Ein Abgesandter der Götter - Anita Koschorrek-Müller - E-Book

Ein Abgesandter der Götter E-Book

Anita Koschorrek-Müller

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Beschreibung

Dies ist die Geschichte von Blacky Müller, einem Tibet- Terrier, den die Götter auf die Erde gesandt haben, um die Menschen wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Sein Aufgabengebiet ist sein Rudel. Dort soll er seinen göttlichen Auftrag erfüllen. Diese Aufgabe ist nicht einfach, erfordert einen messerscharfen Verstand und viel Einfühlungsvermögen. Die Erziehung der männlichen Rudelmitglieder ist für den cleveren Hund kein Problem. Doch die Frau im Rudel hält sich für die Ranghöchste. Auf geschickte Weise gelingt es Blacky Müller seine Vormachtstellung immer weiter auszubauen und Frauchens angegriffene Gesundheit zu stärken. ─ Manch Hundebesitzer hat, wenn es um die Erziehung seines Hundes geht, resigniert. Nach der Lektüre dieses Buches erschließt sich ihm jedoch eine andere Sichtweise auf das Problem und er ahnt, warum Waldi, Rex oder Lassie ihren Herrchen und Frauchen auf der Nase herumtanzen. Bei diesen Hunden handelt es sich vermutliche um Abgesandte der Götter.

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Seitenzahl: 200

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Anita Koschorrek-Müller

Ein Abgesandter der Götter

Aus dem Leben eines Tibet-Terriers

www.kurzgeschichtet.de

© 2021 Anita Koschorrek-Müller

Autor

Anita Koschorrek-Müller, www.kurzgeschichtet.de

Umschlaggestaltung

Daniel Schmitt Design, www.goldenerschmitt.de

Verlag und Druck

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über: http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Ein Abgesandter der Götter

ISBN:

978-3-347-20020-3 (Paperback)

 

978-3-347-20021-0 (Hardcover)

 

978-3-347-20022-7 (e-Book)

Für mein Rudel,

ohne dessen Hilfe dieses Buch nie erschienen wäre.Mein besonderer Dank gilt Bärbel, Evo und Renate fürihre tatkräftige Unterstützung.

Ein Abgesandter der GötterAus dem Leben eines Tibet-Terriers

Vorwort

Von den Göttern gesandt

Das neue Rudel

Das DOG-NET

Oh, du fröhliche …

Pannen und Kommunikationsprobleme

Besucher

Leinenführigkeit

Die neue Leine

Erholungsphasen

Mach mal Pause!

Schlafplätze

Bettgeschichten

Die Butter vom Brot

Alles in Butter!

Geburtstage aus Hundesicht

Mein Geburtstag

Zwischenhundliche Kontakte

Freunde

Außenseiter

Hasso

Die Götter und das Ordnungsamt

Hasso muss weg!

Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen

Mundraub

Kleine Tiere

Wespen

Besitztum und Neid

Mein und dein

Vielseitige Nahrungsquellen

Katzenfutter

Musik

Das Klavier

Reinlichkeit

Frühjahrsputz

Begegnungen der anderen Art

Schwein gehabt

Vögel und Engel

Die Vögel

Glaubensfragen

Bratwurst an Fronleichnam

Paarung

Die Stimme der Natur

Nachkommen

Mein Nachwuchs

Hundeschulen

In der Hundeschule

Machtkämpfe

Übung macht den Chef

Menschen, Knast und Schopenhauer

Frauchen legt sich ins Zeug

Artenvielfalt

Athene

Feste feiern

Die Party

Tierärzte

Beim Tierarzt

Essen auf Rädern

Brötchen

Auftrag erfüllt!

Macht‘s gut!

Nachwort

Vorwort

Haben Sie auch so einen Hund, der nicht hört und den Sie einfach nicht in den Griff kriegen?

Im Gegenteil, ER hat SIE im Griff. Sie haben alles ausprobiert: Ratgeber gelesen, sich alle Sendungen von Hundeflüsterern angeschaut, eine Hundeschule besucht und sogar einen Hundepsychologen zu Rate gezogen und nichts hat gefruchtet.

