Digitale Beratung -  - E-Book

Digitale Beratung E-Book

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Dieses Werk skizziert Grundsatzüberlegungen verschiedenster Zugänge, Methoden und Werkzeuge, die den Status Quo sowie die nahe Zukunft von Digitaler Beratung sichtbar machen. Diese Zusammenschau von acht Autoren spannt über profunde Reflexionen und Nutzungsbeispiele den Bogen von Theorie bis in die Praxis. Das Buch "regt Fachgebiete an, ihr erweiterndes Instrumentarium zu überdenken. Wenn das nicht spannend ist!" (Patricia von Tauffkirchen)

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 268

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Anmerkung: Das Buch erschien als Erstauflage 2014 im WiKu-Verlag unter dem Titel „[Digitale Beratung]: online beraten“ unter der ISBN 978-3-86553-438-5. Vorliegende unveränderte Neuausgabe im Jahr 2020 erfolgt im Einvernehmen mit Dr. Stein (WiKu-Verlag) nunmehr bei BoD.

„Sich in der Virtualität zu behaupten,

heißt eine gute Chance zu haben,

sich in der Realität zurechtzufinden.“

Karlheinz Benke

Mein herzlicher Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen.

Mein tief empfundener Dank dir Harald für

deine nimmermüde Ausdauer und Geduld,

deine Anregungen und Unterstützungen.

Wie auch dir Susanne einmal mehr

für deinen Support im Finish.

Ganz besonders aber danke ich jenen Studierenden

wie Fortbildungshungrigen, die für sich die

virtuelle bzw. Digitale Beratung als

Bereicherung empfanden und

sich ‚interessierten‘.

Gewidmet meiner Mutter, Adrianne

Großlobming, Sommer 2014

Inhalt

Anstelle eines Vorwortes: Bilder

Karlheinz Benke

Einbegleitung

Anwendungspotentiale der Digitalen Beratung – der Überblick

Karlheinz Benke

Einblick

Digitale Beratung

Neuer Wein in alten Schläuchen?

Karlheinz Benke

Vor 2 kommt 1

Rahmenbedingungen einer professionellen (digitalen) Beratungskultur an Schulen

Markus Valtingojer

Überblick

Paarberatung online

‚Der‘ Benefit für die Beziehungsberatung?

Angelika Hoffer-Pober

Psychotherapie mit Videotelefon

‚Videotherapie‘ als Erweiterung der psychosozialen Versorgung

Andrea Reisinger

Social Media in der Bildungsberatung

Facebook und das Potenzial von Peer Interventionen

Rudolf Götz & Franziska Haydn

Chatberatung bei pädo- und hebephiler Neigung

Grundsatzüberlegungen zu einer digitalen anonymen Prävention

Barbara Geml

Der hypnosystemische Ansatz

Ein Plus für die digitale Beratungswelt

Birgit Traxler

Qualität in der Digitalen Peer-Beratung

Zwischen Erwartungshaltung und Kompetenz

Karlheinz Benke

Ausblick

Zur Zukunft der Digitalen Beratung

Geh_danken – Trends?

Karlheinz Benke

Ausbegleitung

Fortbildungsmöglichkeiten der Digitalen Beratung – der Ausblick

Karlheinz Benke & ARGE Bildungsmanagment

(

DigitaleS InterReView)

Anhang

Thesen: Hand(v)erlesenes zur [Digitalen.Beratung]

Autorinnen und Autoren

Anstelle eines Vorwortes: Bilder

Karlheinz Benke

fiktionen! +++ fakten? +++ fiktionen! +++ fakten? +++ fiktionen! +++ fakten? +++ fiktionen!

10 Jahre Online Beratung.

Studienergebnis aus: Digital Leben, 17. Juni 2012

Wien: Zehn Jahre nach der ersten, erfolgreichen Fachtagung [F1]1 im deutschsprachigen Raum gaben gestern die drei nationalen e-Beratungskreise zum Qualitätsstandard von virtueller Beratung bekannt, dass die methodische Basisarbeit bzw. die Einführung von Qualitätskriterien zwar seit einigen Jahren schon auf ein breites theoretisches Fundament bauen kann, aber zukunftsweisende Arbeiten für die virtuelle Beratungslandschaft nach wie vor von einer überschaubaren Gruppe von Experten stammen.

Selbst wenn die Virtualität längst Alltagsrealität ist: Ein Teil von Psychotherapeuten sowie Beratern im Umfeld der psycho-sozialen Szene steht dem Einsatz digitaler Beratungstools ungebrochen skeptisch gegenüber. Solcherlei ‚face2face-hardliner‘ verschließen sich einer wachsenden Zahl positiver Studienergebnisse, die die Wirksamkeit virtueller Beratung bei einigen psychischen Krankheits- und Störungsbildern erforschen und nachweisen konnten. Anders als die breite Masse von Sozialarbeitern bzw. (Sozial-)Pädagogen – noch in den Anfangszeiten von ‚Online Beratung‘ bzw. in weiterer Folge Bildungsberater und Psychologen – ignorieren sie die Effizienz von Digitaler Beratung – und zwar selbst in gewissen Teilaspekten. Es stellt sich die Frage: Warum?

In den Jahren nach [F1] wurde in Österreich mit den konzipierten Weiterbildungslehrgängen ‚Online Beratung‘ (wienXtra-ifp, Wien) bzw. ‚Digitale.Beratung: online beraten‘ (Arge Bildungsmanagement, Wien) dem Wunsch nach professioneller und qualifizierter virtueller Beratungsausbildung Rechnung getragen; über die Gründung der Fachzeitschrift e-beratungsjournal.net und der Herausgabe des Handbuchs zur Online Beratung auch qualitativ abgesichert bzw. weiterentwickelt.

