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Ein unbeantworteter Telefonanruf. Ein leeres Bett. Und eine Uhr, die laut die Sekunden heruntertickt, bevor Daniel Nietos Herz - das, von dem er vor Kurzem entdeckt hat, dass er es noch besitzt - erneut gebrochen wird. Sein Geliebter ist weg. Entführt von einem unbekannten Feind, der noch nicht erkannt hat, dass Daniel bereitwillig in die Hölle gehen würde, um seinen Diablo zurückzubekommen. Der Schmerz über den Verlust eines anderen Menschen, den er liebt, würde jeden anderen Mann in die Knie zwingen, aber Daniel geht nur vor einem besonderen Griechen in die Knie. Stavros Konstantinou war zu sehr mit seiner Liebe beschäftigt, als dass er den Verrat bemerkt hätte - bis es zu spät ist. Als das Leben, das er sich so hart erkämpft hat, ins Chaos stürzt, muss er seine Feinde entlarven. Jetzt, mit Daniel an seiner Seite, sinnt er auf Rache. Die Jagd ist eröffnet. Die Leichen stapeln sich. Und sie senden eine Warnung aus: Bevor du auch nur daran denkst, dich mit uns anzulegen ... sei bereit, dein Grab zu schaufeln. Dies ist das zweite Buch der Liebesgeschichte von Daniel und Stavros. Es wird dringend empfohlen, zuerst Buch 1, Call the Coroner, zu lesen. Inhaltswarnung: bloody dark romance
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Seitenzahl: 275
Veröffentlichungsjahr: 2024
Avril Ashton
Staniel Band 2
© dead soft verlag, Mettingen 2024
http://www.deadsoft.de
© the author
Titel der Originalausgabe: Dig your grave (Staniel 2)
Übersetzung: Cleo Göttert
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte: Juanmi – stock.adobe.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-737-8
Ein unbeantworteter Telefonanruf. Ein leeres Bett. Und eine Uhr, die laut die Sekunden heruntertickt, bevor Daniel Nietos Herz – das, von dem er vor Kurzem entdeckt hat, dass er es noch besitzt – erneut gebrochen wird.
Sein Geliebter ist weg. Entführt von einem unbekannten Feind, der noch nicht erkannt hat, dass Daniel bereitwillig in die Hölle gehen würde, um seinen Diablo zurückzubekommen. Der Schmerz über den Verlust eines anderen Menschen, den er liebt, würde jeden anderen Mann in die Knie zwingen, aber Daniel geht nur vor einem besonderen Griechen in die Knie.
Stavros Konstantinou war zu sehr mit seiner Liebe beschäftigt, als dass er den Verrat bemerkt hätte - bis es zu spät ist. Als das Leben, das er sich so hart erkämpft hat, ins Chaos stürzt, muss er seine Feinde entlarven. Jetzt, mit Daniel an seiner Seite, sinnt er auf Rache. Die Jagd ist eröffnet. Die Leichen stapeln sich. Und sie senden eine Warnung aus: Bevor du auch nur daran denkst, dich mit uns anzulegen … sei bereit, dein Grab zu schaufeln.
Dies ist das zweite Buch der Liebesgeschichte von Daniel und Stavros. Es wird dringend empfohlen, zuerst Buch 1, Call the Coroner, zu lesen.
Der Geruch von Blut, noch warm und fließend, war das Berauschendste, was es gab. Es brauchte eine besondere Art von Mann, um ihn zu lieben. Um den dicken, roten Schlamm zu bewundern, wie er über die Haut wanderte und in die verrostete Wanne auf dem Boden tropfte.
»Du spielst gerne mit deinem Essen und das liebe ich an dir.«
Die Worte umspülten Daniel Nieto und trieben ihm den Schweiß in den Nacken, während er sich zurücklehnte und sein Werk bewunderte. Seine Beute hatte sich in Sicherheit geglaubt. Unberührbar. Nicht für Daniel. Er diente als Erinnerung: Niemand war sicher. Niemand entkam ihm, wenn er auf der Jagd war.
Der Mann, der vor ihm am Fleischhaken hing, hatte geschrien, bis seine Stimme versagte. Egal, wie viel von dem sorgfältig kuratierten Schmerz Daniel jetzt austeilte, alles, was er als Antwort bekam, war zuckendes Fleisch und gequältes Wimmern. Für jemanden wie ihn, der in alle Aspekte dieser Sache verliebt war, war das eine Enttäuschung.
Dennoch hatte er vieles von dem, was er sich vorgenommen hatte, geschafft.
Den Willen eines Mannes zu brechen. Seinen Geist. Seinen Verstand. Und er hatte viel Freude daran gehabt. Dies war eine Strafe, aber er suchte immer noch nach Antworten, und trotz allem konnte er den anderen Mann noch nicht sterben lassen.
Schade.
Er war nackt, schwang an dem Fleischerhaken, und Blut floss aus den Dutzenden von Schnitten, die Daniel strategisch über seine Brust und seinen Oberkörper verteilt hatte. Die größte Wunde befand sich in seiner rechten Seite, wo Daniel das Messer zwischen seine Rippen gesteckt hatte. Er war am Verbluten. Aber nicht zu früh. Alle spuckten große Töne, bis sie sich seiner Gnade ausgeliefert sahen. Dann bettelten sie.
