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»Ein Wunder läuft durch die Zeit« lädt den Leser ein zu einer faszinierenden Reise in die Welt der Bibel und präsentiert dabei eine besondere Interpretationsweise: Die Offenbarung Christi an Johannes wird hier nach dem Pyramidenprinzip betrachtet, welches einem in der Bibel sehr häufig entgegentritt, in der Offenbarung aber seinen Höhepunkt erreicht - in den vier mal sieben Stufen bei den Sendschreiben, den Siegeln, den Posaunen und den Zornschalen. Diese Interpretationsart ermöglicht ein tieferes Verständnis für den Umgang mit den an Mehrfachsymbolik und Metaphern reichen Texten der Bibel. Entstanden als Grundlage für Bibelseminare, sind die stufenweisen Erläuterungen unverzichtbar für jeden, der sich intensiv mit dem »Buch der Bücher« befassen.
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Seitenzahl: 288
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Edith Krispien · Ein Wunder läuft durch die Zeit
EDITHKRISPIEN
EINWUNDER
LÄUFT DURCH DIEZEIT
Das Pyramidenprinzip in der Offenbarung
Eine Bibelarbeit
Adresse der Autorin
Edith Krispien Hochstraße 39 60313 Frankfurt
Telefon 069/294137 E-Mail: [email protected]
Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar.
Januar 2005 Buch&media GmbH, München © 2005 Edith Krispien Umschlaggestaltung: Kay Fretwurst, Spreeau Herstellung: Books on Demand GmbH, Norderstedt Printed in Germany isbn 3-86520-039-7
INHALT
VORWORT
Der erste Brief an die Leser
DIE SIEBEN SENDSCHREIBEN AN DIE ENGEL
In der Offenbarung Christi an Johannes (Kapitel 1–13)
Die Einleitung zur gesamten Offenbarung (Kapitel 1, 1–3)
Brief und Selbstzeugnis von Johannes an die Gemeinden (Kapitel 1, 4–8)
Einleitung für die sieben Sendschreiben (Kapitel 1, 9–20)
Die sieben Sendschreiben (Kapitel 2–3)
DER THRON GOTTES UND SEINE UMGEBUNG
(Kapitel 4)
DIE SIEBEN SIEGEL
(Kapitel 5–8,1)
Die ersten sechs Siegel (Kapitel 5–6)
Erstes Zwischenstück: Die Bezeichnung der aus Israel Erwählten mit dem göttlichen Siegel (Kapitel 7, 1–8)
Zweites Zwischenstück: Die unzählbare Schar der Märtyrer aus allen Völkern (Kapitel 7, 9–17)
Die Eröffnung des siebenten Siegels (Kapitel 8,1)
DIE SIEBEN POSAUNEN
(Kapitel 8–11)
Einleitung (Kapitel 8, 2–6)
Erste bis sechste Posaune (Kapitel 8,7 – 9,1–21)
Erstes Zwischenstück: Johannes muss ein Büchlein verschlingen (Kapitel 10)
Zweites Zwischenstück: Die letzten Schicksale der heiligen Stadt und des Tempels (Kapitel 11)
Das Erschallen der siebenten Posaune (Kapitel 11, 15–19)
DIE HEILIGEN UND IHRE FEINDE
(Kapitel 12–13)
Das Weib, ihr neu geborenes Kind und der Drache (Kapitel 12)
Die zwei Tiere: Das Tier mit sieben Köpfen und zehn Hörnern (Kapitel 13, 1–10)
Das Tier mit zwei Hörnern (Kapitel 13, 11–18)
DIE ERNTE UND DIE WEINLESE
Aufstieg der vollendeten Seelen von der Erde (Kapitel 14)
Das Lamm und die Seinen auf dem Berg Zion (Kapitel 14, 1–5)
Die drei warnenden Engel (Kapitel 14, 6–13)
Die ernte und die Weinlese (Kapitel 14, 14–20)
DIE SIEBEN ZORNSCHALEN
(Kapitel 15–16)
Einleitung zu den sieben Zornschalen (Kapitel 15)
Die Ausgießung der sieben Zornschalen (Kapitel 16)
DIE ENDZEIT
(Kapitel 17–20)
Das große Babylon und das erste Tier (Kapitel 17)
Der Untergang des großen Babylon (Kapitel 18)
Frohlocken im Himmel über den Fall Babylons (Kapitel 19, 1–10)
Christus besiegt mit seinen Heerscharen die beiden Tiere und ihr Heer (Kapitel 19, 11–21)
Das tausendjährige Friedensreich auf Erden (Kapitel 20, 1–6)
Der letzte Ansturm und die Vernichtung des Satans und seiner Scharen (Kapitel 20, 7–15)
DAS HIMMLISCHE ABSCHLUSSFEST
(Kapitel 21–22)
Das neue Jerusalem (Kapitel 21)
Schlussermahnungen. Das baldige Kommen Jesu (Kapitel 22)
ZWISCHENBERICHT
Der zweite Brief an die Leser
DAS PYRAMIDENPRINZIP IN DER BIBEL
Die vier großen Propheten: Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel
Die vier Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas, Johannes
Die vier Wesen im Thron Gottes
Die vier Siebenheiten: sieben Sendschreiben, sieben Siegel, sieben Posaunen, sieben Zornschalen
SIEBEN STUFEN ABWÄRTS
Die Karriere der Dämonen
DIE ENTSTEHUNG DES GLAUBENS
Durch Information, durch eigenes Erkennen, durch Offenbarung
SCHLUSSWORT
Der dritte Brief an die Leser
ZUSCHRIFTEN
aus dem Kreis der Seminarteilnehmer
VORWORT
Der erste Brief an die Leser
Liebe Freunde,
die nachfolgenden Texte waren im Anfang die Grundlagen für meine Bibelseminare, die ich über lange Zeit gemeinsam mit meinen Teilnehmern an schönen Orten miteinander erlebt hatte. Aber die Bibel ist nun mal ein unerschöpflicher Brunnen und je mehr man sich damit beschäftigt, desto gewaltiger wird das Bild der Schöpfung, welches sich uns eröffnet.
