Drei Frauen - ein Sommermärchen - Monika Lorenz - E-Book

Drei Frauen - ein Sommermärchen E-Book

Monika Lorenz

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Beschreibung

Drei Frauen - ein Sommermärchen Kurzgeschichten - heiter bis stürmisch

Das E-Book Drei Frauen - ein Sommermärchen wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Erzählungen/Kurzgeschichten,sommerlich heiter,Urlaubslektüre,auch bei Regentagen,entspannend

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

1 Steinreich

2 Sonnenaufgang auf Rügen

3 Ein unvergessliches Wochenende

4 Ostermorgen - Osterfeuer

5 Blausternchen und Blaukehlchen

6 Der Garten meiner Mutter

7 Drei Frauen – ein Sommermärchen

8 Morgengrauen im Dschungel

9 Schönheit und Tod, so nahe beieinander

10 Morgenspaziergang am Strand

11 Stürmischer Strandspaziergang

12 Dattelfest in der Wüste

13 Nacht in der Wüste

14 Santa Fé Express

15 Schlaflos in der Vollmondnacht

16 Unwetter am See

17 Mittagszeit in den Bergen

18 Flug über die Alpen

19 Ein Abend, ein Schiff und Fackeln im Burghof

20 Ausgeträumt

21 Ein Morgen im Herbstwald

Steinreich

. Die Rapsfelder leuchteten in hellem Sonnengelb. Am Himmel darüber war kein Wölkchen zu sehen. Ein tiefes Blau überzog den weiten Himmel. Meike und Milla waren früh aufgestanden und schon unterwegs auf dem Weg durch die Felder. Rechts von ihnen leuchtete in verschiedenen Blautönen das Meer. Die Wellen schwappten leise rauschend an das Ufer. Auf der anderen Seite des Weges wogten die Felder im stetig wehenden Wind. Rote Mohnblumen, blaue Kornblumen und weiße Kamillenblüten färbten die Ränder der Getreidefelder bunt. Ausgelassen fröhlich zogen die beiden Freundinnen ihres Wegs. Sie hatten eine große Wanderung vor sich, doch bei diesem herrlichen Tag war es eine reine Freude in dieser großartigen Landschaft zu sein. Eine Weile waren sie schon gegangen, als sie am Weg ein kleines Haus mit einem Garten entdeckten. Sie blieben stehen und schauten über den Zaun in eine leuchtend bunte Farbenpracht. Die vielen, vielen bunten Blumen, die dort so reichlich wuchsen, blühten verschwenderisch. Fast sah der Garten ein wenig verwunschen aus. Auch das Haus, bewachsen mit rankendem Grün durch das hin und wieder das Fachwerk zu sehen war, gefiel den beiden außerordentlich.

„Hier könnte ich leben“, Meike seufzte und schaute sich sinnend um.

„Dieser Garten wäre für mich das reinste Paradies“, schwärmte Milla. Beide träumten so vor sich hin, wie es wohl wäre, hier zu wohnen.

„Ich würde mir in diesem Haus eine Praxis für besondere Massagen und Meditation einrichten.“ Meike bot in dem kleinen Dorf mitten auf der Insel Massagen, Meditation und Tanz an.

„Und ich würde im Garten Malunterricht geben, an so wunderbaren Tagen wie heute. Bestimmt wäre im Haus auch noch ein heller Raum frei für mein Mal-Atelier“. So träumten die beiden Freundinnen und malten sich in den schönsten Farben ihre Zukunft in diesem verwunschenen Haus mit dem prachtvollen Garten aus. Niemand störte sie bei ihren Gedankenspielen. Die Bienen summten über den vielen Blüten, der Wind wehte stetig und immer wieder zogen Blumendüfte über den Zaun zu den beiden.