Er trat näher an den blutverschmierten Mann heran, sein Mund verzog sich bei dem zerrissenen Wimmern, das aus den geschwollenen und blutigen Lippen drang. Er hatte sich kaum gewehrt, als Daniel ihn erwischte. Eine Schande. Blut tropfte von Daniels Klinge, als er mit den Armen an den Seiten dastand. Die Klinge war eine Spezialanfertigung, nur für ihn. Sogar sein Name war in den schweren Griff geschnitzt.
Nieto.
Sie hatten sich mit diesem Messer geliebt und abwechselnd die unglaublich scharfe Spitze in die erhitzte Haut des anderen gedrückt, während sie sich gegenseitig nahmen und gaben. Als sie ihren Höhepunkt erreicht hatten, war das Bettzeug rot gefärbt und hatte deutlich gemacht, wer sie waren.
Was sie waren.
»Beantworte meine Frage«, zischte er auf Spanisch. »Dann wirst du einen schnellen Tod sterben.« Das war ein Geschenk, das er nicht leichtfertig anbot. Ein schneller Tod war eine barmherzige Tat. Er glaubte nicht an Barmherzigkeit, aber er konnte so tun als ob.
»Monster werden nicht geboren, weißt du«, fuhr er im Gespräch fort. Als ob sie Zeit hätten. Als ob die Zeit nicht ablief, während er an diesem Ort stand und ihm das Blut bis zum Hals stieg. »Kein Mensch verlässt den Leib seiner Mutter mit der Neigung, Unheil anzurichten und den Tod zu umwerben.« Er seufzte. »Wir sind durch die Umstände geschaffen. Durch Verlust. Durch Schmerz.« Er packte den Mann an einer Handvoll seines nassen Haares – getränkt mit Schweiß oder Blut oder beidem – und riss seinen Kopf zurück.
Er weinte, aber lautlos. Fette Tränen kullerten über sein schmutziges Gesicht, der Mund öffnete und schloss sich, während er sich abmühte, zu sprechen.
Daniel hielt seinen erschrockenen Blick fest und stieß das Messer in seine linke Seite. Der andere Mann versteifte sich. Sein Körper nahm die Klinge mit sanfter Leichtigkeit auf, als Daniel sie bis zum Heft stieß und seine behandschuhten Finger den Griff lockerten. Er zog das Messer wieder heraus und erschauderte fast bei dem schmatzenden Geräusch.
So ähnlich wie das Geräusch, das Stavros machte, wenn sein Mund Daniels Schaft umschloss.
»Sag mir, was ich wissen muss«, flüsterte er. »Und das hier endet. Deine Leute bekommen vielleicht sogar deine Leiche, um sie zu begraben.« Alles, was er als Antwort bekam, war ein Glucksen, ein Stottern. Blut tropfte aus dem Mund seines Gefangenen über sein Kinn. »Wenn du nicht redest, verfüttere ich dich an die Schweine. Solange du noch am Leben bist.« Er grinste. »Dann statte ich deinen Eltern einen Besuch ab. Gefolgt von deiner Frau.«
Niemand, absolut niemand war tabu. Wenn man so liebte wie er, gab es keine Grenzen, nur das geringere Übel.
»Bi… bit…« Der Mann hustete und spuckte noch mehr Rot. Er war am Sterben. Konnte er es spüren? Denn Daniel konnte es sehen. »Bitte.«
»Fang an, zu reden.«
»Ich weiß es nicht«, krächzte der andere Mann. »Ich habe ihn nur gerufen, um mich zu treffen.«
Innerlich war Daniel außer sich vor Hitze. Angst und Wut kämpften darum, wer am hellsten brennen würde. Er schluckte die Dämpfe, schmeckte den Rauch, während er den Kopf schief legte. »Continuar.« Weitermachen.
»Das … das war’s.« Mehr Husten. Mehr Rot. Er keuchte, würgte. »Ich bin gegangen, bevor er gekommen ist.«
Emboscada. Überfall. Daniel nickte. Mit einem Hieb des Messers schnitt er das Seil durch, das die Arme des anderen Mannes über seinem Kopf hielt. Da das Seil an einem Haken befestigt war, fiel der nackte Mann mit einem schmerzhaften Grunzen auf den harten, kalten Boden.
Bruce war sein Name, aber für Daniel verdiente sein Gefangener nicht einmal dieses Stückchen Menschlichkeit. Nicht nach dem, was er getan hatte. Er schob das Messer in die Tasche seines knielangen schwarzen Mantels und fasste Bruce in die Haare. Er schrie auf, aber Daniel ignorierte ihn und zerrte ihn über den Boden. Er war schon so weit, dass er sich nicht mehr wehrte. Sie gingen durch das Scheunentor hinaus, über den losen Kiesboden und hinüber zu dem Dutzend Schweine, das sich im kühlen, grauen Morgenlicht im eigenen Dreck wälzte.
Sein Gefangener hörte sie oder roch sie vielleicht, denn er begann zu protestieren. »Nein. Nein. Bitte, nein.«
Daniel ließ ihn lange genug los, um den Pferch zu öffnen, dann zerrte er den anderen Mann weiter und ließ ihn zwischen den schnaubenden Tieren fallen.
