierendes Hormon
tTG
Anti-Transglutaminase-Antikörper
TTKG
transtubulärer Kaliumgradient
TTP
thrombotisch-thrombozytopenische Purpura
TTR
Transthyretin
TUR-B
transurethrale Resektion der Blase
UAG
Urinary Anion Gap, Urinanionenlücke
UCP
Uncoupling Protein, mitochondriales Entkopplungsprotein der Atmungskette
UFH
unfraktioniertes Heparin
UIP
Usual interstitial Pneumonia
URS
Ureterrenoskopie
VAP
ventilatorassoziierte Pneumonie
VAS
visuelle Analogskala
VDDR
Vitamin-D-abhängige Rachitis
VDR
Vitamin-D-Rezeptor
VDRL
Venereal Disease Research Laboratory
VEGF
vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor
VEP
visuell evozierte Potenziale
VHL
Von-Hippel-Lindau-Syndrom
VIP
vasoaktives Intestinalpeptid
VK
Vitalkapazität
VLDL
Very low Density Lipoprotein
VOD
Veno-occlusive Disease
VOR
vestibulookulärer Reflex
VSD
Ventrikelseptumdefekt
VTE
venöse Thromboembolie
VWF
von-Willebrand-Faktor
VWS
von-Willebrand-Syndrom
VZV
Varicella-Zoster-Virus
WDR-Neurone
Wide-Dynamic-Range-Neurone
WHO
World Health Organization
WPW-Syndrom
Wolff-Parkinson-White-Syndrom
ZAS
zentrales anticholinerges Syndrom
ZDI
zentraler Diabetes insipidus
ZES
Zollinger-Ellison-Syndrom
ZNS
Zentralnervensystem
β-HCG
β-Humanchoriongonadotropin
γ-GT
γ-Glutamyltranspeptidase
1 Grundlagen der Differenzialdiagnose
2 Differenzialdiagnostisches Management
3 Notfall und Triage
E. Battegay, S. Bassetti
Kernpunkte
Anamnese und körperliche Untersuchung führen bei weit über der Hälfte aller Patienten zu definitiven internistischen Diagnosen und steuern Problemanalyse sowie differenzialdiagnostische Überlegungen.
Der Weg des Patienten zum Arzt (Selbsttriage, ambulante Konsultation, Hausbesuch, notfallmäßige Konsultation, Aufnahme via Rettungsambulanz) und das Setting (ambulant, stationär, Intensivmedizin, Notfall) beeinflussen differenzialdiagnostische Überlegungen und Vorgehensweisen.
Als Grundlage differenzialdiagnostischer Überlegungen dienen Anatomie, Pathogenese/Pathophysiologie und Nosologie/Ätiologie.
Assoziatives Denken, Intuition und Absprache unterstützen differenzialdiagnostische Treffsicherheit und Fehlervermeidung.
Mehrere Diagnosen und Probleme (Multimorbidität, Polypharmazie) sind heutzutage die Norm bei einer Arzt-Patient-Begegnung. Das differenzialdiagnostische Management soll Symptome in dieser Situation einer Krankheit so klar wie möglich zuordnen.
Unter Heuristik versteht man die Erarbeitung von Lösungen mittels begrenzter Informationen (Trial and Error, Ausschlussverfahren, Einschlusserfahrungen, Verfügbarkeitsheuristik, Ankerheuristik, Repräsentationsheuristik). Quantitative Messgrößen beschreiben patientenbasiert die Güte von Heuristik und Entscheiden (Quantitative medical Decision-making: Vortestwahrscheinlichkeit, Sensitivität, Spezifität, positiver und negativer prädiktiver Wert, Likelihood Ratio).
„Entscheiden“ wird durch 2 Haupttheorien beschrieben: die Entscheidungs- und die Spieltheorie.
Die Entscheidungstheorie beschreibt Entscheidungen von Einzelnen. Persönlichkeitsstrukturen von Ärzten tragen zur Art und Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung wesentlich bei (ängstlich versus risikofreudig, Maximizers versus Satisfyers).
Die Spieltheorie beschreibt das Entscheiden von 2 oder mehr Personen, von denen die eine nicht weiß, was die andere denkt. Arzt-Patienten-Situationen sind theoretisch spieltheoretische Situationen. Deshalb müssen ärztliche Sichten und Haltungen falls möglich mit Sichten und Haltungen der Patienten in einem Verhandlungsprozess abgeglichen werden (Shared Decision-making).
Informationstechnologie (künstliche Intelligenz), Internet und Datenbasen unterstützen heutzutage zunehmend Entscheidungsprozesse.
