Halte doch mal eine Bibelstunde! - Edith Krispien - E-Book

Halte doch mal eine Bibelstunde! E-Book

Edith Krispien

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Beschreibung

Jeder, den die Bibel schon einmal in ihren Bann gezogen hat, kommt davon nicht mehr los. Einzelne Zitate werden ihn nicht mehr zufrieden stellen. Dieses unvergleichliche Buch ist wie ein unerschöpflicher Brunnen. Ich glaube nicht, dass man jemals auf den Grund kommen kann. Erst wenn man Zusammenhänge erkennt, die auch für das eigene Leben hilfreich sein können, wird die Bibel zu einem Freund und Lebensbegleiter, den man nicht mehr vermissen möchte. Es ist ein großes Glück, wenn man diesen herrlichen Stoff, der bereits in allen Sprachen der Erde vorliegt, mit anderen Menschen gemeinsam erforschen und genießen kann. Es lohnt sich, in einem kleinen Kreis an die Arbeit zu gehen, regelmäßig zusammenzukommen und so ganz unmerklich eine große Reise anzutreten. Die Wanderkameraden werden dabei immer wichtiger und schließlich unentbehrlich. So entstehen kleine spirituelle Familien, die jedem Leben eine ganz neue Qualität geben können. Ich kann das wirklich aus Erfahrung sagen, nach vielen Jahren solcher Seminararbeit an verschiedenen Orten. Wer also Lust hat, sich einen solchen Arbeitskreis aufzubauen, dem möchte ich gern ein wenig helfen. Die Arbeitsvorlagen, die ich hier anbiete, sind teils sehr ausführlich, teils nur in Stichworten abgefasst. Bei meinen Gruppen hat es sich bewährt, eine gute Vorarbeit zu leisten und alle Bibelstellen vorab als Kopien zu verteilen. Denn fleißige Teilnehmer schreiben sonst immer gleich mit, um später noch einmal alles gründlich nachlesen zu können. Das lenkt aber ab und kostet Zeit. Ich werde auch erzählen, wie man einen solchen Tag schön gestalten kann. Die Hauptsache bleibt aber doch die Arbeit mit der Bibel. Dafür will ich nun hier eine Auswahl meiner Seminare anbieten, mit denen wir viele Themen neu verstehen und erfahren können. Nur Mut! Es lohnt sich auf jeden Fall!

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Seitenzahl: 146

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Edith Krispien

Halte doch mal eine Bibelstunde!

17Seminar-Vorlagen

Weitere Informationen über den Verlag und sein Programm

unter www.buchmedia.de

Bibliographische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliographie;

detaillierte bibliographische Daten sind im Internet

über <http://dnb.ddb.de> abrufbar.

Februar 2007

© 2007 Buch&media GmbH, München

Umschlaggestaltung: Kay Fretwurst, Freienbrink

Herstellung: Books on Demand GmbH, Norderstedt

Printed in Germany · ISBN978-3-86520-245-1

Inhalt

Liebe Freunde

Seminarvorlagen

Die größte Chance der Menschheit

Die Gottesherrschaft

Geistheilung

Die Heilung des Syrers Naeman

Zwischen Auferstehung und Himmelfahrt

Die Tage der Transformation

Die Entstehung des Glaubens

Christus erkennen und bekennen

Der Kern der christlichen Religion

Die beiden Ölbäume und der Sohn der Sklavin

Betrachtung von drei Weltreligionen in der Bibel

Gott als fühlendes Wesen

Ein Seminar über die Emotionen Gottes bei einem Streifzug durch die Bibel

Die silberne Schnur

Das Bindeglied zwischen drei möglichen Körpern

des Menschen

Die Seele der Pflanzen

Wiedergeburt und Geisttaufe:

Das Angebot Christi

Zauberei

Ein häufiger Begriff in der Bibel

Erziehungsgeschichte der Menschheit

Eine Betrachtung anhand der Bibel

Hiobs Freunde und die Karmafrage

Ein Seminar über das Buch Hiob aus der Bibel im Zusammenhang mit Goethes»Faust«

Was wirklich Liebe ist

Traut sich jemand zu, dass er Christus angehöre …?