»Nein. Bitte. Es tut mir leid. Es tut mir leid.«
Es war ein grausamer Anblick, zu sehen, wie ein Mann bei lebendigem Leib gefressen wurde. Die Geräusche waren ebenso entsetzlich. Daniel rührte sich nicht, er blinzelte kaum. Er weigerte sich, den Blick abzuwenden, selbst als sich Schritte näherten und ein anderer Mann seine Position nachahmte.
»Tío.«
»Es war ein Hinterhalt«, sagte er zu Toro. »Die Leute, denen er vertraut hat, haben ihn mir weggenommen.«
»Wir werden ihn zurückholen«, versprach Toro. »Und sie werden bezahlen.«
Stavros war seit über einer Woche verschwunden. An einem Tag hatten sie sich in ihrem Strandhaus geliebt, am nächsten war Stavros nach New York geflogen, um sich mit dem inzwischen toten Bruce zu treffen – seinem ehemaligen Geliebten – und seitdem herrschte Funkstille. Heute hatte Daniel die erste kleine Spur erhalten, seit er mit der Suche nach seinem Geliebten begonnen hatte.
Bruce war für ein paar Tage verschwunden, bis Daniel ihn auf einer Farm im ländlichen Virginia aufgespürt hatte. Ein günstiger Ort in mehr als einer Hinsicht. Aber jetzt wusste Daniel, dass Stavros den Überfall nicht hatte kommen sehen.
Das Warum und das Wie waren ihm egal. Alles, was ihn interessierte, war, seinen Geliebten zu finden, und ihre Feinde würden ihn definitiv kommen sehen.
Stavros sollte besser am Leben sein.
Aber er war es. Er musste es sein. Daniel würde es spüren, wenn er es nicht wäre. Sein eigenes Herz schlug noch, und er hatte sich nicht in der Fötusstellung zusammengerollt.
Stavros war noch am Leben. Daniel musste ihn nur noch finden.
»Soll ich aufräumen?« Toro winkte zur Scheune hinüber, die Daniel im Wesentlichen mit Bruce’ Blut quasi neu gestrichen hatte.
»Nein.« Daniel schüttelte den Kopf. »Lass es.« Es würde als Botschaft dienen. Als Warnung. Er hatte gedacht, den Rest seines Lebens damit zu verbringen, mehr zu sein als das, wozu er geboren worden war, aber die Mächte da draußen hatten sich verschworen, um sicherzustellen, dass er sich nicht zur Ruhe setzen würde.
Er zog sein Messer aus der Tasche und hielt es prüfend hoch, strich mit einem Finger über seinen Namen.
Nieto.
»Vamonos«, sagte er zu Toro. Wollten die Leute, die Stavros entführt hatten, dass Daniel frei herumlief? Denn die einzige Person, die ihn jemals in Schach halten könnte, war Stavros. Ohne ihn an seiner Seite würde Daniel jeden, der sich ihm in den Weg stellte, blutig niedermetzeln.
Gräber ausheben und Leichen stapeln.
Eine nach der anderen.
Eine Woche zuvor …
»Was muss ich sonst noch wissen?« Stavros lehnte sich in seinem Stuhl zurück und zerrte mit einer Hand an der Krawatte um seinen Hals, während er mit der anderen das Telefon an sein Ohr hielt. »Und beeil dich, Bruce.« Nicht einmal fünf Minuten, nachdem er von einer Überseereise nach Hause gekommen war, hatte er Bruce’ Anruf erhalten. Er hatte es gerade noch geschafft, Daniel zu küssen, bevor er sich in seinem Büro eingeschlossen hatte, um Brände zu löschen.
»Linc ist unerlaubt abwesend.«
Stavros schnaufte und wischte sich mit einer Hand über das Gesicht. Seine Augen brannten vom Schlafmangel, denn ohne Daniel neben sich schlief er nicht so gut, wie er sollte. Eine ganze Woche lang hatte er sich in einem viel zu weichen schwedischen Hotelbett hin- und hergewälzt, und er war erschöpft.
Ganz im Ernst.
»Was macht das schon? Wir kontrollieren unsere Männer nicht.« Normalerweise kümmerte sich Stavros’ Onkel um den ganzen Scheiß, aber der alte Mann hatte kürzlich einen gesundheitlichen Rückschlag erlitten, der ihn außer Gefecht setzte, sodass Stavros die Arbeit übernehmen musste. Er war auf Reisen, traf sich mit Kunden – mit denen, die ein persönliches Gespräch wünschten – und sorgte dafür, dass das Geschäft reibungslos lief. Da Bruce als eine Art rechte Hand seines Onkels für ihn arbeitete, behielt Stavros ihn bei sich, um sich in New York um alles zu kümmern, während er von Land zu Land reiste.
Seine Söldnertruppe war überall auf der Welt unterwegs. Die Geschäfte liefen gut. Aber alles, was er wollte, war eine Dusche und Daniel in seinen Armen. Sie arbeiteten manchmal zusammen, er und sein Liebhaber, aber wenn es um die Kleinigkeiten des Geschäfts ging, überließ Stavros das lieber Bruce. Wie sich herausstellte, war sein Ex-Geliebter gut darin. Wer hätte das gedacht?
