Eine Frage der Lust am Göttlichen -  - E-Book

Eine Frage der Lust am Göttlichen E-Book

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Beschreibung

Was passiert, wenn Theologie Lust ernst nimmt - nicht als Gefahr, sondern als Kraftquelle von Liebe, Würde und Glauben? Lust am Göttlichen begleitet in dreimal sieben Tagen durch eine christologische und sensitive Theologie und ihre kirchenpraktischen Konsequenzen - vom biblischen Neu-Lesen über Kultur und Liturgie bis zu spannenden Diskussionsthemen wie Frauenordination, Ehe für alle vor dem Altar und Gewissensfreiheit. Die Reihe baut die Kluft zwischen offizieller Lehre und gelebter Realität ab und plädiert für eine Sexualethik, die dem Evangelium treu bleibt und die Lebenswirklichkeit achtet: menschenzentriert, lustfreundlich und lebensbejahend. Der erste Teil legt die Grundlagen einer Lust am Göttlichen; die folgenden Teile zeigen, wie der Frame von "Schöpfungsordnung" zu Schöpfungsvielfalt kippt und welche Folgen das für Sakramente, Sprache, Seelsorge und Kirchenrecht hat. Das Buch lädt zu einem sachlichen, deutlichen und wirksamen Dialog ein - mit Respekt vor der Tradition und klaren Worten für eine Kirche, die Vielfalt als Gabe versteht und Inkarnation leiblich respektiert. Dieser Band mit den Tagen 1-7 führt in Thema und Methode ein: Es wird skizziert, wie geteilte Lust als Abbild göttlichen Überflusses verstanden werden kann. Schlüsselkonzepte der Queer-Theorie werden gebündelt und markiert für den Sprung zur Christologie: Inkarnation, Leiblichkeit und Autorität werden im Gespräch mit Befreiungstheologien profiliert - bis hin zu strittigen Prüfsteinen wie "War Jesus schwul?" und der Frage nach der sakramentalen Trauung für alle vor dem Altar. Grenzen und blinde Flecken laden explizit zum Dialog. Ebenso wird gefragt, wie ein geweitetes Gottesbild ("Gott ist queer?") Trinität und Gender sowie interreligiöse Resonanzen neu diskutieren kann. Schließlich geht es darum, wie Forschungsagenda, pastorale Innovationen, Curricula, Religionsunterricht und digitale Räume mit Übungen versehen werden können, die Texte und Bilder bewusst neu schreiben.

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Seitenzahl: 366

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Eureka Circe ist Herausgeberin und Curatorin verschiedener Buch-Reihen zur Theologie (wie „Haus des Theologischen Gewissens“ oder „Deus Ex Machina“ sowie „Ich, Circe“) und zur Naturheilkunde. Ebenso sind erschienen die frauenpolitischen Bände „MAIDEN’S MANIFESTO – Die Feuer-Fackel: Päpstinnen der Theologie auf dem Heiligen Römischen Stuhl“, „Alice und der Wunderglaube – Wo und warum der Feminismus in der katholischen Kirche versagt“ sowie „Dignitas Omnium – Die Würde aller“.

Ihre These: “Künstliche Intelligenz (KI) stellt eine tiefgreifende Zäsur dar, weil sie das Verhältnis von Mensch, Wissen und Weltzugang fundamental verändert - nicht nur technisch, sondern auch kulturell, erkenntnistheoretisch und gesellschaftlich. Sie eröffnet einen neuen Zugang zum Wissen und führt zu dessen Vervielfachung und Demokratisierung: KI-Systeme machen Informationen niedrigschwellig verfügbar - oft ohne klassisches Lesen oder vertieftes Vorwissen. Das verändert grundlegend, wie wir denken, lernen und verstehen, und fördert zugleich eine neue Form der Individualisierung des Denkens - was sich exemplarisch auch für den spirituellen Glauben darstellen lässt. Mehr noch: Maschinen erzeugen heute Sinn - Texte, Bilder, Argumente -, wo früher ausschließlich menschliche Expertise gefragt war. Das hat langfristig Folgen für Bildung, Wissenschaft, Politik und Religion”.

Have you ever had somebody that you loved?

That you really cared about?

And this human was so damn sexy?

Made you go crazy

Made you wanna do anything

Come on!

Don’t need to lie, if I just had a taste

The way you dance, the way you move your waste

There can never be another that really amaze me

Drive me crazy, sexy sexy lover!

My sexy, sexy lover, oh tell me there’s no other

Tell me there’s no other deep in your heart

My sexy, sexy lover, I wanna be your cover

There’s no other, who’s breaking apart.

Let’s have sex! – Is it a dream?

Eric Singleton & Modern Talking.

Inhaltsverzeichnis

Band: Eine Frage der Lust am Göttlichen

Vorwort und Einleitung: Eine Frage der Lust am Göttlichen - Wie hält das Christentum es mit der Lust?

Tag 1: Warum queere Christologie? Thema, Relevanz, Forschungsstand

1.1 Begriffsklärung

1.2 Wer in Liebe Lust teilt, lebt ein Abbild des göttlichen Überflusses.

1.3 Historische Entwicklung

1.4 Konkrete Themenstellungen

1.5 Relevanz heute

1.6 Forschungsstand

1.7 Zwischenfazit: Chancen und Herausforderungen

1.8 Textlabor: „Alle eins in Christus“ – Gal 3,28 neu gelesen,

1.9 Praxisfenster: „Segen verweigert?“ – Konflikt um gleichgeschlechtliche Paare in der Gemeinde

1.10 Diskussionsfragen

1.11 Zentrale Werke

Tag 2: Grundlagen der Queer-Theorie in der Theologie

2.1 Begriffsklärung: „Queer“ – Theorie, Praxis, Haltung

2.2 Schlüsselkonzepte

2.3 Methodik queer-theologischer Textarbeit

2.4 Anwendung: Beispiel „Lazarus“ (Johannes 11)

2.5. Anwendung: Beispiel Paulus

2.6 Reflexion: Grenzen, Kritik, Anschlussfähigkeit 111

2.7 Textlabor: „Jesus liebte Lazarus“ – Freundschaft, Familie, Wahlverwandtschaft

2.8 Praxisfenster: „Queer-Modul Bibelauslegung“ – Lerneinheit Lazarus

2.9 Diskussionsfragen

2.10 Zentrale Werke

Tag 3: Von queerer Theologie zu queerer Christologie

3.1 Übergänge zur Christologie

3.2 Queere Theologie im Gespräch mit anderen Befreiungstheologien

3.3 Spezifische Fragestellungen queerer Christologie

3.4 Chancen und Spannungen: Differenzierungen und intersektionale Herausforderungen

3.5 Queere Theologie fragt: War Jesus schwul? – Eine queer-theologische Analyse

3.6 Queere Theologie fragt: Wie kann die Sakramentale Trauung von Gleichgeschlechtlichen Paaren vor dem Altar umgesetzt werden?

