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Äpfel haben schon immer die Fantasie beflügelt. Ob gemalt, in Marmor gehauen oder besungen - sie tauchen millionenfach in ausdrucksstarken Werken auf. Das Thema wird aufgegriffen, variiert, ausgeschmückt und so ist es kein Wunder, dass auch in diesem Büchlein viele Wortkünstler vom gleichen Ansatz ausgehen. Interessant ist aber, welche Gedankengänge sich entwickeln. Und so werden Sie, nach Anfänglichem, 'das habe ich doch gerade schon mal gelesen', erstaunt sein, wie die jeweilige Geschichte endet. Ein Hoch auf den Apfel! Denn er ist einfach ein geniales Früchtchen.
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Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Vorwort
So ein Früchtchen!
Äpfel
Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd
Sachsenobst geht mit der Zeit
Ein Phytopathologe ist ein Apfelarzt
Der Apfelkönig
Der Generationenbaum
Lob der Faulheit
Qual der Wahl
Spalier
Die Toskana des Ostens ist nicht nur für ihre Weine berühmt
Mein Sündenfall
Beitrag zur Kulturgeschichte einer Frucht
Äpfel rollen durch die Zeit
Der Apfelbaum
Erinnerungen
Apfel mit Made ist schlimm
Der Traum vom Apfelbaum
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Wie Apfelblüten auch Frost überstehen können
Im Paradies
Der Apfelkrieg von Avalon
Schneewittchen - die wahre Geschichte
Apfel mit Schwan
Vitae
Liebe Leserinnen und Leser,
diese Anthologie der Geschichtenzauber-Edition ist etwas anders, denn hier melden sich nicht nur professionelle Schreiber zu Wort. Alle, die zum Thema Apfel beitragen wollten, waren aufgerufen und viele haben mit Herzblut ihre Erfahrungen und Sehnsüchte zu Papier gebracht. Manchmal sind die Gedichte und Geschichten nicht mit spitzer Feder künstlerisch formvollendet, dafür aber so aufgeschrieben, wie uns Sachsen ‚die Gusche‘ gewachsen ist.
Äpfel haben schon immer die Fantasie beflügelt. Ob gemalt, in Marmor gehauen oder besungen – sie tauchen millionenfach in ausdrucksstarken Werken auf. Das Thema wird aufgegriffen, variiert, ausgeschmückt und so ist es kein Wunder, dass auch in diesem Büchlein viele vom gleichen Ansatz ausgehen. Interessant ist aber, welche Gedankengänge sich entwickeln. Und so werden Sie, nach Anfänglichem‚ das habe ich doch gerade schon mal gelesen, erstaunt sein, wie die jeweilige Geschichte endet.
Viel Spaß beim Schmökern!
Ein Hoch auf den Apfel! Denn er ist einfach ein geniales Früchtchen.
Ihre Sina Blackwood
Warum fallen mir beim Thema ‚Apfel‘ zuerst negative Zusammenhänge ein? Das liegt an der wissenschaftlichen Bezeichnung Malus, die zu Wortspielereien verleitet, wonach der Apfel eine schlimme Sache sein könnte. Und schwupp! Schon bin ich bei Malefiz, der bösen Fee bei Dornröschen. Wobei die nur böse ist, aber nichts mit Äpfeln am Hut hat. Oder haben soll. Vielleicht ist es ja auch nur nicht überliefert? Die garstige Stiefmutter von Schneewittchen ist keinen Deut besser. Die ist böse und funktioniert einen Apfel mittels Gift zur Mordwaffe um. Wodurch dieser unfreiwillig ein durch und durch böser Apfel wird. Ein vermaledeiter Malus sozusagen. Da kann er noch so verlockend rote Bäckchen haben.
Angefangen hat das ganze Übel ja schon im Paradies. Adam und Eva hätten lieber die Schlange essen sollen, statt der verbotenen Frucht. Es wäre mehr dran gewesen für zwei Personen und der Spätschaden für nachfolgende Generationen geringer ausgefallen. Statt zu Malus hätten sie auch lieber zu Datura, also Stechapfel, greifen sollen. Dann wäre uns nämlich der ganze Erdenärger erspart geblieben, weil es uns gar nicht gäbe. Ein interessanter, und auch der erste angenehme, Gedanke. Leider sieht die stachelige hochgiftige Frucht der Datura weder wie ein Apfel aus, noch irgendwie verlockend. Ach, es ist ein Jammer!
