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"Der autobiografisch geprägte Roman "Ein Mann liest Zeitung" erzählt die Geschichte des jüdischen Kaufmanns Leonhard Glanz aus Hamburg. Im Exil in der Tschechoslowakei zur Untätigkeit verdammt, verbringt er seine Zeit in Prager Kaffeehäusern mit dem Lesen von Zeitungen. Akribisch verfolgt er das politische Geschehen in der Tagespresse, und doch kann er sein eigenes Schicksal, das ihn in die Emigration trieb, nicht begreifen. Erinnerungen an ein verlorenes Leben, Beobachtungen auf der Straße und Gedanken über das in der Zeitung Gelesene, die oft weit in die Vergangenheit weisen, verbinden sich zu einem dichten Panorama der dreißiger Jahre. Atmosphärisch und präzise, klug und poetisch fängt Justin Steinfelds einziger Roman den Hexenkessel Europa am Vorabend des Zweiten Weltkrieges ein. Ein großer, erst posthum erschienener Exilroman, der eine unerhörte Erfahrung zur Sprache bringt, die doch so viele traf und trifft: Die Erfahrung, nirgendwo mehr dazuzugehören."
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Seitenzahl: 777
Veröffentlichungsjahr: 2020
Inhalt
[Cover]
Titel
I. Kapitel
Editorische Notiz
Anmerkungen
Wilfried Weinke Von der »Majestät der Sprache«
Danksagung
Bildteil
Bildnachweis
Autorenporträt
Herausgeberporträt
Kurzbeschreibung
Impressum
Ein Mann liest Zeitung
I.
Es ist eine Schande.« Gewiss keine arge Schande, sondern nur eine unwesentlich kleine und noch dazu die ganz persönliche eines durchaus gleichgültigen Mannes. Hätte Leonhard Glanz jemals über der Zeiten große Schande nachgedacht, in der er seines Lebens Mannesjahre verbrachte, diese Jahrzehnte nach dem mörderischen Ersten Weltkrieg, so hätte er gewusst, dass eben dieses Wort Schande ein Superlativ im Geschehen der Welt ist. Da aber Leonhard Glanz gerade jetzt zu eben diesem Denken kommen sollte, so ist es unsere Aufgabe, ihm auf den krummen und ganz systemlosen Wegen zu folgen, die ihn dahin kommen lassen. Nehmen wir diese Begleitung auf verknäuelten Wegen als eine Pflicht auf uns, so enthebt uns das der anderen, peinlichen Pflicht, selbst über die infame Schande unserer Tage nachzudenken, die so penetrant zum Himmel stinkt, dass in ihrer Pestatmosphäre längst die mühselig aufgezogene, allgemeine, menschliche Kultur verdorben ist, gleich für Blütenkeimlingen unter schmierigem, giftigen Mehltau. Denn bedächten wir einmal des Tages, des eben gleichen Tages Schande – da ist keine Ausnahme, keine, – so müssten wir weinen ob dieses niederträchtigen Elends. Und weinten wir, so müssten wir erblinden, denn der Tränen wäre kein Ende.
Aber die Welt ist schön in der Pracht ihre Farben, der Unendlichfältigkeit ihrer Gestalten. Strahlende Welt, wohlgeschaffene, formvollendete Welt. Dass wir dich sehen. Dass wir dich schauen. Wir haben ja keine Lust, uns blind zu weinen. Wer tut uns das? Hinweg mit ihm. Nieder mit ihm. Schlagt ihn, schlagt, schlagt ihn tot. Aber gerade das hatten wir in dem mörderischen Weltkrieg getan. Zehn Millionen Menschen hatten wir ja totgeschlagen. Es müssen die Falschen gewesen sein. Denn sahen wir danach die Welt in ihrer Pracht und ihrer Schönheit? Nichts sahen wir in des Alltags Grau und das Wochenende der genau bemessenen Freizeit ist nur ein Abziehbild. Wir hatten die Falschen erschlagen. Und nun stecken wir in der Zeiten Schande. Bis an den Hals. Tiefer. Bis an die Nase. Tiefer. Bis über die Augen.
»Es ist eine Schande«, sagte der gleichgültige Mann Leonhard Glanz halblaut vor sich hin. Und er meinte damit den niemanden interessierenden Umstand, dass er sich schon am frühen Morgen in ein Kaffeehaus begab, um dort so oder so seine Zeit zu vertun. Allerdings, dieser sein früher Morgen war schon vorgerückter Vormittag. Leonhard Glanz war ein Spätaufsteher. Nicht von jeher und aus Gewohnheit. Nein, früher war er sogar immer sehr zeitig aufgestanden. Vielleicht werden wir von diesem Früher noch etwas erfahren, wo Leonhard Glanz noch seinem Beruf nachging, der zwar nichts mit Berufung zu tun hatte, aber eine lebhafte Beschäftigung war. Beschäftigung, Geschäft, Geschäft, Geschäftigkeit, Heftigkeit, Heft, Haft, Haft, Haft.
Die Spirale, in der sich da eben das Denken des Leonhard Glanz bewegte, löste eine frostige Ängstlichkeit in ihm aus. Er sah scheu zur Seite, vergewisserte sich aber sogleich, dass die ankriechende Angst ganz grundlos sei. Denn hier war die warme Sicherheit, die Geborgenheit in einem nicht eleganten, aber anheimelnden Kaffeehaus. Und ein kleiner, rundlicher, steifbeiniger Wirt zog ein begrüßendes, breites Schmunzeln auf, das ihm leichter fiel als eine Verbeugung und das den Gästen das Gefühl familiärer Zugehörigkeit gab. Kein Lächeln, das wie Sonnenschein über eine Wasserbahn zieht, nein, ein rechtes, breites Schmunzeln, das zerläuft, wie ein Fettauge auf dünner heißer Suppenbrühe.
Leonhard Glanz setzte sich in die Ecke eines mit der Zeit höchst nachgiebig gewordenen Plüschsofas. Man meint zu sitzen, aber nein, noch nicht. Jetzt erst. Ein klein wenig zu tief hinter dem Marmortisch. Leonhard Glanz fühlt sich wieder gerechtfertigt, vor sich selbst und vor der Welt. Er ist ein Mann moralischer Grundsätze. Freilich bedurfte es nur des rundlichen Wirtes schmalzgebackenen Schmunzelns, um das säuerliche Bedenken zu beheben. Und so, im Vollgefühl seiner persönlichen Lebensrechte, bestellt sich Leonhard Glanz beim Kellner einen Braunen, mit Schlagobers, dazu frische, blonde Semmeln und Zeitung. Natürlich Zeitung. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Man muss etwas auch für das Geistige tun, obwohl es Leonhard Glanz nicht zu sehr auf das Geistige ankommt, aber man muss doch wissen, was in der Welt eigentlich gespielt wird. Also Zeitung.
Für das Morgenfrühstück ist es wohl schon reichlich spät. Die Stadt hat schon um Stunden früher mit ihrer Arbeit begonnen. Freilich, Leonhard Glanz hat jahrzehntelang um diese Tageszeit auch schon ein tüchtiges Teil Betätigung hinter sich gehabt. Tätigkeit könnte man allenfalls noch sagen, wenn auch ihr Tür selbst es Arbeit nannte. Es war aber keine Arbeit und es wird sich ergeben, dass Leonhard Glanz überhaupt keine Arbeit verstand, aber auch ganz und gar keine.
So braucht also dieser späte Frühstücksgast vor sich selbst in dieser Beziehung keine moralischen Bedenken zu haben. Der Wirt? Wir entsinnen uns des leckeren Schmunzelns. Der Kellner? Ha, der Kellner. Leonhard Glanz hatte gelernt, dass ein Kellner für den Gast kein gleichberechtigtes Wesen sein könne. Ein Kellner, was ist schon ein Kellner. Bitte sehr. Bitte gleich. Einen weißen Kaffee, braunen Kaffee, schwarzen ohne. Frische Brötchen. Mit Butter. Bitte sehr. Ohne Butter. Wie Sie wünschen. Bitte nur Platz zu nehmen. Das Messer ist stumpf. Hier ein besseres Messer. Ein besserer Esser. Sofort. Sogleich. Ein Glas Wasser. Im Augenblick. Mit einer Fliege darin. Ganz ohne? Bitte sehr, ganz wie der Herr befehlen. Ein Zöllner. Ein Kölner. Ein Kellner. Lächerlich. Ein Kellner ist für Leonhard Glanz kein Wesen. Natürlich nur in seiner Eigenschaft als Kellner. Sonst? Ich bitte Sie. Im Zeitalter des Humanismus. (Oder wie nennt man es doch? Humanismus? Natürlich Humanismus. Humanismus ist ein gutes Wort.) Allerdings hat Leonhard Glanz vor gewissen Kellnern in sehr teuren Restaurationen immer eine gewisse Angst gehabt. Sie waren so vornehm, diese Kellner. Man weiß auf einmal gar nicht mehr, wie man eigentlich Messer und Gabel anfassen soll. Was? Frischen Spargel soll man mit der Hand …? Was Sie nicht sagen.
»Ober, wo bleibt denn mein Kaffee?«
Ist schon da. Bitte sehr. Der Kaffee rechts, die Brötchen links. Die Butter in der Mitte. Die Zeitung. Ist schon da, die Zeitung. Die Morgenzeitung von gestern Abend. Das Mittagsblatt von heute früh. Die Zeitung von morgen. Wie der Herr befehlen.
Bitte sehr.