2. Korinther 10, 7

Schlüsselworte in der Bibel

Weihnachten

Liebe Freunde

Der 7. Schöpfungstag

Liebe Freunde,

nun stelle ich einige Seminarvorlagen hier vor. Da bekommt man schon einen Eindruck, wie sich die Arbeit gestalten lässt. Die Bibel hat Antworten auf jedes Problem, und die Teilnehmer einer Gruppe kommen ganz von selbst auf Themen, die sie gern behandeln möchten. Man kann sich auch untereinander Aufgaben verteilen, an jeden, der es sich zutraut. Also wünsche ich viel Freude für den Anfang, es lohnt sich auf jeden Fall! Wenigs­tens einmal im Monat sollte man mit seiner Gruppe zusammen­kommen.

Wir haben uns in der Regel einen Samstag im Monat genommen, wegen der berufstätigen Teilnehmer. Und dann haben wir uns den Tag schön gestaltet. Jeder brachte etwas für den Mittagstisch mit, und es ist stets ein wunderbares, vielseitiges Essen für uns alle dabei herausgekommen. Nach der Bibelarbeit am Vormittag haben wir eine kurze Meditation abgehalten mit gegenseitigem Erfahrungsaustausch – und dann ging es weiter mit unserem Thema des Tages, wo wir uns für das nächste Treffen schon unsere Wünsche anhören konnten.

Da es sich bei einer solchen Arbeit nicht um eine Predigt oder eine Vorlesung handelt, wo eine Person von einem Podium aus spricht, sollte die Gruppe stets im Kreis sitzen. Dabei hat jeder den gleichen Abstand zur Mitte und jeder Teilnehmer ist gleich wichtig. Bei Lesungen kann man sich abwechseln, das ergibt sich ganz von selbst. Ihr werdet es sehen – wenn einmal eine Person nicht dabei sein kann, wird sie von allen vermisst.

Dann kam die zweite Unterbrechung: die Kaffeepause. Natürlich hatten sich auch einige dafür entschieden, einen Kuchen zu backen, während andere lieber einen Salat oder eine Suppe für das Mittagessen mitbrachten. Nach dem Kaffee wurden die Träume ausgelegt. Einer aus der Gruppe brachte immer einen Traum, meistens mehrere. Es ist eine Erfahrung, dass Menschen mit zunehmendem Wachstum in ihrem Glaubensleben auch öfter träumen und ein besseres Verständnis für Symbole entwickeln. Die biblischen Traumbeispiele helfen uns bei der Auslegung. Und wir lernen, die Träume ernst zu nehmen und besser zu behalten. Nach der Kaffeepause haben wir noch einmal eine Arbeitsstunde angehängt und uns schließlich nach einer Zeit für persönliche Gespräche verabschiedet – mit großer Freude auf das nächste Treffen. So sind wir mit der Zeit eine schöne, spirituelle Familie geworden.

Und für ein ganz besonders umfangreiches Thema lohnt sich auch schon mal ein Wochenende. Nach einer Weile macht man auch gern einmal zusammen Urlaub und verbindet die Erholung mit der spannenden Bibelarbeit. Zum Beispiel eine Woche Seminar und anschließend eine Woche zur Erholung.

Nun wünsche ich Euch Erfolg!

Eure

Edith Krispien

Seminarvorlagen

Die größte Chance der Menschheit

Die Gottesherrschaft

Wenn wir von der Schöpfung ausgehen, die wir auf der Erde sehen können in ihrer Vielfalt, so ist der Mensch bei aller nötigen Bescheidenheit an der Spitze der Evolution als das Geschöpf mit Großhirn und höchsten Möglichkeiten eigener schöpferischer Tätigkeiten.

