Ein total verrücktes Wochenende - Isabelle Wallon - E-Book
Beschreibung

Eine eigenwillige Frau, ein charmanter Mann und jede Menge Chaos: der Romantic-Kiss-Romane „Ein total verrücktes Wochenende“ im eBook bei dotbooks. Eigentlich sind Männer komplett überbewertet, oder? Karen fühlt sich schnell eingeengt und verzichtet daher lieber auf einen Partner. Daran ändern auch die schönen Augen und das charmante Lächeln des Fotografen Ray Coburn nichts – zumal er ihr bei der ersten Begegnung versehentlich einen Kaffee über die Hose schüttet. Warum sie sich trotzdem auf seine Einladung zu einem Drink einlässt? Nur aus Höflichkeit. Und weil sie noch nicht ahnen kann, welches Abenteuer in den nächsten 48 Stunden auf sie wartet … Jetzt als eBook kaufen und genießen: der Romantic-Kiss-Roman„Ein total verrücktes Wochenende“ von Isabelle Wallon. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:163


Über dieses Buch:

Eigentlich sind Männer komplett überbewertet, oder? Karen fühlt sich schnell eingeengt und verzichtet daher lieber auf einen Partner. Daran ändern auch die schönen Augen und das charmante Lächeln des Fotografen Ray Coburn nichts – zumal er ihr bei der ersten Begegnung versehentlich einen Kaffee über die Hose schüttet. Warum sie sich trotzdem auf seine Einladung zu einem Drink einlässt? Nur aus Höflichkeit. Und weil sie noch nicht ahnen kann, welches Abenteuer in den nächsten 48 Stunden auf sie wartet …

Die Romantic-Kiss-Romane bei dotbooks: Große Liebesgeschichten und prickelnde Flirts für die schönsten Lesestunden.

Über die Autorin:

Isabelle Wallon, geboren 1957, schreibt seit 20 Jahren Romane in den unterschiedlichsten Genres. Sie lebt und arbeitet in Hessen. Bei dotbooks erscheinen ihre folgenden Romantic-Kiss-Romane: Urlaub – Liebe inbegriffen / Der Geliebte aus Texas / Zu viel Liebe – gibt es das? / Immer wenn ich von dir träume / Verführung in Caracas / Liebe, so stürmisch wie das Meer / Ein total verrücktes Wochenende / Halt mich fest in deinen Armen / Bleib heute Nacht bei mir / Mit dir in meiner Hängematte / Traumfrau ohne Trauschein / Paris-New York mit Turbulenzen

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Überarbeitete Neuausgabe Juli 2014

Copyright © der Originalausgabe 1987 by Bastei-Verlag, Gustav H. Lübbe GmbH & Co.

Copyright © der überarbeiteten Neuausgabe 2014 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: init | Kommunikationsdesign, Bad Oeynhausen, unter Verwendung eines Motivs von thinkstockphoto, München

ISBN 978-3-95520-614-7

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Isabelle Wallon

Ein total verrücktes Wochenende

Ein Romantic-Kiss-Roman

dotbooks.

Kapitel 1

Der vollbesetzte Greyhound-Bus schlich mit quälender Langsamkeit die Serpentinen hinauf. Zur rechten Seite fiel der schneebedeckte Hang steil ab. Bisweilen gerieten die Räder des Busses so nah an die Leitplanken, dass Karen Coleman schwindlig wurde, wenn sie hinunter in die gähnende Tiefe blickte.

Der Himmel war wolkenlos, und die Sonnenstrahlen brachten den ewigen Schnee auf den Felsen ringsum zum Glitzern. Karen musste blinzeln, weil die gleißende Helligkeit ihren Augen weh tat. Sofort griff sie nach ihrer Handtasche, um eine Sonnenbrille herauszuholen.

Gerade in diesem Augenblick passierte es. Ein Junge auf dem Sitz hinter ihr, der sie mit seiner ständigen Nörgelei schon während der ganzen Fahrt ziemlich genervt hatte, klatschte ihr das Sandwich mit Erdnussbutter gegen die Bluse. Wahrscheinlich hatte er sich zu weit vorgebeugt, um möglichst gute Sicht zu haben.

