Dr. Arnulf Schmitz-Zceisczyk - Gerhard Polt - E-Book

Dr. Arnulf Schmitz-Zceisczyk E-Book

Gerhard Polt

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Beschreibung

»Arnulf Schmitz-Zceisczyk mein Name, sehr erfreut. Ich bin schon lange hier. Ich wohn ja hier am Tegernsee. Wir sind hierhergekommen und da hat uns ein Bekannter aus München, ein Steuerberater, der hat mir gesagt, da gäbs ein Schnäppchen direkt am See. Und da waren so Bauersleutchen drin, aber ich muss Ihnen sagen, ich konnte dann das Ding, weil also finanziell waren die ja verzweifelt. Dann habe ich gesagt, na gut, ich bin so nett, ich geb ihnen das Geld. Sukzessive haben wir das Haus auf Vordermann gebracht. Ich war damals noch in Celle, dann in Göttingen, dann musste ich rüber nach West-Berlin - meine Frau hat gesagt, du bist ja immer unterwegs. Ich war immer ambulant. Sie müssen sich vorstellen, beruflich bin ich ja im Finanzwesen. Dann musste ich nach New York, wieder rüber, Südafrika, von Südafrika nach München und dann schnell zum Tegernsee wieder gucken, wie entwickeln sich die Sachen da.«

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Seitenzahl: 66

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INHALT

» Über den Autor

» Über das Buch

» Buch lesen

» Impressum

» Weitere eBooks von Kein & Aber

» www.keinundaber.ch

ÜBER DEN AUTOR

Gerhard Polt, geboren 1942 in München, aufgewachsen im Wallfahrtsort Altötting, studierte in Göteborg und München. Seit 1975 brilliert Polt als Kabarettist, Schauspieler, Poet und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. 2001 wurde er mit dem Bayerischen Staatspreis für Literatur (»Jean-Paul-Preis«) ausgezeichnet, 2019 folgte der Kulturelle Ehrenpreis der Landeshauptstadt München. Polt lebt und schreibt in Schliersee, München und Terracina. Sein Gesamtwerk ist bei Kein & Aber erschienen.

ÜBER DAS BUCH

Mit Dr. Arnulf Schmitz-Zceisczyk fügt Gerhard Polt seinem subversiven Panorama der Gegenwart den Charakter des beschäftigten Privatiers und Zweitwohnungsbesitzers hinzu und zeichnet ihn dabei so real, dass man ihn zu kennen glaubt und ihn zugleich gar nicht kennen möchte. Der Großkotz vom Tegernsee mit der feschen Joppe schwelgt in Hummerweißwürsten, Bordeaux-Wein und dem echten, »urigen« Lebensgefühl. Muss er mal weg, wird ihm eines klar: Daheim am Tegernsee ists halt doch am schönsten.

UNGEBETENE GÄSTE

»Kommen Sie mal, Herr Löffler, kommen Sie mal mit rein. Es ist unglaublich, nicht wahr. Nun habe ich diesen Bauernhof hier gekauft, aber leider hat man mir auch noch den Borkenkäfer mitverkauft. Hören Sie sich das mal an. Hören Sie was?«

»Na!«

»Hören Sie mal richtig hin, dann werden Sie es hören. Hören Sie es nicht?«

Es knackt.

»Ah ja, jetzt hab ich was gehört. Doch.«

Es knackt wieder.

»Hören Sie nochmals. Hören Sie?«

»Ja stimmt, das ist der Borkenkäfer.«

»Ja, der kommt aus Japan, oder ich weiß nicht, wo der herkommt, nicht wahr.«

»Oder vielleicht von Dings, von Indien.«

»Nö, der kommt aus Japan, das habe ich in der Zeitung gelesen. Dieser Bursche, nicht wahr. Da gibt es inzwischen verschiedene. Alles kommt zu uns herein, diese ganzen Insekten. Aber hören Sie noch mal. Hören Sie?«

Es knackt.

»Ja, jetzt hab ich es gehört.«

»Na sehen Sie. Da kommt der aus Japan extra hier in diesen Bauernhof herein. Der hat hier nichts zu suchen.«