Der Zufall führt insbesondere bei Bildgebung (vor allem CT und MRT, z.B. Inzidentalome), aber auch bei Laborbestimmungen zu neuen und unerwarteten, nicht in das ursprüngliche Kalkül einbezogenen Diagnosen.
Strategien zur Vermeidung von Fehlern im diagnostischen Prozess beinhalten Vermeiden von Premature Closure, Inattentional Blindness und Availability Bias. Weitere Strategien sind: Reflective Reasoning, Briefing, Debriefing, klare explizite Kommunikation (z.B. strukturierte Patientenvorstellung) und eine offene wertschätzende Kultur.
Ziel der Differenzialdiagnose und des differenzialdiagnostischen Managements ist die Zuordnung von Symptomen zu Diagnosen und Krankheiten. Dies ermöglicht gezielte Therapien, krankheitsbezogene Prognosen und die Organisation der Betreuung des Patienten. Der Arzt sucht mittels Anamnese, körperlicher Untersuchung und geordneter differenzialdiagnostischer Vorgehensweise subjektive Beschwerden (engl.: Symptoms) und objektive Befunde (engl.: Signs) eines Patienten einzuordnen, um daraus Hinweise für Diagnose(n) und weiteres Handeln zu erhalten (s. auch Kap. ▶ 2).
Oft kann der Arzt keine oder keine sichere Diagnose stellen oder es bestehen mehrere Diagnosen gleichzeitig, die die Zuordnung von Symptomen zu Einzeldiagnosen erschweren (Multimorbidität, Polypharmazie). Eine erste Analyse und Problemliste ist eine wichtige Basis bzw. Hypothese zum (differenzialdiagnostischen) medizinischen Management. Diese Analysen müssen immer wieder angepasst werden, da die Differenzialdiagnose oft dynamische Krankheitsprozesse spiegelt.
Merke
Sogenannte „typische“ Krankheitsbilder sind seltener geworden: Patienten wenden sich schon frühzeitig mit noch unspezifischen Symptomen an Ärzte. Zudem eliminieren Screening, Früherkennung und Behandlung zusehends fortgeschrittene Erkrankungen als Erstmanifestation. Zudem lassen molekulare Analysen „atypische“ Manifestationsformen von Erkrankungen erkennen. Erkrankungen werden damit „symptomunabhängiger“.
Anatomie als Grundlage Als Grundlage rationaler und geordneter differenzialdiagnostischer Überlegungen und Gliederungen dient einerseits die Anatomie ( ▶ Abb. 1.1). Zum Beispiel dient ein Thoraxschmerz als Hinweis für die Dysfunktion eines Organs im Brustraum (Herz, Ösophagus, Pleura, Perikard, parietale Strukturen) oder in angrenzenden Strukturen (obere Quadranten Abdomen, Epigastrium) oder einer mit dem Thoraxraum verbundenen Struktur (neurologische Probleme wie z.B. eine Syringomyelie, Innervation wie z.B. ein Zoster oder psychosomatische Störungen). Als weiteres Beispiel für die konzeptionell „anatomische“ Einteilung von Differenzialdiagnosen kann die Einordnung von Anämien in normozytär, mikrozytär und makrozytär angeführt werden (s. Kap. ▶ 25.3.1).
Anatomie und Differenzialdiagnose.
Abb. 1.1
Abb. 1.1a
Abb. 1.1b
Pathogenese und Pathophysiologie In vielen Fällen werden Krankheiten nach pathophysiologischen Kriterien geordnet, z.B. die Einteilung der Anämien nach hyporegenerativ oder hyperregenerativ oder die sekundären Formen der Hypertonie (s. Kap. ▶ 17).
Ätiologie und Nosologie Die Frage nach der Ursache der Krankheit (Ätiologie) und deren Benennung bzw. deren Erscheinungsform und Klassifikation (Nosologie) ermöglicht die gezielte Therapie und geordnete Patientenbetreuung. Allerdings sind viele „Diagnosen“ weiter unterteilbar. Zum Beispiel ist die Diagnose „Pneumonie“ Ausgangspunkt für weitere ätiologische Differenzierungen mit immer mehr Untereinheiten (z. B. Pneumokokken, Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen, Viren, Pilze).
Die „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ oder kürzer und gebräuchlicher „International Classification of Diseases (ICD)“ klassifiziert Erkrankungen und Symptome. Die gegenwärtig gebräuchliche ICD-10-Kodierung enthält in der Zwischenzeit rund 12000 vierstellige Krankheitsklassen (Subkategorien). Andere länderspezifisch adaptierte ICD-10-Codes (ICD-10-AM: Australien, ICD-10-CA: Canada oder ICD-10-CM: in USA gebräuchlich) enthalten teilweise wesentlich mehr Subkategorien von Erkrankungen. Die in Vorbereitung begriffene ICD-11-Kodierung wird noch mehr Codes enthalten.
