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Demonia Paso Welt der Dämonen. Wer dieses Tor öffnet, der nimm sich in Acht, denn einmal geöffnet wird frei diese Macht. Böse Wesen und ewige Nacht und nur ein Knabe findet die Macht, das Tor wieder zu schließen für alle Ewigkeit. Ewig gefangen im ewigen Eis, dazu verdammt auf ewig zu leiden unter endlosen Qualen und Einsamkeit. Die dunkle Prophezeiung hat sich erfüllt. Das schwarze Tor wurde geöffnet und der Dragôc, der flammende Dreimond, setzt den gesamten Himmel über Tasirée in Flammen. Die Dämonen sind frei und nur ein Knabe reinen Herzens kann die dunklen Mächte besiegen. In einem verborgenen Dorf, das noch unberührt ist von den Dämonen und ihren Dienern, lebt der junge Jägerssohn François. Aufgrund eines frühen Todes beider Elternteile muss der junge Herumtreiber sich bereits seit seinem elften Lebensjahr allein versorgen. Doch obwohl er im Dorf immer nur als Taugenichts gemieden wird und sich mit Klauen, Angeln und Jagen über Wasser hält, verliert er dennoch nicht seinen Spaß an kleinen Abenteuern und Mutproben. An seinem sechzehnten Geburtstag steht der Blutmond, der seit Jahren die Welt in dämonische Schatten hüllt erneut als flammender Vollmond Dragôc am Himmel. In dieser Nacht hat François einen merkwürdigen Traum und macht sich bereits am nächsten Morgen auf den Weg, seine Bedeutung zu ergründen. Auf dem Weg lernt er die letzten beiden Kobolde Mick und Mack vom Clan der Mächtigen kennen, sowie die beiden mächtigen Druidika Knagôn und Ronneck und stürzt sich mit seinen neuen Gefährten in ein gefährliches Abenteuer. Wird es ihm gelingen, sein Schicksal zu erfüllen?
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Seitenzahl: 803
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Dieses Buch wurde von einer 16-jährigen Hobby-Autorin geschrieben, die 1986 geboren wurde. Der Name dieser Autorin lautet Jennifer Niemann und sie wuchs auf in einer ländlichen Ortschaft namens Ihmert im Kreis Hemer des Märkischen Kreises in Nordrhein Westfalen Deutschland. Geborene Iserlohnerin verlebte sie eine schöne Kindheit in Ihmert, spielte in den dortigen Wäldern und hatte viele Freunde.
Ein Umzug mit zehn Jahren veränderte jedoch ihr gesamtes Leben. Sie verlor jeglichen Kontakt zu gleichaltrigen Menschen und zog sich immer mehr in ihre eigene Welt der Fantasie zurück, bis sie im Jahre 2000 ihre faszination für Kurzgeschichten und Fantasy-Romane entdeckte. 2002 begann sie damit, ihre eigenen Fantasien in einem Buch zu verfassen. Obwohl das erste Buch zunächst nur 20 DIN-A4 Seiten lang war, hatte sie bereits eine sehr interessante Geschichte verfasst. Der Grundbaustein für eben dieses Buch, das nun stolze 548 Seiten lang ist.
Druiden-Saga:Dragôc-Dreimond
Band 1: Der Ring des Dämonen (geschrieben 2002) (Veröffentlicht 2018 / Neuauflage Januar 2023)
Band 2: Terradora (geschrieben 2004) (Veröffentlicht 2019 / Neuauflage Februar 2023)
Dragôc-Dreimond – Die Vorgeschichte
Das schwaze Tor (geschrieben 2006) (Veröffentlicht 2019 / Neuauflage März 2023)
Weitere Titel, die in nächster Zeit folgen:
Die Igel-Saga
1. Das Amulett der Macht (geschrieben 2008)
2. Der Smaragd des Chaos (geschrieben 2010)
3. Der Stab des Gotteszorns (geschrieben 2011)
4. Der Komet des Terrors (geschrieben 2012)
5. Das Juwel der 5 Seelen (geschrieben 2013)
6. Der Zorn der Götter (geschrieben 2015)
7. Der Turm von Akara (geschrieben 2016)
8. Die Siegelsteine der Schatten (geschrieben 2017)
9. Der Schatz der Wilden Hunde (geschrieben 2018)
10. Das Relikt des Bösen (geschrieben 2020)
11. Die Elemente der Zerstörung (geschrieben 2021)
12. Die Labyrinthe von Weslan (geschrieben 2023)
Nebenbuch: Igel-Saga
Ahnengeschichte von Hauptmann Berios (geschrieben 2014)
Tasirée und die nördliche Insel:
dem südlichen Kontinent:
Kapitel 1: Das Tor nach Drânkõr
Eine Legende
Prolog
Die Dunkelheit
Das Dorf
Sechzehn Jahre später
Der Efreb
Der Kampf der Kobolde
Zurück im Lager
Gleichzeitig etwas nördlich im Dorf Karikâs
Zur gleichen Zeit am Fluss
Der Ebrur
Derweil nicht weit vom Fluss
Erinnerungen
Notroika
Try
Erinnerungen
Ishu Marek
Tief unter der Erde
Erinnerungen aus der Zeit vor der Sonnenfinsternis
Erinnerungen
Himmelskampf über dem See des Zorns
Hunger
Erinnerungen
Ankunft im Marnés
Der Marnés
Die Orkhöhlen
Das Tal des Nokalôn
Die Flucht
Im Gebirge
Die Versammlung
Wieder im Gebirge
Der Ring Épokíte
Flucht aus dem Gebirge
Süderland
Carlvahorl, die Zwergenfestung
Die finale Schlacht
Ein neuer Tag
Der Heimweg
Epilog
Kapitel 2: Anhang
Die Götter
Namen
Lebewesen
Die Volksgruppen
Die Koboldclans
Die Sprachen
Hier einige Übersetzungen, der am häufigsten benutzten Ausdrücke
Ortsnamen und ihre Herkunft
Tiernamen und deren Bedeutung
Nachwort
Es gab einst eine Welt im Zentrum der Sterne. Ihr Name war Druîn, das Zentrum aller Schöpfungen. Es war eine schöne Welt mit drei Monden, ein grüner Waldmond, ein blauer Wassermond und ein brauner Wüstenmond, auch als die drei Drachen bekannt. Eine Welt aus Licht, unberührt von den Schatten der Göttin Alweja. Sie war die Schwester der Göttin des Lichtes, die sich einst in der Dunkelheit verlor und die aus Neid und Eifersucht damit begann, alle Welten in Finsternis zu stürzen.
So verbannten die anderen Götter sie in die sogenannte dunkle Dimension, welche lediglich das dunkle Gegenstück zu jenen Welten des Lichtes darstellte, so etwas wie der Schatten aller Welten und durch diese Dimension waren alle Welten fest miteinander verwoben. Einzig die unsichtbare Barriere zwischen Licht und Schatten, der Schleier genannt, bewahrte die Welten davor, ebenfalls in die Dunkelheit zu stürzen und von den dunklen Schattenkreaturen der anderen Seite völlig verschlungen zu werden.
Doch leider gelang es Alweja in jeder Welt des Lichtes ein Tor in diese Dimension der Schatten zu erschaffen, die jedoch lange Zeit verschlossen und fest versiegelt blieben, bis eines Tages die Völker jener Welten unbeabsichtigt diese Tore öffneten und so das Böse in ihre Welt ließen. Eine Welt nach der anderen versank in Chaos und Krieg gegen jene Kreaturen der dunklen Seite, doch solange auch nur eines der Tore weiterhin verschlossen bliebe, konnte Alweja ihre dunkle Dimension nicht verlassen und das Reich des Lichtes nicht endgültig verschlingen. Doch immer mehr Welten fielen ihrem Blutdurst zum Opfer, bis nur noch eine einzige übrig war, die Welt Druîn.
Die letzten beiden schwarzen Tore waren fest versiegelt und bewahrten bisher das Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten. Erst wenn es Alweja gelänge, diese beiden letzten Tore zu öffnen, würde ihre gesamte, finstere Macht aus der dunklen Dimension strömen und das Reich des Lichtes für immer verschlingen.
Tasirée war ein gewaltiger Kontinent im Norden der Welt Druîn. Neben ihm gab es noch den Südkontinent Süderland und die scheinbar unbewohnte, nördliche Insel Krûlais.
Rundherum lagen die Ozeane mit ihren vielen Geheimnissen und gewaltigen Kreaturen und Meeresungeheuern. Es war eine Welt der Vielfalt, in der viele verschiedene Völker bis heute noch friedlich zusammen lebten.
In einem kleinen Dorf namens Rések, inmitten des östlichen Waldes Plaîres lebte das uralte Volk der Druidika. Das Dorf bestand aus einzelnen, kleinen Hütten aus Holz, die offenbar alle nur aus einem einzigen Zimmer bestanden. Klein und bescheiden, denn so waren die Druidika. Sie besaßen nur soviel, wie sie zum Leben brauchten, jeglicher Luxus war ihnen verboten. Sie waren die kämpfenden Gelehrten.