Für die Expertengremien der Online Beratung ist v. a. die Tatsache interessant, dass Interesse bzw. Neu-Gier aus dieser Aufbruchsstimmung in den Pionierjahren von Online Beratung sich nicht entsprechend in der Zahl ausbildungswilliger Berater widerspiegelt(e). Bis heute ist dieser Widerspruch eine der offenen Fragen in der noch jungen ‚Disziplingeschichte‘ der Digitalen Beratung:

▪ Wofür standen gut besuchte Infoveranstaltungen, modulare Seminar- und Workshop-Reihen, ja selbst: nicht universitäre und hochschulische Aus- und Weiterbildungsangebote, wenn nicht für ein Interesse an Einsatzmöglichkeiten zukunftsweisender Beratungstools?

Warum hätten das Bundesministerium und einige Arbeitsgemeinschaften die Ausbildungen ‚Online- bzw. Digitale Beratung‘ beworben, wenn sie diese nicht als zukunftsweisende Beratungsform sehen hätten können?

Warum waren weder Interessenvertretungen noch Politik in Arbeitskreisen zusammen gekommen, um kosten- und ressourcenschonende weiterführende (Teil)Behandlungsoptionen etwa über Online Therapien ‚auf Krankenschein‘ einzuführen, um langen Wartezeiten, explodierenden Kosten und Prävention im Gesundheitsbereich Rechnung zu tragen?

Die Antwort der Wirtschaftsforschung scheint simpel: Diese angesprochene Diskrepanz von ‚einigem‘ Angebot und ‚wenig‘ Nachfrage betreff Fortbildungsveranstaltungen sei vor allem als Folge der Wirtschaftskrisenjahre zu Beginn dieses Jahrtausends zu sehen. Sie äußere sich in erster Linie in der Geldknappheit von privaten Haushalten, Einrichtungen und Organisationen und zwinge die an virtueller Beratung Interessierten, sich noch selektiver mit den persönlichen Fortbildungswünschen auseinanderzusetzen. Wobei offenbar das Spektrum der virtuellen Beratung keine Priorität erfahren würde bzw. anderes ausgedrückt: Wenn man sich für eine Ausoder Weiterbildung entscheidet, dann umso gezielter und unter ‚noch mehr‘ Abwägungsaspekten, als es bislang ohnehin der Fall war – frei nach dem Motto ‚das Dringende vor dem (auch) Wichtigen‘.

Diese Zurückhaltung allerdings stünde im Widerspruch zum immer breiteren Einsatz von Internetberatung, die jener spezifischen (und zertifizierten) Qualifikationen bedarf, die auch von durchwegs allen Seiten als notwendig erachtet – aber eben kaum besucht würden. Es herrsche auch zudem aktuell noch bei einem Gros von Professionisten verschiedenster berufsverwandter Sparten das Prinzip ‚Trial and Error‘ bar jeglicher elektronischer Kommunikations- und Beratungserfahrung in der virtuellen Welt – und zwar für beratende Einzelpersonen ebenso wie für Organisationen. Was dem Ruf von Online Beratung unter dem Gesichtspunkt von Qualität nicht gerade förderlich sei.

fiktionen! +++ fakten? +++ fiktionen! +++ fakten? +++ fiktionen! +++ fakten? +++ fiktionen!

NEWSticker +++ newsTicker +++ NEWSticker +++ newsTicker +++ NEWSticker +++ newsTicker

20 Jahre Online Beratung.

Newsflash aus: Digital Leben #2022-07-09*21:00:00 MET

Sydney: Zwanzig Jahre sind seit jener als „Meilenstein der Online Beratung“ bezeichneten Fachtagung [F1]2 vergangen und aus Expertenkreisen ist zu vernehmen, dass es nach der Fusion der arrivierten, virtuellen Plattform digitalehilfe.eu – aus dem geografischen Polygon Zürich-Köln-Hamburg-Berlin-Wien-Bozen-Zürich – gegenwärtig transkontinentale Bestrebungen gibt, diese zielgruppenübergreifende Support-Coaching-Plattform für Jung und Alt unter dem Link digitalehilferundumdieuhr.eu.au über eine Kooperation an deutschsprachigen Einrichtungen aus Australien und Neuseeland anzukoppeln.

Dafür ausschlaggebend waren die Erfahrungen aus knapp einem Vierteljahrhundert Online- bzw. Digitale Beratung. Die Feedbacks zeigten klar, dass hinsichtlich der Fragequalität zwischen den virtuellen und den realen Beratungssituationen keinerlei Unterschiede zu konstatieren sind und die Mehrzahl der Antworten auch losgelöst von regionalen Besonderheiten wie Sprache, psycho-soziale Versorgungsmöglichkeiten etc. als sehr hilfreich eingestuft werden können.

Wie die Sprecherin der Arbeitsgruppe TNH (Transnationale Netzwerkhilfe) betont, gibt es bereits seit den ersten transkontinentalen Expertentreffen einen breiten Konsens darüber, digitales Beratungsknow-How im Sinne aller deutschsprachigen User auch unter Berücksichtigung der Zeitverschiebung ressourcenschonend zu nutzen. Kurz vor der Zielerreichung des Projekts DAK (Digitalen Antipoden-Kooperation) mit Gruppen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich sowie Australien/Neuseeland gilt es noch die letzten offenen Punkte zu klären: Details zur Entlohnung bzw. Dienstplangestaltung.

Nach wie vor offen ist die Teilnahme der Vereinigten Staaten von Amerika.

NEWSticker +++ newsTicker +++ NEWSticker +++ newsTicker +++ NEWSticker +++ newsTicker

1 Vgl. wienXtra, ed. (2003). [F1] - Bericht zur Fachtagung zu Jugendforen, eMail-Beratung und Online-Kommunikation (27.9.2002). Wien. Verfügbar unter: http://www.karlheinz-benke.at/modules/list/download.php?14,41,8

2 Vgl. ‚[F1] – Bericht zur Fachtagung zu Jugendforen, eMail-Beratung und Online-Kommunikation‘ in Fußnote 1 Seite 9.

Einbegleitung

Anwendungspotentiale der Digitalen Beratung – der Überblick

Karlheinz Benke

„Die Winde ändern die Wegweiser.“

Stanislaw Lec

Das vorliegende Werk spannt einen Bogen über aktuelle wie zukünftige Sichtweisen auf die Digitale Beratung und deren Potentiale und inkludiert ebenso ihre Werkzeuge und Techniken wie ihre Einsatzmöglichkeiten.

