Dr. Stefan Frank 2499 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book
Beschreibung

Feld der Träume - Hier fand Svenja neue Kraft Mit gesenktem Kopf sitzt Svenja vor dem Schreibtisch des Grünwalder Hausarztes Dr. Stefan Frank. Sie fühlt sich wie erschlagen, zu allem fehlt ihr die Energie. Momentan prasselt scheinbar alles Schlechte auf sie ein: Erst hat ihre Lieblingskollegin ihr den Freund ausgespannt, und nun hat Svenja auch beruflich eine äußerst schmerzhafte Niederlage einstecken müssen. Zu allem Überfluss macht ihr der ständige Stress so sehr zu schaffen, dass sie dadurch nach und nach ihren eigenen Körper ruiniert. Mittlerweile fühlt sie sich wie eine alte Frau, und dabei ist sie gerade einmal achtundzwanzig! Mitfühlend blickt Dr. Frank seine Patientin an. Er kann gut nachvollziehen, wie es in ihr aussieht. Und er hat auch eine Idee, wie und wo die junge Frau neue Kraft tanken könnte. Aber wird sich Svenja darauf einlassen, aus ihrem Alltag auszubrechen und alles auf eine Karte zu setzen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:121


Inhalt

Cover

Impressum

Feld der Träume

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Paffy69 / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8020-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Feld der Träume

Hier fand Svenja neue Kraft

Mit gesenktem Kopf sitzt Svenja vor dem Schreibtisch des Grünwalder Hausarztes Dr. Stefan Frank. Sie fühlt sich wie erschlagen, zu allem fehlt ihr die Energie. Momentan prasselt scheinbar alles Schlechte auf sie ein: Erst hat ihre Lieblingskollegin ihr den Freund ausgespannt, und nun hat Svenja auch beruflich eine äußerst schmerzhafte Niederlage einstecken müssen. Zu allem Überfluss macht ihr der ständige Stress so sehr zu schaffen, dass sie dadurch nach und nach ihren eigenen Körper ruiniert. Mittlerweile fühlt sie sich wie eine alte Frau, und dabei ist sie gerade einmal achtundzwanzig!

Mitfühlend blickt Dr. Frank seine Patientin an. Er kann gut nachvollziehen, wie es in ihr aussieht. Und er hat auch eine Idee, wie und wo die junge Frau neue Kraft tanken könnte. Aber wird sich Svenja darauf einlassen, aus ihrem Alltag auszubrechen und alles auf eine Karte zu setzen?

„Da sind Sie ja endlich, Frau Künkel. Würden Sie mir hier rasch eine Unterschrift geben?“

Die Sekretärin redete so schnell, dass Svenja ein sanfter Schwindel ergriff. Die Worte schienen sich gegenseitig zu jagen.

„Das ist die Präsentation für die Eiscafé-Werbung. Herr Dörner will Sie außerdem um neun Uhr zu einem kurzen Nachgespräch treffen. Soweit ich im Bilde bin, geht es um die Festival-Kampagne. Ihn interessiert Ihre Meinung dazu. Ach ja, und morgen habe ich übrigens frei. Kindergeburtstag meiner ältesten Tochter.“

Überrumpelt zeichnete Svenja Künkel ihren Namen unter das Protokoll. Sie hatte noch nicht mal ihre Tasche abgelegt. Ihre Handschrift zeigte große, geschwungene Lettern. Einmal hatte ihr ein Mann gesagt, dass ihre Unterschrift von einem starken Selbstbewusstsein zeuge. Ein anderer Mann hatte behauptet, ihre Schrift würde verraten, dass sie eine Karrierefrau war.

Svenjas Assistentin hastete mit dem unterschriebenen Papier davon. Es war gerade mal halb neun. Schon hielten Hektik und Zeitdruck Svenja Künkel mit eisernen Klauen umschlungen.

Die junge Frau betrat kurzatmig ihr Gemeinschaftsbüro mit traumhaftem Blick hinaus auf die Isar. Sie hatte heute keinen Sinn für die Schönheit der Natur. Auf ihrem Tisch stapelte sich unerledigte Arbeit. Seufzend hängte Svenja ihre Ledertasche an den Kleiderhaken.