Karen fuhr zusammen und blickte entsetzt auf den hässlichen braunen Fleck.

»Fred, du Satansbraten!«, kreischte die erzürnte Mutter, die das Missgeschick ihres Sohnes mitbekommen hatte. »Warum kannst du nicht stillsitzen, wie andere Leute auch? Sieh doch, was du angestellt hast!«

Statt der erwarteten Reue zeigte sich ein Grinsen im Gesicht des Jungen, der das Ganze wohl für einen großartigen Scherz hielt. Das machte die Mutter noch wütender. Sie stieß ihrem Mann, der lesend neben ihr saß, so fest in die Rippen, dass sein Gesicht einen sehr ungesunden Farbton annahm.

»Arthur, nun sag doch endlich was!«, herrschte sie ihn an.

Karen seufzte. Die Frau machte noch den ganzen Bus rebellisch. Und das war die Sache eigentlich nicht wert. Die Bluse konnte sie nach ihrer Ankunft im Sporthotel reinigen lassen.

»Es ist doch nichts Schlimmes passiert«, sagte sie halblaut. »Kinder in dem Alter sind eben ein wenig unruhig. Nichts für ungut, okay?«

Das schien die Frau halbwegs zu beruhigen. Sie warf ihrem Sohn noch einen letzten wütenden Blick zu. Aber bereits nach wenigen Minuten begann sich dieser wieder mit quengelnder Stimme zu melden. Er hatte Durst. Karen seufzte. Hoffentlich nahm diese anstrengende Fahrt durch die Berge bald ein Ende. Vor gut drei Stunden war sie von Denver aus nach Aspen aufgebrochen und sehnte sich jetzt förmlich nach einem weichen und vor allen Dingen ruhigen Platz. Sonst kam sie noch mit Kopfschmerzen im »Mountain’s Rest« an, und gerade die konnte sie nicht gebrauchen. Nicht jetzt, da sie so schnell wie möglich eine wichtige Angelegenheit zu regeln hatte.

***

Begonnen hatte alles mit einem Anruf ihres jüngeren Bruders David vor zwei Tagen. Freudestrahlend hatte er ihr mitgeteilt, dass er beabsichtige, mit seiner neuen Freundin das kommende Wochenende in Aspen zu verbringen. Und das, obwohl seine Abschlussprüfung in der darauffolgenden Woche anstand.

Der Teufel musste ihn geritten haben, als er dieses Model Sandy kennengelernt hatte, das ihm offensichtlich gehörig den Kopf verdrehte. David war schon immer ein recht labiler Charakter gewesen, der alle guten Vorsätze vergaß, wenn ihn eine hübsche Frau auf eindeutige Weise anlächelte.

Natürlich hatte Karen versucht, ihren Bruder umzustimmen, aber da war sie bei ihm auf Granit gestoßen. Er war nämlich mit seiner neuen Flamme schon längst weg gewesen, als Karen ihn in seiner Wohnung aufsuchen wollte.

Da die Abschlussprüfung für David mehr als wichtig war, blieb Karen nichts anderes übrig, als sich einzuschalten. Zum Glück hatte er ihr in seinem Übereifer erzählt, wo genau er sich in den nächsten Tagen aufhalten würde – nämlich im besten Skihotel von Aspen, dem »Mountain’s Rest«. Nachdem sie das erfahren hatte, war sie sofort entschlossen gewesen, nach Aspen zu fahren und ihrem Bruder sowie seiner Freundin gewaltig den Kopf zu waschen. Schließlich war es bodenloser Leichtsinn, dass David die Prüfung einer Liebelei wegen aufs Spiel setzte! Denn falls er durchfiel, konnte er sämtliche Zukunftspläne an den Nagel hängen.

Deswegen hatte sich Karen auf die Reise zu ihrem Bruder gemacht – nicht zuletzt auch aus Neugier auf die Frau, die es zweifellos geschafft hatte, David um den Finger zu wickeln.

***

Zur linken Seite der Straße erhoben sich schneebedeckte und zerklüftete Felsen. Karens Augen entdeckten ein Schild mit dem Hinweis, das »Mountain’s Rest« sei noch zwei Meilen entfernt. Sie atmete auf. Auf der Anhöhe vor ihnen zeichnete sich zwischen den schneebedeckten Fichten ein größeres Gebäude ab – das Hotel.