Was (hier) genau unter Digitaler Beratung verstanden wird und inwiefern sie sich von Online Beratung unterscheidet – dies führt der Einführungsbeitrag Digitale Beratung. Neuer Wein in alten Schläuchen? aus.

Um allerdings überhaupt über den Einsatz digitaler Tools im virtuellen Beratungsalltag sprechen zu können, ist es – in Anspielung auf das Web 1.0 und 2.0 – wie der Beitrag Vor 2 kommt 1 zeigt unabdingbar, sich zuerst mit dem Umgang mit den ‚realen Werkzeugen‘ (oder sind es auch nur: Gegebenheiten?) auseinanderzusetzen.

Dass nicht alle Beratungsfelder des Alltags gleichermaßen auch für eine Digitale Beratung (im hier vorliegenden Verständnis) geeignet sind, zeichnet die Skizze im Falle der Paarberatung nach. Die Angst ‚sich zu zeigen‘ spricht jedoch keinesfalls gegen einen Einsatz von Internetberatung im klassischen Sinn.

Mit der Videotherapie hingegen steht ein Beratungswerkzeug zur Verfügung, das sich über viele Studien hinweg als ein ressourcenschonendes, und daher auch zukunftsweisendes Medium erweist.

Social Media in der Bildungsberatung zeigt am Beispiel des (noch) mächtigsten virtuellen sozialen Netzwerks der Gegenwart, wo Möglichkeiten und Grenzen von öffentlichen Kommunikationstools liegen.

Die grundsätzlichen Überlegungen zur Chatberatung bei pädo- und hebephiler Neigung zeigen, welchen Wert Digitale Beratung in der Bearbeitung von Scham besetzten bzw. gesellschaftlich tabuisierten Themen haben kann.

Der Hypnosystemische Ansatz ist, wie gezeigt wird, eine probate Methode mit Mehrwert für die Digitale Begleitung, zumal es in erster Linie um die Haltung zur Beratung und erst in zweiter Linie um spezielle Techniken oder Methoden – auch in der Digitalen Beratung – geht.

Der Beitrag Qualität in der Digitalen Peer-Beratung versucht, auf qualitativer Ebene den Bogen betreff jener wechselseitiger Erwartungen respektive Anforderungen auf beiden Seiten des digitalen Beratungsprozesses aufzuzeigen, die (hier) auf empirischem Weg direkt zu Kompetenzprofilen und Qualitätsstandards hinführen.

Das Buch schließt mit einer/m exemplarischen digitalen InterReView zu den Fortbildungsmöglichkeiten der Digitalen Beratung.

Wie immer auch die Zukunft Digitaler Beratung aussehen mag und welche Arbeits- und Spannungsfelder sich noch auftun werden: Was Digitale Beratung einlösen können muss, ist, dass sie das Bedürfnis und die Notwendigkeit des Ausbaus von Selbstkompetenz und Wissen wie auch den Zugewinn von Information im Sinne einer besseren Orientierungsmöglichkeit im Blickfeld hat.

Zumindest mittelfristig scheint die Tendenz dahin zu gehen, dass eine gewisse telekommunikative Mobilität auch die virtuelle Beratung forciert, während die persönlichen Beratungskontakte vielleicht wieder langfristig an Bedeutung gewinnen können – wenn etwa der Hype auf eMedien (wie ‚die Wearables‘ – Uhr und Brille) und ‚Fernanwesenheiten‘ nachgelassen haben wird?

Anregende Stunden wünscht namens des schreibenden Teams,

Karlheinz Benke

PS: Obwohl aus Gründen der leichteren Lesbarkeit im Text vorwiegend die rein männliche Form gewählt wurde, ist die Verwendung des so genannten ‚generischen Maskulinums‘ als geschlechtsunabhängig zu sehen und beinhaltet unserem Verständnis nach selbstverständlich auch stets die weibliche Form.

I. Einblick

Digitale Beratung

Neuer Wein in alten Schläuchen?

Karlheinz Benke

„War sie nicht schön, die gute alte Welt, in der ein Telefon noch ein Telefon, ein Bild noch ein Bild und ein Brief noch ein Brief war? In der man den Postboten noch mit Namen kannte und Adressbücher nicht ‚verwalten‘, sondern bloß führen und benutzen musste? In der sich Kinder auf ‚Wickie‘ freuten und nicht auf ‚World of Warcraft‘ und die Erwachsenen noch miteinander ins Bett gingen und nicht ins Netz? In der Chat noch Gespräch hieß und Surfen noch etwas für unerschrockene Wasserfans war?

Die Digitalisierung hat unser ganzes Leben verändert, sie hat alles durchdrungen, mehr als die meisten sich vorstellen können – sie hat klein gemacht, was einst groß war, und groß, was sie für klein erachtet. Sie hat die Welt in unsere Häuser gebracht und sie gleichzeitig von uns entfernt. Wir gehen immer weniger vor die Tür, aber immer häufiger ins Netz. Und diese Formulierung, die wir so häufig benutzen, ist sinnbildlich für das, was passiert ist: Wir sind der Digitalisierung ins Netz gegangen. Wir haben uns fangen lassen von einer Scheinwelt, die uns immer stärker fordert und vereinnahmt, die uns Geschwindigkeit bringt und am Ende doch Zeit kostet. Zeit, die uns für das fehlt, was die digitale Welt nicht ist: Leben.

Es war natürlich nicht alles schöner und besser, als wir noch analog lebten. Aber es war echter. Wirklicher. Weniger Schein und mehr Sein. Das Tempo war von menschlicherem Maß. Wir haben die Welt gestaltet, und nicht sie uns.

