Ein Glück - Thomas Mann - E-Book

Ein Glück E-Book

Thomas Mann

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Beschreibung

Thomas Manns Studie "Ein Glück" führt den Leser in die Welt eines Garnisonsstädtchens, wo Offiziere mit derben Späßen und selbstherrlichem Auftreten das gesellschaftliche Leben prägen. Im Mittelpunkt steht die stille Baronin Anna, die ihrem Mann Harry trotz seiner Grobheit und Untreue ergeben bleibt. Bei einem ausgelassenen Kasinofest wird sie von ihm öffentlich gedemütigt, während er mit der Sängerin Emmy flirtet und sie sogar mit seinem Ehering schmückt. Doch gerade Emmy, die zunächst als ordinär erscheint, zeigt am Ende Mitgefühl und schenkt Anna einen Moment von Nähe und Trost. Dieser flüchtige Augenblick wird für Anna zum "Glück", das ihr die Härte der Demütigung für einen Moment vergessen lässt. Mann verbindet psychologische Feinzeichnung mit scharfer Gesellschaftskritik und entwirft eine eindringliche Erzählung über Liebe, Erniedrigung und die tröstende Kraft menschlicher Solidarität.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 20

Veröffentlichungsjahr: 2026

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EIN GLÜCK

STUDIE

THOMAS MANN

INHALT

Ein Glück

Still! Wir wollen in eine Seele schauen. Im Fluge gleichsam, im Vorüberstreichen und nur ein paar Seiten lang, denn wir sind gewaltig beschäftigt. Wir kommen aus Florenz, aus alter Zeit; dort handelt es sich um letzte und schwierige Angelegenheiten. Und sind sie bezwungen, – wohin? Zu Hofe vielleicht, in ein Königsschloß, – wer weiß? Seltsame, matt schimmernde Dinge sind im Begriffe sich zurechtzuschieben … Anna, arme kleine Baronin Anna, wir haben nicht lange Zeit für dich! – – –

Dreitakt und Gläserklang, – Tumult, Dunst, Summen und Tanzschritt: man kennt uns, man kennt unsere kleine Schwäche. Ist es, weil dort der Schmerz die tiefsten, sehnsüchtigsten Augen bekommt, daß wir heimlich so gern an Orten verweilen, wo das Leben seine simplen Feste feiert?

»Avantageur!« rief Baron Harry, der Rittmeister, durch den ganzen Saal, indem er zu tanzen aufhörte. Er hielt noch mit dem rechten Arm seine Dame umschlungen und stemmte die linke Hand in die Hüfte. »Das ist kein Walzer sondern ein Trauergeläute, Mensch! Sie haben ja keinen Takt im Leibe; sie schwimmen und schweben bloß immer so. Leutnant von Gelbsattel soll wieder spielen, damit man doch einen Rhythmus hat. Treten sie ab, Avantageur! Tanzen sie, wenn sie das besser können!«

Und der Avantageur stand auf, schlug die Sporen zusammen und räumte schweigend das Podium dem Leutnant von Gelbsattel, der alsbald mit seinen großen und weißen, weit gespreizten Händen das klirrende und surrende Fortepiano zu schlagen begann.

Baron Harry nämlich hatte Takt im Leibe, Walzer- und Marschtakt, Frohmut und Stolz, Glück, Rhythmus und Siegersinn. Die gelb verschnürte Husarenjacke stand prächtig zu seinem jungen, erhitzten Gesicht, das nicht einen Zug von Sorge und Nachdenken zeigte. Es war rötlich verbrannt, wie bei blonden Leuten, obgleich Haupthaar und Schnurrbart braun erschienen, und das war eine Pikanterie für die Damen. Die rote Narbe über der rechten Braue gab seiner offenen Miene einen wildkecken Ausdruck. Man wußte nicht, ob sie Waffenhieb oder Sturz vom Pferde bedeute, – auf jeden Fall etwas Herrliches. Er tanzte wie ein Gott.