Je näher der Bus kam, umso mehr Einzelheiten konnte Karen erkennen. Sie sah den großen Parkplatz, auf dem zahlreiche Busse und Autos standen. Die Kennzeichen der Wagen wiesen darauf hin, dass die Besitzer aus vielen Bundesstaaten kamen. Von Montana bis Texas war hier alles vertreten.

Das Hotel selbst wirkte auf den ersten Eindruck recht gemütlich. Keiner dieser modernen Touristenpaläste, sondern ein Gebäude, dessen Architektur sich der Landschaft anpasste.

Zehn Minuten später hielt der Bus, und die Fahrgäste stiegen aus. Während sich Karen ungeduldig in die Warteschlange einreihte und sich ihre Winterjacke überstreifte, fieberte sie dem Treffen mit David förmlich entgegen. Sie wollte ihm in aller Deutlichkeit klarmachen, welchen Unsinn er angestellt hatte. Und sollte sich eine passende Gelegenheit ergeben, mit diesem Model zu reden, würde sie ihr auch gleich sagen, was sie von der ganzen Affäre hielt.

Die Kälte ließ sie trotz der Sonnenstrahlen frösteln. In den Bergen von Colorado herrschte ein harter Winter, und da nützte auch das bisschen Sonne nichts.

Während sie mit den anderen darauf wartete, dass das Gepäck ausgeladen wurde, spürte sie die Blicke eines älteren Mannes auf sich gerichtet. Im Laufe der Jahre hatte Karen lernen müssen, mit solchen Blicken zu leben. Sie war eine sehr attraktive Frau. Das schwarze Haar fiel ihr in sanften Wellen bis auf den Rücken. Die grünen Augen wirkten auf manchen geheimnisvoll und irgendwie erotisierend. Dazu kamen noch eine sportliche Figur und lange schlanke Beine.

Karen wusste, wie gut sie aussah. Deshalb würdigte sie den grinsenden Kerl keines einzigen Blickes, griff sich ihren Koffer und machte sich auf den Weg zum Hoteleingang.

Da sie nicht wusste, wie lange sie brauchte, um die verzwickte Angelegenheit mit ihrem Bruder zu klären, hatte sie sich auf einen unfreiwilligen Kurzurlaub eingerichtet. Ein Urlaub, dem das Visitors Bureau von Denver, in dem sie arbeitete, zum Glück zugestimmt hatte.

***

Als Karen die Lobby des »Mountain’s Rest« betrat, war sie über die geschmackvolle Einrichtung erstaunt. Es gab Hotelhallen, die Bahnhöfen ähnelten. Hier war es nicht so. Die ganze Atmosphäre wirkte persönlich und sogar ein wenig intim.

Sie wartete ab, bis sich ein paar Touristen vorgedrängt hatten – das Ehepaar mit dem verzogenen Sprössling natürlich an der Spitze. Dann ging auch sie zur Rezeption.

»Bei Ihnen müsste ein gewisser David Coleman wohnen«, sagte sie dann zu der freundlich lächelnden Dame. »Welche Zimmernummer hat er? Ich bin seine Schwester.«

»Einen Moment, bitte, Miss Coleman«, sagte die Angestellte und fragte den Computer ab. »Richtig, Mr. Coleman wohnt bei uns. Er hat Zimmer Nr. 114. Im vierten Stock. Aber er ist im Augenblick außer Haus.«

»Können Sie mir sagen, wo er sich im Augenblick aufhält und wann er wieder zurückkommt?«

Die Angestellte versprach, kurz nachzufragen, und bat um etwas Geduld. Es dauerte noch nicht einmal fünf Minuten, bis sie Bescheid wusste.

»Tut mir leid, Miss Coleman«, bekam Karen dann zu hören. »Ihr Bruder und seine Begleiterin sind heute Morgen zu einer Skitour aufgebrochen. Wir rechnen erst morgen Abend mit ihrer Rückkehr. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«

»Ja, ich hätte gern ein Zimmer«, bat Karen, denn sie sah ein, dass sie im Augenblick sowieso nichts tun konnte. Der Himmel mochte wissen, was David da wieder ausgebrütet hatte. Bestimmt hatte ihm dieses Mädchen irgendwelche Flausen in den Kopf gesetzt. Aber nun sah es wirklich so aus, als müsse sie jetzt fast zwei Tage untätig hier herumsitzen. Damit hatte sie nun nicht gerechnet.