Müssen Sie die mitleidigen Blicke Ihrer Mitmenschen ertragen, weil Ihr Hund so schlecht erzogen ist?

Instinktiv verfolgt Sie der Satz: Ich habe versagt!

Nein, haben Sie nicht, denn Ihr Hund ist ein besonderer Hund. Er ist ein Abgesandter der Götter. Sie hatten nie eine Chance!

„Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten ist in den Hunden enthalten.“

Franz Kafka

Von den Göttern gesandt

Nachdem die Götter die Welt erschaffen hatten, blickten sie stolz und schwanzwedelnd auf ihr Werk. Wunderschöne Landschaften hatten sie kreiert und natürlich jede Menge Bäume modelliert, damit die Geschöpfe, die sie nach ihrem Abbild gestaltet hatten, das Hinterbein heben und nach Herzenslust markieren konnten.

Die Götter, Gottvater Bello und seine Gattin Bella, hatten den ganz großen Wurf gelandet, als sie ein Rudel Hunde auf dem von ihnen geschaffenen Planeten platzierten. Canis lupus familiaris, vierbeinige Wesen, mit kurzen oder langen Beinen, manche hatten Steh-, andere Schlappohren, dazu kleine, spitze, platte oder große Schnauzen, bevölkerten von nun an die neue Welt.

Ein besonderes Augenmerk richteten die Götter bei der Gestaltung der Hunde auf den Schwanz, auch Rute genannt, der in unzähligen Variationen erschaffen wurde. An diesem Körperteil konnte man sofort die Gemütsverfassung des Hundes erkennen. Bei der Vielfalt der Körperbehaarung, dem Fell, das die neuen Weltenbürger trugen, hatten sich die Götter in ihrer Fantasie wahrhaft selbst übertroffen. Alle Farben waren zu finden, satte Brauntöne, blond in allen Abstufungen, vom tiefen Schwarz bis zum blendenden Weiß. Manche Hunde trugen ihr Fell kurz und glatt, andere wiederum lang und lockig.

Sah man ihnen in die Augen, erkannte man sofort, dass diese Lebewesen ein Geschenk der Götter waren. Ihr Blick zeugte von Treue, Stolz, Verstand und Gefühl.

Bello und Bella blickten zufrieden auf das von ihnen konzipierte Hundeparadies mit großen Wiesen zum Herumtollen und weichen Körbchen zum Ruhen. Der Hundekuchen wuchs auf Bäumen und fiel, wenn er reif war, den Bewohnern dieses Schlaraffenlandes in die Schnauze. Alles schien gut.

Doch nix da! Die Hunde beschwerten sich bei Gottvater Bello und der Göttin Bella über das eintönige Leben, welches ihnen auf Erden zuteilwurde. Den ganzen Tag herumtollen und Hundekuchen futtern war ja ganz nett. Doch das konnte nicht alles sein. Es fehlte an Aufgaben aus dem Bereich der Dressur und der Pädagogik. Vielleicht wäre eine Art Haustier nicht schlecht? Natürlich nicht nach eigenem Ebenbild. Eventuell ein anderes Modell, etwas auf zwei Beinen, das die Hundekuchen von den Bäumen pflücken konnte und man so nicht immer warten müsste, bis die Dinger herunterfallen.

Bello und Bella fackelten nicht lange und formten ein Menschenpaar, Frauchen und Herrchen, damit dieses fortan dem Hunde untertan sei. Die Hunde wollten ihnen viele wichtige Dinge beibringen, die ein Hundeleben spannender und unterhaltsamer machen sollten, zum Beispiel Stöckchenwerfen, Bauchkraulen und vieles mehr. Doch dies gestaltete sich schwierig. Es gab Menschen, die waren gefügig und lernwillig, andere wiederum bockig und dumm. Das Experiment „Hund mit Mensch“ ging erst einmal tierisch in die Hose.