Am Ende unserer Treffen wurde ich von den Teilnehmern immer wieder gebeten, alles doch noch einmal aufzuschreiben, damit sie es nachlesen und auch weitergeben könnten. Nun wird es also Zeit, alles zusammenzufassen und entsprechend zu ergänzen, was auch mir immer wieder eine Freude ist und wobei sich immer wieder neue Entdeckungen einstellen. Ich hoffe dadurch neue Freunde zu gewinnen aus dem Kreis meiner Leser, und vor allem hoffe ich, Menschen auf dem schmalen Weg zu Gott ein Stück begleiten zu dürfen. Für mich habe ich den Weg zu Gott an der Hand von Christus erwählt. Jedoch auch der Weg mit Buddha findet indirekt im Text seine Erwähnung (Offenbarung 11, die beiden Ölbäume).
Ich bedanke mich bei allen von euch, die an den Seminaren teilgenommen haben. Unsere gemeinsamen Erlebnisse während dieser Arbeit haben uns nicht nur tiefe Freundschaften untereinander geschenkt, sondern vor allem auch unseren Glauben gefestigt und ein unvergleichliches Licht und eine große Kraft in unser Leben gebracht. Unsere geistige Familie ist jedoch noch viel größer. Damit befasst sich der Text der Offenbarung an Johannes ausführlich.
Die Zeit geht weit über uns hinaus. Die Bibel wird weitergereicht, denn sie ist unsterblich. Unsere Freunde in der Zukunft werden ihre eigene Arbeit mit ihr tun müssen. Vielleicht können wir ihnen ein wenig dabei helfen oder sie zumindest grüßen als Mitglieder der großen Familie aus der Menschheit vom Planeten Erde, die sich bei dem himmlischen Abschlussfest zum Jubeln und Feiern zusammenfinden wird (Offenbarung 21-22).
Ich danke euch allen für eure Mitarbeit, in Vergangenheit oder Zukunft – und ich grüße euch herzlich
Eure
Edith Krispien
DIE SIEBENSENDSCHREIBEN AN DIEENGEL
IN DEROFFENBARUNGCHRISTI ANJOHANNESKAPITEL 1 BIS 3
Die Einleitung zur gesamten Offenbarung (Kapitel 1, 1–3)
Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll. Und er hat es durch Sendung seines Engels seinem Knecht Johannes kundgetan, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu bezeugt, alles, was er gesehen hat. Selig der, welcher vorliest, und die, welche hören und die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben steht, denn die Zeit ist nahe.
Diese Einleitung, Vers 1–3, stellt einen verbreiteten Irrtum richtig: Nämlich dass nicht Johannes der Offenbarer und Schöpfer des Textes ist, sondern Gott und in seinem Auftrag Christus. Johannes selbst ist der Empfänger der Offenbarung, sozusagen der Sekretär Gottes für dieses krönende Abschlussbuch der ganzen Bibel. Die gesamte Bibel ist jedoch eine untrennbare Einheit und für die Gläubigen das inspirierte Wort Gottes, gesammelt von Propheten und Gottesknechten über Jahrtausende.
Brief und Selbstzeugnis von Johannes an die Gemeinden (Vers 4–8)
Johannes an die sieben Gemeinden in Asia: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, dem treuen Zeugen, dem Erstgebornen der Toten und dem Herrscher über die Könige der Erde. Dem, der uns liebt und uns durch sein Blut von unsern Sünden erlöst hat und uns zu einem Königreich, zu Priestern für Gott, seinen Vater, gemacht hat, ihm gebührt der Ruhm und die Kraft in alle Ewigkeit. Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und sehen wird ihn jedes Auge, auch die, welche ihn durchbohrt haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, sagt Gott der Herr, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige.
