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Ein Schatz aus alter Zeit lockt Azaril Scharlachkraut nach Perricum, in die Kaiserliche Hafenstadt. Und alsbald stehen nur noch eine junge Schelmin und deren Freunde zwischen Borbarads Spionin und ihrer Beute. Ein Aventurien-Roman in der Welt des Schwarzen Auges um eine Gruppe junger Helden, die einer sehr bedrohlichen Person im Weg steht.
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Seitenzahl: 365
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Gun-Britt Tödter
Koboldgeschenk
Ein Roman in der Welt von Das Schwarze Auge©
Originalausgabe
Impressum
Ulisses SpieleBand 54
Kartenentwurf: Ralf Hlawatsch E-Book-Gestaltung: Nadine Hoffmann
Copyright © 2014 by Ulisses Spiele GmbH, Waldems.DAS SCHWARZE AUGE, AVENTURIEN, DERE,MYRANOR, RIESLAND, THARUN und UTHURIA sind eingetragene Marken der Significant GbR.
Titel und Inhalte dieses Werkes sind urheberrechtlich geschützt.
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Print-ISBN 3-453-17895-5
Für all die Freunde, die mir ein Lachen zu entlocken vermochten, wenn mir zum Weinen zumute war.
Und mit herzlichem Dank an Martina Nöth, aus deren Lied ›Die Moorhexe‹
Vorspiel
Neugier ist eine Tugend! In den meisten Fällen ...
– Koboldischer Standpunkt
»Es ist Unserem Herrn nicht gefällig, solches in den Händen von Ungläubigen zu lassen!«
»Meine Teuerste, ich stimme Euch zu, doch wie wollt Ihr dies aus den Händen nehmen, die durchaus etwas festzuhalten vermögen?«
»Mit Seiner Kraft und der Kraft der Ihm Folgenden ist es mir möglich, alles zu erfahren und zu bekommen, was ich in Seinem Namen wissen und besitzen möchte, daran solltet Ihr nicht zweifeln!«
»Allein Zweifel an Eurer Person und Eurem Vermögen sind mir fremd, aber Ihr setzt Euch damit einer Gefahr aus, die mir die Eurer letzten Reisen bei weitem zu übersteigen scheint.«
»Der Preis, den es zu gewinnen gilt, ist dafür umso höher, nicht wahr, mein lieber Baron? Oh, Eure Besorgnis ehrt Euch. Zweifelt nicht an Seiner Macht! Ihr habt die Dinge, um die ich Euch bat?«
»Würde ich es sonst wagen, vor Euch zu treten, Verehrteste?«
»Eine Frage, auf die Ihr mir noch eine Antwort schuldig seid, werter Baron. Aber Eure verborgenen Geheimnisse schätze ich an Euch am meisten.«
1. Kapitel
Aller Anfang sei schwer, sagen die Menschen. Mein Kind, wie unwissend sind sie!
– Koboldische Weisheit
»Was schaust du da?« Neugierig schoben sich eine schmale, schmutzige Hand auf die Schulter und ein keckes kleines Gesicht an die Seite Brins, um ebenfalls um das alte Fass neben dem Bootsschuppen sehen zu können. Der Junge war bei der unvermuteten Berührung spürbar zusammengefahren und fluchte nun leise. »Bei Phex! Musst du mich so erschrecken?!«
»Ich dachte, wenn du mich nicht siehst und hörst, tun das die hinter der Ecke auch nicht.« Das Mädchen grinste vergnügt. »Oder?«
»Das Denken solltest du mir überlassen«, knurrte Brin verärgert. Er hatte das Mädchen wahrlich nicht bemerkt. Es konnte verflixt lautlos sein – wenn es denn wollte.
»Hab ich doch schon irgendwo einmal gehört. War das bei diesem Menschen, der ...«, erinnerte sich das Mädchen und zog gespielt nachdenklich die Nase kraus.
»Lara, halt die Klappe, ja? Bitte!«, zischte Brin.
Lara grinste breit, und Brin wusste nur zu gut, dass ihr die Frage nach der Klappe auf der Zunge lag. »Schluck es und ersticke dran!«, murmelte er wütend.
»Oh, wieder sehr nett heute. Pass bloß auf, dass dir keiner deiner Götter dabei zuhört und dir über deine Klappe fährt«, spottete das Mädchen leise. Lara wagte einen Blick um die Tonne und den nach Fisch stinkenden Netzhaufen herum. »Wer ist das?«, fragte sie, sich nach Brin umwendend, der sie vorsorglich immer noch an ihrem bunten, nur noch aus Flicken bestehenden Kleid festhielt, damit sie sich nicht noch weiter vorbeugen konnte. Ihre schmutzigen gelbroten Locken schienen ihm im hellen Praioslicht wie ein allzu verräterisches Leuchtfeuer. »Die gehören nicht ins Dorf, oder?«
»Wohnst du hier oder ich? Außerdem gibt‘s hier keine Elfen«, gab Brin sauer aber leise zurück. Er blickte noch einmal verstohlen und sichtlich besorgt zu den Fremden hinüber. »Wir verschwinden lieber«, murmelte er.
»Warum?«
»Weil du diese Leute bestimmt nicht zum Lachen bringen wirst! Jetzt komm schon!« Lautloser und geschwinder, als Brin zu hoffen gewagt hatte, erreichten sie unentdeckt das erste Gehöft des kleinen Weilers abseits der Bootsschuppen. Eilig liefen sie um den Ziegenstall der Witwe Dargel herum, überquerten die staubige und in der Mittagshitze bis auf ein paar Hühner leere Dorfstraße und verschwanden hinter dem Zackenbauern-Hof. Lara richtete sich hinter dem Gemüsegarten der Zackenbäuerin zu ihrer vollen Größe von nicht ganz acht Spann auf und versuchte zwischen den Gartenbäumen, Häusern und den Schuppen hindurch noch einen Blick auf die kleine Gesellschaft am Fähranleger zu erhaschen. Brin vergewisserte sich, dass niemand von dort sie wahrnehmen konnte, und sank in das abgeweidete Gras hinter dem weiß gestrichenen Gartenzaun. Lara zuckte mit den Schultern und plumpste neben ihm zu Boden.
»Also, wer war das?«, fragte sie herausfordernd. »Jemand, dem du schon mal in die Tasche gegriffen hast?« Der Schalk sprühte ihr aus den leuchtend grünen Augen, und jede einzelne ihrer unzähligen Praiossprossen unterstrich lebhaft ihr Vergnügen an dem geheimnisvollen Abenteuer, das sie hier witterte. Brin musterte kurz das schmale Mädchen in dem zerfetzten bunten Kleid und seufzte. Larataraminna – oder wie immer sie eigentlich hieß – hatte ihm in den letzten Tagen zu Genüge zu beweisen versucht, dass es immer und überall eine vergnügliche Seite gab, von der aus man die Dinge der Welt betrachten konnte. Brin teilte diese Ansicht nicht. Er stammte aus Mendena. Er hatte Xeraan gesehen, den Portifex Maximus und Hochpropheten der Borbarad-Kirche. Er hatte dort Dinge erlebt, die niemand von einer vergnüglichen Seite betrachten konnte – wenn man noch bei klarem Verstand war.