Merke
Überlegungen zu Anatomie, Pathophysiologie, Ätiologie/Nosologie, Assoziationen und Intuition sind erste Basis des differenzialdiagnostischen Denkens.
Komplexe Symptomatik bei Multisystemerkrankungen Die sichtbare Erkrankung eines Organs kann die erste Manifestation eines insgesamt gestörten Funktionskreises (z.B. bei Endokrinopathie) oder einer prinzipiell alle Organe gefährdenden Systemerkrankung (z.B. Kollagenosen, Gefäßleiden) sein. Deshalb soll bei Auftreten eines Organsymptoms sorgfältig nach anderen möglichen Manifestationsorten einer mehrere Organsysteme umfassenden Erkrankung gefahndet werden (z.B. Nierenstein bei Hyperparathyreoidismus).
Kriterien, Scores, Algorithmen Diagnosebegriffe werden teilweise durch ein System von Kriterien ersetzt, das automatisch zum nächsten diagnostischen oder therapeutischen Schritt führt. Dieses Vorgehen ist in extremen Situationen, namentlich in der Notfall- und Intensivmedizin, durchaus gebräuchlich. So verlangt die „Diagnose“ oder eher Feststellung Atemstillstand ganz unabhängig von Ätiologie und Pathogenese die sofortige künstliche Beatmung (s. Kap. ▶ 3).
Dringlichkeitsbeurteilung, Notfallsituation Meist basieren Dringlichkeitsbeurteilungen nicht auf einer definitiven Diagnose (s. vor allem Kap. ▶ 3).
Überprüfung der gestellten Diagnose Symptome verändern sich aufgrund des Krankheitsverlaufs und der Therapie. Neue Diagnosen kommen dazu und alte verschwinden. Manchmal sind initial gestellte Diagnosen schlichtweg falsch. Die Differenzialdiagnose soll deshalb dauernd erneuert und kritisch hinterfragt werden.
Merke
Die Differenzialdiagnose soll ständig erneuert und kritisch hinterfragt werden, insbesondere bei atypischen Verläufen oder Nichtansprechen auf eine Therapie.
Individueller Krankheitsausdruck Krankheiten entwickeln sich nicht bei jeder Person gleich. Zum Beispiel kann ein identischer Krankheitserreger je nach Abwehrlage und Alter des Patienten zu verschiedenen Krankheitsverläufen führen. So führen spezifische Mikroorganismen bei Immunsupprimierten zu wesentlich anderen Krankheitsbildern als bei immunkompetenten Patienten.
Zudem prägt jeder Mensch durch eigene Individualität das Ausdrücken, Bewerten und Einordnen von Symptomen und damit „seine“ Erkrankung (engl.: „Disease“ als Perspektive des Arztes, „Illness“ als Perspektive des Patienten). Der Arzt soll Erleben und Krankheitsvorstellungen des Patienten in diagnostische Überlegungen mit einbeziehen. Gerade spezielle Vorstellungen und eigene Krankheitsmodelle können Schlüssel zu Diagnosen sein. Gehörte und verstandene Patienten lassen sich leichter von diagnostischen Prozessen und vital wichtigen ärztlichen Perspektiven überzeugen. In einem Verhandlungsprozess müssen Expertise und Krankheitsmodell des Arztes und die individuellen Vorstellungen und Krankheitsmodelle des Patienten gemeinsam zu Entscheidungen führen (engl.: „Shared Decision-making“).
Neben den offen deklarierten Gründen für eine Konsultation können auch nicht deklarierte Gründe oder ungenannte Ängste vorhanden sein, eine sog. „Hidden Agenda“ (s. auch Kap. ▶ 2.6.3). Zum Beispiel wird der Wunsch nach einem HIV-Test nach sexuellem Risikoverhalten aus Scham nicht genannt. Diese Hidden Agenda muss dem Patienten nicht bewusst sein, da er von falschen oder manchmal eigenwilligen Annahmen ausgeht. Beispielsweise kann er annehmen, dass bei Nennung von Epilepsie in der Familie bei einem Check-up ein EEG routinemäßig vorgenommen wird.
Wichtig ist, dass man durch Pausen und offene Fragen (z.B. „Haben wir etwas vergessen?“) Raum für die Nennung einer Hidden Agenda gibt. Pausen und offene Fragen dienen auch der Fehlervermeidung, da Patienten oft Aspekte einer Erkrankung oder deren Abklärung nennen, die sonst versehentlich untergegangen wären (s. Kap. ▶ 2.2 und ▶ Tab. 2.1).
