Dschungel gebucht - Klaus Göbel - E-Book

Dschungel gebucht E-Book

Klaus Göbel

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Beschreibung

Der Urlaub in einem exotischen Land, verbunden mit einer abenteuerlichen Expedition auf eine tropische Insel, wird durch eine Katastrophe für Touristen zur Todesfalle. Zwei Frauen überleben und suchen sich ihren Rückweg zum sicheren Festland durch den Dschungel. Dabei lernen sie nicht nur sich gegenseitig, sondern auch sich selbst und die Welt, neu kennen. Doch Nasen wittern ihre Fährte und Augen lauern ihnen auf. Denn der Dschungel lebt. Und die Insel birgt ein Geheimnis. Ein hartes tabuloses Märchen für Erwachsene über die Realität dieser Welt.

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Seitenzahl: 374

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Immerwährendes Flüstern,

das Tag und Nacht ergeht:

etwas Verborgenes -

gehe hin und finde es!

Gehe und blicke

hinter die Grenzen;

etwas Verlorenes

hinter den Grenzen,

Verlorenes wartet auf dich.

Mache dich auf!

Rudyard Kipling

Britischer Schriftsteller und Dichter

1865 - 1936

Inhaltsverzeichnis

Motto

Samstag

Sonntag

Montag

Dienstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Montag

Dienstag

Epilog 1

Epilog 2

Samstag

Alles ging blitzschnell. Schreie. Ein ohrenbetäubendes Surren. Ein Schlag, ein unvorstellbar lauter Schlag. Ein Schlag in der Luft. Ein Schlag gegen ihren Körper. Ein Schlag an den Kopf. Schreie. Furchtbare Schreie. Todesschreie. Angst. Panik. Ihre Hände krallten sich schweißnass in Holz. Permanente Schläge gegen ihren Schädel. Tosen von rauschendem Wasser spülte die Schreie der Menschen davon. Panische Hilferufe. Immer wieder die Schläge gegen ihren Schädel. Schmerzen an Kopf und im Gesicht. Nasenbluten. Ihre Füße verloren Halt. Sie hing. Zehn Finger, zwei Fäuste, krallten sich ins Holz. Sie hing am Leben. Nicht loslassen! Dennoch blieb ihr nichts anderes übrig, als loszulassen. Mit einer Hand über sich greifend, in Stoff gekrallt, versuchte sie, die Schläge abzuwehren, die pausenlos gegen ihren Schädel tretenden Füße von sich zu reißen und in die Schlucht unter sich zu werfen. Tod! Schreie! Ein Mensch! Unter größter Anspannung versuchte sie, die Situation zu erfassen.

Die Hängebrücke war gerissen. Mit einem gewaltigen Schlag. Mit einem nicht minder gewaltigen Schlag war sie an die Felswand geschlagen, die Finger in Holz gekrallt. Über ihr klebte ein Mensch und strampelte um sein Leben, schrie ohne Unterlass und trat ihr ständig gegen den Schädel und die Schultern. „Halte dich fest, gib Ruhe! Wir leben!“, schrie sie nach oben. „Halte dich fest! Du schlägst mich tot mit deinen Füßen!“, wiederholte sie.

Da endlich, der Mensch über ihr schien es geschafft zu haben. Er hielt still, das Strampeln und Treten gegen ihren Schädel hörte auf. Der Mensch über ihr hatte Halt gefunden, stemmte die beiden Füße nun auf ihre schmerzenden Schultern. Sie atmete tief ein. Rauschen von Wasser. Kreischen wilder Vögel. Keine Schreie mehr. Sie hing am Leben. Sie atmete. Sie hing an einer Felswand, die Hände immer noch ins Holz gekrallt. Der Mensch über ihr presste ihr seine Füße gegen die Schultern. „Wir leben“, wiederholte sie. „Wir leben“, dachte sie, schwer atmend. „Ich lebe!“ Noch.

Wurzeln und Äste stachen wild aus der Felswand. Farne klebten an nacktem Fels. Kleine Sträucher ragten aus Ritzen. „Ich bin wie die Pflanzen“, dachte sie weiter. „Meine Hände sind wie Wurzeln, krallen sich in Felsritzen, halten mich.“ Blickte nach unten. Tosendes Wasser. Bäume. Felsen. Ein reißender Fluss.

„Wir müssen nach oben!“, schrie sie. „Ich kann nicht. Ich sterbe!“ Eine Frauenstimme. „Du lebst. Wir leben! Wir werden das hier überleben!“, schrie sie. Und weiter: „Suche mit deinen Füßen Halt am Holz. Du musst von mir herunter!“ „Ich kann nicht!“ Sie versuchte nach oben zu blicken. „Leck mich! Stell dich nicht so an", rief sie hoch. „Atme!“, sagte sie dann zu sich selbst. „Atme!“ Sie spürte furchtbare Schmerzen an ihren Ohren. „Hör auf, Halt zu suchen. Du scheuerst mir die Ohren weg! Kannst du hochklettern? Kommen wir nach oben?“ - „Nein.“ „Zu steil?“ - „Ich sehe nur das Seil von der Brücke!“ - „Das reicht doch zum Hochziehen!“ - „Nein, das Seil hängt an einem Stück Baum, die ganze verdammte Brücke, an der wir hängen, hat sich in einem Baum verheddert. Darüber nur glatter Fels.“

Endlich. Sie stand über ihr still. Ihre Füße ruhten. Das Scheuern an den Ohren ließ nach. Wie Feuer brannten ihre Ohren. Überall am Körper fühlte sie Schmerzen. Die Hände begannen zu krampfen. „Dann müssen wir nach unten!“ - „Wie?“ - „Klettern!“- „Wir werden sterben. Abstürzen!“ - „Einen Scheiß' werden wir! Suche mit deinen Füßen Halt an einer Holzstrebe!“ - „Ich kann nicht!“

Wut stieg in ihr auf. Ihr Atem wurde schwer. Adrenalin schoss durch ihren Leib. „Ich werde mich jetzt retten“, schrie sie nach oben. „Bleib du hängen und stirb!“

Die Schreie. Ihr fielen die Todesschreie ein, die sie gehört hatte. Die grauenvollen Todesschreie. Menschen starben in den letzten Sekunden und Minuten um sie herum. Wie viele? Männer. Frauen. Kinder? Sie konnte die Frau über sich nicht sterben lassen. Es befanden sich viele Menschen auf der Brücke. Wie ein schlechter Film spielten sich die Szenen vor ihren Augen ab. Die abenteuerliche Brücke. Die Sensation. Der Ausblick. In die Weite. Und in die Tiefe. Natur von ihrer schönsten Seite. Junge erwachsene Männer. Grölend, lachend. Sie begannen, an den Geländerseilen zu rütteln, sprangen stampfend auf der Brücke herum. Böse Blicke. Menschen, die unsicher begannen, sich an den Seiten festzuhalten. Immer wilder schaukelten die Heranwachsenden unter grölendem Gelächter an der Brücke herum. Ein Spaß. Angst und Unsicherheit in den Gesichtern der Touristen, die auf der Brücke waren.