Was für eine Grußadresse! Sie umfasst alle Menschen auf der Erde, dann die gläubigen Nachfolger Christi, aber auch ihre Verfolger durch alle Zeiten hindurch. Und der Empfänger der Offenbarung gibt Gott die Ehre. Nun geht der Text weiter mit der Einleitung für die sieben Sendschreiben: (Kapitel 1, 9–20)
Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Trübsal und der Königsherrschaft und dem Ausharren bei Jesus, kam auf die Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen.
Ich geriet am Tage des Herrn in Verzückung und hörte hinter mir eine starke Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es den sieben Gemeinden, nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamos und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.
Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete. Und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und inmitten der sieben Leuchter einen, der einem Menschensohn ähnlich war, bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte, und die Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel; sein Haupt aber und seine Haare waren weiß wie Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, gleich schimmerndem Erz wie aus einem feurigen Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Munde ging ein zweischneidiges scharfes Schwert hervor, und sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft.
Und als ich ihn sah, sank ich wie tot ihm zu Füßen. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig in alle Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches. Schreibe nun, was du gesehen hast und was es bedeutet und was nachher geschehen soll, das Geheimnis der sieben Sterne, die du auf meiner Rechten gesehen hast, nebst den sieben goldenen Leuchtern:
Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.
Nach der Grußadresse an alle zukünftigen Hörer und Leser in naher und ferner Zeit gibt Johannes ein kurzes Selbstzeugnis. Bruder und Mitgenosse in der Trübsal… Er war der Jünger, der als Einziger bis unter das Kreuz ging, während die anderen geflohen waren. Und im Abschluss des Johannes-Evangeliums sagte Jesus zu Petrus (Johannes 21, 22–23) …wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach! Da verbreitete sich die Rede unter die Brüder, dass jener Jünger nicht sterbe. Aber Jesus hatte zu ihm nicht gesagt, dass er nicht sterbe, sondern: Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an?
Die Jünger wollten immer gern wissen, wann ein Reich Gottes auf Erden beginnt. Aber Jesus gab ihnen in verdeckten Worten zu verstehen, dass sie selbst als Märtyrer sterben würden, so wie er, ausgenommen Johannes, der vor seinem Tode noch die Offenbarung empfangen würde. Hierzu noch Markus 9,1: Und er sprach zu ihnen, wahrlich ich sage euch: Unter denen, die hier stehen, sind einige, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes mit Macht gekommen ist. Und Johannes war schon alt, als er auf der Insel Patmos die Offenbarung empfing. Alle anderen Jünger waren bereits tot. Nun beginnt die
Einleitung für die sieben Sendschreiben
Da wird zunächst die Erscheinung geschildert, die Johannes sieht. Er selbst, der zärtlich vertraute Jünger zu Lebzeiten Jesus (Joh. 21,20), der seinen Kopf an seine Schulter lehnte und der ebenfalls zu den drei Auserwählten gehörte, denen sich Jesus in der Verklärung gezeigt hatte (Markus 9,2): …und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus, den Jakobus und den Johannes mit sich und führt sie abseits allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt und seine Kleider wurden ganz weißglänzend. Da sollte man meinen, dass er Jesus schon sehr gut kannte. Auch in der Verklärung war Jesus immer noch eine liebliche Erscheinung, die keine Furcht einflößte. Und doch, als Johannes jetzt als alter Veteran ihn in der himmlischen Erscheinung sieht – fällt er wie tot zu seinen Füßen. Und er muss beruhigt werden mit den Worten: »Fürchte dich nicht!« Jetzt hat er ihn zum ersten Mal wirklich gesehen als Christus, der in Ewigkeit lebt.
Die Erscheinung wird mit einigen Details geschildert, die alle bei den kommenden Sendschreiben an die Engel wieder auftauchen, jeweils ein Zeichen zu einem Sendschreiben. Wir werden es wiedererkennen.
Wichtig im Text dieser Einleitung zu den Sendschreiben ist noch am Schluss der Hinweis, was die Leuchter und die Sterne bedeuten. Ein sehr seltener Fall in der Bibel, dass uns bei einem verschlüsselten Text die Bedeutung mit dazu gegeben wird. Für diese Hilfe dürfen wir sehr dankbar sein, denn so lernen wir gleich am Anfang die Notwendigkeit, Symbole und Vergleichbilder richtig zu betrachten und auszulegen. Die Sterne sind also die Engel der Gemeinden und die Leuchter sind die Gemeinden.
Jedes einzelne Sendschreiben geht an den Engel einer Gemeinde. Der Name hat in seinem wörtlichen Inhalt (der sich auf irdische Orte bezieht) stets auch eine symbolische Bedeutung. Der Engel ist hier der betreuende Klassenlehrer aller Menschen auf der ganzen Erde, auf die diese entsprechende Stufe zutrifft. Der Engel ist dafür verantwortlich, dass alle Schüler dieser Klasse gut ausgebildet werden, um dann – wie auf unseren Schulen – in die nächste Klasse aufzusteigen. Die Steigerungen des geistigen Wachstums und der Prüfungen sind dabei sehr deutlich.
