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»Halt dich bereit«, sagte Vater und wandte sich mir zu. »Sie kommen, um dich abzuholen.« Unwillkürlich wich ich zurück, bis ich mit dem Rücken an die Wand stieß. Jetzt war also die Stunde gekommen, vor der ich mich seit der Auswahlzeremonie gefürchtet hatte. In einer nicht allzu fernen Zukunft haben die Maharoi, menschenähnliche Drachenwandler, die Herrschaft auf der Erde übernommen. Die Menschen, Normis genannt, leben in elenden Siedlungen. Immer wieder werden junge Frauen aus ihrer Mitte fortgeholt, um den Maharoi als Dohschendi, als Gefährtin zu dienen, da ihre eigenen, reinblütigen Nachkommen unfruchtbar sind. Shania ist eine derjenigen, die dieses Los trifft. Normalerweise wäre ihr Schicksal nun besiegelt, doch Gilgash, die Drachengöttin, scheint andere Pläne mit ihr und ihrem Gefährten zu haben.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Draconia - Stadt der Drachen
Cover: www.magicalcover.de
Das Werk aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten, einschließlich der Vervielfältigung, Übersetzung, Mikroverfilmung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Alle in diesem Buch geschilderten Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären zufällig und sind nicht beabsichtigt.
Inhaltsverzeichnis
Title Page
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Anschrift
Shania
Meine erste Empfindung, als ich am Morgen aufwachte, war Trauer. Ich lebte noch und würde heute also wirklich ein neues Leben beginnen. Wie sich wohl die Menschen der alten Zeit gefühlt hätten? Ich konnte mich nicht einmal in Gedanken in eine Welt hineinversetzen, in denen es tatsächlich Männer und Frauen gegeben hatte, die ohne Angst in den Tag hineinlebten.
Das Quieken einer Maus riss mich aus den Überlegungen. Es war unsinnig, sich damit zu beschäftigen. Ändern konnte ich es ohnehin nicht. Von nebenan drang ein aromatischer Duft an meine Nase. Hatte Mutter etwa wirklich …?
Rasch sprang ich auf und schob mechanisch das Stroh zusammen, um mein Nachtlager für den heutigen Abend … dann hielt ich inne. Es war Unsinn, so etwas zu tun. Ich würde schließlich nie wieder hier schlafen und niemals mehr … ich konnte und wollte den Gedanken nicht weiterspinnen.
Hastig verließ ich die winzige Kammer, ohne mich noch einmal umzudrehen. Warum auch? Ich bezweifelte doch sehr, ob ich mich in den Jahren, die mir vielleicht noch vergönnt waren, nach hier zurücksehnen würde. Doch im Durchgang drehte ich mich doch noch einmal um. Wenn es auch ein armseliger Fleck war, so war er doch ein Zuhause und ein Rückzugsort für mich gewesen.
Das altersschwache, vermoderte Holz knarrte unter den nackten Fußsohlen, als ich den Gang entlang zu meinen Eltern ging. Wir konnten uns glücklich schätzen, dass wir eine kleine Hütte unser eigen nannten. Wir verdankten dies Eli, meinem Bruder, auch wenn ich es Vater gegenüber nie erwähnen durfte. So waren wir wenigstens nicht mit zwei oder gar drei anderen Familien in einer winzigen Behausung zusammengepfercht.
Mutter lächelte mich tapfer an und wischte sich verstohlen die Tränen weg, als sie mich in die kleine Stube treten sah. Vater betrachtete mich mit einer Art würdevollem Besitzerstolz, trat zu mir hin, legte mir seine Hände auf die Schultern und sah mir in die Augen.
»Noch heute wirst du eine stolze Dohschendi werden! Schenk ihm viele reine Kinder und mach uns damit glücklich!«
Mir wurde beinahe schlecht, als er so salbungsvoll zu mir sprach, aber ich konnte ihn auch verstehen. Ihrer beider Leben würde sich ebenfalls ändern und sie mussten von nun an nicht mehr in dieser Siedlung in einer baufälligen Hütte wohnen. Für Mutter freute es mich und wohl nur deshalb brach ich in dem Moment nicht in Tränen aus. Vater nickte mir noch einmal zu, bevor er die Hände von meinen Schultern nahm und mit einer großen Geste auf den wackeligen Tisch deutete.
»Nehmen wir ein letztes Mal zusammen das Frühstück ein!«
Jetzt hatte er es geschafft, nun kamen mir doch die Tränen. Mutter nahm mich in ihre Arme, flüsterte mir einige Trostworte zu und streichelte mir über den Rücken. Ihr war nur zu bewusst, was auf mich zukam, denn schon ihre Schwester hatte das gleiche Los zu tragen gehabt.
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich wieder beruhigte. Ich ignorierte das Murren meines Vaters, der die ganze Sache als eine Ehre für unsere Familie betrachtete. Die Männer hatten auch leicht reden, sie mussten schließlich nicht nach Draconia gehen und dort als Dohschendi dienen.
Egal, ich vertrieb die dunklen Wolken, die mir im Hirn herumschwebten. Ich wollte die letzten Stunden mit meinen Eltern - besonders mit Mutter - auskosten. Sie goss mir etwas in die Tasse und ich wusste nun, dass mich meine Nase nicht getäuscht hatte.