3.7 Queere Theologie fragt: Sind Geistliche schwul?

3.8 Textlabor: „Wo zwei oder drei versammelt sind“ – Basisgemeinde statt Hierarchie

3.9 Praxisfenster: „OutInChurch und Tonstad“ – Queere Theologie zwischen Praxis und Akademie

3.10 Diskussionsfragen

3.11 Zentrale Werke

Tag 4: Praxis, Kultur und Öffentlichkeit

4.1 Bilderwelten – Ikonographie, Kunst & Popkultur

4.2 Liturgie & Seelsorge (inkl. Trauma-Sensibilität)

4.3 Ethik, Recht, Politik

4.4 Intersektionalität & globale Perspektiven

4.5 Interreligiöse Resonanzen (Praxisdialoge zur Durchbrechung von heteropatriarchalen Systemen)

4.6 Textlabor: „Gesetz und Gnade“ – Freiheit jenseits der Norm

4.7 Praxisfenster: „Paulus im Klassenzimmer“ – Religionsunterricht und Vielfalt

4.8 Diskussionsfragen

4.9 Zentrale Werke

Tag 5: Kritik, Grenzen, Zukunft

5.1 Grenzen und blinde Flecken

5.2 Offene Fragen & Einladung zum Dialog

5.3 Textlabor: „Das queere Evangelium der Gnade“ – Einheit als Bewegung

5.4 Praxisfenster: „Queer-Ikonen“ – Jugendgottesdienst zur Woche der Vielfalt

5.5 Diskussionsfragen

5.6 Zentrale Werke

Tag 6: Vom Menschensohn zum Gottesbild – Geschlecht und Göttliches

6.1 „Gott ist queer?“ – Kontroverse und Deutungsangebote

6.2 Queere und feministische Gottesbilder

6.3 Trinität und Gender

6.4 Judentum, Islam und andere Religionen – Lehrperspektiven

6.5 Textlabor: „Gott der Vielfalt“ – Sprachlabor zu inklusiver Gottesrede

6.6 Praxisfenster: „Gesprächsabend Kirche und Geschlecht“ – Pfarrgemeinde im Dialog

6.7 Diskussionsfragen

6.8 Zentrale Werke

Tag 7: Zukünfte der queeren Christologie

7.1 Forschungsagenda

7.2 Pastorale Innovationen

7.3 Bildungs-Curricula

7.4 Digitale Räume

7.5 Offene Fragen & Einladung zum Dialog

7.6 Textlabor: „Texte umschreiben, Bilder öffnen“ – Entwicklung neuer Lesarten als Lernpraxis

7.7 Praxisfenster: „Regenbogen im Unterricht“ – Pfarrer fördert Empathie und Inklusion

7.8 Diskussionsfragen

7.9 Zentrale Werke

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Glossar

Literatur

Band: Eine Antwort der Lust am Göttlichen (I)

Vorwort und Einleitung (Band I): Eine Antwort der Lust am Göttlichen – Zur Kluft zwischen offizieller Lehre und gelebter Realität

Tag 8: Von Schöpfungsordnung zu Schöpfungsvielfalt – Wie ein zentraler Lehramts-Frame kippt

Ein alter Rahmen gerät ins Wanken

Der Lehramts-Frame: „Schöpfungsordnung“ als starres Konzept

Dogmatische Binarität: Ein theologischer Kategorienfehler

Pervertierung des Evangeliums: Wenn Ordnung zur Drohbotschaft wird

Biblische Neu-Lektüre: Vielfalt statt Fixierung in der Heiligen Schrift

Von der Gabe zur Kontrolle: Wie „Ordnung“ zum Machtinstrument wurde

Schöpfungsvielfalt: Die theologische Gegenfigur

Anthropologie und Leiblichkeit: Der Mensch im Bild des vielfältigen Gottes

Erfahrung und Befreiung: Theologie von unten nach oben

Kirche als Raum der Pluralität: Ekklesiologie einer bunten Gemeinschaft

Fazit: Umgekehrter Frame – Verheißung einer erneuerten Kirche

Tag 9: Freiheit jenseits der Norm: Paulus, Gesetz und Gnade queer lesen - Warum Paulus heute?

Historischer Kontext: Gesetz, Gnade und Konflikte der frühen Kirche

Queere Leseweise: Gnade als Überwindung normierender Kategorien 326

Hermeneutische Verantwortung: Zwischen Kontexttreue und Aktualisierung

Diskussionspotenzial: Kritik, Missverständnisse und Einwände

Praktische Konsequenzen: Für Sexualmoral, Seelsorge und kirchliche Praxis

Drei Praxisvignetten

Der Beginn: Freiheit zur Liebe – 7 Kernsätze für eine Kirche der Gnade

Tag 10: Lust, Liebe und die katholische Kirche – Ein Zwiespalt um Sexualität, Doppelmoral und Erneuerung in der katholischen Kirche

Historische Wurzeln der Lustfeindlichkeit: Von Augustinus zur Todsünde

Sexualmoral heute: Offizielle Lehre versus Lebenswirklichkeit

„Predigt Wasser, trinkt Wein“ – Die Doppelmoral und ihr Preis

Queere und feministische Perspektiven: Wider die heilige Sexualangst

Wege aus der Angst: Lust als schöpfungsgemäßer Ausdruck von Liebe

Aktion Jetzt: „Steht auf und liebt!“

Tag 11: Heilige Intimität statt sexuelle Enthaltsamkeit - Vorehelicher Sex als Sakrament der Liebe

Der offizielle Topos: Keuschheit vor der Ehe als Ideal

Qualität der Liebe statt Trauschein: Argumente für eine neue Sicht

Theologische Perspektive: Gottesnähe in der liebenden Begegnung

Ethische Neuorientierung: Verantwortung, Konsens und Fürsorge als Maßstab.