»Niemand«, erklärte er grob. »Es ist nicht wichtig.«
Lara hob eine ihrer fein gezeichneten roten Brauen. Sie musterte den schlaksigen, gut einen Kopf größeren Freund in der abgetragenen alten Lederhose, die wieder einen neuen Riss zeigte und ihm trotz seiner Länge zu groß schien, und dem schmutzigen, verwaschen graublauen und oft geflickten Schifferhemd. Sie suchte vergeblich eine Antwort in den finsteren Zügen seines mageren, sonnengebräunten Gesichtes unter dem staubigen braunen Haar, das sich widerspenstig in alle Richtungen gleichzeitig sträubte und mit dem Messer auf nur etwa gleiche Länge gestutzt war. Brin war ebenso wie sie selbst barfuß, und an Schmutz und Schwielen ließ sich leicht erkennen, dass sie zumindest seit längerer Zeit keine Schuhe getragen hatten. Aber so wie sie ihr weites buntes Flikkenkleid mit Freude trug und gerne Gras und Erde, Moos und Fels unter den nackten Füßen spürte, so sehr hasste Brin seine ärmliche Kleidung und neidete den wenigen Burschen, die hier Sandalen oder gar Schuhe besaßen, ihren vermeintlichen Reichtum. Seinen Hang zum Düstersinn kannte sie inzwischen ziemlich gut, auch wenn sie ihn nicht verstand. Viel und gerne erzählte Brin sowieso nicht.
Lara schüttelte den Kopf. »Und wenn es nicht wichtig ist, warum ziehst du dann so ein saures Gesicht? Herr Brin von Nirgendwoher nach einem großen König benannt, ich glaube dir kein Wort.«
Ihr Blick heftete sich unbeirrt auf den Jungen, dessen dunkle Augen ihr auswichen. Was sollte er diesem Mädchen auch erzählen? Sie mochte zwar so alt sein wie er selbst, etwa fünfzehn oder sechzehn Götterläufe, aber viel mehr hatten sie kaum gemeinsam. Die Piratenküste und das Darpattal waren verdammt verschieden. Ja, verdammt war die Küste. Verflucht auch, sicherlich. Denn wo sonst konnte man am helllichten Tage Kreaturen über den Weg laufen, die sicher keinen der Zwölfgötter als ihren Herrn oder ihre Herrin ansahen?
Etwas zupfte an seinem zerrupften braunen Haarschopf. »Lass das!«, fauchte er schlecht gelaunt.
»He! Eine Elfe ist doch kein Grund, bissig zu werden!«, beschwerte sich Lara. Sie feixte: »Oder glaubst du wie der Zackenbauer, dass alle Spitzohrigen Unglück bringen? Zudem sieht sie hübsch aus. Oder hat dir der Mann mit dem Beil deine Laune verdorben? Der schaute schon ein wenig grimmig drein.«
»Bei uns gibt es nicht viele Elfen«, entgegnete Brin endlich, »aber ich kann mich auch irren. Sowieso. Ich hab nur kurz ihr Gesicht gesehen, als der Wind ihren Schleier hochgeweht hat.«
»Hm. Und die Elfe, die du von daheim kennst, war nicht ... nett?«
»Nett schon. Irgendwie. Ach, vergiss es! Ich habe keine Lust, darüber zu reden.« Brin seufzte, als er das offen und übertrieben zur Schau gestellte Unverständnis in den ohnehin immer schelmisch anmutenden Gesichtszügen Laras wahrnahm. »Du bist unmöglich!«, beschwerte er sich.
»Kaum. Ich bin ja hier«, gab sie trocken zurück. Sie knuffte ihn in die Seite. »Komm, es hatte gerade angefangen, mit dir wirklich Spaß zu machen. Du darfst jetzt nicht wieder schauen wie Efferd nach zwölf Praiossonnentagen!«
»Woher willst du wissen, wie Efferd dreinschaut, wenn er es lange nicht hat regnen lassen?«
»Phantastalogie«, war die von einem Grinsen begleitete Antwort.
»Phantasie?«, riet Brin seufzend.
»Genau. Hast du eigentlich keinen Hunger mehr?«
Brin verzog das Gesicht, um nicht doch noch zu lachen. »Schon, aber bis zu dem Fisch bin ich gar nicht mehr gekommen.«
»Aber ich!« Lara zog verschwörerisch lächelnd ein Paket aus zusammengebundenen großen Blättern aus einer Tasche ihres Kleides. Sie knotete geschickt die Schnur auf und wickelte sie in Windeseile ab. »Ich dachte, bei geräuchertem Fisch brauchen wir nicht einmal ein Feuer.«
»Ich will gar nicht wissen, woher du den hast«, murmelte Brin andächtig.
»Dann frag nicht! Iss!«
»... mit expurgico gestraft werden jedoch Vergehen gegen das Arcana interdicta, welches betrifft die Ausübung der so genannten Magica Borbaradia, vornehmlich ...« Falk Turmen, Studiosus der Kaiserlich Garethischen Lehranstalt der Magie wider Geister und transsphärischen Wesenheiten zu Perricum, sah seufzend von dem schweren Folianten auf, der noch nach neuem Pergament und frischer Tinte roch. Das späte Praioslicht des Rondramonats des Jahres 31 Hal fiel in schrägen, silberflimmernden Bahnen durch die offen stehenden Fensterflügel des altehrwürdigen Studiengewölbes der Lehranstalt, und der leichte Seewind trug den Geruch des Meeres und das Geräusch der Brandung von den Klippen der Schule und der Perricumer Küste in die Stille des weitläufigen Raumes. Zwischen den mächtigen Pfeilern und an den drei Dutzend Stehpulten fand sich zu Ende der Boronstunde kaum mehr als eine Handvoll Schüler, die mit Hilfe neuerer, aber vor allem alter Skripten ihr Wissen zu erweitern suchten. Nur noch ein Viertel Götterlauf, dann mussten Falk und seine vier Kommilitonen des Abschlussjahrgangs auch diese Gesetzestexte und die Auslegungen des Codex Albyricus vorwärts und rückwärts, sinngemäß und auch im Wortlaut wiedergeben können. Drei Monde bis zur endgültigen Klausur, um sich als Adeptus Minor zu beweisen; eine Prüfung, die selbst mindestens einen Monat, gut aber auch einmal drei dauern konnte. Die vergangenen acht Jahre seiner Schulung erschienen Falk manchmal wie eine Ewigkeit, und doch war die Erinnerung des kleinen Jungen, der, von seinen Eltern begleitet, das erste Mal über die steinerne Brücke zu der alten Magierfestung hinüberschritt, noch so deutlich, als wäre es erst vor wenigen Tagen gewesen. Falk Turmen, der schwarzgelockte, schmächtige Bube des Meisters Turmen, Kartothecarius der Kaiserlichen Flottenakademie, sollte eigentlich einmal als prächtiger Seeoffizier des Kaiserhauses zu Ruhm und Ehre gelangen. Seit er den Knien des Vaters entwachsen war, hatte er mit pergamenten aufgetakelten Holzschiffchen und filigranen Zinnsoldaten berühmte Seeschlachten nachgespielt. Bis zu jenem Sommer, als es ihm ohne jegliche bewusste Absicht gelang, die Illusion der Schlacht in der Tränenbucht eines Jahrmarktgauklers zu zerstören, da sie so praioslästerlich und hesindeungefällig falsch war! Falk lächelte in Gedanken an den aufgebrachten Gaukler und an den in ein weites weißes Gewand gekleideten furchteinflößenden Magier, einen alten Freund seiner Familie, der einem trutzigen Wehrturm gleich plötzlich vor ihm gestanden und mit eindrucksvollem, bis schier in den Himmel reichendem Stab Schutz geboten hatte. Nun überragte Falk Seine Spektabilität Olorand von Gareth-Rothenfels um eine gute halbe Spanne Körperlänge. Allerdings, was die magische Größe betraf, würde er, der Studiosus, auch nach seiner Prüfung noch lange Jahre der Studien und Praktika benötigen, um auch nur annähernd an das Wissen und die Erfahrung des graubärtigen Antimagiers und Seelenheilers heranzureichen.
»Falk, kommst du mit zur Hesindeandacht?«
Alena, kurzaber ebenso dunkelhaarig wie er selbst, von blasser Hautfarbe und die beste Theoretikerin ihres Jahrgangs, erinnerte ihn wie so oft an etwas, das er selbst zum Unwillen ihres Akademieleiters viel zu häufig über den Büchern und bei den Kranken vergaß. Zwei, besser drei Dienste an den Göttern Hesinde und Boron im Laufe einer Woche waren für jeden Schüler der Akademie Pflicht. Und jeder von ihnen wusste, dass sie das Wohlwollen der Göttin der Weisheit und der Magie und das des Gottes des Schlafes und des Vergessens im begonnenen Zwölften Zeitalter mit all seinen dämonischen und geistverwirrenden Schrecken bitter nötig hatten. Und gerade Hesindes Gaben brauchte er zur Zeit dringender denn je. Manchmal hatte er das Gefühl, in seinem Kopf herrsche eine grauenhafte Leere, in dem sich all das Wissen der letzten Jahre in einem sinnlosen Reigen drehte, um ihn vollends zu verwirren und zur Verzweiflung zu bringen.
»Mit Freuden«, entgegnete er daher lakonisch und schloss vorsichtig den Folianten.
Alena lächelte beruhigend. »Du machst dir viel zu früh Sorgen, Falk«, sagte sie. »Außerdem lässt Olorand doch dich nicht durchfallen!«
»Eher als jeden anderen, damit Vater nur nicht glaubt, sein alter Freund habe seinen Sohn um seinetwillen gönnerhaft und unrechtmäßig bestehen lassen«, gab Falk seufzend zurück. »Mir graut vor der Prüfung!«
»Du solltest dich hören! Fast wie einer deiner Patienten«, scherzte Alena.
»So schlimm?« Falk seufzte. Die junge Studiosa lächelte. »Gehen wir, um Hesindes Gaben zu flehen?«, schlug sie vor.
»Und um Borons Gelassenheit«, setzte er hinzu.
Das Wasser unter dem Rumpf der Ehre von Perricum plätscherte einschläfernd gegen die nassen, von Muscheln und Flechten überzogenen Planken der am Kai dümpelnden alten Karracke unter der kaiserlich blauen Flagge mit dem roten Greifen auf goldener Scheibe. Derya lehnte an der Reling und blickte hinab in die schmale dunkle Schlucht zwischen Mauerwerk und Schiffsrumpf, beobachtete die kleinen Wellen, ihr Entstehen und Vergehen, das Wogen, Ineinanderfließen und Voneinanderfliehen im dunklen Hafenwasser. Strohhalme und ein verirrtes Holzstückchen an einem zerfaserten Strick, einst Teil eines Fischernetzes, schaukelten im Spiel von Dunkelheit und spiegelndem Widerschein des dämmernden Abendlichtes im Kriegshafen von Perricum. Der laue Abendwind strich über ihre kurzen rotblonden Locken und zupfte an den Spitzenbesätzen von Kragen und Ärmeln ihrer Uniform. Sie hatte Heimweh. Heimweh nach Havena. Aber wenn ihre Tante Deirdre ohne Murren selbst im tiefsten Süden ausharren konnte, sollte es ihr, der Seejunkerin Derya, wohl genauso gelingen, dieses grauenhaft langweilige Perricum zu überleben! Jedenfalls solange die Karracke der Kaiserlich Perricumer Flottenakademie für Seekrieg und Entdeckungen hier vor Anker lag. Seufzend dachte die Seejunkerin an die letzte Fahrt im Golf von Perricum: Wind und Wellen trotzend und all dem unheiligen Getier und Schlimmerem aus den Tiefen und Weiten der Dämonischen See, das sich immer wieder in den Golf hineinwagte – efferdgefällig, stürmisch und nass! Ihre dunkelblauen Augen blickten verträumt; sie dachte an die Zeiten zurück, als die Wellen über das krängende Deck brachen und die Mannschaft unter Kapitänin Galahan – ja, selbst das Schiff glich einem lebenden Wesen! – den Elementen getrotzt und diesen ihre Fahrt abgerungen hatte. Zwar war die ›Expedition‹ immer noch zu ruhig gewesen – einen einzigen kleinen Sturm gab es zu meistern, und die Ungeheuer der See hatten sie nur hin und wieder in weiter Ferne sichten können –, aber allemal besser als dieser Kriegshafen nach zwei Wochen Liegezeit! Wenn die Fahrt doch einmal nach Riesland oder ins Güldenland ginge! Das wäre nach ihrem Geschmack! Aber selbst bei Beginn der Güldenland-Expedition, von der man unter den Offiziersschülern an der Akademie die abenteuerlichsten Dinge munkelte – hatte sie sich auf der falschen Seite Aventuriens befunden. Derya seufzte tief. Dann riss sie sich von dem immer dunkler und unsichtbarer werdenden Schauspiel tief unten am Rumpf des Kriegsschiffes los und richtete sich auf. Trotz der Langeweile und ihrer Sehnsucht nach Aufregung und Gefahr verspürte sie keinen Drang danach, Kapitänin Leodora Galahans Unmut auf sich zu ziehen, indem sie zu spät zum abendlichen Offiziersmahl erschien.
2. Kapitel
Das Geschenk eines Koboldes ist ein zwiespältiges Ding ...
– Aus einer Vorlesung an der Academia Contramagica Kuslikiensis, 27 Hal
Laras Haarschopf glühte in den letzten Strahlen der untergehenden Praiosscheibe wie das arangenfarbene Gewand der Traviageweihten, die vor einigen Tagen den Fluss hinabgereist war und in dem kleinen Weiler Station gemacht hatte. Müde und satt streckte sich das Mädchen auf den Felsen am Flussufer aus und genoss die einschläfernde Wärme unter ihr und die Milde des sommerlichen Abends. Das Darpatwasser gluckste zwischen den Steinbrocken und den hohen, trockenen Schilfstängeln, als wolle es sich mit ihr unterhalten; eine Schar wilder Gänse schnatterte ein Stück weiter flussaufwärts, und Brin neben ihr fluchte leise.
»Muss das jetzt sein?«, brummte Lara. »Ich will ein wenig schlafen.«
»Sie steigen in ein Flussschiff«, erklärte Brin. Er hatte sich aufgerichtet, um über das Schilf zu dem kleinen Anlegesteg des Weilers blicken zu können.
»Und? Reisende reisen. Und sie sehen aus wie Leute auf Abenteuerfahrt, oder?«
»Ich dachte, sie wollten von hier aus über die Trollzacken zurück in die Schwarzen Lande.«
»Wenn sie eine Elfe ist, braucht sie sich doch nur in einen Vogel zu verwandeln und nach Hause zu fliegen«, murmelte Lara mit geschlossenen Lidern, unbeirrt die behagliche Stimmung des Abends genießend. Brin schwieg, was sie wiederum derart neugierig machte ließ, dass sie die Augen doch ein wenig öffnete, um zu ihm hinaufzublinzeln. Es überraschte sie nicht sonderlich, dass er nicht mehr neben ihr stand, sondern den Uferpfad entlang auf den Weiler zulief. Der Junge konnte geräuschloser sein als ein Mäuschen, da stand er ihr wenig nach.
»Wo will er hin?«, fragte sie.
»Wahrscheinlich nach Perricum.«
»Perricum? Was ist das?« Lara drehte sich zu Lahda‘terianmalli um, die in einem blau schillernden, mit silbernen Lilien bestickten Kleid am Wasser unter ihr kniete und Wäsche wusch. Der kleine Korb neben der Koboldin quoll über vor bunten, schimmernden Kleidungsstücken, und das Wasser unter ihren geschäftigen Händen gluckste, als freue es sich über ihr geschäftiges Reiben, Klatschen und Rubbeln. Das runzlige Gesicht mit den tiefblauen Augen, umrahmt von lustig sich bis zum Boden kringelnden blaugrünen Locken, wandte sich Lara zu, ohne dass die zierlichen Hände auch nur einen Augenblick lang in ihrer Arbeit innehielten. »Eine Stadt der Menschen«, erklärte sie. »Sie haben sie dort gebaut, wo der Fluss ins Meer fließt.«
»Eine Stadt? Eine Stadt wie Sahgertaljan-Miju?«
»Ich denke, ähnlich, aber sicher nicht aus Kristall. Menschen verstehen sich nicht auf das Bauen aus Kristall. Ein Dorf, so groß wie viele Dörfer. Alles sei dort größer, sagt dein Onkel: die Häuser, die Schiffe, die Straßen, ja, selbst die Tiere und Menschen.«
»Aber es sind keine Riesen?«
»Nein, das wohl nicht. Früher hat dort eine Riesenkönigin gelebt, erzählt man sich, aber das muss lange her sein. Großvater erinnert sich jedenfalls nicht an Riesen hier am Fluss. – Willst du ihm nicht nachlaufen?«
»Warum?«
»Oh, ich glaube, dein Onkel hätte nichts gegen einen Besuch seiner Nichte. Es wird Zeit, dass du ein bisschen von dieser Welt siehst.«
»Malli, du ...«
»Na, lauf schon, bevor ich es mir noch anders überlege!« Die kleine Koboldin unterbrach ihr Tun und lächelte ihrer Ziehtochter schelmisch zu. »Und komm wieder, wenn du den Schatz der Chalwen gefunden hast!«
Lara musterte das verschmitzte Lächeln ihrer Mutter, kniete sich an den Rand des Felsens und beugte sich weit vornüber, um der Koboldin einen herzhaften Kuss auf die Wange zu drücken.
»Ich komme wieder, Malli!«, versprach sie inbrünstig und sprang auf.
Die kleine Frau sah ihr noch einen kurzen Augenblick nach, dann wandte sie sich wieder ihrer Wäsche und dem raunenden Lied zu, das sie gesungen hatte, bevor Brin fortgelaufen war. Die eine dicke Träne wusch sie in das grüne Kleid hinein, dann nickte sie heftig, schüttelte die wilden Locken und nahm ein anderes buntes Stoffstück aus ihrem Korb. Die Welt war kurzweilig und die Weile kurz, die sie die Menschenkinder hütete. Keines hatte sie behalten, denn so war es nicht gemacht. Tsa schenkte das Leben und Hesinde die Neugierde. Solcherart Ungestüm war niemals zu halten, und das mochte seinen Sinn haben. Lahda‘terianmallis Gesang zwitscherte über das glucksende und rauschende Wasser des Stroms. Es gab so viele Menschenkinder in dieser Welt!
»Und was hast du jetzt vor?« Lara versuchte gleich Brin hinter dem alten Fass hervor das Geschehen auf dem Fährsteg einen Steinwurf weit entfernt zu verfolgen, auch wenn Brins Griff sie eisern zurückhielt.
»Hm.«
Trotz seines beharrlichen Griffs eher unentschlossen, musterte der Junge den flachen Flusskahn und den Schiffer, der die Vertäuung löste, sowie und die wenigen Passagiere, die sich auf dem Platz zwischen dem Häuschen im Bug und den im Heck festgezurrten Kisten und Fässern auf Taurollen und verschnürten Ballen niederließen. Es war ein kleiner Fährkahn, kaum acht Schritt lang, der nur wenigen Passagieren und wenig Ladung Platz bot, dafür aber leicht wieder flussauf zu treideln war. Er verfügte über ein Heckruder und einen Mittelmast, an dem in der sommerlichen Windstille das Segel traurig herabhing. Unter Deck mochte es kaum mehr als eine flache Bilge, aber keinen nennenswerten Stauraum geben. Der Kahn war so übersichtlich, dass selbst eine Maus früher oder später auffallen musste.
Lara wandte sich zu Brin um. »Mitfahren?«, schlug sie vor.
»Das kostet Geld.«
»Viel?«
»Einen Silber bestimmt.«
»Für uns beide?«
»Sag nur, du hast einen Silber?«, spottete Brin, der ihrer beider Reichtum mit geschlossenen Augen zutreffend auf weniger als einen Heller schätzen konnte.
Lara grinste. »Wenn ich ihn brauche, habe ich ihn. Komm! Bevor sie auf Nimmerwiedersehen hinter dem Horizont verschwunden sind!« Brin zögerte. Er wusste, dass er sicher einen triftigen Grund fände, diesem Plan zu widersprechen, wenn ihm Zeit zum Überlegen bliebe. Aber der Kahn legte gerade ab. Bis zu dem Augenblick, da er so weit von den Stegplanken fortgetrieben und von der Strömung ergriffen wäre, dass nicht einmal ein kühner Sprung sie an Bord brächte, konnten nur noch wenige Herzschläge vergehen. Die schwarz verschleierte, große und überaus schlanke Frau stand im Bug und blickte den Strom hinab, während ihr Begleiter an einer Ecke des Kahnhäuschens lehnte und den Blick scheinbar gelangweilt über den mitreisenden Händler und seine Gehilfen, den Schiffer und dessen Burschen schweifen ließ.
»Bei Phex!«, murmelte Brin. »Dann los!«
Und wie zwei vom Wind getriebene Blätter liefen sie hinter dem Schuppen hervor, Lara winkend, hüpfend und rufend, bis der Schiffer innehielt, aufsah und tatsächlich die letzte Schlaufe des Taus noch so lange um den hölzernen Poller liegen ließ, bis die beiden herangelaufen und über den bereits gut einen Schritt breiten Spalt zwischen Steg und Bordwand gesprungen waren. Lara grinste über das ganze sommersprossige Gesicht, blitzte den alten Schiffer aus grünen Augen vergnügt an und rief: »Welches Glück, guter Mann, dass Ihr so freundlich seid! Fast hätten wir Euch verpasst! Das wäre eine Schande gewesen! Sagt an, was bekommt Ihr für die Reise?«
»Was um aller Götter willen hast du ihm da gegeben?«, flüsterte Brin wenige Minuten später, als sie es sich auf einigen vertäuten Kisten mit dem Blick auf das südliche Darpatufer bequem gemacht hatten, weit entfernt von Elfe und Krieger – wenn man auf dem kleinen Fährschiff überhaupt von weit und entfernt sprechen konnte. »Es sah aus wie ein flacher Stein.«
»Einen Knopf«, grinste Lara. »Einen Holzknopf, den ich einmal am Wasser gefunden habe.«
»Er hat einen Holzknopf für einen Silber gehalten? Er ist doch nicht blind!«
Lara grinste schelmisch, während sie Brins offensichtliches Unverständnis genoss. »Er ist sicher nicht blind. Aber er denkt, er hat einen Silber bekommen, weil er einen Silber wollte«, entgegnete sie.
»Und ... wie lange wird er das denken?«
Das Mädchen zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Aber er hat ihn in seinen Beutel zu all den anderen Münzen getan. Wie soll er dann noch wissen, von wem er einen Knopf eingenommen hat, weil er nicht aufgepasst hat?«
»Hm.« Der Junge war nicht überzeugt davon, dass der Mann sie nicht verdächtigen würde. »Und wie hast du das gemacht?«
Laras Grinsen wurde noch vergnügter. »Das wüsstest du gerne, nicht wahr?«, neckte sie ihren Freund. »Hast nicht gedacht, dass ich noch mehr kann als seltsame Dinge reden, was?«
»Ich weiß nicht«, murmelte Brin. Er schien den Trick mit dem Knopf nicht vergnüglich zu finden. Er schaute das Mädchen nachdenklich, ja, misstrauisch von der Seite an und sah schnell fort, als Lara seinen Blick bemerkte.
Verwundert schüttelte sie den Kopf mit den wilden roten Locken.
»Du guckst wie die Zackenbäuerin, wenn ihr eine schwarze Katze über den Weg gelaufen ist«, stellte sie fest. »Was ist denn? Doch nicht, weil ich den Fährmann um einen Silber beflunkert habe?«
Der Junge verneinte kopfschüttelnd, suchte einen Anfang und sagte endlich mit aller Selbstüberwindung: »Das ist Zauberei!«
»Ja, sicher. Und?« Lara begriff den tieferen Sinn in seiner Antwort nicht.
Brin seufzte, weil er spürte, dass ihn das seltsame Mädchen wie so oft gar nicht verstand. »Weißt du«, versuchte er zu erklären, »dort, wo ich herkomme, bereiten Magie und Zauber den Menschen Angst. Magier sind mächtige Leute, die ... Die Elfe ist auch eine Zauberin!«
»Sie ist eine Elfe. Alle Elfen zaubern, jedenfalls soweit ich weiß«, entgegnete Lara. »Warum hat man dort, wo du herkommst, vor Zauberei Angst? Sind die Zauberer dort böse?«
Brin nickte. »Ja«, antwortete er so leise, dass selbst Lara ihn fast nicht hören konnte, »ja, sie sind alle böse.«
»Hm.« Und erst nach einiger Zeit des Grübelns wagte seine Freundin die vorsichtige Vermutung: »Es muss ein trauriges Land sein, aus dem du kommst.« Brin nickte wiederum. Lara sah ihn an und lächelte zaghaft und gewinnend.
»Ich bin nicht böse, ganz ehrlich«, erklärte sie.
Der Freund wandte den Kopf, um sie anzusehen. Er versuchte ein Grinsen. »Bei so vielen Praiossprossen ...«, entgegnete er schließlich.
Sie lächelte ihn herzlich an. »Danke! Sie sind nett, die Pünktchen, oder? Magst du sie zählen? Es müssen unendlich viele sein! So viele wie Sterne am Himmel, nicht wahr? Ich habe alle Sterne der Welt auf der Nase und den Wangen! Schau, du lachst! He, du kannst ja lachen!«
Die tief verschleierte Elfe in den herrschaftlichen Gewändern, die ebenso einer Frau des niederen Adels wie einer sehr wohlhabenden freien Bürgerin angestanden hätten, blickte sinnend über das nachtdunkle Wasser des Darpat, das sich bereitwillig vom plumpen Leib des Fährschiffes teilen ließ, und betrachtete das zersplitterte Mosaik des sich spiegelnden Madamales auf den abertausend winzigen Wellen.
»Herrin?«
Sie hob die schmale rechte Hand, fing den Gedanken ein, der ihr beim Anblick des glitzernd zerstreuten Mondabbildes zugeflogen war, verinnerlichte ihn, um ihn nicht wieder zu verlieren, und wandte sich erst dann dem gehorsam wartenden Söldner zu, den Baron von Wickrath aus seiner Einheit ihr zum Schutze bestellt hatte. Eine überflüssige Geste romantischer Minne, wie sie fand, aber nichtsdestotrotz mochte der Mann ihr von Nutzen sein. Bisher hatte sich Korian gesittet und durchaus gelehrig gezeigt.
»Was ist?«, fragte sie freundlich.
»Die beiden Streuner sind auffallend neugierig«, sagte Korian in seiner direkten, immer ein wenig ungehobelt wirkenden Art.
Die Elfe lächelte. »Ich weiß. Ich habe den Knaben schon einmal gesehen. Und wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, war es in Mendena. Das andere Streunerlein ist ein Mädchen, eine Schelmin, denke ich, nach der Art, wie sie den Fährmann entlohnt hat. Sie könnte lästig werden mit ihrer Feenzauberei, aber auch nicht mehr. Sie sind ... ungefährlich.«
»Lasst sie mich über Bord werfen!«, schlug der Söldner grimmig vor. »Neugierige Ohren und Augen nennen zu oft schwatzhafte Mäuler ihr Eigen.«
»Sie können sicherlich nicht schwimmen«, gab die Elfe zu bedenken. Sie lächelte in Gedanken und blickte zu dem gespiegelten Rad der Mada hinaus. »Obwohl es eine traumhafte Nacht wäre, um zu sterben«, sagte sie sanft. »Warte, bis sie schlafen!«, befahl sie schließlich, seinem Begehren nachgebend. »Dann will ich dich vor ihren und anderen Augen und Ohren verbergen. Wir sollten nicht auffallen, bevor wir unser Ziel erreicht haben.«
Nicht einmal der Atemzug für einen erschreckten Ruf blieb ihnen, bevor das kalte, tiefe Wasser sie in vollkommener Schwärze mit seinen Armen umfing. Väterchen Darpat gluckste und rauschte und zog sie hinab in die Stille seiner Tiefe. Gewaltige Kräfte umklammerten sie, rissen an ihren Kleidern und pressten ihnen Atem und Wärme aus dem Körper. Schmerz zerriss ihre Brust und ihre Gedanken, ihre Angst und ihr Leben. Dann war es still ...
»Sie ist so hübsch mit ihrem roten Haar! Wie es die Wellen umschmeichelt und das silberne Licht einfängt.«
»Und schau, wie weich seine Züge sind! Keine vergossenen Tränen und kein Lachen ... welch vergeudetes Leben!«
»Es hatte erst begonnen.«
»Es ist vorbei. Fast schon vorbei.«
»Sie sind so friedlich. So schön. Sterben sie?«
»Sie sterben.«
»Ich sähe so gerne, wie das Sonnenlicht mit ihrem Haar spielt.«
»Du möchtest mit ihnen spielen, nicht wahr?
Deinen weißen Leib ziert feiner Schlamm, das Wasser hielt gedunsen ihn und weich. Mein Molch durft an dir naschen, dann und wann – ja, du warst so begehrt in meinem Reich.
Und wollte auch dein Herze nicht mehr schlagen, so spielten wir doch manches wilde Spiel, in vielen Nächten und an manchen Tagen, und niemals, niemals wurd‘ es mir zu viel ...«
»Lass das! Das ist so ein schreckliches Lied! Sie werden so schnell hässlich ...«
»Ihre Lippen sind schon blau, sieh!«
»Und wenn wir sie wieder heraufholen?«
»Dann werden sie ebenfalls sterben. Früher oder später ...«
»Ich mag sie nicht so gehen lassen! Einen Tanz gegen das, was ihnen bleibt bis zu diesem Früher-oderspäter? Sag, magst du nicht auch hören, ob sie so singen und spielen können wie Alrik? Erinnerst du dich nicht?«
»Es sind Menschen.«
»Eben deshalb! Schnell, bevor die Strömung sie davonträgt!«
3. Kapitel
Wenn du glaubst, der Dunkelsinn umhülle dich und werde deinem Leben nun jede Freude nehmen, dann kommt von irgendwo ein helles Lachen her – wenn du nur bereit bist, es zu hören!
– Leirix aus Punin, vor einiger Zeit
Lara fror entsetzlich. Die Kälte hockte ihr tief in den Knochen, im Bauch und im Kopf, und sie zitterte derart, dass die Zähne aufeinander schlugen und kalte Tropfen aus ihren feuchten Locken träufelten. Der Nachtwind strich über ihre in nasse Lumpen gehüllte Gestalt, der harte Kies unter ihr stach in die Haut, und das leise Plätschern der Flusswellen stieß die Erinnerung in ihr herauf wie ein mit aller Kraft der Wasseroberfläche entgegenstrebender Fisch und sprang gewaltsam in ihre Gedanken.
»Brin!« Lara setzte sich mit einem Ruck auf und blickte um sich. Die Nacht schien noch nicht vorüber; über ihr glitzerten an einem mondlosen Himmel ungezählte Sterne. Das Mädchen schlang fröstelnd die nackten Arme um den Körper und erhob sich unsicher. Etwas war anders, etwas war nicht so, wie es sein sollte, und sie spürte, dass sie es nicht greifen konnte, weil sie etwas vergessen hatte. Lara konnte das Zittern ihrer Glieder ebenso wenig unterdrücken wie die grausame Angst, die ihr fast die Kehle zuschnürte. Sie sah über den stillen, breiten Fluss, das finstere Wasser, auf dem die silbernen Spiegelungen der Sterne leise tanzten. Mit aller Kraft schrie sie den Namen ihres Freundes in die Nacht: »Brin!«
Aber außer dem leisen Rauschen des Windes in den Bäumen und Büschen am sanft zum Strand abfallenden Hang hinter ihr bekam sie keine Antwort. Lara legte die wenigen Schritte bis zum Wasser zurück und wiederholte ihren Ruf mit sich überschlagender, schriller Stimme. Sie schluchzte auf, blickte das Ufer hinauf und hinunter. Im Westen sah sie nur Wasser, Strand und die schwarzen Schatten von Bäumen und einigen Felsen und im Osten einen sich über das Wasser erhebenden Turm und eine den Hang hinaufziehende zinnenbewehrte Mauer. Der Turm musste höher sein als jedes Gebäude, das sie je zuvor gesehen hatte. Er mochte noch eine ganze Strecke weiter flussabwärts stehen. Von Brin oder dem Flusskahn entdeckte sie nicht die winzigste Spur. Auch verrieten ihr die Sternbilder, dass sie hier am südlichen Ufer des Darpat gestrandet war. Vielleicht war Brin nicht nur weiter flussauf oder flussab, sondern auch jenseits des Wassers vom Väterchen Darpat freigegeben worden. Wahrscheinlicher war jedoch die Vermutung, dass der Freund ertrunken war.
Lara schüttelte sich unwillig vor Kälte und Kummer und schrie erneut: »Brin! Wo bist du? Bitte, Brin!«
Sie wollte nicht weinen. Sie wollte nicht, dass der Freund verloren war. Sie wollte es nicht! Zornig schüttelte sie den Kopf, sodass ihr die nassen, langen Locken um die Schultern und das Gesicht schlugen und sich ihre Tränen mit dem Flusswasser mischten. Sie überlegte fieberhaft, was sie tun könnte. Tauchen? Sie konnte nicht einmal gut schwimmen. Suchen! Sie musste ihn suchen, nicht einfach hier herumstehen und rufen. Vielleicht konnte er ihr nicht antworten. Oder er war zu weit fort, um sie zu hören. Er wollte in diese Stadt, Perricum. Die große Stadt lag dort, wo der Fluss in das Meer mündete. Also musste sie flussabwärts gehen. Lara blickte zu dem Turm hinüber. Dort irgendwo. Vielleicht gehörte die Mauer ja zu einem Gehöft der Stadt. Dann konnte es nicht allzu weit sein. Ein wenig Zuversicht regte sich in ihr. Warum sollte sie kein Glück haben? Sie war Lahra‘terianmella! Und wer, wenn nicht sie, hatte das Lachen der Götter auf seiner Seite? Immer noch frierend, aber entschlossen, das Glück zu erringen und Brin seinen Teil davon abzugeben, lief sie am Ufer entlang. Falk Turmen war auf dem Rückweg. Er hatte am späten Abend auf Bitte Seiner Spektabilität Olorand Arzneien und Tränke in das Kloster des Vergessens gebracht, in jene barmherzige Einrichtung, in der Angehörige des Ordens der Heiligen Noiona und der Perricumer Magierakademie gemeinsam jene Wahnsinnigen behüteten, denen die Schrecken der Gegenwart jede Hoffnung auf Genesung genommen hatten. Nachdem er das wertvolle Päckchen der Klostervorsteherin Schwester Kalina Niodas übergeben hatte, hatte diese noch mit dem jungen Studiosus über einige ihrer Schützlinge disputiert. Sie mochte den jungen, angehenden Magier und schätzte seinen einfühlsamen Umgang mit den Kranken und seine kluge Einsicht auf dem weiten Gebiet der Krankheiten der Seele und des Geistes. Sie sah ebenso wie Seine Spektabilität die Zukunft Falk Turmens in der Heilkunst und unterstützte sein Streben nach Wissen, sooft sie die Zeit und Gelegenheit dazu fand.
Die nächtliche Stunde des Ingerimm mochte bereits angebrochen sein, als Falk das Kloster verließ und sich hinüber zum angrenzenden Boronanger wandte. Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, auf dem Weg vom Kloster zur nahen Stadtmauer und der Golgari-Pforte das Grab seiner Großmutter zu besuchen, die vor drei Jahren in hohem Alter still und zufrieden zu Boron gegangen war. Es war ein unbedeutender Umweg, der ihm einige wertvolle Augenblicke der Ruhe schenkte. Viele Menschen fürchteten die Nähe der Toten, Falk hingegen hatte durch seine Großmutter die Einsamkeit des Boronangers schätzen gelernt, da er sie von Kindheit an zum Grab des Großvaters, eines früh auf See gefallenen kaiserlichen Flottenoffiziers, begleitet hatte.
Als er sich schließlich der Reichsstadt zuwandte, wobei ihm die über das Himmelsrund gestreuten Sterne genügend Licht für seinen Weg spendeten, fühlte er die Müdigkeit eines langen Tages. Er musste auf dem Heimweg noch die gesamte Stadt durchqueren und würde danach trotz seines Vorsatzes, heute noch die Siechen des Südens zu Ende durchzuarbeiten, wohl kaum mehr ein Buch aufschlagen.
So hielt er den flehenden Ruf der jungen, hellen Stimme für einen Teil seiner Erinnerung, bis er die schmale Gestalt unten am Flussufer stehen sah. Sie hatte ihn gleichfalls bemerkt und war bei seinem Anblick verstummt, blickte nun zu ihm herauf. Der Studiosus verharrte und musterte die vom Sternenlicht beschienene junge Frau in den seltsam zerfetzten Lumpen, die vermutlich von gauklerhafter Buntheit waren. Sie wartete einige Augenblicke lang auf eine Regung seinerseits, und als sie ihn abwartend stehen bleiben sah, kam sie auf ihn zu. Sie stolperte dabei immer wieder auf dem mit wildem Gras überwucherten und von Steinen durchsetzten Hang, bis sie letztlich in ungeschickter Hast und vor Schwäche stürzte. Falk Turmen schüttelte verwundert den Kopf und beeilte sich, ihr entgegenzukommen, um ihr aufzuhelfen.
Als er sie endlich erreichte, stand sie jedoch bereits aus eigener Kraft wieder auf den Beinen. Sie war einen guten Kopf kleiner als er selbst, und sie wirkte wie ein kleines Mädchen, auch wenn die nassen Lumpen an einem ohne Zweifel weiblichen, zierlichen, jungen und zitternden Körper klebten. Sie hatte wilde, lange und vor allem feuchte Locken, die im schwachen Licht glitzerten, aber ihre Farbe nicht verrieten. Falk schätzte bei einem Blick in ihr kleines, helles, von Praiossprossen überzogenes Gesicht, dass ihr Haar dazupassend von gaukelhaftem Rot sein musste.
Sie blickte ihn Hilfe suchend an. »Ich suche einen Freund«, erklärte sie bittend. »Verzeiht, aber habt Ihr einen Jungen gesehen, etwa so groß wie Ihr, schmal und mit kurzen braunen Haaren? Wir ... unser Boot ist auf dem Fluss gekentert. Er heißt Brin.«
Brin mochte im Mittelreich der beliebteste Name nach Alrik sein. Falk hätte ohne nachzudenken mindestens drei Jungen diesen Namens nennen können, auf die ihre unzureichende Beschreibung gepasst hätte.
»Nein, mir ist niemand außer dir begegnet«, antwortete er.
Das Mädchen nickte stumm und wandte sich ab. Sie blickte über den Fluss, dann zu der nahen Stadt hinüber.
»Ist das die Stadt Perricum?«, fragte sie.
»Ja.«
Wieder nickte sie. Dann drehte sie ihm das kleine Gesicht zu, legte den Kopf ein wenig zur Seite und fragte: »Wie kommt man durch die Mauer? Gibt es da Türen?«
Falk lachte leise. »Ja, man nennt sie Stadttore«, antwortete er. Sie machte nicht den Eindruck einer Verwirrten auf ihn. Sie kannte Städte offensichtlich nicht. Und sie wirkte mit ihren leicht zitternden Gliedern wie eine gerade dem Ertrinken Entronnene. Die Flussströmung spülte gar nicht selten aufgedunsene, bleiche Wasserleichen an die Ufer Perricums. Ihrer Aussprache des Garethi nach konnte sie allerdings nicht allzu weit fort von zu Hause sein. Sie formte die eigentlich harten Silben des Garethi wie jemand, der häufig der weicheren, schnelleren, aber mit dem Garethischen eng verwandten Sprache der Aranier gelauscht hatte. Sie kam mit ziemlicher Sicherheit aus irgendeinem Dorf entlang der Treidelpfade des Darpat oder aus der Au von Perricum entlang der Straße nach Baburin. »Wie heißt du?«, fragte er.
Sie blickte zu ihm auf und zögerte einen Herzschlag lang, bevor sie antwortete: »Lara. Und du?«
»Falk. Du siehst sehr danach aus, als hättest du ein unfreiwilliges Bad im Darpat genommen.«
»Hm«, entgegnete sie und sah an sich und ihren nassen Lumpen hinunter. Sie zitterte immer noch wie Espenlaub, und es gelang ihr darum nicht, einen gelassenen Eindruck zu machen, auch wenn sie es versuchte. »Kaum zu bestreiten. Vielleicht habe ich wenigstens ein paar Taschenkrebse gefangen ...« Sie steckte die kleinen Fäuste wie suchend in die Taschen ihres Kleides. Dann schüttelte sie den Kopf, wobei ihr ein neuerlicher Kälteschauer durch die Glieder fuhr. »Ein Kaminfeuer wäre jetzt das Rechte«, gab sie zu. »Du weißt nicht zufällig, ob und wo ...?«
Der junge Studiosus lächelte. »Es ist Rondra und nicht Firun. Aber du musst aus dem nassen Kleid heraus, bevor du dir die Blaue Keuche einfängst. Hast du ...?« Er schüttelte den Kopf. An Münzen besaß dieses zerlumpte junge Ding sicherlich nicht einen Heller.