»Ähm …«
Verdammt noch mal. Er kannte Bruce gut genug, um zu wissen, dass er eine beschissene Nachricht überbringen würde. »Sag es mir einfach.«
»Sein Termin war zeitkritisch. Vor zwei Tagen.«
Stavros stürzte nach vorne. »Es ist noch nicht fertig?«
»Nein.«
»Scheiße.« Er sprang auf und warf seine Krawatte quer durch den Raum. »Scheiße.« Es gab einen Grund, warum sein Geschäft in bestimmten Kreisen bekannt war. Er lieferte. Immer. Diesen speziellen Kunden zu bekommen, war ein Coup gewesen, aber jetzt? »Was wissen wir schon?«
»Das letzte Mal, dass Linc Kontakt aufgenommen hat, war, um das Angebot anzunehmen. Ich habe es in die Wege geleitet, als er keine Nachricht über den Abschluss geschickt hat. Keine Antwort.«
Sie kontrollierten ihre Männer nicht. Sie unterbreiteten die Angebote, die Männer nahmen sie an und benachrichtigten dann per verschlüsselter Nachricht, wenn der Auftrag erledigt war. Die Zahlung der letzten Hälfte von Stavros’ saftigem Honorar durch den Kunden war Bestätigung genug, dass der Auftrag zufriedenstellend ausgeführt worden war. Er war noch nie um sein Geld betrogen worden. Wer wäre so selbstmörderisch, ihn nicht zu bezahlen? Er hatte auch noch nie nicht wie versprochen geliefert.
»Beauftrage jemand anderen mit dem Job, verdopple das übliche Honorar und finde dann Linc«, zischte er Bruce zu. »Wenn das erledigt ist, entschuldige dich bei dem Kunden. Ruf mich zurück, wenn das erledigt ist.«
»Ja, Sir.«
Diese Antwort hatte Stavros früher immer hart gemacht. »Und Bruce? Wenn du das nächste Mal so lange damit wartest, mir etwas so Wichtiges zu sagen, glaub mir, wenn ich sage, dass du es bereuen wirst.« Er beendete das Gespräch auf Bruce’ Stottern hin und starrte ins Leere.
Scheiße!
Alles, worauf er sich die ganze Woche über gefreut hatte, war die Zeit mit Daniel gewesen, aber das schien jetzt alles im Eimer zu sein. Er seufzte und machte sich auf den Weg nach oben in ihr Schlafzimmer.
Daniel lag im Bett, die obere Hälfte nackt, die untere zugedeckt, während er Fußball im Fernsehen schaute. Er sah umwerfend aus mit den Salz- und Pfefferstoppeln entlang seiner scharfen Kieferlinie und seinen ernsten Augen, die direkt in Stavros’ Seele blickten. Er war von Natur aus schlank, mit ein paar grauen Haaren auf der Brust. Mit seinen zweiundfünfzig Jahren sah man ihm sein Alter an, aber Stavros liebte das alles. Er ging zu Daniel, drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, dann auf den Hals und küsste die Striemen, die sich in sein Fleisch eingebrannt hatten, als Stavros ihn einmal töten wollte.
»Es tut mir leid«, murmelte er und strich mit einer Hand über Daniels Kopf.
Sein Geliebter neigte den Kopf zurück, und seine dunklen Augen suchten Stavros’ Gesicht. »Geht es dir gut?«
»Es gibt …« Er schüttelte den Kopf. »Das ist jetzt nicht wichtig. Ich gehe jetzt duschen, okay? Ich bin gleich wieder da.« Er wandte sich ab, aber Daniel griff nach seinem Handgelenk.
»Sag es mir.«
Er würde es tun, allein schon wegen des Befehls in Daniels rostiger Stimme und des Blicks in seinen Augen, die Stavros begierig zuhörten und helfen wollten. »Das werde ich. Wenn ich mit meiner Dusche fertig bin.« Er lächelte. »Meinst du, du kannst so lange warten?«
Daniel verstand diese Frage nicht als den von Stavros beabsichtigten Scherz. Seine Miene blieb düster, der Blick schwer auf Stavros’ Gesicht gerichtet. »Ich werde auf dich warten, egal wie lange es dauert, Diablo.«
»Ich weiß.« Selbst wenn alles andere total verrückt war, war Daniel beständig und stark und konstant, also … »Ich weiß.« Er streichelte Daniels Handgelenk, um das der Rosenkranz geschlungen war. Petras Rosenkranz. Sie war jetzt bei ihnen, immer in der Nähe. Und irgendwie erstickte die Anwesenheit der Frau, die Stavros getötet hatte, nicht die Liebe, die er jetzt mit ihrem Mann teilte. »Duschen, dann reden wir.« Er ließ Daniel los und ging ins Bad.
Er zog sich aus und ließ seine Kleidung direkt auf den Badeteppich fallen, bevor er unter den warmen Wasserstrahl trat.
Seine Gedanken kreisten sofort um das Problem mit Linc. Er hatte den stoischen Kubaner-Amerikaner nur einmal persönlich getroffen, aber Linc hinterließ einen Eindruck, indem er keinen hinterließ. Das war verrückt. In dem Moment, in dem man sich von dem kleinen Mann abwandte, vergaß man, wie er aussah und wie er sich anhörte. Aber das war Lincs Absicht. Er war unentbehrlich gewesen. Einer von Stavros’ Besten. Es war auf keinen Fall freiwillig, dass er seine Verpflichtung nicht erfüllte.
Das bedeutete, dass Stavros ein großes Problem haben könnte.
