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Für seinen Jugendtraum muss man kämpfen! Das denkt sich Lina, die erfolglos ein Casting nach dem anderen absolviert, um endlich Schauspielerin zu werden. Statt Karriere zu machen jobbt sie in einer Bäckerei und gibt sich aussichtslosen Affären hin, die ihr nicht guttun. Denn Lina hütet ein dunkles Geheimnis.
Auch der attraktive Draufgänger Mike steht vor einem Neuanfang. Nach einem schweren Motorradunfall und der Trennung von seiner Freundin ist er auf der Suche nach einer neuen Bleibe – und zieht in die Wohnung neben Lina.
Ein äußerst kurioser Zwischenfall wird beide bald verbinden. Als sich dann für Lina die einmalige Gelegenheit ergibt, in Babelsberg für die weibliche Hauptrolle in „Der Zauberer von Oz“ vorsprechen zu können, schlägt das Schicksal mehrmals zu und ausgerechnet Mike der für das Showbusiness nicht sehr viel übrig hat, scheint ihre einzige Rettung zu sein. Und wie sagt man so schön: Gegensätzen ziehen sich an. Doch wird das auch für die Beiden gelten? Und wird Mike je die Wahrheit über Lina erfahren?
Ein Herzschlag voller Träume - eine humorvolle Liebesgeschichte mit Herz und Charme.
Der Roman ist eine Neuauflage und erschien ursprünglich unter dem Titel Rendezvous in Babelsberg und Ein Herzschlag voller Träume sowie A Heartbeat of Dreams.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
T. D. Schillerhof
T. D. Schillerhof wurde in Bonn geboren und hat Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Während des Studiums hat er angefangen, sich mit Leidenschaft in die Schreibarbeit zu stürzen. Zurzeit lebt er mit seiner Familie in der documenta-Stadt Kassel.
In seinen Romanen strebt er danach, sowohl die Leichtigkeit als auch die Tiefe der Liebe mit Gefühl, Charme und Witz einzufangen. Mit dabei schwingt stets der große Einfluss von Kunst, Musik und Popkultur, der die Geschichten unverwechselbar und vielschichtig macht.
Buchbeschreibung:
Lina ist ganz begeistert von dem attraktiven Draufgänger Mike, der in die Wohnung nebenan eingezogen ist. Vor kurzem erst hat er sich von seiner Freundin Kristin getrennt und fühlt sich anscheinend ebenso von Lina angezogen wie sie von ihm.
Es könnte alles so wunderbar sein. Doch Lina verbirgt unter ihrer quirligen und humorvollen Fassade ein dunkles Geheimnis, das schon sehr bald droht, ans Licht zu kommen.
»Ein Herzschlag voller Träume« – ein Liebesroman, der zum Träumen einlädt. Eine Geschichte, die das Herz höher schlagen lässt und das Gefühl gibt, nach den Sternen zu greifen.
Beide Romane der Herzschlag-Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.
T. D. Schillerhof
Roman
September 2022 © 2022 Empire-Verlag
Empire-Verlag OG, Lofer 416, 5090 Lofer
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit
Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Redaktion: Birgit Westreicher
Covergestaltung: Chris Gilcher für Buchcoverdesign.de https://buchcoverdesign.de
Coverabbildungen: Adobe Stock ID 367510734, Adobe Stock ID 111938461, Adobe Stock ID 74737687, Adobe Stock ID 9134675 und freepik.com
Für all die Verrückten,
die ihren Träumen nacheifern.
Erster Teil:
Vorspiel
»Hätten wir einen Schritt zu viel gewagt und hinter die Fassade geblickt, wäre die Illusion zerstört worden. Stattdessen bevorzugten wir die Täuschung, solange es ging.«
1.
Ihr Herz klopfte in gespannter Erwartung. Der Fremde nahm ihre Hand und führte sie auf die Dachterrasse seiner Penthousewohnung, um ihr den imposanten Panoramablick auf die Stadt zu zeigen. Als Lina Kaspari sich mit einem Glas Sekt über die Brüstung lehnte und den Wind auf ihren Wangen spürte, kam ihr für den Bruchteil einer Sekunde der Gedanke, sich einfach hinunterfallen zu lassen. Sie rückte aber sofort wieder von diesem Gedanken ab und lächelte den Fremden stattdessen an.
Kurze Zeit später lag ihre Kleidung überall verstreut auf dem Schlafzimmerboden. Der Fremde wollte etwas sagen, doch Lina legte ihre Finger auf seinen Mund und hauchte »Nicht mehr reden« in sein Ohr. Im Anschluss kippte sie den Rest ihres Sekts hinunter und schlang ihre Arme um ihn. Dann drückte sie ihre Lippen auf seine und ließ ihre alkoholbenetzte Zunge in den Mund des Fremden gleiten.
Als sie sich wieder von ihm löste, sah sie ihm tief in die Augen und flüsterte: Nimm mich, wie du mich haben willst. Zeig mir, was du drauf hast.« Sie konnte sehen, wie sich die Pupillen des Fremden weiteten. Er wollte sie. Er wollte sie jetzt.
Mit einem verführerischen Lächeln führte sie ihn ins Schlafzimmer. Auf dem Bett drehte sie sich von ihm weg, ging auf die Knie und strecke dem Mann ihren nackten Hintern entgegen. Sogleich schmiegte der Fremde sich an sie. Mit seinen Fingerspitzen strich er ihren Rücken entlang. Ein Schauer der Begierde breitete sich in ihr aus.
Das ersehnte Gefühl durchströmte sie, als sein hartes Glied sich den Weg in ihren aufgeheizten Körper bahnte. Sie schloss die Augen und ihr entfuhr ein tiefes, befreiendes Stöhnen.
Als der Fremde vollends in sie eingetaucht war, hielt er für einen kurzen Moment inne. Die Spannung war kaum zu ertragen. Dann fing er endlich damit an, in rhythmischen Bewegungen vor- und zurückzugleiten.
Es fühlte sich fantastisch an, diese Verbindung, diese Begegnung auf intimste Art und Weise, die mit Worten unmöglich zu beschreiben war. Lina passte sich den Bewegungen des Fremden an und wippte auf ihren Knien hin und her. Ihr Atem ging stoßweise. Ihr ganzer Abend war darauf hinausgelaufen, sich vollends gehenlassen zu können. In ihren Augen war Sex nur dann gut, wenn man sich nicht mehr kontrollieren konnte. Und Lina war bereit dafür, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, die Kontrolle zu verlieren.
Von hinten umfasste der Fremde Linas Brüste, spielte mit ihnen, zwirbelte ihre Brustwarzen. Gleichzeitig bedeckte er ihren Hals mit langen, sanften Küssen, leckte mit seiner Zunge über ihre Haut und hauchte »Du machst mich wahnsinnig« in ihr Ohr.
Bald schon wechselte er in ein schnelleres Tempo und drang tiefer in sie hinein. Es machte sie tierisch an, wie sein durchtrainierter Körper immer wieder gegen ihre Pobacken klatschte, die schon nass vor Schweiß waren. Sie wollte mehr, nur mehr.