»Kaffee!«, sagte ich und umschloss die Tasse beinahe ehrfürchtig mit den Händen. »Aber woher hast du ihn?«
»Deine Mutter hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um ein paar Kaffeebohnen aufzutreiben«, erwiderte Vater an ihrer Stelle. »Du wirst ja demnächst Sachen zu Essen und Trinken bekommen, von denen wir nur träumen können. Wirklich, es gibt nicht wenige hier im Dorf, die dich beneiden, Shania!«
'Dann sollen die sich doch einem Maharos hingeben', dachte ich, während ich einen tiefen Zug des köstlichen Gebräus zu mir nahm. In dem Moment hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Zeit stehengeblieben wäre. Mutter teilte mir auch den mir zustehenden Vorrat an Brot zu, obwohl mein Magen wie verknotet war und ich keinen Bissen hinunterbrachte. Andächtig saßen wir am Tisch und hingen unseren Gedanken nach. Mutter weinte still vor sich hin und tastete gelegentlich nach meiner Hand.
»Es wird womöglich gar nicht so schlimm werden«, sagte ich im vergeblichen Versuch, sie zu trösten. »Du hast doch bestimmt auch schon die Geschichten gehört, in denen eine Dohschendi ihren Gefährten nach Strich und Faden herumkommandiert hat.«
Natürlich kannte sie die Berichte, aber wir wussten beide, dass es kaum mehr als Märchen sein konnten. Ein Maharos war nicht dafür bekannt, besonders sanftmütig und duldsam zu sein. Vater erhob sich und rumorte in einer Ecke herum, suchte wahrscheinlich nach seinem Vorrat an berauschenden Getränken. Ich sollte mich nicht getäuscht haben, denn er kehrte mit drei Trinkgefäßen und einer bauchigen Flasche zurück.
»Auf die Zukunft!«, rief er, nachdem er uns allen etwas eingeschenkt hatte.
Ich war noch nie ein Freund dieses scharfen Gesöffs gewesen, aber in dem Moment half es mir, die Angst vor dem Kommenden zurückzudrängen.
»Vielleicht sollten wir noch …«, begann er, konnte den Satz aber nicht beenden, denn in dem Augenblick wurde die Tür aufgerissen und eine große, breite Gestalt erschien im Türrahmen.
Mein Herz setzte kurz aus, denn ich befürchtete schon, dass man mich holen kam. Doch dann erkannte ich den frühen Besucher.
»Eli!« Ich flog ihm mit einem Freudenschrei in die Arme. Er erwiderte meine Umarmung, wenn auch nicht sonderlich nachdrücklich. »Aber was machst du hier? Wenn dich jemand sieht …«
»… und es der Echsenbrut meldet?«, setzte er den Satz fort. Er blickte Vater finster an, der auch nicht besonders erfreut war, seinen Sohn zu sehen, wie ich seiner Miene entnehmen konnte. »Nur keine Sorge, Kleine. Ich bin schon bald wieder verschwunden.«
»Was willst du hier?«, fragte Vater, während Mutter Eli nun ebenfalls mit einer herzlichen Umarmung begrüßte.
»Ich will verhindern, dass sich meine Schwester diesen Echsen ausliefert, auch wenn ich damit deine Zukunftspläne zerstören werde.«
»Das wirst du nicht tun!« Zornig sprang mein Vater von seinem Platz auf. »Willst du deine Mutter und mich ins Unglück stürzen? Sie wurde ausgewählt! Glaubst du wirklich, die Maharoi würden es so einfach hinnehmen, wenn sie kommen und Shania nicht mehr hier vorfinden? Vielleicht brennen sie dann das ganze Dorf nieder. Verschwinde von hier und kehre zurück zu deinen Genossen! Bei Gilgasch …«
»Nicht ohne meine Schwester! Und du solltest nicht diese falsche Göttin der Echsenbrut anrufen, zumindest nicht in meiner Gegenwart!« Er wandte sich mir zu und ergriff meine Hand. »Komm mit mir in das Gebirge, mit zu den Kameraden. Du hast keine Vorstellung davon, was dich bei den Echsen erwartet. Es sind keine … Menschen, auch wenn sie in ihrer falschen Gestalt so aussehen mögen.«
Zu gerne wäre ich mit ihm gegangen, denn welche Frau wünschte sich schon, mit einem Drachen in Menschengestalt verbunden zu sein. Aber ich konnte nicht … durfte nicht. Vater hatte ja nicht unrecht. Wenn ich verschwand, würde das Dorf unter der Rache zu leiden haben.
»Es geht nicht«, sagte ich daher leise. »All meine Freunde könnten sterben, wenn ich mich feige drücken würde.«
Elis Miene verfinsterte sich und für einen Moment fürchtete ich schon, er würde mich mit Gewalt mitnehmen, doch dann blickte er mich traurig an. »So kenne ich meine kleine Schwester. Du wolltest schon immer das Schicksal der ganzen Welt auf deine Schultern laden, auch wenn es in dem Fall nur das eines winzigen Dorfes ist.«
Erneut riss jemand die Tür zu unserer Behausung auf und ein mir unbekannter Mann streckte seinen Kopf ins Innere.
»Wir müssen verschwinden, Eli!«, rief er. »Sie kommen!«
»Pass auf dich auf!«, wisperte mein Bruder. »Ich werde nicht ruhen, bis ich dich befreit habe, das schwöre ich dir!«
»Sofort, Eli! Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren!«, sagte der fremde Mann.
Mein Bruder drückte mir einen Kuss auf die Stirn, umarmte hastig unsere Mutter und war im nächsten Moment aus der Hütte verschwunden.