„Tja, so schön unsere Träume auch sind und so wunderbar gerade dieses Haus mit dem farbenfrohen Garten zu uns passen würde, wir haben einfach nicht genug Moneten, um uns so einen Traum zu erfüllen.“

„Schade, dass es immer an dem blöden Geld scheitern muss, Was könnten wir anderen Menschen damit Gutes tun. Gestresste Menschen könnten in diesem schönen Garten wieder zur Ruhe finden. Die gute Meeresluft würde allen zusätzlich nur guttun. Aber leider, leider …..“

„Ja, wenn wir nur mal reich wären. So viel brauchte es ja gar nicht zu sein. Nur gerade so viel, um sich dieses verzauberte Häuschen leisten zu können.“

Seufzend und etwas traurig liefen die beiden weiter, drehten sich noch einige Male um, doch dann schritten sie wieder zügig aus. Sie wollten sich doch diesen wunderschönen Tag nicht mit traurigen Gedanken vermiesen lassen. Bald schon konnten sie wieder lachen. Die herrliche Umgebung, die Wellen, die leise an den Strand schwappten, die Sonne, die sie mit ihren Strahlen fast schon zu sehr wärmte, der weite Blick über die wogenden Felder mit dem leuchtend roten Mohn darin und die klare Luft berauschten richtig und sie lachten fröhlich über ihre verrückten Träume.

Gegen Mittag kamen sie am Ziel ihrer Wanderung an. Direkt an der Steilküste lag das kleine Fischerdörfchen mit seinen strohgedeckten Katen und den bunten Stockrosen an den weißen Wänden. Am kleinen Hafen hatte ein Fischer seinen Räucherschrank aufgebaut und bot frisch geräucherte Fische noch heiß direkt aus dem Rauch an. Mit gut belegten Fischbrötchen in der Hand setzten sich die beiden Freundinnen auf die dicken Steine, die direkt am Flutsaum lagen. Das Fischbrötchen schmeckte lecker, die mitgebrachten Äpfel wurden als Dessert verspeist. Einige Momente ließen sie sich noch von der Sonne bestrahlen, dann machten sie sich auf, liefen am Strand unter der Steilküste entlang. Über viele kleine und größere Steine mussten sie klettern und da, Meike bückte sich und hob einen Stein hoch. Das war ja mal ein ganz besonderer Stein. Weiß von außen, aber an einer Stelle schimmerte schwarz durch das Weiß. Doch das Besondere war die Form. Einen „Kopf“ mit einem „Schnabel“ und unter dem schmaleren „Hals“ wölbte sich ein dicker Bauch. Das ganze Gebilde sah aus wie ein Pinguin.

„Den nehmen wir mit“, war die einhellige Meinung von beiden. Nun hatte sie ein Fieber gepackt. Kopf nach unten, den Blick nur noch auf die Steine gerichtet, hoben sie mal diesen mal jenen schönen oder besonderen Stein auf. Alle waren irgendwie seltsam und wert, mitgenommen zu werden. Ihre Rucksäcke füllten sich. Doch jeder der gesammelten Steine war so besonders, sie konnten sich nicht davon trennen.

Nach einer Weile, die Rucksäcke waren fast voll, meinten sie, es wäre jetzt wohl genug.

„Wir müssen ja auch noch den ganzen Weg wieder zurücklaufen. Aber das schaffen wir schon,“ meinte Milla. Die Rucksäcke wurden geschultert, mit fröhlichem Lachen machten sie sich auf den Heimweg. Doch dieser zog sich in die Länge. Die Riemen der Rucksäcke schnitten immer tiefer in die Schultern ein. Die beiden wurden immer langsamer, ihr Rücken immer gebeugter. Zum ersten Mal hielten sie an der Kapelle an. Ließen die so schwer gewordenen Rucksäcke auf den Weg sinken, öffneten sie und schauten sich ihre „Funde“ an.

„Jetzt sind wir reich, Stein-reich,“ lachte Meike.

„Das wollten wir doch so gerne sein,“ meine Milla schmunzelnd.

„Nur, so schön die Steine auch sind, unseren Traum können sie leider nicht erfüllen. Schade!“ Und wie bei „Hans-im-Glück“ sortierten sie einige der weniger besonderen Steine aus, legten sie an den Wegesrand und schulterten die Rucksäcke erneut.