Liturgische und pastorale Konsequenzen: Von der Trauung bis zur Segnung

Fazit: Nicht die Ehe heiligt die Sexualität, sondern die Sexualität kann die Ehe heiligen

Tag 12: Die Lüge von der “Naturordnung” – warum Naturrecht an der Liebe scheitert

Natur als Norm? Die Fassade des Naturrechts bröckelt

Die Bibel erzählt Vielfalt, keine starre Ordnung

Vielfalt ist natürlich – Biologie, Körper und Wirklichkeit

Wenn aus Frohbotschaft Drohbotschaft wird – die verletzte Liebe

Schöpfungsvielfalt als Maßstab – ein neuer Weg der Ethik

Tag 13: Kommunionsperren und ihre theologische Zumutung: Wer darf an den Tisch? – Umkämpfte Sperren in der Kirche

Was heißt eigentlich Kommunionsperre?

Theologie und Konflikt: Warum wird ausgeschlossen?

Stimmen aus der Praxis: Erfahrungen der Betroffenen

Eucharistie als Einladung – nicht als Belohnung

Was wäre eine andere Logik?

Fazit: Wer darf kommen – und wer bestimmt das?

Tag 14: Relativierungen der kirchenrechtlichen Bindung des Ehesakraments

Der theologische und kirchenrechtliche Normkern: Was nicht relativiert werden kann

Relativierungen im Zustandekommen der Ehe

Queertheologische Perspektive auf die Sakramentalität: Körperlichkeit, gelebte Liebe und existenzielle Sakramentalität

Systematische Einordnung: Grenzen, Spielräume, Spannungen

Synthese und Ausblick

Anhang

Motu proprio (Entwurfsplan): Ehe für Alle vor dem Altar

Abbildungsverzeichnis

Literatur

Glossar

Band: Eine Antwort der Lust am Göttlichen (II)

Vorwort und Einleitung (Band II): Eine Antwort der Lust am Göttlichen – Zur Kluft zwischen offizieller Lehre und gelebter Realität

Tag 15: Kirchliche Verbote: Theologie oder Politik? - Was kirchliche Verbotspraxis als nicht theologisch ausweist

Dogmatische, disziplinarische und administrative Verbote

Kriterien zur Unterscheidung theologischer und nicht-theologischer Verbote

Sakramentale Liebe vs. kirchliches Nein: Ein Fallbeispiel

Unterscheiden, um dem Evangelium treu zu bleiben

Tag 16: Die schwindende Deutungshoheit der Amtskirche über das Heil

Traditionelle Monopolansprüche der Kirche und ihr Wandel

Theologische Neuorientierungen: Gnade jenseits institutioneller Monopolisierung

Queer-theologische und befreiungstheologische Perspektiven

Gesellschaftlicher Wandel: Pluralisierung, Individualisierung und Vertrauensverlust

Digitalisierung und mediale Diversifizierung religiöser Autorität

Kirchenpolitische Faktoren: innerkirchliche Spannung und Reformdruck

Fazit: Das Ende der Monopolstellung – Heil in polyzentrischer Deutung

Tag 17: Zwischen Fassade und Wahrheit- Institutionelle und persönliche Doppelmoral im Klerus und in Priesterseminaren

Einstieg: Szene und Begriffsklärung

Strukturhintergründe der katholischen Ausbildung

Mechanismen der Doppelmoral: Fassade, Schweigen und Karrieredruck

Konkrete Brennpunkte der Doppelmoral

Stimmen aus der Praxis

Folgen der Doppelmoral: Vertrauensverlust und innerer Zynismus

Differenzierungen: Integrität, Widerstand und hoffnungsvolle Ansätze

Reformpfade auf vier Ebenen: Normen, Kontrolle, Kultur, Ausbildung

Perspektive: Wahrheit statt Image – ein neuer Anfang

Tag 18: Was die Amtsvermittlungs-Exklusivität der Sakramente in Frage stellt

Systematische Linien

Sakramentenspezifische Differenzierungen

Rechtliche Rahmenbedingungen

Konkrete Kontexte

Theologische Bewertung

Tag 19: Frauenordination als Heilung kirchlicher Menschenrechtsverletzungen - Theologie und Gleichberechtigung in der katholischen Kirche

Menschenrechte: Gleichbehandlung und Zugang zu Ämtern

Theologie: Inklusives Gottesbild und Würde der Berufung

Kirchenrecht und Machtstrukturen: Von der Exklusion zur Teilhabe

Pastoral-psychologische Perspektive: Heilung verletzter Berufungen und Entfremdung

Symbolik und Liturgie: Gleichheit vor Gott – performativ gelebt

Mehr als eine Personalie – ein grundlegender Heilungsprozess

Tag 20: Keine Biologie über Gott: Im Namen des Vaters… – eine heikle Eröffnung

Zwischen Tradition und Aufbruch – warum Sprache verändern?

Queere Theologie als Impulsgeber und Hoffnung

Den Gehalt bewahren, die Bilder pluralisieren

Liturgische Sprache neu (er)finden – mit Fingerspitzengefühl

Mut zur Erneuerung, Treue zum Geheimnis

Tag 21: Gehorsam und Gewissen: Wer blind gehorcht, sündigt womöglich an der Gnade – Gehorsamskrise um die „Ehe für Alle“ vor dem Altar

Das römische Lehramt im Spiegel queerer Theologie

Sakramentale Ehe für alle: Eine zentrale Forderung der Queer-Theologie

Roms Weigerung und der sensus fidelium: Wenn das Lehramt die Ohren verschließt

Theologische und spirituelle Dimension: Gnade lässt sich nicht einsperren

Pastorale Dimension: Seelsorge im Zwiespalt zwischen Verbot und Barmherzigkeit

Rechtliche Dimension: Kirchenrecht versus Gewissen – ein unlösbarer Konflikt?

Zeichen des Wandels: Queere Liturgie und gelebter Ungehorsam „Gnade kann nicht monopolisiert werden:

Ehe-Trauungen durch die Gemeindeleitung

Fazit: Gehorsam auf dem Prüfstand – Unterscheidung der Geister statt stummes Nicken

Anhang

Wonderful Life.

