Ein Retter in der Not - Viola Maybach - E-Book

Ein Retter in der Not E-Book

Viola Maybach

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Beschreibung

Viola Maybach hat sich mit der reizvollen Serie "Der kleine Fürst" in die Herzen der Leserinnen und Leser geschrieben. Alles beginnt mit einem Schicksalsschlag: Das Fürstenpaar Leopold und Elisabeth von Sternberg kommt bei einem Hubschrauberunglück ums Leben. Ihr einziger Sohn, der 15jährige Christian von Sternberg, den jeder seit frühesten Kinderzeiten "Der kleine Fürst" nennt, wird mit Erreichen der Volljährigkeit die fürstlichen Geschicke übernehmen müssen. "Der kleine Fürst" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Sie werden abgetrieben!«, schrie jemand. »Die Frau schafft es nicht!« Dominik stand nach wie vor unbeweglich am Mainufer, starrte auf die trüben Fluten, die immer wieder über die Uferbefestigung leckten und schon bald auf die Wege neben dem Fluss überschwappen würden, wenn es weiterhin regnete. Der Wind zerrte an ihm, im Wasser sah er die beiden Köpfe, Victorias und den des Jungen. Das Wasser musste eiskalt sein, sie würden bald untergehen. Die Bilder von damals mischten sich mit denen von heute, und ganz plötzlich erwachte er wieder zum Leben. Mit einer raschen ­Bewegung entledigte er sich seines Mantels und rannte los, bis er Victoria und den Jungen ein Stück überholt hatte, dann sprang er ins Wasser. Die Kälte raubte ihm beinahe die Besinnung, aber er wusste, dass er nicht viel Zeit hatte, und so schwamm er energisch Richtung Flussmitte. Dort vorne waren sie, sie kamen rasch auf ihn zu, die Strömung war viel stärker als erwartet, das hatte er falsch eingeschätzt. »Vicky, ich komme!«, brüllte er. Hatte sie ihn gehört? Er sah sie nicht mehr, und einen Moment lang drohte ihn die Panik zu überwältigen, dass sie mit dem Jungen an ihm vorbeigetrieben war, dass er sie nicht mehr würde einholen können bei dieser starken und schnellen Strömung, doch dann tauchte ihr Kopf wieder auf, mit dem des Jungen, er war ihnen schon ganz nah. Wieder schrie er ihren Namen, und dieses Mal hörte sie ihn, er sah ihren Kopf herumfahren. »Dominik!«, schrie sie. Noch zwei kräftige Beinschläge, dann hatte er sie erreicht. »Dreh dich um!«, rief er.

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Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Der kleine Fürst – 237 –Ein Retter in der Not

… denn ihn umgibt ein schreckliches Geheimnis

Viola Maybach

»Sie werden abgetrieben!«, schrie jemand. »Die Frau schafft es nicht!«

Dominik stand nach wie vor unbeweglich am Mainufer, starrte auf die trüben Fluten, die immer wieder über die Uferbefestigung leckten und schon bald auf die Wege neben dem Fluss überschwappen würden, wenn es weiterhin regnete. Der Wind zerrte an ihm, im Wasser sah er die beiden Köpfe, Victorias und den des Jungen. Das Wasser musste eiskalt sein, sie würden bald untergehen.

Die Bilder von damals mischten sich mit denen von heute, und ganz plötzlich erwachte er wieder zum Leben. Mit einer raschen ­Bewegung entledigte er sich seines Mantels und rannte los, bis er Victoria und den Jungen ein Stück überholt hatte, dann sprang er ins Wasser.

Die Kälte raubte ihm beinahe die Besinnung, aber er wusste, dass er nicht viel Zeit hatte, und so schwamm er energisch Richtung Flussmitte. Dort vorne waren sie, sie kamen rasch auf ihn zu, die Strömung war viel stärker als erwartet, das hatte er falsch eingeschätzt. »Vicky, ich komme!«, brüllte er.