Warum eigentlich ‚verbotene Frucht‘? Weil es die Frucht vom Baum der Erkenntnis ist? Eher unwahrscheinlich. Zu wirklich sinnvollen Erkenntnissen sind die beiden ja nun wirklich nicht gekommen. Hätte es tatsächlich ‚klick‘ gemacht, wären sie spornstreichs ausgebüxt und hätten sich, ohne die bösen Wünsche, die ihnen mitgegeben wurden, auf der riesengroßen Erde versteckt. Aber bei genauem Hinsehen auch nicht wirklich brauchbar, weil zu dem Zeitpunkt garantiert noch die Dinosaurier durch die Gegend zogen. Und wenn du plötzlich einem T-Rex gegenüber stehst, ist auch Schluss mit lustig. Erstaunlich, wohin Gedankenspiele führen!
Gut, dann testen wir die nächste Variante: Adam und Eva sind also auf die Erde verbannt worden, wo sie nun in Größenordnungen Äpfel essen konnten, die jede Vorstellungskraft sprengen. Das half ihnen aber auch nicht weiter, eben weil man dadurch keine wirklich umwerfenden Erkenntnisse erlangt. Bestenfalls jene, welche die Briten so beschreiben: An appel a day keeps the doctor away. Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern. Dazu muss man ihn aber nicht mal essen. Ein gezielter Wurf mit einer ausreichend großen und harten Frucht reicht. Kann natürlich sein, dass der Doktor dann nie wieder kommt, weil er nahtlos ins Paradies einzieht und sich nun gut vorstellen kann, was der Grund für das Apfel-Verbot ist. Er hat es ja am eigenen Leibe erfahren. Äpfel sind Waffen.
Das hat auch ein Buntspecht herausfinden müssen, der regelmäßig die alten Bäume in unserem Hinterhof nach Insektenlarven abklopft. Nein! Nicht, was ihr denkt! Menschen sind völlig unschuldig, wenn man davon absieht, dass sie die Bäume irgendwann dahin gepflanzt haben. Eines schönen Tages im Oktober, er hatte sich gerade in die ideale Position gebracht und hämmerte fröhlich drauflos, als etwas direkt am Stamm hinab sauste. Es drosch den armen Specht hart zu Boden, worauf er eine Weile reglos mit ausgebreiteten Flügeln liegenblieb. So ganz konnte ich mir ein leichtes Grinsen, trotz der Sorge um das Tier, nicht verkneifen, denn der arme Kerl hatte sich durch sein Gehämmer buchstäblich selbst abgeschossen, indem er einen reifen Apfel zufällig direkt auf die Birne bekam. Er hat es überlebt, da so ein Spechtkopf bestens für harte Schläge ausgerüstet ist. Er kommt auch immer noch zu uns, wobei er den besagten Apfelbaum seitdem auf eine Weise meidet, wie sonst nur der Teufel das Weihwasser. Womit wir wieder einen Bösen ins Spiel gebracht hätten.
Der nächste Apfel, der nichts Gutes hervorbrachte, ist jener, den die Zwietracht mit den Worten versah ‚der Schönsten‘, ehe sie ihn als Zankapfel unter die Götter des Olymps warf, worauf sich Aphrodite, Athene und Hera um diesen rangelten. Dass sich Aphrodite, die Göttin der Liebe, sofort angesprochen fühlte, und sie die Frucht um jeden Preis haben wollte, ist nachvollziehbar. Auch bei Menschen arbeitet in besonders hübschen Köpfchen selten ein wirklich pfiffiges Gehirn. Athene wiederum gilt als Göttin der Weisheit. Welcher Teufel hat sie geritten, ausgerechnet in dem Augenblick das Gehirn abzuschalten? Weil es auf einer Feier passierte, könnte sie einen über den Durst getrunken haben, denn weise war es bestimmt nicht, hier Ansprüche geltend zu machen. Innere Schönheit bemerkt nicht jeder. Bei Hera wundert es mich nicht, die ist für ständiges Stänkern und schräge Aktionen bekannt. Herakles kann ganze Arien davon singen. Hera hätte den Apfel auch bei einem Aussehen wie Medusa haben wollen.