Wieviel ist eigentlich die Uhr? Wie bitte? Das will ich gar nicht wissen. Wozu brauche ich das zu wissen? Für mich ist es früh am Morgen. Sieben Uhr, acht Uhr. Neun, zehn, elf. Wo ist der Unterschied. Der Tag ist noch lang genug. Der Tag wird sogar noch viel zu lang werden. Für einen, der mit der Arbeit fertig ist, wenn er aufgestanden und sich angekleidet hat. Leonhard Glanz hat nichts zu tun.
Elf Uhr vormittags und nichts zu tun? Elf Uhr vormittags? Herr Glanz, rufen Sie doch bitte mal die Bank an, es fehlen noch zweitausend Mark für die Wechsel, die wir heute einzulösen haben. Herr Glanz, wollen wir die Offerte von Liverpool nun acceptieren? Wir müssen bis zwölf Uhr gedrahtet haben. Herr Glanz, draußen ist der Vertreter von der oldenburgischen Jute-Sack-Fabrik. Herr Glanz hin, Herr Glanz her. Die Bank, die Post, die Expedition. Melden Sie mal dringendes Gespräch mit Oldörp in Lübeck an, ich muss den alten Oldörp sprechen. Fragen Sie mal bei der Paketfahrt an, ob die »Washington« noch für hundert tons Raum hat. Wo ist eigentlich mein Tintenstift? Mein Tintenstift, Tintenstift?
Elf Uhr vormittags. Und Leonhard Glanz sitzt beim Morgenkaffee. Und es ist ganz egal. Es ist sogar schon Viertel nach.
Ganz egal.
Warum? Ach so, Sie meinen wieso? Leonhard Glanz hat doch gar kein Geschäft mehr. Leonhard Glanz hat doch gar keine Beschäftigung mehr. Hat keine Tätigkeit und nichts zu tun. Leonhard Glanz hat überhaupt nichts mehr. Nicht einmal Geld. Keine Angst. Das Frühstück wird er bezahlen. So viel hat er noch. Für zwei Wochen. Sagen wir mal, für drei Wochen. Wenn keine Mädchen dazwischenkommen, für vier Wochen. Was kosten hier wohl die Mädchen? Sagen wir, fünf Wochen im Höchstfall. Aber ist das Geld? Und dann, nach fünf Wochen und einem Tag? Leonhard Glanz hat nichts mehr. Garnichts. Leonhard Glanz ist ein Emigrant.
Vielleicht, vielleicht wird Leonhard Glanz, der Emigrant, zum ersten Mal in seinem Leben einen Beruf haben. Vielleicht. Wenn es auch vorläufig noch nicht danach aussieht. Kaffeehaussitzen und sonst alles egal Finden ist gewiss kein Beruf. Das wird einen Kampf geben. Da werden die Dinge aufeinander schmettern. Da werden die Trompeten blasen. Da werden sich die Riesen und Drachen in Harnisch werfen, auf in das Giftgas. Mit flatternden Fahnen und einstweilen noch haltender Bügelfalte. C-Dur und fortissimo. Leonhard Glanz hatte einmal eine Freundin, die spielte Klavier. Allegro moderato und so. Sie war blond und die Musik von Mendelssohn. Keine Ahnung hatte sie, was das für eine Rassenschande war. Mendelssohn und dann Leonhard Glanz. Als er sie zuletzt traf, zufällig auf der Straße, kam sie ihm mit hochgerecktem rechten Arm entgegen. Es war peinlich. Nicht zu sehr, weil Leonhard Glanz den »deutschen Gruß« der alten Römer ja nicht erwidern konnte, sondern weil sie – es war im heißen Sommer – eine farbige Seidenbluse trug und unter der Achsel war die Bluse feucht und die Farbe hässlich ausgeschwitzt. »Guten Tag«, sagte Leonhard Glanz, da fiel ihr erst das Rassenschänderische ihres Betragens ein. Der Arm fiel herunter, das eben noch lachende Gesicht zerfiel zu Angst. Sie blickte sich scheu um und ging schnurstracks in das nächste Haus. Es war der Laden der Beerdigungs-Gesellschaft St. Anschar. Pompöse Särge mit Beschlägen aus unechtem Silber standen in der Auslage. Es war das richtige Ende einer Liebschaft mit unechten Silberbeschlägen.
Aber nun endlich die Zeitung. Was liest ein Mann wie Leonhard Glanz zuerst in der Zeitung? Hinten, bei den Annoncen der Stellenmarkt. Allerdings wusste Leonhard Glanz aus nun bereits achttägiger Emigrantenerfahrung, dass ihn dieser Teil der Zeitung eigentlich am allerwenigsten anging. Er machte sich noch nicht strafbar, indem er die Rubrik der »offenen Stellen« las – die Überschrift schien ihm einen übelriechenden, medizinischen Beigeschmack zu haben. Hautkrankheit oder so –, aber er würde sich strafbar machen, wenn er sich um einen freien Arbeitsplatz bewarb. Emigranten dürfen keinen Arbeitsposten annehmen. Zwar gilt im Lande die Bibel. Sie findet mancherlei Auslegung. Je nachdem, ob das Kreuz dominierte, an dem einmal einer gestorben war, der gekommen war, um die Bibel zu erfüllen, oder der Kelch, in dem sein Blut aufgefangen worden war, oder gar die Doppeltafel, – Römisch I bis III und Römisch IV bis X – des Dekalogs jenes Volkes, das angab, besonderer Hüter der Bibel zu sein, dem Leonhard Glanz angehörte, das in dem Lande, aus dem er geflüchtet war, verrecken sollte und deswegen war Leonhard Glanz ja jetzt hier. Vertrieben aus dem Lande, aus der Stadt, aus dem Geschäft, das er doch vom Vater geerbt hatte. Was hat das eigentlich mit der Bibel zu tun? Achso. Ja.
Steht da nicht in der Bibel, dass der Mensch im Schweiß seines Angesichts sein tägliches Brot erwerben soll? Sechs Tage lang. Und nur am siebenten Tag soll er ruhen. Gilt das, oder gilt das nicht? Das gilt. Nur eben für Emigranten gilt es nicht. Gewiss, natürlich. Aber was wollen Sie denn? Hab ich was gesagt? Na, also. Die Bibel ist die Bibel. Und sie gilt auch auch für Emigranten. Darf ein Emigrant etwa morden? Darf er stehlen? Darf er lügen? Darf er falsch Zeugnis sprechen? Darf er begehren seines Nächsten Gut? Er darf es nicht. Die Bibel ist die Bibel.
Herr Glanz, Sie sind doch ein moralischer Mensch. Also was wollen Sie denn? Was haben Sie da auf einmal für merkwürdige Gedanken im Unterbewusstsein? Oder ist das schon gar kein Unterbewusstsein mehr? Das ist schon ein Zwischenbewusstsein. So rebellisches Zeug haben Sie doch früher nicht gedacht. Wie? Wenn man sich an zehn Fingern nachrechnen kann, an welchem Tage man seine Miete nicht wird bezahlen können, kein Frühstück, kein Mittagbrot, kein Abendessen. Was hat das mit der Bibel zu tun? Ich sage Ihnen, die Bibel ist die Bibel. Und was da steht, das steht. Nur der eine Satz da, von der Arbeit, der gilt nicht für Sie, Herr Glanz. Da ist eben eine Ausnahme. Weil Sie ein Emigrant sind, Herr Glanz. Bitte sehr. Tun Sie, was Sie wollen. Gehen Sie spazieren oder sitzen Sie im Kaffeehaus. Lassen Sie sich von der Sonne bescheinen oder werden Sie vom Regen nass. Werden Sie braun im Sommer, brechen Sie ein Bein beim Wintersport. Lesen Sie Bücher oder Zeitungen, spielen Sie Schach oder Billard oder Bridge, füttern Sie die Vögel im Park oder bohren Sie mit den Fingern in der Nase. Alles können Sie tun oder lassen. Nur das bisschen Arbeiten, Herr Glanz, nein, das dürfen Sie nicht.
Die Bibel, die Bibel, die Bibel. Von Emigranten steht nichts in der Bibel. Von der Wirtschaftskrise wird wohl eher etwas drin stehen. Aber von Emigranten? Ich weiß nicht. Übrigens da gibt es einen gelehrten Wunderrabbiner. Ich glaube in Munkacz oder so. Er trägt seidenen Kaftan und einen breiten Hut mit Pelzverbrämung. Vielleicht ist der, den ich meine, auch schon tot. Das macht nichts. Dann hat er sicher einen Sohn oder einen Schwiegersohn, der sein Geschäft geerbt hat. Wie? Geschäft mögen Sie nicht? Sie stoßen sich an dem Wort? Also sagen wir: einbringlichen Beruf. Der also den einbringlichen Beruf nebst der Würde und natürlich auch die Allwissenheit geerbt hat. Also den fragen Sie mal. Und der weise Wunderrabbi wird Ihnen bestimmt sagen und zeigen, was und wo es in der Bibel steht, dass die Emigranten nicht arbeiten dürfen. Nebst dem, was Ben Akiba dazu kommentiert hat und Meir ben Asarjo und der große Rambam. Denn der Wunderrabbi steht auf dem Boden der jeweils gegebenen Tatsachen. Jawohl, werter Herr Emigrant. Tatsache.