Die digitale Welt treibt uns vor sich her, sie jagt uns durch unser Leben und macht uns zu ihrem Sklaven“ (Montasser, 2010, S. 223f).

„Wir leben gar nicht im Informationszeitalter.

Es ist das Kommunikationszeitalter.

Menschen interessieren sich nicht für Daten.

Menschen interessieren sich für Menschen –

zum Beispiel für sich selbst.“

Glaser (2007, S. →)

Nahezu jedermann, der im Netz sucht, ‚googelt‘; wenige ‚firefoxen‘ etc. Googeln ist vielenorts schon zum Synonym für ‚das Internet‘ geworden. Googelt man nun den Begriff Digitale Beratung so erfährt man in 0,22 Sekunden (mit Stand 20. März 2014), dass

er genau 5.990-mal im weltweiten Web ‚vorkommt‘, nämlich wenn man ihn als Begriff unter Anführungszeichen setzt,

die ersten 5 Positionen der Suche nach

‚Digitale Beratung‘

sich auf den Herausgeber dieses Sammelwerks beziehen

oder aber auch dass …

Digitale Beratung

„Ihr Unternehmen darin [unterstützt], eine Strategie entlang Ihrer Wertschöpfungskette zu konzipieren, die Digitalisierung aller damit im Zusammenhang stehenden Bereiche wie einen roten Faden im digitalen Management des Unternehmens aufzuziehen“ (

http://www.convidera.com/de/leistungen-services/digitaleberatung

) bzw.

„Strategische Digitale Beratung“ über einen „Abgleich der aktuellen und der geplanten digitalen Aktivitäten mit der übergeordneten Unternehmensstrategie […] ein entscheidender Erfolgsfaktor für Organisationen […], um ihre Ziele zu erreichen und dem Wettbewerb immer einen Schritt voraus zu sein“ (http://mediaworx.com/leistungen/strategische-digitale-beratung) und schlussendlich

Digitale Beratung

somit offenbar auch eine (semantische) Nähe zur Mediatisierung der Branche Unternehmensberatung aufweist, wie auch die in weiterer Folge gereihten Suchresultate bei Google belegen.

Was kann man aber aus der Perspektive der Online Beratung unter dem Begriff ‚Digitale Beratung‘ verstehen? Impliziert er quasi eine Form von ‚Update‘ bzw. verspricht er einen inhaltlichen Mehrwert oder ist er lediglich eine Erweiterung des Begriffsspektrums im Umfeld der Online Beratung, der sich auch gar nicht von e-Beratung, virtueller Beratung, distance counselling,3 e-conseil etc. abhebt?

Mitnichten. Denn wer auch immer die Urheberschaft für diesen Begriff wohl beanspruchen darf (vgl. bspw. Benke, 2009, S. 1 bzw. in weiterer Folge Euler u. Paschen, 2013): Digitale Beratung als Oberbegriff für eine virtuelle Beratung, die sich verschiedenster Werkzeuge des Web 1.0 und Web 2.0 bedient, scheint – durchaus in Analogie zur digitalen Kommunikation – auch semantisch geeignet zu sein, die (jüngeren) Entwicklungen auf dem Gebiet der e-Beratung (bspw. von der Videokonferenz zur Skype-Beratung) explizit mit einzuschließen und sie auch entsprechend sprachlich abzubilden.

Exkurs: Analogieschluss Digitale Kommunikation

„Digitale Kommunikation bedeutet zunächst Kommunikation mit Hilfe digitaler Medien“ (Grimm, 2005, S. 1). Wobei digital (in diesem Sinnzusammenhang) bedeutet, dass die Datenbasis auf dem Medium (Computer, Smartphone etc.) über den Binärcode verarbeitet wird, sodass sie gleichzeitig ‚hybrid‘ wie auch interaktiv sind und dadurch andere Medien quasi ‚integrieren‘ – und somit mit ihnen interagieren – können. Digitale Kommunikation findet so vor allem über das Internet statt (vgl. Grimm, 2005), zumal dieses globale Netzwerk viele Möglichkeiten zur interpersonalen Kommunikation bietet und ‚soziale Kanäle‘ wie Messenger, eMail, Twitter sowie andere Social Networks respektive Videomeetings etc. umfasst. Somit ist das Internet der Prototyp eines digitalen Mediums.

Dass aber umgekehrt Massenkommunikationsmedien nicht zwingend digital sein müssen, belegen ‚klassische Medien‘ zur Informations- und Nachrichtenvermittlung wie Rundfunk, Fernsehen, Presse usw. Woraus sich folgende Grundthese ableiten lässt:

Digitale Kommunikation/Beratung ist immer eine

medienvermittelte Kommunikation/Beratung,

aber medienvermittelte Kommunikation/Beratung ist nicht zwangsläufig

digitale Kommunikation/Beratung.

Versteht man unter digitaler Kommunikation also „den Austausch digitaler Nachrichten über dafür spezialisierte digitale Kommunikationskanäle“ (Meinel und Sack, 2009, S. 16), so gilt und wirkt selbiges Grundprinzip auch in der Digitalen Beratung.

Online Beratung und Digitale Beratung – was macht den Unterschied letztendlich aus?4

Die Unterscheidung zur Online Beratung findet sich (vgl. Benke, 2009) vor allem in der digitalen Kanalerweiterung der eingesetzten Medien,5 die im Gegensatz zur online-typischen Kanalreduktion steht. Somit erscheinen folgende Kurzformeln als treffend:

Text

+ Sprache

+ Bild

oder

Mit dieser Hinzurechnung der Möglichkeiten bzw. Werkzeuge des Web 2.0 (Stichwort: Skype) zu den Basistools des Web 1.0 (O’Reilly) gelingt nicht nur die Nachzeichnung der technologischen Entwicklung, sondern auch ein Hinweis darauf, wie sehr die Nutzung von den aktuellen Möglichkeiten der Ratsuchenden (nach wie vor) und von ihrer Technik-Affinität (Geräteankauf etc.) abhängt. Denn:

„Sich ‚einfach nur auszutauschen‘ reicht gegenwärtig oft nicht mehr. Die ‚postmoderne Bassena‘ (Benke) des Internets ist nicht erst mit den Tools eines Web 2.0 zugleich Ort der Kommunikation bzw. Interaktion, sondern auch von Tag zu Tag stärker frequentierte Anlaufstelle in Sachen Beratung.