SCHMITZ STELLT SICH VOR

Ja, schönen Tach auch, freut mich! Ich glaube, wir haben uns doch schon mal … also, ich sag es noch mal: Dr. Arnulf Schmitz-Zceisczyk mein Name, sehr erfreut. Ich bin schon lange hier. Ich wohne ja hier am Tegernsee, also nicht nur in Tegernsee, sondern am See. Ich bin schon so lange hier, das ist ja schon alles nicht mehr wahr, nicht wahr. Hören Sie mal gut zu. Das war so, wir sind hierhergekommen, und da hat uns ein Bekannter, der war aus München, ein Steuerberater, der hat mir gesagt, da gäbs ein Schnäppchen direkt am See. Und da waren so Bauersleutchen drin, aber ich muss Ihnen sagen, ich konnte dann das Ding … weil also finanziell waren die ja verzweifelt. Ich habe also gesagt, na gut, ich bin so nett, ich gebe ihnen das Geld. Sie geben mir den Hof und ich zahl ihnen auch noch eine gewisse Leibesrente, nicht. Ich habe also diese Schaluppe gekauft. Das war wirklich eine Schaluppe, das kann man nicht anders sagen. Diese Leutchen haben hier gewohnt – was heißt gewohnt, die haben gehaust. Da waren Silberfische drin, da waren Borkenkäfer drin, alle möglichen Nager. Chaotisch! Also hygienisch war das eine Zumutung. Heute würde man sagen »Messie«, nicht wahr. Sukzessive haben wir das Haus dann auf Vordermann gebracht. Ich war damals noch in Celle, danach war ich in Göttingen. Dann musste ich rüber nach Westberlin. Meine Frau Annerose hat gesagt, du bist ja immer unterwegs. Ich war immer ambulant. Sie müssen sich vorstellen, beruflich bin ich ja im Finanzwesen. Dann musste ich nach New York, wieder rüber, Südafrika, von Südafrika nach München, und dann schnell zum Tegernsee, wieder gucken, wie entwickeln sich die Sachen da. Ich habe immer gut bezahlt, aber ich möchte für mein Geld auch Qualität. Ich lasse mich nicht vermaleduckeln. Ich hatte auch Bekanntschaft gemacht mit diesem Lucki. Der war so eine Art Aufseher. Der ist ja auch heute noch bei mir Hausmeister. Ich meine, ich habe sein Vertrauen gewonnen. Ich habe dem Mann ja damals schon immer zweitausend Mark im Monat gegeben, und dann ab und zu was zugesteckt, nicht wahr. Als meine Frau und ich eingezogen sind – das war anfangs … ich muss sagen, bis wir da so richtig einheimisch wurden, das hat sich hingezogen. Der Nachbarsmensch, der ist also auch – wie sagt man? – Bauer. Ja, er nennt sich Bauer und ist Nebenerwerbsbauer. Der fährt wie wild mit dem Traktor herum. Er hat diese Ziegen, da stinkt es heraus, diese Schafe, das Geblöke und das Gebimmel von den Kühen, also ich sage Ihnen, ich bin von Prozess zu Prozess gegangen. Ich habe vier Anwälte gebraucht, bis ich endlich mein Recht hatte und das Gebimmel aufgehört hat. Ich merkte da so eine gewisse … ich muss sagen, die Leute wurden feindselig. Jetzt gebe ich hier so viel Geld aus, da könnte man doch ein bisschen Freundlichkeit und Sympathie verlangen.

In Rottach ist doch bald wieder Volksfest, nicht wahr, ich werde mal gucken, ob ich da dabei sein kann. Wir legen nämlich Wert auf diese alte, bayerische Tradition. Da sind wir normal immer dabei, ich ziehe dann meine Trachtenjoppe an und dann ist es da so richtig zünftig. Wir haben auch den Platz schon bestellt, da sind alle Leutchen da. Die Hendrichs kommen auch, nicht wahr, die sind aus Gelsenkirchen. Das sind sehr nette Leute, die lieben auch dieses »Urige« – wie sagt man? – das »Gestandene«. Ich weiß nur nicht, ob ich hier wieder wegmuss. Ich muss ja wieder nach New York, weil wissen Sie, diese ganze Trostlosigkeit, die schwappt ja nach Europa über, nicht wahr. Der ganze Finanzbazillus, das ist heute nicht mehr so wie früher. Man kann sich heute nicht mehr einfach in eine Hängematte legen. Ich sage immer zu meiner Frau, ich weiß gar nicht, wie das weitergehen soll. Aber warten Sie mal, jetzt bestellen wir mal was Originelles: Kavalquiri – einen Kavalquiri! Also, Sie müssen unbedingt mal wieder hierherkommen. Dann nehmen wir uns auch die Zeit und ich zeig Ihnen die ganze Gegend. Das ist ja alles noch, wie soll man sagen, so richtig bayerisch … also dann, tschüss! Tschüüüss, tschö, ja, tschüsschen.

ANNEROSE

Ja, also das ist wirklich herrlich hier in Bayern, als die Göbbels bei uns waren, waren die auch ganz begeistert. »Ihr wohnt ja ganz wunderbar hier, Arnulf und du.« Dann sage ich, ja bei uns am Tegernsee, das ist natürlich landschaftlich schon … da könnt ihr nicht mithalten da oben – in Gießen.

SCHMITZ BEI MEIER-WANZ

Wir sind so um sieben bei Meier-Wanz, nicht wahr. Der Herr Meier-Wanz, der ist ja schon vor Jahren von Göttingen ausgewandert an den Tegernsee. Der ist ein alter Tegernseer, seine Frau ist aus Celle. Der hat uns zum Abendessen eingeladen. Und zwar sagte er, seine Frau, die kocht besonders, nicht, die hat so diese asiatischen Dinger … Ja nein, ich war schon gespannt, und meine Frau, die Annerose, vor allem die war gespannt, was es da gibt. Das war so … wissen Sie, mit Reis, Pappreis. Und dann waren da so bläuliche Kräu… nicht Kräuter, es war eher eine Art Kraut, und ich fragte, was ist denn das, gnä Frau. Da sagte die Frau Meier-Wanz, das sei von Schrilanka. Die essen das dort gegen die Hitze. Ja, aber bei uns ist es ja nicht so heiß. Nö, sagte sie, aber wenn jetzt die Klimaerwärmung kommt, dann ist das sozusagen ein Schutz. Prophylaktikum, hat sie gesagt. Ja, ist das denn schon Medizin, was Sie da machen?