Alle Sendschreiben haben eine einheitliche Struktur: Zuerst kommt das Lob für das Geleistete, dann ein leichter Tadel für das Versäumte, was noch zu erreichen wäre innerhalb dieser Stufe, dann die Verheißung für die Belohnung und ganz am Schluss der Hinweis, dass auch die Mitglieder der Gemeinde die Botschaft hören können, falls sie dafür schon Ohren haben. Denn um sie geht es ja schließlich, der Engel ist nur der Vermittler, so lange, bis jeder Schüler selber die göttlichen Botschaften aufnehmen kann.
Das erste Sendschreiben –
an den Engel der Gemeinde in Ephesus (Blütenduft)
Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: dies sagt der, welcher die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter einhergeht: Ich weiß deine Werke und deine Arbeit und deine Ausdauer, und dass du die Bösen nicht ertragen kannst, und dass du die zur Genüge erprobt hast, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und sie als Lügner erfunden hast; und du hast Ausdauer und hast um meines Namens willen vieles ertragen und bist nicht müde geworden.
Aber ich habe wider dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. So denke nun daran, wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die früheren Werke! Sonst komme ich über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle stoßen, wenn du nicht Buße tust.
Aber das hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hassest, die ich auch hasse.
Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Wer überwindet, dem will ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradiese Gottes ist.
Wenn wir dieses erste Sendschreiben ganz gründlich durchgehen, werden uns die folgenden viel leichter fallen, zumal sie alle nach dem gleichen Schema aufgebaut sind. Zunächst einmal der Name Ephesus. Das heißt »Stadt der Düfte«. An anderer Stelle der Bibel werden Gebete sowie Gedanken der Liebe als ein »guter Geruch vor Gott« bezeichnet. Die Seelen, die in diese Stufe eintreten und damit ihren geistlichen Aufstieg beginnen, sind die duftenden Blüten zu Ephesus.
Nun die Vorstellung des Christus: Er beruft sich darauf, dass er die sieben Sterne in seiner Hand hält (welche die Engel darstellen, an welche die Sendschreiben gerichtet sind) und der zugleich selbst zwischen den goldenen Leuchtern (welche die sieben Gemeinden darstellen) einhergeht. Damit wird klar ausgedrückt, dass der Geist jeden von uns von innen erfüllt, uns also viel näher ist als etwas, was man in der Hand hält.
Jetzt kommt das Lob: Ich weiß deine Werke… Wir haben sie alle schon gesehen, diese Menschen in der ersten spirituellen Begeisterung. Sie sind zu erstaunlichen Leistungen fähig. Sie dienen voller Hingabe, nehmen Entbehrungen auf sich, wenden sich den Hilfsbedürftigen zu. Ob sie nun für die Bahnhofsmission Suppe kochen, ob sie in der Politik für mehr Gerechtigkeit eintreten, ob sie in andere Länder gehen, um einer Mutter Theresa zu helfen – man erkennt sie überall. Noch ein Punkt gehört zum Lob der ersten Stufe: …dass du die Bösen nicht tragen kannst, und auch, dass du falsche Apostel erkennst. Auch der Verstand muss hier seine Arbeit leisten und sich in Unterscheidungen üben. Suppe kochen allein genügt nicht. Und es gibt noch ein seltsames Lob: …dass du die Nikolaiten hassest, die auch ich hasse. Der Name Nikolaus ist in der Bedeutung identisch mit Bileam, das heißt so viel wie Volkssieger oder Volksheld. Der eine Name ist griechisch, der andere hebräisch. Im 3. Sendschreiben zu Pergamos erfahren wir noch Näheres darüber. Bileam war eine zwielichtige Figur, ein Magier, der sich von dem moabitischen König Balak kaufen ließ, um Israel während eines Krieges zu verfluchen. Später dann tut er das Gegenteil, zum Ärger dessen, der ihn gekauft hatte. Wer also die erste Stufe erfolgreich abschließen will, muss fähig sein, solche Leute zu entlarven, die auf eine Weise schwarzweiß gestreift sind. Moralisch nicht zuverlässig. Die Nikolaiten sind Anhänger des Nikolaus. Eine Sekte in Ephesus und Pergamos, die zur Hurerei und zum Essen von Götzenopferfleisch verführte.
Nun der Tadel: Du hast die erste Liebe verlassen! Hier kann es sich nur um die erste Liebe zu Gott handeln, diese begeisterte Hinwendung zum Glauben, die wohl bei jedem einmal dem Alltag zum Opfer fällt. Niemand kann auf die Dauer in den Flitterwochen leben, auch im geistigen Leben nicht. Da gibt es nur eines: Von vorn anfangen. Tue Buße und tue die früheren Werke. Sonst wird der Leuchter von seiner Stelle gestoßen. Eine ernst zu nehmende Drohung. Man kann also eine bereits erworbene geistige Stufe wieder verlieren. Das bedeutet ein Zurückfallen in den ersten Vorhof oder sogar noch weiter zurück, bis man sich an diese erste Liebe zu Gott kaum noch erinnern kann. Deshalb erfolgt hier der einzig richtige Rat: Fang von vorn an. Gib nicht auf! Denn am Ende der Stufe wartet eine große Belohnung: Der Apfel vom Baum des Lebens, der im Paradiese Gottes steht. Dabei ist zu bedenken, dass Paradiese noch nicht die himmlischen Welten sind!
