Dr. Stefan Frank 2556 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2556 - Arztroman E-Book

Stefan Frank

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1,49 €

Beschreibung

Mit klopfendem Herzen blickt Maja auf den attraktiven Dr. Hendrik Lindau. Kaum zu glauben, dass sie wirklich hier neben ihm im Auto sitzt. Geplant war ein romantisches Picknick am Isarufer, doch das Wetter hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Während draußen nun ein Gewitter tobt, haben sie es hier drinnen warm und gemütlich. Schon lange hat sich Maja zu dem Mediziner hingezogen gefühlt, doch bislang war Hendrik immer abweisend. Die Einladung zum Picknick kam überraschend. Und jetzt ist nur allzu deutlich spürbar, dass es zwischen ihnen knistert. Womöglich wird er sie heute sogar küssen? Doch Majas Hoffnung erfüllt sich nicht. Was so vielversprechend begann, ist am nächsten Tag schon wieder vorbei. Als sie Hendrik in der Klinik über den Weg läuft, beachtet er sie kaum. So geht es auch die nächsten Tage weiter, jedem Gespräch weicht er aus. Maja hadert mit sich. Was hat sie nur falsch gemacht? Dabei ahnt sie nicht, dass Dr. Lindau ebenso leidet wie sie selbst. Aber der junge Arzt weiß: Er darf in diesem Fall nicht seinem Herzen folgen. Zu viel steht für ihn auf dem Spiel ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 125




Inhalt

Cover

Impressum

Rendezvous mit Dr. Lindau

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Tyler Olson / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9580-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Rendezvous mit Dr. Lindau

Aber darf der junge Arztseinem Herzen folgen?

Mit klopfendem Herzen blickt Maja auf den attraktiven Dr. Hendrik Lindau. Kaum zu glauben, dass sie wirklich hier neben ihm im Auto sitzt. Geplant war ein romantisches Picknick am Isarufer, doch das Wetter hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Während draußen nun ein Gewitter tobt, haben sie es hier drinnen warm und gemütlich.

Schon lange hat sich Maja zu dem Mediziner hingezogen gefühlt, doch bislang war Hendrik immer abweisend. Die Einladung zum Picknick kam überraschend. Und jetzt ist nur allzu deutlich spürbar, dass es zwischen ihnen knistert. Womöglich wird er sie heute sogar küssen?

Doch Majas Hoffnung erfüllt sich nicht. Was so vielversprechend begann, ist am nächsten Tag schon wieder vorbei. Als sie Hendrik in der Klinik über den Weg läuft, beachtet er sie kaum. So geht es auch die nächsten Tage weiter, jedem Gespräch weicht er aus. Maja hadert mit sich. Was hat sie nur falsch gemacht? Dabei ahnt sie nicht, dass Dr. Lindau ebenso leidet wie sie selbst. Aber der junge Arzt weiß: Er darf in diesem Fall nicht seinem Herzen folgen. Zu viel steht für ihn auf dem Spiel …

„Was machen Sie denn noch hier, Dr. Lindau?“ Schwester Ramona spähte in das Intensivzimmer. „Ihr Überstundenkonto platzt schon aus allen Nähten. Wenn Sie nicht mit dreißig in Rente gehen wollen, sollten Sie jetzt heimfahren.“

„Für wie jung halten Sie mich?“

Hendrik richtete sich auf und drückte seinen Rücken durch. Allmächtiger. Es fühlte sich an, als wären ein paar Wirbel verschoben!

„Für jung genug jedenfalls, um von mir nach Hause geschickt zu werden.“

Ein Lächeln huschte über das herzförmige Gesicht der Kinderschwester. Schwester Ramona war die gute Seele der Station. Sie hatte ein riesengroßes Herz, konnte aber auch durchgreifen, wenn es nötig war. Sie sah mit Argusaugen nicht nur auf das Wohl der kleinen Patienten, sondern hatte auch für ihre Kollegen immer ein offenes Ohr.

