Du darfst mich nicht finden - Vincent Voss - E-Book
SONDERANGEBOT

Du darfst mich nicht finden E-Book

Vincent Voss

0,0
1,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Lloyd stößt im Internet auf eine mysteriöse Geocaching-Seite. Im Kontaktformular hinterlässt er seine Nummer. Als Lloyd zwei Stars der Geocaching-Szene davon berichtet, warnen diese ihn eindringlich. Die Seite sei gefährlich, niemand habe deren Caches bergen können, bei dem Versuch seien einige Geocacher sogar spurlos verschwunden. Kurz darauf klingelt Lloyds Handy und eine Stimme gibt ihm Koordinaten durch. Trotz der Warnungen überredet Lloyd drei Freunde dazu, sich auf die Suche nach dem Cache zu machen. Doch schon bald müssen Lloyd und seine Freunde erkennen, dass sie nicht die Jäger sind - sondern die Gejagten in einer blutigen Hatz ...

Von Vincent Voss ist auch der Psychothriller "Tödlicher Gruß" bei beTHRILLED erhältlich.

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 173

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Über dieses Buch

Über den Autor

Titel

Impressum

Du darfst mich nicht finden

Über dieses Buch

Lloyd stößt im Internet auf eine mysteriöse Geocaching-Seite. Im Kontaktformular hinterlässt er seine Nummer. Als Lloyd zwei Stars der Geocaching-Szene davon berichtet, warnen diese ihn eindringlich. Die Seite sei gefährlich, niemand habe deren Caches bergen können, bei dem Versuch seien einige Geocacher sogar spurlos verschwunden. Kurz darauf klingelt Lloyds Handy und eine Stimme gibt ihm Koordinaten durch. Trotz der Warnungen überredet Lloyd drei Freunde dazu, sich auf die Suche nach dem Cache zu machen. Doch schon bald müssen Lloyd und seine Freunde erkennen, dass sie nicht die Jäger sind – sondern die Gejagten in einer blutigen Hatz …

Über den Autor

Vincent Voss studierte Kulturwissenschaften und zehrt beim Schreiben von seinen Erfahrungen und Eindrücken als Pflegehelfer einer akutpsychiatrischen Einrichtung, Qualitätsmanager, Bodyguard, Call-Center-Agent, Tankwart, Fotografen-Assistent, Bestatter und Geschäftsführer eines Reiseunternehmens.

Im Jahr 2009 nahm er erfolgreich an einer literarischen Ausschreibung teil, die ihm den Start in eine neue künstlerische Gattung eröffnete. Seitdem hat Vincent Voss mehrere Horror-Romane veröffentlicht.

Der Autor lebt als glücklicher Vater dreier Kinder im Norden Hamburgs auf dem Land.

Vincent Voss

DU DARFSTMICHNICHT FINDEN

Thriller

beTHRILLED

Digitale Neuausgabe

»be« - Das eBook-Imprint von Bastei Entertainment

Copyright © 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Für diese Ausgabe:

Copyright © 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Redaktion: Dr. Arno Hoven

Lektorat/Projektmanagement: Stephan Trinius

Covergestaltung: Christin Wilhelm, www.grafic4u.de

eBook-Erstellung: Jilzov Digital Publishing, Düsseldorf

ISBN 978-3-7325-7915-0

www.be-ebooks.de

www.lesejury.de

Lloyd riss die Tür auf und rannte die Treppe hinab – hinein in die Party, die sich ihrem Höhepunkt näherte. Er wusste, er hatte nicht viel Zeit. Hastig riss er John am Arm herum, der gerade in der Tür stand und aus einer Dose Bier trank, wovon nun einiges verschüttete wurde.

»Hast du Hope gesehen? Garcia? Calvin?«, schrie Lloyd ihm ins Ohr, um die hämmernden Bässe zu übertönen. John zuckte mit der Schulter, wischte sich das Bier vom Kinn und öffnete den Mund, um etwas zu erwidern. Aber da sah Lloyd seine Freunde draußen am Pool stehen und drängte sich sogleich durch die Partygäste zu ihnen hin.