Erinnern wir uns an Adam und Eva. Sie wurden nach dem Genuss des anderen Apfels vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aus dem Paradies vertrieben.
Die Mitglieder der Gemeinde des Christus zu Ephesus haben diese zweite Frucht völlig kennen gelernt, bei der langen Reise durch die Erfahrungen des irdischen Lebens. Sie haben zu unterscheiden gelernt. Kein falscher Prophet kann ihnen so leicht noch etwas vormachen.
Die erste Frucht jedoch ist am Ende der Reise die Verheißung für äonisches Leben. Die dürfen sie jetzt wieder haben. Bei der Austreibung jedoch mussten ihnen die Engel den Weg zum Baum des Lebens versperren. Hier schließt sich der Kreis mit der Offenbarung. Wer hier ankommt, erhält nun auch die erste Frucht, zusammen mit der zweiten. Ein hoher Lohn für die jungen Gläubigen nach dem Bestehen ihrer Bewährungsproben. (1. Mose 3, Vers 22: Und Gott der Herr sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, dass er weiß, was gut und böse ist. Nun aber, dass er nur nicht seine Hand ausstrecke, und auch von dem Baum des Lebens breche und ewig lebe.) In diesem frühen Zustand der Erkenntnis von gut und böse beginnt ja die lange Reise erst und die Reifung der Menschenseelen bis zur Heiligkeit.
Auch die zukünftige Weltordnung, die von dem Propheten Jesaja im Kapitel 65 beschrieben wird, wird ihnen verheißen. Aber das kann ja noch lange dauern. Unabhängig davon bleibt der Aufstieg in die Paradiese nach dem Tod auf Erden. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, wie wir später noch in den sieben Siegeln erfahren werden. Und die himmlischen Welten sind es auch noch nicht, sonst wären die sieben Stufen ja auf der ersten Stufe schon zu Ende. Die Paradiese gehören zum zweiten Schöpfungstag, zur Astralwelt, in der die Seelen erschaffen werden. Der Anfang der Paradieslegende macht es ganz klar, dass zu dieser Zeit auf der Erde noch kein Wasser und keine Pflanzenwelt existierte, denn die beginnt erst mit dem dritten Schöpfungstag. Und Adam und Eva hatten äonische Unsterblichkeit. Erst als sie sich nach der Erkenntnis von Gut und Böse ausstreckten, mussten sie durch die Sterblichkeit der Erdenmenschen gehen.
Vor dem Hinweis auf die Belohnung steht jedoch noch der wichtige Satz: Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt. Das Sendschreiben geht ja an den Engel, der die Menschen in dieser Stufe betreut. Aber hier und da kann schon ein Mitglied der Gemeinde das Gesagte verstehen. Schließlich geht der Christus zwischen den goldenen Leuchtern einher. Oder sagen wir: Der Geist steigt in jedem auf und nieder, als Atem zwischen Himmel und Erde. (Für Esoteriker: durch alle sieben Chakren, »astrale Organe« in der Wirbelsäule.) Aber die geistliche Entwicklung geht noch viel weiter. Sie fängt jetzt erst richtig an.
Das zweite Sendschreiben –
an den Engel der Gemeinde in Smyrna (Myrrhe, das Bitterkraut zur Beilage bei Opfern)
Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Dies sagt der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig geworden ist: Ich weiß deine Trübsal und deine Armut – du aber bist reich! – Und die Lästerung von Seiten derer, die sich Juden nennen und es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans. Fürchte nichts, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis bringen, dass Ihr versucht werdet, und Ihr werdet Trübsal haben zehn Tage lang.
Sei getreu bis in den Tod, und ich will dir die Krone des Lebens geben! Wer überwindet, dem soll durch den zweiten Tod kein Leid geschehen.
Eine sehr harte Stufe. Angst vor Folter und schmerzvollen Todesarten sollen hier überwunden werden. Zunächst der Name Smyrna: Das heißt Myrrhe, Weihrauch. Dabei handelt es sich um das Bitterkraut, welches bei Schlachtopfern beigegeben und mit verbrannt wurde. En Duft anderer Art und ein weißer Rauch. Christus beruft sich auf dieser Stufe auf seinen eigenen Opfertod und auf seine Auferstehung.
Die Lästerung von Juden, die es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans. Wie auf der ersten Stufe geht es hier um die Unterscheidung der echten Lehrer von den falschen. Dann kommt die Verfolgung der Mitglieder der Gemeinde hinzu. Einige werden ins Gefängnis kommen – eine wichtige Ungenauigkeit. Nicht jeder muss als Märtyrer sterben, aber jeder kann die Ängste durchleben, die mit der Verfolgung verbunden sind. Trübsal zehn Tage lang – die Zahl zehn steht in der Bibel immer für Opfer: den Zehnten opfern, zehn Gebote halten.