Die Bibel schließt sich in der Schöpfungsgeschichte dieser Ansicht durchaus an. Der nächste Schritt wäre nun eine Entwicklungsstufe des Menschen, die ihn mit seinem Schöpfer in einen direkten Kontakt bringt.

Auch das war in der Planung von Gott her durchaus vorgesehen. Aber der Mensch war noch nicht so weit.

Beginnen wir mit dem 2. Buch Moses.

2. Mose 20, 18-2: Als aber das ganze Volk die Donnerschläge und Blitze, den Posaunenschall und den rauchenden Berg wahrnahm, da fürchtete sich das Volk und zitterte und blieb in der Ferne stehen. Und sie sprachen zu Mose: Rede du mit uns, so wollen wir zuhören; aber Gott soll nicht mit uns reden, sonst müssen wir sterben. Mose aber sprach zum Volke: Fürchtet euch nicht …

Auch wir wissen, dass Furcht oft zu großen Dummheiten führt. Hier wurde zum ersten Mal die große Chance verpasst, Gott direkt zu hören. Auffallend ist, was das Volk wahrnahm! – Blitze, Donner und Rauch. Schauen wir uns das mal symbolisch an – das sind große Erschütterungen, die auch Schicksalsschläge und starke Erfahrungen sein könnten, in denen ein gläubiger Mensch stets Gottes Stimme und Führung erkennen kann. In jedem Leben gibt es Wendungen, die Erdbeben gleich kommen, und auf die Menschen mit Furcht reagieren. Ein ganz besonderer Vers aus dem Hebräerbrief 1,7 weist auch noch darauf hin: Der seine Engel zu Winden macht und seine Diener zur Feuerflamme. Es kommt also darauf an, Gottes Stimme zu erkennen in allem, was uns begegnet.

Denken wir auch noch daran, wie der Knabe Samuel zum ersten Mal die Stimme Gottes hört (1. Samuel 3,1-9). Dreimal läuft der Knabe durch den Tempel zu Eli, nachdem er seinen Namen rufen hört. Im Vers 7 heißt es dann:aber Samuel kannte den Herrn noch nicht.Er musste es also erst lernen, die innere Stimme von der äußeren zu unterscheiden. Durch diese Lehrstunden geht jeder Mensch zu seiner Zeit.

Hören wir uns dazu noch den Vers zum Schluss des Kapitels an, wo Gott über Moses zu dem Volk spricht:

2. Mose 20, 25-26: Willst du mir aber einen Altar aus Steinen machen, so sollst du ihn nicht aus behauenen Steinen bauen; denn wenn du sie mit Eisen behaust, so entweihst du sie. Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar emporsteigen, damit nicht deine Blöße von ihm enthüllt werde.

Ein sehr merkwürdiger Vers, und doch schimmert bereits das spätere Evangelium hindurch. Auch dort werden Menschenseelen mit »lebendigen Steinen« verglichen, aus denen der Tempel Gottes gebaut werden soll. Und da direkter Kontakt mit Gott möglich werden soll, dürfen keine Stufen zwischen ihm und jedem einzelnen Menschen geschaffen werden. Aber genau das hatten sie mit ihrer Bitte an Moses getan: Sie hatten eine Pries­terkaste zwischen sich und Gott gestellt und verlangt, dass Gott zuerst und allein mit dem Priester reden sollte.

