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Liebe – ein Gefühl, das wir alle kennen. Liebe ist mehr als nur eine Verbindung zwischen Paaren. Wir lieben alle. Liebe ist wunderschön. Liebe verbindet uns. Liebe lässt vieles leichter werden. Liebe kennt keine Grenzen. Liebe ist das, was in diesen Geschichten steckt.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
♥ Vorwort der Autorin
♥ Liebevolle Gesten
♥ Woher weißt du, dass es Liebe ist?
♥ Das Geburtstagsgeschenk
♥ Chaos der Gefühle
♥ Spontane Entscheidung
♥ Mächtig viel Theater
♥ Beinah …
♥ Because I love you
♥ Durch die Sterne sehe ich dich
♥ Story Notes
Durch die Sterne sehe ich dich
Kurzgeschichtensammlung
Jessica Pietschmann
Die Handlungen und sämtliche Personen sowie die meisten Orte sind frei erfunden.
Eventuelle Ähnlichkeiten sind nicht beabsichtigt.
»Liebevolle Gesten« erschien bereits in der Anthologie »Zwischendurchgeschichten«, herausgegeben von wirmachendruck.de (2020)
»Woher weißt du, dass es Liebe ist?« erschien bereits in einer Sammlung des Bubenreuther Literaturwettbewerbs, herausgegeben von Christoph Liegener
Die anderen sieben Geschichten erscheinen in der vorliegenden Sammlung zum ersten Mal
Impressum
© Copyright 2021 Jessica Pietschmann
Covergestaltung: © Copyright 2021 Jessica Pietschmann
Lektorat und Korrektorat: Nico Pietschmann
Verlag: Jessica Pietschmann, Weidacher Hauptstr. 6, 82515 Wolfratshausen
Für alle, die lieben
Liebe – ein Gefühl, das wir alle kennen.
Liebe ist mehr als nur eine Verbindung zwischen Paaren.
Wir lieben alle.
Wir lieben unsere Kinder.
Wir lieben unsere Eltern.
Wir lieben unsere Freunde.
Wir lieben unser Leben.
Wir lieben Tiere.
Wir lieben die Natur.
Wir lieben – hoffentlich – uns selbst.
Liebe ist so mächtig, dass sie uns auch manchmal so verletzt, dass wir uns oft zurückhalten, bis wir das Gefühl der Liebe wieder zulassen.
Liebe ist wunderschön.
Liebe verbindet uns.
Liebe lässt vieles leichter werden.
Liebe kennt keine Grenzen.
Liebe ist das, was in diesen Geschichten steckt.
Jessica PietschmannWolfratshausen, 06.10.2021
Es war ein schöner Sommertag.
Die Einkaufsstraße in meinem kleinen Ort war belebt von Fröhlichkeit. Kinder rannten umher, Menschen strömten aus ihren Häusern, unterhielten sich, lachten.
Ich liebte es, in der Straße einfach auf einer Bank zu sitzen und die Menschen zu beobachten. Doch an diesem Tag geschah etwas, was mir auch heute noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, wenn ich daran denke.
Ich kam gerade am Eiscafé an, wo ich mir eine Kugel Eis kaufen wollte, als ich sie sah: eine alte, kleine Frau. Mit ihrem weiten Faltenrock und der hellen Bluse hob sie sich von allen anderen um mich herum ab. Sie hatte ein freundliches Gesicht und es schien mir, als ob sie immer ein Lächeln auf den Lippen tragen würde.
»Kann ich wohl eine Kekswaffel dazu bekommen?« Die Frage wirkte fordernd und schüchtern zugleich.
Der Eisverkäufer kam ihrem Wunsch nach und platzierte auf zwei Eisbechern jeweils eine Waffel.
Dankbar schenkte die Frau ihm ihr Lächeln. Mit den zwei Eisbechern lief sie vorsichtig zu einer nahen Bank, auf der ihr Mann saß.
Die beiden lösten in mir ein Gefühl von Ruhe aus. Ich nahm die lauten Kinder gar nicht mehr wahr.
Ich kaufte mir mein Eis und setzte mich in einiger Entfernung des alten Paares auf eine Bank und beobachtete sie.
Sie saßen schweigend nebeneinander auf der Bank und genossen langsam ihr Eis. Zwischendurch nahm sie seine Hand und drückte sie.
Unwillkürlich musste ich bei diesen kleinen liebevollen Gesten lächeln. Sie wirkten glücklich und ich bin mir sicher, dass es für sie in dem Moment nichts Schöneres gab, als das Eis und ihre Zweisamkeit miteinander zu teilen.
Ich überlegte kurz, wie die beiden wohl heißen könnten. Mir gefiel die Vorstellung von Gerda und Alfred. Ja, die Namen passten zu ihnen.