»Tiefer!«, befahl sie in einem fast schon flehenden Ton. »Nimm mich! O ja, tiefer! Fick mich so hart du kannst!«
Lina wollte fühlen, bis sie nichts mehr fühlen konnte. So kannte sie sich gar nicht. Es erschien ihr, als würde sie einer anderen Person beim Akt zusehen. Der Fremde nahm sie nach dieser Aufforderung mit noch härteren, schnelleren Stößen. Das Bett zitterte unter seiner körperlichen Wucht.
Um seine Stöße abzufedern, krallte Lina ihre Finger am Bettpfosten fest. Es kostete sie zwar viel Kraft, dennoch versuchte sie, sich ganz auf den Moment einzulassen. So konnte sie spüren, wie sich ihre dunklen Gedanken allmählich unter dem Druck seiner Stöße in den Nebel verzogen. Endlich. Keine Kontrolle mehr. Keine Gedanken.
Der Fremde fuhr mit den Händen ihre weichen Pobacken entlang, knetete ihre Haut und schlug mit der flachen Hand auf eine Backe, sodass es laut klatschte. Lina stöhnte auf und ließ es geschehen. Ihr ganzer Körper kribbelte von ihrem Unterleib bis in die Fingerspitzen. Es fühlte sich großartig an.
Wieder klatschte es. Der Fremde hielt sich an ihr fest und erhöhte noch einmal das Tempo. Wenige Augenblicke später konnte sie spüren, wie er heftig in ihr kam, wodurch sie selbst wiederum in Ekstase geriet. »Mach weiter!«, rief sie ihm zu. »Mach weiter!«
Sie wollte es so sehr, dieses finale Hochgefühl, das mit nichts in der Welt vergleichbar war, und es ihr für einige Sekunden erlaubte, sich vollends verlieren zu können. Dieses Gefühl, das all die Schönheit und Vollkommenheit für einen kurzen Moment in sich vereinte. Gleich würde sie über den Punkt hinauskommen und es spüren können. Nur noch ein kleines bisschen länger. Ein kleines bisschen.
Doch dann zog der Fremde ohne Weiteres seinen Penis aus ihrem Körper heraus, ließ sich aufs Bett fallen und machte einen zufriedenen Seufzer. Noch immer auf allen vieren, sah Lina ihn mit einer Mischung aus Verwunderung und Bestürzung an. What the fuck?
»Das … das war der Wahnsinn«, sagte der Fremde. Sein Körper dünstete vor Anstrengung. »Wow. Das war echt mal wieder nötig. Hat’s dir auch gefallen?«
»O ja«, log Lina, noch immer in großer Erwartung an ihren eigenen Höhepunkt. Sie zwang sich zu einem Lächeln, schmiegte sich an den Fremden und küsste ihn sanft auf die Wange. So wollte sie ihm ein unmissverständliches Zeichen geben, sich auch um ihre Bedürfnisse zu kümmern – doch er winkte ab. »Lass mich nur kurz verschnaufen, Babe, ja? Gleich geht’s weiter.«
»Na gut«, sagte Lina und ließ sich neben ihm aufs Kissen sinken. So schnell konnte es manchmal bei den Kerlen gehen. Sobald sie nach ein bisschen Ficki-Ficki ihren Samen verschossen hatten, änderte sich ihr ganzes Wesen. Vorhin, als sie sich in der Bar kennengelernt hatten, hatte er sie noch als Göttin bezeichnet. Und nun war sie offensichtlich zum Schweinchen degradiert worden.
Sie streckte sich aus und bedeckte ihren nackten Körper mit der Bettdecke. Dann schlug sie die Zeit damit tot, die Zimmerdecke zu betrachten, deren Holzpaneele durch die Wirkung des Sekts vor ihren Augen verschwammen. Sie mochte es, wenn die Dinge ein Stück weit entrückt aussahen. Es ließ die Welt schöner und spannender wirken.
Am Fenster spiegelten sich die grellen Scheinwerfer des nächtlichen Autoverkehrs. Für eine Weile hörten die beiden dem monotonen Rauschen der Autos zu.
Schon bald merkte Lina jedoch, wie die alten Gedanken wieder aus ihrem dunklen Versteck herauskrochen, diese hässlichen, schrecklichen Gedanken, die sie am liebsten für immer weggesperrt hätte.
Abrupt stand sie vom Bett auf, fragte nach dem Weg zum Bad und verschwand für eine Weile.
Als sie wieder herauskam, bemerkte sie, dass der Fremde bereits eingedöst war. Also keine zweite Runde heute. Was für eine Enttäuschung.
Am nächsten Morgen war Lina schon sehr früh auf den Beinen. Im hellen Licht des Tages sah alles wieder anders aus – härter, kälter und älter. Nachts fühlte sich Lina wohler. Nachts sah man den Schmutz nicht.
Eilig sammelte sie ihre Klamotten vom Boden auf und zog sie sich über. Leise trat sie ans Bett und beobachtete die ruhigen Atemzüge des Fremden. »Hey«, flüsterte sie. Der Mann rührte sich nicht. »Hey!«, sagte sie nun lauter, aber er schmatzte und schnalzte lediglich mit der Zunge. Für einen kurzen Moment hielt Lina inne, dann stieß sie einmal kräftig mit ihrem Stiefel gegen den Bettpfosten, sodass der Fremde vor Schreck aufwachte. Schlaftrunken und mit zerzausten Haaren richtete er sich im Bett auf und blinzelte sie mit zusammengekniffenen Augen an.
Ohne seinen glänzenden Anzug, dem gedimmten Licht und der lauten Musik im Hintergrund wirkte er nicht mehr so geheimnisvoll und verführerisch wie am Abend zuvor.
»Ich muss jetzt gehen«, sagte Lina.
Der Fremde brauchte einige Augenblicke, um seine Gedanken wieder in geregelte Bahnen zu lenken. »Sagt das nicht für gewöhnlich der Mann?«, fragte er sie mit kratziger Stimme.
Lina lächelte ihn an. »Mag sein, aber ich muss jetzt wirklich los. Hab noch was sehr Wichtiges zu erledigen heute.«
Sie konnte dem Fremden förmlich beim Denken zusehen. »Du hast mir deine Nummer noch nicht gegeben«, sagte er schließlich.
»Weiß ich.«
»Ich könnte dich später ja mal anrufen, wenn du magst.«
»Nicht nötig.«
Der Fremde stutzte. »Okay. Dann morgen vielleicht?«
Lina seufzte und trat näher an ihn heran. »Hör zu, Marvin …«
»Martin«, korrigierte er sie.
»Entschuldige, Martin, natürlich … also die Sache ist die, dass ich im Moment einfach nicht an einer längeren Bekanntschaft interessiert bin.«
»Ah, okay«, sagte Martin. »Nur im Moment oder …?«
»Auch auf Dauer nicht.« Für sie war die Unterhaltung damit beendet. »Wie gesagt, ich muss jetzt gehen. Mein Kater wartet zu Hause auf mich.«
Während Lina im Flur ihren Mantel anzog und ihre Tasche umhing, konnte sie seine Blicke weiterhin vom Schlafzimmer aus spüren. Ohne ihn noch einmal anzusehen, öffnete sie die Wohnungstür. »Du findest sicher jemand anderen für deine Bedürfnisse. Oder um es mit den weisen Worten von Bruce aus Bruce Allmächtig zu sagen: Und so zerbröselt der Keks nun mal.« Dann zog sie lächelnd die Tür hinter sich zu.