Hendrik stand aus dem Sessel auf und beugte sich über das Baby, das in dem Inkubator schlummerte. Der kleine Ben war acht Wochen zu früh auf die Welt gekommen und brauchte noch ein wenig Starthilfe vom Team der Frühchenstation. Sein Herz schlug kräftig, aber seine Atmung machte Hendrik Sorgen.

Bei Frühchen war die Lunge häufig noch nicht ausgereift. So auch bei Ben. Aus diesem Grund bekam der kleine Patient zusätzlichen Sauerstoff zugeführt.

„Sagen Sie, haben Sie gerade gesungen, Dr. Lindau?“

„Gesungen?“

„Kurz bevor ich hereingekommen bin. Ich habe es draußen auf dem Flur gehört.“

„Könnte das nicht einfach das Piepen des Monitors gewesen sein?“

„Nur, wenn der seit neuestem ‚Love me tender‘ anstimmt.“

„Tja, Sie haben mich erwischt. Der Kleine hier steht auf den guten alten Elvis. Genau wie ich.“ Hendrik musterte die Kurven auf dem Überwachungsmonitor und nickte zufrieden. „Bens Werte waren schon den ganzen Nachmittag über nicht gut. Sein Puls war viel zu hoch. Ich habe ihn eine Weile gehalten und ihm etwas vorgesungen, das hat ihn beruhigt.“

„Sie haben ein Herz aus Gold, Dr. Lindau. Genau genommen ist das aber nicht Ihre Aufgabe. Dafür sind wir Schwestern zuständig.“

„Normalerweise würde ich Ihnen zustimmen, aber wir sind zurzeit so unterbesetzt, dass wir einander unter die Arme greifen müssen. Sie haben alle mehr als genug zu tun. Ich glaube, Ihr Überstundenkonto sieht nicht anders aus als meines, oder?“

„Das ist wahr“, räumte sie ein.

„Wir arbeiten hier wirklich am Limit. Nach dem Weggang von Schwester Bärbel und Pfleger Alex wurden die Stellen noch nicht neu besetzt. Ich habe schon bei der Klinikleitung nachgehakt, aber es ist ungewiss, wann jemand Neues kommt.“

„Lieber heute als morgen, wenn Sie mich fragen.“

„Da stimme ich Ihnen zu.“ Hendrik warf noch einen Blick auf das Baby im Brutkasten. „Gute Nacht, Kleiner. Morgen probieren wir es mit ‚Are you lonesome tonight‘.“

„Kennen Sie alle Lieder von Elvis?“

„Mein Vater hat mir seine Plattensammlung vermacht. Anfangs wusste ich sie nicht zu schätzen, aber inzwischen entspanne ich mich abends gern bei Musik und einem Glas Wein.“

„Hört sich romantisch an.“

„Nicht, wenn man nebenher seine Steuererklärung macht.“

„Autsch.“

„Sie sagen es.“ Hendrik ging zur Tür und drehte sich noch einmal um. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, Schwester Ramona.“

„Den wünsche ich Ihnen auch.“

„Bis morgen!“ Er strebte über den Flur zum Arztzimmer und vertauschte seinen weißen Kittel, das hellblaue Shirt und die Hose mit Jeans und einem Leinenhemd. Obwohl der Abend bereits angebrochen war, waren die Temperaturen im Freien noch angenehm warm. Der Sommer zeigte sich in diesen Wochen von seiner besten Seite. Sonnige Tage reihten sich aneinander wie Perlen auf einer Schnur.

Hendrik wollte sich gerade auf den Heimweg machen, als der Klinikleiter das Ärztezimmer betrat und ihn um eine Unterredung bat. Dr. Waldner verströmte genau die Mischung aus Freundlichkeit und Tatkraft, die für die Leitung eines modernen Krankenhauses unabdingbar war. Er war um die vierzig und weder besonders groß noch besonders laut, trotzdem konnte er mit seiner Präsenz einen ganzen Raum füllen.