Die Beachtung der individuellen Erwartung und Bedeutung der Krankheit für den Patienten ist auch aus einem weiteren Grund notwendig. Die Verfügbarkeit vielfältigster diagnostischer Methoden und die Kostensteigerung im Gesundheitswesen zwingen heute mehr denn je abzuwägen, ob Untersuchungsaufwand und Belastung für den Patienten nutzbringende Konsequenzen haben. Nicht selten müssen dabei im einfühlsamen ärztlichen Gespräch irrationale Erwartungen an eine technische Untersuchung relativiert werden.
Risikofaktoren für Erkrankungen Risikofaktoren für eine Erkrankung wie z.B. Rauchen oder einer Hypercholesterinämie beeinflussen differenzialdiagnostisches Denken. Trotzdem werden Risikofaktoren bei einem Krankenhausaufenthalt wegen eines vordergründig beachteten akuten Problems nicht vorrangig behandelt (z. B. Herzinfarkt bei prämaturer koronarer Herzkrankheit: fehlende Familienuntersuchung etc.). Oft verbessert die erfolgreiche Behandlung von Risikofaktoren das Langzeitüberleben, z. B. bei prämaturer koronarer Herzkrankheit nicht nur beim betroffenen Patienten (Indexpatienten), sondern auch bei seiner von einem genetisch determinierten Risikofaktor möglicherweise ebenfalls betroffenen Familie (z.B. oft unerkannte familiäre Hypercholesterinämie).
Setting Das Setting, also die Situation, in der man den Patienten untersucht (Selbsttriage, ambulante Konsultation, Hausbesuch, notfallmäßige Konsultation, Aufnahme via Rettungsambulanz), ändert die Ausgangslage der Differenzialdiagnose und Krankheitswahrscheinlichkeiten. Zum Beispiel ist die Ursache eines Thoraxschmerzes bei einem Patienten in einer Arztpraxis bedeutend weniger häufig eine akute koronare Herzkrankheit als auf einer Notfallstation eines Krankenhauses der Maximalversorgung.
Differenzialdiagnostisches Management und Triage fordern von Ärzten Entscheidungen, oft auf der Basis von wenig eindeutigen Informationen. Zudem entscheiden Ärzte oft unter Zeitdruck, also ohne die Möglichkeit zur eingehenderen Klärung. So sind Unsicherheit über die Sachlage und Unsicherheit über deren Interpretation bei medizinischen Entscheidungen Alltag.
Entscheiden in komplexen Situationen Mit dem Älterwerden von Patienten besteht meist eine zunehmende Multimorbidität (s. Kap. ▶ 1.4), d.h. das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Erkrankungen. So lag bei rund 90% aller in die Innere Medizin im Universitätsspital Zürich aufgenommenen Patienten ein wesentliches Ausmaß an Multimorbidität vor. Zu dieser krankheitsbezogenen Komplexität gesellen sich noch die Ansichten und Wünsche des Patienten und die Situation des Arztes (z.B. Zeitdruck bei „Overcrowding“ auf einer Notfallstation).
Integration komplexer Information Die Patientensituation, die Gesamtsituation (z.B. Overcrowding in einer Notfallstation) müssen nun mit aussprechbarem, explizitem Wissen (engl.: Explicit Knowledge) und implizitem Wissen (engl.: Tacit Knowledge) abgeglichen, integriert und zu einem Entscheid geführt werden. Explicit Knowledge ist heutzutage breit über Bücher, Datenbasen und Internet verfügbar, allerdings oft in atomisierter und nicht gewichteter Form. Mit klinischer Erfahrung und Expertise entwickelt sich zunehmend implizites Wissen. Aus komplexen Zusammenhängen zieht man intuitiv richtige Schlussfolgerungen. Eine außerordentliche Anzahl von dynamischen Variablen wird intuitiv mittels nicht aussprechbarer, innerlich kristallisierter Erfahrung verfügbar. Bauchentscheide führen zu guten Resultaten, wenn man sich in einem Gebiet gut auskennt und erfahren ist. Umgekehrt ist eine kognitive und systematisch kritische Kontrolle von Bauchentscheiden notwendig, um beste Resultate zu erreichen.
Merke
Eine Vielzahl an komplexen Informationen fordert unser Hirn. Dabei dringen Informationen auf der Basis sämtlicher Sinne bewusst oder unbewusst in unser Gehirn und werden mit vorhandenem Wissen und Erfahrung abgeglichen sowie integriert. Nicht zuletzt entwickelt sich mit der Zeit aufgrund eines durch Intuition und Bauchgefühl mobilisierbaren „kristallisierten“, vielfach nicht immer bewussten „Wissens“ und der Erfahrung eine Basis für die Handhabung einer Situation.