Unter ihnen lebte ein junger, naja ein für ihre Verhältnisse noch junger Druidika namens Knagôn, ein großgewachsener Mann selbst unter seinem Volk. Wie alle Druidika war er deutlich größer als die gewöhnlichen Menschen, ihnen aber dennoch relativ ähnlich, wenn man von den spitzen Ohren seines Volkes und die strahlend weiße, makellose Haut absieht, die die Druidika von den Menschen unterschieden. Druidika sahen selbst mit fünfhundert Jahren noch aus, wie mit zwanzig und ihre Haut war makellos, keine Flecken, keine Warzen, keine Unebenheiten, keine Falten.
Druidika waren ein Volk aus reiner Magie, geschaffen von Alwaria der Göttin des Lichtes aus einem Tautropfen der ewigen Jugend und ihrem reinsten Licht. Allerdings zeigte sich dieses Volk nur selten den anderen Völkern, denn die Druidika trugen meist lange, dunkelbraune Mönchskutten, die mit einfachen Seilen gegürtet waren. Diese Kutten reichten bis zum Boden und die Ärmel weit und lang, sodass auch die Hände nur selten zum Vorschein kamen. Die weiten Kapuzen waren meist bis tief ins Gesicht gezogen, sodass man ihre Gesichter nur erahnen konnte.
Nur selten sah man tatsächlich mal eine Hand unter dem Ärmel hervorkommen und noch seltener das Gesicht unter der Kapuze schimmern.
Allgemein galt das ungeschriebene Gesetz, es sei verboten, einen Druidika ohne dessen Mantel anzusehen. Die Menschen glaubten, dass dies daran läge, weil sie aus Licht bestehen und jeder, der sie ansah dann von ihrer strahlend weißen Haut geblendet würde. Doch selbst unter sich, zeigten die Druidika sich nur selten ohne Kapuze oder gar ohne Mantel, denn das war eben ihre Lebensart, verborgen.
Doch abgesehen von ihrem Mantel besaßen Druidika nicht viel. Am Gürtel trugen sie ein einfaches Messer, einen Beutel mit genug Gold, um davon leben zu können, aber zu wenig, um dafür Luxus zu kaufen, sowie einen Beutel mit Heilkräutern, einen mit exotischen Gewürzen und eine goldene Sichel zum Schneiden besonderer Kräuter, wenn sie unterwegs mal auf spezielle Heilkräuter stießen.
Schuhe trugen sie jedoch keine, obwohl ihre Füße keine Hornhaut bildeten, ebenso wenig trugen sie Unterwäsche, denn dies gehörte wieder zum Luxus, doch die Mäntel verhüllten alles, wärmten bei Kälte und kühlten bei Hitze, sodass sie keinen Schweiß kannten. Und auch ohne die Unterwäsche waren Druidika sehr reinliche Leute.
Jeder Druidika trug stets einen Kampfstab auf dem Rücken oder zwei Schwerter an der Hüfte an einem zusätzlichen Waffengürtel, wobei Druidikafrauen meist nur zwei einfache Dolche als Waffe bei sich führen durften oder eben einen einfachen Stab. Diese Waffen galten immer nur der reinen Verteidigung, denn Druidika waren keine Krieger und keine Kämpfer, sondern kämpfende Gelehrte, die in ihren tausenden von Lebensaltern Wissen anhäuften und dieses mit allen anderen Völkern teilten.
Sie waren Wissenschaftler und Lehrer, die das Kämpfen nur zu ihrer Verteidigung lernten, und zusammen mit ihrer Schnelligkeit und Wendigkeit, eben weil sie keine schweren Rüstungen trugen, und ihrer extrem starken Magie waren sie dennoch keine einfachen Gegner. Es hieß unter den Orks aus dem Hauptgebirge sogar, dass jeder Druidika das Leben tausender seiner Gegner forderte, um nur einen von ihnen zu besiegen.
Hier in Rések lebte Knagôn mit seiner Familie in einem der üblichen bescheidenen Häuser. Kleine, runde Holzhütten mit Strohdächern. Es gab nur einen großen Raum: das zentrale Wohnschlafzimmer mit offener Kochstelle und ein durch einen Paravent abgeschirmten Bereich als Bad.
Druidika waren bekannt für ihre Geduld, ihre Gelassenheit und ihre Bescheidenheit. Jedes Haus hatte einen Garten, über den jeder Druidika sich selbst mit Nahrung versorgte. Der Tagesablauf eines Druidika bestand meistens nur aus Gartenpflege, Instrumente entwerfen, Instrumente spielen, spazieren gehen und feiern. Knagôn, kurz K wie der englische Buchstabe, ging jeden Tag mit seinem Vater zum Meer. Dort beobachteten sie den Sonnenaufgang und trainierten fleißig. K wollte der beste Kämpfer werden und musste mit seinem Kampfstab hart trainieren.
Sein Kampfstab war aus härtestem Steineichenholz mit Stahl verstärkt. Die beiden Enden des Stabes waren ganz durch Stahl abgeschlossen und mit Runen verziert. Seine Zauberkunst war bereits auf dem höchsten Level und wurde nur trainiert, um nicht zu verrosten. Auch seine Stabkunst entwickelte sich sehr gut. Schon sehr bald hatte sein Vater kaum noch eine Chance gegen Knagôn und eines Tages sollte sich das besonders harte Training lohnen.
Knagôn war ein sehr verschlossener Druidika, der genau wie sein Vater niemals sein Gesicht zeigte. Wie alle Druidika trug auch er einen sehr langen Mantel mit Kapuze und langen Ärmeln und wie alle Druidika trug er die Kapuze immer über den Kopf gezogen. Doch im Gegensatz zu anderen Druidika war sein Mantel ebenso wie der seines Vaters schwarz statt dunkelbraun und seine Kapuze war noch tiefer ins Gesicht gezogen, sodass es im Schatten gar nicht mehr zu sehen war.
Nicht selten wurde Knagôn deswegen als Sonderling behandelt und von den anderen ausgegrenzt, gemieden und regelrecht verachtet und nicht selten sogar gehänselt und zum Sündenbock gemacht, wenn mal wieder irgendwas passierte. Doch K nahm es hin, denn alleine war er besser dran und er liebte seine Abgeschiedenheit sogar.
Eines Tages geschah das Unheil. Es war ein Tag wie jeder andere und die Sonne erhob sich gerade über dem Horizont, als Knagôn mit seinem Vater wieder am Meer war. Sie hatten gerade eine kleine Pause eingelegt, als sich plötzlich die Sonne verdunkelte und regelrecht schwarz wurde. Der ganze Himmel wurde schwarz und es wurde mitten am Tage stockdunkel. „ Sieh nur, Vater. Die Sonne. Was geschieht hier?“ Sein Vater wurde nachdenklich. „ Der Schatten da scheint sie ersticken zu wollen.“
K starrte seinen Vater an, „ Ich habe da ein ganz unwohles Gefühl dabei.“ Auch Knagôns Vater spürte die Gefahr, die von der Dunkelheit ausging. Sie war einfach unnatürlich. K hörte seinen Vater nur ein einziges Wort sagen: „ Dragôc“.
Ganz Druîn schien von der plötzlichen Dunkelheit betroffen zu sein. Die Menschen der Weidemark, welche gerade die Sonne begrüßt hatten und ihren Arbeitstag beginnen wollten, liefen in Massen auf die hohen Stadtmauern und beobachteten den unheimlichen Kampf der Sonne gegen den unbekannten Schatten, der sich vor sie zu schieben versuchte und sie zu ersticken drohte. Die Sonne verlor ihren verzweifelten Kampf und der Schatten verdunkelte die Welt.
Unruhe brach aus in den Städten und die Menschen wurden teilweise sogar panisch. „ Oh, bei den Göttern!“, riefen einige. „ Seht doch mal da!“, schrien andere. „ Dieser mysteriöse Schatten!“, brüllte einer. „ Was ist das!?!“, kreischten die Frauen. „ Er verdunkelt die Sonne!“, jammerten die Kinder. „ Das ist ein böses Omen!“, fluchte einer. „ Geht die Welt jetzt etwa unter!?!“, fragten sich jedoch alle.
Auch die Kobolde, ein verborgenes Volk in den Tiefen des zentralen Waldes Efreb bemerkte das dunkle Omen am Himmel. Die kleinen Fellkugeln mit Gesichtern, kurzen Armen und hasenartigen Beinen wurden unruhig und versammelten sich im Zentrum ihres Waldes. Im Gegensatz zu den Menschen hatten die Kobolde eine Ahnung, was gerade vor sich ging, denn sie waren sehr alt und weise und sie wussten, was dieses Omen bedeutete.
Der Älteste der Kobolde, ein weißer Fellball mit Gurkennase und hellblauen Augen, sagte: „ Sehen! Seht da! Schatten! Verdunkeln Sonne! Ersticken Sonne! Sie kommen! Gefahr! Müssen helfen! Brauchen Schutzbarrieren! Beraten! Schnell! Nicht viel Zeit. Sie schon bald kommen!“ Und so rief der Älteste eine große Ratsversammlung aller lebenden Kobolde zusammen, die wenig später stattfinden sollte.
Doch auch die Einhörner versammelten sich am Einsamen Berg. Sie waren schlanke Pferdeähnliche Wesen mit gespaltenen Hufen und einem Horn auf der Stirn. Ihre weiten gefiederten Flügel konnten sie über weite Strecken durch die Lüfte tragen.
Es gab schwarze Einhörner mit goldenen Mähnen, Hufen und Hörnern und weiße Einhörner mit silbernen Mähnen, Hufen und Hörnern, doch sie waren untereinander zerstritten und verfeindet. Sie bekämpften einander nicht, da Einhörner friedfertige Wesen waren, doch die weißen Einhörner mieden und verachteten ihre schwarzen Artgenossen und diese hielten sich meist von den weißen fern.