Der Lohn bezieht sich hier klar auf diejenigen, die bei der Verfolgung ihr Leben lassen müssen. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Eine Krone ist ein Abschluss, in diesem Fall womöglich von der langen Kette vieler Inkarnationen. Dazu passt auch der Hinweis, dass es keinen zweiten Tod mehr geben wird. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass ein Mensch alle sieben Stufen bis zur Vollendung in einem einzigen Leben durchlaufen kann, bleibt doch der Hinweis auf den Tod. Die erste Möglichkeit ist eine Reinkarnation, die gerade für die jungen Eiferer eine besondere Gefahr wäre. Sie könnten so noch einmal als Märtyrer sterben und das lässt Gott nicht zu. Sie dürfen ihr Leben abschließen und im Himmel bei Gott bleiben (siehe 5. Siegel). Aber dort müssen sie noch an ihrer Vollendung arbeiten, denn sie sind ja durch ihren Tod zu früh hinauf gekommen.
Es gibt aber noch einen zweiten Tod. Wir finden ihn in der Offenbarung 21, Vers 8: den Feuersee. Hier werden die satanischen Seelen aufgelöst. Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass für die Märtyrer der Stufe Smyrna dieser zweite Tod gemeint ist.
Und noch eine dritte Möglichkeit: Offenbarung 20. Das ganze Kapitel bezieht sich auf ein Friedensreich auf Erden für tausend Jahre, wobei die Zahl tausend in der Bibel oft für Äonen oder weitgehend unendlich steht. Darauf bezieht sich auch ganz klar das Kapitel Jesaja 65: Denn siehe, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn wie das Alter des Baumes soll das Alter meines Volkes sein… Das Alter des Baumes kann man ganz wörtlich auf tausend Jahre ansetzen. Die frühere Naturordnung – 1. Mose, Kapitel 5 – die Ahnentafel mit Methusalah, dessen Gesamtlebenszeit 969 Jahre betrug, endet erst mit Noah. Er selbst wird noch 950 Jahre alt, aber die neue Naturordnung hat für alle Menschen eine Lebenszeit von maximal 120 Jahren (1. Mose, 6, Vers 3). Das Absinken des Alters von 1000 auf 120 dauert rund 350 Jahre.
Es gibt noch viele Menschen, die sich nach einem Leben in den himmlischen Welten gar nicht sehnen. Auch dies ist eine Frage ihrer Bewusstseinsstufe. Sie sind auf irdisches Leben im Körper fixiert. Und sie sollen es ja bekommen. Das erfordert zunächst einmal den Beginn dieses goldenen Zeitalters auf Erden und dann eine Geburt in diesem Zeitalter, in dem auch die satanischen Wesen bis zum Ende dieser Zeit nicht wirken dürfen (Offb. 20, 2–3). In Vers 5 des gleichen Kapitels wird klar gesagt, dass nicht alle Toten sich hier inkarnieren dürfen: Die übrigen Toten wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Selig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm herrschen tausend Jahre.
Nun zurück zu unserem Sendschreiben zu Smyrna. Wer sich also in dieses Reich Gottes und Christi auf Erden inkarniert, und Heilige und Selige dürfen das, wird am Ende seines Lebens, welches dem Alter eines Baumes entspricht wie bei Methusalah, dennoch sterben müssen. Aber für diese Personen müssen wir den letzen Satz aus dem Sendschreiben anders betonen: Wer überwindet, dem soll durch den zweiten Tod kein Leid geschehen. Nach einem so langen Leben auf Erden kann man durchaus auch sterben, ohne zu leiden. Ein Beispiel hierfür gibt uns die Bibel durch Hiob (Hiob 42, Vers 16): Darnach lebte Hiob noch 140 Jahre, und er sah seine Kinder und Kindeskinder vier Geschlechter. Und Hiob starb alt und lebenssatt.
Das dritte Sendschreiben –
an den Engel der Gemeinde in Pergamus (Hochburg)
Und dem Engel der Gemeinde in Pergamus schreibe: Dies sagt der, welcher das zweischneidige Schwert hat: Ich weiß, wo du wohnst, wo der Thron des Satans ist; und du hältst meinen Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, in den Tagen des Antipas, meines treuen Zeugen, der bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Aber ich habe etwas weniges wider dich, dass du nämlich dort solche hast, die an der Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, den Söhnen Israels eine Falle zu stellen, so dass sie Götzenopferfleisch aßen und Unzucht trieben. So hast du auch solche, welche die Lehre der Nikolaiten in gleicher Weise festhalten. Tue also Buße, sonst komme ich schnell über dich und werde mit ihnen Krieg führen mit dem Schwert meines Mundes.
Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem will ich von dem verborgenen Manna geben und will ihm einen weißen Stein geben und auf dem Stein geschrieben einen neuen Namen, den niemand kennt, als wer ihn empfängt.