2.
Dort, wo Menschen waren, herrschte Bewegung. Was sich bewegte, würde sich auf begrenztem Raum zwangsweise aneinander reiben. Und aus Reibung entstand irgendwann ein Feuer. Und heute loderte dieses Feuer gewaltig.
Mike sah das leere Whiskeyglas, wie es durch den Raum wirbelte, bis es an der Wand aufschlug und in ein Puzzle aus Glas zerbrach. Wie in Zeitlupe verteilten sich die spitzen Scherben über den weichen Teppichboden.
Dann beobachtete er die bebenden Lippen jener Frau, die er einmal seine Freundin genannt hatte, wie sie die entscheidenden Worte durch die Luft wirbeln ließen wie ein alles vernichtendes Flammenmeer, das seine Seele in Brand steckte.
Das war’s also, dachte Mike, als er zurücktaumelte und sich aufs Sofa fallen ließ. Auf einmal hatte er das Gefühl, dass alles um ihn herum zusammenstürzte; Jahre der Liebe, des Miteinanders und des Zusammenhalts kollabierten geräuschlos vor seinem geistigen Auge. Durch ihre gemeinsame Geschichte drang ein tiefer, hässlicher Riss, der zwei Liebende, die sich früher einmal als Einheit verstanden hatten, wieder in zwei alleinstehende Menschen aufspaltete.
Die Frau, die er einmal zu kennen geglaubt hatte und ihm nun vollkommen fremd vorkam, stand mitten im Raum. Sie trug das limettengrüne Kleid, das er ihr einst zum Geburtstag geschenkt hatte. Damals, als sie noch glücklich gewesen war. Jetzt waren ihre Gesichtszüge verhärtet und ihre Augen voller Wut.
Mikes Herz klopfte bis zum Hals, der sich von der vergangenen Stunde ganz rau anfühlte. Unzählige Argumente, Rechtfertigungen und Gründe hatte er in den Raum gebrüllt, bis sich die Atmosphäre im Zimmer in pures Gift verwandelt hatte.
Nun fühlte sich Mikes Körper so benommen, so taub an, dass er ihre Vorwürfe ohne weitere Widerworte einfach auf sich einprasseln ließ. Ihre Vorhaltungen, obwohl laut geschrien, klangen auf einmal so merkwürdig dumpf und verzerrt.
Er hörte noch einzelne Wortfetzen wie »Bindungsangst« und »auseinandergelebt«, konnte sie aber nicht mehr verarbeiten. Für ihn fühlte es sich an, als würde sie jemand anderen meinen. Also wich er ihrem vorwurfsvollen Blick aus und betrachtete die Scherben auf dem Teppich, die das Licht der Deckenlampe hundertfach zu brechen schienen.
Irgendwann wurde es ganz still im Zimmer. Mike konzentrierte sich darauf, möglichst ruhig zu atmen und das Fiepen in seinen Ohren so gut es ging, zu ignorieren.
Mittlerweile saß sie ein Stück weit entfernt am Tisch und hatte ihre Hände wie zum Gebet übereinander gefaltet. An ihren Wangen liefen Tränen hinunter, die in der untergehenden Sonne schimmerten. Mike saß regungslos da und hörte Kristin beim Weinen zu.
Er wusste nicht einmal, wie viel Zeit vergangen war, als er sich dafür entschied, vom Sofa aufzustehen und ins Schlafzimmer zu gehen, um seine Sachen zu packen. Er empfand es als logische Konsequenz dieser »Unterhaltung«, also dachte er nicht weiter darüber nach, sondern führte bloß automatische Handlungen in einer so routinierten Weise aus, als hätte er sie schon lange im Vorfeld akribisch geplant.
Es gab in dieser Wohnung nicht viel, was ihm gehörte und er für wichtig genug hielt, mitzunehmen: seine Klamotten, einen Ordner mit Papieren und ein paar Bücher. Den Rest ignorierte er.
Als Mike an der Türschwelle stand, nahm er seine Lederjacke vom Haken und verharrte für einen Augenblick. Noch immer lag das zerbrochene Glas auf dem Teppichboden. Wohin er auch schaute, sah er nichts als Splitter. Eigentlich hatte er gedacht, das Leben zu kennen, die Liebe durchschaut zu haben. Was für ein Irrtum.
Ohne ein Wort des Abschieds hängte er seinen Wohnungsschlüssel an den Haken und zog die Haustür hinter sich zu, sodass sie hart gegen den Rahmen schlug.
Draußen schnallte er sein Gepäck auf seinem Motorrad, einer schwarzen Kawasaki, fest, zog seinen Helm auf und ließ den Motor laut aufheulen. Dann schwang er sich aufs Bike und brauste in hohem Tempo in Richtung Hauptstraße, in Richtung Sonnenuntergang.
Er wollte nur noch fahren, nichts weiter, keine Gefühle mehr zulassen, nicht mehr nachdenken, nur noch fahren und fliehen, fliehen bis an den Rand der Nacht, allein mit sich und dem harten Asphalt.
Er sah Schilder mit Ortsnamen an sich vorbeiziehen, Straßen, Wege, Häuser, Menschen mit ihren leeren Geschichten, ihren sogenannten Wahrheiten, Weisheiten und Lebenswegen – Lebenslügen. Mike fühlte sich vollkommen stumpf. Gleichgültig. Es war ihm egal, wohin er fuhr. Hauptsache, er fuhr.
Irgendwann wurde es dunkel und Nieselregen fiel herab, der sich schon bald in starken Niederschlag verwandelte und die ganze Stadt in unzählige Spiegel und Reflexionen tauchte. Mike fuhr weiterhin ungerührt und ziellos durch die Gegend, wurde von Laternen und den grellen Scheinwerfern des Gegenverkehrs geblendet. Es war ein endloses Rauschen gesichtsloser, kalter Autos.
Je länger er unterwegs war, desto stärker fühlte er, dass sich irgendwas in ihm löste, als ob die Gegenwart, die er zu kennen glaubte, ein Stück weit gebrochen wurde und Platz ließ für neue Perspektiven. Und so wie der kalte Regen monoton gegen das Visier seines Helmes klatschte, fragte er sich, ob alles je einen Sinn gehabt hatte. Alles erschien mit einem Mal vergänglich, kaputt, genau wie die Straßen unter seinen Rädern, die von unzähligen Schlaglöchern übersät waren. Mike umfasste den Gasgriff fester.
Es dauerte Stunden, bis er aus Treibstoffmangel gezwungen war, an einer Tankstelle Halt zu machen. Während stechender Benzindampf in den Nachthimmel aufstieg, bemerkte Mike zum ersten Mal die Kälte in seinen Knochen und er beschloss kurzerhand, sich irgendwo eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Bevor er sich wieder aufs Bike schwang, kaufte er eine Flasche Whiskey beim Tankwart, fuhr damit an den Stadtrand und parkte sein Bike vor dem erstbesten Hostel, das er finden konnte.
Vollkommen durchnässt und mit seinem Gepäck im Schlepptau ging er an gesichtslosen Menschen vorbei ins Hostel hinein. Ein schwach beleuchtetes Neonschild flackerte über dem Eingang.
»Ein Zimmer bitte«, sagte er an der Rezeption. Der Mann hinter der Theke wollte wissen, wie lange sein neuer Gast vorhatte zu bleiben, doch Mike sagte nur »Keine Ahnung«, füllte irgendein Formular aus und nahm den Zimmerschlüssel an sich. Alles andere interessierte ihn nicht.
Mit schweren Schritten stapfte er über knarzige Dielen eine schmale Treppe hoch, passierte einen Flur mit fleckigem Teppichboden und schloss ein Vierbettzimmer auf, in dem alle Betten frei waren. Sofort zog er seine nassen Klamotten aus und hing sie über die Heizung. Dann löschte er das Licht und ließ sich mit der Whiskeyflasche auf eines der unteren Betten fallen. Die Matratze war dünn und müffelte, doch das störte ihn nicht. Endlich hatte er Ruhe. Endlich war er allein.
Er sah auf sein Smartphone. Keine Anrufe, keine Nachrichten, keine Fragen nach seinem Verbleib. Keine Entschuldigung.
Von irgendwoher waren Geräusche zu hören, gedämpftes Gerede drang durch die Papierwände und irgendwer lachte. Es war ein hämisches, dreckiges Lachen. Das übliche Treiben ging weiter, als wäre alles wie immer.
Mike drehte den Verschluss der Flasche ab, öffnete die Musikplaylist seines Smartphones und spielte den Song »Sunsetz« der Band Cigarettes After Sex. Die Musik begann und vereinte sich mit der Dunkelheit des Zimmers. Mike nahm einen großen Schluck. Das flüssige Gold lief seinen Hals hinunter und zum ersten Mal an diesem Tag breitete sich ein Gefühl von Wärme in seinem Körper aus. Als er ausgestreckt dalag, allein mit sich, der Musik und dem Whiskey, verborgen im Schatten der Nacht, sammelten sich seit sehr langer Zeit Tränen in seinen Augen.
Fuck.
3.
Eine graue Wolkendecke hing am Himmel über der Autolawine, die mit einem monotonen Rauschen über den Asphalt donnerte. Als Lina frühmorgens in den Bus stieg, war er fast noch leer. Vorne saß ein Großmütterchen mit krausen Löckchen, hinten ein Typ mit Kopfhörern im Ohr, aus denen laute Hip-Hop-Musik wummerte, dazwischen ein altes Ehepaar mit bunten Plastiktüten auf dem Boden.
Lina kaufte ein Ticket in die Stadt und schlingerte durch den Gang, als sich der Bus mit einem Kreischen in Bewegung setzte. Die Busfahrerin nahm die nächste Kurve so scharf, dass ein herankommendes Auto zum Bremsen gezwungen wurde und wütend hupte. Lina schaffte es gerade noch rechtzeitig, sich auf einen freien Fensterplatz zu retten.
Jede Haltestelle war voller wartender Menschen. Immer mehr drängten in den Bus. Braun gebrannte und großzügig geschminkte Frauen mit großen Brüsten und billigen Klamotten; unrasierte Gesellen mit fettigen Haaren, die nach Schweiß und Tabak stanken; kreischende Schulkinder mit überdimensionalen Rucksäcken und grellbunten Pokémon-Karten; gelangweilt dreinschauende Jugendliche mit teuren Smartphones, die glaubten, das Geheimnis des Lebens bereits zu kennen. Lina liebte es, die Leute verstohlen zu beobachten. Ihre unterschiedlichen Lebensweisen faszinierten sie.
Ab und zu schweifte ihr Blick aus dem Fenster, doch da gab es nicht viel Aufregendes zu sehen. Vor dem Fenster erschien die Fahrschule »Dalli Dalli«. Ein Obstgeschäft. Ein Nachtklub und eine Spielhalle. Energieeffiziente Wohnhäuser reihten sich an heruntergekommene Absteigen mit kaputten Treppen. Ein riesiges Werbeplakat hing neben einer roten Ampel. Darauf war ein lächelnder Mann zu sehen, der Lina mit einem Glas Weizenbier in der Hand zuprostete. Das Bier erstrahlte in leuchtenden Farben, doch als sie genauer hinschaute, konnte sie erkennen, wie der obere Rand des Plakats langsam abblätterte.
Irgendwann erreichte der Bus das Stadtzentrum, einer ästhetischen wie architektonischen Bankrotterklärung. Wo sich früher noch vermehrt Fachwerkhäuser mit verspieltem Fassadenschmuck in verwinkelten Gassen befunden hatten, ragten nun potthässliche Nachkriegsbauten aus den 50er-Jahren in die Höhe, die einst in Rekordtempo aus dem Boden gestampft worden waren und jetzt aus Gründen des Denkmalschutzes vor dem verdienten Abriss bewahrt wurden.
Eilig stieg Lina aus dem Bus. Zum Glück trug sie ihre Brille mit den gelb getönten Gläsern, die das Elend in ihrer Umgebung etwas sonniger in Szene setzten, getreu dem Motto des Schriftstellers Alexandre Dumas: »Das Leben ist bezaubernd. Man muss es nur durch die richtige Brille sehen.«
Ohne sich also allzu sehr von der Tristesse ihrer Umgebung belästigen zu lassen, steuerte sie gezielt das nahe gelegene Universitätsgelände an, das wie eine große Betonwüste vor ihr lag, vorbei an allerlei bunten Aushängen für Lerngruppen, hippe Partys, Wohnungen im Mini-Format und Möbel aus dritter Hand.
Sie passierte eine graue Betonwand, auf der jemand »Fick die Eliten!« verewigt hatte und trat in ein farbloses Gebäude ein, in dem im Treppenhaus der Asbest von der Decke bröckelte.
Als sie die schwere Glastür zum Wartebereich des Akademischen Prüfungsamtes öffnete, musste sie aufgrund der sich darbietenden Absurdität an sich halten, um nicht laut loszulachen. Obwohl die reguläre Sprechzeit noch nicht einmal begonnen hatte, warteten mindestens 30 Studenten zusammengepfercht in dem kleinen Raum. Da die wenigen Klappstühle belegt waren, begnügten sich die restlichen von ihnen damit, an der Wand angelehnt herumzustehen oder auf dem dreckigen Boden auszuharren.
Lina seufzte, ging zum Anmeldeautomaten, drückte auf den grünen Knopf und riss einen kleinen rosa Zettel mit der Nummer 635 ab. Damit gesellte sie sich zu den anderen auf den Boden und vertrieb sich die Zeit damit, die Leute in ihrer Umgebung aus den Augenwinkeln zu betrachten. Die Studenten saßen da wie benommen, als hätte jemand ihre Lebenskraft ausgesaugt, gähnend und mit winzigen Augen. Die meisten nahmen die Warterei stumm hin, starrten in ihre Wasserflaschen, wischten sich auf blinkenden Smartphones die Finger wund, kauten an ihren Fingernägeln. Einige wirkten verwirrt und verloren in diesem kafkaesken Büro-Komplex, dazu verdammt, immer wieder nach oben auf die große elektronische Anzeigetafel an der Wand zu gucken, auf der die gezogenen Nummern der Reihe nach aufleuchteten.