Und dann beauftragen sie ausgerechnet einen jungen Mann, das Urteil zu fällen, wer die Schönste ist! Da findet das Denken doch auch reichlich oft nicht im Kopf statt! Fakt ist: Dem Kerl ist genau das auch passiert und der Apfel wurde zum Grund für den Trojanischen Krieg. Zuerst, indem Paris die Frucht Aphrodite zusprach. Und dann, indem er Helena entführte. Mit ein bisschen Grips hätte ihm klar sein müssen, dass der Gatte zu den Waffen greift. Und ganz bestimmt zu härteren, als Äpfeln, um damit zu werfen.
Weil wir gerade bei Herakles waren ... Wegen einer Handvoll Äpfel musste er die übelsten Abenteuer bestehen und wurde sogar zum Lügner. (Okay, okay, sie waren golden und konnten Unsterblichkeit verleihen.) Erst lässt er den Riesen Atlas die ganze Drecksarbeit machen, also Ladon, den Wächterdrachen, töten und die Äpfel pflücken. Dann verarscht er ihn auch noch, damit der das Himmelsgewölbe wieder von seinen, Herakles’, Schultern nimmt, das er ihm für diese Zeit aufgebürdet hatte. Atlas haben die Äpfel jedenfalls nichts Gutes gebracht, Herakles wenigstens geholfen, seine elfte Aufgabe zu erfüllen.
Der Einzige, der wegen genau dieser Äpfel, richtig profitierte, war Prometheus. Den hatte Herakles auf seiner Suche nach den Bäumen der Hesperiden im Kaukasus von einem Felsen befreit, an den er gekettet worden war. Was wird nun wohl der Adler fressen, der sich bis dahin Tag für Tag an Prometheus’ Leber labte? Äpfel?
Vielleicht ja Bratäpfel, weil Prometheus das Feuer zu den Menschen gebracht hatte, weshalb er zur Strafe, im Auftrag von Zeus, an den Felsen geschmiedet worden war.
Ja, so ein richtiger Bratapfel, gefüllt mit Rumrosinen und Honig hat was. Auch ohne Rum schmeckt er fantastisch, wenn Nelken und Zimt das richtige Aroma geben. Ob in der Backröhre oder im Stövchen, sogar der Duft ist köstlich.
Jetzt haben wir auch endlich die richtig guten Eigenschaften des Apfels gefunden!
Apfelkuchen, Apfelplätzchen, getrocknete Apfelringe, Apfelmus ... ach ich kriege mich gerade gar nicht wieder ein. Eine leckere Frucht, die man in unzähligen Varianten verspeisen oder haltbar machen kann. Apfelsaft, Obstbrand, Apfelwein ... ich merke schon, dass die Begeisterung noch steigerungsfähig ist. Kandiert oder mit Schokolade überzogen, der Renner auf jedem Weihnachtsmarkt. Gut gelagert eben auch noch im Winter verfügbar. Abgesehen vom übrigen Obst der neumodischen Zeit, wo es jede Frucht zu jeder Zeit gibt, und sich kaum noch einer Gedanken darüber macht, dass das eigentlich unnatürlich, weil nicht regional ist. Umso erstaunlicher, dass viele Käufer wieder genau nachschauen, was auf den Verpackungen oder Schildern steht. Wozu muss man auch eine überteuerte Marke kaufen, wo das Geld nie wirklich bei den Obstbauern ankommt. Wer die Autobahn nach Italien kennt, weiß, wovon ich rede. Eine Marke ist übrigens auch keine Sorte. Und wie bei Klamotten bezahlt man für den Markennamen kräftig drauf.