»Kommt! Kommt mit!«, rief er ihnen zu, deutete mit dem Zeigefinger nach oben. »Es hat wieder angefangen! Die Seite ist da! Du auch, Gus!«

Lloyd packte Garcia, dessen Spitzname »Gus« war, am linken Arm und zerrte ihn hinter sich her. Hope und Calvin folgten, obwohl sie seine Worte nicht verstanden hatten.

Oben im Arbeitszimmer des Gastgebers schloss Lloyd die Tür hinter ihnen, verbannte die Musik nach draußen und deutete auf den Bildschirm. »Da! Seht ihr? Wie ich es gesagt habe.«

Ein entlaubter Herbstwald, schwarz-weiß, düster. Sie beugten sich zum Bildschirm vor, um die weißen Lettern entziffern zu können. Cazimi Caching.

»Man kann nur einen Kontakt hinterlassen. Eine Mobilnummer, mehr nicht.« Lloyd trank von seinem Bier, das er auf dem Tisch hatte stehen lassen, und sah auf seine Armbanduhr. »So, jetzt noch siebzehn Sekunden.« Seine Hand zitterte. Gebannt beobachteten sie die Seite. Nach siebzehn Sekunden wurde der Wald unspektakulär durch ein Baustellenschild mit der Aufschrift »Under Construction« ersetzt.

»Da!« Lloyd schüttelte den Kopf.

Calvin, Hope und Garcia tauschten Blicke miteinander, dann schauten sie ihren Freund skeptisch an. Seit Wochen war er einer geheimnisvollen Geocaching-Seite auf der Spur, die sich nur zu bestimmten Tagen um Mitternacht für maximal drei bis vier Minuten aufbaute und dann wieder verschwand. Aber alles in allem hatten Calvin, Hope und Garcia es sich … aufregender vorgestellt.

»Krass, oder?«, fragte Lloyd in die Runde.

»Ja. Na ja.« Hope zuckte mit den Schultern, strich sich eine Strähne aus der Stirn.

Von der Party schallte euphorisiertes Gekreische zu ihnen hoch: Wahrscheinlich war der erste Partygast benebelt und nackt in den Pool gesprungen, zumindest versprach das Partymotto einen solchen Verlauf. Die letzte Party dieser Art im Jahr, danach würde es zu kalt für so was sein.

»Wollen wir wieder runter?«, fragte Garcia, legte eine Hand auf den Knauf und grinste schief.

»Geht mal. Ich bleibe noch ein bisschen«, antwortete Lloyd und starrte wieder auf den Bildschirm.

***

Monticello, Lake Shafer

Das Geocacher-Event in Monticello, Indiana, am Lake Shafer war eher ein Szenetreffen als eine wirkliche GPS-Schnitzeljagd. Ihr Cache, wie das zu findende Objekt in der Szene genannt wurde, war eine Munitionsbox, in der ein Holzhammer lag, um das große Bierfass anzustechen. Die Box hing an einem Ast, der über den See ragte, und war somit leicht zu finden gewesen. Zur Belustigung aller waren beim Versuch, sie zu bergen, Esther und Joshua, zwei Cacher aus Israel, ins Wasser gestürzt.

Jetzt war das Fass angestochen, und das Bier floss in Strömen. Auch das Büfett war eröffnet, und die Community stand grüppchenweise an Stehtischen in Gespräche vertieft und hatte einen perfekten Blick auf den See. Es waren überwiegend sportliche Zeitgenossen in funktionaler Kleidung; kaum eine Hose besaß weniger als sechs Taschen.

»Sieh mal!«, rief Hope und deutete auf einige Neuankömmlinge, die erst jetzt zum Treffen erschienen. Sie erblickte ein Paar um die vierzig, das wie Kriegsjournalisten gekleidet war und von den Anwesenden im Eingang wie Rockstars hofiert wurde. In seiner Begleitung befanden sich zwei weitere Männer in ähnlichen Outfits: der eine sah wie ein Asiate aus, der andere wie ein weißer Nordamerikaner oder Europäer.

»Rick und Sarah Walker«, ätzte Garcia mit angespannter Miene.