Differenzialdiagnostisches Entscheiden, Denken und Fühlen Die oben genannten Grundlagen der Differenzialdiagnose (Anatomie, Pathogenese/Pathophysiologie, Ätiologie/Nosologie) sollen in jeder Situation auch durch spontane Assoziationen und Intuitionen ergänzt werden. Ideen werden dabei zunächst breit und ohne innerliche Bremsen oder Einschränkungen gesammelt, soweit es die Situation erlaubt. Diese Ideen werden dann innerlich oder mit Kollegen diskutiert und schließlich angemessen eingegrenzt.
Systematisch berücksichtigte Intuitionen unterstützen die Qualität des differenzialdiagnostischen Resultats. Systematische rationale (kognitive) Überlegungen sollen gründlich mit dem Bauchgefühl abgeglichen werden und vize versa, also gleichzeitig „durchdacht“ und „durchfühlt“ werden. Die Kombination von Kognition und Intuition in einem geordneten Prozess, am besten in Rücksprache mit erfahrenen Kollegen, erlaubt einen hohen Grad an Fehlervermeidung in der Differenzialdiagnose.
Merke
Assoziationen (was fällt uns spontan ein) und Intuition (unser Bauchgefühl) sollen bewusst, aber auch kritisch gewertete Teile des differenzialdiagnostischen Denkens und Fühlens sein.
Theorien um das Entscheiden Die Entscheidungstheorie beschreibt Entscheidungen von Einzelnen unter Berücksichtigung kognitiver („Kopf“: Wissen, Überlegen etc.), intuitiver („gute Nase“, „Bauch“: unter- oder vorbewusstes Repertoire) und wertebasierter („Herz“) Elemente. Entscheidend ist bei der Differenzialdiagnose sicherlich medizinisches Wissen und Erfahrung, also die Verfügbarkeit von Denkrastern (Verfügbarkeitsheuristik). Gleichzeitig kann Unbewusstes oder Vorbewusstes (Intuition) das differenzialdiagnostische Denken stützen oder verzerren.
Zum Beispiel kann eine „Ankerheuristik“ sofort eine korrekte Blitzentscheidung ermöglichen oder eine notwendige korrekte Vermutung blockieren: Die Zuweisung eines Patienten durch einen respektierten Kardiologen auf die Notfallstation wegen eines koronaren Problems führt zu einer Verankerung der Zuweisungsdiagnose im Denken („Anchoring“), und infolgedessen wird ein thorakaler radikulärer Schmerz oder eine Panikattacke als Ursache des Thoraxschmerzes verpasst. Ähnliches gilt für „Framing“, nämlich das Einpassen einer Differenzialdiagnose in ein bekanntes Denkmuster („Das ist doch sicher eine Pneumonie, jetzt in der Grippesaison“: Husten, Infiltrate führen zur Falschdiagnose „Pneumonie“ und ein Morbus Wegener wird verpasst). Framing ermöglicht Geschwindigkeit, kann aber durch Aufwerten „passender Befunde“ und das Ausblenden nicht passender Befunde auch zu Fehlern führen (Konfirmationsbias). Und schließlich können Vorurteile unser Denken wesentlich beeinflussen (Repräsentationsheuristik): Ein obdachloser Alkoholkranker wird unbesehen als noncompliant eingestuft. So tragen kristallisiertes Wissen und Erfahrungen von Ärzten zu Art und Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung wesentlich bei.
Persönlichkeit von Ärzten und Entscheiden Wesentlich sind auch Persönlichkeitsstrukturen von Ärzten. Ein eher ängstlicher, unerfahrener oder gar zwanghafter Arzt wird zögerlicher und erst auf Basis von mehr Informationen bzw. Ressourcen entscheiden können (Maximizer). Ein erfahrener, risikofreudigerer oder gar nachlässiger Arzt wird unter Verwendung von Framing rascher Entscheidungen fällen können und sich mit weniger Informationen und Ressourcen zufrieden geben (Satisfyer).
Weitere Einflussfaktoren auf Entscheidungen Die Betriebskultur, die Art der Interaktion in einer Gruppe, das Setting der Entscheidung (z.B. Overcrowding auf einer Notfallstation) und die Meinung des Patienten beeinflussen Entscheidungen ebenfalls.
