Dr. Stefan Frank 2498 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book
Beschreibung

Und unsere Träume werden wahr - Wie Dr. Frank einem Paar zum großen Glück verhalf Eigentlich müsste Sina im siebten Himmel schweben. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Philipp erwartet sie ihr erstes Kind, die Hochzeit steht kurz bevor. Doch leider ist ihr Leben gerade alles andere als schön. Sie selbst liegt nach einem Unfall in der Münchner Waldner-Klinik, es besteht die Gefahr, dass sie ihr Baby verliert. Und nun ist auch noch Philipp spurlos verschwunden! Seit Tagen hat ihn niemand gesehen, auf seinem Handy ist er nicht erreichbar. In ihrer Not wendet sich Sina an Dr. Stefan Frank. Der engagierte Hausarzt verspricht ihr, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Philipp zu finden. Doch als es dann wirklich so weit ist und er vor dem Vermissten steht, stockt Dr. Frank für einen Moment der Atem ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:129


Inhalt

Cover

Impressum

Und unsere Träume werden wahr

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: g-stockstudio / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8019-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Und unsere Träume werden wahr

Wie Dr. Frank einem Paar zum großen Glück verhalf

Eigentlich müsste Sina im siebten Himmel schweben. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Philipp erwartet sie ihr erstes Kind, die Hochzeit steht kurz bevor. Doch leider ist ihr Leben gerade alles andere als schön. Sie selbst liegt nach einem Unfall in der Münchner Waldner-Klinik, es besteht die Gefahr, dass sie ihr Baby verliert. Und nun ist auch noch Philipp spurlos verschwunden! Seit Tagen hat ihn niemand gesehen, auf seinem Handy ist er nicht erreichbar. In ihrer Not wendet sich Sina an Dr. Stefan Frank. Der engagierte Hausarzt verspricht ihr, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Philipp zu finden. Doch als es dann wirklich so weit ist und er vor dem Vermissten steht, stockt Dr. Frank für einen Moment der Atem …

„Elias?“ Simon Steinlechner drehte sich einmal um die eigene Achse und spähte in jeden Winkel des Krankenzimmers. Nichts. Keine Spur von dem sechsjährigen Jungen, der am vergangenen Tag wegen eines anaphylaktischen Schocks in die Waldner-Klinik eingeliefert worden war. Das Bett des Kindes war leer.

Daneben schlief eigentlich Moritz, aber der bekam gerade einer Therapie und war nicht da – und somit auch keine Hilfe bei der Suche nach seinem Bettnachbarn.

„Elias? Melde dich, bitte.“ Simon öffnete die Schranktür. Auch hier war der Sechsjährige nicht. Allmählich wurde es dem jungen Krankenpfleger mulmig zumute. Die benachbarten Zimmer hatte er bereits abgesucht, bevor er noch einmal hierher zurückgekehrt war. Elias war nirgendwo zu entdecken.

Durch die Stationstür konnte er nicht verschwunden sein, die war abgeschlossen und musste für jeden extra geöffnet werden, der die Kinderstation betreten oder verlassen wollte. Elias musste hier noch irgendwo sein. Nur wo?

Elias war von einer Wespe gestochen worden und hatte danach unter starken Atembeschwerden gelitten, die bis in die Nacht angehalten hatten. Nun sollten seine Lungenfunktion geprüft und die Lunge geröntgt werden.

Offenbar fürchtete er sich davor.

Simon seufzte leise. Er liebte seinen Beruf von ganzem Herzen, aber manchmal waren die Kinder schwerer zu hüten als ein Sack voller Flöhe. An solchen Tagen fragte er sich, weshalb er nicht lieber Lokführer geworden war oder Maschinenbau studiert hatte.

„Elias? Jetzt ist nicht der Zeitpunkt zum Versteck spielen!“ Vom Flur drang Kichern herein. Luisa und Amelie steckten die Köpfe über ihren Puppen zusammen und plauderten. Die beiden Mädchen hatten sich auf der Kinderstation angefreundet und waren unzertrennlich geworden. Wo Elias war, wussten sie jedoch auch nicht.

