Doktor Kümmerlings Selbstwerdung - Dietrich Heider - E-Book

Doktor Kümmerlings Selbstwerdung E-Book

Dietrich Heider

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Beschreibung

Dr. Kümmerling, ein aus engen familiären Verhältnissen stammender Lehrer, setzt alles daran, in Gesellschaft und Politik aufzusteigen und dabei seine Person und seine Biografie nach eigenen Vorstellungen umzugestalten. Dazu benutzt er das Geld, das sein als Sexualstraftäter dauerhaft in der Psychiatrie untergebrachter Halbbruder mit dem Entwickeln von Computerspielen erwirtschaftet. Doch als dieser vorhat, sich kastrieren zu lassen, um wieder auf freien Fuß zu kommen, gerät Dr. Kümmerlings Welt ins Schwanken. Seine Frau lässt sich scheiden, und obwohl der Halbbruder auf fragwürdige Weise bei der Kastration stirbt, misslingt der Versuch Kümmerlings, an das früher Erreichte anzuschließen.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Doktor Kümmerlings Selbstwerdung

Erzählung von Dietrich Heider

„Und ob er es tun wird!“Mit ungeduldigem Zittern tastete Friedrich Freiherr von Hammstetten nach seinem Gehstock, den er vorsorglich neben die Armstütze seines Scherenstuhles gelehnt hatte, und als er meinte, dessen Knauf fest genug mit seinen ausgemergelten Fingern zu umspannen, kippte er sich unter Stöhnen aus seiner Sitzhaltung, um sich anschließend in mehreren streng voneinander getrennten körperlichen Vorgängen aufzurichten. Annähernd in der Lotrechten angelangt, strich er um das altväterliche Möbelstück, setzte mit vorsichtigem Schwung zu dem gegenüberstehenden Ohrensessel über und krallte sich in zwei speckigen Mulden von dessen mit Rindsleder bezogner Rückenlehne fest. „Er wird es tun; zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber er wird. Dafür bürgt mir schon sein Name: Dr. Klaus Kümmerling. Ein promovierter Geschichts- und Deutschlehrer.“ Während er immer noch um einen belastbaren Gleichgewichtszustand rang, richtete er erneut seine Rede an Notar Konrad Pfellerer, der gerade, das Gesicht von ihm abgekehrt, in den ledernen Polstern versunken saß. „Wozu die Promotion bei einem Studienrat? Haben Sie sich das schon einmal gefragt?“ So gut es ihm, ohne den Sessel in Erschütterung zu versetzen, möglich war, wandte sich der Notar seinem Gesprächspartner zu, um diesem durch Miene und Worte zu bedeuten, dass er sich von keiner Erkenntnis überwältigt fühle. „Weil er sein Kleinbürgerdasein überhat! Deshalb wird er den Vertrag unterzeichnen, und zwar mit der Verpflichtung, mich bis an mein Lebensende im Altenstift in Bad Saarow zu versorgen, bloß um dieses Schloss und meinen Titel zu ergattern.“ Da Pfellerer inzwischen alle Versuche aufgegeben hatte, seinem Gesprächspartner ins Gesicht zu blicken, beugte sich der Freiherr über die Lehne und redete von oben auf den Sitzenden herab: „Es hat einfach alles keine Art mehr.“ Dann allerdings wischte er, bevor er fortfuhr, mit betont ergebener Lässigkeit, einen Speicheltropfen von der Glatze seines Gastes und polierte einige Male mit dem Ärmelsaum seines Hausmantels nach. „Wirklich, ich kann es drehen und wenden, wie ich will: Kein Weg führt an der Erkenntnis vorbei, dass ich tattrig geworden bin und mittlerweile auch sabbere und dass ich mein Schloss mit seinen über vierzig Zimmern verlassen muss.“ Sein Blick streifte über die mit Korkplatten bedeckten Wände, um schließlich auf den Ahnenbildnissen zur Ruhe zu kommen. Der Freiherr versuchte aufrechte Haltung einzunehmen, was ihm jedoch misslang. „Ich fühle in meinem Innersten, wie meine Altvordern sich grämen. Sie leiden mit mir geduldig, still und leise. Sie leiden meine jahrelange, sich stetig verschlimmernde Qual. Doch ihre Missbilligung gilt nicht dem vergilbten Firnis, nicht den Wurmlöchern in den Rahmen, nicht dem abblätternden Gold. Nein, allein darin, dass die Gemälde auf der hässlichen Wärmedämmung festgenagelt sind, liegt die Schande, und das weniger wegen der Hässlichkeit an sich als wegen des schieren Zwanges, die Hässlichkeit zu dulden.“ Nun wandte ihm der Notar doch, sogar mit merklichem Kraftaufwand, das Gesicht zu, aber statt seinen Gast zu Worte kommen zu lassen, fuhr der Freiherr fort: „Er wird unterschreiben, der Kümmerling, der Doktor, und damit Sie sehen, wie wenig ich daran zweifle, wollen wir bereits im Voraus den Adoptionsvertrag und alle andern Papiere fertig machen. Er soll in dem Bewusstsein, adlig und Eigentümer eines Herrensitzes zu sein, von hinnen ziehen und seinem Eheweib verkünden, dass Muff und Biederkeit endgültig abgetan sind.“ Bevor er sich in Richtung des Tisches aufmachte, erhob er seinen Stock, um auf zwei an der gegenüberliegenden Wand aufgehängte Perückenböcke zu weisen. „Hässlich sind ja auch diese beiden Kerle dort, aber es ist eine sinnbildhafte Hässlichkeit.“ Da Pfellerer die ganze Einrichtung längst kannte, unterstützte er seinen Klienten bei diesem neuerlichen Ortwechsel, ohne sich um die aus der Art geschlagenen Jagdtrophäen zu kümmern. Hammstetten unterschrieb mit zittriger Hand und reichte dem Notar die Urkunden zur Beglaubigung. „Ja, die Dummerchen sind wohl zu flach über einen Zaun aus Stacheldraht gesprungen und haben sich ihre Ruhe während der Brunftzeit durch einen übeln Schimpf erkauft. Der eine schaut unter seinem weit aufgetürmten Wust aus Fasern und Knochenmasse recht unbedarft hervor — fast will man ihn bemitleiden — und dem andern ist der erstarrte Brei über Augen und Ohren gequollen. Was lernen wir daraus über diejenigen, die zu hoch hinauswollen? — Und trotzdem wird er unterschreiben, denn immer noch mächtig wirkt der Glanz des alten Adels, besonders auf kleinbürgerliche Gemüter.“