Mit dem großen Rabbi Löw, dessen Denkmal der Emigrant am neuen Rathaus gesehen hat, mit dem hat so ein Wunderrabbiner nichts zu tun. Komisch das Denkmal, wenn man in dieser Zeit aus Deutschland kommt. Der große jüdische Rabbiner mit langem Bart als Wahrzeichen vor dem Rathaus einer europäischen Hauptstadt. Wer war das noch? Der Mann, der den Golem besessen hat. Richtig, Paul Wegener hat das mal im Film gemacht. Einen künstlichen Menschen als Hausdiener. Eine billige Arbeitskraft, aber wahrscheinlich war der Anschaffungspreis sehr hoch. Sowas amortisiert sich nie. Die ganze Geschichte soll übrigens gar nicht wahr sein. Die Reste des Golems sollten im Dachspeicher der uralten Synagoge, der Altneuschul, aufbewahrt sein. Aber Egon Erwin Kisch soll da hineingestiegen sein, obwohl die jüdische Gemeinde es verboten hatte, und soll festgestellt haben, dass da nur Dreck und Staub war und gar kein Golem. Komisch, dieser Kisch und überhaupt. Ob der große Rabbi Löw wirklich vom Geheimnis um tot und lebendig wusste? Ob er eine Menschenform aus Lehm richtig lebendig machen konnte? Wahrscheinlich Blödsinn. Schade, dass es damals kein Patentamt gab. Dann wäre doch etwas darüber erhalten. Immerhin dieser Rabbi Löw, mit und ohne legendärem Geheimnis, hat einen irrsinnigen Kaiser in Bezirke des Menschlichen zu lenken gewusst. Das war schon was. Vielleicht war dieser wahnsinnige Kaiser sein Golem. Aber mit dem Wunderrabbi von Munkacz oder so, der eine direkte Telefonleitung zum lieben Gott hat und mit I-H-M jederzeit sprechen kann, über die wortwörtliche Lehre, damit kein Buchstabe um seinen Sinn komme und wenn auch der Geist darüber vom Satan geholt werde, mit diesem Wunderrabbi im seidenen Kaftan und dem gesunden Appetit und dem hohen Ansehen bei den Reichen der Gemeinde und im unnahbaren Respekt bei den Schnorrern, hat das nichts zu tun. Was heißt hier Rabbi Löw? Herr Glanz, Sie sind ein Emigrant. Und ein Emigrant ist ein Schnorrer. Sie sind noch keiner? Nun, Sie werden schon sehen.
O nein. Leonhard Glanz ist fest entschlossen, kein Schnorrer zu werden. Er nicht. Rasiert er sich nicht jeden Morgen und hat einen sauberen Kragen um, und eine Bügelfalte in der Hose – er legt sie jeden Abend zwischen Bettlaken und Matratze, das ist so gut wie bügeln – freilich, es kann einer glatt rasiert und alle Tage rasiert und doch ein Schnorrer sein, und es kann einer in ausgefranzten Hosen laufen und ohne Schlips und doch ein König sein. Einer, der Königreiche zu verschenken hat. Leonhard Glanz will kein Schnorrer sein. Ein König auch nicht. Dazu fehlt es ihm an Fantasie. Er will einfach arbeiten.
Ach so. Der Wunderrabbi von Munkacz oder so, der genau aus der Bibel nachweisen kann, warum ein Emigrant nach Gottes wohlweislichem und gerechtem Ratschluss nicht arbeiten darf. Sowas muss einem passieren.
Leonhard Glanz hat früher für die Leute die nicht arbeiten, nicht viel übrig gehabt. Was heißt keine Arbeit? Was heißt keine Stellung? Ein Mensch, der arbeiten will, findet immer etwas zu tun. Ein Mensch, der was kann, findet immer einen Posten. Sehen Sie mich an. In zehn Jahren habe ich noch keinen Tag gefaulenzt. Unberufen. Dreimal unter den Tisch geklopft. Aber Holz muss es sein. Dieses ist kein Holz. Dieses ist kein Schreibtisch im Kontor, mitten in der Kaufmanncity. Dieses ist ein etwas wackliger Marmortisch in einem Kaffeehaus. Immer wird man aus seinen Gedanken gerissen. In eine Wirklichkeit, die ja im Augenblick nicht gerade rauh ist, aber ein wenig dreckig, speckig und glänzend, wie eine abgetragene Hose.
Arbeiten verboten. Trotzdem. Die Rubrik der offenen Stellen kann man durchsehen. Das ist ja noch nicht verboten. Vielleicht findet sich die Möglichkeit irgendwo durch das Gitter des Gesetzes hindurchzuschlüpfen. Die einen, diesseits des Gitters, dürfen arbeiten, die anderen, jenseits des Gitters, dürfen nicht. Das ist wie im zoologischen Garten. Welches sind nun eigentlich die Bestien hinter dem Gitter und welches sind die Betrachter davor? Was denkt sich wohl so ein Löwe, wenn er die Menschen hinter dem Gitter sieht? Oder ein Elefant? Oder die Riesenschlange, die grässlich gebläht ein Kaninchen verdaut, wenn sie die an den dicken Glasscheiben zu weißlichen Flecken plattgedrückten Nasen sieht?
Wo ist diesseits und wo ist jenseits? Wer der Jäger ist und wer der Gejagte, das ist raus. Wer der Gefangene ist und wer der Gefangenenwärter, das ist auch heraus. Wer aber hat die Freiheit? Der da eingeschlossen ist, oder der da aufpassen muss, dass der Gefangene nicht ausbreche? Wer kommt nicht los von dem rasselnden Schlüsselbund? Affenkäfig am Sonntagnachmittag, mit tausend grinsenden Menschen davor. Worüber grinsen die eigentlich? Ist es das, was den Menschen menschlich macht, dass er lachen kann, dass er lächeln kann. Das kann kein Tier. Auch der menschenähnlichste Affe nicht mit dem Greisengesicht. Aber grinsen? Hamlet hat geirrt: »Dass einer lächeln kann und immer lächeln und doch ein Schurke sein.« Jener Claudius hat gegrinst. Lächeln tun die Beseligten.
Das Gitter. Das Gitter. Das Gitter. Wer ist davor und wer ist dahinter? Was hat der Wolf getan, dass man ihn fing? Mit Schlauheit, mit raffinierter Schlauheit, machten sie aus seiner Freiheit zu fressen nach seines Hungers Drang, eine heimtückische Falle. »Das ist der Wolf, der das Rotkäppchen gefressen hat und die Großmutter.« Immer hin und her. Hin und her. Am Gitter entlang. Hin und her. Und an der Wand, mit den Vorderpfoten ein karges Stück hinauf. Hin und her. Die Wand hüben, die Wand drüben sind abgewetzt, da, wo die Vorderpfoten über sie hinaus zu greifen so zwecklos bemüht sind. Hin und her. Und es ist garnicht wahr, dass er das Rotkäppchen gefressen hat und die Großmutter schon garnicht. Hin und her. Um Schauobjekt zu sein, zu einem bösen Märchen mit verlogener Moral, muss er hin und her. Manchmal bleibt ein Hund vor des Gitters anderer Seite mit stehen. Der gehört zu dem Menschen, der eben auch da steht. »Da ist der Wolf, der …« Der Hund aber kläfft. Kläfft sich heiser und geifert vor Wut. Er hasst den Wolf mit fantastischem Hass. Weil er selbst einmal ein Wolf gewesen. Wie lange ist das her? Hunderttausend Jahre oder so, als der Hund sich dem Menschen als Sklave ergab. Sich ihm verkaufte, für eine Handvoll abgenagter Knochen. Aber er weiß, dass er ein Sklavenvieh ist, ein Hund. Wie spricht der Hund? Wau, wau, für ein Stück Zucker. Gibt Pfötchen und macht hübsch, um einem Peitschenhieb. Du treue, poetische Hundeseele, um einen Teller Hundereis. Der da aber, hinter dem Gitter, der wilde Wolf, der kapituliert nicht. Wie weit, du poetische Hundeseele, reicht deine Welt? So weit, wie die Hundeleine oder der Pfiff des Herrn dich laufen lässt. Und keinen Schritt weiter. So wahr dein Herr die Macht hat, die Kraft und die Herrlichkeit, mit Zuckerbrot und Peitsche. Wau, wau und Heil. Der da aber, hinter dem Gitter, der da in seinem Kerker, der ist frei. Hin und her. Hin und her und träumt von der Steppe endloser Weite, von des Waldes dunkler Wärme, vom Strom, der aus Fernen kommt und in Fernen geht und der felsenhart ist, wenn der Frost klirrt und die Welt in ihrer Weiße noch weiter als sonst. Darum, weil er der Freie ist, muss der Sklave ihn hassen. Und muss ihn geifernd verbellen und verkläffen, dass die Steuermarke an seinem Halsband bebt. Du Hundeköter mit dem Maulkorb als deiner Zivilisation höchste Errungenschaft. Du Hund, du Hund, du Hund. Du und du und du. So ein Wolf im Käfig, der kann einmal ausbrechen. Und kann er es nicht, er bleibt, wer er ist. Aber ihr Hunde, ihr brecht nicht aus. Ihr kommt von der Leine nicht los, vom Maulkorb nicht und der Hundehütte. Und bewahrt dem Herrn das Haus und den Hof, mit Hab und Gut und Kisten und Kasten und das gekachelte Klosett. Für die Abfallknochen von seinem Tisch.
Leonhard Glanz. So wie du denkst, wirst du nicht durch das Gitter brechen. Mit einem Dreh nicht. Du wirst schon merken.
Ein Konzipient wird gesucht. Angebote mit Referenzen und Studiumerfolg sind da zu senden … Was ein Konzipient ist, weißt du nicht genau. Bei dir zu Hause nannte man das irgendwie anders. Studiumerfolg? Universitäten hast du nicht besucht. Aber die Hochschule des Lebens, meinst du. Erlebt hast du vielleicht so mancherlei. Aber ob du etwas gelernt hast? »Herr Ober«, diesmal in der Eigenschaft als Mensch, nicht als Kellner, »was ist hierzulande eigentlich ein Konzipient?« Ach so. Danke. – Kommt ja garnicht in Frage.
Junger Mann aus der Eisenbranche. Wie lange ist man heutzutage »Junger Mann«? Auf Grund der verbesserten sanitären Umstände bleiben die Menschen ja länger jung. Und dann der Sport. Leonhard Glanz hatte einmal ein Reitpferd für die Woche und eine Segelyacht für den Sonntag. Was hat er nun? Jedenfalls noch alle Haare auf dem Kopf. Und noch ein jugendliches Aussehen und Gehabe. Beinahe fünfzig? Wer sähe ihm das an? Junger Mann? Wenn weiter nichts ist. Freilich, er selbst hätte einen »jungen Mann« dieses Alters nicht mehr eingestellt. Schließlich hatte er ja ein Geschäft und keine Versorgungsanstalt. Aber Eisenbranche?
Exakter Rechner für Fakturierung wird gesucht. Ob er ein exakter Rechner ist? Das kann er wohl sagen. Hat er nicht immer sogar etwas mehr können, als exakt rechnen? Eine Ware kaufen mit 47 shilling und 6 pence und sie verkaufen mit 52 shilling und 3 pence, das wären genau zehn Prozent Nutzen. Aber die Börse muss man riechen können. Richtig einsteigen und richtig wieder aussteigen. Darauf kommt es an. Dafür hat Leonhard Glanz das Gefühl in den Fingerspitzen gehabt. Das ist mehr als exakt rechnen. Aber Fakturen ausschreiben? So viel brutto und so viel Tara, so viel Fracht und so viel Assekuranz, plus zwei Prozent Zinsen über Bankdiskont für das Dreimonatsaccept. Nein, das hat er nie gemacht. Dafür hat man doch seine Leute. Mit solchem Krimskrams hat er sich nie abgegeben. Exakter Rechner für Fakturierung? Ist ja Mumpitz.
Heizungstechniker für Transmissionsberechnungen. Was es nicht alles gibt. Heizer, so hatte Leonhard Glanz geglaubt, sind große, starke Männer, die mit mächtigen Schaufeln auf Schiffen und in Fabriken vor den Kesselfeuern stehen und Kohlen aufschmeißen. Mit nichts an, als einer alten Leinenhose und ein paar Holzpantoffeln. Von Öl und Kohlenstaub sind sie zumeist so verschmiert, dass man garnicht unterscheiden kann, ob so ein Heizer ein Weißer sei oder ein Neger. Ist ja auch ganz egal, in diesem Fall. Der Heizraum einer Eisenhütte ist ja schließlich kein amerikanischer Pokerklub. Im Roten Meer soll es so heiß an Kesselfeuern der Dampfer sein, dass manchmal ein Heizer irrsinnig wird. Der rennt mitten im Dienst von der Arbeit fort, die Treppen hinauf an Deck und über Bord. Und weg. Scheußlich. Das ist doch kein Beruf. Was heißt da mit Transmissionsberechnung?
Speditionsbeamter gesucht, beider Landessprachen mächtig. Adressenschreiber. Hausmeister. Elektro-Installateur. Eingeführter Reisender für Herrenmoden. Herrenmoden. In der Eile und dem Halsüberkopf, mit denen man losfahren musste, sind nicht einmal die Krawatten mitgekommen. Eine aus grüner Seide und eine aus blauem Foulard mit gelblichen Punkten. Das ist alles. Heute hat Leonhard Glanz die grüne an. Bei einem braunen Anzug. Welche Zusammenstellung, wo doch draußen Regenwetter ist. Einzig eine bordeauxfarbene Krawatte hätte ihm heute gepasst, zu dieser Stimmung. Er hatte daheim eine sehr schöne bordeauxfarbene Krawatte. Wer weiß, wer die jetzt trägt, verknautscht, versaut. Irgendso ein Sturmtruppführer, wenn er in Zivil ist. Die Kerle haben ja alles geklaut. Beschlagnahmt, nennen sie das.
Ein Bäckergeselle wird gesucht. Brotbacken und so. Abends Teig kneten. Schmierig bis an die Ellenbogen. Aus sowas wird Brot. Morgens um drei aufstehen und backen. Welche Hitze. Ein Bäcker ist doch kein Heizer, zu einer Zeit, drei Stunden nach Mitternacht. Da kann man schlafen gehn. Noch in die Bar? Ne, Herr. Der Abend hat mich schon Geld genug gekostet. Ich lege überhaupt keinen Wert mehr auf Nutten. Wissen Sie, ich will demnächst heiraten. Ein Bäckergeselle? Kannst du balancieren, lieber Freund? Ein Brett auf dem Kopf. So groß. Und darauf große Kuchen und kleine Kuchen. Schaumgebackenes und Gugelhupf. Und damit durch die Straßen. Auf dem Fahrweg natürlich. Mittendrin, wo alles treibt und rattert und wackelt. Nur das Brett auf dem Kopf mit den Kuchen. Das ruht in sicherer Schwebe. Können Sie das? Herr, garnichts können Sie. Meine Kipferln, die ich gebacken habe, als Sie noch schliefen, als müsste das so sein, die können Sie essen. Immerzu, solange es Ihnen schmeckt. Herr, ich sage Ihnen, ich weiß manchmal nicht, wo ich das Geld hernehme für sechs von den Semmeln, von denen ich tausend gebacken habe. Haben Sie eine Ahnung. Nicht einmal balancieren können Sie.
Noch ein Reisender wird gesucht, für Toilettenartikel. Wird gesucht. Ein Reisender ging verloren. Hautcrème bei Tage und Hautcrème bei Nacht. Zahnpasta auf wissenschaftlicher Basis. Puder in siebenundachtzig Farben. Lippenstifte, echte, aus Maulbeerbaumläusen. Rasieressig, ha. Haarwasser und Lockennadeln. Kennen Sie den Witz von den Lockennadeln? Es war einmal ein Mädchen, das trug extralange Strümpfe. So lang … ach so, kennen Sie schon. Vielleicht wäre ich doch ein guter Reisender für Toilettenartikel. Nagellack, Nagelbronze à la Josephine Baker. Seife.
Haben Sie eine Ahnung, was Seife sei? Sie ziehen Lavendelseife vor. Na ja. Exterikultur. Warum auch nicht. Es war einmal eine Arbeiterin in der Seifenfabrik. Sie war im achten Monat oder so. Und da ging sie unsicher. Diese Leute sind ja auch so unvernünftig. Anstatt rechtzeitig mit der Arbeit auszusetzen. Und da fiel sie in einen der riesigen Seifenkessel. In die siedende Seifenmasse. Als man sie herausholte … als man sie herausholte … als man … es war nicht viel mehr als ein Skelett. Die glühende Seifenmasse, die frisst, mit Haut und Haar. Vielleicht, wer weiß, ist Ihre Lavendelseife von da. Aber ein Reisender in Toilettenartikel hat es auch nicht leicht. Haben Sie mal Lavendelseife zu verkaufen. Auf einmal will kein Mensch mehr Lavendelseife. Juchten ist in der Mode. Nagelfeile und Nagelschere. Leonhard Glanz, deine Nägel könnten auch einmal wieder in Ordnung gebracht werden. Das kann man doch selbst machen. Du nicht? Zu dir ist früher immer die Maniceuse gekommen. Deine Briefe haben »deine« Stenotypistinnen geschrieben. Deine Schulden hat »dein« Buchhalter ausjongliert. Deine Waren hat »dein« Expedient verladen. Du hast einen Korrespondenten für Englisch gehabt, einen für Französisch und einen für Spanisch. »Dein« Prokurist hat alle unangenehmen Besuche für dich empfangen, der Lehrling hat die Muster eingepackt und die Briefmarken aufgeklebt, die Telefonistin hat die Verbindungen für dich hergestellt. Was hast du eigentlich selbst getan? Praktisch? Was kannst du eigentlich? Nicht einmal dir die Nägel schneiden. Einmal wirft dich das Leben aus der Bahn und nun sitzt du da und es zeigt sich, dass du nichts anzufangen weißt und mit dir nichts anzufangen ist. Vom Durchführen und Beenden gar keine Rede. Nun sitzt du da, nimmst das Leben übel, als ob es dir nun so etwas besonders Schlimmes angetan hätte. Was hat es dir denn getan?
Aus der Bahn dich geworfen. Aus deinem eigenen »Geschäft« dich hinausgeschmissen, dich ausgeplündert, deinen Besitz verschoben und gestohlen, dich eingesperrt, wie einen Verbrecher – na, na, ich gebe zu, das ist arg – dich infam maltraitiert und dich ziemlich nackt und bloß in die Fremde gejagt. Wer hat das getan? Die Nazis? Ja, wer hätte das gedacht. Du nicht, Leonhard Glanz, du nicht.
Lasst die Nazis nur kommen, hast du gesagt. Das sagt man so. Aber du hast es auch gedacht. Lasst sie nur kommen. Die kochen auch nur mit Wasser. Und dann haben sie mit Blut gekocht.