Die schwarzen Einhörner versammelten sich als erste am Berg und berieten sich. „ Schattenfell, da! Der Schatten!“ Schattenfell nickte mit dem Kopf. „ Ja. Ich spüre die Gefahr ebenfalls, Torna. Es geschieht also wieder. Sie werden kommen, doch dieses Mal wird es keinen geben, der sie aufhalten kann. Das uralte Volk von einst, welches sie schon einmal zurückschlagen konnte, ist gespalten und uneins.“
Torna wieherte unruhig: „ Die uralten Legenden über den sagenumwobenen Dragôc, dem flammenden Dreimond werden also wahr. Die Prophezeiung, dass sie zurückkehren werden, erfüllt sich also wirklich? Oh! Schau mal, dort! Die weißen Einhörner kommen. Die wollen doch sonst nichts mit uns zu tun haben.“
Der Anführer der weißen Einhörner trat jedoch näher und sagte: „ Schattenfell. Wir müssen uns dringend beraten. Ihr wisst sicherlich ebenso wie wir, was dieses Omen bedeutet und dass die Wächter von einst nicht mehr da sind, um es zu verhindern.
Ihr Volk hat die Lande vor langer Zeit verlassen müssen und jene Völker, die übrig blieben, haben nicht die Macht dazu. Selbst die Reste jenes einst stolzen Volkes sind machtlos geworden, denn sie sind uneins und haben viele ihrer göttlichen Gaben vergessen. Wenn sie aber nun wirklich kommen, müssen wir uns zusammentun, denn nur gemeinsam können wir gegen sie bestehen.“ Sie sahen sich an. „ Ja“, sagte Schattenfell, „ ich weiß. Nur so haben wir eine Chance, gegen sie zu bestehen und ich hoffe und bete, dass die letzten ihres einst stolzen Volkes sich verbünden und diesen Feind erneut niederringen können.“ Das weiße Einhorn schüttelte den Kopf: „ Ich fürchte dafür ist es zu spät.“
Im Gegensatz zu allen anderen intelligenten Kreaturen verbargen sich die Seenari in ihren Höhlen, Baumhäusern und gut getarnten Hütten und warteten das Ende ab. Die Orks hingegen versammelten sich im riesigen Höhlensystem des Hauptgebirges und machten sich bereit zur Schlacht. Lange hatten sie im Schatten der Sonne gelebt und nur in der Nacht ihre Höhlen verlassen können. Nun sahen sie ihre Chance die übrige Welt auch bei Tage anzugreifen und sich auch außerhalb des Gebirges auszubreiten.
Die friedlicheren Trollis, die sich an Sonne und Hitze gewöhnt und sich in der Salzwüste im Tal des Nokalôn niedergelassen hatten, versammelten sich ebenfalls, doch nicht zur Schlacht. Sie versammelten sich zur reinen Verteidigung, denn sie wussten, dass die Orks die Situation ausnutzen würden.
Die Tiere des Meeres und die Tiere des Landes wurden nervös und verkrochen sich in ihren Löchern. Die Warge nutzten die Dunkelheit, um die Sicherheit des westlichen Waldes Marnés zu verlassen, sich in ganz Tasirée weiter auszubreiten und die Menschen anzugreifen, die keine Schutzmauern besaßen. Ein Getöse brach aus, alles schrie oder redete. Wortfetzen und ängstliche Laute schwirrten wirr durcheinander gewürfelt durch die Luft.
Doch plötzlich wurde alles still. Die ganze Welt schien den Atem anzuhalten. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Die verängstigten Menschen auf den Stadtmauern schauten furchtsam zum Himmel herauf. Sekunden schienen so lang wie Stunden zu werden. Selbst der Wind schien stillzustehen. Und plötzlich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Der Himmel flammte auf und tauchte die Dunkelheit in einen rötlichen Schein. Die drei Monde vereinten sich mit einem Male zu einem einzigen, gewaltigen Blutmond. Als sie alle drei dann fest in einer Linie standen, flammte der blutrote Dreimond am Himmel auf und setzte den gesamten Himmel scheinbar in Brand. Und da kamen sie . . .
Riesige Schattengestalten zeichneten sich am Himmel ab. Es waren riesige Flugdrachen. Sie hatten einen schmalen Körper, einen langen Schwanz mit Pfeilspitze, kräftige Lederflügel, kräftige Beine mit riesigen Klauen, einen sehr kurzen Hals und einen wuchtigen, sehr großen Kopf mit langer, runder, breiter und Zähne besetzter Schnauze. Sie stießen einen grässlichen Schrei aus, der einem das Mark in den Knochen gefrieren ließ. Sie verbreiteten eine eisige Kälte und erfüllten die Herzen aller, die sie ansahen, mit großer Furcht. Auf ihren Rücken trugen sie große, dunkle Schattengestalten. Einige hatten Köpfe wie Flugsaurier, andere eher wie Wölfe. Wieder andere waren hässliche Abscheulichkeiten, die absolut keiner bekannten Kreatur dieser Welt ähnelten.
Panik brach aus, als plötzlich einige dieser Flugdrachen herabstürzten und im Tiefflug direkt über die Köpfe der Beobachter hinweg flogen, gefolgt von einem Kreischen wie Fingernägel über eine Kreidetafel. Die dunklen Wesen kamen allesamt aus dem Süden und flogen nach Norden weiter zum Tal des Nokalôn nördlich des Hauptgebirges, einem durch das Gebirge vom Rest des Kontinents abgetrennten Tal an einer flachen Küste gelegen.
Nur die Bewohner der Städte der Menschen, die in der südlichen Weidemark lagen, jene des Marnés und die des Ebrur bekamen diesen Schattenflug mit. Die östlichen und nördlichen Lande bemerkten nichts außer der Dunkelheit. Die Schattenwesen und die schrecklichen Flugdrachen verschwanden genauso plötzlich wie sie gekommen waren. Doch die Bedrohung lag in der Luft, dass sie fast greifbar war.
In der Salzwüste im Tal des Nokalôn brach die wahre Hölle los. Die Schattengestalten waren Dämonen, die mit einem Mal über die Trollis herfielen. Die Dämonen fielen bald auch über die anderen Bewohner von Tasirée her. Die Menschen der Weidemark wurden unterworfen und versklavt. Die Seenari wurden fast vollkommen ausgerottet. Die Warge schlossen sich den dunklen Dämonen zwar nicht direkt an, jedoch wurden sie von ihnen in Ruhe gelassen. Die Einhörner wurden hingegen gejagt und während die schwarzen, etwas schwächeren Einhörner sich nicht verteidigen konnten und eingesperrt wurden, kämpften die weißen Einhörner lange Zeit erfolgreich gegen die Dämonen. Die Dunkelheit hielt an und der flammende Dreimond erstrahlte in jener Zeit jede Nacht durchgehend.
Doch bald kamen die unterworfenen Trollis und sogar Orks in den Efreb und besiegten zusammen mit den Dämonen und Flugdrachen, den Natzorden, die weißen Einhörner endgültig. Wegen ihrer enormen Macht aus weißer Magie wurden sie fast alle getötet, während die schwarzen Einhörner mit ihrer schwarzen Magie verschont blieben. Nur ein einziges weißes Fohlen überlebte. Doch auch dieses wurde bald gefangen. Es wurde wie alle anderen wichtigen Gefangenen in der Salzwüste, die nun den Beinamen Dämonenwüste besaß, gefangen gehalten. Die schwarzen Einhörner wurden jedoch im Einsamen Berg gefangen gehalten.
Die Trollis und Orks schlugen überall ihre Lager auf, wo besiegte Völker lebten. Doch zwei Völker waren noch unberührt und auch die Menschen der Stadt Plaît hatten von all dem nichts mitbekommen. Die Kobolde, die sich im Efreb versammelt hatten, konnten die Dämonen und ihre Handlanger von der Grünmark fernhalten, denn sie waren stark genug, sie alle mit ihren Zaubern zu besiegen.
Wegen dieser Stärke mussten sie vernichtet werden. Sie waren die ersten Wesen, die erfolgreich Widerstand leisteten. Nur die Kobolde verhinderten jetzt noch die Dämonenherrschaft im Osten des Landes. Doch dann kamen Wolfsspinnen, die Tschackos, herbei, die gegen die Zauber immun waren und sie mit ihrem lähmenden Gift besiegten.
So wurden am Ende auch die Kobolde ausgerottet und ihre Verteidigungslinie durchbrochen. Die Stadt Plaît wurde teilweise zerstört, seine Bewohner teils getötet, teils versklavt. Nun war nur noch ein einziges Volk übrig. Ein Volk, das die Dämonen mehr als jedes andere auf der Welt fürchteten, die Druidika mit ihrer mächtigen, weißen Magie. Während schwarze Magie den Dämonen nichts anhaben konnte, war weiße Magie dagegen dazu fähig, sie zu vernichten und allein deswegen mussten auch die Druidika sterben. Aber auch ihre mächtige Magie, die Elemente zu beschwören und zu manipulieren und sogar die Zeit zu kontrollieren, machte dieses Volk für die neuen Herrscher gefährlich.