Abbildungsverzeichnis

Glossar

Literatur

Vorwort und Einleitung: Eine Frage der Lust am Göttlichen - Wie hält das Christentum es mit der Lust?

Wie hält das Christentum es mit der Lust? Ist körperliches Begehren notwendigerweise ein Widerspruch zur Suche nach dem Göttlichen – oder könnte es sogar ein Weg dorthin sein? Seit Jahrhunderten werden Lust und Glaube als Gegensätze wahrgenommen. Die christliche Tradition prägte lange ein tiefes Misstrauen gegenüber der Sexualität: Schon Kirchenvater Augustinus brandmarkte die sexuelle Lust als sündhaft. Diese Lust- und Leibfeindlichkeit hatte ihre Wurzeln auch in antiken philosophischen Einflüssen, die über die Kirchenväter in das christliche Denken Eingang fanden. Doch muss dieser Gegensatz von Körper und Geist tatsächlich zum Wesen des Glaubens gehören, oder lohnt es sich, ihn neu zu hinterfragen?

Ein genauerer Blick in die biblische Überlieferung zeigt nämlich ein viel ambivalenteres – ja mitunter überraschend positives – Bild der körperlichen Liebe. Die Bibel ist voller Erotik: Besonders das alttestamentliche Hohelied feiert unverhohlen die sinnliche Liebe zwischen zwei Menschen. Dort sind Sex und Lust zutiefst genussvoll, mit allen Sinnen zu erfahren, und keinem reinen Fortpflanzungszweck unterworfen. Über die Jahrhunderte hat das Hohelied seine Leser:innen in Bann gezogen und eine tiefe Sehnsucht geweckt – eine Sehnsucht nach dem unwiderstehlich Göttlichen ebenso wie nach dem unwiderstehlich Menschlichen. Ist es Zufall, dass ein Buch der Bibel gerade in der poetischen Beschreibung von Liebe und Begehren etwas vom Verlangen nach Gott spürbar macht? Könnte dies darauf hindeuten, dass körperliche Lust und spirituelle Erfahrung sich näher sind, als strenge Verbote es vermuten lassen?

Lange Zeit hat die christliche Auslegung das Erotische jedoch nur im Gewand des Gleichnisses geduldet – etwa indem man das Hohelied allegorisch als Liebe zwischen Gott und Seele interpretierte. Ironischerweise bedienten sich gerade asketische Ausleger dabei einer leidenschaftlichen Sprache: Gott erschien in mystischen Texten als unwiderstehlich verführerischer Geliebter, dessen Hauch betörte und dessen Berührung sogar Erregung auslöste. Wo die offizielle Moral die Lust in enge Grenzen wies, suchte die Spiritualität Bilder des Begehrens, um die Begegnung mit dem Göttlichen zu beschreiben. Könnte darin ein leiser Wink liegen, dass körperliche und göttliche Liebe letztlich nicht gegeneinanderstehen, sondern tief ineinander verwoben sind?

In unserer Gegenwart werden solche Fragen drängend. Viele Gläubige spüren, dass eine zeitgemäße christliche Ethik die menschliche Sexualität neu reflektieren muss. Auch Stimmen aus der Theologie fordern eine Kurskorrektur: So plädieren Gläubige, Theologen, Wissenschaftler und insbesondere Moraltheologen für eine theologisch fundierte Neubewertung der kirchlichen Sexualmoral. Sexualität, so wird betont, sei Teil der guten Schöpfung und sogar ein möglicher Berührungspunkt, durch den der Mensch mit Gott in Kontakt kommen kann. Tatsächlich zeigen biblische Texte – von der Schöpfungserzählung bis zum Hohelied –, dass Sexualität Ausdruck von Liebe, Verbundenheit und menschlichem Heil-Sein sein kann.

Warum also hält die offizielle Lehre mancherorts noch an einer lustfeindlichen Grundhaltung fest? Liegt es daran, dass Lust immer noch pauschal als Gefahr und als Quelle der Sünde gilt? Dabei erleben Liebende doch oft das genaue Gegenteil: Begehrt zu werden vermittelt ihnen das Gefühl, schön und wertvoll zu sein. Könnte die Kirche von diesen Erfahrungen lernen, anstatt in der Angst zu verharren, Lust führe zwangsläufig zur Entwürdigung des Anderen? Wäre es nicht zeitgemäß, eine Ethik zu entwickeln, die auf Eigenverantwortung, gegenseitigen Respekt und die Sehnsucht nach gelingenden Beziehungen baut – statt auf Misstrauen und immer neue Verbote?

Bisher war vor allem die heterosexuelle Mehrheitsnorm die Richtschnur kirchlicher Sexualmoral. Menschen, die in ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität davon abweichen, fanden lange kaum Anerkennung in Kirche und Theologie. Homosexuelle Liebe, bisexuelle oder trans* Identitäten wurden oft verschwiegen oder als sündhaft stigmatisiert. Doch diese Realität lässt sich nicht länger ausblenden: Gottes Ebenbild findet sich in jeder Person – unabhängig von Gender, Familienstand, sexueller Orientierung oder Lebensform. Wie kann eine christliche Ethik glaubhaft alle Menschen als Ebenbilder Gottes behandeln, wenn sie einige Liebesformen ausklammert oder abwertet? Stellt nicht gerade die Vielfalt der menschlichen Liebe eine Bereicherung der Schöpfung dar, anstatt eine Bedrohung? Was könnte es für die Kirche bedeuten, wenn sie anerkennt, dass Sexualität auch ein Bestandteil der Identität jedes Menschen ist – und dass jede:r das Recht hat, die eigene Identität zu entdecken und zu ihr zu stehen?

All diese Überlegungen münden in eine zentrale theologische Frage: Wie sprechen wir von Christus in einer Welt, die vielfältiger ist denn je? Eine queere Christologie nimmt genau das in den Blick. Sie fragt, wer Jesus Christus für diejenigen ist, deren Körper, Lieben und Lebensweisen nicht den traditionellen Normen entsprechen. Ist Christus nicht für alle Mensch geworden – auch für diejenigen, die nach neuerlichen kirchlichen Vorstellungen zu integrieren sind? Die Evangelien zeigen Jesus als einen, der Grenzen überschreitet und sich den zu Inkludierenden zuwendet. Heute würde er sicher an der Seite der LGBTQIA+-Gemeinschaft stehen, so wie er einst mit den Menschen seiner Zeit Gemeinschaft hatte! Und was hieße das für unser Gottesbild und unsere Lehre, wenn Christus sich in jedem menschlichen Körper und jeder Liebe begegnen läßt?