Ist alles nur halb so wild, hast du gedacht. Damals, als man den Hindenburg zum ersten Mal wählte, haben auch viele geschrien. Und was war geworden? Den Eid auf die Verfassung hat er geleistet und hat ihn sogar einigermaßen gehalten. Verfassungsbruch mit den Notverordnungen? Erstens war das ganz legal. Laut Artikel so und so der Verfassung hat man eben die Verfassung außer Kraft gesetzt. Auf Urlaub geschickt, ganz legal. Und zweitens hat das Brüning getan. Was sollte Brüning denn schließlich machen? Wenn eines Sonntagabends einfach die Darmstädter Bank pleite war. Eigentlich war also der Bankdirektor Jakob Goldschmidt an allem schuld. Komisch. Komisch. Brüning hat ja auch emigrieren müssen. Er soll in Amerika sein und Fäden ziehen für spätere Zeiten, sagen sie. Aber der Jakob Goldschmidt soll noch bei den Nazis sein. Bis auf Weiteres. Nur seine Villa im Grunewald haben sie ihm weggenommen. Aber sonst? Komisch. Hätte der Jakob Goldschmidt nicht den Größenwahn gehabt, sich für ein Finanzgenie zu halten, wäre die Darmstädter damals nicht verkracht. Wäre die Darmstädter nicht verkracht, hätte Brüning nicht mit dem Artikel so und so zu reagieren brauchen. Hätte der Papen keinen preußischen Staatsstreich machen können. Hätte der Schleicher nicht sozialen General gespielt und wäre nie Hitler gekommen. Alles mit dem Artikel so und so. Alles wegen dem Jakob Goldschmidt. Komisch. Komisch.
Aber was sollte man denn machen? Irgendetwas musste doch kommen? Etwa der Bolschewismus? Ich bitte Sie. Ich bin immer ein sozialer Mensch gewesen. Ich habe immer für die Armen etwas übrig gehabt. Ein Herz und auch ein Portemonnaie. Herz ist billig. Schön. Aber man muss es haben. Portemonnaie ist nicht billig. Ich habe jedem gegeben. Dem Blinden auf der Straße seinen Groschen und dem Schnorrer, der ins Büro kam, seine Mark. Tante Frieda jeden Monat fünfzig Mark. Und die vielen Vereine. Und jeden dritten Tag die Loge. Und was da sonst alles war. Jüdisches Begräbniswesen? Bitte sehr. Katholische Waisenfürsorge? Bitte sehr. Rotes Kreuz? Bitte sehr. Vaterländischer Frauenverein? Bitte sehr. Frontkämpferbund? Bitte sehr, ich bin ja auch damals dabei gewesen. Jawohl. Von fünfzehn bis achtzehn. In Flandern und in Wolhynien. Bitte sehr. Es hat mich gefreut, Herr Kamerad. Stahlhelm? Hm, ja. Aber selbstverständlich. Bitte sehr. Ich bin immer ein sozialer Mensch gewesen.
I.A.H. Was ist das schon wieder? Internationale Arbeiter Hilfe? Es muss doch alles seine Grenzen haben. Ich bitte Sie, jeder Etat ist einmal erschöpft. Ich kann mich wirklich nicht noch höher engagieren. Tut mir leid. Aber damit sie nicht umsonst gekommen sind. Hier haben Sie fünfzig Pfennig. Aber tragen Sie mich nicht in die Liste ein. Schreiben Sie: N.N. oder so. Bitte sehr.
Den Nazis? Bitte schön, konnte man das wissen? Die kamen doch »getarnt.« Und wusste man es, ich bitte Sie. Konnte man denn ahnen? Ich war immer ein demokratischer Mensch. Ich war schon 1918 Mitglied der Deutsch-Demokratischen Partei gewesen. Damals, als wir aus dem Felde kamen, waren wir alle drin. Die ganze Börse. Ich war immer Demokrat. Und Demokrat sein heißt gerecht sein. Nach links und also auch nach rechts. Entweder oder. Und schließlich war ich Geschäftsmann. Und ein tüchtiger Geschäftsmann muss auch Rückassekuranz abschließen. Für alle Fälle. Das ist sogar Pflicht eines verantwortungsbewussten Kaufmanns. Da kann man doch nicht sagen, dass ich die Nazis unterstützt hätte. Ich habe da einfach so eine Versicherungsprämie bezahlt. Wer konnte denn wissen, dass die Kerle die Prämie nehmen und nachher keine Versicherung anerkennen? Auf solche Schweinerei konnte man doch nicht gefasst sein. Ich nicht. Ich war immer für Anstand und für Demokratie. Nach links, schön, aber auch nach rechts.
Nicht etwas reichlich mehr nach rechts? Ich bitte Sie, was soll man machen? Ich bin kein Bolschewist. Meinen Sie, dass einem die Nazis einen Moment sympathisch waren? Niemals. Aber man dachte, schön, sollen sie ran kommen. In drei Monaten zeigt sich, dass sie auch nichts ändern können. Dann ist der Rummel aus. Schutz des Privateigentums hatten sie doch gesagt. Konnte ich wissen, dass sie mir alles wegnehmen würden? Schlimmer hätten es die Bolschewisten ja auch nicht treiben können. Juda – verrecke! Na, wer hat das ernst genommen. Wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. So haben wir alle gedacht. Kann man einfach die Juden in Deutschland aus dem Wirtschaftsprozess ausschalten? Das kann man nicht, haben wir alle gedacht. Wie konnte man denn ahnen? Brechung der Zinsknechtschaft. Sehen Sie, das hat einem doch eingeleuchtet. Die Banken waren flüssig. Bares Geld war genug da. Aber brauchte man mal etwas für ein paar Tage, musste man Gott weiß was an Zinsen zahlen. Die Banken machten doch mit einem, was sie wollten. Schön, habe ich mir gesagt, lass sie auf der Straße rufen: Juda verrecke! Ich hör garnicht hin, wenn wir einen normalen Bankdiskont kriegen, der nicht nur auf dem Papier steht. Lauter Lüge. Banditen, sage ich Ihnen. Gangster. Notorische Verbrecher. Und die Welt schaut zu.
Da hatte ich einen Prokuristen. Heckerle heißt er. Der ist schon ewig bei unserer Firma. Als er fünfundzwanzig Jahre da war, bekam er eine wunderbare, goldene Uhr und die Prokura. Damals lebte mein Vater noch. Heckerle war ein tüchtiger, und ich sage Ihnen, ein anständiger Mensch. Sonst hätte doch mein seliger Vater ihm niemals Prokura erteilt. Und was ist er jetzt? Der größte Lump von der Welt.
Dass ich jetzt hier sitze, ohne einen roten Groschen, dass ich hier nach der Zeitung Stellung suche, wo ich doch genau weiß, dass es gar keinen Sinn hat, aber man muss doch wie, man kann ja nie wissen. Dass ich hier im Kaffeehaus herumsitze, anstatt etwas Vernünftiges zu tun. Draußen regnet es. Soll ich etwas spazieren gehen? Irgendwo muss der Mensch doch sein. Sehen Sie, alles das verdanke ich dem Heckerle. Ich selbst habe mit ihm eigentlich nie so recht freundschaftlich gestanden. Aber mein seliger Vater hat auf ihn geschworen. Wissen Sie, der Mann trug einen Schnurrbart und ich habe Männer mit Schnurrbart nie recht leiden können. Vor dem Krieg trug er einen langen Schnurrbart, mit hochgebogenen Spitzen. Ich erinnere mich noch ganz genau. Das war damals so eine Mode. Wegen des Kaisers. Unter dem hätte übrigens sowas nie passieren können. Der Mann hat auch seine Fehler gehabt. Gewiss. Man hat das damals nicht so gesehen. Aber solche Zustände wie jetzt? Ausgeschlossen. Bei der Freundschaft mit Ballin. Jedesmal, wenn der Kaiser zum Rennen nach Hamburg kam, hat er bei Ballin gefrühstückt. Der Kaiser saß da, so mir nichts-dir nichts, auf der Fensterbank und Ballin stand vor ihm und der Kaiser lachte, dass er sich die Schenkel klopfte. Unten standen die Menschen und sagten: Jetzt erzählt er ihm von dem großartigen Aufschwung der Hapag und der Kaiser freut sich. Und sie riefen: Hurrah! In Wirklichkeit hatte er ihm den neuesten jüdischen Witz erzählt. Ich weiß das genau. Von meinem seligen Vater, der hat doch den Ballin persönlich gekannt.
Was wollte ich doch sagen? Ja, der Heckerle. Nach dem Krieg ging er eine Zeitlang mit kurzem englischen Schnurrbart. Und dann ließ er ihn wieder lang wachsen. Kann sein, wegen Hindenburg, was weiß ich. Dabei war Heckerle nie politisch. Außer damals, zu Anfang der Inflationszeit. Weil doch damals jedesmal die Mark runter ging, wenn Clémenceau oder Poincaré am Sonntag eine Rede bei einer Denkmalsenthüllung und so gehalten haben. Jedesmal, wenn Clémenceau am Sonntag drohte, dass man Deutschland doch noch zerschmettern würde, war am Montag von der Mark ein Stück weg. Und Heckerle konnte ausrechnen, dass man die Devisen, die man bei der Reichsbank auf drei Monate Termin gekauft hatte, beinahe geschenkt bekam. Dabei war der Mann im Grunde patriotisch. Aber Stinnes war ja auch patriotisch und hat doch Millionen an der Marktpleite verdient. Aber wie gesagt, Heckerle war unpolitisch, ganz und gar. Manchmal habe ich mit ihm über dies und das politisch zu reden versucht. Wir saßen uns doch am Schreibtisch gegenüber. Jahre lang. Da redet man doch mal. Aber wie gesagt, es interessierte ihn nicht. »Was kann man damit anfangen«, sagte er, »wenn wir hundert tons Mixed-Mais gehandelt haben, dann weiß ich, was wir verdient haben. Aber Kommunisten und Nationalsozialisten und so … Meschugge.« Jawohl. Meschugge, sagte der Mann, obwohl er ein Arier ist, ein hundertprozentiger. Aber ich sage Ihnen, wenn die Juden so wären, wie die drüben sagen, dass sie sind, dann ist dieser Mann ein Jude. Einer? Zehn. »Heckerle«, sage ich, »die Dinge in der Sowjet-Union sollten doch zu denken geben.« »Sowjet-Union«, sagt er »existiert für mich garnicht. Man kann ja mit den Leuten gar nicht handeln. Die Industrie macht ja Geschäfte mit ihnen, und es heißt, sie sollen da tadellos abwickeln. Sogar ihre Wechsel lösen sie prompt ein. Na ja. Das ist ja kein Kunststück, wenn man im Inneren Millionen einfach verhungern lässt. Aber können Sie mit den Leuten eine Tonne Mais handeln, oder Gerste? Und was waren das früher für Geschäfte.«
Sehen Sie, so war dieser Mann. Er stammte aus ganz kleinen Verhältnissen. Die Eltern hatten eine kleine Wäscherei, ich glaube die Mutter hat selbst gewaschen. Als Heckerle als Lehrling zu uns kam, konnte er noch nicht einmal mit Messer und Gabel umgehen. Mein seliger Vater hat mir das erzählt. Und dann hat er es bis zum Prokuristen gebracht. Als mein Vater starb, meinte Heckerle, ich würde ihn zum Mitinhaber machen. Er hat mir nie ein Wort davon gesagt, so hinten herum hat man mir das zugetragen. Mit dem Expedienten hat er darüber geredet und mit dem Buchhalter. Aber vor mir kroch er. Genau wie er vor meinem Vater gekrochen hatte. Jawohl, Herr Glanz. Gewiss, Herr Glanz. Und jedesmal, wenn man aus dem Kontor ging, lief der Mann mit bis zum Ausgang und machte einem die Tür auf. Vielleicht hätte ich ihn wirklich damals zum Mitinhaber gemacht, wenn er einmal mit mir vernünftig darüber gesprochen hätte. Aber der Mann war doch ein Kriecher und unsere Firma eine erste Aufgabe an der Börse. Wissen Sie, da haben wir den alten Sloman an der Börse, von der Sloman Reederei. Der Mann hatte sich geweigert, im Rathaus zum offiziellen Kaiser-Diner zu erscheinen, weil man ihm gesagt hatte, er solle weiße Glacéhandschuhe anziehen. Der alte Sloman meinte, Handschuhe trüge er nur im Winter und auf der Straße, und wenn der Kaiser ihn nicht ohne Handschuhe begrüßen wolle, dann solle er es bleiben lassen. So waren diese Hamburger Kaufleute. Und dann dieser Heckerle.
Und heute ist er alleiniger Inhaber der Firma Glanz & Co, Kommandit Gesellschaft. Wie das? Über die Banken? Sie meinen, so wie in Amerika, wo man die Banken gegen einen Unternehmer loslassen kann, dass sie einem neue Kredite verweigern und die alten kündigen und mit allen möglichen Quertreibereinen das Leben unmöglich machen, bis man kapituliert. Nein, dazu war der Heckerle gar nicht gescheit genug. Und schließlich auch nicht groß genug. Sowas können doch nur die ganz Großen machen.
Viel einfacher. Ich sage Ihnen, viel einfacher. Der Mann war doch immer feige, aber 1933, gleich als die Nazis kamen, auf einmal warf er sich in die Brust. Wie ein Puter. Kam mit »Heil Hitler« ins Privatkontor. Ich bitte Sie, in meiner Firma. Und eines Tages kam er in einem braunen Hemd. In Breeches, und mit hohen Lederstiefeln. Ich bitte Sie, wie ein Trapper, in ein Hamburger Kaufmannskontor. Dass der Mann sich garnicht schämte. Über dreißig Jahre hatte man den Mann zur Bügelfalte erzogen und zum selbstgebundenen Schlips. Und nun stieg er herum, wie ein schlecht angezogener Unteroffizier. »Heckerle« sage ich, »Sie sind doch immer ein unpolitischer Mensch gewesen. Was machen Sie da für Mumpitz.« Da hätten Sie den Mann sehen sollen. Er lief ganz rot an an, ich dachte, es wäre ihm was, und wollte aufspringen und ihm den Rücken klopfen. »Herr Glanz«, brüllte er, »Sie scheinen nicht zu wissen in welcher Zeit wir leben. In einer Zeit des Aufbruchs, Herr, in einer Zeit des Umbruchs. Wenn ich will, dann drücke ich hier auf den Knopf« – er zeigte auf das Haustelefon –, »und ich lasse Sie abführen.« »Ach so«, sagte ich nur, »na, da gehe ich einstweilen ins Musterzimmer, bis Sie sich beruhigt haben.«
Von dem Zwischenfall wurde nicht mehr geredet, aber nach ein paar Tagen kam er an. »Herr Glanz, wie die Dinge liegen, ist es wohl besser, ich gehe jetzt mittags zur Börse. Wir müssen dort doch durch einen Arier vertreten sein.« Ich gab ihm keine Antwort und er ging einfach zur Börse.
Was soll ich Ihnen mit allen Einzelheiten erzählen? Wir hatten in Hamburg unsere Geschäfte immer als Gentlemen gemacht. Was man so fair nennt. Auch im Kriege. Auch in der Inflationszeit, wo alle möglichen Elemente sich ins Geschäft drängten. Aber Leute wie Michael in Berlin und Bosel in Wien, das war in Hamburg nicht möglich. Nicht mal Stinnes. Als der in Hamburg eine Filiale machte, Schiffe fahren ließ und in den Trade ging, na, wie lange hat es gedauert? Die Hamburger sagten, man müsse seriös sein. Aber sie meinten, man müsse Gentleman sein. Auf einmal hat das alles aufgehört. Ich spreche garnicht von dem Antisemitismus. Das ist ein Sonderkapitel. Das ist ein Kapitel von feiger Niedertracht und von Viecherei. Ich spreche hier jetzt nur vom Geschäft. Stellen Sie sich so einen Mann vor in SA-Uniform. Der ganze Kerl stinkt nach Schweiß und Leder. Mief, nannten wir das im Krieg. Aber damals waren wir eben Soldaten. Und sowas knallt nun mit den Hacken, anstatt ja zu sagen, und alles das. Wissen Sie, ich hatte auf einmal das Gefühl, der Heckerle denkt mit dem Hintern und redet mit den Hacken. Hat das was mit Gentleman zu tun? Und sowas macht jetzt in Hamburg Geschäfte. Das hätte der alte Schiffsreeder Krogmann erleben müssen, der in Winter und Sommer immer nur mit Cylinderhut zur Börse ging, dass sein Sohn in Wildwest-Uniform in Hamburg Bürgermeister spielt und zur Börse geht. Wenn ein Postdirektor in Wittstock an der Dosse oder ein Oberlehrer in Pforzheim auf einmal anfängt, Indianer zu spielen. Schön. Was geht es mich an. Aber ein Hamburger Kaufmann. Ich bitte Sie.
Also was soll ich Ihnen sagen. Eines schönen Tages, morgens um sechs Uhr, werde ich verhaftet. Von ein paar Lausejungs, die wie Krämerkommis aussahen. Und in vernünftigen Zeiten auch nichts anderes gewesen wären. Aber jetzt spielten sie Gestapo und der eine lief immer hinter dem anderen her und nannte ihn Chef. Der Chef stellte alle möglichen Fragen an mich und jedesmal, wenn ich etwas antworten wollte, brüllte er: »Schnauze.« Das war ein erstes Verhör. In meinem Leben hatte ich nichts mit der Polizei zu tun gehabt, und ich dachte mir, was kann das schon sein? Was können die wollen? Bei mir gibt es nichts zu verschweigen. Nichts gegen das Gesetz. Schließlich leben wir ja in einem Rechtsstaat. Im Ausland sollen so Ansichten verbreitet sein, dass in Deutschland unter Hitler kein Recht mehr bestehe. Na, also Übergriffe können mal vorgekommen sein. In der ersten Zeit. Aber die Regierung hat ja selbst gesagt, dass das Greuelnachrichten wären.
Sie machten bei mir Haussuchung. Kehrten das Unterste zuoberst. Drehten die Teppiche um. Dann kamen sie über meine Bibliothek.
Ich bin ein Kaufmann. Ich habe im Leben nie viel Zeit zum Lesen gehabt. Aber schließlich muss ein gebildeter Mensch ein paar ordentliche Bücher im Hause haben. Man braucht sie ja nicht alle gleich zu lesen, ich bitte Sie, wer liest heutzutage noch Goethe und Schiller und Shakespeare, aber haben muss man sie doch. Als die Kommis von der Gestapo zu Heinrich Heine kamen, riss der »Chef« die Bücher heraus und warf sie auf den Fußboden. Dabei war es eine ganz alte Ausgabe aus dem Jahr 1850 oder so, von Hoffmann & Campe. Ich hatte sie von meinem seligen Vater geerbt. »Das Schwein«, sagte der andere und stieß mit dem Fuß nach einem der Bücher, das auf der Erde lag. Denken Sie, mit dem Fuß nach einem Buch.