            Als die Glocke am Vorbau mehrfach angezogen wurde, erhob sich der Notar unaufgefordert, um den Ankömmling einzulassen. Zwar war das Tor schon seit Langem nur noch nachts verschlossen. Sonst hätte er selbst ja auch nicht hierher gelangen können. Aber darauf zu warten, dass Dr. Kümmerling seine Scheu, unaufgefordert fremden Grund zu betreten, überwinden werde, schien ihm so wenig ratsam, wie dem alten Junker Lakaiendienste zuzumuten, und dass dieser es abgelehnt hätte, den Gast an der Einfahrt zu empfangen, stand ohnehin außer Frage, erstens weil es schlichtweg nicht möglich gewesen wäre und zweitens und vor allem, weil der Schlossherr dem Kaiser bis zur Kutsche entgegenzugehen hatte, und nur dem Kaiser. Für einen Schulmeister und auch für einen Stadtschreiber — damit meinte er sich selbst —  galt es eigentlich schon als herablassend, wenn freiherrliche Gnaden auf dem obersten Treppenabsatz dem Herannahenden die Arme entgegenbreiteten. Aber all diesen innerlich wohlgehüteten Schatz aus Zucht und Form hatten trotz seiner grundsätzlichen Bedeutung längst Schüttellähmung, Gicht und Muskelschwund mit ihrem brandigen Belag überzogen und solches Kastendenken, verknüpft mit breit zur Schau getragener Hilflosigkeit, machte ihm den Freiherrn zu einem seiner interessantesten, wo nicht gar vertrautesten Bekannten. Größere Wertschätzung allerdings vermochte er sich, während er über die morschen Stufen der einstigen Prunktreppe schritt, nicht abzutrotzen.