»Hoffentlich erwischen sie den dummen Jungen nicht noch!«, murmelte Vater.
Er blickte durch das Fenster und atmete schließlich tief durch. »Eli hat es geschafft, er ist im Wald.«
»Gott sei es gedankt!«, wisperte Mutter.
»Halt dich bereit«, sagte Vater und wandte sich mir zu. »Sie kommen, um dich abzuholen.«
Unwillkürlich wich ich zurück, bis ich mit dem Rücken an die Wand stieß. Jetzt war also die Stunde gekommen, vor der ich mich seit der Auswahlzeremonie gefürchtet hatte. Man würde mich ausstaffieren wie eine Kuh, die zur Opferung vorgesehen war. Alles in mir verlangte, den Raum und das Dorf zu verlassen. Wäre ich nicht doch besser mit Eli gegangen, als es noch Zeit war? Nein, Unsinn, damit hätte ich meine Eltern womöglich dem Tod preisgegeben.
Nach wenigen Sekunden wurde die Tür aufgestoßen und drei Maharoi stapften in die Hütte. Jeder von ihnen überragte den größten Menschen, den ich kannte, um mindestens einen Kopf. Gegenüber ihrem Körperbau würde sogar der Dorfschmied wie ein kleiner Junge wirken und das war der mit weitem Abstand stärkste Mann unseres Dorfes.
»Du bist Shania!«, sagte einer von ihnen und ich merkte erst jetzt, dass es sich dabei um einen weiblichen Krieger, eine Mahara, handelte. Es war auch keine Frage, sondern eine Feststellung - wenn es auch nicht schwer zu erraten gewesen war.
»Das bin ich«, erwiderte ich dennoch.
Grob griff sie mich ans Kinn, drehte mir den Kopf hin und her und betrachtete anschließend unzufrieden meine gesamte Erscheinung. »Warum sind nur alle von euch so mickrig?«, murmelte sie, bevor sie mich am Arm packte und aus der Hütte zerrte, ohne mir Gelegenheit zu geben, mich von meinen Eltern zu verabschieden.
Rücksichtslos zog sie mich hinter sich her, hin zu dem Wagen, vor dem anstatt Pferde oder Ochsen ein paar ausgemergelte Männer eingespannt waren, die mit leeren Augen vor sich hinstarrten. Der Anblick schockierte mich fast noch mehr als der Gedanke, nun in mein neues Leben verschleppt zu werden.
»Was geschieht nun mit meinen Eltern?«, wagte ich zu fragen, nachdem sie mich unsanft an die Wand des Wagens geworfen hatte.
Sie schnaubte höhnisch. »Als Angehörige einer Dohschendi wird man sie demnächst in einem der Vororte von Draconia unterbringen. Wenn du einen Haufen reine Nachkommen zeugst, wirst du sie vielleicht sogar mal besuchen dürfen. Und jetzt sei still! Ich habe absolut kein Interesse daran, mich mit dir zu unterhalten! Es ist schon schlimm genug, dass ich in dieses Drecksloch kommen musste!«
Sie sah mich dabei derartig ärgerlich an, dass ich lieber meinen Mund hielt. Stattdessen betrachtete ich ein letztes Mal das Dorf, aus dem man mich nun herausriss. Die Bewohner waren allesamt von der Straße geflüchtet, als die Maharoi aufgetaucht waren. Nur hinter einem oder zwei Fenstern sah ich neugierige Augen auf mich gerichtet. Ich glaubte auch eine Spur Mitleid darin zu erkennen, aber wahrscheinlich bildete ich es mir nur ein.
Es war überraschend für mich, aber jetzt, wo ich an meinem Schicksal nichts mehr ändern konnte, wurde ich ruhig. Es war beinahe so, als ob ich mich außerhalb des Körpers befände und alles als unbeteiligter Zuschauer mit ansehen würde. Möglicherweise drangsalierte mich die Mahara auch deswegen nicht mehr, sondern ließ mich in Ruhe. Erst als ihre beiden Kameraden aus der Hütte meiner Eltern kamen, erwachte sie wieder zum Leben und öffnete den Verschlag des Wagens.
»Rein mit dir!«, herrschte sie mich an.
Bereitwillig kletterte ich hinein und fand mich in der Gesellschaft von einem halben Dutzend Frauen wieder, die kaum älter als ich waren. Sie saßen auf ein paar unbequemen Pritschen an den Wänden des Wagens und hatten den Blick zum Boden gerichtet. Am Kopfende des Verschlags stand ein großer Mann, der aber bei weitem nicht so imposant wirkte wie einer der Maharoi - ganz im Gegenteil. Er hatte etwas Geziertes an sich und roch nach Parfüm. Er trat zu mir hin und taxierte mich von oben bis unten, als ob ich eine Ware auf dem Markt wäre.
»Na, du hast mir gerade noch in der Sammlung gefehlt«, sagte er mit einer näselnden Stimme. »Wie soll ich aus dir nur so etwas wie eine begehrenswerte Frau machen? Ich bin doch schließlich kein Magier.« Er schnupperte übertrieben und verzog angewidert das Gesicht. »Bei Gilgasch, da wird wohl erst einmal eine Grundreinigung nötig sein, bevor man dich zur Auswahl stellt. Womit habe ich das nur verdient?«
Shania
Wahrscheinlich war mein Hintern von der holprigen Fahrt bereits durchgesessen, denn er schmerzte ungeheuer. Leider waren die Bretter, die mir und meinen Leidensgenossinnen als Sitz dienten, nicht gepolstert. Unruhig rutschte ich hin und her, um eine Stellung zu finden, die noch am wenigsten unangenehm war.