„Hallo, Kate!“ Sie nickte ihrer Arbeitskollegin freundlich zu. Kate war vermutlich schon um acht zur Arbeit gekommen.

Die hübsche Kate mit ihren smaragdfarbenen Augen, dem lockigen kastanienbraunen Haar und dem beeindruckenden Ausschnitt hob die Hand lässig zu einem morgendlichen Gruß. Kates hübscher Anblick entlockte Svenja ein erleichtertes Lächeln.

Das Leben hatte es in den letzten Monaten nicht gut mit Svenja Künkel gemeint. Ihr Freund Ricki hatte sie vor drei Monaten völlig aus dem Nichts verlassen. Dass sie ihn täglich in der Agentur sah, machte das Ganze nicht wirklich leichter.

In der Werbeagentur, in der sie arbeitete, häuften sich die Aufträge auf ihrem Tisch. Es war mehr, als Svenja stemmen konnte. Nachts verfolgte die unerledigte Arbeit sie bis in den Schlaf. Sie hatte Albträume, aus denen sie mit einem heiseren Schrei jäh erwachte. Morgens fühlte sie sich dünnhäutig, schwach und neben der Spur. Ihr Leben war zu einem Kraftakt geworden.

Svenja gähnte verhalten. Sie massierte sich das verspannte Kiefergelenk. In ihrem Kopf pulsierte ein hässlicher Schmerz, im Ohr dröhnte ein lästiges Brummen. Erschöpft nahm die Achtundzwanzigjährige auf ihrem Bürostuhl Platz. Der Tag hatte noch nicht mal richtig begonnen, und sie war bereits reif für die Insel.

Svenja schaltete ihren Computer ein. Während er hochfuhr, spielte sie gedankenverloren mit dem Ring an ihrem Finger. Wann endlich würde sie so weit sein, Rickis Ring endgültig abzulegen? Wann würde sie in der Lage sein, einen Schluss-Strich unter diese gescheiterte Beziehung zu ziehen?

Offenbar war der Tag noch nicht gekommen, denn wie jeden Morgen hatte Svenja auch heute den auffälligen Diamantring übergestreift. Sie würde in dem Moment über das Ende ihrer Partnerschaft hinweg sein, in dem sie den Ring für immer abnahm …

Sie sah zu Kate hinüber, deren Finger eifrig über die Tastatur galoppierten.

„An was arbeitest du?“, erkundigte sich Svenja. Sie war froh, dass es Kate in ihrem Leben gab. Auch wenn sie beide keine wirklichen Freundinnen waren und ziemlich wenig voneinander wussten. Aber Kate war die tollste Kollegin, die man sich nur vorstellen konnte.

Oft saßen sie zusammen neun oder sogar zehn Stunden im gleichen Raum. Aber immer war die Atmosphäre zwischen ihnen wohlwollend und herzlich.

„Herr Dörner hat mich gebeten, eine Kostenkalkulation zu erstellen. Wann lässt er mich endlich mal eine eigene Präsentation machen?“ Unglücklich sah die Kollegin sie an.

Svenja lächelte tröstend. Obwohl sie beide das gleiche Alter hatten, war sie allein es, die der Agenturbesitzer Roland Dörner mit den ganz großen Kunden arbeiten ließ. Aber das lag auch daran, dass Svenja schon seit drei Jahren hier angestellt war. Außerdem hatte sie eine beeindruckende Vita.

Ihr Abitur hatte Svenja bereits mit sechzehn gemacht. Danach hatte sie in Paris, London und Frankfurt studiert und ein Volontariat in einer der besten Werbeagenturen Deutschlands begonnen.

Ein Headhunter hatte sie noch vor Ende ihrer Ausbildungszeit abgeworben, und seither arbeitete sie voller Elan für den Münchner Ableger der renommierten Werbeagentur EYECATCH.