Ein paar Bücher von Heinrich Mann warfen sie dazu und Im Westen nichts Neues von Remarque und Petroleum von Upton Sinclair. Dann drei broschierte Bände Schwejk und zwei oder drei Romane von Traven. »Ein Marxistenschwein sind Sie also auch«, schrie der Chef und der Andere grinste. Schließlich sammelte sich ein ganzer Haufen Bücher auf der Erde und die beiden traten ungeniert darauf herum. Schließlich riefen sie einen SA-Mann herein, der vor der Tür gestanden hatte, er solle die Bücher runter schaffen, ins Auto. Der SA-Mann knallte mit den Hacken und grinste und sagte zu mir: »Das wird ja wieder ein lustiges Feuerchen geben.« »Und die Schreibmaschine holst du gleich hinterher«, rief der Chef im nach. Meine Reiseschreibmaschine stand offen auf meinem Schreibtisch. »Was wollen Sie mit meiner Schreibmaschine?«, fragte ich den »Chef.« »Schnauze«, brüllte der wieder, »damit hast du Schwein doch deine konspirativen Briefe geschrieben.« Nie in meinem Leben habe ich politische Briefe geschrieben und konspirative schon garnicht. Bei der ganzen Haussuchung war nichts und garnichts gefunden worden. Der »Chef« wollte einfach meine Schreibmaschine klauen. Vielleicht wollte er sie verkaufen, vielleicht gefiel sie ihm und er wollte sie für sich. Damals kamen mir zum ersten Mal Bedenken über das neue deutsche Recht. Ich dachte, ob an den »Greuelmärchen« nicht doch was Wahres dran sein sollte.
Unterwegs im Auto, durch wohlbekannte Straßen, dachte ich, was kann dir im Auto, mitten in der Stadt passieren? Und sagte zu dem »Chef«: »Das scheint mir eine Verhaftung zu sein. Darf ich fragen warum?« »Das weißt du Schwein besser als wir«, sagte der. Ich sah den Anderen an. Der sagte garnichts. Spuckte nur aus, mir direkt auf den Stiefel. So kam ich in das Hamburger »Stadthaus«, einem früheren Verwaltungsgebäude am Ende des Neuen Wall, Hamburgs vornehmster Geschäftsstraße. Jetzt ist das Haus Gestapo Zentrale. Und im Keller Folterkammer. Bitte sehr, Sie mögen es glauben oder nicht. Hier sind Folterkammern.
Genug und gut. Es lag eine Anzeige gegen mich vor, wegen Devisenschiebungen. Ich solle ein Teil meines Vermögens in fremden Valuten im Ausland angelegt haben. Unsere Firma hat große Geschäfte mit dem Ausland gemacht. Seit über fünfzig Jahren. Seit sie existiert. Natürlich hat es da Devisenüberweisungen hin und her gegeben. Das ist ja selbstverständlich. Aber nie habe ich einen Pfennig privaten Vermögens im Ausland angelegt. Mein Vater hatte immer gesagt: »Ein anständiger Hamburger Kaufmann tut das nicht.« Und so ist es verblieben. Leider, möchte ich heute sagen, denn hätte ich es anders gehalten, brauchte ich jetzt nicht im letzten Hemd hier zu sitzen. Im Übrigen hätte ich das ja ohne unseren Buchhalter und ohne Heckerle garnicht machen können. Ehrlich gesagt, ich hätte garnicht gewusst, wie man das praktisch anfängt. Ich habe mich doch um die Technik der Details niemals gekümmert. Als mein Prozess schließlich zur Verhandlung kam, nach vierzehn Monaten Untersuchungshaft, und was für Untersuchungshaft, hat unser Buchhalter als Zeuge auch so ausgesagt. Das hat ihn dann seine Stellung gekostet und der Mann ist verheiratet und hat zwei Kinder. Und ich habe ihn eigentlich nie besonders behandelt. Für Buchhaltungssachen habe ich mich nie interessiert. Heckerle war nicht zum Prozess als Zeuge erschienen. Warum nicht? Er war gar nicht geladen worden, obwohl mein Anwalt das beantragt hatte. Warum nicht? Weil doch die Anzeige gegen mich von ihm gemacht worden war. Jawohl, von Heckerle. Der seit über dreißig Jahren bei der Firma war. Der alles, was er war, durch die Firma geworden war. Der langjährige Prokurist und Freund der Familie. Mein Gott, ja. Zu großen Gesellschaften hatte mein seliger Vater ihn nicht geladen. Schließlich war er ja nur Prokurist und stand mit dem Fischbesteck auf Kriegsfuß. Aber drei, vier Mal jedes Jahr an Sonntagen, hat er an unserem Tisch gesessen. Und über alles hat man mit ihm gesprochen. Über die intimsten Dinge. Ich weiß noch, das ist jetzt dreißig Jahre her, ich stand damals vor der Matura. Das sagte mir mein Vater: »Komm mal heute Abend ins Büro, Heckerle möchte dich sprechen.«
Was hatte Heckerle für einen Auftrag? Er setzte sich mit mir auf das Ledersofa im Privatkontor und sagte, ein junger Mann wie ich, und unmittelbar vor dem Examen. Da müsse man freien Kopf haben und so. Ruhiges Blut und so. Na, und dann gingen wir nachher zusammen in ein Bordell. Und Heckerle suchte ein Mädchen für mich aus und schickte mich mit ihr »nach oben«. Es war ein sehr vornehmes Bordell, eine große Majestät von Dänemark soll da gestorben sein. Das war meine erste private Beziehung mit Heckerle. So standen wir mit dem Mann. Und der ging hin und zeigte mich bei der Staatsanwaltschaft wegen Devisenschiebung an, wo er wusste, dass kein Wort davon wahr sei.
Als ich endlich freigesprochen war und aus dem Gefängnis kam, erwartete mich am Tor der alte Anwalt unserer Firma, der mich auch verteidigt hatte. Wir stiegen in sein Auto. Als wir um die erste Straßenecke herum waren, klopfte er mir auf die Schulter. »Großartig«, sagte er. »Na, immerhin, nach vierzehn Monaten«, sagte ich. »Das meine ich nicht«, sagte er, »nur, dass wir hier heil um die Ecke gekommen sind. Es kommt nämlich oft vor, dass freigesprochene, von der Staatsanwaltschaft entlassene Leute hier von der Gestapo in Schutzhaft genommen werden und im K.Z. landen. Offen gestanden, ich hatte ein bisschen Angst.« »Na, und was nun?«, fragte ich. »Jetzt fahren wir zu mir nach Hause und frühstücken«, sagte er und zwinkerte mir dabei zu. »Aha«, dachte ich, »der Chauffeur. Auch schon spitzelverdächtigt.« Ich merkte, ich hatte in den vierzehn Monaten da drinnen doch etwas gelernt.
Wir fuhren über die Lombardsbrücke. Rechts die Wasser der Binnenalster und die Türme von Hamburg und die ganze City rundum. Und links die Außenalster, ganz weit und voll Sonne, Segelboote und Kastanienbäume und die Eichen vom Harvestehuder Weg. Zehntausendmal in meinem Leben bin ich wohl über die Lombardsbrücke gegangen oder gefahren. Und jedesmal, jedesmal habe ich einen Blick nach links und einem Blick nach rechts getan, über die Alster und über die Stadt. Jedesmal war ich dann ganz stolz und gerührt zugleich. Das ist so ein Gefühl, so ungefähr muss den Dichtern zu Mut sein. Wenn ich ein Dichter wäre, ich möchte Gedichte von der Alster machen. Wissen Sie, was die Alster ist? Ein sehr breiter Fluss, der mitten durch Hamburg geht, wie ein See? Das kann schon sein. Die Alster, das ist etwas Schönes, was sich nicht so sagen lässt. Das ist etwas Frohes mit tausend kleinen, fröhlichen Booten. Das ist ein Frieden, mitten im Lärm und Getriebe. Das ist ein frischer Wind am Morgen und eine selige Müdigkeit am Abend. Weiße, kleine Dampfer. Und Hängeweiden und Segelboote und Schwäne und ein Kanu, in dem man in der Sommernacht schlafen kann, wenn man zu faul ist, nach Hause zu paddeln, und morgens heraus aus dem Boot, ins Alsterwasser, ausgeschwommen und einen Kornschnaps hinterher am Uhlenhorster Fährhaus. Meinen Sie, das sei die Alster? Das ist doch alles nur ein Teil. Das ist doch nur Äußeres. Ich bin ja kein Dichter und ich glaube an nichts. Sonst möchte ich sagen, die Alster, das ist das Auge Gottes. Die Alster, das ist doch zu Hause. Das ist doch Heimat. Immer gewesen und ewig seiend.
Und nun will ich Ihnen mal was sagen. Dahier, ein etwas staubiges Kaffeehaus. Und ich eine überflüssige Vergessenheit. Und keine Heimat. Und eine Fremde, nasskalt wie das Wetter. Und wenn Sie mir nun sagen: hier ist der Zaubermantel aus Tausendundeiner Nacht. Steig auf und im Augenblick sind wir in Hamburg, an der Alster. Ich täte es nicht. Und wenn Sie mir sagten: Hier ist eine Tarnkappe dazu. Kein Mensch kann dich sehen und nichts könnte geschehen. Ich täte es nicht. Und täte es nicht, um alles Geld in der Welt noch dazu.