Hatte sie ihn gehört? Er sah sie nicht mehr, und einen Moment lang drohte ihn die Panik zu überwältigen, dass sie mit dem Jungen an ihm vorbeigetrieben war, dass er sie nicht mehr würde einholen können bei dieser starken und schnellen Strömung, doch dann tauchte ihr Kopf wieder auf, mit dem des Jungen, er war ihnen schon ganz nah.

Wieder schrie er ihren Namen, und dieses Mal hörte sie ihn, er sah ihren Kopf herumfahren. »Dominik!«, schrie sie.

Noch zwei kräftige Beinschläge, dann hatte er sie erreicht. »Dreh dich um!«, rief er.

Er musste ihr helfen, aus eigener Kraft schaffte sie es nicht mit dem bewusstlosen Kind, aber endlich konnte er sie unten den Armen greifen. Jetzt musste er rücklings zum Ufer schwimmen, aber er begriff schnell, dass er kaum vorankam, obwohl Victoria versuchte, ihm zu helfen. Er hatte ihr Gesicht nur kurz gesehen, die blauen Lippen, die bleichen Wangen, die Erschöpfung …

Verzweifelt kämpfte er gegen die Kälte, die Strömung, seine rasch einsetzende Ermüdung. Doch dann merkte er, dass Victoria sich nicht mehr bewegte, schwer und schlaff hing sie in seinen Armen, das Kind umklammernd.

»Vicky?«, rief er.

Sie antwortete nicht. Seine Hoffnung sank. Er hatte die Kraft nicht mehr, den Kopf zu wenden, um zu sehen, wie nahe sie dem Ufer waren. Und ob nicht endlich jemand ihnen zu Hilfe kam, es waren doch so viele Menschen am Ufer gewesen! Er hatte ja kaum noch die Kraft, seine Beine weiter zu bewegen. Nie in seinem Leben war ihm so kalt gewesen. Er fühlte Hände und Füße nicht mehr, alles Blut schien aus ihnen gewichen zu sein, er wusste, auch er würde das Bewusstsein bald verlieren. Sie würden alle drei ertrinken.

Er fing an zu fantasieren, sah den Pazifik vor sich, an Tagen wie diesem hier, wenn es windig und regnerisch war: die mächtigen Wellen, das bleigraue Wasser, den verhangenen Himmel, den nassen Sand. Aber er konnte auch anders, der Pazifik: Er konnte auch glatt und blau und verführerisch sein, und das war er ja auch oft genug gewesen.

Noch einmal bäumte er sich auf, machte weitere Beinstöße, denen aber bereits jegliche Kraft fehlte, als er mit einem Mal eine Stimme rufen hörte: »Wir sind gleich bei Ihnen, halten Sie durch!«

Er konnte nicht Ausschau halten nach dem, der da gerufen hatte. Sein Hals schien ein Eiszapfen zu sein, eine unbewegliche Säule, auf der sein Kopf saß. Er versuchte jetzt nur noch, sich, Victoria und das Kind über Wasser zu halten, nicht unterzugehen mit seiner kostbaren Last.

Wie aus dem Nichts tauchte ein Boot vor ihnen auf, und fast augenblicklich verließen ihn die letzten Kräfte, so dass Victoria ihm beinahe noch entglitten wäre. Im letzten Moment konnte er sie wieder festhalten, bevor kräftige Arme zuerst nach dem Kind, dann nach Victoria, zuletzt nach ihm griffen und sie an Bord zogen.

Er hörte Stimmen, verstand aber nicht, was sie sagten. Er spürte, wie ihm jemand etwas Warmes an die Lippen setzte, er trank ein paar Schlucke, dann verlor er das Bewusstsein.

*

Als Victoria zu sich kam, war sie in warme Decken gehüllt, neben ihr stand ein Infusionsständer. Ein freundliches Gesicht, umrahmt von kurzen grauen Haaren, beugte sich über sie. »Ich bin Dr. Meder«, sagte die Ärztin. »Sie waren sehr mutig, Frau von Dahlen, und Sie haben großes Glück gehabt.«

Mit einem Schlag fiel ihr alles wieder ein: ihre Auseinandersetzung mit Dominik; ihre Verzweiflung darüber, dass er ihre Trennung ohne Gegenwehr hinzunehmen schien; wie sie sich umgedreht hatte, um wegzugehen, damit er ihre Tränen nicht sah; und schließlich der kleine Junge, der vor ihren Augen ins Wasser gefallen war. Sie war, ohne groß nachzudenken, hinterher gesprungen.

»Wie geht es dem Jungen?«, fragte sie. Ihre Stimme war leise, sie hörte es selbst. Das Sprechen strengte sie an.

»Er wird überleben«, sagte Dr. Meder.

»Bin ich nicht ohnmächtig geworden im Wasser?«, fragte Victoria. »Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie wir herausgekommen sind. Ich habe es doch nicht mehr bis zum Ufer geschafft, oder?«

»Nein, das haben Sie nicht, Sie haben tatsächlich das Bewusstsein verloren, nachdem Sie ziemlich lange durchgehalten hatten, aber zum Glück für Sie und den Jungen ist ja noch Herr von Cronenberg in den Main gesprungen und hat Sie so lange über Wasser gehalten, bis das Rettungsboot bei Ihnen war.«

»Dominik«, sagte Victoria, eher zu sich selbst als zu der Ärztin.

»Sie kennen ihn also?«

»Ja.« Sie hätte beinahe noch mehr gesagt, hielt sich aber zurück. Das ging die Ärztin nichts an.

»Die Polizei hat seinen Mantel und Ihre Jacke am Ufer gefunden, darin befanden sich Ihre Papiere. Deshalb wissen wir Ihre Namen.«

»Wie geht es Dominik?«

Die Ärztin zögerte. »Nicht so gut«, antwortete sie. »Obwohl er kürzer im Wasser war als Sie. Er ist noch immer bewusstlos, fantasiert aber, als hätte er Fieberträume.«

»Kann ich zu ihm?«

»Es würde ihm nicht helfen und Ihnen nur schaden. Wir sind immer noch dabei, Ihren Körper wieder aufzuwärmen.« Sie wies auf den Infusionsständer. »Die Infusionen sind erwärmt, so geht es schneller, als wenn man nur von außen versucht, den Körper wieder auf Normaltemperatur zu bringen.«

»Ich glaube doch, dass es ihm helfen würde, wenn ich bei ihm wäre«, entgegnete Victoria.

Die Ärztin sah sie nachdenklich an. Sie hatte warme braune Augen. »Gedulden Sie sich noch ein bisschen«, bat sie. »Es wäre unverantwortlich, Sie jetzt schon aufstehen zu lassen. Warten Sie, bis sich Ihre Körpertemperatur normalisiert hat. Aber ich verspreche Ihnen, dass ich regelmäßig wiederkomme und Ihnen berichte, wie es Herrn von Cronenberg geht.«

Victoria nickte. Sie wollte bei Dominik sein, aber zugleich war sie so müde, dass sie nicht einmal wusste, ob sie hätte aufstehen können. Sie sehnte sich danach zu schlafen.

»Sollen wir jemanden benachrichtigen?«, fragte Dr. Meder, bevor Victoria die Augen wieder zufielen.

Auf keinen Fall ihre Eltern. Die hatten auf Umwegen doch von dem Überfall auf sie erfahren und sich so darüber aufgeregt, dass beide erneut gesundheitliche Probleme bekommen hatten. »Schloss Sternberg«, murmelte Victoria schläfrig. »Sofia und Friedrich von Kant. Das wäre sehr nett, danke.«

Elisa Meder blieb noch ein paar Minuten bei ihrer Patientin, als diese wieder eingeschlafen war. Dann eilte sie zu Dominik von Cronenberg, dessen Zustand jedoch unverändert war. Er fantasierte und schien schreckliche Albträume zu durchleben, denn er stieß immer wieder Schreie aus, die auf große Qualen schließen ließen, und war überhaupt so unruhig, dass sie das Pflegepersonal angewiesen hatte, in kurzen Abständen nach ihm zu sehen.

Als sie neben ihm stand, öffnete er die Augen, aber sie wusste, dass er sie nicht sah. »Er wird sterben«, sagte er mit klarer Stimme.

Sie beugte sich über ihn. »Wer wird sterben, Herr von Cronenberg?«

»Sehen Sie doch, er kann nicht mehr! Er geht ja immer wieder unter!«

»Der Junge? Aber nein, Sie und Frau von Gahlen haben ihn gerettet. Dem Jungen geht es den Umständen entsprechend gut.«

Er schloss die Augen wieder, murmelte noch etwas, dann war er wieder still. Auch bei ihm blieb sie einige Minuten, bevor sie sich auf den Weg zu ihrem dritten Patienten machte.

Den kleinen Jungen hatten sie wiederbeleben müssen, er hatte einen Herzstillstand erlitten, aber jetzt war sein Zustand stabil. Vier Jahre war er alt und hieß Florian Maurer. Seine Eltern saßen mit bleichen Gesichtern neben seinem Bett.

Elisa Meder wusste mittlerweile, dass sie sich gestritten und deshalb ihren kleinen Sohn vorübergehend aus den Augen verloren hatten. Sie würden sich deswegen verantworten müssen. Beide konnten nicht schwimmen, dennoch war der Vater drauf und dran gewesen, sich in den Main zu stürzen. Passanten hatten ihn davon abgehalten, sie sahen ja, wie die Frau, die den Jungen zu retten versuchte und offenbar eine gute Schwimmerin war, zu kämpfen hatte.

Gestraft sind sie genug, dachte die Ärztin, sie werden ihre Aufsichtspflichten nie wieder verletzen. Die Mutter, Simone Maurer, weinte leise, der Vater, Paul Maurer, saß vornüber gebeugt, den Kopf in die Hände gestützt.

Sie kontrollierte die Atmung des Jungen, die Körpertemperatur, die Herztätigkeit. Er war ein stämmiges Kerlchen, sie konnte sich die Situation gut vorstellen, wie er seinen Eltern entwischt war und sich neugierig dem im Augenblick so wilden Fluss genähert hatte.

Paul Maurer hob den Kopf. »Wieso wacht er nicht auf?«, fragte er mit heiserer Stimme. Seine Augen waren rot, auch er hatte geweint. »Sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist?«

»Ja, ich bin sicher. Seine Werte sind gut, Sie müssen Geduld haben.« Elisa Meder ließ ein paar Sekunden verstreichen, bevor sie hinzusetzte: »Sie sollten etwas essen und auch trinken. Vermutlich haben Sie weder Hunger noch Durst, aber nehmen Sie trotzdem etwas zu sich. Sie brauchen Ihre Kräfte, und Ihr Sohn braucht Sie.«

Simone Maurer schüttelte nur abwehrend den Kopf, ihr Mann jedoch stand auf. »Sie haben Recht«, sagte er müde. »Ich hole uns etwas. Sie haben doch hier eine Cafeteria?«

»Ja, im Erdgeschoss.«

»Was willst du, Simone?«, fragte er seine Frau.

»Egal«, lautete die leise Antwort. »Irgendwas.«

Er schien etwas erwidern zu wollen, tat es aber nicht. Elias Meder folgte ihm aus dem Zimmer. »Nehmen Sie zwei Tassen Hühnerbrühe«, riet sie. »Das ist heute die Tagessuppe, und sie ist meistens gut. Ich werde auch eine essen. Und kaufen Sie sich für später noch ein Sandwich, denn ich nehme ja an, dass Sie hierbleiben wollen.«

»Auf jeden Fall. Wir können nicht weggehen, bis … bis Flo die Augen aufgeschlagen hat«, stammelte er.

Er kam ihr so jung vor mit seinem glatten Gesicht, in das sich noch keine Falte gegraben hatte, und den wirren blonden Haaren. Wie alt mochte er sein, Mitte zwanzig? Dann hatten sie ihr Kind sehr früh bekommen.