Wieder gingen sie einige Meilen, jetzt schon etwas langsamer und manchmal schnaufend. Doch dann drückten die Rucksäcke wieder so schwer auf den Rücken, sie blieben stehen. Die Sonne stand hoch am Himmel und schickte ihre warmen Strahlen auf die beiden Freundinnen. Denen liefen inzwischen schon die Schweißtropfen in die Augen.

„Also, so „reich“ wollte ich eigentlich gar nicht sein,“ schnaufte Meike.

„Tja, Reichtum ist doch ziemlich schwer zu er-tragen,“ meinte Milla nach Luft schnappend.

„Weißt du was, Meike, ich trenne mich jetzt von meinem „Stein-Reichtum“. Nur zwei, drei der besonderen Steine werde ich mitnehmen. Die kann ich wohl tragen.“

Genauso machten es die Beiden. Nur der besondere Stein, der „Pinguin“ kam zurück in Meikes Rucksack und noch zwei schöne weiße Steine dazu. Auch Milla sortierte aus und behielt nur drei, vier ihrer schönsten Steine.

„Nun ist mir wohler. Ich bin zwar nicht mehr „stein-reich“, aber viel unbeschwerter.“

„Da hast du vollkommen recht. Reichtum ist nur eine Last. Wir haben unsere Freundschaft, unsere Träume und unsere Fröhlichkeit. Wir sind reich genug. Wenn auch die Träume meistens nur Schäume bleiben, so macht es doch viel Spaß, zu träumen und sich vieles Schöne vorzustellen, dass man zwar mit Reichtum erhalten könnte. Doch würde es uns glücklicher machen, wenn wir es bekommen hätten? Oder ist grad das Träumen davon viel erfüllender!“

Beide fielen sich in die Arme, lachten und freuten sich an einem schönen Tag, an ihrer schon so langen Freundschaft und, dass sie immer wieder so verrückte Träume hatten.

Sonnenaufgang auf Rügen

Schon auf der Brücke zur Insel wehte zarter Duft in die Eisenbahnwagons. Die Rapsfelder standen in voller Blüte. Sonnengelb wogten rechts und links der Bahntrasse die Felder im leichten Wind. Ich stand am offenen Fenster und nahm die ganze Schönheit dieser Fahrt in mich auf. Am Bahnhof der kleinen Stadt in der Inselmitte wartete bereits meine Freundin Mara auf mich. Seit einem Jahr lebte Mara nun auf der Insel. Einen sehr kalten Winter mit viel Schnee, aufgetürmten Eisschollen auf dem Meer, hohen Schneeverwehungen, die das kleine Dorf von der Außenwelt abschnitten, hatte sie erlebt. Doch nun war es Frühling, die Sonne lachte und das Land leuchtete in hellem Grün: Mara und ich wollten ein langes Wochenende hier auf der Insel zusammen verbringen. Am Bahnhof fielen wir uns freudestrahlend in die Arme. Endlich war es so weit und wir sahen uns nach dem langen Winter wieder. Ich lebte im Süden und freute mich, diese große Insel im Norden mit einer so ganz anderen Landschaft zu entdecken.

Zwei Tage waren wir inzwischen auf der Insel unterwegs gewesen. Hatten schöne Wanderungen zwischen blauem Meer und weiten sonnengelb blühenden Rapsfeldern unternommen. Als wir an diesem Nachmittag wieder in Maras Wohnung in der ehemaligen Plattenbausiedlung ankamen, fragte Mara:

„Was meinst Du, Mona, hättest du Lust, mal mit mir einen Sonnenaufgang am Meer zu erleben? Ich würde das so gerne, traue mich aber nicht, allein am frühen Morgen zum Strand hinunterzugehen.“

„Oh, das wäre ein Traum, so etwas habe ich noch niemals erlebt. Da mache ich auf jeden Fall mit,“ meinte ich ganz begeistert.

„Allerdings müssten wir sehr früh losgehen, denn in dieser Jahreszeit sind die Nächte hier oben im Norden kurz und die Sonne geht schon sehr früh auf,“ gab Mara zu bedenken.