»Nur keine Sorge«, sagte der parfümierte Kerl, der vorne auf seinem bequemen Sessel saß und sich uns allen als Jaiden vorgestellt hatte. »Schon sehr bald werdet ihr es alle etwas gemütlicher haben. Und das wird sich auch nicht mehr ändern, falls ihr euch nicht zu dumm anstellt und falls ich aus euch so etwas wie menschliche Wesen machen kann.«
Ich schluckte die Bemerkung, die mir auf der Zunge lag, herunter. »Wie lange dauert die Fahrt eigentlich noch?«, fragte ich stattdessen.
»Bis wir angekommen sind«, lautete die wenig erhellende Antwort.
Wir fuhren noch stundenlang durch die Landschaft, von der ich nichts sah, da es in dem Wagen keine Fenster, sondern nur kleine Schlitze ganz oben unterhalb der Wagendecke gab. Zumindest kam dadurch etwas Frischluft herein. Licht hingegen spendete nur die Lampe, die ganz vorne bei unserem freundlichen Reisebegleiter hing. Langsam meldete sich auch noch ein anderes Bedürfnis.
»Ich müsste mal«, sagte ich. Insgeheim wunderte ich mich, dass niemand einen Ton sagte. Die Frauen glotzten nur stumpf vor sich hin, als ob man sie unter Drogen gesetzt hätte.
»Verkneif es dir oder piss auf den Boden!«, erwiderte Jaiden. »Viel schlimmer kann der Gestank hier drinnen auch nicht mehr werden!«
Ich wollte schon aufbegehren, als ich einen Rippenstoß meiner Nachbarin kassierte.
»Sei endlich still«, flüsterte sie. »Wenn du dich so rebellisch zeigst, werden sie dich sofort nach der Ankunft aussortieren!«
Sie hatte recht. Für einen Moment war mir die Lage, in der ich mich befand, nicht bewusst gewesen. Das war hier kein Ausflug oder eine Reise mit meinen Eltern, nein, ich war unterwegs, um einem halben Ungeheuer zugeführt zu werden. Außerdem musste ich an die Menschen denken, die den Wagen nun schon über mehrere Stunden hinweg zogen. Die würden bestimmt gerne mit mir tauschen und hier drinnen einen Sitzplatz einnehmen.
*****
Ich war heilfroh, als die höllische Tortur endlich vorbei war und ich den Wagen verlassen konnte. Doch kaum stand ich im Freien, da wünschte ich mir schon, die Fahrt hätte noch viel länger gedauert, so fremd und bedrohlich kam mir hier alles vor. Wir befanden uns direkt oberhalb einer riesigen Rundfläche, auf die wir einen sehr guten Blick hatten und auf den ich gerne verzichtet hätte. Mitten in der Arena waren zwei gewaltige, geschuppte Drachen, die miteinander kämpften und dabei derartig heftig zur Sache gingen, dass der ganze Boden unter mir erzitterte. Zumindest kam es mir so vor, vielleicht zitterten aber auch nur meine Beine so sehr, weil mich dieser Anblick erschreckte.
»Sieh es dir gut an«, vernahm ich eine Stimme direkt am Ohr. Ich musste mich gar nicht erst umdrehen, um zu wissen, dass es der parfümierte Kerl aus dem Wagen war. »Möglicherweise kämpft dort ein Maharoi, dessen Dohschendi du wirst.«
Mir wurde beinahe schlecht, als ich mir das vorstellte. Wie sollte ich mich an so ein Leben gewöhnen?
Jaiden klatschte schließlich einmal in die Hände. »Ich hoffe, ihr habt euch alle sattgesehen. Jetzt folgt mir, damit ich auch euch aus der stinkenden Kleidung herausholen kann.«
Zögernd wandten wir uns von dem Spektakel zu unseren Füßen ab, denn auch meine Schicksalsgenossinnen hatten natürlich dem Kampf zugesehen. Sie waren ebenfalls reichlich entsetzt, wie ich unschwer erkennen konnte.
Wir folgten Jaiden, der uns ohne weitere Umschweife zu einem palastähnlichen Bau führte. Überhaupt war die Stadt, in der wir uns nun befanden, mit meinem alten Dorf nicht zu vergleichen. Selbst das kleinste Haus hier wäre dort als Palast durchgegangen. Die Straßen waren gepflastert und von einer erstaunlichen Sauberkeit. Ich wunderte mich aber nicht mehr, als ich eine ganze Menschenkolonne mit Eimern und Besen bewaffnet an uns vorbeimarschieren sah. Sie waren genauso in Lumpen gehüllt wie die Männer, die den Karren gezogen hatten.
»Wer sind diese Menschen?«, fragte ich Jaiden, auch wenn ich kaum darauf hoffte, eine Antwort zu erhalten. Zu meiner großen Überraschung forderte er mich nicht auf, den Mund zu halten, sondern beantwortete die Frage.
»Es sind Normi.«
Damit war ich immer noch nicht schlauer. »Und das bedeutet?«
»Es gibt drei Arten von Nachkommen, die ein Maharos mit seiner Dohschendi zeugen kann. Entweder die sogenannten Reinen, die vollwertige Angehörige der Drakos werden. Des Weiteren gibt es die Hybriden, die nur zum Teil die Eigenschaften der Maharoi in sich tragen. Sie werden für Dienstleistungen und als Berater verwendet. Und dann gibt es eben die Normi, die völlig nach den Dohschendi kommen. Wenn sie Glück haben, werden sie für die niedrigsten Dienste gebraucht.«
»Und wenn sie Pech haben?«
Jaiden lächelte nur grimmig und ich ersparte mir jede weitere Frage. Das heißt, eine lag mir noch auf der Zunge.