Für manche mag die Idee, Christus in „queerer“ Perspektive zu betrachten, ungewohnt oder eine reflexive Übung sein. Doch erinnert nicht schon die Menschwerdung Gottes daran, dass göttliche Liebe nachhaltig über Grenzen hinweggeht? In den Worten des Theologen Patrick S. Cheng: Wenn radikale Liebe als eine Liebe verstanden wird, „so extrem, dass sie Grenzen auflöst“, dann ist Jesus Christus die lebendige Verkörperung dieser Auflösung von Grenzen. Was bedeutet das für die Grenzen, die wir heute in Kirche und Theologie rund um Geschlecht und Sexualität gezogen haben? Dürfen – ja müssen – solche von Menschen errichteten Barrieren im Licht des Evangeliums der grenzenlosen Liebe nicht hinterfragt und überwunden werden?

Dieser Band kann keine endgültigen Fragen und Antworten geben. Vielmehr sollen die hier gestellten kritischen Fragen als Denkimpuls und Einladung zu einem offenen Dialog dienen. Die folgenden Beiträge dieses Bandes greifen manche der bestehenden Integrationsfelder auf und vertiefen sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Deutlich wird dabei, dass der Diskurs über Lust, Körper und Glauben erst begonnen hat – und dass er unabdingbar ist für eine christliche Ethik, die im 21. Jahrhundert glaubwürdig sein will.

Möglicherweise werden über diesen Band hinaus weitere Dialoge nötig sein, um neue Antworten zu finden, die sowohl der überlieferten Botschaft als auch den heutigen Erfahrungen gerecht werden.

Die Konzeption der vorliegenden Buch-Reihe besteht daher auch aus dreimal 7 Tagen, in denen über diese Themen, Fragen und Antworten mit einem Artikel reflektiert werden kann:

Der erste Band ist

„Ein Frage der Lust am Göttlichen“

(mit Tag 1 bis Tag 7) zum Thema der

Queeren Christologie,

in der weiteren Ausgabe ist

„Eine Antwort der Lust am Göttlichen“

verfasst in zwei Bänden, einmal der Band mit den Tagen 7 bis 14 sowie einem weiteren Band mit den Tagen 15 bis 21, in der es um die

Roten Tücher der päpstlichen Queer-Sensibilität

geht.

Und: der weiterer Band

„Ein Dialog zur Lust am Göttlichen“

rundet die Reihe mit einem

FAQ, häufig gestellten Fragen, zur Queeren Theologie

ab.

Künstliche Intelligenz bereichert diesen Dialog, denn der vorliegende Band ist in Gliederung, Struktur, Kapitelführung sowie in der Auswahl und Gestaltung von Themen, Abbildungen und Illustrationen vollständig durch eine Künstliche Intelligenz entwickelt und verfasst worden (mittels Deep-Research-Strategien, gesteuertem Reasoning, umfassenden Prompting und Methoden des Fragens).

Es ist ein Kunstwerk der Algorithmen des Digitalen Denkens und zeigt, wie KI die Verkündigung und Tradierung von Sachverhalten und Themenstellungen analysieren und interpretieren sowie damit zum transdisziplinären Lernen von Individuen und Institutionen anregen kann.

Sicher ist: Nur wenn wir bereit sind, liebgewonnene Denkmuster zu hinterfragen, können wir im Verhältnis von Körper, Lust, Glaube und kirchlicher Lehre neue, lebensbejahende Perspektiven entdecken.

In diesem Sinne versteht sich der vorliegende Band als Auftakt zu einem Gespräch – sachlich im Ton, und deutlich in der Sache. Er lädt ein, über das Verhältnis von Körper und Geist, von Lust und Göttlichem neu und erweitert nachzudenken – und vielleicht selbst Lust am Fragen und am Entdecken göttlicher Gegenwart in unerwarteten Bereichen zu entwickeln.

Viel Freude beim Lesen, Vertiefen und Austausch der Erkenntnisse wünscht:

Eureka Circe,

im Oktober 2025

● Tag 1: Warum queere Christologie? Thema, Relevanz, Forschungsstand

These: Queere Christologie begründet theologisch, warum Christusrede und Heilssprache so erweitert werden müssen, dass die Erfahrungen queerer Personen nicht länger unsichtbar bleiben. Sie versteht sich als Korrektiv heteronormativer Engführungen und will das Christusbild samt kirchlicher Praxis inklusiv rekonfigurieren.

Die Ausgangs-Annahme lautet, dass eine explizit queere Christologie notwendig ist, um auf die theologische Ausgrenzung und Marginalisierung von LGBTQIA+-Personen in der katholischen Kirche zu antworten.

Heteronormative Annahmen in Kirche und Theologie haben seit Jahrhunderten zu einer Sichtweise geführt, die gleichgeschlechtliche Liebe und geschlechtliche Vielfalt systematisch übergeht oder verurteilt. Zahlreiche Berichte und theologische Studien belegen, dass queere Menschen sich in vielen Kirchen nicht heimisch fühlen können und ihre Erfahrungen oft im religiösen Diskurs unsichtbar bleiben.

Robert Goss weist beispielsweise darauf hin, dass Feminist:innen und queere Theolog:innen historisch in der Kirche „zum Schweigen gebracht“ wurden – eine Dynamik, die der Verfasser seiner “Queering Christ” -Einführung als Handlungsbedarf beschreibt. Und genau darauf fokussiert die queere Christologie: Sie möchte das Christusbild und die christologische Sprache so erweitern, dass Gottes Liebe und Heil auch für LGBTQIA+-Personen vollständig erfasst werden.

Robert E. Goss (geb. 1946 in den USA) ist US-amerikanischer Theologe, Autor und Pastor, der zu den Pionieren der queeren Theologie zählt. Er war katholisch geprägt, trat zunächst in den Jesuitenorden ein, verließ diesen aber später, weil er seine eigene Homosexualität offen lebte und in der römisch-katholischen Kirche keinen Raum für ein befreites Leben fand. Anschließend schloss er sich der Metropolitan Community Church (MCC) an – einer 1968 in Los Angeles gegründeten, dezidiert LGBT-inklusiven Kirche – und arbeitete dort als Pastor, Seelsorger und Aktivist.