Und darauf nehmen jüngere Technologien natürlich entsprechenden Einfluss, wobei Menschen auf unterschiedlichste wie vielfältigste Weise agieren. Die Neue(ste)n Medien fungieren dabei als Schlüssel zu den Türen einer endlos scheinenden Bibliotheksgalerie mit Lexika-Ausgaben für alle Lebensbereiche“ (Benke, 2009, S. 8).

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern aber nicht nur die Wahrnehmung des Individuums, sondern (dadurch) auch das Individuum selbst. Ist also eine Beratung mit den (gerade noch) trendigen Social Media-Tools wie Twitter oder Facebook unter dieser Perspektive von digital-beraterischer Qualität bzw. deren ‚next generation‘ machbar (siehe Götz u. Haydn Social Media in der Bildungsberatung)?

Wie sieht die nahe digitale Beratungszukunft also aus?

Zur Zukunft der Digitalen Beratung

‚Die Zukunft‘ lässt sich angesichts der rasanten Entwicklung im Technologie- bzw. gerade im Software-Bereich in der Social Media mit einem sich wechselseitig bedingenden und ständig ändernden Nutzerverhalten wohl kaum seriös prognostizieren (siehe genauer bei Benke Zur Zukunft der Digitalen Beratung).

Wer hätte noch im Jahr 2002 etwa zur Zeit der [F1]-Fachtagung – dem als „Meilenstein in der Online-Beratungsgeschichte“ (Eidenbenz in wienXtra, 2003, S. 94) bezeichneten ersten großen deutschsprachigen Get-Together – gedacht, dass man rund zehn Jahre danach mangels zufriedenstellender Userzahlen bzw. Entwicklungsaussichten im Jahr 2013 gerade jenes Forum schließen wird, das noch im Jahr 2001 den

Ausgangspunkt für wienXtra’s Weg im Jugendsupport über ein ‚going public‘ auslöste?6

Die damals vorherrschende Umbruchsstimmung zeigen folgende Zeilen, wie sie die PR-Leiterin des für die Stadt Wien tätigen Vereins zur Installation der eigenen drei Jugendforen schrieb:

„Mit http://forum.wienxtra.at sollte einerseits die bis dahin eher erwachsenenorientierte Website www.wienxtra.at ein jugendrelevantes Kommunikationstool erhalten. Andererseits war es Ziel, den Ideen, Meinungen und Problemen von Jugendlichen durch das Online-Forum auch Öffentlichkeit zu geben“ (Dieterich, 2002, S. 16).

Was aber ist passiert auf dem Entwicklungsweg der virtuellen Beratung vom Web 1.0 über das Web 2.0 hinweg zum semantischen Web?

Offensichtlich hat sich einiges rund um den Werkzeugkasten der Beratungslandschaft geändert seit den Tagen, als die Foren-Userin borderline meinte: „der sinn dieses forums, soweit ich es erkannt habe, liegt eben darin, dass du dich hier nicht verstellen mußt. hier kannst du äußern, was du denkst“ (wienXtra, 2003, S. 14).

Und tatsächlich geht es um genau dieses ‚Äußern können‘, das sich in seiner Transportmöglichkeit durch Blogs, Facebook, Twitter, SMS bzw. das geschlossene Netzwerk WhatsApp entscheidend verändert hat. Man macht es einfach anders, man äußert sich anders, wenn man Fragen oder Anliegen hat und man tut dies in jenen Medien, die man nicht für ein Anliegen gezielt aufsucht, sondern in denen man sich ohnehin bewegt. Womit sich auch die virtuelle Verortung der ‚weiterziehenden digitalnativen Nomadenschar‘ (Benke) ändert, die wiederum Ausdruck des jugendlichen Sendungs- bzw. Suchbewusstseins ist.

Wer hätte – um eine weiteres Beispiel aus dem Web 1.0 anzuführen – gedacht, dass auch der ‚one-to-many‘-Chat trotz ungebrochener, exzessiver Kommunikations- und Beratungsbedürfnisse kaum mehr User anlockt? Wer hätte gedacht, dass nach einem zwischenzeitlichen Einbruch der SMS-Kommunikation die unkomplizierten Kurzmitteilungen über Social Media-Freeware (WhatsApp etc.) das eMail in seiner Bedeutung als Transportmedium überholen werden? Wer war sich sicher, dass Facebook (oder einer seiner Nachfolger) in vielen Communities das eMail als Tool bereits abgelöst haben wird?

Sind – die Frage ist spätestens jetzt und in diesem Zusammenhang zu stellen – digitale ‚Ur-Medien‘ wie das eMail bald ‚ausgestorben‘ respektive zu Beratungsrelikten von sentimentalen ‚Online Beratern der ersten Stunde‘ mutiert (vgl. Vasek, 2012)? Und wenn ja: Auf welchen gesellschaftlich-technologischen Rahmenbedingungen werden die Nachfolger-Werkzeuge der Beratungstools der Generation des Web 1.0 (Forum, eMail, Chat) fußen? Und was müssen sie im Sinne professioneller digitaler Beratung können?

Fragen, die aktuell nur vage Antworten zulassen …

„Es zählt zu den großen Irrtümern unserer Existenz,

durch mehr Tempo, mehr Leben ins Leben bringen zu können.“

Geißler (2011, S. 232)

Gesellschaftspostulate zur Digitalen Beratung, oder: Alles zu jeder Zeit

Die Gesellschaft produziert Technologien, die wiederum gesellschaftliche Prozesse hervorrufen (vereinfachen, beschleunigen etc.), welche ihrerseits wieder Technologien hervorbringen und genau so sich ‚nach oben‘ bzw. ‚immer weiter‘ spiralige Entwicklungsschübe (wohin auch immer) auslösen.