Sie sollten als nächste drankommen, wenn auch der letzte Kobold vernichtet war und die Krieger neue Kraft geschöpft hatten. Durch die Bewohner der Geisterstadt Gôngôn hatten die Dämonen gehört, dass die Druidika uneins waren, und sahen dies als ihre Chance. Da die magische Barriere der Kobolde die Dämonen jedoch trotz ihres Untergangs auch weiterhin daran hinderte, den Efreb zu durchqueren, wurden stattdessen deren Diener die Orks, Trollis, Tschackos und Natzorde gesandt, um die Druidika im Plaîres anzugreifen, zu unterwerfen oder zu vernichten.
Da die Druidika ein stures und starkes Volk waren, die zu gefährlich für die Dämonen waren, wurden sie bald fast vollkommen vernichtet. Nur einige wenige waren in die Berge entkommen. Knagôns Dorf war dank seines guten Sinns für Gefahren rechtzeitig geflohen.
Knagôn selbst wurde jedoch gestellt und musste fliehen. Er musste seine Familie und Freunde verlassen, um die Dämonen nicht zu ihnen zu bringen, sondern von ihnen wegzulocken, sodass sie sich in die Sicherheit der Druidhöhle bringen konnten. Erst jetzt, verblasste der flammende Dreimond am Himmel wieder, doch er blieb noch weiter bestehen, ebenso die ewige Dunkelheit, die nur vom blutroten Dreimond leicht erhellt wurde zu einer rötlichen Dämmerung. Die Zeit der ewigen Blutdämmerung hatte begonnen, die Herrschaft der Schatten.
Die unterworfenen Völker bauten ihre Heimatorte wieder auf und lebten unter den Tyrannen weiter. Nur die Kobolde und die Druidika, die sich nicht unterworfen hatten, blieben für immer verschwunden. Von diesem Tage an leuchtete nun stets ein einziger, gewaltiger Mond am Himmel, der feurig rot glühte. Anstelle von drei Monden gab es nur noch ihn, den flammenden Dreimond, oftmals auch als Blutmond bekannt, der langsam zum Neumond überging und erst in einem Mondzyklus wieder als Vollmond erscheinen sollte, wobei dieser Zyklus weit länger sein sollte, als nur einen Monat lang, denn ein Mondzyklus hier in Druîn umfasste ganze sechzehn Jahre.
Dies ermöglichte den Orks frei unter dem Himmel zu wandeln, egal, ob es Tag oder Nacht war, denn der Dreimond verdeckte die Sonne und auch wenn es am Tage ganz normal heller wurde, so blieb die Sonne verborgen und einzig der rote Mond erhellte die Nacht.
Kaîró war ein schönes Dorf in einem verborgenen Tal. Im Norden und Osten lag das Meer, im Westen das Gebirge und im Süden trennte ein Gebirgsarm das Dorf vom Rest des Kontinents. Es gab nur einen einzigen Weg aus dem Tal raus. Dieser Weg lag zwischen den Meeresklippen und der Spitze des Gebirgsarmes und führte direkt in den Plaîres.
Das Dorf bestand aus vielen weit verstreuten Häusern im Fachwerkstil mit Walmdächern aus schwarzem Schiefer. Jedes Haus hatte ein kleines Grundstück mit eigenem Garten. Diese waren umgeben von Gartenzäunen, durch die ein kleines Tor führte. Die Häuser waren teilweise zweistöckig und von der Fläche unterschiedlich groß. Einige hatten eine hölzerne Kammer im Anbau, die nur vom Garten aus zu betreten war, aber alle hatten ein Toilettenhäuschen abseits des Haupthauses.
Es gab eine Mühle, zwei Farmen, einen Viehzüchter, einen Bäcker, einen Schlachter, mehrere Fischer an der Küste und am Bach nördlich des Dorfes, sowie einen Werkzeugmacher, einen Hufschmied, einen Tierarzt und einen Arzt, einen Winzer und sogar einen Gastwirt, zwei Gärtner, mehrere Jäger, einen Förster, mehrere Holzfäller, ein Sägewerk, eine Wäscherei, eine Schneiderei, einige Wachhütten am Pfad und den Spähturm, der am Eingang des Dorfes emporragte.
Während am Gebirge die grünen Weiden des Viehzüchters lagen, lagen die Felder der Farmer um das Dorf herum. In der Mitte des Dorfes befand sich der Marktplatz mit der kleinen Taverne. Hier in der Mitte des Platzes stand der Brunnen des Dorfes. Hieraus wurde das gesamte Dorf mit Wasser versorgt, da der Plaîssé, der Fluss durch den Plaîres, zu weit entfernt und der Plaîres zu gefährlich war. Der kleine Bach führte nur wenig Wasser und das bisschen war für die Fische notwendig, die daraus geangelt wurden.
Das Dorf lag versteckt im geheimen Tal und die Bewohner lebten glücklich und zufrieden. Als die Finsternis kam, waren sie zwar besorgt, doch sie fühlten sich sicher in ihrem Dorf und waren gut geschützt. Bis heute.
Als eines Tages Flüchtlinge ins Dorf kamen, die Verwandte im Dorf hatten oder einst selbst hier gelebt hatten und in die Stadt gezogen waren, wurden die Dorfbewohner doch unsicher. Die Flüchtlinge erzählten von Dämonen, Trollis und wildernden Orks, von ihrer Herrschaftsübernahme und von schrecklichen schwarzen Schattengeistern, den Natzorden. Sie erzählten von Krieg, Zerstörung, Not, Leid und Tod. Sie erzählten von Morden an neugeborenen Knaben und von Wargen im Plaîres.
„ Die Warge arbeiten nicht direkt mit denen zusammen, aber sie nutzen die anhaltende Dunkelheit und die Unsicherheit, die Verwirrung und das Chaos, um sich von unserem Fleisch zu ernähren. Selbst die Städte bieten keinen Schutz mehr vor ihnen. Sie dringen sogar in die Häuser ein. Es ist einfach nur noch schrecklich. Tasirée wird untergehen, wenn nicht bald ein Wunder geschieht“, sagte einer der Flüchtlinge zu den Dorfbewohnern.
Die Flüchtlinge wurden aufgenommen und versorgt und die Dorfbewohner bereiteten sich auf ihr baldiges Ende vor und beteten nur noch, dass diese Wesen das Dorf niemals entdeckten. Dennoch ging ihr Leben viele Jahre seinen gewohnten Gang weiter, bis eines Tages, genau sechzehn Jahre nach dem ersten Angriff der Dämonen, ein unbekannter Prophet namens Merknix erschien, als der Vollmond erneut in Flammen stand.
Der Prophet eröffnete den Dämonen eine Prophezeiung, die ihren Untergang bedeute, von einem Knaben, der ihre Herrschaft beenden und die Dämonen vernichten würde. Ein Knabe, der genau an jenem Tage geboren wurde und bei seiner Volljährigkeit, was bei Menschen mit sechzehn wäre, also beim nächsten Flammenden Vollmond aufbrechen und die Dämonen vernichten würde.
Im Dorf war alles wie immer. Das Leben hatte sich nicht sehr verändert. Vor sechzehn Jahren war ein Junge namens François geboren worden, als der Dreimond als flammender Vollmond am Himmel stand. Jetzt war er sechzehn und kräftig gebaut.
Er war der Sohn eines Jägers und daher selbst zum Jäger ausgebildet. Vor etwa fünf Jahren war sein Vater allein in den Plaîres zum Jagen gegangen und nicht wieder zurückgekehrt, seine Mutter war schon lange vorher an einer Krankheit gestorben. Seit fünf Jahren war er allein und musste sich selbst versorgen. Er wohnte im alten Haus seiner Eltern, doch seine Kleidung war zerschlissen und voller Flicken.
Die Hosenbeine waren beide völlig ausgefranst, ebenso seine Hemdärmel. Sein kastanienbraunes Haar war strubbelig und ungleich geschnitten, da er es sich selbst schneiden musste. Im Dorf duldete man ihn zwar, aber man mied ihn und nicht selten wurde er sogar von den anderen Kindern verprügelt, manchmal auch von den Erwachsenen, wenn er wiedermal beim Klauen erwischt wurde. Hin und wieder verdiente er sich ein bisschen Geld für kleinere Hilfsarbeiten oder indem er selbst erlegte Beutetiere an den Wirt verkaufte.
François war ein Außenseiter und Abenteurer, aber er hatte auch zwei recht gute Freunde im Dorf. Sie und die Tatsache, dass er hier aufgewachsen war, waren das einzige, was ihn noch im Dorf hielt, denn er gehörte dennoch nie zur Gemeinschaft des Dorfes. Schon als seine Eltern noch lebten, war François ein Sonderling gewesen.
Er war schlank und groß, aber dennoch kräftig genug, um einen Bogen zu benutzen und so manchen gleichaltrigen zu verhauen, sofern diese nicht in der Überzahl waren. Aber vor allem war er ein Rumtreiber, der am liebsten draußen außerhalb des Dorfes irgendwo herumlungerte und nach Abenteuern suchte.
Sein Lieblingsort war eine kleine Höhle westlich des Dorfes hinter den Viehweiden, die von den anderen Dorfbewohnern furchtsam gemieden wurde.
Hier verstecke François seine gefundenen Schätze aus seinen Abenteuern, wobei die meisten davon vielmehr ausgedachte Wunschabenteuer waren.