Als hätte er ihre Gedanken erraten, sagte er: »Wir mussten damals heiraten, weil Simone schwanger geworden ist. Unsere Eltern haben darauf bestanden. Wir lieben uns, verstehen Sie mich nicht falsch, aber wir waren einfach noch nicht bereit für ein Kind. Deshalb streiten wir oft. So wie vorhin auch. Meistens geht es um Kleinigkeiten, die einen Streit eigentlich gar nicht wert sind. Vorhin ging es um Flos Kindergarten. Simone ist nicht zufrieden mit der Betreuung, und mich nervt es, dass sie immer etwas zu kritisieren hat, aber dann nichts tut. Das soll ich dann machen, dabei könnte sie sich genau so gut selbst darum kümmern, dass er woanders einen Platz bekommt. Ich arbeite den ganzen Tag, ich bin Schreiner. Seit Flo im Kindergarten ist, arbeitet sie wieder halbtags, sie hat also mehr Zeit als ich, aber das will sie nicht sehen.«

Sie waren langsam zum Aufzug gegangen, stiegen ein. »Solche Sachen halt. Es ist lächerlich, sich deshalb zu streiten und darüber nicht mitzukriegen, dass das eigene Kind fast ertrinkt.«

»Es ist nicht lächerlich, sich über solche Fragen auseinanderzusetzen. Aber Sie müssen zu Ergebnissen kommen – und sich dann auch an die Absprachen halten.«

Er nickte, den Blick zu Boden gesenkt. »Wir werden in Zukunft versuchen, es besser zu machen«, murmelte er.

»Was regt Ihre Frau denn an Ihnen auf?«

Erstaunt hob er den Kopf. »An mir? Na ja, ihr Hauptvorwurf ist, dass ich dauernd Überstunden mache, um mich vor der Hausarbeit zu drücken. Oder davor, mich mehr um Flo zu kümmern.«

»Und könnte da etwas Wahres dran sein?«

Sie sah ihm an, dass er die verneinende Antwort schon auf der Zunge hatte, doch er besann sich. »Vielleicht«, gab er zögernd zu. »In der Schreinerei habe ich meine Ruhe, da muss ich mich nicht streiten, da kann ich einfach arbeiten. Zu Hause habe ich öfter Stress.«

Elisa Meder nickte, sie konnte es sich vorstellen. »Reden Sie offen mit Ihrer Frau darüber«, sagte sie.

Der Aufzug hielt ihm Erdgeschoss, sie ging voran. »Die Cafeteria ist gleich da vorn«, sagte sie. »Und wir haben Glück, es ist nicht viel los.«

Er befolgte ihren Rat und nahm zwei Tassen Hühnerbrühe, dazu kaufte er zwei belegte Brote.

»Wir sehen uns später«, sagte sie, »ich bleibe zum Essen hier. Alles Gute.«

Er murmelte einen Dank und ging. Sie hoffte, dass es ihm und seiner Frau gelang, ihre Ehe zu retten.

*

Im Sternberger Schloss versammelte sich die Familie gerade zum Abendessen, als Eberhard Hagedorn sagte: »Herr Baron, bitte entschuldigen Sie die Störung, aber eine Frau Dr. Meder von der Universitätsklinik in Frankfurt möchte Sie sprechen. Sie sagt, es sei dringend.«

»Vielleicht geht es Vicky wieder schlechter«, sagte Anna sofort. »Vielleicht war die Gehirnerschütterung doch schlimmer als …«

Konrad unterbrach seine jüngere Schwester. »Quatsch, das ist doch schon so lange her!«

Baron Friedrich verließ den Salon, um draußen in der Eingangshalle in Ruhe zu telefonieren. »Kant«, sagte er.

»Ich bin Ärztin in der Notaufnahme der Frankfurter Universitätsklinik, Herr von Kant, mein Name ist Meder«, erwiderte eine sympathische, nicht mehr junge Stimme. »Frau von Gahlen bat mich, Sie zu benachrichtigen.«

»Was ist denn passiert?«, fragte Friedrich. »Hatte sie einen Unfall?«

Die Ärztin schilderte die Vorkommnisse unten am Mainufer, wobei sie auf dramatische Effekte verzichtete, doch was sie sagte, reichte aus, um Friedrich den Atem zu nehmen. Erst nach einer Weile begriff er, dass es nicht nur um Victoria ging, sondern mehr noch um Dominik.