Dr. Stefan Frank 2549 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2549 - Arztroman E-Book

Stefan Frank

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1,49 €

Beschreibung

Die schwangere Henny zieht aus dem trubeligen Schwabing ins beschauliche Grünwald, um dort ihr Kind aufzuziehen. Sie sucht einen neuen Hausarzt und stößt auf Dr. Frank. Ihm vertraut sie an, dass sie sich bereits vor dem Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft von ihrem eifersuchtskranken und aufbrausenden Freund getrennt hat. Nur durch die Schwangerschaft lässt Henny ihrem noch ungeborenen Baby zuliebe wieder eine leichte Annäherung zu - allerdings mit Vorsicht. Ihr Ex ist unberechenbar. Zum Glück findet sie in ihrem Nachbarn Torben einen Freund und Beschützer. In welche Gefahr sich Torben aber mit der Liebe zu Henny begibt, ahnen beide nicht ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 130




Inhalt

Cover

Impressum

Zwischen zwei Männern

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Dmytro Zinkevych / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9573-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Zwischen zwei Männern

Findet Henny heraus, wer der Richtige für sie ist?

Die schwangere Henny zieht aus dem trubeligen Schwabing ins beschauliche Grünwald, um dort ihr Kind aufzuziehen. Sie sucht einen neuen Hausarzt und stößt auf Dr. Frank. Ihm vertraut sie an, dass sie sich bereits vor dem Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft von ihrem eifersuchtskranken und aufbrausenden Freund getrennt hat. Nur durch die Schwangerschaft lässt Henny ihrem noch ungeborenen Baby zuliebe wieder eine leichte Annäherung zu – allerdings mit Vorsicht. Ihr Ex ist unberechenbar.

Zum Glück findet sie in ihrem Nachbarn Torben einen Freund und Beschützer. In welche Gefahr sich Torben aber mit der Liebe zu Henny begibt, ahnen beide nicht …

Henny Kuhlmann brauchte einen Moment, ehe sie nach dem Aufwachen wieder wusste, wo sie war. Sie blinzelte in das grelle Licht, das durch die noch vorhanglosen Fenster fiel und wälzte sich stöhnend von der Matratze. Mit dem schon beachtlichen Schwangerschaftsbauch fiel ihr das Hochkommen schwer. Dabei war sie erst im sechsten Monat. Das kann ja noch heiter werden, dachte Henny und strich sich lächelnd über den Bauch.

„Nicht mehr so viel wachsen, meine Kleine“, murmelte sie zärtlich.

Sie musste über einige halbausgepackte Umzugskisten steigen, ehe sie ins Bad gehen konnte. Nur gut, dass heute Nachmittag ihre Freundin kommen würde, um ihr beim Einräumen zu helfen.

Nach dem Duschen kochte sich Henny einen Tee. Gestern Abend hatte sie es nur noch geschafft, ihre Matratze auf den Boden zu legen und ein paar Küchenutensilien auszupacken, so konnte sie sich wenigstens in dem ganzen Chaos um sie herum ein kleines Frühstück zubereiten.

Henny überlegte, wohin sie die Visitenkarte des neuen Arztes gesteckt hatte, die sie gestern von der freundlichen Nachbarin, Frau Trautmann, bekommen hatte.

Als sie an Frau Trautmann dachte, musste Henny lächeln. Die alte Dame war sofort zu ihr herübergekommen, kaum dass der Umzugswagen davongefahren war. Mit einem frischgebackenen Kuchen und einer Thermoskanne Kaffee hieß sie die neue Nachbarin willkommen. In der Stunde, die sie mit Henny verbrachte, hatte diese viel über ihren neuen Wohnort Grünwald erfahren, denn Frau Trautmann war schon hier geboren, kannte jeden und wusste alles. So hatte ihr die alte Nachbarin auch einen Hausarzt, der nur drei Straßen weiter seine Praxis hatte, empfohlen.

„Kindchen, gehen Sie mal zu Doktor Frank“, hatte sie gesagt. „Einen besseren Arzt finden Sie nicht, außerdem ist er auch noch Geburtshelfer. Das kann ja auch nicht schaden in Ihrem Zustand.“

Eigentlich hatte Henny vorgehabt, ihre alte Hausärztin in München zu behalten, aber ein Arzt ganz in der Nähe des Wohnortes war bestimmt praktischer, deshalb wollte sie dem Tipp von Frau Trautmann gerne folgen.