Verdammt, er wollte einen Tag mit Daniel, der nicht vom Geschäftlichen bestimmt war. Daniel beschwerte sich nicht, das würde er nie tun, aber Stavros wollte mehr für sie, als dass er ständig im Flugzeug saß und Daniel zu Hause auf ihn wartete.
Er tauchte seinen Kopf unter das Wasser und spülte das Shampoo ab.
Er hatte daran gedacht, sich von Daniel begleiten zu lassen, wenn er reiste, aber es hatte sich herausgestellt, dass Daniel ein Stubenhocker war. Und als Stavros ihn das letzte Mal zu einem Treffen mitgenommen hatte, war der Kunde zu ängstlich gewesen, um zu reden, und hatte die ganze Zeit gezittert.
Er grinste, während er seinen Körper schrubbte. Sein Geliebter hatte einen etwas düsteren Ruf, der ihm vorauseilte. Daniel hatte jedoch einige Arbeiten für Stavros erledigt. Allein, effizient und schnell. Bis zur Krebsdiagnose seines Onkels hatten sie einige Arbeiten Seite an Seite erledigt, was Spaß gemacht hatte und so verdammt erregend gewesen war. Bis Stavros wieder zum Geschäftsmann werden musste und nicht nur zum Auftragskiller.
Der alte Mann musste wieder gesund werden.
Ihnen allen zuliebe.
Als er mit der Dusche fertig war, stellte er das Wasser ab, schüttelte sein Haar aus und schob die Duschtür auf.
Daniel stand nur mit einem schwarzen Slip bekleidet mit dem Rücken an der geschlossenen Badezimmertür und musterte Stavros mit intensivem Blick.
»Ich habe gedacht, du wartest?« Stavros hob eine Augenbraue und machte keine Anstalten, das Handtuch in Daniels Hand zu nehmen.
»Ich warte.«
Stavros gluckste. »Wirklich?«
»Sí.«
Daniels Blick war alles. Heiß und durchdringend, besitzergreifend und fordernd. Stavros biss sich auf die Unterlippe. Er war erschöpft, aber irgendwie brachte Daniels Blick sein Blut in Wallung, Adrenalin und Verlangen pulsierten bereits in seinem Bauch.
»Ich sollte dich abtrocknen«, murmelte Daniel, aber er bewegte sich nicht.
»Oder ich könnte dich nass machen.« Er leckte sich über die Lippen, und das Handtuch in Daniels Hand fiel auf den Boden.
Doch sein Geliebter rührte sich nicht. »Du bist müde.«
Wasser tropfte von Stavros’ Haar über seine Schläfe und seinen Nacken. Die Hitze, die sie umgab, konnte von der Dusche stammen oder von der explosiven Energie, die sie irgendwie zusammen erzeugten. Es war ihm so oder so egal. »Man ist nie zu müde.« Er streckte eine Hand aus und Daniel ergriff sie und führte Stavros’ Finger an seine Lippen.
Er küsste die Fingerknöchel.
»Du musst dich ausruhen.«
»Ich muss dich nass machen.« Stavros zerrte an seiner Hand und zog ihn näher heran. Brust an Brust. Daniel schien die nasse Haut von Stavros nicht zu stören. Als er sein Kinn anhob, flüsterte Stavros: »Du solltest mich küssen.«
Erregung leuchtete in Daniels Augen auf wie ein Blitz, der hinter dunklen Wolken hervorschoss. »Sollte ich?«
»Ich brauche dich.«
Und schon lag Daniels Mund auf seinem. Aber sanft. Er küsste Stavros gründlich, aber sanft, so als würde er ihn abtasten, bevor er tiefer und härter ging.
Er schlang seine Arme um die schlanke Gestalt seines Geliebten, seine Fingernägel fuhren über seinen Rücken, um ihn über das plötzliche Zögern hinwegzutreiben. Die Erleichterung über den Hautkontakt mit Daniel nach so langer Abwesenheit ließ Stavros’ Atem in die Höhe schnellen, seine Brust hob sich schon beim zarten Gleiten ihrer Zungen. Er zitterte vor Verlangen, vor Hunger, so eng an den Mann gepresst, den er liebte. Daniel berührte ihn, eine Hand glitt an Stavros’ Arm hinauf und umkreiste seine Kehle.
Oh Gott. Er löste seinen Mund von ihm und blinzelte die Lust weg, die seine Augen trübte. Daniel beobachtete ihn mit stiller Intensität und wartete mit dem brennenden Griff um seine Kehle, der nicht annähernd fest genug war. Nicht annähernd quetschend genug. Sie waren rau zueinander, immer grob. Aber Daniel hatte etwas Zartes an sich. Trotz seiner zerklüfteten Fassade besaß er immer noch eine Sanftheit.
Stavros konnte es nie in Worte fassen, er konnte nie definieren, was Daniel für ihn war.
Er berührte die Hand an seiner Kehle, und seine Lippen streiften Daniels Kiefer, als er flüsterte: »Du kannst aufhören zu warten. Du kannst dir nehmen, was dir gehört.«
Dieses Mal … Dieses Mal tat Daniels Kuss weh. Der Druck seines Mundes auf den von Stavros, das Reißen der Zähne, das Stechen der Zunge, das Saugen der Lippen. Schmerzhaft. Stavros stöhnte nach ihm. Daniel war wie Blut in seinem Mund, auffallend vertraut, Kupfer und Feuer, die jeden anderen Geschmack auslöschten.