Pergamus heißt Hochburg (damals eine Stadt in Mysien, die Urheimat des Pergaments). Das Bild der Burg und ihrer Vorhöfe und Innenräume entsprach den Verteidigungsanlagen der Völker über eine sehr lange Zeit. Wir stoßen deshalb in der Bibel immer wieder auf diese Vergleiche. Hier sind nun die Mitglieder der dritten Stufe, die ihre Bekehrung zu Gott und Christus und ihre Bewährung im Dienst schon hinter sich haben. Auch die Wiederbelebung ihrer abgekühlten ersten Liebe. Sie haben ferner Verfolgung erlitten und durchlebt, ohne schwach zu werden. Das Lob zum Anfang dieser Stufe nimmt auf diese Standhaftigkeit Bezug mit dem Hinweis, dass die gegenwärtige Weltordnung dämonischer Natur ist. Das erklärt auch in unserer Zeit vieles, wenn wir uns umschauen. Der Satan ist ein Geistwesen, als solches zumindest äonisch unsterblich. Hierzu der Epheserbrief 2,1–2:
Und euch, die ihr tot wart durch eure Übertretungen und eure Sünden, in denen ihr einst wandeltet gemäß dem Äon dieser Welt, nämlich gemäß dem Beherrscher der Macht in der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams. (Wir nehmen später noch einmal Bezug darauf bei der siebenten Zornschale.)
Herodes Antipas war das zeitliche Werkzeug der satanischen Kräfte in der damaligen Zeit. Der Text ist so dicht, dass mehrere Welten ineinandergeschichtet sichtbar werden, wenn man sich nur die Zeit nimmt, diesen phantastischen Stoff geduldig zu entschlüsseln.
Jetzt der Tadel: Einige halten zur Lehre Bileams und der Nikolaiten, sie treiben Unzucht und essen Götzenopferfleisch. Luther ist hier in seiner Übersetzung drastischer: Er nennt es Hurerei und Götzenopfer, und das ist für diesen Text eigentlich klarer.
Betrachten wir doch einmal eine Hure und ihren Kunden (ohne den es ja keine Hure gäbe): Sie verkauft Liebe, obwohl das ja eine glatte Täuschung ist. Sie will etwas anderes – Geld oder Waren, die ihre Wünsche erfüllen. Der Wunsch kann ganz klar und brennend in ihrer Seele sein: ein Auto, ein Pelzmantel, eine Luxuswohnung. Das ist ihr Götze und auf diesem Altar opfert sie und räuchert sie. Dafür verkauft sie ihren Körper, der ihr nicht gehört, und heuchelt eine Liebe, die sie nicht fühlt.
Der Kunde weiß es. Er spielt das ganze Theater mit, weil er seinerseits einen Götzen hat: Den Lustgewinn mit der Hure. Dafür »isst« er ihr Götzenopfer! Dieser seltsame Handel mit Betrug auf Gegenseitigkeit ist uralt und wird weltweit praktiziert.
Wir dürfen jedoch davon ausgehen, dass die Inhaber der dritten Geistesstufe keine Probleme haben, an einem Bordell vorbeizukommen. Wir müssen das Bild also entschlüsseln und die Bedeutung der Details an unserem eigenen Wunschleben überprüfen. Vor allem aber daran, welche Preise wir zahlen, um etwas zu erreichen. Nun sieht es schon ganz anders aus, jetzt geht es nämlich um den Aufbau unserer Ethik. Ein reines, unbestechliches Gemüt entsteht durch eine lange Festigung auf dem Weg des Glaubens und die Prüfungen hören niemals auf. Sie werden nur immer feiner und versteckter.
Nehmen wir einmal einen Menschen, der eine echte Berufung in sich fühlt, auf irgendeinem Gebiet. Dann heißt es lernen und opfern, über eine lange Zeit. Wenn jedoch seine materiellen Wünsche zu stark werden oder auch Wünsche nach Ehre und Macht in ihm vorherrschen, dann wird er eine gut bezahlte Tätigkeit vorziehen und sein Ziel aus dem Auge verlieren. Dann hat er seine Lebenszeit verkauft, wie eine Hure ihren Körper, um es seinem Götzen zu opfern, vielleicht dem Erwerb eines Besitzes, der nicht unbedingt nötig war. Wer in verständlicher Abwehr sofort meint, er würde niemals Hurerei betreiben oder Götzenopfer essen, der sollte sich Zeit zu tiefem Nachdenken nehmen.
Da findet jeder in seinem Leben einen faulen Kompromiss, den er aus falschen Gründen geschlossen hat. Oft geht es auch um das Bekenntnis zur eigenen Meinung und zu dem, was man glaubt, überall im Alltagsleben. Man könnte gegen gute Bezahlung für eine Partei Wahlkampf machen und heimlich die Gegenpartei wählen. In der Welt geht das durchaus, aber vor Gott besteht es nicht. Deshalb die Warnung im Sendschreiben: Tue Buße, sonst führe ich Krieg mit dem Schwert meines Mundes. Also eine Belehrung durch harte Worte wird erfolgen. Auch Krankheit und andere Schicksalsschläge können hier helfen, den Menschen zurechtzurücken, der es mit seiner Ethik zu leicht nimmt.