Endlich fand sie in den Tiefen ihrer Handtasche die Karte mit der Adresse.

Henny wählte die dort abgedruckte Nummer; vielleicht könnte sie ja noch in dieser Woche einen Termin bekommen, denn dann musste sie wieder zur Arbeit.

„Praxis Dr. Stefan Frank, Sie sprechen mit Marie-Luise Flanitzer“, meldete sich eine sympathische Stimme.

„Servus, mein Name ist Henny Kuhlmann. Ich bin gerade nach Grünwald gezogen und suche einen neuen Hausarzt. Ich wollte fragen, ob ich eventuell noch in dieser Woche einen Termin bei dem Doktor bekommen kann.“

„Lassen Sie mich mal nachschauen, Frau Kuhlmann. – Ah, ja. Ich sehe gerade, dass ein Patient abgesagt hat. Ist es Ihnen möglich in zwei Stunden bei uns zu sein?“

„Oh! So schnell. Aber ja, das kann ich schaffen. Sie sitzen in der Gartenstraße, richtig?“

„Ja. Denken Sie bitte an Ihre Versichertenkarte. Wenn Sie alte Krankenunterlagen haben, bringen Sie diese doch bitte auch mit.“

„Unterlagen habe ich nicht, nur einen Mutterpass. Ich bin im sechsten Monat schwanger.“

„Wie schön. Herzlichen Glückwunsch. Haben Sie denn Beschwerden?“

„Nein, nein, bisher läuft alles wie im Lehrbuch, sagt meine Frauenärztin. Ich habe auch sonst keine Probleme; ich suche nur schon mal vorsorglich nach einem neuen Hausarzt.“

„Gut, dann sehen wir uns in zwei Stunden.“

Bevor Henny die Wohnung verließ, räumte sie noch zwei Küchenkisten aus und verstaute alles in den Einbauschränken, die sie vom Vormieter übernommen hatte.

Pünktlich stand sie in der Praxis von Dr. Stefan Frank. Henny war angenehm überrascht von den hellen und freundlichen Räumlichkeiten, die so gar nichts von der eher dunklen und rein funktionalen Praxis ihrer alten Hausärztin hatten.

Von einer älteren Sprechstundenhilfe, die sich als Martha Giesecke vorstellte, bekam sie einen Datenschutzbogen, den sie im Wartezimmer lesen und unterschreiben sollte.

Kurze Zeit später forderte Martha Giesecke sie auf, ihr in das Arztzimmer zu Dr. Stefan Frank zu folgen.

Der Mediziner, der hinter seinem Schreibtisch gesessen hatte, erhob sich und reichte ihr mit einem freundlichen Lächeln die Hand. Auf den ersten Blick fand Henny den hochgewachsenen, dunkelblonden Mann sympathisch.

„Frau Kuhlmann, bitte nehmen Sie Platz“, sagte er mit einer angenehm tiefen Stimme. „Schwester Martha sagte, dass Sie neu in unserem schönen Grünwald sind und nach einem Hausarzt suchen. Und wie ich sehe, wird Grünwald bald noch einen Neubürger haben. Wann ist es denn so weit?“ Er lächelte seine neue Patientin freundlich an.

„Keine drei Monate mehr.“

„Und, wissen Sie schon, was es wird?“

„Ja“, antwortete Henny lächelnd. „Ich bekomme ein Mädchen.“

Dr. Frank lächelte erneut. „Ich nehme an, Sie werden in der Schwangerschaft von einer Gynäkologin betreut?“

Henny nickte. „Ja, durch Frau Dr. Jansen in München, da habe ich vorher gewohnt.“

„Sind Sie des Kindes wegen in eine ländlichere Umgebung gezogen?“

„Schwabing ist zwar wunderschön, aber mit einem Kind dann doch nicht so ideal.“

„Das kann ich gut verstehen“, entgegnete Dr. Frank. „Auch wenn Sie eine Gynäkologin haben, würde ich trotzdem gern einen Blick in Ihren Mutterpass werfen. Haben Sie ihn dabei?“

Henny zog das Dokument aus der Handtasche und reichte es dem Arzt. Dr. Stefan Frank las die Daten aufmerksam durch, dann lächelte er.