»Es gibt doch auch weibliche Maharoi. Wieso werden dann Menschen wie ich überhaupt benötigt?«
Jaiden schüttelte betrübt den Kopf. »Deine Eltern haben dir aber auch wirklich nichts beigebracht, oder? Die Reinen können sich weder untereinander noch mit Hybriden fortpflanzen. Das solltest du aber wissen! Doch nun genug mit der Geschichtsstunde.« Wir hatten unser Ziel erreicht und ich staunte nicht schlecht, als wir den Empfangsbereich dieses palastartigen Bauwerks betraten.
»Was geschieht nun?«
Er verdrehte die Augen. »Dein Maharos kann sich auf eine sehr anstrengende Dohschendi freuen. An deiner Stelle würde ich mir diese Neugier schleunigst abgewöhnen, wenn du nicht ein paar unangenehme Erfahrungen machen willst. Wie ich schon erwähnt habe, werde ich euch vor der Auswahlzeremonie in akzeptable Lebewesen verwandeln. Euer Gestank durchdringt selbst meine Duftessenzen und das will einiges heißen. Wir werden euch also zunächst einmal den Dreck wegschrubben und euch in anständige und vor allem saubere Kleidung stecken! Und jetzt Schluss mit der ewigen Fragerei!«
Auf seinen Wink hin eilten ein paar Bedienstete herbei, die uns in Empfang nahmen und in einen Seitenflügel führten. Ohne besondere Rücksicht zu nehmen, entfernten sie unsere Kleidungsstücke, die ohnehin kaum mehr als Lumpen waren. Ich war nur froh, dass es sich bei den Dienern ausnahmslos um Frauen handelte, sodass ich mich zumindest nicht zu unwohl bei dieser Aktion fühlte.
»Folg mir!«, sagte mir die Frau, während sie meine Kleidung achtlos in eine Ecke warf.
Es waren nur fadenscheinige Sachen gewesen, wie alles, was ich besessen hatte. Dennoch umschloss ein eiskalter Ring mein Herz und verursachte mir Beklemmungen, denn diese Lumpen waren die letzten Teile, die mich an meine Familie und mein altes Leben erinnerten.
Ich trottete hinter der Frau her, bis wir einen mittelgroßen Raum erreichten, in dem mehrere Wannen standen. Eine davon war bereits mit dampfendem Wasser gefüllt und meine Begleiterin deutete mit dem Zeigefinger darauf. »Steig dort hinein.«
Ein Bad! Bisher hatte ich mich immer nur im Fluss gewaschen, der an unserem Dorf vorbeifloss. Und da war das Wasser - je nach Jahreszeit - ziemlich kalt gewesen. Daher glaubte ich zuerst, ich würde mich verbrühen, als ich in die Wanne stieg. Ich verkniff mir aber jeden Schmerzensschrei und ließ mich langsam hineingleiten. Der Raum füllte sich auch allmählich mit den übrigen Frauen, die mit mir auf dem Wagen hierher gebracht worden waren. Immerhin war ich also nicht die Einzige, die verbrüht werden sollte. Nach einer Weile fand ich es sogar angenehm, bis mir jemand hinterrücks Wasser über den Kopf goss. Ich schnappte nach Luft, doch bevor ich etwas sagen konnte, kam auch schon eine zweite Ladung.
»Bei Gilgash!«, hörte ich Jaidens Stimme hinter mir. »Nun seht euch nur an, was da für eine Brühe herunterkommt!«
Was hatte ein Mann hier drin verloren? Instinktiv bedeckte ich meine Brust mit den Händen.
»Nur keine Sorge!«, sagte er. Ich konnte den Spott in seiner Stimme hören, obwohl mir Wasser in die Ohren gelaufen war. »So, wie du noch aussiehst, würde dich nicht einmal ein Diener anfassen wollen! Du wirst ordentlich schrubben müssen, Kamilla!«
»Ich werde mein möglichstes tun, Herr!«
Immerhin kannte ich nun den Namen der Frau, die begann, mein Haar mit irgendeiner Essenz zu behandeln. Mit erstaunlich kräftigen Fingern massierte sie mir die Kopfhaut und der Geruch, den das Zeug auf meinen Haaren verströmte, raubte mir fast die Besinnung. So etwas Intensives hatte ich noch nie gerochen. Die Massage hingegen genoss ich, nur leider hörte sie nach verhältnismäßig kurzer Zeit damit auf.
»War das …«
Ich konnte den Satz nicht beenden, weil man mir erneut heißes Wasser über den Kopf schüttete. Diesmal war mir auch ein guter Teil in den Mund geflossen und ich spuckte die merkwürdig schmeckende Flüssigkeit aus. Aber auch wenn die ganze Prozedur nicht gerade angenehm gewesen war, so fühlte sich mein Kopf - und vor allem die Haare - irgendwie leichter und frischer an.
Ich wollte schon fragen, ob wir nun fertig wären, als Kamilla begann, meinen Rücken mit einem harten Gegenstand abzuschrubben.