Elias‘ Vater arbeitete die Woche über auf Montage. Seine Mutter war nur kurz heimgefahren, um dem Kleinen ein paar Sachen für das Krankenhaus zu holen. Sie würde in weniger als einer Stunde wieder da sein. Dann wollte Simon ihr nicht unter die Augen treten und gestehen müssen, dass er keine Ahnung hatte, wo sich ihr Sohn aufhielt.

Elias würde hoffentlich nicht mit einem Besucher heimlich hinausgeschlüpft sein, oder?

Suchend blickte Simon den Flur entlang.

„Hey, du.“ Sina kam aus einem der Zimmer und steuerte auf ihn zu. Ihr Lächeln schien diesen sonnigen Frühlingstag noch ein wenig heller zu machen. Sie hatte ihre braunen Haare ordentlich im Nacken zusammengeschlungen, aber die Enden standen fröhlich nach allen Seiten ab.

Sina arbeitete seit zwei Jahren als Kinderschwester in der Klinik am Englischen Garten. Mit ihrer warmherzigen, offenen Art fand sie stets rasch einen Draht zu ihren kleinen Patienten. Sie zwinkerte ihm zu – und sein Herz machte einen gewaltigen Satz, als wollte es ihr entgegenspringen.

„Suchst du etwas?“, erkundigte sie sich.

„Hm-m“, machte er.

„Wenn es zufällig knapp eins zwanzig groß ist, blonde Strubbelhaare und Bammel vor der Untersuchung hat, dann versteckt es sich dort in der Wäschekammer.“

In der Wäschekammer? Da hatte er doch nachgesehen!

Offenbar nicht gründlich genug.

Seine Kollegin deutete zu der Tür, hinter der etliche Regalmeter mit frischer Bettwäsche und Handtüchern gelagert wurden.

„Millie hat gesehen, wie Elias da reingegangen ist, sie hat es mir verraten. Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm.“

„Lass mal“, brummte Simon. „Ich soll Elias zur Untersuchung bringen. Ich werde ihn holen.“ Er strebte auf die Wäschekammer zu, öffnete die Tür und schaute sich um. Nichts. Gerade, als er sich zu seiner Kollegin umwenden und ihr sagen wollte, dass sich die kleine Millie geirrt haben musste, hörte er es.

Ein gedämpftes Schluchzen.

Es kam aus einer der hinteren Regalreihen.

Simon lenkte seine Schritte dorthin und entdeckte den Sechsjährigen. Elias lag zusammengerollt wie ein junger Igel im untersten Regalfach. So weit hinten, dass er kaum zu entdecken war.

„Elias?“ Simon kauerte sich vor das Regal. „Was machst du denn hier drin?“

Sein kleiner Patient schluchzte leise.

„Ich möchte zu meiner Mami.“

„Sie kommt nachher wieder her. Sie holt nur ein paar Sachen.“

„Bitte. Ich möchte zu meiner Mami.“

„Sie ist geschwind wie der Wind wieder hier. Versprochen. Komm hervor, Elias.“ Simon wollte nach dem Kind greifen, aber es kroch aufschluchzend tiefer in sein Versteck. Dicke Tränen rollten über seine Wangen. Verflixt. Beim Röntgen würde man schon auf ihn warten …

Während Simon noch überlegte, wie er seinen Patienten am besten hervorholen konnte, schob sich plötzlich Sinas Hand an seiner Schulter vorbei. Sie kauerte sich neben ihn, sodass sich ihr runder Sechs-Monats-Bauch unter ihrem Kittel abzeichnete. In der Hand hielt sie ein Wesen aus grauem und grünem Filz, das eine Zipfelmütze trug.

„Schau mal, wer dir hier gern Hallo sagen möchte, Elias“, sagte sie sanft.

Der Sechsjährige blickte unsicher auf.

„Das ist der graue Zwerg Heimweh. Fast alle Kinder auf der Station haben ihn schon kennengelernt.“

„Zwerg Heimweh?“, piepste Elias.