»Nein«, antwortete sie da bereits, seine Gedanken erratend, »eigentlich nicht. Das braucht man in der Stadt, nicht wahr? Gold und Silber?«
Er nickte. »Eisen und Bronze zumindest«, entgegnete er. Dann nahm er den leichten, hellen, grau gesäumten Mantel ab, den er gegen den an der Küste häufigen Sommerregen über dem schlichten weißen Leinengewand der Magierlehrlinge zu tragen pflegte, und bot ihn Lara an. Sie betastete den weichen Wollstoff und legte schließlich wortlos das Lumpenkleid ab. Unbekümmert um ihre Nacktheit ließ sie sich von Falk in den Mantel helfen. Der Saum folgte ihr wie eine kleine Schleppe, als sie sich prüfend hin und her drehte. »Trocken«, stellte sie fest. »Und unpraktisch.« Und zog den Stoff dennoch dankbar eng um sich.
»Er ist eigentlich nicht dafür gemacht, kleine Mädchen nach dem Beinahe-Ertrinken vor dem Erfrieren zu retten«, entgegnete Falk mit einem Lächeln, das ihr entging.
Lara drehte sich und sah dem schwingenden Stoff zu. »Ich bin kein kleines Mädchen«, erklärte sie dabei. Sie verharrte, wobei sich der Saum schwungvoll um ihre Beine wickelte, dann sah sie wieder zu Falk auf, einen überraschend nachdenklichen Zug auf dem kleinen Gesicht. »Du gehörst zu meinem Glück, das ich habe«, sagte sie bestimmt. »Ganz sicher. Nimmst du mich mit in die Stadt?«
»Eine Wahl habe ich wohl kaum mehr«, vermutete Falk. »Werden dich deine Eltern nicht vermissen?«
»Wohl nicht, jedenfalls nicht so schnell. Mutter hat mich hierher geschickt«, entgegnete Lara. »Ich soll in der Stadt meinen Onkel besuchen.«
»Weißt du, wo dieser in Perricum wohnt?« Falk ahnte bereits, dass sie es nicht wusste. Er war nicht sonderlich überrascht zu hören: »Nicht genau. Irgendwo am Fluss. Denke ich jedenfalls. Kannst du mich nicht erst einmal bei dir aufnehmen?«
Er stellte sich vor, was der alte Pförtner sagen und tun würde, wenn er als erfolgversprechender Studiosus mit einer nur notdürftig bekleideten, ja, beinahe nackten Jungfrau um Einlass in die altehrwürdige Akademie bäte. Zumindest seine Kommilitonen hätten am nächsten Morgen ein kurzweiliges Gesprächsthema.
»Das wird nicht möglich sein«, entgegnete er bedauernd. »Außer du könntest dich unsichtbar machen.« Falk wunderte sich selbst über seine Worte. Selbst seine Base hatte er außerhalb der den Schülern zugestandenen Besuchszeiten nie mit in die Akademie genommen, obwohl Fenia, ein Abenteuer witternd, durchaus das eine oder andere Mal schmeichelnd darum gebettelt hatte.
»Oh, das könnte ich vielleicht sogar zuwege bringen!«, grinste da sein Findling.
»Das könntest du?«
Lara amüsierte sich sichtlich über seine zweifelnde Miene. »Nicht gänzlich«, gab sie zu, »aber fast.« Eine Erinnerung stieg in ihr auf, die das Lächeln aus ihren Augen vertrieb. »Du hast doch nicht etwa vor Zauberei Angst?«, fragte sie vorsichtig. »Ich bin harmlos, weißt du.«
»Magie ist niemals harmlos«, widersprach Falk, Seine Spektabilität frei zitierend. »Aber dich halte ich schon für ... harmlos.«
»Nun, so harmlos bin ich wiederum nicht«, wandte Lara ein.
»Lara, wollen wir disputieren oder uns an einen wärmeren Ort begeben?«
»Beides!«, schlug sie schelmisch vor und entlockte ihm damit erneut ein Lächeln, wenn auch begleitet von einem Kopfschütteln. »Und wohin dann nun?«, fragte sie.
»Ich werde meine Base bitten, dich diese Nacht bei sich aufzunehmen.«
»Wohnt sie in der Stadt?«
»Ja, im Rahjatempel.«
»Rahjatempel? Ist Rahja eine Schwester von Hesinde und Tsa und Phex?«
Falk nahm sich vor, Fenia vorzuwarnen, was die religiöse Bildung Laras betraf.
»Sie gehört zu den Zwölfgöttern wie die anderen«, bejahte er. »Sie ist die Göttin der Schönheit, Liebe und der Freude.«
»Dann passt sie zu mir«, stellte Lara fest. »Wie heißt deine Base?«
Und derart plappernd, ihr nasses Kleid auswringend, geleitete sie eher ihn als er sie in die Stadt. Die Torwächter der Golgari-Pforte öffneten dem häufig mitten in der Nacht heimkehrenden Studiosus ohne weiteres das kleine Manntor, das in den großen eichenen Torflügel eingelassen war, welcher mit wuchtigen, geschwärzten Beschlägen in Form von Rabenfedern besetzt war. Etwas erstaunt musterte sie das junge Mädchen an seiner Seite, das offensichtlich in den Reisemantel des Magierlehrlings gekleidet war und ein nasses Bündel Lumpen in der Hand trug. Und da sie in Zeiten wie diesen, in der die Grenze zum Feind kaum fünfzig Meilen entfernt lag, Befehl hatten, jeden nächtlichen Reisenden nach Namen und Herkunft zu fragen, legte der Studiosus Turmen für Lara aus dem Darpat Zeugnis ab und bürgte mit einer Unbesorgtheit für sie, die ihn später selbst verwundern sollte.
Seine Base Fenia strich sich das lackschwarze lange Haar mit schmaler Hand und anmutiger Bewegung über die nackte, ebenmäßig sanft gebräunte Schulter zurück und betrachtete das schelmenhafte Mädchen an der Seite ihres Vetters, dessen Besonnenheit und Ernst nicht dazu passen wollten, dass er ihr mitten in der Nacht ein zitterndes, nasses Fischlein brachte, wenn der Dienst an der Schönen Göttin gerade erst seinen Höhepunkt zu finden pflegte. Die junge Geweihte in dem feinen roten Schleiergewand erkannte durchaus den Liebreiz des sommersprossigen Gesichtchens mit den neugierig und offen blickenden grünen Augen inmitten der wilden und schmutzigen Haarflut, spürte aber ebenso den ungezähmten Übermut des kaum erwachsenen Mädchens. Es erwiderte ihren Blick mit einem vergnügten Lächeln; offensichtlich fühlte es sich wohl in dem offenen, zwischen Rosenranken versteckten Pavillon.
»Kann ich nicht hier schlafen? Dieser Duft ist wunderbar, und die Nacht ist hier gar nicht so kalt!«, bat Lara.
Fenia lächelte sie an und schüttelte den Kopf. »Erst einmal siehst du danach aus, als bräuchtest du ein Bad und etwas zu essen, und zum anderen ist dies der Garten der Rose. Er dient der Freude im Sinne Rahjas und dies zu Ehren der Göttin und ist nicht als nächtliche Zuflucht kleiner Streunerinnen gedacht«, erklärte sie. Sie wandte sich an ihren Vetter. »Warum bringst du sie nicht zu deiner Mutter?«
Falk seufzte. »Mutter wäre begeistert«, entgegnete er nur.