Das ist es, was diese Leute hier in dir sehen, dachte Lina, eine rot aufblinkende Nummer auf einer schwarzen Tafel.
Schon bald war das Ausgabenlimit des Automaten erreicht, der nur noch aufblinkte und ansonsten nicht mehr reagierte. Es wirkte, als hätte selbst die Maschine kapituliert.
Die elende Warterei machte sie ganz mürbe. Aktuell zeigte die Anzeigetafel die 614 an. Irgendwann sprang die Nummer auf 615, dann auf 616. Manchmal gingen die Nummern zügig weiter, manchmal stagnierte die Tafel mindestens 10 Minuten lang bei einer Nummer. Schon bald wurde die Atmosphäre so trist, dass Lina sich damit begnügte, die Fusseln auf dem Boden zu beobachten.
Die Uhr tickte. Wurde die eigene Nummer nicht während der offiziellen Sprechzeit aufgerufen, wurde man wieder weggeschickt, nur um am nächsten Tag wiederzukommen, erneut ein Zettelchen zu ziehen und zu warten und der ganze Wahnsinn somit von Neuem begann.
Nach rund zwei Stunden Wartezeit zeigte das Display endlich die ersehnte 635 an. Als ob sie aus einem tiefen Schlaf geweckt worden wäre, sprang Lina von ihrem Stuhl auf. Sie lief einen langen Korridor entlang, in dem ein paar uninspirierte Landschaftsbilder hingen, bis sie eine große, braune Tür erreichte. Lina atmete tief durch und klopfte dreimal an. Niemand antwortete. Lina klopfte noch einmal und hörte dann ein leises »Herein«. Vorsichtig trat sie ein.
Eine Frau mittleren Alters saß hinter einem großen Schreibtisch, der von dicken Aktenordnern flankiert wurde, und tippte irgendetwas in ihren Computer. Sie hatte eine Dauerwelle, rosige Bäckchen und trug eine dicke Brille auf der Nase. Auf der sauber polierten Tischplatte stand ein kleines Metallschild mit der Aufschrift »Beate Bachmann«.
Ohne weitere Aufforderung setzte sich Lina auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch und wartete auf eine Reaktion von Frau Bachmann, die aber noch auf sich warten ließ. In dem Raum roch es nach kalter Bürokratie, ein Duft, den Lina hasste wie die Pest. Sie konnte förmlich fühlen, wie hier drinnen jeglicher Fantasie und Kreativität ein schneller und lautloser Tod ereilte.
»Was kann ich für Sie tun?«, fragte die Dauerwelle mit leicht genervter Stimme und sah Lina zum ersten Mal an.
Lina hielt ihrem Blick stand. Sie hatte das nun folgende Gespräch lange in ihrem Kopf geübt. Showtime. »Ich bin hier, um einen Antrag auf Exmatrikulation zu stellen«, sagte sie mit entschlossener Stimme. Das war’s. Endlich war es raus. Kurz und schmerzlos. Sofort spürte sie, wie sich ein tonnenschwerer Brocken von ihren Schultern löste.
»So ist das«, erwiderte Frau Bachmann, ließ eine Augenbraue in die Höhe schnellen und rutschte auf ihrem Drehstuhl herum. »Sagen Sie mir mal bitte Ihre Matrikelnummer.«
Lina zählte die Zahlen auf, die sie als Studentin identifizierten, und beobachtete Frau Bachmann dabei, wie sie währenddessen mit ihren Fingern auf der Tastatur herumtippte.
»Hier steht, dass Sie bereits ein Semester Pause beantragt haben, das Ihnen dann auch genehmigt wurde. Und nun wollen Sie die Universität ganz verlassen?«
»Genau so ist es«, bestätigte Lina nicht ohne Stolz.
Frau Bachmann lehnte sich vor und faltete ihre Hände zusammen. Sie sah aus, als wolle sie mit Lina gemeinsam für ihre Zukunft beten. »Wissen Sie, was ich den Studenten und Studentinnen immer sage, wenn sie bei mir mit dem Anliegen aufkreuzen, sich von der Universität abzumelden?«
»Was denn?«
»Dass Sie sich das hoffentlich gut überlegt haben. Sie sind ja nicht die Erste, die die Universität verlassen möchte. Fast jede Woche sitzt auf Ihrem Stuhl jemand, der das gleiche Anliegen hat wie Sie. Ich höre allerdings auch, dass manche ihre Entscheidung später bereuen. ,Hätte ich doch nur mal durchgehalten‹, sagen sie dann. ,Oder vielleicht andere Kurse besucht, um die Gedanken neu zu justieren‹. Darum schlage ich Ihnen Folgendes vor: Schlafen Sie doch noch mal eine Nacht darüber. Wenn Sie morgen immer noch so denken, dann können Sie den Antrag ja immer noch ausfüllen. Sie müssen sich dafür nicht mal ins Wartezimmer setzen. Sie können mir den ausgefüllten Antrag auch gleich vor der Tür in den Briefkasten werfen. Wie klingt das für Sie?«
»Nach einem Irrtum«, sagte Lina. »Ich brauche keine Nacht darüber zu schlafen. Ich habe lange genug geschlafen.«
Frau Bachmann seufzte. Doch noch wollte sie Lina nicht so einfach gehen lassen. Vielleicht bangte sie auch nur um den zukünftigen Ausfall von Linas Semesterbeitrag. »Darf ich denn nach dem Grund für Ihre Entscheidung fragen?«
»Nach dem Grund?« Lina überlegte kurz. Einen Grund wollte die Dame wissen, dabei gab es doch so viele. Also fing sie einfach mit dem offensichtlichsten an: »Kennen Sie Frau Professor Welsch?«
»Frau Professor Welsch?«, wunderte sich Frau Bachmann. »Ja, wenn auch nicht persönlich.«
»Dann wissen Sie vielleicht nicht, dass die Studenten zu richtigen Künstlern in der Vorlesung von Frau Professor Welsch werden.«
»Wie meinen Sie das?«
»Na ja, wissen Sie, nicht jeder Mensch ist zum Professor geboren. Bei manchen sind die Vorlesungen zäh wie Gummi. Um also nicht vor Langeweile zu sterben, malen die Studenten zum Zeitvertreib Bilder von lustigen Comicfiguren und von Regenbögen mit hübschen Blumenwiesen auf ihre Schreibzettel. Manche wiederum ritzen lieber die Namen ihrer Lieblingsbands in die Tische. Einmal hat ein Student während der Vorlesung sogar Gedichte verfasst.«
»Aha.« Frau Bachmann klang nicht beeindruckt.