Die nächste Stufe des Abfalls von Gott, die zugleich eine noch größere Entfernung zwischen ihm und den Menschen aufbaut, finden wir bei Samuel:

1. Samuel 8, 4-8:Da versammelten sich alle Ältesten, kamen zu Samuel nach Ramas und sprachen zu ihm: Siehe, du bist alt geworden, deine Söhne aber wandeln nicht in deinen Wegen.So setze nun einen König über uns, dass er uns regiere, wie es bei allen Völkern Brauch ist. Doch Samuel missfiel es, als sie sagten: Gib uns einen König, dass er uns regiere. Der Herr aber sprach zu Samuel: Willfahre dem Begehren des Volkes in allem, was sie zu dir sagen; denn nicht dich, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll. Ganz so, wie sie mir getan haben seit dem Tage, als ich sie aus Ägypten heraufgeführt habe, bis auf diesen Tag …

Wir sehen also: Gott hat ein sehr gutes Gedächtnis. Das Ereignis in der Wüste liegt etwa schon 500 Jahre zurück. Damals wollten sie erst einmal einen Priester zwischen sich und Gott, um ihn nicht direkt hören zu müssen. Jetzt ist ihnen auch das nicht mehr gut genug – sie wollen eine Erbmonarchie, wo die leiblichen Söhne jeweils den Thron erben sollen, ob sie nun mit Gott reden können oder nicht. Schon der dritte König Israels, Salomo, erkannte klar, dass ein König sehr leicht einen Narren zum Nachfolger haben kann.

Wie wir in den beiden Büchern der Könige lesen können, war die Blutlinie mit vielen schlechten Königen besetzt, die anderen Göttern nachfolgten. Nur die ersten drei – Saul, David und Salomo – herrschten über das ganze Israel mit allen zwölf Stämmen. Dann wurde das Reich geteilt in Israel und Judäa. Es gab von da an zwei Königslinien, aus beiden Ländern wurden die Israelis von den Babyloniern als Sklaven weggeführt, und das Ende der Königewar die Besetzung beider Länder durch die Römer. Aber Gott hat sie nur beobachtet, jedoch immer noch nicht verlassen.

Denn nun kam Jesus. Und wir lesen:

1. Johannes, 11-12: Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Anrecht darauf, Kinder Gottes zu werden.

Damit wäre die direkte Verbindung zu Gott für jeden einzelnen Menschen wieder hergestellt, so wie sie von Anfang an geplant war. Kein Priester und kein König dazwischen, und keine andere Macht. Die wahrhaft höchste Chance der Menschheit. Einmal müssen sie es doch verstehen …

Aber Jesus war sich sehr wohl im Klaren darüber, dass die Menschen dieses Verständnis zu seiner Zeit noch nicht erreicht hatten. Er drückt es direkt aus:

Johannes 3, 31-32: Wer von oben her kommt, der ist über allen; wer von der Erde her stammt, der stammt von der Erde her und redet von der Erde her; wer vom Himmel her kommt, der ist über allen. Was er gesehen und gehört hat, das bezeugt er, und sein Zeugnis nimmt niemand an.

Das ist tragisch. Jesus wusste, wer er war, und er erfüllte seinen Auftrag als Weltlehrer innerhalb von drei Jahren, womit er wahrhaftig die Welt verändert hat. Aber er erkannte auch den Horizont von Wissen und Vorstellungen bei den Menschen, zu denen er sprach. Sie sahen einen Menschen, der gewaltig predigte und Kranke heilte, aber wie sollten sie ein Wesen erkennen, welches aus den himmlischen Welten herunter gekommen war und ihnen ihre wahre Bestimmung erklärte? Auch hier konnten sie wieder gewaltige Erschüttungen wahrnehmen, so wie seinerzeit bei Mose, aber Gottes Stimme erkannten sie auch bei ihm noch nicht. Auch das drückt Jesus aus, mit aller Trauer, die dabei hindurch klingt:

Johannes 3, 33-36: Wer sein Zeugnis angenommen hat, der hat bestätigt, dass Gott wahrhaftig ist. Denn der, den Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes, denn nicht nach begrenztem Maß gibt er den Geist.