Karen bekam nach Erledigung der Formalitäten den Zimmerschlüssel, und man wünschte ihr einen angenehmen Aufenthalt. Seufzend begab sie sich zum Lift und fuhr in die fünfte Etage.

Ihr Zimmer befand sich auf der linken Seite in der Mitte eines langen Ganges, der mit dunklem Teppichboden ausgelegt war. Nur wenige Sekunden später schloss Karen die Tür auf und stellte den Koffer ab. Erst dann sah sie sich in aller Ruhe um. Das Zimmer war recht groß und komfortabel eingerichtet. Aber das konnte man schließlich bei einem Preis von fast 80 Dollar erwarten. Da sie mit hohen Preisen gerechnet hatte, beklagte sie sich auch nicht. Am wichtigsten war schließlich immer noch die Tatsache, dass sie nun endlich das Hotel erreicht hatte, in dem sich David und seine Freundin Sandy aufhielten.

Bis zu ihrer Rückkehr musste sie eben das Beste aus ihrer Situation machen. Und dazu gehörte, das Hotel einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Deshalb packte sie ihren Koffer auch noch nicht aus, sondern stellte ihn nur neben dem Schrank ab, fuhr sich vor dem Spiegel noch einmal kurz durch die schwarze Mähne und ging.

Die Cafeteria war zu dieser Stunde bereits überfüllt. Deswegen ging Karen auf die Sonnenterrasse. Dort waren noch einige Plätze frei. Sie entschied sich für einen Tisch, von dem aus sie einen besonders guten Überblick über die verschneite Bergwelt Colorados hatte.

Sie sah nur kurz auf die Karte und bestellte dann einen Cappuccino.

Gerade als sie es sich so richtig gemütlich machen wollte, spielte ihr die unergründliche Laune des Schicksals wieder einen Streich. Plötzlich traf sie etwas kurz an der Schulter. Dadurch geriet die Tasse ins Schwanken, und es kam, wie es kommen musste. Die dampfende Flüssigkeit schwappte über den Rand der Tasse und ergoss sich mitsamt der Sahne auf Karens Hose.

Mit einem leisen Schrei fuhr Karen zusammen, drehte sich um … und blickte in das markante Gesicht eines sportlichen Typs im weißen Skianzug, der in der rechten Hand ein Paar Langlaufskier und in der linken die Stöcke hielt. Wahrscheinlich hatte er sich ein wenig ungeschickt bewegt, als er versucht hatte, sich mit den Skiern einen Weg durch die Tischreihen zu bahnen.

Karen blickte den Mann zunächst wütend an. Irgendwie wollte sie ihrem Unwillen Luft machen, aber es blieb bei dem Versuch, denn als sie in die blauen Augen des Mannes blickte, konnte sie es nicht. Sie schaffte es noch nicht einmal, ihm länger als ein paar Sekunden in die Augen zu blicken.

Während sich dies in allerkürzester Zeit abspielte, zeichneten sich Bestürzung und Sorge auf seinem Gesicht ab. Achtlos ließ er seine Skier fallen, die scheppernd auf die Terrasse krachten.

»Um Gottes willen!«, rief der Mann entsetzt und sah Karen schuldbewusst an. »Ich bin ein richtiger Tölpel, Miss. Tut mir fürchterlich leid. Selbstverständlich komme ich für die Reinigungskosten auf und …«

»Ist schon okay«, unterbrach Karen ihn und wollte gerade nach einer Serviette greifen. Sie war ja kein kleines Mädchen, das sich nicht um sich selbst kümmern konnte. Aber das ließ der Mann mit den blonden Haaren gar nicht zu. Er nahm ihr die Serviette aus der Hand und trocknete ihre Hose ab. Als er mit den Fingern über den Stoff strich, fühlte Karen, wie sie eine Gänsehaut bekam. Ein Gefühl, das sie sich nicht so recht zu erklären vermochte.