»Was ich damit sagen will – vielleicht sieht ja genau so Zeitverschwendung aus.«
»Für Sie vielleicht. Sie können ja nur für sich sprechen, nicht wahr?«
»Logisch. Wenn Sie noch einen Grund von mir brauchen – ich habe zu Beginn meines Studiums vor drei Jahren in all meiner Naivität angenommen, dass ein Studium der Wirtschaftswissenschaften ein hohes Maß an kritischer Denkleistung und Eigenverantwortung voraussetzt. Stattdessen ist es wie in der Schule: aussitzen, aushalten, auswendig lernen. Es geht nur darum, den vorgekauten Modulkatalog abzuarbeiten, um Leistungspunkte zu sammeln. Aber wenn’s nur das wäre. Seit ich hier studiere, befinde ich mich quasi im Papierkrieg.«
»Im Papierkrieg?«
»Ich nenne es Papierkrieg, weil jedes Semester mit neuen Änderungen und Experimenten in der Prüfungsordnung aufwartet. Mittlerweile hat es vollkommen absurde, fast schon groteske Züge angenommen – und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da. Die meisten Dozenten blicken nicht einmal mehr selbst durch, nehmen sich aber auch nicht die Zeit, die Formalitäten für ihr eigenes Fach in Erfahrung zu bringen. Was tun sie also? Sie wenden sich an die Studenten, schicken sie vom Sekretariat hierhin ins Prüfungsamt und wieder zurück. Und dieser Botengang muss natürlich immer persönlich ablaufen, denn E-Mail-Verkehr oder Telefonanrufe laufen zwangsläufig ins Leere.«
»Ich denke, ich bin nun im Bilde«, sagte Frau Bachmann und reichte Lina das gewünschte Formular über den Tisch. »Einfach ausfüllen, ich kann Ihren Antrag dann gleich bearbeiten.«
Lina nahm den Kugelschreiber, der an einer kleinen Metallschnur hing, und füllte das Formular wie gewünscht aus.
»Haben Sie schon eine Idee, was Sie jetzt machen möchten?«, wollte Frau Bachmann noch wissen.
»Ja, die habe ich«, sagte Lina. »Ich möchte als Schauspielerin in Erscheinung treten.« Erleichtert atmete sie aus und fühlte sich ganz stolz. Zum ersten Mal hatte sie die Worte laut ausgesprochen.
Frau Bachmann betrachtete sie mit einem Blick, als hätte sie ihr gerade erklärt, in eine Rakete steigen und zum Mars fliegen zu wollen.
»Ich weiß, was Sie jetzt denken«, sagte Lina mit einem Lächeln. »Aber ich muss es versuchen. ,Wer nicht wagt, der nicht gewinnt‹, heißt es doch so schön. Und wenn alle Stricke reißen, kann ich ja noch immer als Heilpraktikerin anfangen.«
»Na ja«, seufzte Frau Bachmann, »egal, was sie später mal machen, ob hier oder dort, ob im Studium oder im Job, Sie müssen überall fleißig sein. 100 Prozent Leistung bringen.«
»50 Prozent müssen reichen«, antwortete Lina.
4.
Als der Handywecker Mike aus dem Schlaf riss, fühlte sich sein Kopf wie ein Matschhaufen an. Sein ganzer Mund schmeckte nach schalem Whiskey, der aus sämtlichen seiner Poren zu dünsten schien. Verwirrt kratzte sich Mike am Kinn. Er musste sich erst einen Moment sammeln, um sich daran zu erinnern, wer und wo er war. Um ihn herum waren Geräusche zu hören. Schritte. Das Knarzen von Türen. Ein Kratzen in den Wänden, vielleicht von Mäusen oder anderen Nagetieren verursacht.
Doch da gab es auch ein Geräusch, das näher war als die anderen. Es schien direkt aus dem Zimmer zu kommen.
Als Mike es schaffte, seine Augen einen Spalt weit zu öffnen, sah er zu seiner Irritation einen großen, verwaschenen Umriss, der sich unmittelbar vor seinem Gesicht bewegte.
Erst als ein paar Momente vergangen waren, bekam er mehr Konturen. Schließlich konnte Mike einen Menschen mit Biber-Gesicht erkennen, der ein hässliches Karohemd trug und direkt auf einem Stuhl vor seinem Bett saß und ihn mit kleinen, irren Augen anstarrte.
»Guten Morgen«, grüßte das Biber-Gesicht.
»Morgen«, murmelte Mike durch seine trockenen Lippen und richtete sich so weit im Bett auf, dass er sich beinahe den Kopf gestoßen hätte. Er sammelte alle Kraft, um irgendwie einen logischen Satz zu formen. »Wusste nicht, dass noch jemand hier im Zimmer ist.«
»Haha«, lachte der Biber, als ob Mike einen tollen Witz gerissen hätte. Das Gelächter versetzte Mikes Kopf in Schwingungen. »Ich bin erst mitten in der Nacht gekommen, als Sie schon geschlafen haben. Bin noch lange auf Tour im Park gewesen. Ich bin Ornithologe, wissen Sie. Da muss man auch manchmal nachts Ausschau halten.«
»Aha.« Es waren zu viele Informationen für 06:42 Uhr.
»Es gibt Vögel, die sind ausschließlich nachtaktiv. Zum Beispiel gehen Eulen in der Regel nur in der Dunkelheit auf Mäusejagd.«
»Aha.« Allein das Wort Mäusejagd am frühen Morgen drehte ihm den Magen um.
Der Bibermann grinste. »Und wissen Sie, was lustig ist?«
Mike wollte es nicht wissen. »Was denn?«
»Sie haben eben so schön geschlafen. Und mit Verlaub, das Geräusch Ihres Schnarchens hat mich an den Paarungsruf eines willigen Kauzes erinnert. Haha!«
Mike zeigte ein gequältes Lächeln. Am liebsten hätte er sich die angebrochene Flasche Whiskey geschnappt und dem Biber-Ornithologen in den Rachen gestopft. Er hatte gerade keinen Nerv für blöde Witzchen.
Also beschloss Mike, schnell aufzustehen und nicht mehr mit dem verrückten Bibermann zu sprechen. Man sollte die Trolle nicht füttern.
Außerdem musste er sich sputen, zur Arbeit zu kommen. Der Weg vom Hostel zur Firma war nun doch ein ganzes Stück länger als sonst.
Durch das Zimmer taumelnd und unter Beobachtung des Bibermannes, schnappte er sich seinen Kulturbeutel und schlurfte damit nach draußen ins Gemeinschaftsbad. Er stellte die Dusche an und wartete auf Warmwasser, doch mehr als eine kühle, trübe Brühe kam nicht aus der Leitung.
Als Mike wieder ins Zimmer kam, ließ ihn ein kalter Windzug erschaudern. Das Fenster war weit aufgerissen. Der Bibermann saß noch immer auf seinem Stuhl und berauschte sich förmlich an der kalten Luft.
»Sorry«, sagte der Biber, als er Mike sah, »aber hier hat es gerochen wie in einer Spelunke.«
Mike knurrte ein »Schon gut«, packte sein Zeug zusammen und machte sich auf die Socken. Ohne ein Wort des Abschieds ging er die Treppe hinunter und sagte kurz an der Rezeption Bescheid, dass er noch ein paar Tage bleiben würde. Falls der Bibermann ebenfalls blieb, müsste er allerdings sein Zimmer wechseln.