Die Tibet-Terrier, eine Hunderasse, die auf dem Dach der Welt zu Hause ist, wurden dazu auserkoren, die aus den Fugen geratene Beziehung zwischen Hund und Mensch wieder ins Lot zu bringen. Tibet-Terrier verfügen über einen eisernen Willen und eine fast überirdische Intelligenz. Ihnen würde es gelingen, den Menschen klar zu machen, wer der Herr in der Hundehütte ist. Das Dach der Welt mit dem Himalaya Gebirge ist dem Thron der Götter am nächsten. Es gibt daher nur kurze Kommunikationswege und der Plan wurde schnellstens umgesetzt.

Die Nachkommen des Rüden „Hassan von Changthang“ sollten die Menschheit in ihre Schranken weisen, natürlich gewaltlos, allein durch die Kraft des Willens und der Intelligenz.

Im Oktober 1999 wird ein Wurf Welpen geboren und dies ist die Geschichte des Ururururenkels von Hassan dem I., der als Vierter seines Wurfs das Licht der Welt erblickt. Und wie man es bei einem Tibet-Terrier nicht anders erwartet, so ist er sich seines göttlichen Auftrages bewusst.

Das neue Rudel

Meine Mutter, Biggi von der Rabenhöhe, hat mir und meinen Geschwistern erklärt, dass wir edlen Geblüts sind, was immer das auch ist. Nun sitze ich hier, ich, die Nummer 4, blühe vor mich hin, und harre der Dinge, die da kommen. Ein neues Rudel wird mich heute aufnehmen, mich oder Nummer 5, und das ist für jeden Welpen ein schicksalsträchtiger Tag.

Bisher kannte ich nur Mama und meine vier Geschwister. Die waren ganz okay! Nummer 1, 2 und 3 sind schon ausgezogen. Ich und Nummer 5 leben noch bei Muttern und die wird langsam ungeduldig, weil wir immer noch zuhause rumhängen. Mama meint, es gäbe nichts Schlimmeres als Nesthocker, die permanent ans Gesäuge drängen, obwohl die Milch schon längst versiegt ist. Sie muss es ja wissen, denn wir sind nicht ihr erster Wurf. Meinen Vater, Hassan den III., nennt Mama einen alten Schwerenöter, der nix anderes im Kopf hat als Nachkommen zu zeugen. Er ist ein prämierter Deckrüde und Mama betont stets, dass dieser Job das Einzige ist, was er gut kann. Sehr klug sei er nicht, doch das wäre bei dieser Tätigkeit auch nicht notwendig.

„Kinder, die Intelligenz habt ihr eindeutig von der mütterlichen Linie geerbt. Da bin ich mir zu hundert Prozent sicher!“

Ich habe meinen Erzeuger nie kennengelernt. Wer weiß, was mir da erspart geblieben ist? Aber, wenn ich groß bin, werde ich auch Deckrüde. Ist doch ein toller Job, immer neue Mädels und gutes Futter!

Das große Tor öffnet sich. Unser Knecht Johann, der uns immer mit Futter versorgt und auch sonst stets zu Diensten ist, führt eine Gruppe Menschen herein. Johann kann man nicht trauen, denn neulich erst hat er den Tierarzt reingeschleust. Einen unangenehmen Patron, der Folterwerkzeuge in seiner schwarzen Tasche mit sich führt. Heute hat Johann unbekannte Leute im Schlepptau: einen Mann, eine Frau und ihr Junges.

Ich und Nummer 5 werden begutachtet. Nummer 5 wollen die Leute nicht, weil sie ein Mädel ist.

„Lieber einen Rüden“, sagt der Mann und unser Knecht nimmt mich auf den Arm und die Leute begutachten mich.

„Papa, mir gefällt der am besten, weil er schwarz ist“, meint der kleine Junge.

Mmh, das Kerlchen hat Geschmack!

„Und die Fellpflege? Ist die nicht sehr aufwendig?“

Frauen! Da erübrigt sich jedes weitere Wort. Die Frau beäugt mich misstrauisch.

„Wenn Sie den Kleinen gleich an Kamm und Bürste gewöhnen, klappt das. Jeden Tag fünfzehn Minuten Fellpflege reichen vollkommen aus. Sie müssen wissen, ein Tibet-Terrier haart nicht und deshalb ist es wichtig, den Hund regelmäßig zu kämmen, sonst verfilzt das Fell“, erklärt Johann.

