Eberhofer, Zefix! - Rita Falk - E-Book

Eberhofer, Zefix! E-Book

Rita Falk

3,0
6,99 €

Beschreibung

Niederkaltenkirchen ist überall! Schräge, urkomische und herzerweichende Geschichten vom Franzl: Stunk mit der Susi, ein dämlicher Mordfall im Ruhrpott, ein Wochenende in Österreich mit dem Simmerl, dem Flötzinger und mindestens 17 Stamperln Himbeergeist. Außerdem: Wie der Franz einmal sein Herz an ein vierbeiniges Wesen verlor ... Und obendrauf gibt's ein bayrisch-hochdeutsches Glossar, hilfreich kommentiert vom Eberhofer persönlich. Damit "Mia san hia" auch in den letzten Winkeln der Republik verstanden wird. Gell.

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EPUB

Seitenzahl: 84

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Rita Falk

Eberhofer, Zefix!

Geschichten vom Franzl

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Liebe Eberhofer-Gemeinde,

 

da sind mir doch tatsächlich noch ein paar kleine Geschichten rund um den Franz und Konsorten eingefallen, die ich euch vielleicht noch gar nicht erzählt hab. Da spielt der Simmerl beispielsweise eine mächtige Rolle und auch der Flötzinger liefert einen fragwürdigen Beitrag dazu. Der Ludwig, so klein er damals auch war, hat große Pläne am Eberhofer-Hof. Und dann ist da ja auch noch die Geschichte bei den Preußen.

Aber schaut am besten selber mal rein.

 

Viel Spaß und herzliche Grüße,

Eure

Ein Bayer in Gelsenkirchen

Geschlagene zwei Stunden und vierzig Minuten bin ich mit der Susi jetzt schon beim Einkaufen. Genauer gesagt beim Shoppen, wie sie es nennt. Ein Partykleid muss her, koste es, was es wolle. Weil morgen Silvester ist, und da muss man ja schließlich gut ausschauen, sagt die Susi. Dabei gehen wir sowieso bloß auf ein oder zwei Bier zum Wolfi rüber. Aber meine Susi, die will halt trotzdem gut ausschauen.

Wir sind nach Landshut gefahren, weil’s bei uns daheim in Niederkaltenkirchen nur ein einziges Bekleidungsgeschäft gibt, und die haben alles nur in XXL. Da passt die Susi freilich nicht rein. Drum eben Landshut.

Aber jetzt wird’s mir wirklich langsam zu blöd, muss ich schon sagen. Weil, nachdem sich die Susi zuerst in aller Ausführlichkeit mit der rothaarigen Verkäuferin über die Problemzone Bauch unterhalten hat, reden sie anschließend und genauso ausführlich über die Problemzone Arsch. Ich kann’s wirklich kaum glauben. Hocke in einem pinkfarbenen Designersessel und spiel mit meinem Telefon rum, und irgendwie hoffe ich inständig, es möge läuten und mich aus diesem Delirium retten. Tatsächlich läutet es kurz darauf, aber es ist leider nicht meines, sondern das von der Susi. Das merke ich gleich am Klingelton. Kein AC/DC, sondern Shakira tönt uns entgegen.

»Andrea?«, sagt sie und klingt ein bisschen verwirrt. Ich muss überlegen und komme als erfahrener Polizist ziemlich rasch zu einem Ergebnis. Der Einzige, den ich diesem Namen zuordnen kann, ist der Exlover von meiner Susi. Jetzt beginnt sie, Italienisch zu sprechen, und bestätigt somit meinen Verdacht.

Wie sie endlich auflegt, ist sie ziemlich aufgewühlt.

»Ich muss sofort nach München, Franz«, sagt sie. »Der Andrea, der liegt in Schwabing im Krankenhaus. Er ist verletzt und braucht meine Hilfe.«

»Was ist denn so alles verletzt?«, frag ich und hoffe auf irgendwas echt Gefährliches.

»Er hat sich das Handgelenk gebrochen.«

»Das Handgelenk also. Da ist die Überlebensrate ja relativ hoch, Susi.«

»Das musst du verstehen, Franz«, sagt sie und hat ganz rote Wangen. Natürlich versteht das der Franz. Ich hol mein Telefon hervor.

»Was hast du jetzt vor?«, fragt die Susi, während ich in die Tasten klopfe.

»Ich ruf den Birkenberger Rudi an«, sag ich.