Aber nun kommt die Belohnung für diese Stufe: Verborgenes Manna – das ist himmlische Ernährung! Vielleicht sogar ein persönlicher spiritueller Lehrer oder eine geistliche Erfahrung, ein Wegbegleiter auf dem langen und schmalen Pfad. Und dann gibt es hier noch etwas ganz Besonderes: Einen weißen Stein und den neuen Namen, den nur der Empfänger kennt!
Damit ist die himmlische Persönlichkeit begründet und in den Büchern des Lebens (wie es später heißt) eingeschrieben. Dieser Name kann durch keine Autorität auf Erden verliehen werden; deshalb der wichtige Hinweis, dass nur der Empfänger diesen Namen kennt. Das ist eine Sache zwischen der einzelnen Seele und Gott, nach Vollendung der dritten Stufe.
Wir kennen damit dreierlei Namen. Zunächst der Name durch die Eltern, die uns in die Welt gesetzt haben. Es ist ihr Recht, dem Kind einen Namen zu geben. Sie suchen ihn mit Liebe und Sorgfalt aus, nach eigenem Geschmack.
Der zweite Name ist der Ordensname, falls sich der Mensch für eine Karriere als Mönch oder Priester entscheidet. Er wird durch den geistlichen Vorgesetzten verliehen und löst den Geburtsnamen ab.
Der dritte Name wird im Himmel verliehen, auf einem weißen Stein. Weiß steht wie immer für Reinheit, für ein unbeschriebenes Blatt, etwas ganz Neues. Ein Stein ist im Gegensatz zu Papier fest und dauerhaft. Der Name selbst ist ein Schwingungscode, die ganz einmalige Mischung einer spirituellen Persönlichkeit.
Vergleichen wir einmal die Namen dessen, der diese Sendschreiben diktiert hat. Zunächst der Rufname Jesus, Joshua, Jehoshua, durch die Eltern im Auftrag eines Engels gegeben. Bei einer so gewaltigen Geburt durfte nichts dem Zufall überlassen bleiben. Dann kam der zweite Name bei der Beschneidung im Tempel: Immanuel. Das bedeutet: Gott mit uns. Und schließlich der dritte nach der Auferstehung als Priester nach der Ordnung Melchisedeks (Hebräerbrief Kapitel 7): Christus.
Wer sich nun an dieser Stelle Sorgen macht, ob er den dritten Namen schon habe oder nicht – er wird es schon zur rechten Zeit erfahren. Kein Mensch kann es rituell vorwegnehmen, dazu ist er nicht befugt. Es kommt auch vor, dass jemand in seinem irdischen Bewusstsein seinen dritten Namen nicht kennt, obwohl er ihn schon längst besitzt. Manchmal wird der Name auch geträumt oder als Stimme gehört. Es ist ratsam, den Namen nicht öffentlich zu tragen, es sei denn, dass dies regelrecht befohlen wird. Der Hinweis, dass nur der Empfänger den Namen wirklich kennt, besagt wohl auch, dass man damit nicht hausieren soll. Ein kleines intimes Geheimnis wird hier zum Geschenk gemacht. Es gehört in die innere Schatzkammer. Hierzu Lukas 10,20: (70 Beauftrage kamen zu Jesus zurück und freuten sich darüber, dass sie Dämonen austreiben konnten.) Jesus sieht solche Eitelkeiten nicht so gern. Er sagt zu ihnen: Doch nicht darüber freuet euch, dass die Geister euch untertan sind; freuet euch vielmehr, dass eure Namen in den Himmeln aufgeschrieben sind!
Das vierte Sendschreiben –
an den Engel der Gemeinde in Thyatira (Zitadelle)
Und dem Engel der Gemeinde in Thyatira schreibe: dies sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme und dessen Füße gleich schimmerndem Erz sind: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Ausdauer und deine letzten Werke, deren mehr sind als die ersten. Aber ich habe wider dich, dass du das Weib Isebel gewähren lässest, die sich eine Prophetin nennt und meine Knechte lehrt und verführt, Unzucht zu treiben und Götzenopferfleisch zu essen. Ich habe ihr Zeit gegeben, Buße zu tun durch Abwendung von ihrer Unzucht. Siehe, ich werfe sie aufs Siechbett und die, welche mit ihr ehebrechen, in große Trübsal, wenn sie nicht Buße tun von ihren Werken; und ihre Kinder will ich des Todes sterben lassen, und alle Gemeinden werden erkennen, dass ich es bin, der Nieren und Herzen erforscht; und ich will euch vergelten, einem jeden nach seinen Werken. Euch aber, den übrigen in Thyatira, allen, die sich nicht zu dieser Lehre halten, die nicht (wie sie sagen) die Tiefen des Satans erkannt haben, euch sage ich: Ich lege keine andere Last auf euch; nur haltet fest, was ihr habt, bis ich komme.