Dann geschah es ohne Vorwarnung. Alles ging blitzschnell. Schreie. Ein ohrenbetäubendes Surren. Ein Schlag, ein unvorstellbar lauter Schlag. Ein Schlag in der Luft. Ein Schlag gegen ihren Körper.

„Ich kann sie nicht sterben lassen“, dachte sie und sah erneut nach unten in die Tiefe. Hinab auf den reißenden Fluss, der sich mit hoher Geschwindigkeit unbändig durch die schmale Felsschlucht fraß.

„Schaffst du es ein Stück tiefer? Komm zu mir. Halte dich an mir fest, an meinen Schultern!“ Unter Stöhnen begann die Frau über ihr, sich zu bewegen. Versuchte, sich Stück für Stück herabzulassen, wobei sie der Frau unter ihr auf den Körper rutschte. „Ich habe klatschnasse Hände und Angst“, stöhnte sie erneut. „Ich auch, aber wir müssen das hier schaffen. Noch leben wir. Die Reste der Brücke unter uns lassen uns noch ein ganz schönes Stück tiefer klettern, dort unten sind die Felsen nicht mehr so glatt. Vielleicht können wir von dort aus nach unten klettern.“ „Rutsch mir den Buckel runter“, musste sie kurz denken, als die andere Frau an ihr klebend an ihrer Rückseite hinter sie rutschte und sich dann mit einer Hand um ihren Hals klammerte, mit der anderen Hand eine Strebe der Brücke umfassend. „Du drückst mir die Gurgel zu“, würgte sie unter Anstrengung heraus. „Nimm den zweiten Arm und hänge dich auf mich, aber lass mir Luft zum atmen!“ Dann spürte sie plötzlich die Last der zweiten Person auf dem Rücken an sich kleben. Zitternd, ohne weiter nachzudenken, suchten ihre Füße unter größter Anstrengung Halt an den rauen Holzstreben. Die Zähne aufeinander beißend, ließ sie mit einer Hand los und griff eine Strebe darunter. Dann mit der zweiten Hand. Salziger Schweiß rann in ihre Augen. Sie schmeckte Blut auf ihrer Zunge, das aus der Nase lief. Sie zog das Blut in die Nase hoch, musste husten und schnäuzte es dann doch wieder aus. Hustete. Der nächste Tritt mit dem Fuß ein Stück tiefer. Dann die Hand. Die eine. Dann die andere. Die Last auf dem Rücken unerträglich schwer. Und weiter. Die Holzstreben vor ihren Augen, die Pflanzen, welche aus dem Fels wachsend ihr Gesicht streiften, wurden unscharf. Verschwommen. Ihr wurde schwarz vor Augen. Tief atmete sie ein. Wenn sie jetzt das Bewusstsein verlor, würden sie beide abstürzen. In den Tod. „Ich glaube, ich kann das auch“, hörte sie eine Stimme über sich und die Last am Körper, auf ihrem Rücken, ließ nach. Unter Schmerzen dehnte sich ihr Brustkorb, ein lauter, greller Schmerzensschrei entfuhr ihr, dann atmete sie weiter und der Blick wurde wieder klar. Weiter hangelte sie sich Stück für Stück nach unten, wagte einen Blick über sich und sah, dass die andere Frau es ihr nachtat. „Das wird!“, schrie sie hoch und hielt die Schmerzen fast nicht mehr aus. Noch ein Stück nach unten. Und noch ein Stück. Das wilde Rauschen und Toben des Flusses wurde lauter. Vögel kreischten. Es klang unwirklich. Wie höhnisches Gelächter. „Wir leben“, dachte sie. Und immer wieder: „Wir leben! Ich lebe!“

Nach einer Zeit, die einzuschätzen sie nicht fähig war, trat ihr rechter Fuß auf die unterste Strebe der Reste der Hängebrücke. „Sieht gar nicht so schlecht aus“, schnaufte sie und spuckte Blut aus, das aus ihrer Nase in den Mund lief. Ob es Mut war oder Todesangst, was ihr Kräfte verlieh, wusste sie nicht zu sagen. Sie funktionierte einfach und streckte ihren Körper aus, um nach einem geeigneten Halt zu greifen. Ihr Fuß platzierte sich, sie zog den anderen Fuß nach. Für den Bruchteil eines Momentes hielt sie inne, dann ließ ihre Hand das raue Seil des Brückengeländers los und griff steinigen Fels. Sie ließ die Brücke hinter sich und war nun auf das Klettern an den Felsen angewiesen. „Scheiße“, rief die Frau, die versuchte, ihr zu folgen. Zum ersten Mal nahm sie deren Aussehen wahr. Sie war schlank, lange dunkelbraune Haare hingen ihr wild und verschwitzt ins Gesicht. Schrammen und Risse bluteten im Gesicht. Shirt und Hose waren zerrissen. „Wir kleben hier wie Fliegendreck an der Felswand“, fauchte sie, die das Wort „Scheiße“ in die Schlucht geschrien hatte. „Wir schaffen das. Weiter!“, rief die Frau unter ihr. Immer wieder musste sie Sträuchern und Farnen ausweichen, die aus der Felswand wuchsen und ihr den Weg erschwerten. „Nach oben klettern ist einfacher, als nach unten“, fluchte sie vor sich hin, wobei immer wieder auch Steine und Geröll nachgaben und in die Tiefe stürzten. Die Sonne am wolkenlosen Himmel brannte auf ihren geschundenen Leibern. Ihr Kopf glühte. Die langen schwarzen Strähnen ihres Kopfhaares klebten im Gesicht, während Seiten und Hinterkopf millimeterkurz geschoren waren. Ihr Knie blutete. Die Hände wirkten geschwollen. Mit gespreizten Armen und Beinen drückte sie ihren Leib gegen den Fels und suchte mit der rechten Hand neuen Halt, als sie mit weit aufgerissenen Augen den Atem anhielt. Ihre Augäpfel schienen aus dem Schädel zu springen. Auf ihrem Arm saß eine Spinne. Daumennagelgroß. Ihr glatter schwarzer Leib glänzte in der Sonne, ihre langen Beine zuckten. Ihr wurde schlecht. Giftspinne? Angst kroch in ihr hoch, schnürte ihr die Kehle zu. Sie war zu keiner Bewegung fähig. Ihre Sinne drohten zu schwinden. „Was ist? Geht es nicht weiter?“, fragte die Frau dicht hinter ihr. „Eine Spinne! Auf meinem Arm sitzt eine Spinne! Wenn sie beißt oder sticht …!“ „Puste sie weg!“ Sie holte Luft, doch war wie gelähmt und starrte auf die Spinne, die wie hinterhältig bewegungslos auf ihrem Arm saß und ihr zu drohen schien. „Aahh!“, ein kurzer Aufschrei entfuhr ihrer trockenen Kehle, als ihr ein dürrer Ast über den Arm schlug. Die Frau hinter ihr hatte sich gegen sie gedrückt und mit einem dürren Ast, den sie abbrach, die Spinne weggefegt. „Danke!“

Mühsam kletterten sie weiter nach unten. Die Schlucht mit ihren tobenden Wassermassen, dem dichten Wuchs aus Urwaldpflanzen und Bäumen warf ihnen etwas Kühle entgegen. Was lachend von der glutheißen Sonne sofort gefressen wurde. Immer schwerer atmend wurde sie schneller und ihre Füße fanden auf einem kleinen Felsvorsprung Platz, auf dem sie sich zum ersten Mal, seit sie an die Felswand geklatscht war, umdrehen konnte. Den Rücken an den Fels gepresst, reichte sie der anderen Frau die Hand. Dann standen sie aneinander und an die Wand gepresst schwer atmend da und starrten in die Tiefe.