„Das sieht alles bestens aus. Haben Sie irgendwelche Beschwerden?“

„Nein, mir geht es gut. Die ersten zwei Monate waren etwas anstrengend, weil mir ständig übel war, aber jetzt ist die Übelkeit verschwunden. Ich merke allerdings langsam, dass ich unbeweglicher werde. Die Kleine nimmt schon recht viel Platz ein.“

„Sie sind ja auch eine sehr zarte Person“, erwiderte Dr. Frank und lächelte seine hübsche Patientin an. „Sie arbeiten noch?“

„Diese Woche habe ich Urlaub für den Umzug, aber dann gehe ich wieder ins Büro. Erst in drei Wochen beginnt mein Mutterschutz.“

Dr. Frank nickte und machte sich derweil Notizen in der Patientenakte.

„Haben Sie mit Ihrem Partner schon überlegt, ob einer von Ihnen Elternzeit nimmt oder ob Sie sich die Zeit teilen?“

Hanny schluckte, über ihr schönes Gesicht fiel ein dunkler Schatten. Sollte sie dem Arzt von ihren Problemen mit Joachim erzählen?

„Das ist nicht ganz so einfach“, begann sie zögerlich. „Mein Partner … na ja, es ist eben kompliziert. Weil wir … Wir sind nicht so richtig …“

„Frau Kuhlmann, Sie müssen mir nicht von Ihren Beziehungsschwierigkeiten erzählen, aber wenn Sie es möchten, höre ich Ihnen gerne zu. Manchmal hilft es, darüber zu reden“, erklärte Dr. Stefan Frank sanft.

Henny musst nicht lange überlegen, sie hatte sofort Vertrauen gefasst zu ihrem neuen Arzt.

„Joachim, also der Vater der Kleinen, und ich waren fast zwei Jahre zusammen. Allerdings hat Joachim ein großes Problem mit Eifersucht. Ständig hat er mir unterstellt, dass ich ihn betrüge. Manchmal hat er mir sogar nachspioniert und meine Kollegen ausgehorcht. Das konnte ich nicht mehr ertragen und habe mich schließlich von ihm getrennt“, schloss Henny.

„Ein grundlos eifersüchtiger Partner kann die Beziehung vergiften“, bestätigte Dr. Stefan Frank. „Ich finde es sehr mutig von Ihnen, sich von Ihrem Partner zu lösen, obwohl Sie ein Kind erwarten.“

Henny lächelte schwach. „Als ich mich getrennt habe, wusste ich noch gar nicht, dass ich schwanger bin. Drei Tage später bekam ich die Nachricht. Das war natürlich ein Schock. Ich wollte nie eine alleinerziehende Mutter sein …“

„Haben Sie Joachim von der Schwangerschaft erzählt?“

„Das musste ich doch. Schließlich ist er der Vater. Er hat sich wirklich gefreut und mir versprochen, sich zu ändern, wenn wir beide nur wieder zusammen kommen.“

„Und? Habe Sie sich darauf eingelassen?“

„Ich habe gesagt, wir können es ja noch einmal auf Probe versuchen. Aber es hat sich nicht viel geändert. Ein paar Wochen hat sich Joachim zusammengerissen, aber dann war er wieder so wie vorher. Er stellt jetzt sogar infrage, ob er wirklich der Vater ist“, schloss Henny seufzend.

„Ich nehme an, er hat keinen Grund dazu?“, fragte der Arzt vorsichtig.

„Natürlich nicht! Ich habe Joachim nie betrogen“, brauste Henny auf.

„Entschuldigung, ich wollte Ihnen nicht zu nahetreten. Leben Sie jetzt wieder getrennt?“

„Irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht. Ich will die Beziehung eigentlich nicht mehr, aber Joachim steht immer wieder vor meiner Tür. Seit zwei Wochen ist allerdings Funkstille, denn Joachim ist sauer, dass ich, ohne es mit ihm zu besprechen, nach Grünwald gezogen bin. Aber ich glaube nicht, dass er mich lange in Ruhe lässt.“

„Sie haben in München aber nicht zusammen gewohnt?“

„Nein, aber unsere Wohnungen waren im gleichen Haus. Das machte es ja auch so kompliziert. Joachim will einfach nicht wahrhaben, dass ich nicht mehr will. Er sagt, er liebt mich und ich gehöre zu ihm. Trotzdem quält er mich ständig mit seinem Misstrauen. Er will unbedingt einen Gentest, der seine Vaterschaft beweist, wenn die Kleine geboren ist. Dann wäre alles gut und er würde nie mehr eifersüchtig sein, sagt er.“

Dr. Stefan Frank schüttelte den Kopf.