Bleiben wir lieber bei angenehmen Gedanken und in der Region. Wir Sachsen sind drittgrößter Apfelproduzent in Deutschland und haben fast 90 Sorten im Programm. In heimischen Obstgärten wachsen noch viel mehr Arten und darunter sind zum Teil echte Raritäten. Pomologen finden immer wieder ungeahnte Schätze, die seit Jahrzehnten als verschollen galten. Es gibt Apfeltage, den Apfel des Jahres, Sonderausstellungen zum Thema ‚Apfel‘, Streuobstwiesen. Warum also in die Ferne schweifen?
Wir Sachsen veräppeln auch gern mal andere. Wobei sich hier die Gelehrten noch über den Ursprung streiten. Womöglich kommt es ja wirklich daher, weil man einst Leute mit faulen Äpfeln bewarf. Egal. Für uns bedeutet es, andere zu veralbern.
Kein Scherz ist, wie wundervoll ein Apfelbaum in voller Blüte aussieht. Gartenbesitzer wissen, wie filigran und fast porzellanartig die Blütenblätter ganz aus der Nähe anmuten. Mitunter ist ein Hauch rosa mit im Spiel, das die meist weiße Blüte noch zerbrechlicher wirken lässt. Dabei halten sie ganz schön was aus! Bienen fliegen im Akkord, um Pollen zu sammeln und so die Gewächse zu bestäuben, auf dass es eine reiche Ernte gebe. Dicke Hummeln lassen sich nieder, um geschäftig den Bienen nachzueifern. Wobei eigentlich Hummeln am Morgen die ersten Gäste sind. Sie sind in der Lage, sich selbsttätig aufzuwärmen und schon zu fliegen, wenn es für die Bienen noch viel zu kalt ist. Auch pollenfressende Käfer finden sich ein. Der Tisch ist reich gedeckt. Fünf Prozent bestäubter Blüten, so heißt es, reichen beim Apfelbaum für eine Vollernte.
Bei mehr würde er vermutlich auch unter der Last seiner eigenen Früchte zusammenbrechen. Nicht selten werden in Gärten die Äste gestützt, damit sie nicht brechen. Für Plantagen nicht tauglich, und so werden dort die Bäume auch regelmäßig geschnitten, um vollen Ertrag und effiziente Arbeit bei der Ernte zu haben. Dank dem Besprühen der Blüten mit Wasser bei plötzlichen Minustemperaturen, um Frostschäden zu minimieren, ist auch immer regionaler Nachschub in den Läden gewährleistet.
Ein dreifaches Hoch auf den Apfel, der seit Adams Zeiten nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken ist!
War’s der Adam, der den Apfel pflückte, nach dem sich dann die Eva bückte?
Oder warf die Schlange ihn hinab, auf der Menschheit erstes Grab?
War’s mit dem Paradies jetzt gar vorbei? Nein, Äpfel gab’s – kein Einerlei.
Als Kompott und Apfelmus, für immer ein besonderer Genuss.
Auch roh schmecken Äpfel wunderbar, selbst Kerne sind keine groß’ Gefahr,
wenn man sie schluckt und gar nicht kaut, behalten sie problemlos ihre gift’ge Haut.
Ich wurde schon als Kind belehrt:
Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd!
Heißt, dass der Eltern Eigenheiten
Den Sprösslingen erhalten bleiben.
Doch auch als Obst ist er nicht ohne.
Viel besser noch als die Zitrone.
Wird täglich man ’nen Apfel essen,
Kann man den Weg zum Arzt vergessen.
So lautet eine Volksweisheit,
Doch sollte man zu keiner Zeit
Den Spruch für bare Münze nehmen –
Er ist kein Allheilmittel eben!
Nichtsdestotrotz sind Äpfel cool
Und sorgen für ’nen weichen Stuhl.
Zumindest ist das sehr wahrscheinlich.
Für mich ist wichtig nur: Es reimt sich!
Der Apfel wird schon lang verehrt.
Jeder Berufsstand schätzt ihn wert.
Kein Bäcker kommt ohne ihn aus;
Macht Kuchen, Taschen, Strudel draus.
Auch die Getränkeindustrie