„Hendrik, ich habe leider schlechte Neuigkeiten.“

„Wir bekommen die kaputte Kaffeemaschine im Schwesternzimmer nicht ersetzt?“

„Leider ist es schlimmer.“ Dr. Waldner stemmte eine Hand in die Tasche seines Kittels. „Wir müssen den Rotstift ansetzen. An Personal und Heilmitteln.“

„Den Rotstift? Warten Sie! Sie wollen uns Gelder streichen?“

Ungläubig, dann mit wachsender Bestürzung sah Hendrik seinen Chef an.

„Ich würde gern behaupten, dass wir schon am Limit arbeiten, aber das wäre eine Untertreibung. Wir sind bereits über diesen Punkt hinaus. Uns fehlen zwei Pfleger, und das ist spürbar. Gestern ist Schwester Linda mit Kreislaufbeschwerden umgekippt, weil sie keine Pause gemacht hat. Wann auch? Wir arbeiten durch, und selbst das reicht oft nicht aus. Abends stapeln sich Berichte, die geschrieben werden, und Formulare, die ausgefüllt werden müssen.“

„All das ist mir bekannt. Ich würde uns das wirklich gern ersparen, aber die traurige Wahrheit ist, dass ein Krankenhaus neben seinen medizinischen Aufgaben auch ein Unternehmen ist, das wirtschaftlich arbeiten soll. Wir müssen schwarze Zahlen schreiben, und das tun wir momentan leider nicht.“

„Was genau wollen Sie damit sagen?“

„Die Verwaltung erwägt, die Frühchen-Station zu schließen.“

„Aber das darf nicht sein! Wir haben hier die Ausstattung und die Erfahrung, um Babys zu helfen, die zu früh zur Welt kommen. Normale Stationen können das nicht leisten. Ohne uns wäre das Leben zahlloser Frühchen gefährdet.“

„Das sehe ich genauso wie Sie. Fakt ist allerdings auch, dass die Ausrüstung und die Behandlung von Frühchen extrem teuer sind. Die Kosten explodieren, und die Krankenkassen setzen den Rotstift an. Wir müssen sparen, oder der Station droht die Schließung.“

„Das geht einfach nicht.“ Hendrik schüttelte energisch den Kopf. „Keins von beidem. Wir werden gebraucht. Und wir benötigen unsere Ausstattung. Wo sollen wir noch sparen? Personal und Heilmittel reichen gerade so. Streichungen? Undenkbar!“

„Wir müssen einen Weg finden.“ Tiefer Gram grub sich um den Mund des Klinikleiters ein und verriet, wie schwer ihm diese Worte fielen. „Wir müssen sparen, sonst droht der Station die Schließung. Der Verwaltungsrat war da ziemlich deutlich.“

Hendrik konnte nicht gleich antworten. Der Schock ließ seine Gedanken umherwirbeln wie aufgescheuchte Tauben.

Auf der Frühchenstation wurden jährlich mehrere hundert Säuglinge behandelt. Viele von ihnen überlebten nur dank der hochmodernen Ausrüstung. Was sollte werden, wenn es die Station nicht mehr gab?

„Wie viel Zeit bleibt uns?“, fragte er mit rauer Stimme.

„Für eine signifikante Senkung der Ausgaben? Zwei Monate.“

„Das ist unmöglich zu schaffen.“

„Wir müssen handeln. Ich werde tun, was ich kann, um die Station zu retten. Am Montag fängt unser neuer Controller an. Es handelt sich dabei um eine Fachkraft mit viel Erfahrung darin, Unternehmen wirtschaftlicher zu gestalten. Vielleicht findet sich auf diese Weise ein Weg zur Rettung der Station.“

Ein Controller? Hendrik presste die Kiefer so fest aufeinander, dass es in seinen Ohren knirschte. Ein Zahlenhengst würde ihnen ab Montag vorschreiben, was sie tun oder lassen sollten? Für den waren sie nur Zahlen auf langen Listen. Nummern, die sich auf einem Blatt Papier allzu leicht durchstreichen ließen. Dass Menschenleben und Familien daran hingen, war diesen Pfennigfuchsern gleichgültig.