Da die Küsten hier recht flach waren, gab es einen schmalen Strand, wo François und seine beiden Freunde nicht selten nach Muscheln oder Seeungeheuern tauchten. Die beiden waren François beste Freunde, trotz der Vorbehalte ihrer Eltern und sie drei machten jede Menge Unfug zusammen. Dennoch war François immer hilfsbereit, freundlich und höflich. Die graugrünen Augen und die Sommersprossen auf Nase und Wangenknochen machten einen immer fröhlichfreundlichen Eindruck. Seine sonnengebräunte Haut betonte die Sommersprossen sogar.
Doch auch wenn François immer lächelte und fröhlich wirkte, so litt er im Inneren dennoch, weil er allein war, ausgestoßen und gemieden. Niemand kümmerte sich um ihn oder sorgte sich um ihn. Nur seine besten Freunde standen zu ihm, doch auch sie konnten nicht immer bei ihm sein und so war François viel allein.
An diesem Tag fiel sein sechzehnter Geburtstag, und damit seine Volljährigkeit zufällig auf einen besonderen Festtag des Dorfes. Den Flüchtlingen zufolge war dies genau der Tag, an dem der Prophet Merknix vor genau sechzehn Jahren seine Prophezeiung offenbart hatte: „ Heute Abend, oh ihr Dämonen, wird beim roten Vollmond ein Knabe weit fort von hier geboren werden. Er wird aufwachsen in Schutz und Geborgenheit. Doch wenn aus ihm ein Manne wird, wird er aufbrechen und euch alle vernichten.
Oh ihr Dämonen, verdammt sollt ihr sein, denn dieser Knabe wird euch bald zerstören. Er wird erscheinen, wenn der Dreimond erneut in Flammen steht. Also in genau sechzehn Jahren beim nächsten Vollmond wird euer Ende nahen.“ Merknix war damals für seine dunklen Prophezeiungen von den Dämonen gefangen und eingesperrt worden. Niemand wusste, woher er damals gekommen und was danach aus ihm geworden war.
Genau heute stand eben dieser prophezeite Vollmond am Himmel und brannte bereits aus Leibeskräften. Die Dörfler bereiteten ein großes Fest der Hoffnung vor, dass der auserwählte Knabe wirklich erscheinen und das Ende der Dämonenherrschaft herbeiführen würde.
Dass François rein zufällig genau heute sechzehn wurde, beachtete im Dorf allerdings niemand, doch François hatte sich vorgenommen, das heutige Fest der Hoffnung zu Ehren seines Geburtstags mitzufeiern, denn heute wurde er volljährig. Ab dem heutigen Tage galt er nicht länger als Kind, sondern war endlich ein echter Mann und ab heute würde ihm das Haus seiner Eltern wirklich gehören, ebenso der magische Bogen seines Vaters, der aus dem Haar eines weißen Einhorns gespannt war und angeblich sogar aus dem Horn dieses Tieres gefertigt war.
Die Mauren, dreischwänzige, wilde Rinder, und Angorn, zweiköpfige Ziegen, wurden bereits gemolken. Andehen, eine Mischung aus Fasan und Rebhuhn, wurden geschlachtet, gerupft und dann gebraten. Die Mandoren, fette Schweine mit langen Hasenohren und rattenähnlichem Gesicht, wurden geschlachtet und zu Schinken verarbeitet.
Die Jäger präsentierten ihre Kochkünste im Bereiten von Wildfleisch und die Kläffer, sehr kleine Spürhunde ähnlich den Terriern, saßen vorm Tisch und warteten auf Reste und Leckerlis. Gemüse und Obst wurden zu Tisch gebracht.
Heute würde sich François zum ersten Mal an dem reichen Essen bedienen dürfen, ohne dafür verdroschen zu werden, denn dies war ein Fest für alle und da er sich selber ebenfalls mit frisch erlegter Beute beteiligt hatte, durfte er sich später, wenn das Fest begann frei von allem bedienen und heute durfte er auch zum ersten Mal Alkohol trinken. Es gab verschiedene Weine, Bier, Dunkelbier, Malzbier, Met und Schnaps sowie leichteres Butterbier.
Dieses Butterbier wurde aus feinem Butterkorn gemacht und enthielt deutlich weniger Alkohol, schmeckte aber fast wie gewöhnliches Bier, nur etwas weniger herb mit einer leichten Butter-Note im Geschmack und hatte eine sehr cremige Butterschaumkrone.
Die Pferde zogen riesige Karren mit Brennholz aus dem kleinen Forst im Norden des Dorfes nahe des nördlichen Strandes bei den Obstplantagen herbei. Rund um das Dorf herum wurden große Holzhaufen angelegt, die am Abend entzündet werden sollten, um genug Licht zu schaffen und mögliche Wildtiere fernzuhalten. Ein großes Lagerfeuer wurde auf dem Platz im Zentrum vor dem Brunnen vorbereitet.
Als die Vorbereitungen beendet waren, wurden die Laternen an den Häusern und Straßen angezündet, um das Dorf zu erhellen. Auf dem Festplatz wurden zusätzliche Fackeln entzündet und die Nacht brach herein mit ihrer fast schon undurchdringlichen, rötlich schimmernden Dunkelheit.
Die Menschen nutzten allerdings keine ganz normalen Holzfackeln, sondern sogenannte Spanfackeln. Diese Fackeln bestanden aus speziellem Holz, welches gar nicht selbst verbrannte, sondern sich seine Brennstoffe aus der Luft, dem Boden und sogar aus dem Wasser heranzog, wie der Docht einer Kerze das Wachs, um diese dann im Feuer zu verbrennen, sodass die Fackel selber erhalten und immer wieder verwendbar war. Nur mit einem speziellen Druidikastoff konnte eine Spanfackel gelöscht werden und jederzeit wieder verwendet werden, sodass man sie auch unter Wasser nutzen konnte.
Bald war es soweit. Die Lagerfeuer wurden angezündet und das große Fest der Hoffnung begann. François feierte mit ihnen seinen sechzehnten Geburtstag, denn heute endlich wurde er vom einfachen Knaben zum Manne. Es wurde gegessen, musiziert, getanzt und gefeiert, gesungen, erzählt und gelacht.
Ein flammender Vollmond stand hoch am Himmel über ihnen und kündete die Ankunft der Hoffnung und die Erfüllung der Prophezeiung an. Das Fest dauerte bis tief in die Nacht hinein und François feierte fröhlich mit und stibitzte sich dabei noch so manches nicht essbare, was er noch brauchen könnte. Aber bei dem Alkoholpegel der Feiernden fiel es gar nicht groß auf und würde sicher auch später niemand mehr bemerken.
Weit, weit entfernt vom Dorf bemerkten alle Wald- und Stadtbewohner und auch die Feinde den flammenden Vollmond am Himmel. Meranon, der König der Dämonen, erschrak, da er sich an die Prophezeiung dieses Sehers Merknix erinnerte. Die bösen Dämonen gerieten in große Unruhe. Stellenweise brach sogar kurzfristig Panik aus, doch schon bald fingen sie sich wieder und beteten zu ihrem König, dass er alle Knaben beseitigt habe, welche in jener Nacht vor sechzehn Jahren geboren wurden und ihnen nun bedrohlich werden könnten.
Doch Meranon wusste, dass die Prophezeiungen des Sehers sich erfüllen würden und machte sich bereit, den Knaben zu empfangen und jegliche Hoffnung der versklavten Völker zunichte zu machen. Der riesige Flugsaurierdämon schickte nach seinem gefürchteten Hauptmann Nearôn, einem großen Wolfsdämonen, der wie eine Art Werwolf aussah.
Nearôn verbeugte sich vor dem mächtigen König und sprach in der dunklen Dämonensprache*: „ Reih nib hci, erue Tätsejam Nonarem. Saw nnak hci rüf hcue nut?“ Meranon nickte. „ Hci ebah ella Nebank, eid ni renej Thcan slamad nerobeg nedruw, tetöteg. Nôraen. Hconned lliw hci, ssad ud ned Nebank tuenre tshcus dnu nhi tsetöt, sllaf re hcon tbel. Riw nessüm nehegrehcis, ssad re snu thcin nemmoktne tsi. Mmin ella Neppurt, eid ud tsednif dnu hcirb trofos fua. Tsetllos ud gidnüf nies, gnirb rim nenies Fpok.“
Nearôn verbeugte sich. „ Aj, erue Tätsejam Nonarem. Hci elie.“ Damit brach Nearôn mit sämtlichen Truppen auf und die Natzorde flogen durch die Nacht, auf der Suche nach Reisenden, die sie in Stücke reißen konnten. Der Knabe, sollte er doch entkommen sein, musste gefunden werden, bevor die Prophezeiung sich erfüllte.
Als das Fest zu Ende ging, waren die Bewohner erschöpft und müde. Sie gingen daher direkt zu Bett, ohne dass sich einer ums Aufräumen kümmerte. In dieser Nacht hatte François jedoch einen sehr merkwürdigen Traum. Er träumte von Orten, von denen er bisher nur in Geschichten gehört hatte, von einem magischen Ring, einem finsteren Reich und einem gewaltigen Vulkan. Er träumte von einer Prophezeiung und die letzten Worte hallten in seinem Kopf wieder bis zum frühen Morgen.