»Mister und Mistress Motherfucker«, kommentierte Calvin ihre Ankunft und pulte an einem Stück Hähnchenfleisch zwischen seinen Zähnen.

»Hey, hört auf mit dem Scheiß, ja. Zeigt ein bisschen Respekt«, wies Lloyd seine Freunde zurecht, auch wenn er selbst so etwas wie … Neid empfand. Rick und Sarah galten als die erfahrensten und erfolgreichsten Geocacher im ganzen Land: Sie boten weltweit Geocaching-Events an und konnten davon leben. Sehr gut sogar, weil sie sich auch vermarkten konnten. Allein ihr jetziger Auftritt! Wahrscheinlich waren sie extra etwas zu spät gekommen, um ihren Kunden ein Bad in der Menge zu präsentieren. Lloyd schätzte, dass ihre beiden Anhängsel nämlich genau das waren: reiche Klienten.

»Respekt? Bist du Scheiße, Lloyd? Ich kann keinen Respekt vor Menschen haben, die … Du weißt schon, was ich meine. Die Bluewater-Sache zum Beispiel. Geht gar nicht, so was!«, widersprach Calvin.

Garcia nickte zustimmend.

»Ja gut«, antwortete Lloyd beschwichtigend. »Die Bluewater-Sache …« Da bemerkte er, dass Rick und Sarah ihn und seine Freunde entdeckt hatten und auf sie zukamen.

»Lloyd, mein Guter«, begrüßte ihn Rick mit einem sportlichen Handschlag, und Sarah umarmte ihn. »Hope.« Rick nickte ihr zu, ignorierte allerdings Calvin und Garcia. »Darf ich euch Mister Tamagashi aus Japan und Mister Nonnenmacher aus Deutschland vorstellen? Wir sind sozusagen gerade frisch von einem Reserve-Cache aus Namibia zurückgekehrt. Es war, ohne zu untertreiben, unbeschreiblich. Oder?«

Die beiden Männer nickten. Nonnenmachers Blick glitt lüstern über Hopes Körper, und es hatte den Anschein, als würde sie gleich angemacht werden. Lloyd stellte sich zwischen sie.

»Angenehm.« Lloyd stellte reihum seine Freunde vor; doch das Verhältnis zwischen Rick und Sarah einerseits sowie Calvin und Garcia andererseits blieb eisig.

»Es war fantastisch!«, stimmte Nonnenmacher zu. »Aufregend. Und bei allem Abenteuer hatten wir jederzeit das Gefühl, alles im Griff zu haben. Das ist in der Wirtschaft, wo ich herkomme, ähnlich, wenn auch gewiss etwas anders. Nicht so …« – er beugte sich zu Hope vor – »… physisch.«

»So.« Calvin stellte sich zwischen Hope und Lloyd und legte seine Arme um ihre Schultern. »Wollen wir los? Spaß haben? Wenn ich hier noch länger bleibe, muss ich kotzen.«

Lloyd wand sich aus der Umarmung seines Freundes und nickte Rick zu. »Wir sehen uns.« Dann entfernte er sich zusammen mit Hope, Calvin und Garcia von den beiden Stars der Geocaching-Szene.

***

Ein paar Stunden später stand Lloyd abseits der Tanzfläche und blickte auf den Lake Shafer, der von einem Dreiviertel-Mond beschienen wurde. Unvermittelt stellte sich Rick zu ihm, und sie betrachteten eine Zeit lang schweigend den See.

»Ich muss mich für meinen Kunden entschuldigen, Lloyd. Dieser Deutsche benimmt sich manchmal wie ein Tier. Er hält sich für unwiderstehlich und meint, er kann sich mit seinem Reichtum alles kaufen.«

»Das musst du Hope sagen, nicht mir, Rick. Aber ich glaube, das ist schon in Ordnung. Calvin hat ja auch nicht ganz sauber reagiert.«

»Du weißt ja, was ich von den beiden halte.«

»Und weißt du, was sie seit Bluewater von dir und Sarah halten?«

Rick stöhnte auf, rieb sich das Kinn. »Ja. Ja, ich weiß. Bluewater war ein Fehler, Lloyd. Aber es ist ja nun auch schon eine halbe Ewigkeit her, oder?«