Er konnte es nicht fassen. Eben noch hatte er auf Verstärkung im Team gehofft, und nun musste er bangen, ob es demnächst überhaupt noch ein Team gab!

„Das soll noch nicht bekannt werden“, bat Dr. Waldner. „Wir müssen einen Weg finden, um die drohende Schließung abzuwenden. Ich möchte Sie bitten, vorerst für sich zu behalten, wie ernst die Lage ist.“

„Das wird sich kaum verbergen lassen. Sobald dieser Controller seine Nase in unsere Arbeit steckt, werden die Leute Fragen stellen. Und ich will niemanden belügen.“

„Das sollen Sie auch nicht. Möglicherweise haben Sie recht: Wir können diese Krise nur zusammen bewältigen. Als Team.“

„Wenn überhaupt.“ Hendrik hatte das Gefühl, der Boden würde unter ihm wegbröckeln. Mit rauer Stimme verabschiedete er sich von seinem Chef und machte sich auf den Heimweg.

Als er aus der Waldner-Klinik trat, wurde er vom warmen Schein der Abendsonne und vom munteren Zwitschern der Vögel begrüßt. Er lenkte seine Schritte zum Park.

Seine Wohnung befand sich auf der anderen Seite des Englischen Gartens. Das versetzte ihn in die angenehme Lage, seinen Arbeitsplatz zu Fuß zu erreichen. Überall auf den Wiesen saßen Menschen, veranstalteten Picknicks oder unterhielten sich. Ein Musiker stand mit seiner Gitarre neben einer Bank und spielte ‚Streets of London‘. Kinder flitzten einem roten Ball hinterher.

Hendrik nahm das lebhafte Treiben kaum wahr. Seine Gedanken waren einzig auf die Schließung seiner Station gerichtet. Als Kinderarzt würde er überall Arbeit finden, darum bangte er nicht. Er sorgte sich um all die Babys, die kaum eine Chance hatten, wenn es die Station nicht mehr gab. Sicher war ihre Ausrüstung kostspielig. Sie kämpften mit hochmodernen Mitteln um das Leben ihrer Patienten. Weil es das wert war, verdammt noch mal!

Grimmig schob er die Hände in die Hosentaschen. Einen Ausweg sah er nicht. Sparen? Wo denn noch?

Sein Team schaute nicht auf Überstunden, wenn es gebraucht wurde, aber weniger Hände waren nicht vorstellbar. Ein jeder von ihnen war wichtig. Lebenswichtig sogar.

Da fließen Milliarden von Euros in die Rettung von Banken, sinnierte er, aber für eine Frühchenstation ist kein Geld da. Was für eine Welt ist das nur?

Nachdenklich erreichte er das hübsche gelbe Wohnhaus, in dem er seit fünf Jahren lebte. Der Altbau wurde von einem großen Garten umgeben. Hendriks Wohnung befand sich im Erdgeschoss und besaß einen eigenen Zugang zu der Grünanlage. Abends saß er gern noch draußen, vergrub die Zehen im weichen Gras und lauschte auf die Geräusche der Natur. Das half ihm, sich zu erden und ruhiger zu werden.

Vor den Briefkästen balancierte eine junge Frau einen Kübel mit einer Bananenpflanze, während sie versuchte, die Haustür aufzuschließen.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte er.

Sie wirbelte zu ihm herum, sodass die Pflanze über sein Gesicht wischte.

„Oh! Tut mir leid!“ Über dem Grün tauchte ein bildhübsches, schmales Gesicht auf, das von sanften braunen Augen und roten Lippen dominiert wurde, die sich zu einem entschuldigenden Lächeln verzogen.

„Alles gut“, versicherte er. „Vielleicht sollten Sie nur etwas vorsichtiger mit der Staude sein.“

„Da sagen Sie was. Das arme Ding steht noch nicht mal in meiner Wohnung und ist schon bedroht.“ Ein Seufzen schwang in ihrer Stimme mit.