Jetzt nimmt mich der Mann auf den Arm und alle fummeln an mir herum. Wie ich das hasse! Dieses Betatschen und Begrabschen! Der Mann riecht nach Seife, die Frau nach Desinfektionsmitteln, genau wie der Tierarzt, und der Junge nach Erde. Schließlich, nach längeren Verhandlungen, geht Geld über den Tisch. Es ist nicht zu glauben! Ich werde verschachert wie auf dem Sklavenmarkt!

In meiner Heimat, in Tibet, gibt es so etwas nicht. Schafe und Ziegen werden dort verkauft, aber doch keine Hunde. Hunde sind ein Geschenk der Götter.

Es reicht gerade noch für ein „Gha le Schök, Mama!“, das heißt auf Tibetisch „Tschüss“ und schon sitze ich in einem Auto. Ich habe auf einer weichen Decke auf dem Rücksitz Platz genommen und bewahre Haltung. Mama hat uns Kindern immer eingeprägt, dass Haltung bewahren für einen Hund edlen Geblütes sehr, sehr wichtig ist – Kopf hoch und Brust raus!

Neben mir sitzt der kleine Junge, nimmt mich in den Arm und flüstert mir ins Ohr, dass ich nun sein bester Freund sei.

Mein lieber Junge, mit der Freundschaft ist das so eine Sache. Die muss man sich erst verdienen und man muss auch etwas dafür tun, sonst ist sie nichts wert. Das hat mir alles meine Mama beigebracht. Freundschaft ist Geben und Nehmen! So, und wenn du mir jetzt die Leckerlis aus deiner Hosentasche gibst, dann sind wir auf einem guten Weg.

Der kleine Junge versteht mich ohne Worte und ich fresse mich satt. Doch dann mischt sich die Frau in unsere aufkeimende Freundschaft.

„Gib dem Hund nicht so viel Leckerlis, sonst wird ihm schlecht!“

Ich ahnte es, mit dieser Frau wird es nicht einfach werden. Hilfesuchend blicke ich meinen neuen Freund an, doch der zuckt nur mit den Schultern. Dieses Weib scheint im Rudel das Sagen zu haben, aber darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Ups, mir wird schlecht! Die kurvenreiche Uferstraße, auf der wir unterwegs sind, fordert ihren Tribut. Nach einigem Würgen ist das delikate Hundefutter wieder da.

„Das war ja vorauszusehen“, keift die vermeintliche Rudelführerin, hebt mich in die Höhe, packt die Decke mit dem aufgeweichten Futter und lässt alles verschwinden.

He, was soll das denn? Das waren meine Leckerlis und die hätte ich gerne ein zweites Mal gefressen, jetzt, wo sie schon ein wenig eingeweicht sind! Aber egal, mir ist immer noch schlecht.

Im neuen Zuhause angekommen, geht es mir wieder besser. Sofort mache ich mich auf die Pfoten, um meine neue Unterkunft kennenzulernen. Im Flur stehen ein schönes, bequemes Körbchen, ein leerer Fressnapf und eine Schüssel mit frischem Wasser. An einem Haken an der Wand hängen ein rotes Halsband und eine Leine. Die hätten meine neuen Leute wirklich nicht besorgen müssen. Wozu braucht Hund denn eine Leine? Ach so, Hund braucht keine Leine, aber Mensch braucht eine. Ich muss meine Leute ja ausführen, hatte ich ganz vergessen, täglich an die frische Luft, das wird ihnen guttun. Meine Nase führt mich die Treppe hinunter in den Keller. Auweia, diese Stufen sind arg hoch und so überwinde ich den Rest des Weges kugelnd.

Aha, unter der Kellertreppe steht ein großer Sack hochwertiger Spezialnahrung für Welpen, zwei - zwölf Monate und für trächtige, säugende Hündinnen. Da sich keine Hündinnen und andere Welpen in der Nähe befinden, ist der ganze Sack für mich!