Goss wurde vor allem in den 1990er-Jahren durch seine Schriften bekannt, in denen er theologische Reflexion mit Aktivismus und queeren Befreiungsbewegungen verband. Eines seiner frühen und einflussreichsten Werke ist Jesus Acted Up: A Gay and Lesbian Manifesto (1993), das Jesus in Solidarität deutet und die Kirche zu einem Perspektivenwechsel aufruft. Darauf folgte Queering Christ: Beyond Jesus Acted Up (2002), in dem er systematischer eine queere Christologie entwickelt. Darin beschreibt er Christus weiterhin als solidarische Gestalt, die heteronormative Grenzen überschreitet, und formuliert die berühmte These, Christus und Gott seien in einem tiefen Sinn „queer“.

Neben seinen theologischen Publikationen arbeitete Goss auch als Herausgeber und Mitautor von Sammelbänden zur queeren Theologie, darunter The Queer Bible Commentary (2006, zusammen mit Mona West). Seine Schriften sind interdisziplinär angelegt und verbinden Bibelauslegung, systematische Theologie, politische Ethik und Pastoraltheologie.

Biographisch wie inhaltlich ist Goss eng mit der queeren Kirchenbewegung verbunden: Er diente lange als Pastor der MCC in Los Angeles, engagierte sich in Menschenrechts- und AIDS-Initiativen und setzte sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sowie für eine umfassend inklusive Kirche ein. Theologisch ist er von Befreiungstheologie, feministischer Theologie und Queer Theory beeinflusst.

Wie Slater und Cornwall (2022) zusammenfassen, geht es dabei gerade um Gott und Theologie “from and for those ‘outsider’ identities” – also für Menschen, die außerhalb des heteronormativen Mainstreams stehen.

Susannah Cornwall ist eine britische systematische Theologin und eine der prägenden Stimmen der queeren Theologie im englischsprachigen Raum. Sie lehrt als Professorin für „Constructive Theologies“ an der University of Exeter und leitet dort das Exeter Centre for Ethics and Practical Theology (EXCEPT). Inhaltlich arbeitet sie an der Schnittstelle von systematischer Theologie, Ethik, Körper- und Geschlechtertheorien; ihre Monographien behandeln u. a. Intergeschlechtlichkeit (Sex and Uncertainty in the Body of Christ, 2010), Kontroversen der Queer Theology (2011), theologisch-anthropologische Fragen zu Reproduktion und Generativität (Un/familiar Theology, 2017) sowie jüngst eine systematische Auseinandersetzung mit Geschlechtsvarianten (Constructive Theology and Gender Variance, 2022). Cornwall steht für eine konstruktive, kirchen- und praxisnahe Form von Queer Theology, die klassische Lehren (Schöpfung, Christologie, Eschatologie) im Licht geschlechtlicher Vielfalt neu befragt, ohne den dogmatischen Gesprächsfaden abreißen zu lassen.

„Slater“ verweist in aktuellen Debatten und obiger Literaturangabe auf Jack Slater, einen jüngeren britischen Theologen (ebenso University of Exeter), der zusammen mit Susannah Cornwall den Überblicksartikel „Queer Theology“ für die St Andrews Encyclopaedia of Theology verfasst hat. Slater forscht an der Schnittstelle von Queer Theory, Sünde-/Begehrenstheologien und Rezeptionsgeschichte (u. a. zu Leo Bersani) und publiziert seit 2022/23 zu Grundbegriffen und Lektüreweisen der Queer Theology. Durch die Ko-Autorschaft mit Cornwall profilierte er sich als systematisch informierter Überblicksautor, der den Begriff „queer“ historisch und theoretisch präzisiert und die Entstehung queerer Christentumstheologien aus feministischen, befreiungs- und kulturtheoretischen Traditionen nachzeichnet. In jüngeren Arbeiten entfaltet er reparative und kritische Lektüren zwischen theologischer Anthropologie und Queer Theory.

Slater und Cornwall schlagen zweierlei Bewegungen vor: erstens eine methodische Verschiebung der Perspektive, in der marginalisierte Körper und Biografien nicht mehr Objekt kirchlicher Beurteilung sind, sondern Ausgangspunkt theologischer Rede; zweitens eine praktische Reorganisation kirchlicher Sprache, Bildung und Praxis, damit diese Perspektiven tatsächlich institutionell mittig verankert werden. Methodisch empfehlen sie, Bibel, Lehre und Tradition mit einem queeren Instrumentarium neu zu lesen: mit einer kritischen Hermeneutik, die normierende Kategorien entlarvt; mit „utopischen“ und „reparativen“ Lektüren, die nicht bei der Bloßlegung von Ausschlüssen stehen bleiben, sondern konstruktiv Alternativen entwerfen; und mit einem konsequent kontextuellen Standpunkt, der Wissen aus der Erfahrung von LGBTQIA+-Menschen generiert (Slater/Cornwall ordnen das Feld dabei zwischen inklusionsorientierten und institutionskritischeren Strömungen und zeigen, wie beide Richtungen produktiv zusammenspielen können).

Auf der praktischen Seite konkretisiert Cornwall die „Mitte-holen“-Bewegung in drei Feldern. Erstens in der Dogmatik: Sie reframed zentrale Lehrstücke – Inkarnation, Leiblichkeit, Auferstehung – ausdrücklich „von den Rändern her“, indem sie Inter*- und trans*-Erfahrungen nicht als Sonderfall, sondern als Prüfstein für die Tragfähigkeit christlicher Anthropologie behandelt; daraus folgt die Forderung, Gottesrede und kirchliche Anthropologie so zu formulieren, dass sie variantenreiche Körper und Übergänge (z. B. Transition) theologisch positiv deuten (Cornwall 2010; 2022). Zweitens in der Pastoral- und Ethikpraxis: Cornwall verbindet Forschung, Fortbildung und Policy-Arbeit – von der Schulung kirchlicher und medizinischer Berufsgruppen bis zur Mitarbeit in kirchlichen Prozessen (etwa „Living in Love and Faith“) –, mit dem Ziel, dass Leitlinien, Liturgiesprache und Seelsorgeverfahren die Perspektiven von Inter*, trans* und nichtbinären Menschen voraussetzen statt nachträglich „einzubinden“. Drittens in der Institution: Sie arbeitet auf strukturelle Sichtbarkeit hin (Curricula, Beratungsangebote, Leitfäden), weil Inklusion nicht allein durch „Willkommenskultur“, sondern durch überprüfbare Veränderungen von Sprache, Verfahren und Entscheidungswegen gelingt.