„Das ist mir egal, so etwas Besonderes erlebe ich doch nicht alle Tage und Schlaf können wir später nachholen.“

„Wollen wir dann gleich morgen früh losgehen?“ fragte Mara zaghaft.

„Unbedingt, was brauchen wir denn dafür?“ „Wir erkundigen uns, wann die Sonne morgen aufgehen wird, dann gehen wir heute Abend früh schlafen, stellen den Wecker und haben eine kurze Nacht. Noch im Dunklen müssten wir losgehen.“ Wir bereiteten eine Thermoskanne Tee und ein paar Kekse als kleines Frühstück vor und gingen zeitig schlafen.

Um zwei Uhr nachts klingelte der Wecker. Das Aufstehen fiel uns beiden sichtlich schwer. Der heiße Tee und die Kekse weckten die Lebensgeister ein wenig. Schnell waren wir fertig zum Losgehen. Der Himmel erwartete uns nachtschwarz, als wir aus dem Haus traten. Ich hakte mich bei Mara ein, denn ich bin nachtblind. Schnell liefen wir los. Eine bestimmte kleine Bucht hatte Mara ausgesucht, in der wir den Sonnenaufgang erleben wollten. Bis dahin war es noch ein ziemlich langer Weg. Dieser Weg führte durch eine Gartenkolonie. Jetzt im Frühling standen hier die Fliederbüsche in voller Blüte und ihr starker Duft erfüllte die Luft ringsherum und hüllte uns Nachtwanderinnen ein. Überhaupt nahmen wir die Geräusche, die verschiedenen Blütendüfte und vor allem den Gesang der Vögel in dieser frühen Morgenstunde überaus intensiv wahr. Alles kam uns überdeutlich vor. Vielleicht waren unsere Sinne auch durch die Aufregung vor dem kommenden Abenteuer geschärft. Die Vögel zwitscherten und sangen aus voller Kehle, sie freuten sich wohl auch auf einen schönen sonnigen warmen Tag. Die Eindrücke jedenfalls waren überwältigend. Doch wir durften uns dadurch nicht aufhalten lassen. Mara trieb uns an.

„Wir müssen uns beeilen, Mona. Schau, im Osten wird der Himmel schon heller und wir haben noch eine längere Strecke zu gehen. Wir müssen schneller laufen.“ Wir liefen nun schneller durch die schmalen Wege der Gartenkolonie, dann an den weiten Feldern mit den süß duftenden Rapsblüten entlang und kamen endlich auf den Weg, der zum Meer führte. Noch ein kleines Stück auf dem Hochufer gelaufen, dann führte ein schmaler, steiler Weg hinunter an den Strand. Wir schlitterten und rutschten den Hang hinunter und kamen doch heil auf dem Sand unten an.

„Gerade noch geschafft und der Himmel ist noch dunkel genug,“ seufzte erleichtert Mara. Ich schaute mich um. Hinter uns im Westen war immer noch pechschwarze Nacht. Doch im Osten sah man einen sehr schmalen Streifen, mehr eine Ahnung von Helligkeit. Mara lief ein paar Schritte ins Meer hinein. Hier wollte sie, verbunden mit den Elementen Wasser, Erde, Luft die Sonne aufgehen sehen. Ich blieb auf dem Sand stehen. Das Wasser war mir doch noch zu kalt. Schweigend schauten wir auf den Himmel im Osten. Der helle Streifen wandelte sich langsam, doch zusehends in zartes goldenes Licht. Immer intensiver und leuchtender wurde es. Wie ein goldener Schleier flutete es über die Wasserfläche und hüllte alles, Himmel, Meer und steiles Ufer in sein goldenes Leuchten ein. Wie flüssiges Gold schwebte dieses Leuchten auf dem Wasser. Immer stärker wurde das gesamte Meer vom östlichen Horizont bis in unsere Bucht hinein von Gold überzogen. Die Wellen, die leise an den Strand schwappten, hatten Spitzen von hellerem Gold. Dieses leuchtende Gold