Lloyd zuckte mit den Schultern. »Schon, aber ihr fahrt immer noch mit vollen Segeln bei Sturm raus, oder? Deine Kunden haben doch keine Ahnung, worauf sie sich einlassen, Rick. Das sind, wenn überhaupt, Anfänger. Untrainiert. Die können einen einfachen Tradi heben, aber nicht die Caches, die ihr anbietet.« Lloyd dachte daran, wie er mit elf Jahren seinen ersten Traditional Cache, kurz »Tradi«, gelöst hatte – eine Form der GPS-Schnitzeljagd, bei der die Koordinaten des Caches von Anfang an bekannt waren. Mit solchen Kindereien gab Lloyd sich schon lange nicht mehr ab. Im Hintergrund erschallte Gelächter, woraufhin einige Enten aufgeschreckt von der Wasseroberfläche aufflogen.

»Mittlerweile sind wir wesentlich professioneller geworden, Lloyd. So was wie Bluewater kann uns nicht mehr passieren. Wir suchen zwar immer noch den ultimativen Kick, aber wir sind jetzt auch ein großes Team. Nur Profis. Einige fast so gut wie du, Lloyd. Damals waren wir einfach nur blind. Der Kick, weißt du. Und ja, auch die Kohle. Aber vor allem der Kick!« Rick näherte sich Lloyd und legte ihm einen Arm um die Schultern. »Der verdammte Kick, Lloyd. Du verstehst das, oder?«

Lloyd ließ sich mit einer Antwort Zeit. Der verdammte Kick … Ja, er verstand das, denn auch er brauchte und suchte ihn. Je aufwendiger, je komplizierter und gefährlicher ein Cache gesichert war, umso besser. Sie hatten auf dem amerikanischen Kontinent und in Europa die bestgesichertsten Caches geborgen. Ob Dschungel, Wüste, Gebirge oder unter Wasser – alles kein Problem für Lloyd, Hope, Calvin und Garcia. Das war der Kick, der Thrill. Adrenalin musste sein.

»Ich verstehe das«, sagte Lloyd schließlich und wandte seinen Kopf Rick zu. »Hast du schon mal was von Cazimi-Caching gehört?«

Rick sah seinen Kollegen erschrocken an und nahm den Arm von seiner Schulter. Ein Windstoß von seewärts erfasste die beiden.

»Lass bloß die Finger davon, Lloyd! Das hat nicht nur was mit Thrill zu tun, das ist verdammt noch mal extrem gefährlich. Denen darfst du nicht trauen!«

»Was weißt du darüber?«

»Ich … nichts. Nur Gerüchte. Nichts Gutes. Sogenannte D.N.F.-Caches.«

»D.N.F.? Did not find?«, hakte Lloyd nach, obwohl er spürte, wie ungern Rick darüber sprechen wollte.

»Ja. Und die heißen so, weil bisher niemand sie hat bergen können. Niemand. Bei dem Versuch sollen sogar einige umgekommen sein. Und jetzt lass gut sein, Lloyd. Ich muss auch zurück zu den anderen. Man sieht sich.« Rick nickte ihm zu und verschwand in das Seehaus, wo die Red Hot Chili Peppers von Californication sangen.

Lloyd starrte weiter auf den Lake Shafer. D.N.F.: Did not find. Ricks Warnung, sich nicht darauf einzulassen. Die Story von den Toten. Aber da war noch mehr. Dieser verdammte Kick …

***

Zwei Tage später klickte Lloyd nahezu sekündlich auf den Aktualisierungsbutton seines Webbrowsers. Doch die Seite von Cazimi-Caching zeigt immer wieder dasselbe.

0:00 Uhr. Under Construction.

0:02 Uhr. Under Construction.

Verdammt!

0:03 Uhr. Under Construction.

Lloyd fühlte sich wie ein Jäger, der seine Fährte verloren hatte. Gerade jetzt, wo er entschlossen war, mit vollem Einsatz mitzumischen.

0:04 Uhr. Under Construction.

Vielleicht sollte er es für heute bleiben lassen. Aber der Kick …

0:05 Uhr. Die Seite baute sich auf.

Aufgeregt ging Lloyd mit seinem Gesicht ganz nah an den Bildschirm. Das Feld für die Kontakteingabe erschien. Lloyd schwitzte. Er wusste, er war irgendeiner heftigen Sache auf der Spur. Er tippte seine Mobilnummer ein, zögerte jedoch vor der Bestätigung. Dachte an Rick. Rick Walker, den unerschrockenen Abenteurer. Lloyd hatte Angst in dessen Stimme gehört. Aber der Kick … Er klickte auf die Return-Taste.

***

Lloyd, Hope, Calvin und Garcia saßen bei Quentin´s Giant Burger in der Castleton Spare Mall. Calvin biss gerade in seinen Dick-Weber-Burger, als Lloyds Smartphone brummte und eine unbekannte Nummer anzeigte. Lloyd nahm das Gespräch an.

»Hallo?« Keine Antwort. Garcia zog Lloyds Burger zu sich, doch Lloyd packte ihn am Handgelenk.

»Hallo?«

Lloyd wollte das Gespräch gerade schulterzuckend beenden, als er doch etwas hörte. Ein kurzes Knistern. Eine verzerrte Stimme meldete sich.

»Cazimi-Caching.«

Lloyd sprang von seinem Stuhl auf, wandte sich von seinen Freunden ab und ging Richtung Ausgang.

»Hier ist Lloyd. Ich habe letztens meine Nummer angegeben«, antwortete er und fand es im nächsten Moment ziemlich bescheuert, was er da gesagt hatte. Bleib cool, Junge, versuchte er sich zu beruhigen.

»Die Koordinaten lauten …«

»Nein! Nein, ich habe hier nichts zum … einen Augenblick bitte!« Er rannte zum Tresen, ließ sich einen Stift und einen Zettel geben und setzte sich an einen freien Tisch.

»Ich höre!« Lloyd schnaufte, obwohl er sich körperlich nicht angestrengt hatte. Die verzerrte Stimme gab ihm die Koordinaten durch, die er auf den Zettel notierte. 39.0414392, Nord, -86.2480431, West.

»Cache, First to Find, Target: Jennifer Huntington, Hint: Lost Place, Point of Interrest: Waldhütte«, teilte ihm die verzerrte Stimme abgehackt mit. Lloyds Gedanken irrten umher. Jennifer Huntington? Was war das für ein Ziel? Normalerweise waren Caches in kleinen Behältern versteckt.

»Und wann …«

»Wird die Polizei eingeschaltet, endet dieser Cache.«

»Bitte?« Lloyd verstand nicht, was gemeint war.

»Wird die Polizei eingeschaltet, endet dieser Cache. Es wird dann kein Ziel mehr geben. Verstanden?«

»Keine Polizei, verstanden. Und wann …«

»Start: JETZT!«

»Was?«

Darauf gab es keine Antwort. Lloyd lauschte. Er wusste nicht, ob die Verbindung schon beendet worden war, traute sich jedoch nicht, nachzusehen.

»Hallo?«, sagte er schließlich.

»Die Burger gegenüber bei Five Strikes sind besser.«

***

Hope fuhr den Wagen, Lloyd saß neben ihr, Calvin und Garcia hockten auf der Rückbank. Sie waren auf dem Weg zu Calvin, wo sie den Rest des Abends und die Nacht beim Binge-Watching der neuen Staffel von The Walking Dead verbringen wollten.

»Du machst das nicht, klar?« Garcia schlug ihm auf die Schulter.

Lloyd vertippte sich, gab noch einmal den Namen Jennifer Huntington in sein Tablet ein. »Ich … Nun wartet doch erst mal ab.«

»Du hättest uns sagen müssen, dass du da deine Nummer angegeben hast!«, rief Hope, während sie mit kreischenden Reifen abbog. »Das war scheiße von dir!«

»Ja. Das war scheiße. Warte … Jennifer …« Lloyd hatte mehrere Treffer bei seiner Suchanfrage erhalten und musste sich nun konzentrieren, um alles lesen zu können.

»Du machst da nicht mit, hörst du, Lloyd!« Wieder schlug Garcia ihm auf die Schulter.