Zusammengeführt heißt das: Slater liefert – zusammen mit Cornwall – den methodischen und feldsystematischen Rahmen, in dem Zu-Integrierende-Identitäten als erkenntnisleitend gelten und queere Lektüren zwischen Kritik, Utopie und Reparatur verortet werden; Cornwall zeigt, wie diese Logik Dogmatik, Pastoral und Kirchenpolitik verändert – durch die konsequente Zentrierung vulnerabler Körper als theologische Quelle, die Revision von Lehrsprache und die Einrichtung belastbarer Bildungs- und Policy-Strukturen. So rücken die bislang „Outsider“ nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch in die Mitte kirchlicher Rede und Praxis.

1.1 Begriffsklärung

Eine queere Theologie (bzw. queer-theologisch) bezeichnet eine Denkweise, die die Erfahrungen von Menschen thematisiert, die nicht (ausschließlich) dem heterosexuellen, cisgeschlechtlichen Normprofil entsprechen.

Cisgeschlechtlich (englisch: cisgender) bedeutet: Die Geschlechtsidentität einer Person stimmt mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein.

Beispiel: Jemand wird bei der Geburt als „weiblich“ eingetragen und versteht sich selbst auch als Frau → cisgeschlechtlich.

Beispiel: Jemand wird als „männlich“ eingetragen und identifiziert sich auch als Mann → cisgeschlechtlich.

Der Gegenbegriff ist transgeschlechtlich (oder transgender), wenn die eigene Geschlechtsidentität nicht mit der Zuweisung bei der Geburt übereinstimmt.

„Queer“ im wissenschaftlich-theologischen Sinn bezeichnet dabei ein inklusives Spektrum geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, das bewusst gegen feste Identitätskategorien und normative Erwartungen opponiert. In den Worten des Queer-Theologie-Enzyklopädie-Eintrags richtet sich Queer-Theologie auf Identitäten, die „outside the heteronormative mainstream“ liegen. Dabei wird Queerness oft nicht als feste Eigenschaft verstanden, sondern als Position zum Normativen: David Halperin formuliert, Queerness sei „nicht positiv, sondern eine Position zum Normativen“. David M. Halperin ist US-amerikanischer Literaturwissenschaftler, Kulturhistoriker und einer der bedeutendsten Theoretiker der Queer Theory. Er lehrte viele Jahre an der University of Michigan (Ann Arbor) und war dort Professor für English, Women’s Studies, Comparative Literature und Classical Studies. Bekannt wurde Halperin durch seine Arbeiten zur Geschichte der Sexualität, insbesondere zur antiken Konstruktion von Homosexualität und zur Entwicklung moderner Sexualitätsbegriffe. Sein Denken ist stark von Michel Foucault beeinflusst, dessen Werk Histoire de la sexualité er früh in den angelsächsischen Diskurs übersetzte und weiterentwickelte.

Anders als der enger gefasste Begriff „schwul“ (meist: homosexueller Mann) verweist „queer“ also nicht nur auf sexuelle Orientierung, sondern schließt auch Trans*- und Inter*-Erfahrungen sowie Mehrfachmarginalisierungen ein.

Es wird daher mit queer auch das Kürzel LGBTQIA+ abgekürzt.

Die Abkürzung LGBTQIA+ bezeichnet eine Sammelbezeichnung für vielfältige sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten, die nicht der heterosexuellen oder cisgeschlechtlichen Norm entsprechen. Sie setzt sich aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Begriffe zusammen: L steht für lesbisch, also Frauen, die Frauen lieben; G für gay (schwul), also Männer, die Männer lieben; B für bisexuell, Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen; T für trans, das heißt Personen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt; Q für queer, ein Sammelbegriff, der alle Identitäten umfasst, die sich nicht klar in starre Kategorien von Geschlecht und Sexualität einordnen lassen, und oft auch als selbstbewusste Selbstbezeichnung gebraucht wird; I für inter, also Menschen, die mit körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden, die sich nicht eindeutig der Norm von „männlich“ oder „weiblich“ zuordnen lassen; A schließlich steht für asexuell, aromantisch oder agender, das heißt für Menschen, die kein oder nur wenig sexuelles Begehren empfinden, keine romantischen Anziehungen erleben oder sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Das Pluszeichen (+) am Ende signalisiert, dass es darüber hinaus weitere Identitäten und Orientierungen gibt, die nicht ausdrücklich aufgezählt werden, aber ebenso Teil des vielfältigen Spektrums menschlicher Lebens- und Liebesweisen sind. Der Begriff ist also als offene Formel zu verstehen, die ständig erweiterbar ist und Respekt sowie Sichtbarkeit für all jene schaffen will, die nicht in ein binärheteronormatives Raster passen.

Heteronormativität bezeichnet das normative Denken, wonach heterosexuelle Lebensweisen und binäre Geschlechter als selbstverständlicher Standard gelten. In einer heteronormativen Ordnung wird angenommen, dass Beziehungen zwischen Mann und Frau der Leitungsweg und zweigeschlechtliche Körperbauweisen die Regel seien. Queere Theologie hinterfragt diesen Rahmen radikal. Wie Slater und Cornwall bemerken, beschreibt “heteronormative mainstream” eine Welt, in der genau diese Annahmen vorherrschen.