»Au!«, rief ich. »Nicht so fest!«
»Tut mir leid, Herrin, es geht nicht anders!«
Wie hatte sie mich gerade genannt? Wen glaubte sie denn, vor sich zu haben? »Ich bin Shania«, sagte ich daher.
»Ich weiß, Herrin.«
Anscheinend war mein zukünftiger Rang als Dohschendi oberhalb einer Dienerin angesiedelt. Allerdings sollte ich mir darauf besser nichts einbilden, denn meine Aufgabe war ja kaum mehr als die einer Zuchtstute. Schon der Gedanke daran verursachte mir ein bitteres Gefühl im Mund.
Ich ließ die Prozedur, mit der Kamilla meine Haut behandelte, schweigend über mich ergehen. Einmal musste ich aus der Wanne steigen und sie führte mich in einen Nebenraum, wo eine weitere mit heißem Wasser gefüllte Badewanne auf mich wartete. Hier nahm sie dann eine so gründliche Reinigung vor, dass es mir teilweise die Röte ins Gesicht trieb, weil sie keine Stelle ausließ.
»Ihr werdet euren Maharos sehr glücklich machen!«, sagte sie, als ich endlich aus der Wanne steigen durfte.
Mir war zwar nicht ganz klar, woher sie das wissen wollte, aber sie hatte sich ja durchaus eingehend genug mit allen dafür erforderlichen Teilen beschäftigt. Sie half mir beim Abtrocknen und führte mich in einen weiteren Nebenraum. Allmählich fragte ich mich, wie lange diese Zeremonie noch gehen sollte.
»Bitte wartet hier, während ich euch eure neue Kleidung bringe«, sagte sie, verneigte sich vor mir und verließ den Raum.
Ich war noch eine ganze Weile ziemlich sprachlos, da sich noch nie jemand vor mir verbeugt hatte - höchstens mein Bruder, wenn er mich aufziehen wollte. Doch mit der Zeit wurde mir langweilig. Ich schritt an den Wänden entlang und betrachtete die dort angebrachten Zeichnungen. Erneut schoss mir das Blut ins Gesicht, während ich die mehr als eindeutigen Darstellungen ansah. Wo war ich hier denn reingeraten? Ich erinnerte mich an Erzählungen meines Bruders, der von Häusern in Menschenstädten gesprochen hatte, wo sich Frauen zum Verkauf darboten. War das hier so eine Einrichtung? Würde man mich in ein Zimmer stecken und erwarten, dass ich diese … ich wollte gar nicht darüber nachdenken. Wenn man von mir so etwas erwartete, würde ich einen Weg finden, zu fliehen und mich zu Eli durchzuschlagen. Lieber im Wald beim Widerstand leben als … so etwas.
Ich fuhr herum, als jemand die Tür öffnete. Zunächst atmete ich auf, als Kamilla hereinkam, doch dann wurde ich erneut rot, denn Jaiden folgte ihr auf dem Fuße.
»Ich bin nackt!«, rief ich aus, während ich erfolglos versuchte, die für Männer interessantesten Teile an mir mit den Händen zu bedecken.
»Ich habe Augen im Kopf«, erwiderte er nur und winkte ab. »Wenigstens bist du nun sauber und riechst nicht mehr so entsetzlich nach Dung.« Er betrachtete mich von oben bis unten und nickte schließlich zufrieden, während ich vor Wut zitterte. »Ja … doch … ganz brauchbar, wie mir scheint. Mit den richtigen Ingredienzien und passender Kleidung machen wir aus dir eine anständige Dohschendi, da bin ich mir sicher.«
Er trat zu mir hin, fasste mir ans Kinn und sog erneut tief die Luft ein. »Etwas Jasmin, einen Spritzer Rose und ein Hauch meiner Spezialmixtur. Danach wird dir kein Mann widerstehen können, das verspreche ich dir.«
Zu gerne hätte ich ihm eine Ohrfeige verpasst, aber erstens hätte der Ochse sie wohl kaum gespürt und zweitens hätte ich dafür etwas von mir entblößen müssen. Also sah ich ihn nur wütend an, was ihm aber überhaupt nichts ausmachte. Stattdessen winkte er nur Kamilla zu sich heran.
»Ich denke, wir haben die richtige Bekleidung ausgesucht. Kleide sie an und bringe sie dann in meine Kammer. Ich stelle derweil die passenden Kreationen zusammen.«
Er verließ den Raum und ich zischte vor Wut. »Dieser … Wüstling!« Vor lauter Ärger fiel mir kein stärkeres Schimpfwort ein, aber zumindest brachte ich damit Kamilla zum Lachen. »Und was ist daran so komisch? Hast du nicht gesehen, wie er mich mit seinen gierigen Blicken ausgezogen hat? Obwohl das ja gar nicht mehr nötig war …«
Ich stammelte nur noch unzusammenhängendes Zeug, bis Kamilla entschuldigend die Hand hob.
»Bitte verzeiht, Herrin, ich wollte euch nicht auslachen. Es ist nur so … vor Jaiden müsst Ihr euch wirklich nicht in acht nehmen. Ihn interessiert eine Frau nur dann, wenn er sie herrichten kann. Danach wird er euch keines Blickes mehr würdigen.«
»Und warum? Sehe ich so hässlich … oh, ich verstehe!«
Das war natürlich etwas anderes, auch wenn ich mich wunderte, dass diese sexuelle Ausrichtung an dem Ort überhaupt geduldet wurde. Die Berichte, die ich über Draconia gehört hatte, waren voll von Brutalität gewesen. Eigentlich schöpfte ich dadurch auch wieder neue Hoffnung. Vielleicht war es doch gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte, auch wenn mir der Gedanke immer noch nicht gefiel, wie ein Stück Vieh verschachert zu werden.