Die Arzt-Patienten-Beziehung als spieltheoretische Situation Oft wissen Ärzte von Patienten nicht, was diese denken, und diese wissen nicht, was ihre Ärzte denken. Dies ist eigentlich eine typische spieltheoretische Situation. Die Spieltheorie beschäftigt sich mit der mathematischen Beschreibung von Situationen, in denen 2 oder mehr Personen entscheiden, von denen die einen das Denken der anderen nicht kennen. Aus diesem Grunde ist das bereits erwähnte Shared Decision-making (SDM), das gemeinsame Entscheiden von Arzt und Patient, heutzutage unbestritten und teilweise auch gesetzlich verankert (Informed Consent). Umgekehrt ist SDM im klinischen Alltag nicht immer einfach umzusetzen, z.B. bei einer Sprachbarriere oder bei einer qualitativen oder quantitativen Einschränkung des Bewusstseins.
Guidelines und Informationstechnologie Zunehmend unterstützen Guidelines bzw. Leitlinien, Informationstechnologie, künstliche Intelligenz, Internet und Datenbasen Entscheidungsprozesse. Mittels „künstlicher Intelligenz“ können komplexe Situationen mathematisch dargestellt und mittels eines Regelwerkes in der Software zur Entscheidungsunterstützung verwertet werden. „Künstliche Intelligenz“ ist also letztlich nichts anderes, als die mathematische Darstellung von Unschärfe und hierarchische Regelwerke zur Fazilitierung von Entscheiden. Allerdings stehen noch sehr wenige entsprechende differenzialdiagnostische Hilfen zur Verfügung, u.a. weil Ärzte mit größter Geschwindigkeit und unter Verwendung von sehr vielen bewusst und unbewusst erfassten Variablen sehr schnell agieren. So werden bei einer Hausarztkonsultation oder einer Krankenvisite im Krankenhaus in sehr kurzer Zeit vonseiten Patienten, Angehörigen und manchmal Pflege meist mehrere Probleme thematisiert. Die meisten verfügbaren Informationen orientieren sich zudem an Einzelerkrankungen und nicht an Differenzialdiagnose oder differenzialdiagnostischem Management und ebenso wenig an Multimorbidität, der häufigsten Konstellation von Patientenkontakten im Gesundheitswesen. Hier stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung und einer technischen Revolution.
Allerdings kann eine Abfrage in einer Suchmaschine wie Google bereits jetzt bei der Differenzialdiagnose hilfreich sein, vor allem bei selteneren Symptomen oder außerordentlichen Symptomkombinationen. Tendenziell werden Google-Anfragen Symptome allerdings eher katastrophisieren (z.B. verweist eine Abfrage von „Brustschmerz“ eher auf die Diagnose akute koronare Herzkrankheit als zu wesentlich häufigeren muskuloskelettalen Problemen).
Eine neue Entwicklung in der Medizin sucht zunehmend eine angemessene Medizin und will damit auch unnötige Untersuchungen und Maßnahmen einschränken, auch Unnützes und zu Weitgehendes im differenzialdiagnostischen Management. Unter dem Begriff „Smart Medicine“ haben das American College of Physicians und in der Folge die Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin sowie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (Klug Entscheiden) entsprechende Initiativen gestartet, die das differenzialdiagnostische Vorgehen in vielen Gebieten entscheidend mit beeinflussen. Solche Überlegungen sind wegen unnötiger oder gar schädlicher Abklärungen und Kostendruck sowie eines zunehmend kritisch geprägten Umfelds wesentlich, um Denkprozesse im Umgang mit Medizin und differenzialdiagnostischem Management weiterzuentwickeln.
Merke
Kopf (Kognitionen), Bauch (Intuitionen), und Herz (Werte) sind Elemente des patientenbezogenen differenzialdiagnostischen Managements und des klinischen Urteilvermögens. Entscheidungen in komplexen Situationen fordern die Mobilisierung von Wissen, Erfahrungen, Assoziationen, Intuition und Mut sowie gleichzeitig die kritische Wertung dieser Faktoren sowie eigener Persönlichkeitsstrukturen.
Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist stark gestiegen. Nationale Statistiken und die WHO zeigen eine Zunahme von chronischen Krankheiten und Risikofaktoren. So erfolgen die meisten notfallmäßigen Hospitalisierungen heutzutage wegen der Dekompensation einer chronischen Erkrankung, z.B. einer dekompensierten Herzinsuffizienz bei hypertensiver Herzkrankheit oder einer exazerbierten COPD. Zudem führt das verbesserte Überleben bei chronischen Erkrankungen dazu, dass Patienten eine Zweiterkrankung und dann eine Dritterkrankung etc. erleben. Deshalb ist mit einer weiteren Zunahme der Multimorbidität zu rechnen ( ▶ Abb. 1.2).