»Das ist nicht dein Ernst, oder?«

»Wenn du zu deinem Don Giovanni fährst, fahr ich zum Birkenberger. Nur dass das klar ist.«

»Wie du willst«, sagt sie, dreht sich ab, wirft ihre Mähne durch die Luft und verschwindet.

»Servus, Rudi«, sag ich, wie er endlich rangeht. Freilich freut er sich, meine Stimme zu hören, und fängt auch gleich an, aus seinem wahnsinnig aufregenden Leben als Privatdetektiv zu berichten.

»Ja, wo bist du denn grade?«, frag ich, wie er endlich fertig ist.

»In Gelsenkirchen. Aber warum fragst du?«

Ich erzähle ihm kurz von den Schandtaten meiner Susi, und prompt überredet mich der Rudi, zu ihm nach Gelsenkirchen zu kommen. Da soll es absolut klasse sein, lauter voll nette Typen und Superweiber, und überhaupt mit Schalke und diesen hammermäßigen Currywürsten, die es da überall gibt. Und schon hat er mich irgendwie überredet.

 

Es ist noch stockmauernfinster, wie ich am nächsten Morgen losfahr. Aber das ist gut so, weil kein Verkehr, kein Stau, einfach nur Guns N’Roses und rein ins Pedal und ab durch die Mitte. Fünf Stunden später bin ich auch schon in diesem Hotel, das mir der Rudi genannt hat. »Schloss Berge«, da schau einer an. Der Rudi weiß sich standesgemäß einzuquartieren.

»Eberhofer, endlich! Ich hab mir schon Sorgen gemacht«, tönt es durch den Empfang, da bin ich kaum zur Tür rein. Der Rudi kommt mir mit ausgestreckten Armen entgegen, und er trägt einen dunkelblauen Anzug.

»Wie schaust du denn aus?«, frag ich zuerst mal.

»Wie ich aussehe? Wie ein Gentleman würde ich sagen. Ich hoffe, du hast noch andere Klamotten dabei als diese zerfetzte Jeans. Schließlich ist heute Silvester«, sagt er und grinst. Ich geh mich lieber erst mal einchecken und bring danach meine Reisetasche aufs Zimmer. Der Rudi steht im Türrahmen und wartet, bis ich vom Klo zurück bin.

»Was meinst du, Franz, sollen wir vielleicht zum Mittagessen zum ›Schloss Horst‹ rüberfahren?«, will er schließlich wissen.

»›Schloss Berge‹, ›Schloss Horst‹, noble Gegend hier, wie mir scheint«, sag ich und merke, dass meine Vorstellungen von Silvester dann vielleicht doch ein bisschen anders aussehen. »Du, Rudi«, sag ich deshalb. »Ich hab eigentlich mehr so gedacht, wir lassen hier die Sau raus, verstehst? Currywurst, Jeans und Bier bis zum Abwinken. Dass du jetzt hier den Spießer abgibst, hättest du mir vorher sagen müssen. Dann hätt ich natürlich meinen Frack eingepackt.«

»Du bist und bleibst ein Prolet, Eberhofer«, sagt der Rudi und schnauft dabei ganz theatralisch durch. »Na gut, dann gondeln wir erst mal ein bisschen durch die Gegend, und hinterher essen wir eine hammermäßige Currywurst. Was meinst du?«

Da muss er mich nicht lang bitten, der Rudi, und Augenblicke später sind wir schon unterwegs. Ich persönlich war zuvor ja noch niemals im Ruhrpott und bin ziemlich überrascht, dass dort irgendwie alles aneinanderklebt. Also nicht so wie bei uns daheim, raus aus der Stadt, zwanzig Minuten Autobahn und rein in die nächste. Nein, hier ist es so: Wenn du in Dortmund stehst, kannst du problemlos nach Bochum spucken. Natürlich nur bildlich gesehen, aber egal.

Der Rudi ist ein prima Reiseleiter und zeigt mir sogar die berühmte Veltins-Arena. Ja, ganz nett. Wenn auch nicht mit der Allianz Arena zu vergleichen. Auf gar keinen Fall.

Irgendwann ist dann aber auch wieder gut mit Sightseeing, weil uns der Magen knurrt. Und so steuert der Rudi auch gleich zielorientiert auf Abhilfe.

»Park-Grill« steht auf dem winzigen Laden, und schon wie ich aussteig, findet die Wurstgeruchswolke direkt den Weg in meinen Riechkolben.

»Der Pommes-Dieter macht die besten Currywürste der Welt, das wirst du gleich sehen«, sagt der Rudi. Leider kann ich nicht antworten, weil mir schon die Zunge am Gaumen klebt. Ich nicke.