»So, das hätten wir wieder«, sagte er schließlich. »Ich möchte mich noch einmal für meine Unvorsichtigkeit entschuldigen. Ich weiß, dass dadurch die Hose nicht sauber wird, aber ich übernehme die Reinigungskosten, wie ich ja schon gesagt habe.« Er sah sie zerknirscht an. »Wie kann ich das sonst noch wiedergu-«

»Indem Sie sich endlich beruhigen«, fiel Karen ihm ins Wort. »Ich habe mich ja schon damit abgefunden, dass es hier Sitte zu sein scheint, anderer Leute Kleider zu verunreinigen. Zum Glück habe ich genügend Garderobe mit. Ich werde es also schon überstehen.«

»Trotzdem, ich bin untröstlich, Miss«, erwiderte er und sah sie dabei lange und durchdringend an. »Darf ich Sie zu einem Drink an der Bar einladen? Sie können jetzt nicht nein sagen, es ist doch das mindeste, was ich Ihnen schuldig bin. Ich heiße übrigens Ray Coburn.«

»Karen Coleman«, nannte sie ihren Namen und erhob sich dann ruckartig. Aber zu ihrer eigenen Überraschung lehnte sie sein Angebot nicht ab, sondern hörte sich selbst sagen: »Ich nehme Ihre Einladung an – aber wenn Sie nichts dagegen haben, dann möchte ich erst noch mal in mein Zimmer gehen, um mir etwas anderes anzuziehen. Optimistisch, wie ich nun mal bin, hoffe ich, dass dieser Unfall von eben der letzte für heute ist.«

Ray Coburn lächelte. »Okay, Miss Coleman. Ich warte an der Bar auf Sie.«

»Ich beeile mich.« Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Karen machte sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Während sie nach oben fuhr, fragte sie sich mehr als einmal, warum sie sich plötzlich so nervös und hektisch verhielt. Sonst war sie doch die Ruhe selbst.

Aber irgendwie hatte es dieser Ray Coburn geschafft, sie mit seiner bloßen Gegenwart unruhig zu machen. Karen konnte nicht leugnen, dass er genau ihr Typ war. Er besaß eine sportliche Figur und ein entwaffnendes Lächeln – alles Attribute, die sie sehr schätzte. Und er hatte sich wirklich Mühe gegeben, seinen Fehler wiedergutzumachen. Was also sprach dann dagegen, seine Einladung auf einen Drink anzunehmen? Natürlich nur aus Höflichkeit. Sie tat ihm damit eigentlich einen Gefallen. Und hatte ganz sicher nicht vor, sich auf einen Flirt einzulassen, auch wenn Ray Coburn blendend aussah. Karen hatte weiß Gott andere Dinge im Sinn, als sich jetzt auch noch mit so etwas zu belasten. In erster Linie ging es um ihren Bruder, der sich sehr wundern würde, seine Schwester hier zu sehen.

***

Karen brauchte noch nicht einmal zehn Minuten, um sich umzuziehen. Sie wählte einen weiten Pullover und hautenge Jeans. Warum sie sich ausgerechnet dafür entschieden hatte, wusste sie nicht so recht, als sie ihr Zimmer verließ und nach unten fuhr.

Ray Coburn saß auf einem Barhocker und drehte sich jetzt um, als Karen hereinkam. Sie registrierte das plötzliche Aufleuchten in seinen Augen und den Blick, den er für wenige Sekunden über ihren Körper wandern ließ. Karen wusste, wie gut sie aussah, und dass sie Ray Coburn gefiel, merkte sie spätestens jetzt, als sie die Bar betrat.

»Ich hoffe, ich habe Sie nicht allzu lange warten lassen, Mr. Coburn?«, fragte Karen und nahm auf dem Hocker neben ihm Platz.

Er schüttelte den Kopf. »Ich bin ein Mensch mit viel Geduld, Lady. Was möchten Sie trinken, Bourbon Soda oder etwas anderes?«

Karen nickte. Ray bestellte daraufhin beim Barkeeper zwei Drinks und wandte sich ihr dann wieder zu.

»Sie müssen mich für einen ganz schönen Dummkopf halten, Miss Coleman«, meinte er dann. »Normalerweise bekleckere ich nämlich nicht die Sachen anderer – erst recht nicht«, er senkte die Stimme leicht, », wenn es sich dabei um die Kleider von hübschen Frauen handelt …«

Karen spürte, wie eine plötzliche Röte ihr Gesicht überzog. Ein Kompliment, bei dem sie unsicher wurde! So etwas war ihr schon seit Jahren nicht mehr passiert.

Zum Glück stellte der Barmann jetzt die Drinks vor ihnen ab.

»Wie lange machen Sie hier Urlaub, Miss Coleman?«, erkundigte sich Ray neugierig. »Gefällt es Ihnen in Aspen? Woher kommen Sie?«

Viele Fragen auf einmal, fand Karen. Trotzdem war sie bereit zu antworten. Schließlich waren es Fragen, die ihr jemand anderes in dieser Situation ebenfalls gestellt hätte.

»Nur übers Wochenende«, erwiderte Karen wahrheitsgemäß. Schon wollte sie hinzufügen, dass sie hier war, um mit ihrem Bruder zu sprechen, da überlegte sie es sich doch anders. Ray Coburn war schließlich ein Fremder, und es ging ihn wirklich nichts an, wie sehr Karen das Wohl ihres Bruders am Herzen lag. Deswegen erzählte sie ihm nur, dass sie zum Skifahren und Entspannen gekommen sei. »Sonst lebe ich in Denver«, erklärte sie. »Ich arbeite im Office für Tourismus.«

»So ein Zufall«, schmunzelte Ray. »Ich komme nämlich auch aus Denver. Ich besitze dort ein kleines Fotoatelier.«

»Ach, Sie sind Fotograf?« Karen war plötzlich neugierig. »Was fotografieren Sie denn?«

»Überwiegend Dinge, die mit Mode zu tun haben«, antwortete er lächelnd. »Ich arbeite mit verschiedenen Models und leite die Bilder dann an deren Agenturen weiter.«

»So ist das also«, stellte Karen fest und trank noch einen Schluck Bourbon. »Dann sind Sie ja ein Experte in diesen Dingen …?«

Eigentlich hatte sie das nicht sagen wollen, es war ihr irgendwie doch herausgerutscht. Sie musste lernen, den Mund zu halten und erst recht die eigenen Gedanken nicht auszusprechen. Aber seltsam – in Ray Coburns Anwesenheit schienen all ihre guten Vorsätze zum Scheitern verurteilt zu sein! Und das beunruhigte Karen mit jeder Sekunde mehr.

»Ich sollte mich bei meinen Skiern bedanken«, sagte Ray und prostete ihr zu. »Schließlich habe ich es ihnen zu verdanken, dass ich – gewissermaßen – mit Gewalt auf Sie zugekommen bin. So habe ich wenigstens die Gelegenheit, mit einer äußerst charmanten Dame zu sprechen. Was halten Sie eigentlich davon, wenn wir beide heute Abend zusammen essen gingen? Ich kenne unten in Aspen ein nettes und ruhiges Lokal.«

Er untermalte diese Bitte mit einem Blick, der Butter wie nichts in der Sonne hätte schmelzen lassen. Karen hörte eine Alarmglocke in ihrem Innern schrillen. Höchste Zeit, dass sie auf Distanz ging, bevor dieser Mann ihr noch mehr Komplimente machte. Komplimente, über die sie sich im Stillen eigentlich doch sehr freute.

»Unglücklicherweise kann ich heute Abend nicht, Mr. Coburn«, erwiderte sie ausweichend und trank den Bourbon eine Spur zu hastig aus. Sie griff schon nach ihrer Handtasche und war im Begriff, sich von ihm zu verabschieden, da legte sich plötzlich seine Rechte auf ihre Hand. Seltsamerweise vermittelte diese Berührung ein Prickeln, das ihren ganzen Körper durchflutete. Ein Gefühl, das sie in dieser Intensität noch nie gespürt hatte.

»Vielleicht klappt es ja ein anderes Mal«, sagte Ray und erhob sich ebenfalls. »Darf ich Sie zum Lift begleiten?«