Definition
Multimorbidität
Mehrfacherkrankungen, das gleichzeitige Auftreten mehrerer akuter und chronischer gesundheitlicher Probleme und Krankheiten, sind als Krankheitsphänomen in jedem Alter zu finden und werden als Multimorbidität bezeichnet. Häufigkeit und Ausmaß der Multimorbidität nehmen mit dem Alter zu und sind bei über 60-Jährigen die häufigste Krankheitskonstellation. Kontakte mit Gesundheitssystemen haben heutzutage am häufigsten multimorbide Patienten mit mehreren Problemen gleichzeitig.
Multimorbidität.
Abb. 1.2 Multimorbidität bei stationären Patienten der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des UniversitätsSpitals Zürich im Verlauf eines Jahres (Quelle: ▶ [17]).
Interaktionen bei Multimorbidität Mehrfacherkrankungen sind nicht einfach die Summe der Einzelerkrankungen. Interaktionen zwischen den einzelnen Symptomen können die Diagnostik, Differenzialdiagnostik und das Vorgehen erschweren (Disease – Disease Interactions, DDIs). So wird es bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenkrankheit und Herzinsuffizienz bei einer Exazerbation schwieriger zu differenzieren sein, welche der Erkrankungen bei Dyspnoe nun im Vordergrund steht ( ▶ Abb. 1.3). Anstrengungsabhängige Dyspnoe und auskultierbare Geräusche über der Lunge als Symptome haben eine niedrigere Spezifität und können u.a. sowohl auf eine dekompensierte Herzinsuffizienz oder eine exazerbierte COPD deuten. Hilfreich kann eine Gewichtszunahme als Hinweis für die Herzinsuffizienz sein oder die Messung des BNP zur Identifizierung oder zum Ausschluss einer zusätzlich oder ausschließlich vorhandenen Herzinsuffizienz (s. Kap. ▶ 6).
Zunehmende Anstrengungsdyspnoe bei einem multimorbiden Patienten.
Abb. 1.3 Beispiel eines Patienten mit zunehmender Anstrengungsdyspnoe. Zunächst entsteht aufgrund von Anamnese und klinischen Untersuchungsbefunden der Verdacht einer Linksherzinsuffizienz, zusätzlich tragen eine schwere diastolische Dysfunktion bei bekannter hypertensiver Herzkrankheit und eine Exazerbation einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zur Symptomatik bei. Die Zuordnung des Symptoms Dyspnoe zu einer Diagnose wird noch zusätzlich dadurch erschwert, dass kürzlich eine Pleurakarzinose bei Bronchuskarzinom diagnostiziert wurde. Im Thoraxröntgenbild wird ein „kleiner“ Pleuraerguss beidseits diagnostiziert. Die schwierige Krankheitssituation hat den Patienten vor Wochen in eine ängstlich gefärbte Depression geführt.Die Ätiologie der Dyspnoe ist vielschichtig; Linksherzinsuffizienz, diastolische Dysfunktion bei hypertensiver Herzkrankheit, COPD, Pleurakarzinose und Pleuraerguss, Angst und Depression. Die einzelnen Ursachen haben einen Summationseffekt, der zum Symptom Dyspnoe führt. Einzelne Ätiologien verstärken sich sogar: Das Empfinden der Symptome wird durch Angst und Depression verstärkt. Die durch die einzelnen Erkrankungen ausgelösten Symptome interagieren also miteinander. Auch mit Bildgebung, Labor und Verlaufsbeobachtung kann die Zuordnung des Symptoms „anstrengungsabhängige Dyspnoe“ auf die einzelnen Erkrankungen schwierig sein.
Gemeinsames Auftreten von Erkrankungen Das Zusammenkommen von Erkrankungen, also deren Clusterung, ist kein Zufall. Ein metabolisches Syndrom fördert das Auftreten einer koronaren Herzkrankheit. Rauchen fördert gleichzeitig das Auftreten einer COPD und einer koronaren Herzkrankheit. Infektionen treten bei Erkrankungen mit eingeschränkter Immunabwehr (HIV-Infektionen, Leukämie, multiples Myelom) gehäuft auf. Umgekehrt kommen manche Krankheiten sehr selten gleichzeitig vor. Eine Malaria kommt bei Patienten mit Sichelzellanämie praktisch nicht vor. Eine Mangelernährung im Alter aufgrund von Demenz, Depression und Einsamkeit reduziert alterskorrigiert das Auftreten von akuter koronarer Herzkrankheit.
Merke
Die Differenzialdiagnose ist gerade bei komplexen Situationen und Multimorbidität immer wieder systematisch zu hinterfragen.