Ja.
Stavros drückte sich gegen ihn, sein Schaft schmerzte, war hart und tropfte bereits, wo er Daniels Bauch bearbeitete. Der Griff an seiner Kehle grub sich ein und er keuchte schaudernd, benommen von dem betörenden Rausch der Lust. Daniel bewegte sie, drehte Stavros herum und positionierte ihn vor dem Spiegel.
Stavros beobachtete ihre Bewegungen vor dem großen Spiegel, hielt sich mit einer Hand am Waschbecken fest. Daniels dunkler Kopf beugte sich, seine Zähne bohrten sich in das Fleisch, wo sich Stavros’ Hals und Schulter trafen.
»Fuck!« Er zischte, brannte, schüttelte sich und drängte sich wieder an Daniel. Die Härte des anderen Mannes – immer noch von der Unterwäsche bedeckt – schmiegte sich besitzergreifend an Stavros’ nackten Hintern. »Daniel.« Stavros legte einen Arm um Daniels Hals und drückte ihn fester an sich, die Augen geschlossen.
Er konnte nicht aufhören zu zittern.
Gott. Was dieser Mann alles mit ihm anstellte.
Aber er war jenseits von klarem Denken. Weit jenseits des Denkens. Er drückte sich zurück, rieb seinen Hintern an Daniels Erektion und bettelte zwischen verzweifeltem Luftschnappen um sie.
»Bitte. Daniel.«
»Sieh uns zu, Diablo«, raunte Daniel an seinem Ohr. »Sieh uns an.«
Es war schwierig, die Augen offen zu halten, etwas durch den lustvollen Dunst zu erkennen, der seine Sicht beeinträchtigte, aber Stavros starrte sie im Spiegel an. Seine Nacktheit, die geschwollenen Lippen und die Augen mit den schweren Lidern, die das starke Bedürfnis nicht verbergen konnten. Die Hand an seinem Hals bewegte sich, glitt seine Brust hinunter, die Finger zwickten, zogen an seinen Brustwarzen.
»Ah.« Er wollte seinen Kopf zurückwerfen und stöhnen, sich Daniel anbieten, damit er mit ihm machen konnte, was er wollte, aber er hielt seine Augen offen. Der Kontrast zwischen ihnen, Daniels Haut ein paar Nuancen dunkler als seine eigene, war atemberaubend. Eigentlich sollte er müde sein, aber Stavros könnte die ganze Nacht und den nächsten Tag hier vor diesem Spiegel stehen – auf weichen Knien, während Daniel ihn trocken vögelte.
Die Hand wanderte weiter nach unten, um seinen Schwanz zu umschließen.
Stavros bockte, sein Atem ging stoßweise.
Daniel ritt auf seinem Hintern, schaukelte gegen ihn, sein Atem ging stoßweise. Sein Herz klopfte in Stavros’ Rhythmus mit dem Blut, das durch seine Adern pumpte, und seinem Puls, der bei jeder Berührung Daniels über sich selbst stolperte. »Bitte. Fick mich.«
Verdammt, niemand hatte ihn je so durcheinandergebracht wie Daniel. Er stieß seine Hüften vor, fickte Daniels Faust und stöhnte, als Daniel ihn drückte und dann streichelte. Vom Ansatz bis zum Scheitel, das Handgelenk drehte sich beim Aufwärtshub.
Und auf dem Weg nach unten.
Gott.
Schweres Atmen, die Knie schlotterten, die Zehen krümmten sich. Lusttropfen machten ihn feucht, Daniels Berührung war so glitschig und perfekt, dass er seine Hüften nach vorne zog, als er sich in diese Faust stieß. Wieder und wieder. Er hatte es aufgegeben, seine Augen offen zu halten. Sie schlossen sich in dem Moment, als Daniel mit dem Daumen über Stavros’ empfindliche Eichel strich.
Scheiße.
Daniel bezwang ihn mit einer Hand auf Stavros’ Schwanz, Zähnen in seinem Nacken und einem besitzergreifenden Griff um seine Hüfte, der Schwanz schaukelte in seiner Spalte auf und ab. Stavros griff hinter sich nach Daniels Unterwäsche, zerrte mit einer Hand daran, die Bewegung war unbeholfen, die Finger nutzlos. Aber er schaffte es irgendwie und Daniels heiße Länge war auf seiner Haut.
Scheiße.
Da wäre er fast gekommen, allein durch den heftigen Schlag von Daniels Schwanz gegen seine Arschbacke, nass und pochend. Er bewegte sich und der Schaft schmiegte sich zwischen seine Arschbacken.
Süßer, verdammter Gott.
Die Hitze war unerträglich, aber verdammt, wenn Stavros nicht dagegen ankämpfte, sich auf die Zehenspitzen stellte und Daniel mit tastenden Fingern dorthin brachte, wo er ihn brauchte.
»Diablo.« Daniel knabberte an seinem Ohrläppchen, hörte aber nicht einmal auf, Stavros zu streicheln. »Dios.«
Sie trieben es in der schönsten Stille vor dem Spiegel; Daniel fickte die Arschfalte, Stavros stieß in seine Faust, den Kopf zurückgeworfen, den Arm um Daniels Hals, der ihn festhielt, seinen Mund an Stavros’ Ohr, sein Atem war abgehackt, sein Herz raste genauso schnell wie das von Stavros.