Die Biografie ihrer Kollegin Kate war ebenfalls ansehnlich. Die Halbamerikanerin hatte in New York studiert und ihr Volontariat in der Werbeagentur eines Onkels gemacht. Doch dann war das Unternehmen wegen Steuerhinterziehung in Verruf geraten – und Kate war mit wehenden Fahnen zu Dörners Agentur übergelaufen.

Nun musste sie vor allem Rechnungen schreiben und Kundenkontakte pflegen. Aber eigene Werbestrategien entwickeln, das durfte sie noch nicht.

„Du bist ja noch nicht so lange hier …“, suchte Svenja nach einer Erklärung. „Und wenn Frau Dörner erst in Elternzeit geht, wird sich hier sowieso einiges ändern …“

Herr Dörner war in zweiter Ehe mit einer jungen Frau verheiratet, die im sechsten Monat schwanger war. Es kursierten Gerüchte, dass der Posten als Co-Chefin an jemanden aus der Firma gehen würde, wenn die schwangere Vorgesetzte erst einmal von der Bildfläche verschwunden war.

Insgeheim hoffte Svenja natürlich, dass sie die Auserwählte sein würde. Aber es gab viele fähige Kollegen im Team. Am Ende würde es womöglich Ricki werden. Ricki … Es schmerzte immer noch, an ihn zu denken.

„Wow!“ Erst jetzt entdeckte Svenja den neuen Ring an Kates Finger. „Hast du mir da etwa etwas verheimlicht?“ Sie zwinkerte der netten Kollegin verschwörerisch zu. Es war ein filigraner Diamantring, der gerade wegen seiner zurückhaltenden Art ins Auge stach. Er ähnelte dem Ring an Svenjas Finger.

Kate wand sich sichtlich unter Svenjas Blick.

„Ja, es gibt da in der Tat etwas, was ich dir beichten muss …“, sagte sie mit einem gequälten Ernst in der Stimme.

Svenja kam Kates verlegenes Verhalten unangemessen vor. Ja, sie redeten so gut wie nie über ihr Privatleben. Und auch wenn Kate sie damals nach der Trennung oft getröstet und mit lustigen Sprüchen aufgebaut hatte – Svenja wusste kaum etwas über Kates Männergeschichten.

Kate musste ihr nichts beichten. Sie hatte ein Recht auf ihre Privatsphäre, und Svenja erwartete überhaupt nicht, dass Kate ihr irgendetwas über ihr Liebesleben verriet.

Aber ehe Svenja Kate davon abhalten konnte, stand diese schon auf und ging zielstrebig zur offenen Tür. Sie machte sie zu und blieb mit unheilverkündender Miene vor Svenja stehen.

„Du kündigst doch nicht etwa?“, riet Svenja wahllos ins Blaue hinein. „Oder bist du schwanger?“ Kate sah nicht schwanger aus. Aber es gab keinen plausiblen Grund, warum sie so ein Tamtam um die Sache machen musste.

Es ging doch nur um den teuren Ring. Sie hatte doch nicht etwa eine heimliche Affäre mit Dörner?

„Du hast aber nicht etwa mit Dörner geschlafen!“, witzelte Svenja amüsiert. Ihnen war beiden klar, dass der plumpe und cholerische Chef kaum eine Chance bei der hübschen Kate hätte.

„Ich bin mit Ricki zusammen.“

Der Satz explodierte im Raum. Er verschluckte für einen Moment alles. Die Gesprächsfetzen der Kollegen im Nachbarbüro waren nur noch ein fernes Flüstern. Svenja hörte ihren eigenen Atem nicht mehr.

„Ich verstehe nicht“, brachte Svenja tonlos hervor. Sie verstand sehr wohl. Aber sie konnte und wollte es einfach nicht glauben. Nicht Kate, nicht die Kollegin, die ihr am liebsten war!

Kate hatte zumindest den Anstand, knallrot zu werden. Unbehaglich wich sie Svenjas schockiertem Blick aus. Verlegen versteckte sie die Hand mit dem verräterischen Ring in ihrer Hosentasche.