Insofern sind die Technologien oder Medien einer Gesellschaft natürlich immer auch Indikatoren für deren Entwicklungsstand. Interessant ist damit die Frage, inwiefern sich diese Strukturen und Prozesse in den gesellschaftlichen Anforderungen und Erwartungsprofilen der Bürger widerspiegeln und inwiefern diese in die Beratung hineinspielen.

Als Charakteristika unserer so bezeichneten postmodernen Gesellschaft gelten in erster Linie – wie etwa auch der Soziologe Hartmut Rosa (2005) in seinem Bestseller aufzeigt – Beschleunigung und Flexibilisierung. Beide schaffen vor allem Zwänge, aus denen der freie Mensch immer schwerer herausfindet und die das Leben aus der Balance geraten lassen.

Als solch unterschiedlichste ‚Verunsicherungsmomente‘ unserer Epoche (wie der ihr nachfolgenden) können vor allem gelten:

die

Geschwindigkeit

respektive die ‚Beschleunigung der Lebensrhythmen‘, wie sie der Philosoph Virilio bezeichnet: das ‚immer schneller, immer früher‘ usw. führt zu einer Zeitverdichtung im Alltag mit der Konsequenz, dass Pausenzeiten verschwinden, Reisezeiten zu Arbeitszeiten mutieren und Wartezeiten/-schlangen mit Mailchecks via Smartphone überbrückt werden (Symbole des Zeitgewinns: Radar, Laser, Lichtleiter etc.)

die

Flexibilisierung des Berufs- und Lebensalltags

über geforderte Flexibilität bzw. erwartete Mobilität (Symbole: polychrones Handeln/Multitasking wie gleichzeitig Entsolidarisierung der Gesellschaft)

das

Paradoxon ekstatische Kommunikation versus grassierende Einsamkeit

und beides im Kontext mit einer zunehmend indirekten Kommunikation: virtuell statt face-to-face (Symbole: Smartphone, Skype)

Betonung der

Stellung des Einzelnen

und die daraus resultierende, diffuse Angst vor dem Versagen, die zu einer latenten Angst überleitet (Symbole: Individualismus bzw. das Aus-der-Rolle-fallen)

Orientierungshilfen

und

Leitbilder

durch Vorbilder wie Idole (Musik etc.) bzw. so bezeichneten ‚Respektspersonen‘ etc.: Nichts ist für ewig! (Symbole: Pastiche, copy)

das

Bild

gewinnt im selben Ausmaß an Bedeutung gegenüber dem Wort wie etwa auch die Information gegenüber Bildung (Symbole: Schein und Imitation statt Sein und Originalität).

Selbst wenn sich die Liste natürlich noch um zahlreiche globale Verunsicherungsmomente wie Umweltzerstörung bzw. Klimawandel, Krisen und Hungersnöte etc. verlängern ließe, so sind doch die oben angeführten Aspekte zentrale Indikatoren einer Gesellschaft, die sich individuell auswirken und sich folglich deren Akteure privat wie beruflich zunehmend verunsichert fühlen – wovon vielleicht beziehungstechnisch die steigenden Scheidungsraten und ökonomisch die mageren Wirtschaftsdaten der letzten (Krisen)Jahre zeugen mögen. Erschöpfungszustände münden entweder im Burnout, frei nach dem Motto ‚Mailbox voll – Akku leer‘, oder in einer Depression, verstanden als Zeitkrankheit. Sherry Turkle (2011), eine Internetsoziologin der ersten Stunde mit ihrem Klassiker Life on the Screen aus den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, findet angesichts der gegenwärtigen Dynamiken in einem Interview aus dem Jahr 2011 sehr deutliche Worte, wenn sie fordert: „Macht mal Pause!“

Denn die hohe ‚Reisegeschwindigkeit‘ lässt Kraft und Überblick im Alltag vermissen – Kraftlosigkeit, Ohnmacht und das Gefühl des Ausgeliefert-Seins machen sich breit. Das Schlagwort Getriebenheit trifft diesen Prozess wohl sehr konzise.

„Beherrscht werden wir nicht mehr von den Stammesführern, Kaisern, Landesherren und anderen Potentaten; beherrscht werden wir heutzutage von der Technik. Der aufgeklärte Mensch mit demokratischer Gesinnung nimmt keine Befehle mehr von Königen, die er nicht selber wählen durfte, entgegen; er lässt sich von seinem Handy regieren, das er selbst ausgesucht und bezahlt hat. Offeriert als ein hilfreiches Instrument, das uns stets zu Diensten ist, gibt es sich, genau so wenig wie die vielen sonstigen Apparate und Gerätschaften, die uns begleiten, nicht mit seiner untergeordneten Dienstbotenstellung zufrieden. Stück für Stück übernehmen die ‚fixen Helfer‘ die Macht über das Dasein derer, die sie sich zu ihrer Entlastung zugelegt haben. Sie geben die Richtung an, sagen wo’s lang geht, entscheiden, wann mit wem man wie lange redet, kommandieren herum, befehlen und verlangen dabei Gehorsam und Unterordnung. […]

Die Freiheit, der wir uns rühmen, reduziert sich in vielen Fällen auf die Freiheit entscheiden zu dürfen, von welchem Gerät man sich noch beherrschen lassen will, mit welcher Technik man sich noch mehr unter Zeitdruck zu setzen bereit ist“ (Geißler, 2011, S. 136f).