Lloyd reagierte nicht. »Jennifer Huntington. Fuck! Das war auch eine Cacherin! Vermisst. Seit ungefähr einem halben Jahr. Habt ihr von ihr gehört?«

Hope schüttelte den Kopf, Garcia und Calvin sahen sich fragend an.

»Und die Frau soll das Ziel sein? Mann, wie krass ist das denn? Wir müssen zur Polizei.« Garcia hatte selten so ernst geklungen. »Hope, fahr am besten gleich zum nächsten Revier?«

Aber Hope warf einen Blick zu Lloyd, der auf seiner Unterlippe kaute, und sah dann im Rückspiegel Calvin an, der das Gesicht verzog, weil er Cops hasste.

»Lloyd?«, fragte sie.

Er sah sie an, schüttelte den Kopf und tippte die Koordinaten ein. »Keine Polizei«, entschied Lloyd. »Das war die klare Anweisung. So, wie ich das sehe, ist Jennifer Huntington bei einem Cache verschwunden, gilt als vermisst. Und sie ist der Einsatz, unser Cache, bei dieser Sache.«

»Einsatz?!«, empörte sich Garcia. »Cache?! Sag mal, bist du jetzt total bescheuert geworden! Das ist kein Spiel, Lloyd! Hier ist eine Frau entführt worden! Calvin! Hope! Sagt was dazu!«

»Was meinst du denn, was das bedeutet: Wenn die Polizei eingeschaltet wird, endet der Cache? Meinst du, sie lassen diese Jenny laufen, wenn wir zur Polizei gehen? Und anschließend haben sich alle wieder lieb?«, entgegnete Lloyd so ruhig er konnte und sah aus dem Fenster. Gelb und rot leuchteten die Blätter der Bäume, und am Himmel zogen sich die Wolken zu einem ersten Herbstunwetter zusammen.

Garcia überlegte. »Der oder die haben gewusst, dass wir bei Quentin’ssind, Lloyd. Mann, die überwachen dich; vielleicht bist du sogar verwanzt oder so!«

Darüber dachte Lloyd auch schon die ganze Zeit nach, aber er hatte noch keine Antwort darauf finden können. Auch, weil er sich mit Abhörmöglichkeiten zu wenig auskannte.

»Ich kümmere mich darum, Gus.« Er drehte sich nach hinten, nickte seinem Freund zu. »Den Koordinaten nach ist das unten beim Lake Monroe. Ganz in der Nähe von Bloomington«, erklärte er. Zwar waren sie alle in Indiana groß geworden und ständig im Freien unterwegs, aber ihre Leidenschaft führte sie meist über die Staatsgrenzen hinaus, sodass es in ihrer unmittelbaren Umgebung noch genügend unbekannte Gegenden für sie gab. Der Lake Monroe und die ausgedehnten Wälder, die den See umgaben, war eine solche Gegend.

»Ich glaube, ich war da mal als Kind«, erinnerte sich Hope undeutlich. »Kannst du auf dem Tablet erkennen, wie der Wald dort ist?«, fragte sie.

»Ziemlich dicht. Wenn du drin bist, hast du wahrscheinlich kaum noch genaue GPS-Signale. Hier, ich hab sie – die Waldhütte. Scheiße!«

»Was denn?«, meldete sich Calvin von hinten.

»Die Hütte. Sie liegt mittendrin. Da kommen wir mit dem Auto niemals hin. Wir müssen den Wagen an der Rayburn-Grotte stehen lassen und dann dem Combs Creek flussaufwärts folgen«, antwortete Lloyd, während er über sein Tablet wischte und erneut etwas eintippte.

»Hey, Leute, was ist los mit euch? Seid ihr jetzt total bescheuert? Das machen wir doch nicht, oder?« Garcia sah von einem zum anderen.

Doch keiner sagte etwas. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat Hope auf die Bremse und bog in die Straße zu ihrem Quartier ein, wie sie Lloyds Keller nannten: Dort lagerte ihre gesamte Cache-Ausrüstung.