»Außerdem wäre niemand so lebensmüde, einer angehenden Dohschendi zu nahe zu treten. Folgt mir bitte, Herrin! Ich habe im Nebenraum eure Kleidung für die Auswahl vorbereitet.«
Gehorsam trottete ich hinter Kamilla her und fragte mich im Stillen, wie die Kleidungsstücke wohl aussehen würden.
*****
»Diese Fetzen soll ich anziehen?« Ich konnte kaum glauben, was Kamilla mir vor die Nase hielt. Die Kleidung bestand aus einem Hauch von Nichts und war an fast allen Stellen durchsichtig - auch dort, wo eigentlich kein Blick hinkommen sollte. Ich kochte vor Wut und jagte ihr damit offensichtlich ziemliche Angst ein. »Da kann ich mich ja auch gleich nackt präsentieren!«
»Der Vorschlag wurde schon oft genug gemacht«, hörte ich Jaiden sagen, der soeben den Raum betrat und sich überhaupt nicht daran störte, dass ich immer noch vollkommen nackt war. Mit sich schleppte er einen großen Korb, aus dem er nun allerlei Gefäße holte und auf den Tisch stellte. Hin und wieder nahm er einen Flakon in die Hand, öffnete ihn und schnupperte daran, wonach er die Augen verdrehte, als hätte er ein besonders saftiges Stück Fleisch gegessen. Unwillkürlich knurrte mein Magen, denn ich hatte morgens ja kaum etwas zu mir genommen und seitdem auch nichts zu essen bekommen.
»Vor der Zeremonie solltet Ihr besser noch etwas zu euch nehmen«, sagte er und verzog missbilligend das Gesicht. »Diese … Laute würden ansonsten das Gesamtkunstwerk, in das ich euch verwandeln will, zerstören.« Er betrachtete mich prüfend, während er zwei Gefäße in der Hand hielt. »Ich würde zum roten Kostüm raten. Was meinst du, Kamilla?«
»Dies habe ich auch gedacht, Herr.«
»Der Fetzen enthüllt ja mehr, als er verdeckt!«, sagte ich, nachdem ich das empfohlene Kleidungsstück in die Hand genommen und geprüft hatte. »Das ist ja wie auf einem Sklavenmarkt.«
Jaiden rollte erneut mit den Augen. »Du wirst es nicht leicht mit deiner Herrin haben, Kamilla! Jetzt zieh dich an!« Damit hatte er mich gemeint. »Ich habe mich noch um andere Dohschendi zu kümmern. Und hoffe lieber, dass du niemals auf den Rang einer Sklavin herabsinkst!«
Das war deutlich. Da ich mich schlecht weigern konnte, zwängte ich mich in das rote Etwas und ließ es geschehen, dass mich beide prüfend betrachteten.
»Ja, das könnte gehen«, sagte Jaiden, nachdem die Musterung offensichtlich zu seiner Zufriedenheit ausgefallen war. »Kaum zu glauben, was unter der dicken Schmutzschicht verborgen war. Dein Maharos wird die erste Zeit kaum aus dem Bett herauskommen wollen.«
Das klang jetzt irgendwie falsch, aber er hatte sein abschließendes Urteil gefällt und trat nun mit der ausgewählten Palette an Düften auf mich zu. Er tupfte aus einer Flasche etwas hinter meine Ohren, strich eine Kleinigkeit aus einem anderen Gefäß über meinen Hals und nahm dazwischen gelegentlich eine Geruchsprobe. Auch Kamilla gab ihren Kommentar ab und so dauerte es eine ganze Weile, bis beide zufrieden waren.
»Ich denke, wir haben getan, was wir konnten«, sagte Jaiden und stopfte seine Gefäße zurück in den Korb. »Sieh zu, dass du dich nicht gleich wieder in irgendeiner Güllegrube herumwälzt, so wie du es bisher getan hast!«, ermahnte er mich noch, bevor er sich verabschiedete und den Raum verließ.
»Ich denke, es reicht jetzt!«, sagte ich zu Kamilla, weil diese immer noch an meinem Kostüm und den Haaren herumzupfte.
»Ich muss euch noch frisieren, Herrin!«
»Ich nehme an, wir müssen dazu wieder in einen anderen Raum, stimmt’s?«
Natürlich hatte ich richtig geraten.
*****
»Ihr seht wirklich ganz ausgezeichnet aus, Herrin!«, sagte Kamilla, nachdem wir die Prozedur des Frisierens hinter uns gebracht hatten.
Aber nun stand mir etwas bevor, mit dem ich sehr einverstanden war - das Essen. Ich sehnte mich nach einem anständigen Stück Fleisch, vielleicht mit ein paar Kartoffeln und etwas Gemüse. Im Geiste stellte ich mir die Festtafel im Dorf vor, wenn es etwas zu feiern gab. Es kam wahrlich nicht oft vor, aber an diesem Tag brachte jeder seine besten Vorräte auf den großen Festplatz und es wurde sogar ein Tier geschlachtet. Die saftigsten Stücke davon waren zwar immer für die Hausvorstände reserviert gewesen, aber mein Vater hatte mir immer ein gutes Stück zugesteckt.