            Dr. Kümmerling trug eine Hose aus grobem, hellbraun und moosgrün gesprenkeltem Loden und eine Jacke aus einem ähnlichen Soff mit Lederbesätzen an den Ellbogen. In Auftreten und Äußerung schien er dem Begrüßenden durchaus zu der soeben erhaltenen Beschreibung zu passen. Während Pfellerer ihn über das mit Schlaglöchern übersäte Pflaster des Hofes auf die Terrasse, die rechts und links von tonnenförmigen Wachhäuschen bestanden war, zuführte, konnte er es nicht unterlassen, unter erste Hinweise auf die baugeschichtliche Bedeutung des Schlosses solche auf dessen untragbaren Erhaltungszustand zu mengen. Ja, — so drängte es ihn festzustellen — die Stadt habe sich durchaus an dem Anwesen interessiert gezeigt und ihn als ihren Bevollmächtigten zum Freiherrn entsandt. Doch habe bald nicht nur die Verwahrlosung des an sich ansehnlichen Besitztums von dessen Erwerb abgeschreckt, sondern auch und ganz besonders die Tatsache, dass der Freiherr in seiner wohl dem vorangeschrittenen Alter geschuldeten Sicht der Dinge auf einem Übereignungsvertrag beharre, der seine Unterbringung und großzügige Versorgung in einem Alten- und Pflegeheim für Besser- bis Bestbetuchte vorsehe. Ankauf, denkmalgerechte Instandsetzung und Unterhalt des Gebäudes seien zu stemmen, aber diese Klausel — so die abschließende Feststellung des Gemeinderates — berge eine unwägbare und dem Steuerzahler nicht zumutbare Gefahr, sei doch des Freiherrn Vater erst im stolzen Alter von 95 Jahren beim Abpflücken eines seiner Kirschbäume tödlich verunglückt. Allerdings — und unter dieser Eröffnung durchschritten sie bereits das von Feuchtigkeit und Schimmel verunzierte Vestibül — pflege der jetzige Freiherr höchstens, wenn die Vögel sich allzu dreist über das nicht abgeerntete Obst hermachten, aus dem Fenster zu schießen, aber auch dies geschehe zusehends seltener.

            Oben zwischen den beiden Treppenläufen wartete der Freiherr mit so weit, wie es anging, ausgestreckten Armen. „Lieber Dr. Kümmerling! Oder darf ich schon sagen: Lieber Sohn und Erbe meines Titels und Besitzes oder besser noch: Du Stütze meines Alters!“ Er musste verschnaufen und Kümmerling benutzte die so entstandne Pause, um mit gebotener Vorsicht auf dem Podest kehrtzumachen und sich sodann für den linken der beiden weiterführenden Aufgänge zu entscheiden. Dass er bei dieser Wahl mit der Mehrzahl der Besucher wohl seit Baubeginn übereinstimmte, verriet ihm allerdings sofort ein mit heftigem Geknarz begleitetes Schwanken des hölzernen Gefüges und er beschloss, seinen Rückweg auf jeden Fall über die andre Seite zu nehmen. „Seien Sie aufs herzlichste willkommen! Alles ist bereits vorbreitet, allein Ihres Namenszuges bedarf es noch.“ Hammstetten stemmte sich mit der Hüfte gegen die gedrechselte Balustrade und drehte seinen Oberkörper dem Herannahenden entgegen. „Fast will mir doch scheinen, als ob ich Ihre Züge bereits von früher kennte.“ Dass der Gast bei diesen Worten leicht zusammenzuckte, ging in der Begeisterung des Händeschüttelns unter und Pfellerer bemächtigte sich seiner aufs Neue, um ihn in den Ahnensaal zu geleiten.