Dann ging Kate erneut um den Tisch herum und setzte sich auf ihren Platz gegenüber. Wie stellte sie sich das eigentlich vor? Sollten sie zwei nun weiter Seite an Seite arbeiten, als sei nichts geschehen?

Aus leeren Augen sah Svenja sie an. Ihr war das letzte Stück Würde genommen worden.

„Seit wann seid ihr zusammen?“, fragte sie mit bebender Stimme. Ein kläglicher Laut arbeitete sich von ihrer Herzgegend hoch zu ihrem Mund. Aber sie schaffte es, das Schluchzen tapfer wieder hinunterzuschlucken. „Doch nicht schon seit dem Betriebsausflug?“

Die Agentur hatte vor zwei Wochen einen Ausflug mit dem Schiff über den Ammersee gemacht. Danach waren sie noch auf Kloster Andechs gewesen. Es war ein feuchtfröhlicher Nachmittag geworden, und natürlich hatten die Kollegen wild miteinander geflirtet.

Hatten Ricki und Kate sich nach dem Ausflug nicht ein Taxi geteilt? Womöglich war Ricki da mit Kate angetrunken nach Hause gefahren …

„Seit drei Monaten“, antwortete Kate.

Svenja entfuhr ein hysterisches Lachen. Sie hatte sich Kate anvertraut und ihr ihren größten Liebeskummer gestanden. Hier in diesem Büro hatten sie zwei zusammengesessen, und Kate hatte Svenjas Tränen getrocknet. Und jetzt erfuhr sie, dass Kate selbst der Grund ihrer Trennung gewesen war?

Auf einmal war alles völlig plausibel und schlüssig. Sie verstand, warum Ricki plötzlich länger als üblich in der Agentur geblieben war. Hier hatte er eine neue Liebe gefunden! Und sie kapierte, weshalb Kate sie gedrängt hatte, Ricki nicht hinterherzuspionieren. Irgendwann würde er ihr den Grund für die Trennung ganz sicher sagen, hatte sie gemeint. Kates beruhigende Worte klangen ihr noch deutlich im Ohr.

Natürlich, die Kollegin hatte kein gesteigertes Interesse daran gehabt, dass Svenja die Wahrheit frühzeitig erfuhr.

Nun aber hatte Kate die Bombe doch platzen lassen. Für einen Moment hatte Svenja das Gefühl, zu ersticken.

Das Telefon ging. Kate hob ab und sprach mit dem Kunden, als hätte sie nicht gerade Svenjas Welt aus den Angeln gehoben. Sie lachte perlend in den Hörer, als hätte sie nicht Svenja den Freund ausgespannt.

Svenja war zu verletzt, um ihre Kollegin hassen zu können. Es war eine tiefe Traurigkeit und Erschöpfung, die über sie kam. Noch eine schallende Ohrfeige des Schicksals, die sie irgendwie wegstecken musste.

Wie ein Zombie erledigte sie ihren E-Mail-Eingang. Wie ein Zombie ging sie um neun zu ihrem Treffen mit Dörner. Ihr Vorgesetzter merkte nichts von ihrer Erschütterung.

Im Alltag der Agentur war kein Platz für persönliche Krisen oder schwache Momente. Der Laden musste laufen, mehr interessierte Dörner nicht. Er schob ihr wohlwollend die Mappe der Firma Le Figaro über den Schreibtisch.

Unsicher sah Svenja ihn an.

„Deine erste richtig große Präsentation! Ein bisschen mehr Freude hätte ich schon erwartet!“

Le Figaro war eine international erfolgreiche Gin-Marke, und Svenja sollte versuchen, den Auftrag zu ergattern.

„Gin?“, murmelte sie.