„Wohnung? Ziehen Sie hier ein?“

„Ja. Ich bin Maja Becker. Die Wohnung im Erdgeschoss links ist ab sofort meine.“ Ihr Lächeln war so hell wie ein Sonnenstrahl und drang ihm geradewegs ins Herz hinein. In ihrem weißen Häkelpulli und der hellen Jeans sah sie unglaublich jung aus. Ihre braunen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden.

„Hendrik Lindau“, stellte er sich vor.

„Und das ist Arthur.“ Sie deutete auf das Gewächs.

„Ihre Pflanze hat einen Namen?“ Erstaunt blickte er die junge Frau an.

„Meine Freundin hat ihn mir zum Einzug geschenkt. Sie hofft wohl, er lebt länger, wenn er einen Namen besitzt. Ich bin nicht gerade für meinen grünen Daumen bekannt, wissen Sie?“

Hendrik schwieg. Seine neue Nachbarin wirkte lieb und reizend, aber ihm war gerade alles andere als nach einer Unterhaltung zumute. Er musste einen Weg finden, um seine Station zu retten, und er hatte keine Ahnung, wie ihm das gelingen sollte. So schloss er nur die Haustür auf und hielt sie für sie offen. Stumm folgte er ihr hinein.

Er würde die Schließung seiner Station verhindern.

Mit allen Mitteln, wenn es sein musste!

***

Ihre neue Wohnung war ein Traum.

Majas Herz schlug höher, als sie die Tür hinter schloss und dem Raum zustrebte, der ihr zukünftiges Wohnzimmer werden sollte. In diesem Altbau gab es hohe Decken, Stuckverzierungen und Fenster, die groß genug waren, um viel Licht hereinzulassen. Durch eine Glastür ging es in den Garten, der mit einer Hecke umgeben war. Ihr eigenes grünes Paradies!

Die Wände hatte sie in sonnigem Gelb und zartem Grün streichen lassen. Das erzeugte ein Gefühl, als würde sie an einem schönen Tag in einem griechischen Olivenhain stehen.

Sie liebte ihr neues Zuhause jetzt schon.

Maja war für ihre neue Arbeitsstelle nach München gezogen. Am Montag würde sie an der renommierten Waldner-Klinik anfangen. Sie konnte es kaum erwarten, mit der Arbeit zu beginnen. Rosenheim und die bitteren Erinnerungen wollte sie hinter sich lassen und ganz neu anfangen. Wo, wenn nicht hier?

Ich könnte mir sogar eine Katze anschaffen, dachte sie. Dann wäre abends jemand daheim, wenn ich von der Arbeit komme. Und den Englischen Garten habe ich direkt vor der Haustür. Ich kann im Grünen joggen gehen, wenn mir danach ist.

Sie stellte den Kübel mit Arthur, der Bananenstaude, am Fenster ab und rückte ihn ein wenig hin und her, bis sie zufrieden war. Dann zog sie ihr Handy hervor und machte ein Foto von der Pflanze vor dem grünen Hintergrund.

Arthur hat seinen Platz gefunden. Wir sind gerade angekommen. Ich bin so aufgeregt, schrieb sie und schickte das Bild an ihre beste Freundin Miriam.

Diese antwortete sofort.

Schön, dass du gut angekommen bist. Deine Möbel auch?

Noch nicht. Das kann aber nicht mehr lange dauern. Eigentlich wollte ich schon vor Stunden hier sein, aber der Umzugswagen ist bei seiner früheren Fuhre in einen Stau geraten und hat sich verspätet.

Halte durch. Gleich kannst du das Nötigste auspacken. Vergiss nur nicht, heute Nacht etwas Schönes zu träumen. Du weißt ja, was man in der ersten Nacht in einem neuen Zuhause träumt, geht in Erfüllung.

Dann träume ich hoffentlich von einer aufregenden Karriere, die hier in München auf mich wartet.

Warte mal! Mir scheint, du hast dich verschrieben. Du wolltest sicherlich von einem aufregenden Typen schreiben, stimmt‘s?