Obwohl Gerda mit ihrem Eis noch nicht fertig war, stand sie auf und warf Alfreds leeren Eisbecher in einen Mülleimer. Dann nahm sie wieder neben ihm Platz und aß in Ruhe ihr Eis zu Ende. Als beide kurz darauf aufstanden und sich aus meinem Blickfeld entfernten, suchte ich intensiv nach weiteren Paaren, die solch eine Ausstrahlung mit sich trugen. Es waren einige Männer mit ihren Frauen unterwegs. Manche hielten sich an den Händen. Doch ich spürte bei ihnen nicht jene Liebe zueinander wie bei Gerda und Alfred.
Ich wollte mich gerade auf den Weg nach Hause begeben, als ich das ältere Paar wiedersah. Also blieb ich sitzen und sah ihnen entgegen. Ich wollte ihnen zulächeln.
Die beiden liefen Hand in Hand an mir vorbei und schienen weder mich noch sonst jemanden wahrzunehmen. Sie sprachen nicht miteinander.
Allerdings war ich mir sicher, dass sie sich auch ohne Worte verstanden.
Ihre Geste der Zusammengehörigkeit löste in mir die Vorstellung aus, dass die beiden schon immer gemeinsam durchs Leben gegangen waren und dieses auch noch einige Zeit miteinander verbringen durften.
Und vielleicht würde auch ich in der Zukunft dieses große Glück von Liebe erfahren.
Das Wetter wollte sich der Jahreszeit einfach nicht anpassen und ließ den ganzen Tag graue Regenwolken am Himmel vorbeiziehen. Und das sollte Sommer sein?
Paula hatte sich schon den ganzen Tag in ihrer Wohnung verkrochen und sich der Traurigkeit der Welt angepasst. Sie vermisste die Sonne und redete sich ein, nur bei hellem Sonnenschein glücklich sein zu können. Es kam ihr gerade alles so sinnlos vor. Sie vermisste ihren Freund Tom, der seit zwei Tagen auf einem Seminar war. Doch sie begann sich ernsthaft zu fragen, ob sie tatsächlich ihn vermisste oder lediglich irgendeinen Mann an ihrer Seite, der ihr half, dieses sinnlose Leben zu ertragen.
War es wirklich sinnlos? Oder war es das depressive Wetter, das sich in ihre Seele fraß und Unruhe stiftete?
War es wirklich egal, wer dieser Mann sein sollte?
Weshalb stellte sie sich diese Frage? Liebte sie ihren Freund etwa gar nicht, auch wenn sie es ihm immer wieder sagte?
Was war das überhaupt heutzutage – Liebe?
Verwirrt über diese ganzen Fragen fing sie an zu weinen, drückte ihren alten Plüschteddy an ihre Brust und wünschte sich in ihre Kindheit zurück. In eine Zeit, in der diese Fragen noch lange keine Rolle gespielt hatten. Früher war sie unbekümmert gewesen und wenn sie mal traurig war, hatte ihre Mama sie einfach in den Arm genommen und ihr liebevoll über den Kopf gestreichelt. Wärme, Geborgenheit, Schutz, Trost, Akzeptanz – das war die Liebe, die Paula damals gespürt hatte. Doch was brachte es ihr, über früher nachzudenken?
Nichts.
Außer, dass diese Gedanken sie nur noch mehr in ihre Depression hineinzogen.
Paula trat vor den Spiegel im Badezimmer und sah entsetzt in die leeren Augen der Person vor ihr. Das Wort »grundlos« verfing sich einen Augenblick in ihrem Kopf, wurde jedoch schnell von Zweifeln abgelöst.
Weshalb hatte sie nur immer wieder das Gefühl allein dazustehen? Sah sie die helfenden Hände um sich herum nicht mehr? Oder gab es tatsächlich keine?
Kritisch musterte Paula ihr Gesicht. An guten Tagen, wenn die Sonne schien, nannte sie ihr Spiegelbild hübsch und attraktiv. Sie konnte dann nachvollziehen, was manche Leute meinten, die sagten, sie habe eine großartige Ausstrahlung. Doch heute sah sie nur die trüben Augen, die herabhängenden Mundwinkel und ein zu alltägliches Gesicht.
Von welcher Ausstrahlung sprachen sie eigentlich immer?
Und was war es, das Tom an ihr so schön fand?
Wieder war sie mit ihren Gedanken bei ihrem Freund gelandet.
Ein Freund, der nicht da war.
Der sein Leben mit ihr verbringen wollte und sie ihres auch mit ihm.
Doch es lagen momentan unüberwindbare Hürden zwischen ihnen. Allem voran war es gerade die Frage nach der Liebe.
Paula schluckte. Ihr Hals fühlte sich trocken an und wieder schossen ihr Tränen in die Augen.
»Ich muss hier raus!«, sagte sie zu sich selbst. Sie schlüpfte schnell in ihre Turnschuhe und verließ eilig in den schlimmsten Klamotten das Haus.