            Gleich als Erstes wies er auf die dort bereitgelegten Verträge. Von draußen drang Hammstettens dünne Stimme, von unsicherem Greifen und Scharren überlagert: „Wollen Sie Liegenschaft und Baulichkeit nicht erst in selbsteignen Augenschein nehmen? Sie sollten es tun, wie verlockend das Angebot auch sei.“ Deutlich hörbar fingerte der Freiherr an der Brüstung. Der Stock entglitt ihm und fiel zwischen den Balustern ins Erdgeschoss. „Jetzt weiß ich, wo ich Ihr Gesicht schon gesehen habe, und Ihr Name ...“ Doch diesen Satz beendeten vorzeitig schweres Gepolter und das Zerbersten von Holz. Ein dumpfer Aufprall folgte.

            „Mein Gott, er hat ein Stück des Geländers losgerissen.“, schrie Pfellerer, der vor die Tür geeilt war. „Er liegt bewegungslos im Untergeschoss. Telefonieren Sie nach dem Rettungswagen!“ Während er dies ausstieß, lief er bereits die Stufen hinab. „Sie brauchen den Rettungswagen nicht mehr kommen zu lassen. Er hat sich das Genick gebrochen.“ Kümmerling ergriff den liegengebliebnen Füllfederhalter.

            „Ich denke,“ sagte Pfellerer, als er wieder im Ahnensaal angelangt war, „dass die Stadt sich unter diesen Umständen doch wieder für das Schloss erwärmen wird. Das Geschlecht der Edeln v. Hammstetten ist wohl soeben ausgestorben.“ „Mitnichten!“ Dr. Kümmerling bemühte sich um Feierlichkeit und einen bedeutenden Gesichtsausdruck. „Sie sehen in mir den Erben und Nachfolger Friedrichs Freiherrn v. Hammstetten. Ich habe unterzeichnet.“

            Vier Jahre zuvor, in Tigerfeld, einem kleinen Ort auf der Schwäbischen Alb, an der Bundesstraße, die Reutlingen mit Zwiefalten verbindet: Ein einsamer Wanderer stößt in einem Waldstück, nicht weit vom Dorfrand entfernt, auf zerrissene Kleidungsstücke, dann auf eine Blutspur. Diese führt ihn zum nackten Körper eines Zehnjährigen.

            Nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus wird festgestellt werden, dass ihm durch einen einzigen kräftigen Schnitt mit einem skalpellartigen Messer die Geschlechtsteile abgetrennt worden sind.

            Trotz der langen Anfahrt aus Reutlingen treffen die herbeigerufenen Rettungskräfte noch rechtzeitig ein und die Polizeifahrzeuge folgen etwas später, obwohl sie im näher gelegenen Pfullingen losgefahren sind. Der Junge hat zwar viel Blut verloren und befindet sich in Lebensgefahr, aber er ist bei Bewusstsein und noch am Tatort in der Lage auszusagen. Endlich gibt es die heiße Spur, nach der man fieberhaft gesucht hat, seit sechs Monate zuvor und im Herbst vorvergangenen Jahres ganz in der Nähe in gleicher Weise verstümmelte Knabenleichen gefunden worden waren.