Dazu kommt auch noch ein Zeitgeist, der mobil ist. Man ist unterwegs und auch nahezu permanent im Netz, mit dem Ziel, Zeit und Raum zu verdichten (um nicht ,vernichten‘ zu sagen). Alles ist im Fluss, alles fließt – mit dem Effekt, dass nur weniges stabil bleibt und auch Pausen aus dieser Bewegung heraus Mangelware sind. Der postmoderne Mensch ist ‚digital überladen‘ und sehnt sich zumindest vorübergehend immer wieder nach einem Rückzug ins Offline-Leben. Der Trendforscher Matthias Horx (2014) spricht in diesem Kontext sogar vom Umkehrphänomen ‚Digitale Revision‘, das in einigen Bereichen (Rückgang der Facebook-User, Entschleunigung der Lebensrhythmen etc.) zu beobachten ist. Wenngleich das Verlangen nach Echtzeit und Vernetzung noch eine Vorrangstellung einnimmt. Denn:

„Ideal der Simultanten [das sind jene, die die Beschleunigung beschleunigen, Anm. K. B.] ist ein Leben ohne Zeitverlust. Dem bemühen sie sich mit einer nicht mehr zu überblickenden Anzahl stationärer und transportabler Geräte, allesamt Multifunktionsinstrumente, anzunähern. Die vielen Kleingeräte, die Simultanten mit sich herumtragen, sind für sie weit mehr als nur hilfreiche Werkzeuge. Wie sonst ließe es sich erklären, dass sie ihnen zärtlich liebevolle Namen geben, als handle es sich bei ihnen um argloses, unschuldiges Kuschelspielzeug für Kleinkinder. Wie Fünfjährige von ihrem ersten Fahrrad, schwärmen fünfzigjährige Zeitverdichter von ihrem neuen Handy, ihrem tollen Blackberry, der neuesten Navi-Generation, dem iPod, iPhone und iPad und der Schibrille von Recon mit eingebautem GPS, Geschwindigkeits-, Höhen-, Temperatur- und Zeitmesser. Das tun sie vor allem, weil sie die Schmusegeräte überallhin mitnehmen können, aber sie verehren sie auch, weil diese, wie einst ihre Mütter, rund um die Uhr für sie zu Diensten sind“ (Geißler, 2011, S. 156f).

Mobiltelefon und Smartphone werden gegenwärtig zum Leitmedium: Unsere wie auch deren Anschlussfähigkeit wird zu einer der wichtigsten Eigenschaften für Subjekte wie Objekte im Netzwerkzeitalter.

„Flexible Orte, flexible Zeiten,

bei der Beratung und anderswo.“

Geißler (2011, S. 198)

Ableitungen für die Digitale Beratung (der Zukunft)

Es ist noch nicht allzu lange her, da herrschte der Glaube, dass ein Mehr an Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten den Menschen auch glücklicher machen sollte. Doch das Gegenteil scheint der Fall, wenn doch dieses Abwägen zwischen den Argumenten doch nur vermehrten Zeitaufwand bedeutet und zudem den persönlichen Druck erhöht, weil man ja entscheiden muss.

„Je stärker und umfassender die Multifunktionsgeräte mit ihren Auswahltechnologien unseren Alltag dominieren, umso weniger frei können wir entscheiden, wie schnell, wie intensiv und wie vernetzt wir sein und handeln wollen, was wir wann und wie lange tun und in welcher Art und Weise wir mit den Geräten und unseren Mitmenschen umgehen möchten“ (Geißler, 2011, S. 209).

Ist es so, dass wir quasi Sklaven unserer von eigener Hand geschaffenen Geschwindigkeit werden, wie es das obige Zitat des bekannten Zeitforschers Karl Heinz Geißler zur Zeitkultur meint, die ihrerseits auch immer schnellere Medien und Technologien (re)produziert … unter dem Trugschluss der Gleichsetzung von schneller ist gleich besser. Aber wären gerade dann nicht zeitversetzte Medien wie das eMail probate Beratungstools, welche eine Entschleunigung herbeiführen können?

„Es ist jedenfalls Zeit, eine Lanze für das E-Mail zu brechen – und nicht nur aus nostalgischen Gründen. E-Mail darf nicht sterben. Der Grund liegt nicht in irgendwelchen Bildungsidealen. Wir brauchen E-Mail nicht etwa, um die Schriftsprache zu bewahren. Es geht um etwas anderes. Nennen wir es zeitliches Distanzbedürfnis“ (Vasek, 2012, S. 81).

Wie auch immer sich Gegenwart und Zukunft der Digitalen Beratung abspielen mögen – zwischen Highspeed-Glasfaserkabeln und Mobilem Web, zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen alten Medien-Werkzeugen und New-Media-Tools. Als unverrückbare Erkenntnis bleibt indessen, dass der Sinn einer Nachricht nicht ausschließlich (weder heute noch morgen) an Form oder Geschwindigkeit ihres Transports hängt. Die Art und Weise des Transports wird sich an den individuellen Bedürfnissen der Beratungspartner (Ratsuchende, Beratende) orientieren und weder überwiegend an synchronen Chats oder der Videotelefonie (beide wenig verbreitet und methodisch nicht innovativ zu nutzen) noch am asynchronen Webmail hängen bleiben (vgl. Weinhardt, 2013, S. 11).

Die zu stellenden Fragen lauten demnach:

Was werden die Kommunikationstools der Zukunft sein und wie werden sie aussehen? Wie wird damit beraten werden (können)?

Wird es Forum, Chat und eMail, weblogs etc. auch noch in wenigen Jahren geben oder waren sie nur Wegbereiter einer neuen digitalen Beratungszukunft? Und – last but not least:

Sind Beratungswerkzeuge wie Foren, auch wenn sie in den Sturmund Drangzeiten der Online Beratung (also noch in den Zeiten eines Web 1.0) gut angenommen wurden, auch Garanten für ein ausreichende Anzahl zukünftiger Ratsuchender?

Werden sie abgelöst von anderer Software, von anderen Netzwerken der Facebook-Nachfolger bzw. ähnlichen Social Networks?

7

Allesamt Fragen, die eine Betrachtung verdienen …

Auf der einen Seite: Die ‚Software‘ …

Die Tatsache, dass mobile Beratung an Bedeutung gewinnt, ist ein offenes Geheimnis. Denn eine globalisierte Welt, flexible Arbeit und Mobilität verlangen geradezu nach Ankern, nach Orientierungsmarkern und vertrautem Support; nach einem Support in Form einer Beratungsperson bzw. -institution, den man quasi ‚mitnimmt‘ auf seinen Reisen durch das Berufs- und Privatleben: Sie verlangen nach einer ‚telekommunikativen Mobilberatung‘ (Benke).