Noch vor Tagesanbruch packte er seinen kleinen Rucksack mit Lebensmitteln. Er packte etwas Angornmilch und etwas von der Maurenmilch vom Fest ein, einen großen und einen kleineren Wasserschlauch und einige Heilkräuter, etwas Spartbrot, das er vor ein paar Tagen beim Bäcker hatte mitgehen lassen, die speziellen Halfterbeutel eines Jägers, um Frischfleisch haltbar aufzubewahren, sein Jagdmesser, sowie etwas Mandorenfleisch, Reste vom großen Fest.
Dann holte er den magischen Bogen seines Vaters und die dazugehörigen Pfeile, denn nun war er alt genug, diesen Bogen zu führen. Zuletzt steckte sich François sein selbstgebasteltes Glubschauge ein, eine Art Fernglas mit nur einem Guckrohr, aber dafür äußerst präzise. Außerdem packte er noch Feuersteine, die restlichen Spanfackeln vom Fest und natürlich seinen Schlafsack ein, wobei er letzteren zusammengerollt an speziellen Gurten unter dem Rucksack befestigte.
Der Rucksack war wie seine Klamotten zerschlissen und an mehreren Stellen provisorisch geflickt. Dazu trug er seine beste Jagdhose, eine grau-grüne Hose mit mehreren hellen grünen und hellen braunen Flicken und über den Knöcheln ausgerissenen Hosenbeinen, sowie ein graubraunes Hemd, ebenso geflickt und an den Ärmeln und am Bauch leicht ausgerissen, wobei das Hemd nur knapp über den Hosenbund reichte und unter dem dicken Rucksack ständig nach oben rutschte und den nackten Bauch freigab.
Dazu trug er einen einfachen graugrünen Umhang, mit dem er sich bei der Jagd im dichten Wald tarnte, um in den Büschen nicht gesehen zu werden.
Dazu trug er durchgelaufene Leinenschuhe, die nur bis unter den Knöchel gingen und nicht gerade wenige Löcher hatten. Dann packte er alles, was er noch an Lebensmitteln auftreiben konnte in einen Beutel, den er am Rucksack festmachte und legte Bogen und Köcher über die Schulter, sodass die neben dem Rucksack lagen und schnell greifbar waren.
François rechnete nicht damit, sein Ziel in wenigen Tagen zu erreichen, zumal er selbst noch gar nicht genau wusste, was überhaupt sein Ziel sein würde. Im Traum hatte er zwar gesehen, was er tun wollte, doch er kannte sich außerhalb des Tales nicht aus und wusste noch nicht, wie er an jene Orte gelangen sollte, die er im Traum gesehen hatte. Zuletzt nahm er sich die große Weltkarte aus dem Wohnzimmer und den uralten Kompass seines Vaters.
Dann nahm er Vaters stabiles Seil mit für alle Fälle, falls er Berge rauf oder runter musste oder auf Bäumen übernachten musste. Mit dem Seil konnte er sich auf den Ästen festbinden, um im Schlaf nicht herunterzufallen.
So machte sich François auf den Weg und am Ausgang des Dorfes beim Spähturm wandte er sich noch ein letztes Mal um und dachte bei sich: „ Würde mich irgendjemand überhaupt vermissen? Würden sie überhaupt bemerken, dass ich fort bin? Ja. Kalle und Mikosch würden es bemerken, aber ihnen habe ich eine Nachricht an unserem geheimen Treffpunkt hinterlassen. Sie werden es sicher eine Weile ohne mich aushalten.“
Der Wächter oben auf dem Turm hing schlapp in seiner Rüstung, auf seine Hellebarde gestützt, den Kopf auf der Hand an die Hellebarde gelegt und schnarchte laut. François grinste bloß. „ So viel zu unserem aufmerksamen Wächter. Der kriegt vermutlich nichtmal mehr mit, wenn der Feind mit Pauken und Trompeten anmarschiert käme.“
Er ging durch die weiten Felder in Richtung Südosten. Es war weit und es wurde später Nachmittag, als er im Schutze des Gebirgsarms in der Nähe des Pfades eine Rast einlegte. François wollte den gefährlichen Wald schnellstmöglich durchqueren und so selten wie möglich dort rasten müssen.
Er wollte nach Plaît kommen, wo es sicherer war und dort wollte er sich dann für den Efreb rüsten. Hier im Schutze des Gebirgsarmes wollte er rasten, um am nächsten Tag eine möglichst weite Strecke zurücklegen zu können. Da François schon oft dort jagen war, anfangs mit seinem Vater und später allein, kannte er den Wald einigermaßen und wusste, dass es gar nicht weit vom Waldrand entfernt eine kleine Lichtung gab. Diese Lichtung war etwa zwei Tagesmärsche vom Pass entfernt.
Da François nie weiter in den Wald vorgedrungen war, als bis zu dieser Lichtung, nahm er immer an, sie wäre das Zentrum des Waldes. Er hoffte ihn mit vier-fünf Tagesmärschen zu durchqueren, aber er sollte bald feststellen, dass dies falsch war und dass der Wald im Süden noch sehr viel dichter und undurchdringlicher war, als im nördlichen Jagdgebiet seines Vaters und der anderen Jäger aus dem Dorf.
Da die Nacht herannahte und er nicht in totaler Finsternis durch den Wald gehen wollte, weil er ohne Fackel in diesem wirklich dichten Gestrüpp des Waldes nichts sehen würde und Fackellicht hungrige Bestien anlocken konnte, wollte er lieber hier in der Nähe des Passes die erste Nacht im Freien verbringen.
Nachts war es in den Wäldern immer schon sehr gefährlich gewesen, doch besonders jetzt war es gefährlich, da sich vor allem die Warge des Marnés bis hierher ausgebreitet hatten. Aber auch ohne sie waren die Wälder gefährlicher geworden. In diesem Wald begann immerhin das Reich der Dämonen, auch wenn diese das Dorf bisher noch nicht gefunden hatten.
Seit das letzte Druidikadorf Rések damals zerstört worden war, hatten die Truppen der Dämonen auch diesen Wald übernommen. Als François sich darüber klar wurde, war er sich nun gar nicht mehr so sicher, ob es richtig gewesen war, das Dorf zu verlassen, doch irgendetwas in ihm drängte ihn, nicht zurückzukehren und die Bedeutung dieses Traumes zu ergründen. Irgendetwas in ihm wollte weitergehen. War es die Aussicht auf ein richtiges Abenteuer?
Er erhob sich und kletterte auf einen Felsvorsprung. Dort war es sicherer und von oben wurde er durch ein Felsdach und die wenigen Bäume des kleinen Wäldchens vor Regen geschützt, sollte dieser des Nachts kommen, denn des Nachts regnete es oft.
Kaum war François in Sicherheit, als sich plötzlich ein gigantischer Schatten am dunkelroten Himmel bewegte. Ein riesiges Schattenwesen stürzte herab und ein greller Schrei folgte dem Wesen und ließ François das Mark in den Knochen gefrieren. Er war völlig gelähmt von diesem Kreideschrei, als der Flugdrache herabstürzte und nun über dem Tal kreiste. Jetzt verstand François, was die Flüchtlinge aus dem Süden immer meinten, wenn sie vom Kreideschrei der Flugbestien berichteten, die sie Natzorde nannten.
Das Wesen strahlte eine eisige Kälte aus, als es dicht über ihm vorbeiflog. Die Bestie schien nach irgendetwas zu suchen. Doch schon bald verlor François das Wesen vollkommen aus den Augen. Es verging eine lange Zeit der Stille. Selbst die Grillen waren verstummt.
Plötzlich huschten mehrere größere Schatten direkt über die Felder in Richtung Dorf. Die Warge kamen wieder, wie sooft seit der Ankunft der Dämonen. Ein riesiger Schatten flog über das Gebirge davon. Das Wesen war fort. Die Nacht wurde ruhig. Die Grillen zirpten wieder und François schlief ein. Er machte sich keine Sorgen wegen der Warge, denn die Jäger im Dorf hatten diese schon oft erfolgreich abgewehrt und da er keinen Feuerschein über dem Dorf erkannte, schien auch das andere Wesen nichts getan zu haben.
Am nächsten Morgen erwachte François. Er hatte wieder diesen einen Traum gehabt. Er frühstückte zunächst, packte zusammen und brach wieder auf. Vorsichtig ging er das letzte Stück am Gebirgsarm entlang zur Küste. Er blickte zunächst den Pass entlang und überzeugte sich davon, dass er frei und sicher war. Keine Warge waren in Sicht. Dann erst ging François über den schmalen Pfad zwischen Berg und Küste zum Plaîres.
François war schon oft hier entlang geklettert und sogar schon die hohe Klippe, die nach Norden hin flacher wurde rauf und runter geklettert. Ein Stück weiter unten gab es einen Sims, von dem er und viele andere Jungs aus dem Dorf ihre Mutproben machten, indem sie von dort aus ins Meer sprangen und sich dann an der Küste wieder aus dem Wasser zogen und wieder ganz nach oben auf den Sims klettern mussten. Nur wer den Sims wieder erreichte, galt nicht nur als mutig, sondern auch als der stärkste.
Bisher allerdings war François der einzige, der nicht nur den Sims auf der Hälfte der Klippe, sondern sogar den Pass oben auf der Klippe hatte erklettern können und galt daher im Dorf als bester Kletterer und als der Stärkste und sogar als der mutigste von allen, denn François war danach sogar schon einmal von ganz hier oben runtergesprungen und nicht nur von dem Sims aus. Er hatte dafür sogar etwas Anlauf genommen, um dabei nicht auf dem Sims aufzuschlagen, aber seitdem hatten die anderen Jungs ihn in Ruhe gelassen, abgesehen einiger spielerischer Raufereien.