„Ja, ich weiß …“ Dörner zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Nicht gerade einfach, in einer Zeit, in der es Hunderte unterschiedliche Gin-Marken gibt. Aber wir wachsen mit unseren Aufgaben, nicht wahr? Das ist dein Moment, um der Agentur die ganze Bandbreite deines Könnens zu zeigen. Überleg dir eine gute Strategie, wie man Gin bewerben kann. Wenn wir den Auftrag bekommen, stehen dir bei EYECATCH alle Türen weit offen, Svenja!“

Das war er gewesen. Der Hinweis, dass sie tatsächlich als Schwangerschaftsvertretung für Frau Dörner gehandelt wurde. Sie sehnte sich so sehr nach diesem Job! Auch wenn der Führungsposten noch mehr Arbeit für sie bedeuten würde. Aber ein Chefposten würde ihr endlich das Ansehen verschaffen, das sie verdiente. Er würde ihr den Respekt einbringen, den sie sich verzweifelt wünschte. Und natürlich würde sie auch mehr Geld bekommen als bisher.

Svenja schaffte es, so etwas wie ein Lächeln in ihr trauriges Gesicht zu zaubern. Gestern Nacht, als sie aus einem schrecklichen Traum hochgeschreckt war, hatte sie gedacht, sie wäre endgültig am Nullpunkt gelandet. Seit Kates Eröffnung wusste sie, es ging noch eine Ebene tiefer.

Trotzdem riss sie sich zusammen und schüttelte ihrem Chef dankbar die Hand. Es freute sie, dass er ihr zutraute, den wichtigen Kunden an Land zu ziehen.

Schon auf dem Weg zurück in ihr Büro purzelten Ideen und Gedanken wild durch ihren Kopf. Sie bastelte bereits an einem passenden Slogan. Als sie sich an ihren Computer setzte, war Kate zum Glück nicht mehr da. Vermutlich besuchte sie Ricki einen Stock höher.

***

„Oh, welch seltener Glanz in meiner Hütte!“ Dr. Stefan Frank streckte Pascal Meininger erfreut die Hand entgegen.

Er hatte den jungen Mann das letzte Mal vor eineinhalb Jahren gesehen. Damals war es immer noch um die Spätfolgen seines schlimmen Autounfalls gegangen. Inzwischen war dieser dramatische Vorfall aber wohl endgültig Geschichte. Laut Patientenakte war Pascal wegen einer Impfung hier.

„Setzen Sie sich, Pascal! Wie geht es Ihnen?“ Neugierig sah Stefan seinen Patienten an. In der Zwischenzeit hatte der junge Mann sich optisch ziemlich verändert.

Hatte er zu Beginn seiner Behandlung noch einen akkuraten Kurzhaarschnitt getragen, so trug er inzwischen einen dunklen Zopf. Er hatte einen nachlässigen, aber attraktiven Dreitagebart. Sein Handgelenk zierten farbige Lederarmbänder. Pascal Meininger hatte etwas von einem Großstadtindianer. Ein Geruch nach Lagerfeuer, selbst gebackenem Brot und Freiheit ging von ihm aus.

„An und für sich geht es mir sehr gut!“ Pascal lehnte sich entspannt im Besucherstuhl zurück. Seine azurblauen Augen musterten den Hausarzt freundlich. „Die Albträume sind zum Glück völlig verschwunden.“

Erleichterung kam über Dr. Frank. Lange Zeit hatte der ehemalige Bankangestellte an nächtlichen Panikattacken gelitten. Auslöser war besagter Autounfall gewesen.

Vor drei Jahren war bei der Rückfahrt von einem Finanzkongress ein Geisterfahrer in Pascals Firmenwagen gerast. Seine zwei Kollegen waren damals noch an der Unfallstelle verstorben. Nur Pascal war mit einem Schleudertrauma und einem gebrochenen Arm davongekommen. Allerdings quälten ihn die seelischen Narben bis heute.

„Die Psychopharmaka habe ich schon vor längerer Zeit abgesetzt“, erklärte Pascal zu Stefan Franks großem Erstaunen. „Inzwischen schaffe ich es auch wieder ohne medikamentöse Unterstützung.“

„Wirklich?“ Dr. Frank nickte beeindruckt. So hatte sich der Weg, den sein Patient damals eingeschlagen hatte, offenbar genau als der richtige erwiesen.