„Papa! Der Hund ist die Treppe runtergefallen“, ruft der kleine Junge und der Mann eilt mir zu Hilfe.

Er nimmt mich auf den Arm, trägt mich in ein großes Zimmer mit weichen Sitzgelegenheiten und legt mich behutsam auf ein seidig glänzendes Kissen.

„Hat er sich was gebrochen?“, fragt der kleine Junge besorgt.

„Ich glaube nicht“, sagt der Mann, der wohl der Vater des Jungen ist, während er mich abtastet. „Scheint alles okay zu sein.“

Die Frau betritt das Zimmer und legt gleich los.

„Was soll das denn? Wir hatten doch abgemacht, dass der Hund nicht auf die Couch kommt!“

„Mama, der Hund ist die Treppe runtergefallen!“, erklärt mein kleiner Freund.

„Und?“, hakt sie nach. „Ist ihm was passiert?“

„Nein, nein!“, der Mann streichelt mir über den Kopf. „Er hat Glück gehabt.“

„Dann setz ihn sofort auf den Fußboden, er soll nicht auf die Couch“, ereifert sich die vermeintliche Chefin des Rudels.

„Ja, ja, ist ja gut. Reg dich ab. Ich musste erst nachsehen, ob nichts gebrochen ist.“

Na, endlich gibt er ihr Kontra! Wieso lässt der Mann sich das alles gefallen, wo er doch viel größer ist als sie? – Jetzt könntet ihr aber aufhören zu streiten, ich muss nämlich mal.

Dringend!

„Die Couch ist für den Hund tabu, ohne Ausnahme!“ Die gibt keine Ruhe, aber wenn ich nicht bald nach draußen kann, dann …

„Der Hund hat Pippi gemacht“, ruft der kleine Junge und deutet auf die dunkelrote Stelle auf dem hellroten Kissen.

„Was hab ich denn gesagt!“

Die Frau packt das rote Kissen, auf dem ich es mir bequem gemacht habe und trägt es, mit mir oben drauf, aus dem Haus. Dann packt sie mich am Kragen und setzt mich auf die Wiese. Das Kissen hält sie an nur einem Zipfel fest, während der gegenüberliegende Zipfel tröpfelt. Diese Frau ist die Mama des kleinen Jungen, das habe ich inzwischen herausgekriegt. Armes Kind!

„Das schöne Seidenkissen ist ruiniert“, stellt sie ernüchtert fest, während ich mich im Garten umsehe. Was interessiert mich denn dieses blöde Kissen!

Sie wird noch viel lernen müssen, diese Frau, bis sie in der Lage ist, mit einem Hund edlen Geblüts unter einem Dach zu leben. Als Erstes werde ich ihr beibringen, wie sie sich die zeitlichen Abläufe meiner Ausscheidungsprozesse verinnerlicht.

Nicht dass ich ihr das intelligenzmäßig nicht zutrauen würde, doch sie hat einen schwierigen Charakter, neigt zu Größenwahn und Hysterie.

Das DOG-NET

Rund um den Erdball spannt sich das sogenannte DOG-NET. Die Götter Castor und Pollux, die Erfinder des Bello-Phones, sind die Administratoren dieses Netzes, das dem Internet der Menschen um viele Schnauzenlängen voraus ist.

Die Sensoren, die überall an Bäumen angebracht sind und jede Duftmarke und jeden Geruchsfaden, der durch die Luft schwebt, sofort analysieren, arbeiten mit größter Präzision. Innerhalb von Nanosekunden schießen die Informationen durchs DOG-NET und so erfahren die Götter blitzschnell, wie es um die vielen pädagogisch untermauerten Dressurprojekte bestellt ist, die die Götter in Auftrag gegeben haben. Die Nachrichten kommen aber nicht nur direkt vom Nachfahren des Tibet-Terriers „Hassan von Changthang“, der jetzt den Namen „Blacky Müller“ trägt und unter dessen Leitung dieses Erziehungsseminar für Menschen durchgeführt wird, sondern auch von den Hunden, die in der Nachbarschaft des jeweiligen Schulungsortes leben. Hundespielplätze, Welpenschulen und anderweitige Treffpunkte der Canis lupus familiaris sind ebenfalls hervorragende Informationsquellen.