Hier wird noch einmal ganz klar, dass Gott auf verschiedene Weise zu den Menschen reden kann und es auch tut. Wir müssen es nur richtig wahrnehmen. Deshalb heißt es auch bei Jesus immer wieder: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Geistheilung

Die Heilung des Syrers Naeman

Diese Heilungsgeschichte eines syrischen Feldherrn ist wirklich eine besondere Schlüsselgeschichte, in der die Überwindung falscher Vorstellungen von einer möglichen Geistheilung eine große Rolle spielt. Sogar Jesus beruft sich darauf: Lukas 4, 26-28.

Gehen wir sie deshalb einmal gründlich durch.

2. Könige, Kapitel 5 vollständig:

Vers 1: Naeman, der Feldhauptmann des Königs von Syrien, galt viel bei seinem Gebieter und war ein angesehener Mann; denn durch ihn hatte der Herr den Syrern Sieg verliehen. Und der Mann wurde aussätzig.

Dieser Vers ist ein starkes Beispiel dafür, wie konzentriert die Bibel ist, besonders in dieser Geschichte. Der erste Vers enthält bereits so viele Informationen, dass sie allein schon aufhorchen lassen. Hier wird also von einem General gesprochen, der gerade einen siegreichen Feldzug gegen Israel hinter sich hat. Kein Wunder, dass er bei seinem König hoch in Ehren stand. Jedoch wurde der Sieg durch denHerrn bewirkt, was die Syrer nicht wissen konnten, denn die Syrer waren Heiden und Anbeter ihres Gottes Rimmon. Für die späteren Bibelleser ist diese Information jedoch sehr wichtig.

Nun also kommt der stolze junge General von seinem siegreichen Feldzug zurück und wird gefeiert – aber dann wird er aussätzig.

Versuchen wir uns die volle Wucht der Bedeutung dieser wenigen Worte vorzustellen. Die Aussätzigen – also die Leprakranken – wurden für immer aus ihrer Gesellschaft ausgestoßen. Sie verloren alles – ihre Familie, ihren Beruf, ihre Ehre – einfach alles. Sie verbrachten ein Dasein wie in einem einzigen Horror, wo ihnen nacheinander die Gliedmaßen verfaulten, ohne die geringste Hoffnung. Und sie konnten ziemlich lange so leben. Erst im letzten Jahrhundert (genau 1957) wurde es möglich, diese schreckliche Krankheit durch Impfungen zu besiegen. Allerdings gibt es auch heute noch Leprakolonien in einigen Teilen der Welt. Was für ein Absturz von der Höhe des Ruhmes in die schrecklichste Hoffnungslosigkeit. Aber – wir erinnern uns! Das alles wurdedurchden Herrnbewirkt.

Und so können wir – 2500 Jahre später als dieses Ereignis – zu diesem wunderbaren Lehrstück kommen. Lesen wir jetzt weiter:

Vers 2-3:Nun waren die Syrer einst in Streifscharen ausgezogen und hatten ein kleines Mädchen aus dem Lande Israel hinweggeführt; das kam in den Dienst der Gemahlin Naemans. Und es sprach zu seiner Herrin: Ach, wenn nur mein Herr bei dem Propheten zu Samaria wäre! Der würde ihn von seinem Aussatz befreien.

Der Krieg, den Naeman gerade gewonnen hatte, und bei dem sicher auch Kriegsbeute gemacht wurde, hatte nichts mit den kleineren Raubüberfällen aus der Vergangenheit zu tun. Dafür spricht der Ausdruck Streifzüge von einst. Das kleine Mädchen, welches als Kind zu Naemans Ehefrau kam, hatte sich inzwischen an sein Schicksal gewöhnt und seine Pflegeeltern lieb gewonnen. Sie nimmt Anteil an seinem schrecklichen Schicksal und möchte ihm helfen. Und sie spricht direkt zu seiner Frau! Zwar erinnert sie sich nicht mehr an den Namen des Propheten in Israel (in der Provinz Samaria), aber doch an seinen Ruf, Kranke heilen zu können. Was für ein Detail! Auch in diesem Kind überlebte der Ruf der Gotteskraft länger; und so hörte es ein Heide, der den Schöpfergott des Universums nicht kannte oder je von ihm gehört hatte. So wurde diese vage Mitteilung der Anlass für die große Geschichte eines Menschen, für den es sonst keine andere Hoffnung mehr gab als nur ein Wunder. Welcher berühmte General würde schon einem Kind glauben, welches als Sklave in sein Haus gekommen war? Aber an diesem entscheidenden Punkt geht die Geschichte nun weiter:

Vers 4-6: Da ging Naeman zu seinem Herrn, teilte ihm das mit und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israels geredet. Der König von Syrien erwiderte: So ziehe hin, ich will dem König von Israel einen Brief senden. Und er zog hin und nahm zehn Talente Silber, sechstausend Lot Gold und zehn Festkleider mit. Und er brachte dem König von Israel den Brief; darin hieß es: Und nun, wenn dieser Brief an dich gelangt, so wisse, dass ich meinen Knecht Naeman zu dir gesandt habe, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.

Das ist ja nun ein so starkes Stück, dass wir hier genauer hinschauen müssen. Der König von Syrien, der gerade Israel durch seinen General Naeman besiegt hatte, schickt eben diesen Mann mit einem Brief an den besiegten König zurück, er möge ihn von der Lepra befreien – damals eine vollkommen unbesiegbare Krankheit. Eine Mischung von rührender Naivität und unglaublicher Frechheit. Dieser syrische König, selbst ein Heide und Rimmonanbeter, half seinem Freund, einem schwer zu glaubenden Hinweis durch ein Kind nachzugehen. Und da ja nun der König der höchste Mann im Staate ist, so wie er selbst, muss also der König derjenige sein, der dieses Wunder vollbringen könnte. Damit kommen wir zu der ersten falschen Vorstellung über die Geistheilung. Es ist kein weltlicher König oder sonst eine Autorität, die das bewirken könnte, sondern nur Gott allein. Die zweite falsche Vorstellung kommt noch dazu: Diese Heilung kann niemand kaufen. Und die mitgebrachten Geschenke entsprachen nach heutigem Wert rund einer Million Euro.

Nun hören wir die durchaus verständliche Reaktion des israelischen Königs:

Vers 7:Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und sprach: Bin ich denn ein Gott, der töten und lebendig machen kann, dass dieser mir entbietet, ich solle einen Menschen von seinem Aussatz befreien? Da erkennt ihr nun und seht, wie er Händel mit mir sucht!

Diese Geschichte ist ja nicht ohne Humor. Immerhin denkt der König von Israel wenigstens schon mal an Gott und sagt, dass er selber keiner sei. Aber viel weiter denkt er nicht, obwohl er es besser wissen müsste. Denn was das kleine Mädchen noch wusste, war ja auch ihm bekannt. Er fürchtete jedoch, dass die Syrer mit einem Trick einen neuen Krieg mit ihm beginnen wollen, indem sie Unmögliches verlangten. Nun greift der Mann in Israel ein, der eine echte Gottesverbindung hatte, nämlich der Prophet Elisa selbst, der große Nachfolger Elias.

Vers 8:Als der Gottesmann Elisa hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen habe, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn doch zu mir kommen, so soll er erfahren, dass es einen Propheten in Israel gibt.

Hier unterbrechen wir kurz. Nicht nur der König von Israel hätte das gleich wissen sollen, anstatt seiner Verzweiflung Luft zu machen durch eine falsche Unterstellung seinerseits, sondern auch Naeman hatte seine Reise aufgrund der Mitteilung des kleinen Mädchens gestartet; und sie hatte nur von einem Propheten gesprochen. Jetzt weiß er schon: Das Empfehlungsschreiben nützte nichts. Es ist nicht der König, und selbst für ein noch so großes Vermögen kann man ein Wunder nicht kaufen. Wir lesen weiter:

Vers 9-10: