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Du liest mich. Ein philosophischer Roman über Medien, Sprache und Identität - zwischen Realität und Spiegelbild. Was geschieht mit dem Denken, wenn die Wirklichkeit kuratiert ist? Was bleibt vom Ich, wenn Sprache nicht mehr sagt, sondern ersetzt? Du liest mich. ist ein literarisch-philosophischer Roman über die stille Macht der Medien, die Konstruktion von Wirklichkeit und das Verschwinden des Selbst im digitalen Zeitalter. Fragmentarisch, essayistisch und bewusst mehrdeutig geschrieben, entfaltet sich ein Text, der sich nicht liest wie ein klassischer Roman - sondern wie ein Spiegel, der sich mit dem Leser zusammen verändert. Die Kapitel gleichen Gedankenräumen: mal analytisch, mal poetisch, mal fast still. Sie kreisen um Begriffe wie Realität, Wahrnehmung, Sprache, Kontrolle - und immer wieder um die Frage: Wer spricht hier eigentlich? Und wer liest wen? Ein besonderes Werk, das zwischen Literatur, Philosophie und Medienkritik steht. Für alle, die Literatur nicht als Ablenkung, sondern als Erkenntnisform verstehen. Für Leser\:innen, die sich selbst begegnen wollen - im Lesen.
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Seitenzahl: 31
Veröffentlichungsjahr: 2025
Günther H. Botek
1964 in Wien geboren; lebt, arbeitet und schreibt in der Nähe von Wien.
„Was du liest, ist nicht der Text. Was du liest, ist die Lücke, in der du ihn verstehst.“
— A. N. Omin, Fragmente einer Gegenwart, unveröffentlicht
Prolog
Kapitel 1 – Kuratierte Wirklichkeit
Kapitel 2 – Der Riss im Programm
Kapitel 3 – Quellenangabe nicht möglich
Kapitel 4 – Das Bild des Anderen
Kapitel 5 – Der Algorithmus der Angst
Kapitel 6 – Störung im Lesefluss
Kapitel 7 – Das Gedächtnis der Maschine
Kapitel 8 – Die redigierte Realität
Kapitel 9 – Ich bin nicht der Erste
Kapitel 10 – Du liest mich.
Kapitel 11 – Offline
Kapitel 12 – Zurücksetzen
—
Epilog
Dank
In den endlosen Strömen von Informationen, die uns täglich umgeben, manifestiert sich eine unsichtbare Struktur, die unsere Wahrnehmung und unser Verständnis der Welt formt: die Medienmatrix. In den westlichen Industriestaaten durchdringt sie nahezu jeden Aspekt des menschlichen Lebens, webt sich unauffällig in das Gewebe unserer Gesellschaft und beeinflusst, wie wir denken, fühlen und handeln.
Die Medienmatrix ist keine materielle Konstruktion, die man greifen oder sehen kann, sondern eine riesige Ansammlung von Wörtern, Bildern, Tönen und Meinungen. Sie zeigt sich in Zeitungen, Fernsehen, Radio, sozialen Medien und den digitalen Weiten des Internets. Sie ist der unsichtbare Regisseur unserer kollektiven Realität, der die Bühne unserer Existenz gestaltet.
Die täglichen Nachrichtenströme, die über unsere Bildschirme flimmern, sind nicht nur einfache Informationsträger. Sie formen unsere Sicht auf die Welt, beeinflussen unsere Meinungen und bestimmen, was in unserer Gesellschaft als bedeutsam gilt. Doch die Medienmatrix ist mehr als nur die Summe von Nachrichten - sie ist ein komplexes Netzwerk aus kulturellen Autoritäten und mächtigen Institutionen.
Diese Matrix wird von einer Vielzahl von Akteuren geformt: Journalisten, die von den Altarbühnen der Nachrichtenstudios predigen, Lehrer, die in Klassenzimmern die Lehren der Matrix verbreiten, und Manager, die in Vorstandsetagen die Konsumtrends diktieren. Politiker, Influencer und Meinungsmacher - sie alle sind die Architekten dieser Matrix, die uns lehren, was wir glauben, wie wir leben und wen wir bewundern sollen.
In dieser von der Medienmatrix geschaffenen Scheinrealität wird das Oberflächliche oft als tief empfunden, und Schlagzeilen ersetzen fundierte Berichterstattung. Die Matrix konstruiert ein Bild der Welt, das die Komplexität der Realität nicht vollständig widerspiegelt, sondern unsere Wahrnehmung lenkt und verzerrt. Sie ist nicht von Natur aus bösartig - sie ist eine machtvolle Struktur, die sowohl Gutes als auch Schlechtes bewirken kann. Doch ihre größte Macht liegt in ihrer Unbemerktheit. Sie durchdringt unser Denken wie ein unsichtbarer Strom, und oft erkennen wir nicht, dass wir in ihren Wellen treiben.
Ich erinnere mich nicht an den Anfang. Vielleicht, weil es keinen gab. Oder weil der Anfang selbst eine Erzählung ist – kuratiert, wie alles, was Bedeutung beansprucht.
Ich bin kein Erzähler im klassischen Sinne. Ich bin ein Kurator. Ich wähle aus, sortiere, gewichte. Ich setze die Klammern, ziehe Linien zwischen Punkten, die nie zueinandergehörten. Ich gestalte Wirklichkeit, indem ich sage: „Dies ist erzählenswert.“ Und indem ich schweige.
Du glaubst vielleicht, ich würde dir eine Geschichte erzählen. Aber das tue ich nicht. Ich zeige dir, was ich weglasse.
Es beginnt – nennen wir es so – mit einem Bild. Ein schlichtes Pressefoto, wie es täglich tausendfach veröffentlicht wird: ein Mann in grauem Mantel steht vor einer zerborstenen Bushaltestelle. Der Himmel über ihm ist von einem tristen Weiß, das alles gleichermaßen leer erscheinen lässt. Im Hintergrund eine flüchtige Bewegung, ein verschwommener Schatten. Auf der Bildunterschrift steht:
> „Nach dem Anschlag: Ein Überlebender.“