Die Nachrichten, die man über die Erziehungsarbeit des schwarzen „Blacky Müller“ erhält, klingen äußerst vielversprechend.

Oh, du fröhliche …

Ich habe beschlossen hierzubleiben, um meinen göttlichen Auftrag zu erfüllen. Das Rudel hat mir einen Namen gegeben, weil ich jetzt dazugehöre. Sie nennen mich „Blacky“, abgeleitet vom englischen Wort „black“, das bedeutet schwarz. Nicht sehr geistreich, weil ich doch schwarz bin. Aber es hätte schlimmer kommen können. Sie hätten mich auch Romeo, Buddy oder Feng-Chui-Suchi-Royal, wie mein Ururgroßvater mütterlicherseits, nennen können. Das ist mir, den Göttern sei Dank, erspart geblieben. Hätten sie mich Nakpo genannt, das ist das tibetische Wort für schwarz, es wäre mir eine Ehre gewesen, diesen Namen zu tragen. Aber ich will nicht kleinlich sein, denn sie wissen es nicht besser.

Die Frau habe ich inzwischen im Griff. Ich nenne sie jetzt „Frauchen“ und ich habe ihr beigebracht, dass sie nachts mit mir in den Garten geht.

Letzte Nacht war es ganz wundervoll! Tausende Schneeflocken wirbelten durch die Luft und ich habe versucht, sie zu fangen. Frauchen hatte keine Lust mitzuspielen. Sie ist eben eine Spaßbremse.

Tagsüber unternehme ich mit ihr kleine Spaziergänge, sie nennt das „Gassigehen“. Was ein Gassi ist, habe ich bisher noch nicht in Erfahrung gebracht.

Die Menschen tun bisweilen absonderliche Dinge, die dem gesunden Hundeverstand total zuwiderlaufen.

So bemerkte ich seit einigen Tagen im Hause eine gewisse Unruhe, die darin gipfelte, dass ein großer Tannenbaum in dem Zimmer mit den bequemen Sitz- und Schlafgelegenheiten aufgestellt wurde. Als ob im Wald nicht genug davon herumstehen! Der Mann im Haus, ich nenne ihn jetzt „Herrchen“, schleppte den Baum herein und stellte ihn in einen Topf mit Wasser. Sie gab ihm dauernd Anweisungen, wie er das bewerkstelligen soll, und hüpfte mit Kehrschaufel und Handfeger um ihn herum. Mein Freund, der kleine Junge, strahlte übers ganze Gesicht. Ihm schien das Theater zu gefallen.

Ich habe noch nicht herausgefunden, warum meine Leute das gemacht haben, aber ich werde Nase, Augen und Ohren offenhalten und noch dahinterkommen. Eigenartig und gegen jeden Hundeverstand ist es, dass mein Frauchen mich beim sogenannten „Gassigehen“ immer zu Bäumen führt, damit ich dort meine Duftmarken hinterlasse, doch von dem neuen Baum im Haus muss ich mich fernhalten. Dieses Gewächs scheint etwas Besonderes zu sein, denn an den Zweigen hängen sonderbare Gegenstände, die ich in meinem jungen Hundeleben noch nie gesehen oder gerochen habe. Sobald ich mich auch nur um eine Schnauzenlänge dieser Pflanze nähere, fängt Frauchen an zu kreischen: „Hol einer mal sofort den Hund da weg, nicht dass der wieder was anstellt!“