Nach schier endloser Zeit nahm sie erneut ihr Umfeld wahr. Sie spürte die linke Handfläche an ihrer Seite an den Fels gedrückt, während ihre rechte Hand ganz verkrampft die Hand der anderen Frau hielt. „Wir sind fast unten!“, sagte sie mit einem herausgepressten Lachen. „Was?“, schluckte die Frau an ihrer Seite, die ihrerseits die Hand krallend festhielt. „Es geht nicht weiter! Senkrecht nach unten! Wie tief mag es sein? Dreißig Meter bis nach unten?“ – „Nein, dreißig Meter sind es nicht. Schwer zu schätzen. Fünfzehn oder zwanzig vielleicht?“ – „Toll! Das ist ja mal ein Unterschied! Fliegen wir den Rest? Oder knoten uns wie in einem schlechten Film aus unseren Kleidern ein Seil?“, fauchte die braunhaarige Frau.

Die andere schaute an sich hinab. Sie trug ein schwarzes Shirt und eine dunkelblaue Jeans, die aufgerissen war und ihr nur bis zu den Knien ging. Dann wagte sie einen Blick zu der anderen Frau. Betrachtete sie. Schweiß tropfte dieser an der Nase ab. Ihr Kopf war hochrot. Sie atmete schwer. Eine beigefarbene Bluse hing in Fetzen an ihrem Oberkörper. Ihre dunkelbraune Short war schmutz- und blutverschmiert. „Das gibt kein langes Seil!“ – „Was?“, fragte die Frau neben ihr. – „Das gibt kein langes Seil, wenn wir unsere Kleider aneinander knoten und in Unterwäsche weiterklettern.“ „Dann knoten wir eben unsere Unterwäsche dazu“, hauchte die Frau mit der beigefarbenen Bluse und dem dunkelbraunen Haar und schaute zu ihr herüber.

„Ich trage keinen BH und ich glaube kaum, dass mein String hält“, lachte die Kurzhaarige mit einem Anfall von Angsthumor, während sie die lange, schwarze Strähne aus ihrem Gesicht blies und schmerzverzerrt das Gesicht verzog. „Und da unten hocken wir dann nackt im Urwald, wenn uns die Retter finden“, vervollständigte sie ihren Satz und spürte, dass sie beide dieses dumme Geschwätz wohl brauchten um ihre Angst abzubauen und ins Leben zurückzufinden.

„Die Hitze ist unerträglich“, schrie die Braunhaarige gegen das Rauschen des wilden Stromes unter ihnen an. „Wir werden hier an der heißen Felswand geröstet! Ich kotze gleich!“

„Du wirst ganz blass. Ist dir schlecht? Kotzen kannst du. Hat ja Platz hier nach unten. Aber kollabiert wird nicht! Ich kann dich hier weder hinlegen, noch ärztlich versorgen.“

„Ich“, stöhnte die Braunhaarige, „ich kann die Blase nicht mehr halten, ich platze! Es schmerzt nur noch!“ – „Pinkeln? Du musst pissen? Tja, schwierig hier oben. Sobald du dich bewegst, stürzt du ab. Hier sind Männer im Vorteil, Hose auf, Pimmel raus und im hohen Bogen ab damit! Vielleicht wenn ich dich halte und du deinen Hintern über den Abgrund hälst ---?“ – „Du spinnst! – Ich – ich kann nicht mehr, verdammt!“ – „Dann lass es laufen. Ich kann ja ein wenig weggehen, fragt sich nur wohin? Eine Bewegung und ich stürze ab.“ – „Ich kann doch nicht – wie soll ich hier die Hose -?“ – „Die Hose sieht eh‘ aus wie Sau. Wir haben die gerissene Hängebrücke überlebt, den Schlag, als die Brückenreste gegen den Fels geknallt sind, haben stundenlang unzählige Meter Steilwandklettern abwärts überlebt und jetzt willst du an einer geplatzten Blase krepieren?“

„Ich fasse es nicht“, stöhnte die geplagte Frau, schloss die Augen, versuchte zu atmen. „Ich kann hier nicht einfach in die Hose machen!“, stöhnte sie gepresst. „Wetten, dass du kannst?“ Erneut schloss die andere Frau die Augen, atmete tief und lehnte den Kopf hinten an die Felswand. Dann atmete sie aus. Immer wieder und sank dabei erschöpft etwas in die Knie. „Na also, du hast es geschafft. Besser jetzt?“ – „Ja, mit entleerter Blase stirbt es sich wahrscheinlich leichter. Und jetzt?“ – „Keine Ahnung, wir kommen hier nicht weg. Nach oben ausgeschlossen. Nach unten ausgeschlossen. Übernachten können wir hier auch nicht. Schnarchst du?“ – „Lass den Scheiß!“

Die Schwarzhaarige murrte: „Mir schlafen die Beine ein, ich muss was unternehmen. Ich springe.“ – „Waaaas?“ – „Ich springe.“ Wieder blies sie ihre schwarze lange Strähne aus dem Gesicht. „Wir könnten springen. Das könnten wir überleben. Dann sind wir unten.“ – „Da unten hat es Bäume und Felsen und Urwald! Das Wasser ist dort, ein rauschender wilder Fluss, womöglich voll mit Krokodilen!“ – „In dem reißenden Fluss halten sich keine Krokodile, schätze ich. Wir müssten uns allerdings ordentlich hier abstoßen und nach draußen springen, nicht einfach nur runter, sonst zerschellen wir dort unten auf den Steinen oder die Bäume schlitzen uns auf und reißen uns in Stücke. Hier können wir nicht warten, bis uns jemand holt, wir können uns noch nicht einmal setzen, geschweige denn hinlegen. Was glaubst du, wie lange wir hier stehen können? Das halten wir nicht lange durch.“ – „Wir geben uns jetzt die Hand und springen? Auf Drei?“ – „Wenn du willst, dass ich unten angekommen von dir zur Erinnerung wenigstens einen abgerissenen Arm und ein Stück Schulter habe, ja. Was glaubst du, was für eine Wucht uns aus dieser Höhe ins Wasser schlägt und der Strom reißt uns sofort mit. Ich springe. Ich bleibe nicht hier, bis ich vor Schwäche einfach hinunterfalle. Du springst nach mir, aber warte ein paar Sekunden. Und springe weit nach vorn, sonst zerschellst du am Ufer. Wenn du überlebst, ist deine Hose frisch gewaschen. Hat doch was, oder? “

„Eklig ist das“, dachte die andere Frau und schaute ihre durchnässte Hose an, die in der Hitze streng nach Urin roch. „Einfach nur eklig! Aber immerhin, ich lebe noch. “ Dann starrte sie in die Tiefe, versuchte abzuschätzen, wie weit sie nach vorne springen musste, sich von der Felswand abstoßen. „Glaubst du, du schaffst das?“, fragte die Schwarzhaarige. Und ihre Strähne hing diesmal wieder ins Gesicht, wobei sie ganz kurz schielte um die Strähne zu erfassen. Reflexartig fasste sie sich an ihr rechtes Ohr, um zu prüfen, ob sie ihre 5 Ohrringe noch trug, nachdem die andere Frau vor Stunden, als sie über ihr hing, mit den Füßen grob an ihrem Schädel und ihren Ohren scharrte, um Halt zu finden. Das Ohr schmerzte extrem, aber die 5 Ohrringe waren noch vorhanden. „Wir haben Spätnachmittag, wir sollten springen. Wenn es erst einmal dunkel wird, sind wir zu erschöpft um hier noch stehen zu können und springen können wir erst recht nicht mehr in der Dunkelheit.“ Erst jetzt fiel ihr auf, dass die Frau neben ihr nur noch einen Schuh trug. „Halte die Hände dicht an deinem Körper, umfasse deine Beine, mache dich zu einem Paket, dann schlagen wir nicht zu tief ein. Hoffen wir, dass der Fluss tief genug ist.“ Sie begann, sich zu konzentrieren. Noch einmal fixierte sie die braunhaarige Frau neben sich, die ein gutes Stück älter zu sein schien als sie selbst. „Wir haben doch beschlossen, zu überleben, oder?“ Die Braunhaarige: „Was, wenn der Aufschlag auf das Wasser uns in Stücke reißt?“ – „Keine Angst, das tut dir dann nicht lange weh. Aber im Ernst, ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen. Es sind vielleicht zehn oder fünfzehn Meter.“ Sie verzerrte das Gesicht. Zwanzig, sicher waren es mindestens zwanzig. Sie fasste sich an die linke Brustseite. „Ich glaube, ich habe mich übel geprellt, als ich an die Wand schlug oder Rippen gebrochen.“ Dann holte sie tief Luft, wobei ihr ein Schmerzenslaut aus der Kehle zischte, und sprang.

Panisch fieberten die Gedanken der anderen Frau: „Wenn ich jetzt nicht …“, dann stieß sie sich mit aller Kraft von der Felswand ab und sprang ebenfalls in die Tiefe.

Drohend und höhnisch rauschte das Wasser. Das Dröhnen klang wie ein gieriges Lechzen nach Opfern, sie spürte ihren Magen von unten gegen die Kehle drücken, die Bäume schienen in rasender Geschwindigkeit nach ihr zu greifen um sie in der Luft zu zerreißen als sie die junge Frau unten ins Wasser einschlagen sah. Dann ein dumpfer Schlag! Dunkelheit erfasste sie, sie wurde herumgeschleudert und umher gewirbelt. Jede Orientierung fehlte, sie zappelte und strampelte und hielt panisch die Luft an. Millionen von Luftblasen schienen sie zu umringen, als wollten sie sie in einen todbringenden Kokon einschließen. Sie durchbrach die Oberfläche, schrie, schluckte Wasser, hustete und wurde wieder nach unten gespült in die fremde wilde Welt, die der reißende Fluss unter sich verbarg. Dunkelheit sein größter Gefährte.

Sie hatte schwer mit sich zu kämpfen, die jüngere der beiden, die Schmerzen im Brustbereich waren unerträglich, sie konnte sich nicht orientieren, hatte gesehen, dass es die andere Frau auch ins Wasser geschafft hatte, dass sie aufgeschrien hatte um in der gleichen Sekunde vom wilden Strom verschluckt zu werden. Der Strom wurde breiter, dann wieder sehr eng und felsig, die Geschwindigkeit rasend zunehmend, Bäume streckten ihre Äste entgegen, bei jedem Griff wurde ihr der Halt entrissen, sie wurde gegen Felsen und Gestein geschleudert, schrie auf, schluckte Unmengen von Wasser und wurde weitergespült, der Lärm des tosenden Wassers unerträglich laut. Ohne sich besinnen zu können, schlug sie beide Arme um einen gewaltigen Baumstamm, der faulig und moosbewachsen weit über das Wasser hing und stemmte sich mit beiden Beinen, die sie weit spreizte, gegen zwei Felsen. Es krachte in ihrem Körper, ihr Arm wurde aufgerissen, Blut mischte sich ins Wasser und wurde weggespült. Dann ein Schlag von ungeheurer Wucht gegen ihren Rücken. Ihr wurde schwarz vor Augen, sie verlor das Bewusstsein und wurde fortgespült.

Als sie sah, dass die Frau vor ihr in immer größerer Entfernung fortgerissen wurde, überkam sie Panik. Mühsam versuchte sie zu schwimmen, wurde aber immer wieder herumgewirbelt, verschluckte sich am Wasser, musste husten und würgen, schlug mit den Armen wild ins Wasser und versuchte, sich zu beschleunigen, um den Abstand zu verringern. In weiter Entfernung war eine Engstelle zu sehen, auf die ein Baumstamm mit wild abstehenden, dürren Ästen gestürzt war. Die Geschwindigkeit nahm zu. Immer wieder spritzte und klatschte ihr Wasser scharf und hart in die Augen. Dennoch erkannte sie wie die Frau in weiter Entfernung vor ihr sich urplötzlich mit beiden Armen an den Baumstamm krallte und mit den Beinen wohl gegen die Felsen rechts und links stemmte. Sie schrie und rief der Frau zu, dass sie auf sie zugeschossen kommt, doch sie wurde nicht gehört. Zu laut war das Tosen und Rauschen. Immer schneller schoss sie auf die Frau zu, rasend schnell verringerte sich der Abstand. Mit aller Kraft versuchte sie, die Geschwindigkeit zu drosseln, was ihr nicht gelang. Ungehindert schoss sie auf ihre Leidensgefährtin zu, schrie und rief, als sie mit einem Schlag in den Rücken der Frau schlug, diese mit sich riss, fünf Meter in die Tiefe geschleudert wurde, umspült von wilder Gischt und Schaum. Verzweifelt schlugen ihre Hände nach der bewegungslosen Frau, die ihr durch den Aufprall entglitten war, sie krallte sich an ihr fest, bemerkte deren Bewusstlosigkeit, hielt unter größter Anstrengung deren Kopf über Wasser und ließ sich auf dem schnellen Strom dahintreiben.

Irgendwann wurde der Fluss deutlich breiter und die Geschwindigkeit ließ nach. Unter Aufbringung allerletzter Reserven versuchte sie, Richtung Ufer zu schwimmen, die bewusstlose Frau mit sich führend. Die Angst, sie könne möglicherweise bereits eine Leiche mit sich zerren, zehrte an ihrem Verstand, Panik schüttelte sie, ihr wurde schlecht. Leblos hing die Frau auf ihr, der Kopf schaukelte hin und her.

Es dämmerte. Mit letzter Kraft hatte die Braunhaarige sich und ihre Gefährtin an das Ufer ziehen können. Sie legte die junge Frau auf den Rücken, überstreckte vorsichtig den Kopf nach hinten, damit die Atmung gewährleistet blieb. Sofort beugte sie sich über sie, wischte flüchtig Blut und Nasenschleim von deren Lippen, presste ihren Mund auf den Mund der jungen Frau und wollte mit einer Beatmung beginnen, als ein Ruck das Opfer durchfuhr, diese zuckte und ihrer Retterin hustend in den Mund spuckte. Erschrocken wich die Ältere zurück. Weiter röchelte die am Boden Liegende, hustete, spuckte Blut, Schleim und Wasser. Dann sank ihr Kopf zur Seite. Schwer atmend blieb sie im warmen Sand liegen. Die andere strich ihr die schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann sank sie erschöpft daneben, dicht an den Körper der anderen, um hören und spüren zu können, ob sie atmete und schlief ein.

Die Sonne verlor an Kraft. Der Himmel färbte sich dunkelblau und orangerot. Vögel flatterten wild umher, ihr exotischer Gesang, ihr Gurren, Zwitschern und Schnattern schwebte in der Luft. Das Rauschen des Flusses schien hier wie ein Rufen aus der Ferne. Aus dem naheliegenden dichten Urwald klang ein hässliches Geräusch, ein Krächzen, das einem Lachen, einem spöttischen Lachen gleichkam. Es surrte, schnarrte, piepte und krächzte im Smaragdgrün des Waldes. Ein unheimliches Heulen mischte sich in die Vielfalt der fremden Geräusche. Eine Schlange huschte durch den warmen Sand, hinterließ eine wellenartige Form. Ein spinnenartiges Wesen hüpfte leichtfüßig über die Wasseroberfläche, huschte aus dem Wasser über den Sand und grub sich dort ein. Ein dumpfes Röhren drang aus dem Wald. Dann das Fauchen einer großen Wildkatze. Der Tag legte sich zur Ruhe, der Urwald erwachte.

Wasser und Schleim lief aus ihrer Nase, sie zog die Nase hoch und wischte sie mit dem Handrücken ab. Sie spuckte Wasser und musste husten. Die Schmerzen in ihrem Oberkörper ließen sie aufschreien. Achtlos wischte sie ihre Haarsträhne aus dem Gesicht. Unter Schmerzen drehte sie sich auf den Rücken und stützte sich auf die Ellbogen im warmen Sand. Sie fröstelte. Feucht klebten Shirt und Jeans an ihr. Blutige Risse an Armen und Beinen waren geschwollen. Sie atmete schwer. Ein paar Meter vor ihr saß die andere, braunhaarige Frau am Ufer des Flusses, die Arme um die aufstellten Beine geschlungen, den Kopf dazwischen versenkt.

Mühsam versuchte sie, ihre Glieder zu bewegen und sich aufzurichten. Unter Stöhnen gelang es ihr. Auf einem Bein humpelnd schleppte sie sich zum Flussufer und ließ sich neben der Frau niederfallen, den Oberkörper aufrecht, die Beine lang ausgestreckt. Es herrschte Schweigen. Nur der Urwald schickte seine geheimnisvollen Geräusche in die Abenddämmerung.

„Danke“, flüsterte die Schwarzhaarige und räusperte ihren vom vielen Wasserschlucken strapazierten Hals, „Sie haben mir das Leben gerettet.“ Die andere Frau neigte das Gesicht zu ihr. Fragend zog sie die Augenbrauen hoch. Wieder räusperte sich die Schwarzhaarige und fügte hinzu: „Wie heißen Sie eigentlich?“ Die andere Frau lachte kurz auf. „Echt, wir haben in den letzten Stunden Teile der Hölle durchgemacht, wir haben uns angeschrien. Leck mich, hast du geschrien und ich habe Hand in Hand mit dir in meine Hose uriniert. Und jetzt förmlich „Sie?“ – „Entschuldigung, aber ich kenne Sie – okay – dich – äh- ja gar nicht wirklich.“ - „Nadine“, stellte sich die Frau vor und warf mit einer Hand ihre braunen Haare nach hinten, während sie die Nase hochzog.

„Aurora“, erwiderte die andere und schielte dabei auf ihre Haarsträhne. „Das war der Horror“, Aurora umfasste sich mit ihren Armen, um gegen das Frösteln anzugehen, „Was denken Sie – was denkst du, wie viele Menschen“, sie musste schlucken, „gestorben sind? Denken Sie, wir sind die einzigen Überlebenden?“ „Keine Ahnung“, antwortete Nadine, „es ging alles so rasend schnell, ich hörte nur Hilferufe, Schreie und Todesschreie. Furchtbar.“ „Es wird kalt“, schüttelte sich Aurora, „wenn wir nur nach oben hätten klettern können. Bestimmt hat man uns gesucht.“ „Ich glaube nicht“, erwiderte Nadine, „vergiss nicht, dass unser Gepäck in einem kleinen Camp liegt und nach der Expedition durch den Urwald zusammen mit dem führenden Ranger noch eine exotische Urwaldübernachtung geplant war. Wenn das Festland nicht informiert wurde, vermisst uns vor morgen Abend niemand.“ „Denkst du, der Ranger ist auch ...? Irgendjemand wird doch Hilfe verständigt haben.“ „Keine Ahnung, ich habe ihn nicht mehr gesehen, keine Ahnung, wer sich wo befand. Ich fand nur auch unmöglich, wie da eine Gruppe junger Erwachsener blöde an der Hängebrücke herumrüttelte. Ich hörte den Rancher nur irgendetwas rufen, dann geschah es auch schon. Hilfe rufen? Wer? Es waren alle Personen auf der Brücke. Ich glaube kaum, dass während des Absturzes jemand Muße hatte, zu telefonieren. Und Tote telefonieren eh‘ nicht.“ – „Aber so eine Brücke muss doch was aushalten!“ – „Hey, Kleine, wir sind hier nicht im bürokratischen Deutschland, wo sowas einmal pro Woche von einem ausgebildeten Fachmann geprüft, dokumentiert und protokolliert wird. Hast du den Zustand der Brücke gesehen? Mir war eh‘ schleierhaft, wieso der Ranger so viele Menschen zeitgleich auf die Brücke ließ.“ – „Vielleicht liegen oder hängen noch irgendwo Verletzte oder schweben in Lebensgefahr!“ – „Was willst du tun? Dem Fluss aufwärts folgen? Und dann? Hochklettern? Da wo wir runtergesprungen sind? Außen herum nach oben wandern? In einer Stunde ist es stockfinster hier und der Urwald lebt.“

Wie zur gehässigen Antwort schickte der Urwald seine Vielfalt an Geräuschen, Rufen, Fauchen, Zischen, Schnarren und Raunen zu ihnen ans Flussufer. „Ich habe Hunger“, sagte Aurora, um das Knurren ihres Magens zu erklären. „Sorry, das viele Wasser“, fügte sie schnell hinzu, als sie im gleichen Atemzug lauthals rülpsen musste. „Hunger?“, lachte Nadine herb, „das haben die Tiere im Urwald jetzt auch. Und sie haben die ganze Nacht Zeit, Beute zu reißen.“ – „Du machst mir Angst, Nadine.“ – „Tut mir leid, das wollte ich nicht.“ Wieder rieb sich Aurora ihre Arme und Schultern. Es wurde kühl. „Zwei junge Frauen alleine auf einer einsamen Insel. Wahnsinn. Der Traum eines jeden Mannes“, meinte Aurora. Nadine musste lachen: „Ja klar, die eine pisste sich heute schon die Hose voll, die andere zieht ständig Rotz in der Nase hoch und schau‘ mal wie wir aussehen, überzogen mit blauen Flecken, Schrammen und Risswunden. Und ich rieche nach Flusswasser und Algen.“ „In der Parfümerie geben sie für sowas viel Geld aus“, lachte jetzt Aurora und schielte einmal mehr auf ihre Haarsträhne. „Was überlegst du?“, fragte sie Nadine. „Ich überlege, wo und wie wir die Nacht verbringen.“ Aurora rieb überlegend ihre Hand am Kinn: „Gehen wir zu mir oder zu dir?“ – „Ist das hier ein Date?“, fragte Nadine zurück, mit müden Augen, die eine Augenbraue fragend hochgezogen. „Es wird kalt werden.“ – „Sollen wir uns in den warmen Sand eingraben? Wir brauchen ja nicht wie die Schildkröten auch noch Eier legen. Obwohl ich vielleicht eines hätte in meinem Unterleib“, grinste Aurora.

„Im Sand eingraben?“, entgegnete Nadine, „zwei panierte Schnitzel für den Tiger oder Leoparden? Ich weiß nicht. Ich habe schon Dschungelgeschichten gelesen. Ein Baumhaus bauen wir heute sicher nicht mehr. Ansonsten schläft man im Urwald wohl am sichersten hoch oben in Bäumen, wo Tiger, aber auch allesfressende Ameisen nicht so schnell hinkommen.“ – „Und Schlangen?“ – „Die kommen überall hin.“ – „Gruselig.“ – „Tja, Aurora, im Urwald haben alle Hunger, nicht nur du. Besser, wir fressen den Tiger, bevor er uns frisst.“ – „Im Ernst, ich bin Vegetarierin“, schnaufte Aurora resigniert, „Beeren, Früchte und Samen sind mir lieber. Samen manchmal besonders“, kicherte sie flüsternd hinzu und leckte kurz mit ihrer Zunge über die Lippen.

Nadine schaute sie fragend an, während sie sich längs hinlegte, den Kopf auf den Arm gestützt. Eine Weile schaute Aurora verträumt auf das vor sich hinfließende Flusswasser. Als sie zu Nadine sah, war diese tief und fest eingeschlafen. Mit rissigen, schmerzenden Händen, unter denen der Sand wie schmirgelndes Sandpapier wirkte, grub sie um Nadine herum den Sand weg, rollte Nadine hinein, scharrte sie zum Teil mit Sand zu und legte sich eng anschmiegend daneben. „Nadine?“ Sie rückte noch enger an die Frau, drückte ihren geschundenen Körper gegen den der Frau und spürte Wärme, die ihr gut tat.

Ein neues Geräusch legte sich mit der Stille der Nacht an. Immer lauter werdend flirrten hoch oben über den Bäumen des Urwaldes unzählige schwarze Schatten rasend schnell gespenstisch hin und her, kreischten und schnarrten. Immer mehr Fledermäuse stießen aus dem Dickicht hervor durch die Baumkronen und wieder hinein und ließen die Baumriesen zu nervös zuckenden, mysteriösen Wesen im vom Mond nur schwach erleuchteten Nachthimmel werden.

Hilferufe, Schreie und Todesschreie von Menschen, die Abenteuer erleben wollten. Hilferufe, Schreie und Todesschreie, vom Schicksal den Menschen entrissen, von der Natur in alle Winde zerstreut, geflohen ins Unterbewusstsein zweier Frauen, die erschöpft und geschunden, sich der Nacht hingaben.

Sonntag

Viele Stunden musste sie sich den Naturgesetzen beugen und der finsteren Nacht weichen, dann durfte die Sonne wieder Himmel und Welt erobern, die Nacht musste weichen, der Himmel wurde wolkenlos blau, die Sonne blies sich auf zu voller Kraft. Es wurde heiß.

Nadine schmeckte Sand an ihren Lippen, Sand knirschte zwischen ihren Zähnen, sie lag mit dem Gesicht auf der Erde. Sie drehte sich, schüttelte Erde und Sand von sich. Aurora lag neben ihr auf dem Bauch, den Kopf auf die verschränkten Arme gestützt. Der Urwald schwieg.

„Hammer“, sagte Nadine und streckte sich dabei in alle Richtungen, „ich habe geschlafen wie ein Stein. Und du?“ Sie schaute auf Aurora, die immer noch auf dem Bauch lag, auf ihre Arme gestützt und auf den naheliegenden Wald schaute. Stumm nickte Nadine. Ihr war auf eine unbestimmte Weise klar, dass Aurora kein Auge zugetan hatte. Dass sie sich die ganze Nacht aus Angst und Sorge wach hielt und auf den Urwald blickte und auf jedes Geräusch lauschte. Und sie, Nadine, musste das gespürt haben. Sie verließ sich unwillkürlich auf diese andere, ihr immer noch fremde Frau. „Die Geräusche im Wald waren grauenhaft, ich konnte gar nicht einschlafen. Ich will nicht im Schlaf gerissen und gefressen werden“, hauchte Aurora total übermüdet vor sich hin. „Ist gut, danke, Aurora, ich bin jetzt wach. Du kannst …“ Dann merkte sie, dass Aurora eingeschlafen war.

Dem Sonnenstand nach zu urteilen, war es spät am Nachmittag, als Aurora wach wurde. Ihr Magen knurrte, sie hatte Hunger und fühlte sich schwach. Sie lag im Halbschatten leuchtend grüner Palmblätter. Aus groben Baumästen war ein behelfsmäßiges Gerüst gebaut und mit großen grünen Blättern behangen, die in der Sonne leuchtend grün ein wenig Schatten spendeten.

„Guten Morgen, Aurora, der Tisch ist gedeckt“, sagte Nadine und lächelte etwas gezwungen. Vor ihr ausgebreitet lagen ein paar Kokosnüsse, ein paar apfelähnliche Früchte, unbekanntes Obst, das nicht Apfel und nicht Aubergine war, aber aussah wie ein Ding genau dazwischen, sowie ein toter handgroßer Fisch. „Wie bekommen wir die auf?“, fragte Aurora mit zittrigen Händen und wog eine Kokosnuss in den Händen. Nadine legte eine der Nüsse auf einen großen Stein und schlug mit einem anderen so darauf, dass die Nuss krachte, aber nicht gänzlich zerbarst. Einen anderen kleinen speerspitzenähnlichen Stein setzte sie als Meisel ein und knackte die Nuss vorsichtig so entzwei, dass sich Aurora sofort darauf stürzte, das Kokoswasser gierig verschlang und mit der scharfkantigen Steinspitze Kokosmark herauskratzte. Dann verschlang sie gierig von dem Obst.

„Immerhin“, sagte Nadine, „scheint das Obst nichts Giftiges zu sein. Ich habe vor Stunden schon davon probiert und habe weder Magenschmerzen noch Durchfall bekommen. Aurora riss die Augen auf, schlug dann aber beruhigt wieder ihre Zähne in das nächste Stück Obst, um auch ihren Durst zu stillen. „Das Wasser aus dem Fluss ist ja auch genießbar, hier unten aber recht schlammig, wir müssten ein ganzes Stück flussaufwärts zwischen die Felsen, um an klares Wasser zu gelangen.“ „Was ist mit dem Fisch?“, schmatzte Aurora mit vollem Mund. „Du weißt, ich bin Vegetarier!“ „ Ja, aber ich nicht, ist doch genial, oder? Ich habe ein Stück Bambusrohr mit einem Stein abgeschlagen und mit der scharfkantigen Spitze des Bambusrohres tatsächlich den im seichten Wasser gründelnden Fisch erwischt. – Nur – wir haben kein Feuer. Dann nahm sie den kalten, nassen Fisch, biss ihm den Schwanz ab, spuckte ihn aus und begann, dem Fisch mit ihren Zähnen das Fleisch von den Gräten zu ziehen. Aurora schüttelte sich: „Igitt, toter kalter, glitschiger Fisch!“ „Ein Döner wäre mir jetzt auch lieber“, gab Nadine zur Antwort und nagte an dem Fisch, wobei sie alsbald die Innereien mit Fingern herausschabte und beiseite warf. Aurora schüttelte sich bei dem Anblick. „Ungerecht verteilt“, nickte Aurora, „bei uns im Viertel gibt es fünf Dönerbuden nebeneinander, vier Chinesen, ein vegetarisches Schnellrestaurant und sechs Currywurstbuden! Und hier? Toter Fisch!“ „Hey, immerhin mit frischer Kokosnuss und einem Ding aus Apfel und Aubergine!“, konterte Nadine und warf dabei ihre schulterlangen braunen Haare nach hinten.

„Wie ich aussehe“, wunderte sich Aurora plötzlich, sah an sich hinab, ihr T-Shirt war linksseitig ganz aufgerissen, so dass ihre linke Brust zu sehen war. Kurz streifte sie mit den Fingern über ihre Brust. „Naja, viel raushängen kann ja nicht, ich finde meine Brüste schon immer etwas zu klein. Aber mir gefallen meine schönen großen Brustwarzen.“ Nadine musste schmunzeln. „Zum Glück sind die beiden unversehrt geblieben“, sagte Aurora aufatmend und sah von oben in ihr Shirt, um auch die andere Brustwarze zu inspizieren. Dann zog sie ihr Shirt aus. „Eigentlich brauche ich das jetzt gerade gar nicht. Der verschmutzte Stoff scheuert nur unnötig an meinen Brustwarzen.“ Sie lachte. „Findest du meine Brüste auch etwas zu klein?“

Das Grätengerüst des abgenagten Fisches aus dem Mund nehmend, schaute Nadine sie an. Sich mit dem anderen Handrücken die nassen Fischreste am Mund abwischend, meinte sie: „Ehrlich gesagt: Nein. Du bist jung, echt sportlich schlank mit durchtrainierter Figur. Deine Brüste sind vielleicht nicht besonders groß, aber schön fest in der Form. Ich finde, du kannst zufrieden sein.“

„Bist du mit deinen Brüsten zufrieden?“, fragte Aurora weiter neugierig. Nadine lachte auf: „Also du hast Sorgen! Was hälst du davon, wenn wir uns Gedanken machen, wie wir hier so schnell wie möglich weg kommen. Ich habe absolut keine Lust auf ein Robinson-Dasein auf dieser Insel. Im übrigen hat es heute mehrfach seltsam gerumpelt. Das klang wie Donner und irgendwie doch nicht. Merkwürdig. Kann aber nur Donner gewesen sein. Hoffentlich bekommen wir keinen Taifun oder sowas in der Art. Ich finde, wir sollten uns darum kümmern, wie wir schnellst möglich wieder nach oben auf die Spitze des Gebirges zu unserem Camp kommen, wo wir unsere Schlafsäcke haben, Besteck, Proviant, Messer, Taschenlampen und alles weitere. Am besten auch ein Telefon, um Hilfe rufen zu können oder auf andere Überlebende zu stoßen.“ „Du hast recht“, nickte Aurora und schielte auf ihre Haarsträhne vor den Augen. Sie hob den Blick an und schaute in die Ferne über niedrig gewachsene Bäume und Dickicht. „Das Meer! Wie schön blau und unschuldig es daliegt. Warst du schon dort?“ „Nein, Aurora, ich ließ dich nicht aus den Augen, während du schliefst.“ „Lass uns zum Meer gehen“, sprach Aurora weiter. Ich möchte ans Meer und den Strand sehen. Dann marschieren wir los. Denkst du, wir schaffen es bis zum Einbruch der Dunkelheit nach oben?“ „Keine Ahnung.“ Nadine hob die Schultern. „Keine Ahnung, wo hier ein Weg nach oben führt. Wir können dem Flusslauf folgen, bis zu der Stelle, wo die Seilbrücke riss und wir abstürzten. Aber ob ein Weg nach oben führt? Oder ob wir die Steilwand umwandern können und von der anderen Seite nach oben gelangen?“ Aurora stand auf, reckte sich ein wenig und bog das Kreuz durch, fast als wollte sie ihren nackten Brüsten etwas mehr Geltung verschaffen, wobei ihr wieder ein Schmerz durchfuhr. „Komm, lass uns an den Strand gehen. Nehmen wir unseren Proviant und unsere provisorische Strandvilla mit?“ „Ja, ist vielleicht besser“, meinte Nadine, „falls wir heute am Strand bleiben und dort übernachten müssen.“ Sie griffen Obst, Kokosnüsse, von den Palmblättern und ein paar Äste des provisorischen Sonnendaches und marschierten los. In Richtung Meer.

Immer wieder zischte Nadine mit dem Mund, während sie auf heißem Erdboden und durch heißen Sand liefen, denn spätestens beim Sprung in den Fluss hatte sie ihren zweiten Schuh verloren. Schweigsam liefen sie durch ein kleines Waldstück und Dickicht. Schweigsam um auf irgendwelche Geräusche zu achten. Wildkatzen oder züngelnde Schlangen am Boden oder auf Bäumen. Dann lagen Strand und Meer vor ihnen. Sanft schäumten kleine Wellen ans Ufer und mischten den feinen Sand auf, wurden zurück gespült um sogleich von neuem ans Ufer zu spülen. Die Sonne brannte leuchtend gelb am wolkenlosen blauen Himmel. Der Strand war weit, zog sich dann durch Gräser, Gebüsch und Dickicht hin zu einem gewaltigen, aus den unterschiedlichsten Grüntönen zusammengesetzten Wald, der wiederum eine stetig ansteigende Felslandschaft überwuchs.