Das war vor genau einem Jahr gewesen, wo François es allen bewiesen hatte und nun würde er all das zurücklassen.
Am Rand des riesigen, dunklen Waldes hielt er an und lauschte. Er zögerte eine Weile, bevor er den Wald dann endlich betrat. Er ging in den Wald hinein und kämpfte sich durch das Dickicht. Es war ein harter, mühsamer Weg. Die kleinen Äste rissen an seinen Kleidern und zogen an seinen Haaren. Immer wieder stolperte er über Baumwurzeln, rutschte auf dem teils matschigen Boden aus oder trat auf Steine und andere Dinge, die einfach unter seinen Füßen wegrollten und ihn jedes Mal fast zu Fall brachten.
François kannte den Wald recht gut, da er und sein Vater oft hier auf die Jagd gingen. Dennoch hatte er sehr viel Respekt vor diesem dichten Wald, obwohl er auch schon oft allein hier jagen war. Angst hatte François allerdings keine, er fühlte sich nur nicht ganz wohl in dem dichten Gestrüpp und der Dunkelheit hier im Wald, die selbst am Tage fast undurchdringlich war, erstrecht seit der ewig andauernden blutroten Dämmerung, die tagsüber nur unmerklich heller war.
Nachts war es stockdunkel, abgesehen vom roten Himmel und dem roten Mond am Himmel, doch tagsüber war es ein dunkelrotes Zwielicht, heller als nachts aber immer noch viel zu dunkel und hier zwischen den Bäumen, wo schon die Sonne kaum den Boden berührte, war es immer stockdunkel, seit die Dämonen kamen.
François kannte den Wald zwar nie anders, da er mitten in diese dunkle Zeit geboren wurde, aber nachtsichtig war er deswegen noch lange nicht, sodass er dennoch nicht genau sehen konnte, wohin er lief, jedenfalls nicht ohne eine Fackel. Dann endlich hatte er sich durch das erste Gestrüpp gekämpft und einen schmalen Pfad erreicht. Er entzündete eine kleine Spanfackel und folgte dem angelegten Jagdpfad, doch auch dieser war immer etwas zugewachsen und nur schwer passierbar.
Dennoch kam er jetzt deutlich besser voran und erreichte schon bald den Lagerplatz, an dem er und die anderen Jäger meist ihr Lager aufgeschlagen hatten.
So verbrachte François seine erste Nacht im Wald, die zweite seit dem Aufbruch, auf einer hohen Buche am Rande dieses Platzes. Dort fühlte er sich allein sicherer, da die verschiedenen Waldkreaturen ihn dort nicht erreichen konnten.
Am nächsten Tag war er hoch erfreut, als er die Lichtung erreichte und bemerkte, dass es schon wieder dunkel wurde. François ging zur Mitte der Lichtung, wo eine riesige Eiche stand, und kletterte hinauf. Hier hatten sein Vater und er immer auf ihre Beute gewartet, die am frühen Morgen auf die Lichtung kam, um hier zu grasen.
Dort oben würde er weit sicherer sein als am Boden, denn hier konnte man ihn nur schlecht entdecken und die Warge konnten ihn hier oben auf den Ästen nicht erreichen.
François kletterte bis in die höchsten Zweige, soweit sie ihn noch tragen konnten, holte sein Glubschauge heraus und blickte damit über den Wald. Der Plaîres war wesentlich größer, als er von außen aussah, das wusste François. Er hatte das Gefühl gehabt, er hätte die eine Hälfte schon geschafft, doch er musste feststellen, dass es noch ein weiter Weg bis dahin war.
Das Dickicht war einfach zu dicht, zumal es ab hier keine Jagdpfade mehr gab, die er nutzen konnte. Und der Wald war viel zu groß, doch jetzt gab es für François keinen Weg mehr zurück. Er kletterte wieder hinunter, holte sein Gepäck herauf, setzte sich, band sich mit einem Seil fest und schlief ein. François konnte nicht ahnen, dass er aus dem Schatten beobachtet wurde.
Zwei kleine, farbige Fellknäuel beobachteten jede seiner Bewegungen im Schlaf mit ihren sehr großen Augen und tuschelten leise. Sie waren gerade mal so groß, dass sie François so eben bis zu den Knien reichten, wobei der eine etwa knapp darüber reichte.
Der größere war gelb gefärbt, hatte eine dicke Gurkennase und große, hellblaue Augen, der andere hatte pinkes Fell und grüne Augen, sowie eine schlanke und zierlichere Gurkennase als der andere. Ihre Augen waren beinahe rechteckig, wobei sie nur schmal, aber dafür lang nach oben geformt und nach oben abgerundet waren. Das Fell über den Augen war ordentlich gekürzt worden und über den Augen konnte man ein winziges Stück Haut, die Augenlieder, erkennen, welche dieselbe Farbe hatten wie das Fell. Die Arme und Füße dagegen waren hautfarben, die Nasen rot.
Beide hatten kurze, dünne Ärmchen mit kleinen, zierlichen Händchen und kurze, dürre Beinchen mit langgezogenen, schmalen Füßen mit nur jeweils zwei Zehen, wobei man die Beine selber kaum sehen konnte unter dem langen Fell und lediglich die langen, nackten Füße zu erkennen waren, denn das Fell reichte bis knapp über die Fußknöchel.
Als François am nächsten Morgen erwachte, erschrak er, denn unten am Fuße des Baumes hatten einige Warge, riesige, zweiköpfige Wölfe mit langen Säbelzähnen ihr Lager aufgeschlagen und schauten offenbar hungrig zu ihm herauf. Sie hatten ihn wohl in der Nacht gewittert und verhinderten nun jede Flucht. Zum Glück hatte François seinen Bogen dabei. Er ergriff den Bogen, legte einen Pfeil an, zielte und wartete.
Die Warge unterhielten sich in ihrer grausamen Sprache. François konnte es zwar nicht verstehen, aber an ihren ständigen Blicken zu ihm, ahnte er, dass es vermutlich um ihn, François, ging.
Nach kurzer Beobachtungszeit erkannte er den Anführer der Warge, einen besonders großen, schwarzen Warg. François zielte und schoss. Der magische Pfeil sauste mit einem lauten Zischen von der Sehne und stürzte mit einem grellen, blauen Licht auf sein Opfer zu. Der Warg sprang jaulend auf, als er den leuchtenden Pfeil sah, doch in der nächsten Sekunde stürzte er tot zu Boden. Der Pfeil hatte direkt in sein Herz getroffen und sich tief dort hinein gegraben. Das Leuchten des Pfeils verblasste wieder.
Die anderen Warge sprangen jaulend auf und rannten wild und orientierungslos auf der Lichtung hin und her, als auch schon ein zweiter Pfeil laut zischend von der Bogensehne flitzte und in blauem Freudenlicht einen weiteren Warg erschlug. Jaulend und jammernd flohen die anderen Warge in alle Himmelsrichtungen und verschwanden.
François kletterte vom Baum herunter und ging auf die toten Warge zu. Er zog seine Pfeile aus ihren Körpern und steckte diese in den Köcher zurück. An den Pfeilen selbst war kein Tröpfchen Blut, während der Boden mit Blut getränkt war. François zog sein Jagdmesser aus der Gürtelscheide, zog die toten Wargkörper zum Baum und verwertete sie direkt, so wie er es von seinem Vater vor dessen Tod gelernt hatte.
Er schnitt zunächst ihre Köpfe ab und steckte sie auf hölzerne Pfähle, die er dann mit etwas Abstand zum Baum aufstellte. Sie sollten die anderen Warge abschrecken und ihnen klar machen, dass es hier keine leichte Beute gab.
So hatten sie früher schon das Jagdlager gesichert, wenn François mit den anderen Jägern unterwegs war, denn auch wenn jeder allein jagte, trafen sie sich für die Nacht im Lager wieder um gemeinsam zu nächtigen.
Danach zog François den beiden Wargen das Fell ab und verarbeitete es zu einfachem Leder, welches er wiederum gegen Vorräte tauschen wollte. Das Fleisch packte er größtenteils in die Halfterbeutel. Diese waren aus besonderem Druidikastoff und konnten frisches, rohes Fleisch und auch frisches Obst oder Gemüse mehrere Tage lang frisch halten. Er ließ jedoch etwas Fleisch übrig, dass er sich an einem kleinen Lagerfeuer briet und aß.
Danach packte François seine Sachen zusammen und brach wieder auf. Er überquerte die Lichtung nach Süden und trat wieder an den Waldrand. Er wollte den Wald gerade betreten, als plötzlich zwei kleine, farbige Fellknäuel aus dem Dickicht hervorsprangen. François ging vor Schreck ein Stück rückwärts, rutschte aus und fiel auf seinen Hosenboden. Die beiden Fellknäuel kicherten fröhlich und François erkannte sie. „ Ihr seid . . . Kobolde.“ Er rieb sich ungläubig die Augen.
„ Ja“, meinte der gelbe Fellbüschel. „ Genau“, sagte der rosane. François fragte: „ Aber wie ist das möglich? Ich dachte, ihr wärt nur noch eine Legende und es gäbe seit Jahren keine Kobolde mehr.“ Die beiden Kobolde kicherten wieder.