Danach ging Mike nach draußen und setzte seine Sonnenbrille auf, um das erste Licht des Tages von seinen geröteten Augen abzuschirmen. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen, nur der Asphalt war von der vergangenen Nacht noch immer leicht nass. Müde und benommen schnallte Mike seinen Helm fest, schwang sich aufs Bike und donnerte davon.
Schon bald steckte er im morgendlichen Berufsverkehr fest. Vor den roten Ampeln bildeten sich lange Schlangen und die Grünphasen währten nur kurz. Genervte Autofahrer kämpften Stoßstange an Stoßstange um den geringsten Platz, hupten und schrien sich an wie gegnerische Fans bei einem Fußball-Derby. Mike tat es ihnen gleich und fluchte in seinen Helm, so dass das Visier beschlug. Diese Route war noch übler als der Weg, den er sonst zur Arbeit nehmen musste.
Nach etwa zehn Minuten des Stillstands verlor er vollends die Geduld. Um schneller voranzukommen, wich er von der rechten Spur ab, quetschte sich mit seinem Bike durch die Mittelgasse zwischen den Reihen und streifte dabei mehrere Rückspiegel. Hinter ihm hupten einige, doch Mike war das egal.
So erreichte er zügig die nächste Kreuzung und verließ auf direktem Wege die Hauptstraße, um auf eine weniger befahrene Route auszuweichen. Dieser Umweg würde ihn ein gutes Stück Zeit kosten, sodass er sich beeilen musste, um noch pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Er drückte aufs Gas und jagte mit 70 Sachen durch eine Unterführung, beschleunigte in einer Geraden auf 80, überholte zwei Autos samt Traktor und erwischte drei grüne Ampeln hintereinander. Das stimmte ihn optimistisch, doch noch gut durchzukommen.
Die Straße vor ihm war völlig frei. Er gab ordentlich Gummi und rauschte durch die Gegend, nur um kurz darauf das Tempo wieder zu drosseln, da er wusste, dass ihn am Ende der Straße eine langgezogene Rechtskurve erwarten würde. Doch durch den nassen Asphalt fiel der Bremsweg deutlich länger aus, sodass die Reifen des Motorrads empfindlich an Grip einbüßten und für einen kurzen Moment ins Schlingern gerieten. Es war genau dieser Moment, in dem Mike sich ein Stück weit zu schräg in die Kurve lehnte.
Als er wieder zu sich kam, lag er längs neben der Straße auf einer nassen Wiese. Seine Brust und sein Bauch fühlten sich so an, als würde ein Feuer darin lodern. Sein rechter Arm war ganz taub, was Mike zwar bemerkte, jedoch auf irgendeine Weise nicht wahrhaben wollte. Verwirrt versuchte er, seine von Schweiß und Dreck verklebten Augen zu fokussieren, um sein Motorrad zu finden, denn seiner Meinung nach war es das, was Motorradfahrer wie er nach einem Sturz machten – sie richteten sich auf, klopften sich den Staub von den Klamotten, stiegen wieder auf ihr Bike und fuhren weiter.
Doch heute fühlte es sich anders an. Eine warme Flüssigkeit lief sein Ohr hinunter. Als Mike mit dem Finger dran fasste, war der halbe Handschuh rot. Für eine Weile blickte er ihn verdutzt an und wunderte sich, wieso der kühle Wind in sein Gesicht wehte. Dann bemerkte er, dass sein Helm nur noch halb an seinem Kopf hing. Wut und Frustration über seine eigene Unachtsamkeit kochten in ihm hoch. Sein Bike war nirgends zu sehen. Er machte ein paar Schritte, doch dann gaben seine Beine nach, sodass er wie eine Marionette ohne Fäden einknickte. Verdammt, dachte er. Heute würde er es wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig zur Arbeit schaffen.
Aus der Ferne konnte er noch das anschwellende Geräusch von Sirenen hören. Es hörte sich an, als feierte jemand eine wilde Party. Dann wurde ihm komplett schwarz vor Augen.
5.
6 Monate später
Scheiße.
Lina ließ eiskaltes Wasser ins Waschbecken laufen und klatschte es sich ins Gesicht. Sie hatte letzte Nacht kaum schlafen können. Das Wasser hatte ihre Wimperntusche verschmiert, sodass nun dicke Schlieren ihre Wangen und weiter an ihrem Hals hinunterliefen. Es sah so aus, als weinte sie schwarze Tränen. Voller Entsetzen blickte sie in den fleckigen Spiegel, hier in diesem Toilettenraum, hier in diesem fremden, nichtssagenden Gebäude mit den immer gleichen weißen Wänden. Das Spiegelbild vor ihr zeigte das Gesicht einer 24-Jährigen mit zerzauster Mähne, die an einem Punkt angekommen war, wo sie nichts mehr zu verlieren hatte. Und alles nur seinetwegen. Nie hätte sie gedacht, dass es so enden würde.
Scheiße, Scheiße, Scheiße.
Mit einer wütenden Bewegung ließ sie ihre Handtasche auf den Boden knallen, griff mit zitternden Fingern hinein und wühlte darin herum, bis sie ihr Handy zu fassen bekam. Entschlossen öffnete sie ihre Kontaktleiste und scrollte nach unten, bis sie bei seiner Nummer angekommen war. Auf dem Profilbild lächelte er so wie immer, mit seinem stets glatt rasierten Gesicht, seinen penibel gescheitelten Haaren, mit seiner dämlichen Hornbrille, die ihn 10 Jahre älter aussehen ließ. Mindestens.
Dieser dreckige Lügner.
Sein Anblick machte Lina so wütend, dass sie nicht mehr klar denken konnte. Sie hielt sein digitales Gesicht ganz nah vor ihres und für eine Sekunde dachte sie tatsächlich daran, ihr Smartphone auf dem Rand des Waschbeckens zu zertrümmern, konnte sich aber gerade noch bremsen. Stattdessen drückte sie auf die grüne Anruftaste.
Plötzlich ging die Tür auf und eine ältere Dame trat in den Toilettenraum. Die hatte gerade noch gefehlt. Um allein zu sein, eilte Lina in eine freie Toilettenkabine, setzte sich auf den heruntergeklappten Klodeckel und atmete tief durch. Das Freizeichen klang wie der direkte Draht in die Hölle.
Nach kurzer Zeit meldete sich eine männliche Stimme am anderen Ende. »Ja?«
»Du Schwein!«, zischte Lina ins Telefon.
»Hallo?«
»Du mieses Schwein!«, sagte Lina noch einmal, diesmal langsamer und gehässiger. »Die … ganze … verdammte Zeit.«
»Bist du das, Lina?«
»Na klar bin ich das, oder hast du wen anderes erwartet? Vielleicht dieses Flittchen, mit der du mich hintergangen hast?«
Die männliche Stimme am anderen Ende seufzte. »Nicht schon wieder, Lina.«
»Nicht schon wieder? Du machst mich krank!«
»Lina, jetzt hör mal …«
»Nein, du Arsch! Jetzt hörst du mir gefälligst mal zu – einmal nur, ein einziges Mal nur! All die Jahre habe ich deinen Scheiß mitgemacht und das Hausfrauen-Dummchen für dich gespielt! All deine abartigen Launen habe ich über mich ergehen lassen und deine beknackten Freunde bewirtet! Und damit dankst du es mir jetzt? Dass du diese billige, gebräunte Blondine von der Arbeit fickst? Diese nuttige Nullnummer auf zwei Beinen?«
Die Stimme am anderen Ende verstummte. Plötzlich wurde Lina emotional. Tränen sammelten sich in ihren Augen, als sie vergeblich auf eine Antwort wartete.