Aurora atmete tief durch. Ein kurzer Aufschrei durch die Schmerzen in ihrer Seite. „Glaubst du, es gibt hier Haie? Oder giftige Quallen oder Seeigel?“ Sie zog die Augenbrauen zusammen. „Woher soll ich das wissen?“, entgegnete Nadine, „ich habe mich leider überhaupt nicht belesen über den Abenteuertrip und die damit verbundene Tierwelt. Im flachen Wasser sind bestimmt keine Haie und das Wasser ist so klar, dass man Seeigel sehen müsste. Aber du hast Recht. Die Situation ist miserabel. Wir haben um ein Haar eine Katastrophe überlebt, haben uns bis hierher geschleppt, haben keine Ahnung, wie viele Tote dort in der Felswand hängen oder abgestürzt sind oder langsam verblutet …“ – „Nadine, bitte, hör auf!“, schrie Aurora. Und weiter: „Was hätten wir denn tun sollen? Nach oben klettern und helfen, ging nicht. Wir hingen an der glatten Wand und am Überleben. Wir kletterten stundenlang an einer glatten Felswand nach unten, sprangen todesmutig aus waghalsiger Höhe in einen unbekannt tiefen reißenden Fluss, wurden davongespült, lagen dem Tode nah in einer Wildnis gefräßiger Wildtiere herum und haben jetzt eine Mahlzeit im Bauch, die uns noch hungriger machte!“ Sie schnaubte und wischte sich schroff eine Träne aus dem Auge. Nadine fühlte sich schlecht. Ein Schmerz durchfuhr ihren Magen. Sie war die Ältere und sie fühlte sich hilflos. Aurora war es gewesen, die ihr in den ersten Sekunden nach der schrecklichen Katastrophe rau und hart Mut gemacht hatte, nicht loszulassen und sich aufzugeben. Aurora hatte sie gezwungen, vor ihr in die Hose zu urinieren, um nicht schmerzgepeinigt wahnsinnig zu werden an der senkrecht steilen Wand. Sie ging auf die mit hängenden Schultern und schluchzend dastehende Aurora zu und nahm sie in den Arm. Sie spürte und roch, wie sich ihr Schweiß mit dem Auroras vermischte. Schweißperlen glitzerten auf Auroras nacktem Oberkörper und glänzten in der heißen Sonne. „Wir bringen das hier zu Ende, Aurora“, flüsterte sie ihr in das Ohr mit den fünf Ohrringen, die heiß an ihren Lippen lagen. Lass uns uns frischmachen, etwas baden und entspannen. Vielleicht noch eine Kleinigkeit essen und dann abwechselnd schlafen und morgen marschieren wir zum Camp und beenden dieses kurze Abenteuer, ja?“ Aurora schaute sie an. Die braungrünen Augen Nadines blickten in die dunkel graublauen Augen einer verängstigten Aurora. „Warum war sie so stark? So hart und rau dort oben festgekrallt an der Seilbrücke? War es Mut? War es nackte Todesangst?“ Nadine überlegte, während ihre Augen in den Augen der anderen Frau die Antwort suchten. Sie löste sich und schritt im heißen Sand auf das Wasser zu. Sie zog die in Fetzen an ihr hängende Bluse aus und ließ sie fallen. Dann öffnete sie ihren BH und ließ auch diesen fallen. Friedlich umspülten die kleinen Wellen ihre rissigen und strapazierten Füße. Das Salzwasser brannte in den Wunden. Sie schwenkte zuerst das eine dann das andere Bein etwas hin und her. „Komm‘ Aurora, es ist echt schön, es tut gut und ist richtig warm.“ Dann trat sie etwas vom Wasser zurück und streifte ihre Short über die Beine ab und trat, nur in einem verschmutzten Slip, der einmal weiß gewesen war, bis zu den Knien ins Wasser und schwenkte die Arme hin und her, immer wieder Wasser aufnehmend und in die Luft werfend.

Aurora kam näher. Prüfend mit zur Seite geneigtem Kopf beobachtete sie die Szene. Dann zog sie an ihrem Gürtel und streifte ihre Jeans ab. Wieder musste Nadine unmerklich schmunzeln, als sie die nun fast nackte Frau in einem dunkelblauen String auf sich zukommen sah. Das kleine Dreieck des Strings verbarg wirklich nicht besonders viel. Arme und Beine wiesen blaue Flecken, Kratzer und Risse auf. Verkrustetes Blut klebte an den Wunden. Am Bauchnabel blitzte eine silberfarbene Piercingperle in der Sonne. Während sich kleine weiße Wolken am Himmel bemerkbar machten, spülten sich die kleinen Wellen einen Meter weiter hinein in den Sand. Aurora beugte sich nach unten, griff ihre Jeans und Schuhe und trug sie ein Stück weiter an Land. Nadine sah ihr nach. Aurora lief etwas einseitig, zog das eine Bein etwas nach. Hauchdünn war das schmale blaue Bändchen des Strings, das ihre Pospalte ein kleines Stückchen verlängerte um sich dann hauchdünn zu beiden Seiten um ihre Hüfte zu winden. Auroras Hände und Finger griffen nach den Bändchen, es löste sich vom Po und fiel an den Beinen ab. Aurora stieg heraus und legte es auf ihre Jeans, drehte sich und kam vollkommen nackt auf Nadine zu. „Wasser warm?“, fragte sie nun wieder sichtlich gelöster. Nadine betrachtete sie. Ihr Piercing am Nabel glitzerte wie ein Diamant. Auroras Scham war glatt rasiert. Am Beginn ihrer kleinen schmalen Spalte glitzerte eine weitere silberfarbene Piercingperle. Sie wurde schneller und rannte in das Wasser hinein, an Nadine vorbei. Sie griff mit den Händen ins Wasser, warf es hoch, rannte ein Stück weiter, stürzte nach vorn, fing sich mit den Händen auf und ließ sich dann rücklings ins Wasser fallen. „Es brennt, die Wunden brennen im Wasser“, verzog sie etwas das Gesicht, „aber das Wasser ist herrlich, es tut so gut!“ Dann drehte sie sich um und schwamm etwas hin und her.

Das flaue Gefühl in Nadines Magen war weg. Ihr gefiel, dass sich Aurora für kurze Momente wohl zu fühlen schien. Sicher genoss sie ihren ansonsten durch die Strapazen geschundenen Körper. Ihre blasse Haut war in der Sonne schon deutlich rot geworden. Blass zeichnete sich die Haut ab, die unter den Fetzen des Shirts und der Jeans vor der Sonne geschützt waren.

„Pass auf, sonst holst du dir auf deinem Hintern einen üblen Sonnenbrand“, rief sie zu der im Wasser umher tobenden Aurora hinüber. „Streck die blassen Pobacken nicht so in die pralle Sonne!“ Sie lachte.

„Komm‘ zieh dich aus, es ist so herrlich im Wasser“, strahlte Aurora, drehte sich, tauchte ab und streckte dabei ihren Hintern erneut aus dem Wasser um kurz darauf wieder prustend aufzutauchen. Sie schüttelte ihre Strähne aus dem Gesicht, zog die Nase hoch und saß auf den Knien im Wasser. „Hey, du hast total schöne große Brüste!“, bewunderte sie mit großen Augen die im freien Oberkörper auf das Wasser zulaufende Nadine. „Hey, starre mich nicht so an!“ Nadine schüttelte mit verzogenem Mund das Gesicht. Dann schritt sie mit einem Fuß ins Wasser.