„Und das glauben Sie ihm?“

„Wenn ich ehrlich bin, glaube ich das nicht. Aber, wissen Sie, Herr Doktor, ich habe schon ein bisschen Angst so allein mit einem Kind … Vielleicht ändert er sich ja doch?“

„Nun ja, man soll Menschen zugestehen, dass sie sich ändern können“, entgegnete Dr. Frank. „Aber so, wie Sie Ihren Freund schildern, kann ich mir das kaum vorstellen.“

„Ich werde auf keinen Fall einem Gentest zustimmen. Ich hoffe, wenn er die Kleine sieht, dann wird er spüren, dass er der Vater ist. Und dann wird vielleicht doch noch alles gut und wir sind eine Familie.“

„Das wünsche ich Ihnen von Herzen, Frau Kuhlmann“, versicherte Dr. Frank, aber seiner Stimme merkte man an, dass er nicht wirklich daran glaubte.

Er stellte Henny noch ein paar Fragen zu ihrer allgemeinen Gesundheit und vorangegangenen Krankheiten, dann entließ er sie.

„Also, noch einmal alles Gute für Sie und Ihr Baby. Sie können mich jederzeit aufsuchen, wenn Sie gesundheitliche Probleme haben oder auch einfach nur reden wollen“, verabschiedete er sich von seiner neuen Patientin und schüttelte ihr die Hand.

Henny war gerade aus der Tür, da klingelte sein Telefon.

„Chef, Frau Dr. Schubert möchte Sie sprechen. Kann ich durchstellen?“, fragte Martha Giesecke.

„Ja, stellen Sie meine Liebste durch“, erklärte Dr. Frank und lächelte sanft.

„Hallo Alexa, was gibt es?“, fragte er, als seine Lebensgefährtin, die mit einer Kollegin zusammen eine Augenarztpraxis in Grünwald hatte, am anderen Ende der Leitung war.

„Ich wollte nur mal deine Stimme hören“, säuselte Alexandra verliebt ins Telefon. „Ich will dich aber nicht lange stören. Ich wollte dir nur erzählen, dass gerade Frau Felmy, deine Nachbarin, bei mir in der Praxis war. Sie wollte überprüfen lassen, ob ihre Brille noch die richtige Stärke hat, bevor die Felmys nach Spanien auswandern.“

„Wirklich? Sie wollen es tatsächlich wagen mit der Auswanderung? Ich habe gedacht, das sei nur eine Träumerei.“

„Ich auch, aber so kann man sich täuschen. Wir sind am Freitag zu ihrer Abschiedsparty eingeladen.“

„So. Und was passiert denn mit dem Haus? Wollen sie es verkaufen?“

„Nein. Ihr Sohn zieht zurück nach Bayern und übernimmt das Haus.“

„Ach, wirklich? Torben kommt zurück? Das finde ich gut, da weiß man wenigstens, wen man zum Nachbarn hat. Er war jedenfalls früher ein sehr netter Typ. In letzten Jahren habe ich ihn allerdings nur immer kurz gesehen, wenn er seine Eltern besucht hat.“

„Dann wollen wir mal hoffen, dass er sich nicht verändert hat und immer noch ein netter Typ ist“, meinte Alexandra. „So, und jetzt gehen wir beide wieder an die Arbeit. Bis heute Abend.“

***

„Es ist irgendwie schon schade, wenn nette Nachbarn, die man so lange kennt, plötzlich wegziehen“, gestand Stefan Frank bedauernd.

Er stand in der Küche und bereitete mit Alexandra den Nudelsalat zu, den sie zu der Abschiedsparty mitbringen wollten.