»Mensch, Rudi, was los? Heute schon fertig mit Maloche?«, dröhnt es hinterm Tresen vor, und ich bin einigermaßen verwundert, dass der Birkenberger hier schon bekannt ist wie ein bunter Hund.

»Ja, fertig, Dieter. Seit gestern. Das hier ist übrigens mein Freund, der Franz.«

»Servus«, sag ich.

»Tach, Franz«, sagt der Dieter und wendet sich dann wieder dem Rudi zu. Und ich geh an einen der Tische, hock mich nieder und schau mich erst einmal um. Scheint eine Art Schalke-Mekka hier zu sein. Überall Fotos, Schals, Autogramme und lauter so Zeug. Auf einem Plakat an der Wand steht: Lieber 4Minuten Deutscher Meister als 1 Sekunde Bayern-Fan. Ich leg mal meinen Schlüsselbund mit dem Bayern-Anhänger auf den Tisch. Nur, um die Fronten zu klären.

»Is was?«, fragt mich ein Fremder, vis-à-vis über sein Schaschlik gebeugt, und starrt auf den Schlüsselbund.

»Gerne, was würden Sie denn empfehlen?«, frag ich zurück. Der Typ legt seine Gabel beiseite. Dann aber kommt auch schon der Dieter hinterm Tresen hervor.

»Lass mich mal raten, Franz«, sagt er und schaut mir ins Gesicht. »Ne Currywurst extrascharf mit Pommes rot-weiß und dazu ein lecker Bierchen vielleicht?«

Besser hätte ich das nicht hingekriegt.

»Exakt«, sag ich.

»Bayern-Fan? Ist nicht dein Ernst, oder?«, fragt mich das Schaschlik, und ich könnte schwören, einen abfälligen Tonfall rauszuhören.

»Was dagegen?«

»Na, was willste dann hier, Mann? Fahr nach Hause und lutsch an deinen Weißwürsten.«

»Kümmer dich um dein Schaschlik und halt einfach dein Maul«, sag ich und zieh dabei mal meine Augenbraue hoch. Das hab ich vorm Spiegel geübt. Und es sieht echt gefährlich aus.

»Mensch, tolles Wetter heute«, sagt der Rudi in einer verkrampften Lockerheit und stellt sich jetzt so an den Tisch, dass Schaschlik und ich uns nicht mehr sehen können.

»Ich hab den Laden jetzt seit über dreißig Jahren, und hier war noch nie ’ne Rauferei oder so was«, sagt der Pommes-Dieter, während er meine Currywurst durch den Häcksler jagt.

»Das kann sich jederzeit ändern«, sagt das Schaschlik.

»Jederzeit«, nicke ich, und da schiebt mir der Pommes-Dieter auch schon mein Essen hin. Es schmeckt hammermäßig, wirklich. Vielleicht die beste Currywurst, die ich je gegessen habe. Nein, die vom Seppi aus Ismaning, die ist noch besser. Aber nur ein ganz kleines bisschen.

Auf einmal fliegt die Tür auf und eine Frau kommt herein. Sie schaut sich kurz um und steuert dann schnurstracks auf das Schaschlik zu.

»Sag mal, Jürgen, bist du bescheuert, oder was? Wo warst du heute Nacht?«, fährt sie ihn an. Ihr Tonfall ist, ja wie soll ich sagen, ziemlich gewöhnlich vielleicht. Überhaupt ist sie mehr so der Typ Frau, mit der man eine Nacht verbringt und hinterher kein schlechtes Gewissen hat, wenn man sich nicht noch mal meldet.

»Komm, zieh Leine, Gabi«, sagt Schaschlik-Jürgen irgendwie genervt. Da kann man jetzt schon fast wieder Verständnis dafür aufbringen, dass er ein so unfreundlicher Zeitgenosse ist. Wenn er so ein Weibsstück an der Backe hat. Nein, wirklich. Ich geb ihm ein Bier aus.

 

Ein paar Bierchen später sind wir dann schon fast so was wie richtige Freunde, der Jürgen und ich. Zuerst reden wir kurz über Weiber, widmen uns dann aber schnell den interessanteren Seiten des Lebens. Und zwar Fußball. Bayern und Schalke natürlich, und irgendwann kommen wir auf den Assauer. Auf den Assauer und seine Demenz. Tragische Sache, wirklich. Den hab ich immer echt gut gefunden. Obwohl er beim falschen Verein war.