Kamilla klatschte in die Hände, nachdem wir im sogenannten Speisesaal der Dohschendi Platz genommen hatten. Im nächsten Moment öffnete sich eine Seitentür und drei Bedienstete traten ein. Sie balancierten zwei große Tabletts auf ihren Händen und mir lief bereits das Wasser im Munde zusammen. Was es hier wohl für Leckereien geben mochte? Einen kurzen Augenblick lang dachte ich schuldbewusst an Eli, der jetzt wohl in seinem Versteck im Wald saß und ein kärgliches Mahl verzerrte, während ich …
»Was ist das denn?«, fragte ich, nachdem man uns die Tabletts auf den Tisch gestellt hatte.
»Das ist die Fastenspeise einer angehenden Dohschendi«, antwortete Kamilla. »Greift zu und lasst es euch schmecken, Herrin!«
Ich hätte sehr gerne irgendwo zugegriffen, aber ich sah nichts weiter als irgendwelches Grünfutter vor mir liegen. Selbst mein Magen knurrte, als wollte er gegen die Zumutung protestieren. Ich hatte Hunger wie ein Wolf und sollte nun auf diesen Blättern kauen? Prüfend griff ich mir eines der grünen Dinger und hielt es in die Höhe, während ich es von allen Seiten betrachtete.
»Iss, Herrin. Es ist sehr schmackhaft. Ihr solltet euch beeilen.«
»Wieso? Hast du Angst, dass es welk wird?«
Kamilla gab keine Antwort. Ihr schien es aber zu schmecken, denn sie stopfte sich das Grünfutter in den Mund, als hätte sie nie etwas Leckeres gegessen. Da es anscheinend keine Möglichkeit gab, etwas anderes zu bekommen, bequemte ich mich auch dazu, das Grünzeug zu essen. Was sie sich auch immer unter Geschmack vorstellte, ich fand es reichlich fad und wenig nahrhaft. Und um mir dieses Zeug zu bringen, hatten sich drei Diener bemüht. Da hätten sie mich auch einfach nach draußen zu einer Wiese führen können. Es passte dazu, dass es an Getränken nur Wasser gab.
Ich würgte einiges davon hinunter und wollte mir gerade noch einen Nachschlag nehmen, als sich die Tür öffnete und Jaiden den Raum betrat.
»Ich hoffe, Ihr habt euch gestärkt.«
»Mit dem Zeug hier?«
Er ging über meine Bemerkung hinweg und verdrehte nicht einmal die Augen. Anscheinend hatte er sich daran gewöhnt. »Komm mit! Es ist Zeit, dich auf die Auswahlzeremonie vorzubereiten!«
Xardos
Ich genoss es, nach einem harten Trainingstag im Bad zu sitzen und zu entspannen. Heute Abend stand die Auswahlzeremonie bevor, wo ich mir eine Dohschendi aussuchen musste. Aber jetzt verschwendete ich keinen Gedanken an die mickrige Normi, die ich dann vorfinden würde, denn in diesem Moment kam Aijessa durch die Tür. Sie war ganz nach meinem Geschmack. Groß, kräftig gebaut, eine echte Mahara und sie wusste, was mir gefiel.
Sie tauchte einen Schwamm ins Wasser, stellte sich hinter mich und begann mich zu säubern. Den Kriegerknoten ihres Haares hatte sie gelöst und so fiel mir ihr samtweiches Haar zu beiden Seiten des Gesichts auf die Schultern, als sie sich vornüberbeugte. Durch diese Bewegung berührte sie mit ihrer Brust leicht meinen Rücken. Während sie den Badeschwamm kreisen ließ und in immer tiefere Regionen führte, unterstützten ihre Brustwarzen sanft die Massage und ließ mich vor Erregung erzittern.
»Gefällt es dir?«, flüsterte sie mir ins Ohr.
Ich gab keine Antwort, sondern wandte mich um und zog sie in die Wanne. Mit einem gurrenden Lachen ließ sie es geschehen und breitete ihre Beine aus, soweit es in diesen beengten Verhältnissen ging. Es war aber ausreichend, zumal wir das Spiel nicht zum ersten Mal trieben. Ich zog sie näher zu mir heran, hob sie etwas hoch und stieß sanft in sie hinein. Wir störten uns nicht an das über den Rand schwappende Wasser, als wir uns liebten wie schon einige Male zuvor. Sie war eine Göttin, eine wilde, fordernde Gottheit. Ich saugte an ihren Brustknospen, während sie mich ritt - hart und unersättlich.
»Los … los … komm!«, stöhnte sie, kratzte mir mit ihren Fingernägeln über die Brust und stieß mich nach unten, sodass mein Kopf oft genug unter Wasser gedrückt wurde.
Wir kamen fast gleichzeitig und mit einem leisen Seufzer presste sie ihren Kopf an meinen Hals, biss hinein und lachte zugleich, bevor sie sich wieder aufrichtete.
»Deine Dienerin wird ganz schön was aufzuwischen haben«, sagte Aijessa.
Sie hatte recht. Während unseres wilden Ritts war fast das gesamte Wasser aus der Wanne geschwappt. Mir war es egal, darum kümmerte ich mich nicht. Wir kletterten gemeinsam aus der Wanne und gingen nackt hinüber in den Wohntrakt. Katzenhaft glitt sie auf das Sofa und rekelte sich derart lasziv, dass mein Blut schon wieder in Wallung geriet.
»Wie ich sehe, hat der stolze Maharos noch nicht genug«, sagte sie und deutete in Richtung meines Unterleibs.