Sie misstraut mir und das sind ganz schlechte Voraussetzungen für eine fundierte Erziehungsarbeit. Deshalb ziehe ich mich zurück, lege mich auf die kühlen Fliesen im Flur und täusche ein Nickerchen vor. Vertrauen schaffen ist angesagt und geduldig sein. Das ist kein Problem, denn Geduld ist eine der größten Tugenden der Tibet-Terrier. Ich habe diesen Platz im Flur mit Bedacht gewählt, weil alle, die im Hause unterwegs sind, über mich drübersteigen müssen, um in die verschiedenen Räume zu gelangen. Zum einen sind diese gymnastischen Übungen für Menschen äußerst gesund und zum anderen festige ich damit meine ranghohe Stellung im Rudel. Insgeheim beobachte ich das Treiben im Hause und irgendwann wuseln sie nicht mehr um diesen Tannenbaum. Nur mein Herrchen sitzt im Wohnzimmer im Sessel und versteckt sich hinter einem großen Stück Papier. Somit ist der Zeitpunkt gekommen, die Angelegenheit zu erforschen. Auf leisen Pfoten schleiche ich ins Zimmer, sauge die Geruchsfäden ein, die durch den Raum wabern. Der Baum sendet einen angenehmen Duft aus, das Wasser im Topf, in dem der Baum steht, schmeckt aromatisch, doch die Bälle, die an den Zweigen hängen, sind aus minderwertigem Material. Von ihrer Stabilität her sind sie nicht mit den Bällen zu vergleichen, die in meinem Körbchen liegen, mit denen ich den Menschen das Werfen beibringe. Werfen ist übrigens eine vortreffliche Übung zur Stärkung der Armmuskulatur, die besonders bei Frauen ziemlich unterentwickelt ist. Nur ein kleiner Schubs mit der Pfote gegen einen dieser am Baum hängenden Bälle und der erste zerfällt mit einem leisen Klirren in viele kleine Teile, ebenso der zweite und der dritte.

Und dann geht’s rund!

„Ich glaub das jetzt nicht! Sitzt da und liest Zeitung, während der Hund die Christbaumkugeln zerdeppert.“

Herrchen lässt die Zeitung sinken und schaut über seine Brille zu mir herüber.

„Aber Blacky, was machst du denn da?“

„Hol den Hund da weg“, zetert sie weiter. „Wenn der die Splitter in die Pfoten kriegt, müssen wir Weihnachten noch zum Tierarzt!“

Oha, sie sorgt sich um mich. Das ist ein gutes Zeichen. Herrchen legt das große Stück Papier zur Seite und nimmt mich auf den Arm, während sie mit dem Handfeger und der Kehrschaufel angerauscht kommt und die kaputten Bälle beseitigt.

„Mmh“, meint der Mann im Haus und schaut mich nachdenklich an, „dann müssen wir die Kugeln wohl etwas höher hängen.“

Die nächsten Tage steht ein Baum im Zimmer, oben rappelvoll mit Glitzerkram und unten in sattem Tannengrün.

Die Sache mit dem Baum ist erst mal abgehakt, doch nun erregen die bunten Teller, die neuerdings auf dem schnauzenhohen Tisch im Wohnzimmer stehen, meine Aufmerksamkeit.

Jeder in meinem Rudel besitzt so einen Teller, nur ich nicht. Diese Tatsache, so finde ich, ist meiner Stellung in diesem Hause nicht angemessen. Auf den Tellern liegen wohlriechende und vermutlich auch wohlschmeckende Dinge. Ehe ich eine eingehendere Untersuchung vornehmen kann, schnappt sich der Junge einen der Teller und verschwindet in seinem Zimmer. Bei genauerer Betrachtung der restlichen Behältnisse stelle ich fest, dass einer davon fast leer ist. Mein Herrchen hat mir davon schon einiges zugesteckt, weiche, süße Häppchen, die mir auf der Zunge zergehen.

Um die nächste Vorgehensweise auszuloten, lege ich mich wieder in den Flur auf den kühlen Boden und lasse mein Rudel erst mal zur Ruhe kommen. Frauchen hat ein Problem, wenn es um Entspannung und Nichtstun geht. Sie ist bisweilen ein richtiges Nervenbündel. Immer wuselt sie herum, ist hektisch und ruhelos. Jetzt hält sie sich in der Küche auf. Ich höre es klappern und scheppern, während alle anderen ein Nickerchen machen. Ich werde alles daransetzen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Und sollte dies nicht gelingen, werde ich es mit Hypnose versuchen. Wir Tibet-Terrier sind Meister dieses Fachs; dem Einfluss unserer braunschwarzen Augen kann sich niemand entziehen.

