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Monsieur Ladmiral, ein erfolgreicher, wenn auch konventioneller Maler, hat sich außerhalb von Paris niedergelassen, wo ihn – wie jeden Sonntag – der Sohn Gonzague mit seiner Familie besucht. Man isst, man spaziert, alles ist wie immer, bis Irène, die Tochter, auftaucht. Während Gonzague ein eher langweiliges bürgerliches Leben führt, geht Irène undurchschaubaren, doch umso lukrativeren Geschäften nach und lässt sich von niemand in die Karten ihres (Liebes-)Lebens blicken.Der Sonntag wird in Pierre Bosts Roman zu einem Panorama der Gefühle, wie sie in Familien nicht nur kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges unter der Oberfläche brodeln. Rivalität unter Geschwistern, Eifersucht und die Angst vor dem Tod des Vaters treten zutage – nur würden sich die Familienmitglieder dies nie eingestehen.
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Seitenzahl: 110
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Pierre Bost
Ein Sonntag auf dem Lande
Roman
Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Rainer Moritz
DÖRLEMANN
Die Originalausgabe »Monsieur Ladmiral va bientôt mourir« erschien 1945 bei Gallimard in Paris. Erste eBook-Ausgabe 2013 Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten © 1945 by Gallimard, Paris © 2013 by Dörlemann Verlag AG, Zürich Umschlaggestaltung: Mike Bierwolf Umschlagabbildung: Max Liebermann, Vordergarten nach Osten Porträt von Pierre Bost: © by Keystone, ROGER VIOLLET, Boris Lipnitzki Satz und eBook-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde ISBN 978-3-908778-27-1www.doerlemann.com
Pierre Bost
Für Nelly Detœuf
Wenn Monsieur Ladmiral über das Älterwerden klagte, sah er seinem Gesprächspartner mitten ins Gesicht und schlug einen provozierenden Ton an, der nach Widerspruch zu verlangen schien. Wer ihn schlecht kannte, täuschte sich leicht und antwortete, wie man es zu tun pflegt, höflich, dass sich Monsieur Ladmiral etwas einrede, er immer noch putzmunter sei und alle anderen überleben werde. Darüber ärgerte sich Monsieur Ladmiral jeweils und führte Beweise ins Feld: Er könne nicht mehr bei künstlichem Licht arbeiten, stehe in der Nacht bis zu vier Mal auf, leide unter Kreuzschmerzen, nachdem er Holz gesägt habe, und zu guter Letzt sei er über siebzig Jahre alt. Dieses Argument diente dazu, den größten Optimisten den Mund zu stopfen, und das umso mehr, da Monsieur Ladmiral nicht nur über siebzig war, sondern schlicht ganze sechsundsiebzig Jahre auf dem Buckel hatte. Folglich war es besser, keine Anstalten zu unternehmen, ihm zu widersprechen, wenn er sich übers Älterwerden beklagte. Und überhaupt: warum sollte man ihm seine letzten Vergnügen nicht gönnen? Es ärgerte ihn, älter zu werden, aber es tröstete ihn ein wenig, darüber zu klagen. Tatsächlich alterte Monsieur Ladmiral stark und das immer schneller. Das Alter ist ein sanfter Abhang, aber selbst am Ende eines sehr sanften Abhangs nehmen die Steine schließlich rasch Fahrt auf.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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