Es war nicht das, was Stavros wollte. Daniel war nicht in ihm. Aber irgendwie genügte es, sich gegenseitig zu befriedigen. Und auch zu geben. Ihr Duft. Die Geräusche. Er drehte seinen Kopf, erwischte Daniels Lippen und versank in ihm, in seinen Mund, passte sich den gierigen Zungenschlägen an, den Bissen, schmeckte das Keuchen, schluckte jedes Stöhnen.
Er würde nie satt werden. Würde niemals über die Neuheit jeder Berührung hinauswachsen.
Daniels Hand an seinem Schwanz kroch tiefer, die Finger griffen nach Stavros’ Eiern.
Er verschluckte sich und stieß stotternd die Hüften. Er riss seinen Mund weg. »Oh Scheiße! Daniel!«
Sein Geliebter stöhnte, seine Zunge glitt über Stavros’ Nase und dann hinunter zu seinem Kinn. »Komm für mich, Diablo.«
Er konnte es nicht. Er wollte nicht, dass es endete, diese Sache, diese Perfektion. Aber Daniels Berührung war zu gut und er bewegte sich an Stavros’ Rücken, sein Schwanz glitt seine Spalte hinauf, bevor er sich zurückzog, die stumpfe Spitze drückte auf sein Loch. Flüssige Hitze breitete sich auf seiner Haut aus.
Daniels Sperma.
»Scheiße!« Einfach so brach Stavros aus, kam hart und zuckend. Daniel packte seine Länge, streichelte, melkte. Stavros drückte seine Augen zu, sein Körper verkrampfte sich, als sein Sperma über Daniels Hand spritzte. Seine Knie knickten ein, aber Daniel hielt ihn aufrecht, hielt ihn genau dort, wo er war, nahm alles von ihm, bis er nichts mehr hatte.
»Precioso.« Daniel küsste seinen Hals. »Precioso, Diablo.«
Stavros’ Kopf lag auf seiner Schulter. Wäre Daniel nicht gewesen, hätte er mit dem Gesicht nach unten auf dem Badezimmerboden gelegen. Scheiße, er konnte seine Augen nicht mehr offen halten.
Daniel löste sich von ihm, und Stavros protestierte schwach und streckte seine Hand aus, um ihn zu ergreifen. Daniel nahm seine Hand und führte sie an seine Lippen. »Lass mich dich sauber machen.« Er drückte eine Hand auf Stavros’ Nacken und ermutigte ihn, sich zu beugen.
Das tat er mit geschlossenen Knien und hielt sich am Rand des Waschbeckens fest, während Daniel ein Handtuch nass machte und ihn abwischte. Der Rest seines Körpers war trocken von der Dusche, sein Haar noch ein wenig feucht. Er sackte in sich zusammen und Daniels Arme umschlossen ihn, seine Lippen strichen über seine Stirn.
»Soll ich dich ins Bett bringen, Diablo?«
Stavros öffnete die Augen und blickte zu ihm auf. »Du kannst machen, was du willst.«
Daniel tat eine von Stavros’ Lieblingsbeschäftigungen. Er lächelte.
Er konnte sich nicht erinnern, eingeschlafen zu sein, aber Stavros wachte mit dem Gesicht in den Kissen vergraben auf und sein Telefon klingelte. Verdammt! Er öffnete seine Augen. Das Zimmer war noch dunkel, also war es noch nicht Morgen. Neben ihm bewegte sich Daniel. Stavros rollte sich aus dem Bett, griff nach seinem Telefon und nahm es mit ins Bad.
»Bruce.« Er räusperte sich, um etwas von der Heiserkeit zu vertreiben. »Was gibt’s?«
»Der Kunde möchte ein Treffen.«
Stavros strich sich die Haare aus den Augen. »Okay. Also vereinbare eine Zeit und …«
»Nein, er will sich mit dir treffen. Heute.«
Verdammt noch mal. Er nahm das Telefon vom Ohr, um die Zeit zu überprüfen. 3:12 Uhr nachts. »Hast du jemanden gefunden, der den Job annimmt?«
»Das habe ich.« Bruce holte tief Luft. »Aber als ich es dem Kunden erklärt habe, hat er gesagt, ich solle warten, bis er zuerst mit dir gesprochen hat.«
Stavros traf sich nur dann mit Kunden, wenn es unbedingt notwendig war. Neunzig Prozent der Geschäfte wurden anonym abgewickelt. Es war, wie es war. Aber es gab Leute da draußen, die es brauchten. Dieser spezielle Kunde war kein Fremder ohne Gesicht. Stavros kannte ihn persönlich. Er hatte ihn umworben, versprochen zu liefern, und das hatte er nicht getan.
Er schloss kurz die Augen, ging zurück ins Schlafzimmer und schaltete das Licht ein. »Ruf an und halte das Flugzeug bereit. Ich werde bald da sein«, sagte er, als Daniel den Kopf hob und ihm zublinzelte.
»Ja, Sir.«
Stavros beendete das Gespräch und ging zu Daniel hinüber. »Ich muss gehen.«
Daniels Stirn runzelte sich. »Diablo …«
»Ich weiß. Ich weiß, verdammt noch mal, und es tut mir leid, aber ich muss das regeln.«
»Bruce kann nicht …«
»Das ist meine Sache, also nein, Bruce kann nicht.« Er schnappte sich seine Reisetasche, die er vor ein paar Stunden weggeworfen hatte, als er nach Hause kam. Er hatte noch nicht einmal ausgepackt.