Doch immer alles der Reihe nach, denn erst muss ich mich um die Leckereien auf dem Tisch kümmern. Auf leisen Pfoten nähere ich mich den Köstlichkeiten, während der Herr des Hauses darniederliegt und knurrende Geräusche von sich gibt. Ich deute dieses Knurren als entspanntes Knurren, dem nicht das Ansinnen zur Territoriumsverteidigung zugrunde liegt. Die Luft ist rein, was für einen Götterboten, wie ich einer bin, bedeutet, dass kein Wesen in der Nähe ist, welches mir meine Nahrung streitig machen könnte. In Windeseile gelingt es mir, die exquisitesten Gaumenfreuden einzuverleiben. Dann ziehe ich mich in mein Körbchen zurück. Ein Verdauungsschläfchen wäre jetzt angebracht.

Doch die Pause ist nur von kurzer Dauer. Eine laute Diskussion reißt mich aus meinen Träumen. Sie, die Hektikerin in meinem Rudel, ist mal wieder in Fahrt. Auch meinem Herrchen war die kleine Ruhepause nicht vergönnt.

„Jetzt gib es wenigstens zu, dass du an meinen Teller warst. Hattest wohl deinen schon leer?“

Er reibt sich verschlafen die Augen.

„Ich war nicht an deinem Teller!“

„Und nur die besten Sachen hast du dir rausgefischt. Mozartkugeln, Nougatriegel und das Marzipanbrot fehlen. Ich kenne doch deine Vorlieben.“

Der Streit geht noch ein bisschen hin und her. Das ermüdet mich alles sehr und ich schlafe wieder ein.

Es ist schon spät, als mich Frauchen weckt.

„Komm, Blacky, wir gehen nochmal raus.“

Nachdem ich mein Geschäftchen erledigt habe, will ich gleich wieder ins Haus. Mit vollem Bauch, nach so einer kalorienreichen Zwischenmahlzeit, ist man halt nicht mehr so beweglich.

Mein Rudel macht sich nun fertig für die Nachtruhe. Sie sagt noch zu Herrchen: „Ich weiß nicht? Unser Blacky ist heute Abend richtig fertig.“

„Na ja“, meint er, „Weihnachten geht auch an einem Hund nicht spurlos vorüber.“

Am nächsten Tag habe ich wieder zu meiner alten Vitalität gefunden. Und nach dem Mittagessen mache ich mit Frauchen einen ausgiebigen Spaziergang. Frische Luft wird ihren Nerven guttun und sie kann ein bisschen entspannen.

Sie achtet immer sehr auf meine Verdauung. Besonders in den letzten Tagen, weil ich neuerdings kein Welpenfutter mehr bekomme, sondern Futter für Junghunde (für kontrolliertes Wachstum in der zweiten Entwicklungsphase).

Die vermeintliche Rudelchefin staunt nicht schlecht, als sie sieht, was ich da ausscheide. Wir machen uns auf den Rückweg und sie schüttelt immer wieder fassungslos den Kopf.

Zuhause angekommen, entschuldigt sie sich bei ihrem Mann.

„Ich hab dir Unrecht getan. Du warst nicht an meinem Teller.“

„Aha“, meint er grinsend, „und wer war der Dieb?“

Sie zeigt auf das Hundekörbchen, in dem ich es mir gerade gemütlich mache.

„Ich habe vorhin am Waldrand die Verpackungen wiedergesehen. Silberpapier von den Mozartkugeln, rotes vom Marzipanbrot und die Nougatriegel waren doch ehemals in goldenem Papier eingepackt.“

„Oho“, da staunt auch mein Herrchen nicht schlecht, „und die weniger guten Sachen hat er auf dem Teller liegengelassen. Nicht schlecht, Herr Specht! Ganz schön raffiniert!“

Ich gähne schläfrig. Ja, ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht. Hätte ich die Sachen vorher ausgepackt, es hätte keiner was gemerkt.