Die Diagnose stützt sich auf 4 entscheidende Säulen:
Anamnese
körperliche Untersuchung (Status)
laborchemische und apparative Untersuchungen
Verlaufsbeobachtung
Mittels Anamnese und klinischer Untersuchung kann in einer unklaren Krankheitssituation die Zahl der noch möglichen Diagnosen um ein Vielfaches reduziert werden. Die Zusatzuntersuchungen erlauben dann eine weitere Eingrenzung auf die wahrscheinlichste Diagnose, meist durch Ein- oder Ausschlussverfahren. Die Verlaufsbeobachtung ist eine wesentliche, kritische Kontrolle des bisherigen diagnostischen und auch des nachfolgenden therapeutischen Prozesses ( ▶ Abb. 1.4). Ein atypischer Verlauf oder ein Nichtansprechen auf eine Therapie muss dazu führen, die Diagnose zu überdenken.
Der diagnostische Prozess.
Abb. 1.4
Anamnese Im ersten Gespräch gewinnt der Arzt ein Bild vom Patienten, dessen Persönlichkeit, vom Schweregrad und manchmal auch von der Art seines Beschwerdebildes, seiner Krankheit und seinen Erwartungen (s. Kap. ▶ 2.2).
Merke
Die Anamnese ist nach wie vor oder gerade wegen der vielen laborchemischen und apparativen Möglichkeiten der bei Weitem wichtigste Teil der Diagnostik.
Deshalb muss die Anamnese, z.B. wenn sie unter Zeitdruck erfolgt (Notfallsituation), später detailliert nachgeholt werden. Bei wiederholter Anamneseerhebung kommen oft neue, zuvor nicht bedachte und relevante Elemente des Krankheitsbildes zum Vorschein. Im Zeitalter der elektronischen Krankengeschichte (Cave: Cut/Paste) ist es wichtig, früher erstellte Diagnoselisten kritisch zu hinterfragen und in jedem Fall das Hauptproblem („Chief Complaint“ oder „Reason for Encounter“) neu zu überdenken. Gerade bei komplexeren Krankheitsbildern und Multimorbidität ist die Anamnese der Kompass, um nachfolgende Untersuchungen und Therapien sinnvoll einzusetzen. Eine apparative Untersuchung kann z.B. eine Koronarsklerose mit Einengung des Koronargefäßes zeigen, ohne dass dies mit dem Hauptproblem Thoraxschmerz etwas zu tun hätte. So wird z.B. eine Panikattacke mit Thoraxschmerz im Rahmen einer Angststörung bei Patienten mit bekannter koronarer Herzkrankheit besonders häufig verpasst. Die bekannte Koronarsklerose führt zu einem „Framing“ (s. Kap. ▶ 1.3) und die Diagnose Panikattacke wird nicht erkannt. Nur die Anamnese vermag hier die Richtung auf das wesentliche Problem zu weisen.
Körperliche Untersuchung (Status) Die körperliche Untersuchung des Patienten (der Status) kann auch bei schweren internistischen Leiden – im Gegensatz etwa zu dermatologischen Leiden – unauffällig sein. Eine sorgfältige Untersuchung des entkleideten Patienten in Ruhe und in Bewegung bringt trotzdem oft wichtige Informationen, denn auch Normalbefunde sind wichtig und helfen, mögliche Diagnosen zu reduzieren. Zudem entspricht die manuelle Untersuchung nach wie vor der Erwartung der meisten Patienten. Patienten mit intermittierend auftretenden Befunden (z.B. Perikardreiben, flüchtige Exantheme, Lähmungssymptome der Myasthenie im Frühstadium, paroxysmale Herzrhythmusstörungen, abendliche Knöchelödeme, nächtliches Lungenödem usw.) sollen untersucht werden, wenn entsprechende Befunde auftreten.
Laborchemische und apparative Untersuchung In den letzten Jahren tragen spezielleLaboruntersuchungen wie erhöhte D-Dimere (Thrombose, Lungenembolie), das Troponin (Myokardinfarkt) oder das BNP (Herzinsuffizienz) wesentlich zur Festlegung oder Zuordnung eines Symptoms zu einer definitiven Diagnose oder deren Ausschluss bei.
Trotz der großen Testpalette und erheblicher Verbesserungen bleibt die Anamnese der entscheidende Teil der Diagnosefindung. Zum Beispiel kann das BNP bei Patienten mit Sepsis erhöht sein, ohne dass eine spezifische Herzkrankheit und -insuffizienz vorläge. Deshalb ist es wichtig, Spezifität und Sensitivität von laborchemischen Untersuchungen je nach Situation zu kennen.
Die bildgebenden Verfahren