Doch was spielte Kleidung schon für eine Rolle?
Sie hätte jetzt auch anziehen können, was sie sonst für hübsch hielt. Es hätte ihr kein besseres Selbstwertgefühl gegeben.
In einem kleinen Park waren einige Leute unterwegs und trotzten dem Wetter. Junge und alte Paare kamen ihr händchenhaltend entgegen. Es versetzte Paula einen Stich, andere so glücklich und zufrieden zu sehen.
Sie setzte sich auf eine Bank in unmittelbarer Nähe zu einem Spielplatz. Sie sah den Kindern bei ihrem Spiel mit ihren Müttern und Freunden zu. Die Kleinen wirkten alle noch so unbeschwert und glücklich. Die Welt war für sie noch so unschuldig.
»Hallo, darf ich mich zu Ihnen setzen?«
Eine alte Frau stand plötzlich neben Paula und tippte ihr auf den Arm. Erschrocken zuckte Paula zusammen, lächelte die Fremde dann jedoch unwillkürlich an.
»Hallo, ja das dürfen Sie. Hier ist noch genügend Platz auf der Bank«, antwortete sie freundlich.
Eigentlich hatte sie gerade keine Lust auf andere Menschen, doch diese Frau hatte eine Wirkung auf sie, die sie nicht hätte beschreiben können.
»Ich bin Clara. Und wer sind Sie?« Clara setzte sich neben Paula auf die Bank und nestelte an ihrer Handtasche herum.
»Ich bin Paula.«
»Paula ist ein sehr schöner Name.«
»Danke schön. Wohnen Sie hier im Dorf? Ich habe Sie noch nie hier gesehen.«
Clara nickte langsam. »Ja, das ist richtig, dass Sie mich hier noch nie gesehen haben. Ich bin auch heute erst hierhergezogen.«
Paula sah die alte Frau durchdringend an. Mit den vielen Falten im Gesicht wirkte Clara wie jemand, der in seinem Leben viel erlebt hatte. Geschichten hatte die Fremde bestimmt viele zu erzählen.
»Paula, ich habe eine Frage an Sie. Bitte beantworten Sie sie mir, danach dürfen Sie mir auch Fragen stellen. Paula, woher weißt du, dass es Liebe ist?«
Verblüfft riss Paula ihre Augen weit auf und starrte Clara einen Moment lang an. Clara brachte die Worte so unbekümmert über ihre Lippen, dass sich Paula für einen Moment sehr unbehaglich fühlte. Woher wusste die Frau, dass es sich in ihrem Kopf seit Stunden um genau diese Frage drehte?
»Paula, liebst du ihn?«
Paulas Gedanken schwebten zu Tom. Was sollte sie nur antworten?
»Wenn du diese Frage nicht wirklich beantworten kannst, überlege einmal, was Liebe ist. Woher weißt du, dass es Liebe ist?« Clara blickte prüfend in Paulas Gesicht.
Paula atmete tief durch und schloss ihre Augen. Langsam begann sie nun – ohne viel darüber nachdenken zu müssen – zu erzählen.
»Ich weiß, dass es Liebe ist, wenn ich in seine wunderschönen Augen blicke. Wenn mir bei seinem Lächeln warm ums Herz wird. Wenn ich einen Brief oder eine SMS von ihm erhalte und ich seine geschriebenen Worte mit seiner Stimme in meinem Kopf höre. Ich weiß, dass es Liebe ist, wenn ich nachts aufwache, er zwar nicht neben mir liegt, ich aber liebevoll über seine Hälfte des Bettes streichle. Wenn ich unwillkürlich lächeln muss, weil ich nur seinen Namen höre, auch wenn er gar nicht gemeint war, dann weiß ich, dass es Liebe ist.
Ich weiß es einfach, wenn ich in den unmöglichsten Situationen an ihn denken muss oder auch, wenn ich einfach nur durch die Stadt laufe und irgendwas sehe, was mich an ihn erinnert. Ja, Clara … Ich liebe meinen Freund. Ich liebe Tom.«
Paula öffnete ihre Augen und wandte sich der fremden Frau zu. Doch zu ihrer Überraschung war Clara nicht mehr da. Suchend blickte Paula sich um.
»Entschuldigen Sie, haben Sie gesehen, wo die Frau hingegangen ist, die hier gerade noch neben mir saß?«
Ein Mann auf der gegenüberliegenden Bank, den Paula schon wahrgenommen hatte, als sie sich gesetzt hatte, schüttelte mit einem mitleidigen Lächeln den Kopf. »Kindchen, ich weiß nicht, wovon Sie reden.«
»Na, hier saß doch gerade eine Frau neben mir. Weißes Haar, roter Mantel, viele Falten im Gesicht.« Paula hielt inne, als sie sah, wie der Mann wieder den Kopf schüttelte.