Es wird weniger darum gehen, ‚irgendetwas oder irgendjemanden‘ an der Hand zu haben, denn vielmehr jemanden, der auf Basis von allgemein gültigen Qualitätskriterien professionell unterstützt – jemanden, der (im übertragenen Sinne) ‚dieselbe Sprache‘ rund um den eigenen Problemkreis spricht.

Es wird um Qualität und Professionalität (an beiden Enden des Beratungsprozesses gehen) und für beides ist man bereit zu investieren. Zu eindeutig sind die Befunde (vgl. Thiery, 2011, S. 11f), dass sich Sprachformen und Kommunikationsnormen in sozialen Communities erheblich von einem qualifizierten Beratungsdialog unterscheiden. Sie weisen schon bei Herausforderungen rund um den ‚familialen Alltag‘ (Benke) eine wenig hilfreiche Dynamik auf: Beiträge brechen ansatzlos ab, interessante Fragestellungen werden nicht aufgegriffen oder Diskussionen enthalten persönliche Übergriffe, die den eigentlichen Zweck der Diskussionen überlagern bzw. abstoppen.

„In den sozialen Netzwerken wirken viele Diskussionen um Erziehung und familiäre Probleme plakativ, oberflächlich und hektisch. Diese Unverbindlichkeit, sowie die damit verbundene Zufälligkeit hilfreicher Effekte, wird durch die innere Funktionslogik der sozialen Medien provoziert […]

Einerseits mangelt es an selbstkritischer Reflexion der Teilnehmer. Andererseits senkt der ‚lockere‘ Umgang die Hemmschwelle, Anliegen rund um das heikle Thema Erziehung und Familie überhaupt anzusprechen. So gesehen fehlt es den sozialen Medien nicht an Attraktivität für das Einbringen sensibler Themen, jedoch führen die dort gültigen Kommunikationsprinzipien nicht zu einer langfristigen und stabilen Unterstützung des Einzelnen und seinem Anliegen“ (Thiery, 2011, S. 9f).

Was die Erwartungen der Mitglieder in Sozialen Netzwerken dämpft, sind oftmals ‚legere‘ Kommunikationsroutinen, die nicht jene Qualität von stabilen, qualifizierten Kommunikations- und Beratungsbedingungen aufweisen,8 die für eine gelingende Bearbeitung persönlicher Probleme schlichtweg Voraussetzung sind. Zudem verschwimmt innerhalb der sozialen Gemeinschaften oft die klare und wirksame Trennung der Rollen im Beratungsprozess, wenngleich doch nur jene Trennung von Beratenden und Ratsuchenden eine methodisch abgesicherte, aussichtsreiche Beratung garantieren kann.

Fehlt zudem den Usern auch die Bereitschaft, sich in ihrem virtuellen Umfeld mit (eigenen oder fremden) Problemen und ähnlichen Anliegen auseinanderzusetzen und mangelt es auch noch an einem vergleichbaren Kommunikationsstil, so ist nachvollziehbar, dass kein ‚beratender Austausch auf Augenhöhe‘ erfolgen kann. Und dies bedeutet resümierend für den Prozess als solches, „dass die Kommunikationserwartungen und -gewohnheiten der Mitglieder sozialer Netzwerke der Durchführung qualifizierter Beratung entgegen stehen“ (Thiery, 2011, 13f).

Mit dieser Erkenntnis, dass die Sozialen Medien wie Twitter und Facebook für die Digitale Beratung – jenseits von Datensicherheit und Archivierung – keine ausreichend qualifizierten Grundparameter mitbringen, ist auch zu betonen, dass nichtsdestoweniger der Bedarf nach spezialisierten Beratungsangeboten im Netz auch zukünftig gegeben bleibt, wie immer diese aussehen mögen. Um allerdings auf diese zu verweisen, können die Sozialen Netzwerke sehr hilfreich sein.

Gedanklich angelehnt an die Grundhaltung der aktuellen Usergeneration: Was es in der Social Media-World nicht gibt, existiert nicht.

Auf der anderen Seite: Die Hardware

Mit dem Übergang auf die mobilen Medien ist der PC als Eingabemedium obsolet geworden. Man tippt nicht mehr, man wischt oder diktiert (hinkünftig) nur noch – bspw. über Sprachassistenten wie Siri. Frei nach dem Motto: ‚Erfolgreich ist, was attraktiv ist!‘

Nicht länger ist der PC oder das Smartphone der Ort des Werkelns, sondern schon bald das Handgelenk? ‚Smartwatches‘, die das perfekte Zusammenspiel von Smartphone, Software und Sensoren möglich werden lassen, sind dabei nur die Vorstufe von sogenannten ‚wearables‘. Als digitaler Kommunikator braucht man sie hinkünftig nur noch ans Ohr zu halten, auf ihrer Oberfläche zu malen oder Kurz-Anfragen zu schreiben, um dennoch und nichtsdestoweniger ‚bestens informiert bzw. beraten‘ zu sein?

Oder etwa erweiterte Formen aus dem aktuellen Umfeld von ‚Google Glass‘ oder ‚Oculus Rift‘ – letzteres etwa als Headset, das einer Schibrille nicht unähnlich ist und laut seinem neuen Eigentümer, dem Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, das Zeug dazu hat, die sozialste Plattform aller Zeiten zu werden … mit Datenbrillen inklusive Kameras und kleinen Bildschirmen, die jegliche Informationen anzeigen können.

So gesehen wird die Digitale Beratung nicht umhin kommen, gerade solcherlei neue, synchrone Dienste als Transportkanäle – in welcher Form auch immer – zu nutzen und so neue Adressaten- und Nutzungsmuster reflektiert aufzugreifen (vgl. Weinhardt, 2013).