„Ja, so heißt er. Er weiß, dass du dein Zuhause vermisst, deine Eltern und deine Freunde. Das tut ihm leid. Er möchte dein Freund sein, solange du hier bist. Willst du ihn nehmen? Dann passt er auf dich auf, bis du wieder nach Hause darfst.“

Elias beäugte das Filzwesen unsicher. Es hatte große Kulleraugen und weit ausgebreitete Arme. Er nickte.

„Prima.“ Sina legte ihm den neuen Freund in den Arm. „Er darf auch mit zu deiner Untersuchung kommen.“

Elias krabbelte aus seinem Versteck – und Simon atmete auf.

Krise abgewendet.

Er nahm Elias an die Hand.

„Danke Sina“, wandte er sich an seine Kollegin. „Der graue Zwerg Heimweh also?“

„Auf die Idee bin ich vor ein paar Tagen gekommen. Als die kleine Millie so geweint hat. Ich habe ein paar Zwerge auf Vorrat genäht, weil ich mir dachte, wir könnten sie irgendwann brauchen. Sie liegen im Pausenzimmer in einer grünen Box. Greif ruhig zu, wenn du einen brauchen kannst.“

In Simons Brust meldete sich die Zuneigung wie ein ziehender Schmerz. So etwas konnte auch nur Sina einfallen: Sie hatte aus einer traurigen Erfahrung etwas gemacht, bei dem sich die kleinen Patienten beschützt fühlten.

Sie verließen zusammen die Wäschekammer.

Sina wollte davongehen, aber Simon hielt sie zurück.

„Hör mal, wir haben gleich Dienstschluss, und ich bin am Verhungern. Wollen wir nachher etwas zusammen essen? Irgendwo, wo man bei dem herrlichen Wetter draußen sitzen kann?“

„Ich habe schon etwas vor. Entschuldige.“ Sie eilte davon.

Simon blickte ihr mit brennenden Augen nach.

Bis vor drei Jahren waren sie ein Paar gewesen, aber dann hatte er es vermasselt – und zwar gründlich. Er hatte Sina verletzt, und dafür hätte er sich noch heute in den Hintern treten können. Auf eine zweite Chance brauchte er wohl nicht zu hoffen: Sina war inzwischen mit einem Anwalt verlobt, erwartete ein Baby und würde bald heiraten. Sie war vergeben. Aus und vorbei.

Oder etwa nicht?

Er war nicht davon überzeugt, dass ihr Verlobter der Richtige für sie war. Womöglich würde sie irgendwann erkennen, dass Simon und sie füreinander bestimmt waren? Er würde sich gedulden. Etwas anderes blieb ihm ohnehin nicht übrig, denn tief in ihm waren immer noch Gefühle für sie …

Jemand zupfte an seiner Hand. Elias brachte sich wieder in Erinnerung. Richtig, die Untersuchungen, besann er sich. Sie mussten sich sputen.

Simon brachte seinen kleinen Patienten zu den Tests.

Sein Herz jedoch folgte Sina.

***

Sina erledigte die Übergabe ihrer Station an ihre Kollegin von der Nachtschicht. Danach ging sie zu ihrem Spind im Schwesternzimmer und zog sich um.

Viele Arbeiten durfte sie wegen ihrer Schwangerschaft vorerst nicht durchführen. Die Arbeit mit Nadeln und Spritzen war ebenso tabu wie der Umgang mit infektiösen Patienten. Sina durfte keine Nachtdienste übernehmen und musste sich von Bereichen mit Strahlungsbelastungen fernhalten.

Zu tun gab es trotzdem genug für sie: Sie war zusammen mit Schwester Kerstin, die ebenfalls gerade schwanger war, für die Vorbereitung und Verteilung der Mahlzeiten zuständig und sprang bei der Grundpflege der Kinder ein.

Versonnen strich sie über ihren gewölbten Bauch. Noch sechzehn Wochen, dann durfte sie ihren kleinen Schatz endlich in den Armen halten. Die Zeit schien zu fliegen und verging doch nicht schnell genug …

Rasch hängte sie ihren Kittel und die weißen Hosen in den Spind und schlüpfte in ihre Umstandsjeans und eine luftige Tunika. Der Mai zeigte sich in diesem Jahr ungewöhnlich warm. Als wollte er sich für die Schneemengen entschuldigen, die der Winter gebracht und mit denen er das Leben und den Straßenverkehr tüchtig durcheinandergewirbelt hatte.