Erst jetzt erkannte François sie wirklich. Einer der beiden Kobolde hatte gelbes Fell, während der andere ein rosafarbenes Fell hatte und weibliche Augen mit langen Wimpern besaß. Der gelbe Kobold sagte: „ Tag auch. Ich Mick. Das Mack, mein Frau. Wir Letzte unsres Volks. Wir damals entkommen und versteckt vor Tschackos.“
François fragte unsicher: „ Tschackos? Was ist das denn bitte?“ Der gelbe Kobold namens Mick antwortete: „ Das riesige Wesen mit acht haarigen Beinen. Haben Glühaugen und Giftzähne, Gift lähmt. Kommt von Süderland wie Dämon. Immun gegen Koboldzauber. Einzig Grund, wir fielen. Wer du? Warum du hier? Wald gefährlich!“
Der rosane namens Mack fügte hinzu: „ Und was sein das für Bogen. Spüren starke Magie darin.“ François lächelte freundlich, was bei seinem sympathischen Gesicht sehr viel Charme zeigte. „ Ich heiße François. Ich komme aus dem versteckten Dorf Kaîró hinter dem Gebirgsarm vom Tal am Meer. Und das hier ist der Bogen meines Vaters. Angeblich soll er aus dem Horn eines Einhorns gefertigt und mit dem Haar eines Einhorns gespannt worden sein.
Warum genau ich hier bin, weiß ich gar nicht, aber ich muss einfach durch diesen Wald. Ich hatte vor drei Tagen einen sehr seltenen Traum gehabt und habe seitdem dieses starke, drängende Gefühl, dass ich ihm folgen sollte. Irgendetwas an diesem Traum scheint wichtig zu sein und zieht mich regelrecht dorthin, wohin der Traum mich führt, auch wenn ich keinen Schimmer habe, wo das sein soll.“ Der rosafarbene Kobold namens Mack fragte: „ Traum? Was für Traum?“
Die drei kehrten auf die Lichtung zurück und setzten sich in einem Kreis zusammen hin. Als sie alle saßen, begann François zu erzählen. „ Ich erinnere mich noch genau. Ich träumte von dem flammenden Vollmond. Ich stand in meinem Zimmer und packte Sachen in einen Rucksack. Dann verließ ich das Dorf. Danach ging ich durch diesen Wald nach Plaît und dann weiter durch den Efreb, über die Weidemark in den Marnés. Von dort aus ging's durch finstere Höhlen nach Gôngôn, der Geisterstadt der Druidika. Ich zog weiter in eine große Salzwüste, wo ich in einer riesigen, schwarzen Festung auf den König der Dämonen traf.
Ich weiß nicht warum. Ich kenne diese Gegenden nicht. Ich habe mein Dorf nie verlassen. Ich weiß nicht woher diese Bilder kommen. Vor allem hab ich keinen Schimmer, wie der Dämonenkönig aussehen soll, aber in meinem Traum hatte er lange Arme mit ledrigen Flügeln und klauenartigen Fingern, sowie einen langgezogenen Kopf mit einem langen Horn am Hinterkopf und einem vogelartigen Schnabel. Und neben ihm stand ein riesiger Menschendämon mit einem Wolfskopf auf den hohen Schultern. Und das obwohl ich zuvor noch nie einen Dämon gesehen habe.
Auf jeden Fall hab ich von einem goldenen Ring mit einem Schädel darauf, der genauso aussah wie der Kopf des Königs, geträumt und, dass ich diesen gestohlen hätte und dann über das Gebirge hinweg wieder zur Weidemark geflohen wäre, wo ich über das weite Meer in eine völlig andere Welt gelangte.
Dort war es finsterer als hier. Es war trockenes, ödes, vergiftetes Land. Bis zu den Knien stand ich in giftigem Nebel, der den gesamten Boden bedeckte und meine Muskeln ermüdete, mit Ausnahme der wenigen höher gelegenen Orte. Überall gab es kleinere Wasserstellen.
Ich weiß noch, ich ging auf einen riesigen Vulkan zu, der rötlich in der Finsternis glimmte. Dieser Vulkan schien mein Ziel zu sein. Es gab keine Tiere weit und breit, bis auf große löwenartige Geschöpfe mit vogelartigen Vorderbeinen, Adlerköpfen und gewaltigen Flügeln und kleine, stämmig gebaute, bärtige Krieger in einer riesigen Halle unter den Bergen. Ich sah Abgründe, deren Boden man nicht mehr sehen konnte und schmale Brücken darüber ohne Geländer. Ich sah eine Felsrutsche durch einen Vulkanschlot, wo ich den Ring ins Feuer warf, und ein gewaltiges, schwarzes Tor, auf dem Runen aus Blut geschrieben waren.
Dann bin ich aufgewacht. Ich weiß nicht, was diese Bilder in meinem Kopf zu bedeuten haben. Ich habe mich auf den Weg gemacht, um vielleicht herauszufinden, was dieser ganze Traum zu bedeuten hat. Ich hoffte, dass es irgendwo jemanden gibt, Eine Art Traumdeuter, der mir vielleicht weiterhelfen kann, was es damit auf sich hat und woher diese Bilder kommen, die ich nie zuvor gesehen habe.
Könnt ihr mir vielleicht weiterhelfen? Ihr seid doch eines dieser uralten, magischen Völker und man erzählt von eurer großen Weisheit.“ Mick kicherte jetzt etwas verlegen und überlegte. Dann antwortete er: „ Du wissen, wie man mit Kobolden sprechen. Hmmm. Möglich, du der Auserwählte sein. Retter des Propheten Merknix vor sechzehn Jahren. Traum vielleicht Vision von Seher selbst, geschickt zu leiten deinen Weg. Wenn ich recht, dann du wenden das Blatt und beenden grausame Herrschaft der Dämonen.“
Mack sah ihn an. „ Bedeuten, du große Hoffnung für alle. Du wenden Blatt und erfüllen Schicksal. Prophezeiung muss wahr werden, damit Sonne wiederkehren. Mick denken wie ich?“ Mick nickte jetzt. „ Ja, Mack. Dürfen mitkommen?“, fragte er François. „ Na klar. Wieso eigentlich nicht? Ihr kennt euch sicher gut aus, vor allem mit diesen ganzen Geschöpfen, die hier überall lauern. Ihr könnt mir wahrscheinlich in vielen Dingen weiterhelfen.
Außerdem könnt ihr mir im Kampf helfen und mir etwas Gesellschaft leisten. Alleine werde ich es wahrscheinlich nie schaffen, denn was ihr sagt klingt sehr viel schwieriger, als es mir in meinem Traum vorgekommen ist. Ich könnte eure Hilfe gut gebrauchen“, meinte dieser erleichtert, diesen Weg nicht allein gehen zu müssen.
Mack hopste aufgeregt auf und ab wie ein Flummiball. „ Toll, helfen gern. Wir lange allein. Grausam das. Ständig Flucht. Ich schon sehr froh, Mick hier. Trotzdem einsam. Endlich neues Gesicht. Wie aufregend . . .!“, sagte Mack dann und wirbelte mit ihren kurzen Ärmchen herum. Dann kicherten sie und Mick einen kurzen Moment vor sich hin.
Vielleicht sollte man anmerken, dass Kobolde ein extrem übertrieben fröhliches Volk waren, das fast immer über fast alles lachen konnte, wobei ihr Lachen eher wie ein extrem lustiges Kichern klang, das jeden in ihrer Nähe mit Freude und Lachen ansteckte. Selbst die Kobolde fanden ihr eigenes Lachen zum Lachen und konnten sich nicht selten sogar über sich selbst amüsieren, erstrecht weil ihnen klar war, wie lustig manche ihrer tapsigen, unbeholfenen, tollpatschigen Bewegungen für all die anderen intelligenten Geschöpfe aussehen mussten.
Und auch jetzt mussten die beiden Kobolde über ihr eigenes Kichern lachen, wie auch über Macks rudernde Arme und flummiartigen Hopser, sodass auch François angesteckt wurde und herzhaft lachen musste. Dann plötzlich verstummte François. „ Sagt mal. Könnt ihr mir sagen, was das gerade für ein Schatten war?“, fragte François. Die Kobolde erstarrten und schauten unsicher zum Himmel herauf.
Plötzlich stürzte eine riesige, schwarze Drachenbestie aus den Wolken auf sie herab. Ein greller Schrei, der einem das Mark in den Knochen gefrieren ließ, drang aus ihrem Maul, wie bloße Fingernägel auf einer Kreidetafel. Die Kobolde schrien: „ Deckung!!!“ François war völlig gelähmt und so packten sie ihn am Arm und zogen ihn ins Dickicht. Die geflügelte Bestie bremste kurz vorm Boden ab, flog wieder in die Höhe, kreiste noch einen Moment über ihnen und verschwand dann nach Westen.
Als die Bestie fort war, konnte sich François wieder bewegen. Er war völlig verwirrt und sah aus, als hätte er dem reinen Bösen ins Auge geblickt. Allmählich fing er sich wieder. „ Was passiert?“, fragte Mack ihn. François antwortete unsicher: „ Ich habe keine Ahnung. Ich sah nur noch diese Augen, so absolut eiskalt, tot und leer. Es war kein Leben in diesen Augen, so als ob diese Wesen nur aus Tod und Finsternis bestehen würden. Sie scheinen nur Hass, Kummer, Angst und Schmerz zu kennen.