„Stimmt schon“, meinte Alexandra und schmeckte das Dressing ab. „Aber es sei den Felmys gegönnt, dass sie ihre Rente im sonnigen Süden Spaniens genießen.“

„Natürlich gönne ich das den beiden. Ich bin ja mal gespannt, ob Torben heute auch da ist. Hat Ingeborg dir was dazu gesagt? Weißt du, wann er einzieht?“

„Er ist schon da, und morgen kommen seine Möbel. Probier bitte mal! Für meinen Geschmack fehlt noch Salz.“

Alexandra steckte ihrem Lebensgefährten einen Löffel Nudelsalat in den Mund und sah ihn erwartungsvoll an.

„Lecker, aber ein bisschen Salz und Pfeffer kann nicht schaden“, nuschelte Stefan mit vollem Mund.

„Die Waldners sind ja auch eingeladen. Hast du mit Ruth und Uli besprochen, ob sie erst zu uns kommen und wir gemeinsam rüber gehen?“, fragte Alexandra.

Stefan nickte. „Sie kommen direkt. Ruth hat heute eine OP, bei der sie nicht absehen kann, wie lange sie dauert.“

Ruth und Ulrich Waldner waren alte Freunde von Dr. Stefan Frank. Mit Ulrich hatte er zusammen studiert. Danach hatten sich ihre Berufswege getrennt, aber den Kontakt hatten sie nie abbrechen lassen. Vor einigen Jahren war Ulrich nach München zurückgekehrt, um die Leitung der gleichnamigen Klinik am Englischen Garten zu übernehmen. Seine Frau Ruth arbeitete als Anästhesistin in der Klinik ihres Mannes.

Inzwischen war auch Alexandra eine gute Freundin des Ehepaares geworden. So oft es ihre Zeit als vielbeschäftigte Ärzte zuließ, trafen sich die Paare, um gemeinsam etwas zu unternehmen.

Dr. Stefan Frank, der Belegbeten in der Klinik seines Freundes hatte, sah Ulrich häufiger, denn er schätzte ihn nicht nur als Menschen, sondern auch als kompetenten Gesprächspartner bei medizinischen Fachfragen. Durch den regen Austausch hatten die beiden schon in manch einem komplizierten Fall eine Lösung zum Wohle der Patienten gefunden.

Eine halbe Stunde später machten sich Alexandra und Stefan Frank auf den kurzen Weg ins Nachbarhaus.

Das Ehepaar Felmy begrüßte sie mit einer herzlichen Umarmung an der Haustür.

„Hereinspaziert“, verkündete Ingeborg fröhlich. „Euren Salat stellt bitte in der Küche ab, dort ist das Buffet aufgebaut. Getränke findet ihr auch in der Küche. Heute ist Selbstbedienung. Oder ihr wendet euch an Torben. Er kümmert sich ein bisschen um die Gäste, schließlich muss er ja einen guten Eindruck auf seine neuen, alten Nachbarn machen.“

„Danke für die Einladung“, sagte Alexandra. „Ich hoffe, Sie haben die richtige Entscheidung getroffen und bekommen nicht doch Heimweh nach Grünwald.“

Hans Felmy winkte ab. „Wir können ja jederzeit zu Besuch kommen. Wir behalten ein Zimmer im Haus“, erklärte er. „Aber da wir schon seit Jahren unsere Urlaube in unserem kleinen Häuschen in Spanien verbringen, wissen wir genau, worauf wir uns einlassen.“

„Wir kommen bestimmt häufiger mal für kurze Zeit zurück. Schließlich haben wir ja in Grünwald die Ärzte unseres Vertrauens“, erklärte Ingeborg und zwinkerte Alexandra und Stefan Frank lächelnd zu.

„Na, wenn das so ist. Dann fällt uns der Abschied auch nicht ganz so schwer“, erwiderte Dr. Frank. „Wir besorgen uns jetzt erst einmal ein Getränk.“

Auf dem Weg in die Küche wurden die beiden Ärzte von anderen Nachbarn begrüßt. Ruth und Ulrich entdecken sie nicht.

Plötzlich spürte Dr. Stefan Frank eine Hand auf der Schulter und drehte sich um. Er blickte in das Gesicht von Torben Felmy. Seine dunklen Augen blitzen freundlich, und durch sein Lächeln bildeten sich zwei Grübchen auf den Wangen, die selbst durch den gepflegten Drei-Tage-Bart zu sehen waren.