»O Gott. Wie konntest du nur?«, schluchzte sie. »Du hast mir vor Gott einen Eid geschworen, hast du das vergessen? Hast du deinen Ring nur zur Zierde am Finger getragen? Sag mir jetzt hier und sofort, wie lange das schon so geht. Ein Jahr? Zwei Jahre?« Ihre Stimme bebte. Dann brüllte sie: »Na los, spuck’s schon aus! Sei einmal ein Mann!«
»Ich lege jetzt auf, Lina. Ich hab noch zu tun.«
Lina verlor nun vollends die Beherrschung und schrie: »Das wagst du nicht, du mieser Flittchenfummler! Ich werde das Hotel finden, in dem du gerade haust, und dann kannst du was erleben! Mich wirst du nicht so einfach los! Ich reiche die Scheidung ein und dann nehme ich dich aus, wie eine verfluchte Weihnachtsgans!«
Dann war die Leitung tot.
O mein Gott. Was für ein Irrsinn.
Tränen liefen ihre Wangen hinab, die sie eilig wegwischte. Sie ließ ihr Handy in die Handtasche fallen, öffnete die Türverriegelung und wollte gerade aus dem Raum gehen, als sich die ältere Dame von vorhin auf einmal zu ihr drehte. »Donnerwetter, dem haben Sie’s aber gegeben«, sagte sie frei heraus. »Recht so. Ich habe auch mal so ein Arschloch gekannt. Hören Sie auf meinen Rat: So einer ist Ihre Tränen nicht wert.«
Lina versuchte, sich zu sammeln. »Dankeschön. Was ist denn aus dem Arschloch geworden?«, fragte sie.
»Mein Ex-Mann. 25 Jahre Ehe-Wahnsinn sind eindeutig genug.«
Lina sah die Dame verdutzt an, dann strahlte sie und sagte: »Zum Teufel mit diesen Arschlöchern!«
Sie stieß die Tür nach draußen auf und versuchte, sich zu orientieren. Sie nahm den kleinen Zettel aus der Jackentasche, auf dem sie die Nummer des Raumes notiert hatte, in den sie musste: 237.
Sie blickte auf die Uhr. 16:38 Uhr. Ihr blieb nicht mehr viel Zeit. Da keine Schilder oder Wegweiser in Sicht waren, setzte sie sich einfach in Bewegung und streifte durch den nächstbesten Gang. Ihr Herz pochte wie wild. Das Geräusch ihrer Absätze hallte durch den Flur. Je weiter sie voranschritt, desto stiller wurde es, was nur bedeuten konnte, dass sie in die falsche Richtung lief.
Plötzlich flog eine Tür auf und ein junger Mann trat heraus. Lina wollte keine Zeit auf Begrüßungsfloskeln verschwenden und sperrte ihm den Weg ab. Der junge Mann war sichtlich irritiert. »Kann ich Ihnen helfen?«
»Sie mir helfen?«, lachte Lina abschätzig. »Gott, ihr Männer seid ja alle so verdammt hilfreich, nicht wahr?« Sie funkelte ihn zornig an. »O ja, das seid ihr. Aber nur bis zu dem Punkt, bis die nächstbeste Schlampe um die Ecke kommt und mit ihrem operierten Fettarsch vor euren Augen herum wackelt!«
Der junge Mann wusste nicht, wie er reagieren sollte. Lina sah in seinen Augen, dass er sie in Gedanken augenblicklich als Verrückte abgestempelt hatte. Und sie konnte es ihm nicht einmal verübeln. Da sie ihn nicht länger quälen wollte, seufzte sie und fragte mit matter Stimme: »Wissen Sie, wo ich Raum 237 finde? In diesem Scheiß-Gebäude sieht ja alles gleich aus.«
»237? Da sind Sie hier völlig falsch. Sie müssen in den Westflügel, also den Gang wieder zurück, die Treppe hoch und sich dann links halten.« Der Mann deutete ihr mit dem Finger die Richtung.
Lina verstand nur die Worte »falsch«, »zurück«, »Treppe« und »links« und wollte sich gerade noch für ihr Verhalten entschuldigen, hielt dann aber inne und ließ den Mann ohne ein Wort des Dankes einfach im Gang stehen. Während sie eilig voranschritt, konnte sie seinen ratlosen Blick in ihrem Rücken spüren.
Noch einmal checkte sie die Zeit: 16:42 Uhr. Sie musste sich sputen, die Anmeldezeit würde gleich beginnen. Am Ende des Ganges bemerkte sie eine Glastür, hinter der eine Treppe in die höheren Etagen führte.
Oben angekommen, sah Lina zum ersten Mal Frauen vor sich, die, so nahm Lina an, in die gleiche Richtung wollten wie sie. Sie blies sich eine Strähne aus dem Gesicht, setzte zu einem gekonnten Überholmanöver an und versuchte dabei, das helle Geschnatter der anderen Frauen zu überhören. Auf keinen Fall wollte sie sich in irgendeiner Form verbal mit ihnen auseinandersetzen. So eine Dummheit durfte sie nicht riskieren. Es würde sie sofort aus dem Konzept bringen.
Während sie auf Tunnelblick schaltete, zählte sie die Nummern der einzelnen Räume herunter, die sie passierte. Gerade war sie bei Raum 230 angelangt. Je näher sie ihrem Ziel kam, desto größer wurde die Geräuschkulisse. Aufgeregtes Murmeln hallte von den Wänden wider. Kurz drehte sich Lina um und erblickte eine weitere Frauengruppe, dann sah sie wieder stur nach vorn. Gleich würde sie da sein. Sie würde kämpfen und alles geben, was sie konnte, ihr ganzes Talent – oder jedenfalls die Art von Können, das sie glaubte, zu haben. Sie würde sich endlich wieder selbst zu schätzen lernen. Mit einem lauten Knall aus der stetigen Unsichtbarkeit auftauchen und zum ersten Mal gesehen werden, mit all ihrem Strahlen und ihrem Leuchten, mitten unter den Scheinwerfern dieser Welt.
Der Gang machte einen Knick nach rechts und dann blieb Lina wie erstarrt stehen. Vor Raum 237, auf dessen Tür das Wort »Casting« stand, warteten mindestens 30 hysterische Damen auf Einlass.
Scheiße.
6.
Mit heftigen Kopfschmerzen nahm Mike den schnellsten Weg über den Domplatz, auf dem gerade ein Markt stattfand. Sein Knöchel war mittlerweile weitestgehend verheilt, dennoch schmerzten die unebenen Pflastersteine auf dem Platz bei jedem Schritt.