            Seit über hundert Jahren künden Lichtbilder den Vorübergehenden davon, dass Hammstetten an der Hamm vordem einen zarten Abglanz der allerhöchsten Herrlichkeit erschaut hat. Automobile und jubelndes Volk sind zu sehen. Wilhelm II., selbstbewusst und einnehmend, posiert im Kreise seiner Begleiter vor einem bis heute unveränderten Eingang aus kunstvoll behauenem Sandstein. Die Fenster der einstigen Nobelherberge allerdings haben mittlerweile keine Vorhänge mehr, die ausgelegten Aufnahmen sind bräunlich verfärbt und die Räume, die sich hinter den trüben Glasscheiben auftun, verwaist. Und es geht auch so gut wie niemand vorüber, der von der Erinnerung an diese wie aus Nebel aufgetauchte und in Nebel verflüchtigte Größe angesichts der tristen Gegenwart des Ortes zehren könnte, denn auch die Häuser, die dem Hotel gegenüberliegen, und sogar die meisten Gebäude an der Straße, die zum Bahnhof führt, stehen leer. Dabei ist diese Ansiedlung nicht ohne Reiz. Entlang der Hotelfront führt der Weg sacht ansteigend zum Gipfel eines Bergsporns, auf dem über einer Flussschleife die Stiftskirche inmitten alter Klostermauern thront. Sie birgt einen frühmittelalterlichen Lettner und über dem Mönchschor eine im Zuge der Barockisierung des Innenraumes eingebaute Patronatsloge, den bis zum Angesicht des Gekreuzigten erhobenen Raum für die standesgemäße Andacht derer v. Hammstetten. Vom Vorplatz aus ist der Ausblick frei über vereinzelte Häuser und das steil eingekerbte Tal zum Hang der Gegenseite hinüber und höher und immer höher zu Schloss Hammstetten. Obwohl die Zeit beiden Gebäuden, dem Gotteshaus mit romanischer Außenerscheinung und der barocken Dreiflügelanlage, einigen Abbruch getan hat, bilden sie doch immer noch in spürbarer Würde einen Kontrapunkt, der aus weiter Ferne heranklingt.

            So und nicht anders stellten sich dem neuen Freiherrn Stadt und Schloss dar, denn seit seinen Studentenjahren schätzte er Stifter und Fontane, vor Thomas Mann aber verneigte er sich voll inbrünstigen Erschauerns und dem Geschichtskundigen erschlossen sich wie von selbst Bezüge zum Streit zwischen Papst und Kaiser um die Vormachtstellung, aber auch zum Bündnis von Thron und Altar.

            Das Dach des Hauptgebäudes und das Treppenhaus hatte er inzwischen unter Mitwirkung des Denkmalamtes und mit Hilfe staatlicher Zuschüsse vorbildlich wiederherstellen lassen. In einer Zeit von mehr als einem halben Jahr war das Deckengemälde, das einige Kunsthistoriker bis heute Spiegler zuschreiben, erneuert, waren die Risse gefüllt, die Wasserschäden getrocknet und übermalt und die Fehlstellen fachkundig ergänzt worden. Soeben bauten Arbeiter das Gerüst ab, um es sodann in der Vorhalle aufzuschlagen, da dessen Stuck nicht weniger dringend der Säuberung und der Wiederherstellung bedurfte.

            v. Hammstetten stand, von der Wirkung des aufgefrischten Freskos überwältigt, an der Stelle, von der sein Adoptivvater einen so überaus jähen Abgang genommen hatte, und es erschloss sich ihm innerlich in unmittelbar erfahrener Klarheit, dass nur Spiegler solche Pracht geschaffen haben konnte. Dieser großartige Zug der Götter auf sich spiralförmig emporschraubender Bahn, diese wie aus unendlicher Höhe herabstürzenden Wolkenmassen! Das konnte nur von Spiegler sein. Zwar hatte er bis vor Kurzem mit diesem Namen noch nichts verbinden können, was ihn inzwischen selbst beschämte, aber mit der Bedeutung des Kunstwerks hatte sich ihm zugleich die Bedeutung des Künstlers und eben auch seine Persönlichkeit, ja seine ganze Identität erschlossen und alles dies nahm er tief in sich auf und erfreute sich dessen.