Die Alster? Die Heimat? Das ist doch das Gute. Aber da sind doch die Menschen. Da geht doch so viel um und ist das Böse. All die Gemeinheit, die Niederträchtigkeit, die Erbärmlichkeit, die Feigheit, der Verrat. Das verlegene Grinsen und nicht wissen, ob man grüßen soll. Das schnell in das nächste Haus laufen, in das nächste Schaufenster schauen. Loch in die Luft starren, mit rot angelaufenem Gesicht. Eine Dame in der Trambahn: Schaffner, der Kerl, der da neben mir sitzt, ist ja ein Judenlümmel, der kann doch draußen am Perron stehen. Sagen Sie ihm das bitte! – Da drüben, in dem kleinen Ecklokal, wo die Sonne auf die Fensterscheiben prallt, dass die blauen Alsterwellen darin spiegeln, da habe ich tausendmal nach der Börse gefrühstückt. Herr Glanz, geben Sie heute La Plata-Mais? Herr Glanz, nehmen Sie heute Donau-Gerste? Herr Glanz, was halten Sie von den Ernteaussichten in Canada? Herr Glanz, hier dürfen Sie nicht hinein. Hunden und Juden ist der Eintritt verboten. Schmeißt sie raus, die Judensau. Sowas sitzt hier in unserem Staatstheater! Ein besoffener SA-Mann torkelt dich an: »Herr, Sie wollen einen deutschen SA-Mann anrühren? Sie dreckiger Jude? Schnauze! Sonst lass ich Sie abführen.«
Nein. Keinen Zaubermantel. Da ist keine Heimat. Da ist keine Alster. Da ist kein Traum. Und keine Sehnsucht. Das Auge Gottes ward blind.
Übrigens auch mein alter Anwalt trug da ein Nazi-Parteiabzeichen mit Hakenkreuz im linken Rockaufschlag. Ich musste immerfort hinsehen. Nachher, bei ihm zu Hause, sagte er: »Na ja. Wenn ich das nicht hätte, wären Sie doch nicht hier. Entweder hätte ich Sie garnicht verteidigen können, oder es hätte gar keinen Sinn gehabt. Fünf Jahre Zuchthaus hätten Sie gekriegt, Glanz, wie garnichts.«
»Wo ich aber doch völlig unschuldig bin?«
»Und wenn Heckerle geschworen hätte?«
»Aber das wäre doch ein blöder Meineid gewesen. Jeder Bücherrevisor würde das doch nachgewiesen haben.«
»Ein arischer Eid, Glanz, ist niemals ein Meineid. Verstehen Sie doch, Mann.«
»Ich werde Herrn Heckerle sofort entlassen. Und wenn mich das jährlich ein Vermögen kostet.«
»Garnichts werden Sie. Sitzen Sie gut, Glanz? Ich meine, garnichts können Sie. Am wenigsten Heckerle entlassen. Der Mann ist doch – passen Sie gut auf, Glanz – der Mann ist doch Inhaber Ihrer Firma. Alleiniger Inhaber sogar. Dazu war doch alles inszeniert worden. Sie haben damit garnichts mehr zu tun. Die Firma ist ein national wichtiger Betrieb. Sie waren im Gefängnis. Und Heckerle wollte sich doch nicht zumuten lassen, einen »Zuchthäusler« und Juden dazu etwa zum Sozius zu haben. Na und das hat dann auch die Handelskammer eingesehen und ein entsprechendes Gutachten gegeben. Ja, Glanz, das tat die gleiche Handelskammer, in der ihr Vater jahrelang im Vorstand gesessen ist. Na, und dann kleine Eintragung im Handelsregister: Leonhard Glanz ist als Kommanditist ausgeschieden. Die Firma wird mit Aktiven und Passiven von Ernst Heckerle übernommen. So, Glanz. Jetzt wissen Sie Bescheid. Jetzt ist der Zahn gezogen. Wissen Sie, Glanz, ich werde in diesem Jahre siebzig Jahre alt, aber ich sage Ihnen, niemals in meinem Leben habe ich mich so geschämt, wie ich mich jetzt schäme vor Ihnen. Ja. Na, und nun wollen wir doch ’nen Happen frühstücken
Wie? Haben Sie was gesagt? Glanz, Sie werden mir doch jetzt nicht schlapp machen. Im U.G. haben Sie sich ordentlich gehalten. Ich weiß doch, was da vor sich geht, aber Sie haben sich gut gehalten. Das ist in unseren Kreisen eine Seltenheit. Na, nun machen Sie keine Geschichten. Wissen Sie, die Kommunisten? Alle Achtung. Wie die sich halten. Allen Respekt. Das muss man sagen. Eisern. Eisern. Aber die Leute aus unseren Kreisen? Kein Protokoll, das die nicht unterschrieben. Sie haben sich da tadellos gehalten, Glanz. Das muss man sagen. Na, und nun wollen Sie hier schlapp machen? Kommen Sie. Schiet is Dreck sin Broder. Gießen Sie einen Cognac drauf.
Wissen Sie, Glanz, wenn hier einer flennen wollte, dann müsste ich es sein. Wie stehe ich hier vor Ihnen? Ich stehe doch auf der Seite, die sich schämen müsste. Was kann Ihnen passieren? Sie werden für ein paar Wochen in ein Sanatorium gehen oder so. Na, und später wird man sehen. Besser ein paar Jahre ein bisschen das Leben genießen, als im Zuchthaus verbringen. Wer kann Ihnen was, Glanz? Sie stehen sauber da. Vor der Welt. Aber das wäre scheißegal. Glanz. Aber auch vor sich selbst. Das ist doch die Hauptsache. Mein ich. Aber der innere Schweinehund, Glanz, wer den nicht überwinden kann, der ist schlimm dran.
Na, nun kommen Sie mit nach nebenan. Sehen Sie, da hat man uns nen netten Frühstückstisch gedeckt. Kommen Sie. So. Nun erst mal nen Cognac. Und dann so’n schönes Stück geräucherten Aal. Lange nicht gehabt? Wie? Na, sehen Sie. Sie erlauben schon, dass ich Ihnen auflege. Es hätte ja auch unsere alte Marie servieren können, Sie kennen sie doch, Glanz, von früher her. So’n bisschen dick, mit roten Backen. Na ja. Was soll ich Ihnen vorflunkern. Also sie hat mir gesagt, ich könne nicht von ihr verlangen, dass sie einem Juden serviert, der noch dazu und so … Na, was soll ich machen? Nicht einmal rausschmeißen kann ich sie, zeigt sie mich an, bin ich der reingefallene.
Ne, ne. Nun meinen Sie, sie müssen mich beruhigen? Ne, ne. Ich sage Ihnen ja, wenn einer von uns zweien zu flennen hätte, dann müsste ich es sein. Nehmen Sie Pumpernickel, Glanz, frischen westfälischen Pumpernickel. Nur Butter kann ich Ihnen nicht anbieten. Butter ist in dieser Woche mal wieder knapp. Und hier, Kotelett, Glanz, kaltes Kotelett mit Kartoffelsalat. Hat Ihr Vater schon immer gern gegessen. Was ich sagen wollte … Wie? … Meine Frau? Es geht ihr gut. Danke. Sie lässt sich entschuldigen. Ja. Eigentlich sollte ich sagen, sie hätte rüber müssen, nach Rotherbaum, zur Schwägerin, die krank sei. Aber die Schwägerin ist garnicht krank. Und meine Frau ist auch nicht drüben in Rotherbaum. Ich werde Ihnen doch nichts vorflunkern. Glanz. Nicht wahr? Sie ist einfach weggegangen, was weiß ich. Sie meinte, sie sei das der Rücksicht auf die Schwester schuldig. Die Schwester ist doch mit einem Blunck verheiratet. Und der Blunck ist doch ein Vetter von dem Staatsrat Blunck, der jetzt, ich glaube, in der Reichskulturkammer sitzt und der oberste von den Dichtern ist. Hat sich in der Dichterakademie glatt auf den Stuhl von Thomas Mann gesetzt. Na, ich habe ihn noch gekannt, den Hans Friedrich Blunck, als er noch beim sozialdemokratischen Senat der Stadt Hamburg schnorren gegangen ist. Damals habe ich ihm gesagt: Hans Friedrich, den Sozikurs mache ich nicht mit. Da hat er gelächelt, so ein bisschen von oben herab. Na, und jetzt? Der kann’s. Der ist in allen Sätteln gerecht. Der ist mit allen Hunden gehetzt. Der ist mit allen Wassern gewaschen. Und da stehe ich nun dazwischen. Mit Ihnen kann ich ja reden, Glanz. Aber sonst? Mit meiner eigenen Frau kann ich doch nicht mehr reden. Das ist doch alles, ich weiß nicht wie. Dazu bin ich siebzig alt geworden. Und muss das Dings da tragen. Und der innere Schweinehund, Glanz. Um den komm ich nicht rum. Mit siebzig ist man kein Draufgänger mehr, Glanz. Sie? Sie sagen: Mi könt ji all mal Götz von Berlichingen. Aber ich. Ich muss da mitmachen, wo es mich angekotzt, bis da hinauf. Kommen Sie, Glanz, noch nen Cognac. Ich muss den schlechten Geschmack runterspülen.«
In seine Wohnung ist der vielleicht gar nicht so gleichgültige Mann Leonhard Glanz nicht mehr gegangen. Dort war, trotz des Protests des Anwaltes vor Monaten schon alles beschlagnahmt worden. Es stellte sich heraus zu Unrecht, aber da war schon alles fort. Alles ausgeplündert, was einem Plünderkommando brauchbar erschienen war. Was übrig blieb, ging in einen größeren Koffer.