Sina löste ihren Haarknoten und bürstete ihre braune Mähne. In den ersten Monaten der Schwangerschaft waren ihre Haare brüchig gewesen. Jetzt jedoch glänzten sie und waren wunderbar seidig.

Sie hängte sich ihre Tasche um und schloss die Tür ihres Spinds. Feierabend! Sie wechselte noch ein paar Worte mit Antje und Laura, die sich ebenfalls gerade umzogen, dann trat sie hinaus in den Flur und spürte, wie ihr Herz weit wurde.

Ihr Verlobter hechtete im Korridor gerade hinter einem leuchtend roten Luftballon her. Er fing ihn und warf ihn zurück zu Tim, der in seinem Rollstuhl saß und ihn mit leuchtenden Augen auffing.

„Gut gemacht, Champion“, lobte Philipp und erntete ein breites Strahlen auf dem Gesicht des Neunjährigen. Tim litt an einer seltenen Erkrankung, die seine Muskeln schwächte. Er war häufig in der Waldner-Klinik Patient. Seine dünnen Beine hatten nicht mehr genügend Kraft, um ihn zu tragen, aber er blieb tapfer und lernte gut.

„Darf ich den Ballon behalten?“, fragte er scheu.

„Aber klar. Morgen spielen wir wieder eine Runde, einverstanden?“

„Oh ja.“ Tim legte den Ballon auf seinem Schoß ab, stemmte sich in die Räder und fuhr zu seinem Zimmer.

„Hallo, Spatz.“ Philipp gab Sina einen Kuss und sah sie mit einem liebevollen Funkeln in den Augen an. „Bist du fertig?“

„Für heute ja.“

„Im Englischen Garten findet heute ein Flohmarkt statt. Ich habe mir überlegt, wir lassen das Renovieren heute einmal sein und bummeln stattdessen zwischen den Ständen. Danach besorgen wir uns eine Pizza, nehmen sie mit nach Hause und machen es uns gemütlich. Wie klingt das?“

„Nach einem perfekten Abend.“ Sina hakte sich bei ihrem Verlobten unter und verließ mit ihm die Klinik.

Philipp und sie hatten im selben Fitnessstudio trainiert und sich dort kennengelernt. Sina hatte sich nach der Trennung von Simon dort angemeldet, um sich auszupowern und auf andere Gedanken zu kommen. Irgendwann waren Philipp und sie ins Gespräch gekommen und hatten rasch gemerkt, dass sie auf einer Wellenlänge lagen und sich über alles miteinander austauschen konnten.

Ihre Verabredungen hatten immer länger und länger gedauert, aber nie lange genug. Nach einem Jahr hatten sie erkannt, dass sie sich nicht mehr trennen wollten, und waren zusammengezogen. Seitdem war ihre Beziehung noch inniger geworden.

Philipp holte sie vom Dienst ab, wann immer seine Zeit es zuließ. Sie renovierten zusammen ihre Wohnung, malerten und bauten Möbel auf, wobei Philipp sie immer weniger helfen ließ. Sie teilten alles miteinander, und Sina war unendlich dankbar, dass sie so gut harmonierten.

Mit seinen dunklen Haaren, dem gepflegten Bart und dem innigen Funkeln in den Augen war Philipp ihr Traummann. Bei ihm fühlte sie sich geborgen. Sie wusste, dass er sie auffangen würde, wenn sie fiel. So, wie sie es auch mit ihm tun würde.

„Wie war es heute bei Gericht?“, erkundigte sie sich, während sie ihre Schritte aus dem Krankenhaus lenkten.