***

Brown County State Park, Rayburn Hollow

Hope fuhr an einem heruntergekommenen Hof vorbei und wurde langsamer. Dann parkte sie ihren Ford Ranger am Wegesrand, und sie stiegen alle aus. Für die Fahrt hierher hatten sie die ganze Nacht und den halben Morgen gebraucht. Die vier streckten sich und schauten sich um.

Der letzte Sturm hatte die erste große Menge Laub von den Bäumen geholt, ein gelb-roter Teppich breitete sich um sie herum aus; nur das rostende Wellblech einer doppelstöckigen Halle und das kalte Betongrau eines scheinbar nie fertig gebauten Hauses verschandelten das Idyll. Ein Dutzend Autos, vorwiegend ältere Modelle, korrodierten zwischen Hartriegel und Brennnessel vor sich hin. Grillen zirpten in der vormittäglichen Sonne, und ein Hund bellte. Das laute Kläffen näherte sich ihnen. Calvin ging ein paar Schritte eine Böschung hinauf und hob einen Knüppel vom Boden auf.

»Sollte reichen«, sagte er mit Blick auf seine provisorische Schlagwaffe.

Ein Deutscher Schäferhund lief belfernd von der Hoffeinfahrt auf den Weg, stellte sich dort drohend auf und kläffte sie an. Ihm folgte ein Mann in hellblauer Farmerjeans. Aufgrund seines Vollbarts und seiner Baseballkappe war nur wenig vom Gesicht zu erkennen. Der Mann hielt ein Gewehr locker in einer Hand und hob die andere zum Gruß.

»Ich hoffe, Sie sind nicht hergekommen, um irgendwie Ärger zu machen, oder?«, rief er ihnen zu.

»Gut, reicht doch nicht«, flüsterte Calvin und warf den Knüppel zurück.

Lloyd ging mit erhobenen Armen und offenen Handflächen auf den Mann zu. »Nein, Mister, ganz bestimmt nicht. Wir wollen ein paar Tage ins Grüne: zum Combs Creek und zur Hütte dort. Zelten, angeln, entspannen halt. Und wir dachten, wir können hier den Wagen abstellen. Oder ist das Ihr Grundstück?« Lloyd deutete auf den Weg, obwohl er sich sicher war, dass sich dort kein privates Anwesen befand.

Der Mann sog geräuschvoll Luft durch die Nase ein und spie dann auf den Boden. »Wen interessiert es, wem der Scheiß-Weg gehört, mein Freund. Ich lebe hier, und ständig kommen irgendwelche Pisser her, wollen ihre fetten Schüsseln parken – und dann ab ins Grüne, um ihre Mädchen durchzubumsen. Und wenn sie dort parken und erst nach ein paar Tagen zurückkommen, stellen sie dann fest, dass ihre Karre nur noch Schrott ist. Reifen platt, Lack ab, Scheiben eingeschlagen. Ihr jungen Leute wisst doch gar nicht, wie viele Verrückte sich hier in den Wäldern rumtreiben!«

»Und die Verrückten haben es auf Autos abgesehen?«, wollte Calvin wissen, verschränkte seine Arme vor der Brust und reckte sein Kinn vor.

Der Mann lachte. »Ja, klar. Auf Autos und so muskelbepackte Typen ohne Hirn. Stimmt’s, Manson?« Er sah seinen Hund an, der den Kopf streckte und jaulte. Dann schielte er zu dem Wagen. »Is’n Ranger, ja? Sieht neu aus, hm? Wisst ihr was? Ihr könnt auf meinem Hof parken. Da ist eure Karre sicher. Kostet euch nur fünf Bucks … am Tag.« Der Mann grinste.

»Fünf Bucks am Tag! Der Typ hat doch den Arsch offen!«, zischte Hope leise.

»Weißt du, was du uns kannst, du -«, begann Calvin.

»Machen wir!«, unterbrach Lloyd ihn rasch. »Wo können wir ihn abstellen?«

Der Mann spie noch einmal aus, ohne Calvin dabei aus den Augen zu lassen, und grinste erneut. »Folgen Sie mir, Mister. Ich zeige Ihnen den Platz.« Er drehte sich um und ging auf seinen Hof zurück.