»Du hast mir nicht gesagt, was los ist«, sagte Daniel zu ihm.
Ja, das stimmte. Er war nach ihrem Trockenfick eingeschlafen. »Einer meiner Männer ist verschwunden. Er hat einen Auftrag nicht zu Ende gebracht, und der Kunde will ein Treffen.«
»Ich sollte mit dir kommen, oder?«
Stavros hörte auf, sich anzuziehen, und ging zu ihm, um sein Kinn zu streicheln. »Das ist nicht nötig, Babe. Ich werde heute Abend zurück sein. Ich muss das nur in Ordnung bringen und dann bin ich wieder da«, flüsterte er. »Ich verspreche es.«
»Versprich nichts, was du nicht halten kannst.«
Was zum Teufel sollte das bedeuten? »Ich halte immer meine Versprechen.« Er ließ sich auf die Knie fallen und strich mit den Lippen über Daniels Schläfe. »Vor allem halte ich meine Versprechen dir gegenüber.«
Daniel umarmte ihn fest und vergrub sein Gesicht in seinem Nacken. »Dann werde ich warten.«
Stavros zog sich zurück und lächelte zu ihm auf. »Ich liebe dich. Weißt du das?«
Daniel nickte knapp. »Ja, das weiß ich. So wie ich dich liebe.«
»Ja.« Mit einem letzten Kuss, dieses Mal auf Daniels Lippen, stand Stavros auf. »Willst du mich zur Landebahn bringen?«
Auf der Landebahn verabschiedete Daniel ihn mit einem Handjob auf dem Rücksitz des SUV, der direkt neben dem Flugzeug geparkt war, und einem Kuss.
Im Flugzeug rollte sich Stavros zusammen und schlief ein, bis er Minuten vor der Landung aufwachte. Bruce wartete neben dem schwarzen SUV mit einem Kaffee in der Hand auf ihn, als er ausstieg.
»Sir.« Er hielt ihm den Kaffee hin, aber Stavros winkte ab.
»Mir geht’s gut. Bring mich einfach zum Penthouse. Ich brauche noch ein paar Dinge, bevor wir zum Treffen gehen.«
»Natürlich.« Bruce nickte und öffnete die Autotür für Stavros, der sich ins Innere duckte und sich seufzend zurücklehnte.
Er hätte seinen Onkel um Rat fragen sollen, aber das Letzte, was Stavros wollte, war, den alten Mann von seinen Behandlungen abzulenken. Diese Situation hier war der Grund, warum er es gehasst hatte, die Geschäfte zu führen. Gib ihm einfach ein Ziel zum Töten, darin war er gut, aber das?
Oh Mann.
Der Verkehr am frühen Morgen ließ sie durch die Straßen Manhattans kriechen, aber schließlich erreichten sie das Penthouse in der Upper East Side. Gemeinsam fuhren er und Bruce mit dem Privataufzug nach oben. Stavros verließ den Aufzug als Erster, als er anhielt, öffnete mit seinen Schlüsseln die Tür des Penthouse und trat zuerst ein.
Nach nur fünf Schritten blieb er stehen.
Er sollte eigentlich besser darin sein, Gefahr aus einer Meile Entfernung zu erkennen. Die Haare in seinem Nacken stellten sich als Erstes auf, und er drehte sich um, die Hand ging zu der Waffe, die eigentlich an seiner Hüfte hätte sein sollen.
Sie war nicht da.
Bruce war auch nicht da, aber ein anderer Mann. Grausame Augen in einem hübschen Gesicht. Ein mitleidiges Grinsen umspielte seine schönen Lippen. Eine Waffe lag in seiner Hand.
Verdammt!
Gerade als Stavros seinen Mund öffnete, schlug die Kugel in ihn ein. Ein heißer Schlag in den Bauch, der ihn taumeln ließ, die Hände umklammerten sofort die Stelle, das Blut so rot, so hell.
Seine Knie schlugen auf dem Boden auf.
Scheiße.
Daniel wäre stinksauer.
Es brauchte nichts Besonderes. Nur ein stetiges, einsames Ticken der Uhr, damit Daniel wusste …
Irgendetwas war falsch.
Er hätte schon lange vor diesem Moment von Stavros hören müssen, dem Moment, in dem er mit Blick auf seine Uhr und dem Telefon am Ohr dastand und die leeren Ruftöne nachhallten. Es war bereits das fünfte Mal, dass er angerufen hatte. In einer Beziehung wie der ihren gab es kein Bedrängen und keine Überheblichkeit. Nur das Bewusstsein, dass sie immer Ziele sein würden, dass es eine Notwendigkeit war, sich zu melden. Egal, was passierte.
Ganz egal, was passierte.
Stunden, seit Stavros in New York angekommen wäre. Es war kein falsches Gefühl, dass Daniel wusste, dass Stavros inzwischen angerufen hätte. Er wäre an sein Telefon gegangen, wenn er gekonnt hätte. Sie ignorierten die Anrufe des anderen nicht. Sie ließen sie nie unbeantwortet.
Irgendetwas stimmte nicht.