„Frag nicht“, seufzte er. „Bei meinem ersten Fall hatte ich Richter Zimmermann. Du weißt schon, der immer zahllose Gutachten in Auftrag gibt, ehe er zu einem Urteil kommt. Der Prozess wird sich vermutlich bis zum Winter hinziehen. Und bei der zweiten Verhandlung ist der Angeklagte gar nicht erst aufgekreuzt.“

„Schon wieder? Das war das dritte Mal, oder?“

„Und ob. Der Richter war nicht erfreut. Das nächste Mal wird er von der Polizei vorgeführt. Dann gibt es kein Drücken mehr.“ Philipp legte einen Arm um ihre Taille und zog sie liebevoll zu sich heran. „Und wie war dein Tag?“

„Abgesehen von der Hitze? Sehr gut.“ Sina strich sich die Haare aus der Stirn.

Vor ihnen tauchten eine Reihe von Tischen und Ständen auf, die sich unter einer bunten Vielfalt an Waren bogen. Da warteten Kisten voller Bücher und Porzellan auf Käufer. Spielwaren, Kerzenleuchter und gebrauchte Kleidungsstücke … Der Flohmarkt bot für jedes Herz und jeden Geldbeutel etwas.

Das warme Wetter lockte zahlreiche Menschen ins Freie. Mädchen rollten auf Inlineskates über die Wege, daneben waren Jogger und Urlauber unterwegs, die Fotos schossen. Unter einem blühenden Kirschbaum saß ein Mann mit einer Gitarre und spielte. Der Englische Garten war bei Groß und Klein beliebt. Überall blühte und grünte es. Von den Magnolien wehte ein herrlich süßer Duft herüber.

„Oh, sieh mal!“ Sina deutete zu einem Stand, an dem selbstgemachte Knabberstangen für Vögel angeboten wurden. „Das wäre doch etwas für unsere Wellis, oder?“

Ihr Verlobter war schon dabei, nach seinem Portemonnaie zu suchen. Sie erstanden eine Tüte mit der Leckerei. Sie hatten die beiden Wellensittiche seiner Großmutter übernommen, als diese in eine Seniorenresidenz am Rand von Grünwald gezogen war.

Carli und Lotte waren so zutraulich, dass sie frei in der Wohnung fliegen durften. Einmal war ihnen Carli entwischt und hatte einen Nachmittag draußen im Birnbaum verbracht, ehe er abends wieder in seinen Käfig geflogen war, als könnte es gar nicht anders sein. Lotte war nicht so abenteuerlustig, ließ sich dafür aber liebend gern den fedrigen Bauch kraulen.

Arm in Arm schlenderten sie weiter. Sina schmiegte sich an ihren Verlobten und fühlte, wie das Glück bis in ihre Fingerspitzen hinein pulsierte.

Plötzlich fiel ihr Blick auf eine Lampe. Auf den zarten lindgrünen Stoff des Schirms waren kleine Eichhörnchen aufgestickt. Der Fuß war aus dunkelgrünem Porzellan.

„Wie niedlich!“ Sina war hin und weg. „Die würde sich wunderbar für unser Kinderzimmer eignen. Als hätten wir ein Stück vom Wald mitten im Zimmer. Oh, hoffentlich ist sie nicht zu teuer. Die müssen wir haben.“

„Sie sieht aus wie handbestickt. Billig wird sie vermutlich nicht sein. Fragen wir.“ Philipp trat neben ihr an den Stand und erkundigte sich nach dem Preis der Lampe.

Die Verkäuferin warf einen lächelnden Blick auf Sinas sanft gerundete Mitte, dann nannte sie ihnen einen Betrag, der vertretbar war. Sie bezahlten und bekamen eine Papiertüte mit ihrem Einkauf und vielen guten Wünschen überreicht.

Sina blieb neben einer Bank stehen und schaute ihren Kauf entzückt an.

„Wir sollten das Kinderzimmer im passenden Grün streichen“, überlegte sie. „Das würde bestimmt wunderbar aussehen und wäre sicherlich auch sehr beruhigend.“

„Das Kinderzimmer grün anstreichen? Ist nicht dein Ernst!“

„Natürlich. Die Lampe muss zum Rest des Zimmers passen.“

„Dir ist schon klar, dass ich das Zimmer erst letzte Woche in Hellblau gestrichen habe, oder?“

„Freilich, aber dann streichen wir es eben noch mal.“