Christologie ist der Teil der Theologie, der sich mit der Person und dem Werk Jesu Christi befasst. Sie untersucht, wer Jesus ist (sein Verhältnis zum Göttlichen) und was sein Erlösungswerk für Glaubende bedeutet. Eine queere Christologie fragt nun: Wie kann das traditionelle Christusbild auf die Lebensrealität von LGBTQIA+-Christ:innen antworten? Sie stellt die Frage, ob und wie das Verständnis von Christus erweitert werden muss, um Menschen nicht auszuschließen, die sexuelle oder geschlechtliche Vielfalt leben. Dabei bleibt es wichtig zu klären, dass eine queere Christologie nicht behauptet, Jesus sei historisch gesehen schwul oder transgender – sondern dass Christus theologisch so verstanden wird, dass Gott in ihm auch allen Formen menschlicher Vielfalt begegnet. Und natürlich kann man auch im engeren Sinne fragen, ob Jesus gleichgeschlechtlich orientiert war, ober er heterosexuellen Geschlechtsverkehr bevorzugt hätte oder ob sein Denken und Handeln einfach gegen den Strich, also queer, gewesen ist -ganz ohne sexuelle Komponente gelesen.

Weitere wichtige Begriffe sind etwa Basileia (Gottes Reich), das Jesus in seinen Reden zentral verwendete: In der queeren Perspektive kann Basileia als Gottes Einladung zu einem Fest aller und als Umkehr aller Machtordnungen interpretiert werden (vgl. Goss). Die Inkarnation (Fleischwerdung Christi) wird unter queerem Blick zum Zeichen göttlicher Annahme leiblicher Existenz in all ihren Variationen. Stichworte wie Affirmation oder sex-positive Theologie betonen schließlich eine positive Sicht auf Körperlichkeit und Lust als Teil der Schöpfung Gottes. Diese Begriffe sollen das Verständigungsangebot über queere Christologie erleichtern.

Sex-positive Theologie ist ein noch relativ junges Feld innerhalb der systematischen und praktischen Theologie, das Sexualität nicht primär als Problem, Risiko oder Sündenfeld behandelt, sondern als gute Gabe Gottes, die Freude, Intimität, Kreativität und Beziehungskraft ausdrückt. Sie versteht Sexualität als integralen Teil der menschlichen Würde und als möglichen Ort der Gotteserfahrung.

Wurzeln und Hintergründe:

Biblisch-theologisch

: Schon die jüdisch-christliche Schöpfungserzählung enthält sex-positive Spuren – „und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31) gilt auch für die Leiblichkeit. Auch das Hohelied wird in sex-positiven Lesarten als poetische Feier erotischer Liebe gelesen, nicht nur allegorisch.

Befreiungstheologisch

: In den 1970er/80er Jahren begannen feministische und befreiungstheologische Stimmen, eine neue Sicht auf Körper und Sexualität einzufordern. Sexualität wurde dabei als Bereich der Befreiung von patriarchaler Kontrolle und moralischer Schuldbegrenzung verstanden.

Queere Theologie

: Autor:innen wie Marcella Althaus-Reid sprachen provokant von einer „indecent theology“ (anstößigen Theologie), um die Tabuisierung von Sexualität in Kirche und Theologie aufzubrechen. Sie verband eine sex-positive Haltung mit einer Kritik an ökonomischer und politischer Unterdrückung.

Praktisch-seelsorglich

: In der Pastoral entwickelte sich sex-positive Theologie als Gegenbewegung zu repressiven Sexualmoralen, die Menschen mit Schuldgefühlen belasteten (etwa beim Thema Homosexualität, Masturbation, voreheliche Sexualität). Sie will Menschen darin bestärken, ihre Sexualität ohne Scham als Teil ihrer von Gott gewollten Ganzheit zu leben.

Zentrale Anliegen sind:

Leiblichkeit als gut

: Der menschliche Körper ist nicht nur „Träger der Sünde“, sondern Ort der Freude, Schönheit und göttlichen Präsenz.

Sexualität als Gabe

: Lust, Intimität und Erotik sind weder „Verdacht“ noch „Sünde“, sondern können Ausdruck von Liebe, Hingabe und Schöpfungskraft sein.

Scham überwinden

: Sex-positive Theologie kritisiert moralische Diskurse, die Menschen mit Schuld und Scham über ihre Sexualität belasten. Denn Sünde ist die Abwertung von Körpern – nicht deren Vielfalt.

Vielfalt anerkennen

: Sie unterstützt die Anerkennung verschiedener sexueller Orientierungen und Lebensformen als gleichwertige Ausdrucksweisen menschlicher Sexualität.

Ethik der Verantwortung statt Verbote

: Entscheidend ist nicht die Einhaltung starrer Regeln (z. B. nur heterosexuelle Ehe), sondern ob Sexualität

einvernehmlich, respektvoll, liebevoll und verantwortlich

gelebt wird.

Einige Stimmen und Beispiele:

Marcella Althaus-Reid

(

The Queer God

,

Indecent Theology

): Sexualität als Teil der Gottesrede; Theologie soll auch an den „Rändern“ (Straßen, Schlafzimmern, Armenvierteln) geschehen – radikal sex-positiv.

James B. Nelson

(

Embodiment: An Approach to Sexuality and Christian Theology

, 1978): frühes Werk, das Leiblichkeit und Sexualität als Ort der Offenbarung Gottes versteht.

Patrick Cheng

(

Radical Love

, 2011): Liebe und Begehrensfähigkeit gehören zum Bild Gottes; sexuelle Vielfalt ist Ausdruck dieser radikalen Liebe.

Sie werden später noch ausführlicher besprochen. Manche befürchten, eine sex-positive Theologie könne Sexualität banalisieren oder jegliche moralische Orientierung auflösen. Andere kritisieren, sie sei stark westlich geprägt und blende Themen wie Gewalt, Machtmissbrauch oder soziale Ungleichheit aus. Deshalb betonen sex-positive Kritik-Ansätze wie auch sex-positive Ansätze selbst meist, dass Sexualität nicht unkritisch gefeiert werden darf, sondern in einer Ethik der Verantwortung und Gerechtigkeit eingebettet werden muss.

D.h., theologisch wird meist nicht gegen Freude an Sexualität argumentiert, sondern davor gewarnt, Sexualität unkritisch zu feiern – also ohne Blick auf Macht, Verantwortung und mögliche Verletzungen.

Zentrale theologische Bedenken sind:

Gefahr der Banalisierung

Wenn Lust und Sexualität nur als positive Energie verstanden werden, besteht die Gefahr, dass ihre Ernsthaftigkeit für Beziehung, Treue, Verantwortung oder Selbsthingabe unterspielt wird.

Theologisch könnte das heißen: Sexualität wird vom Bezug auf Liebe, Treue und Gottesbund abgekoppelt und verliert ihren spirituellen Tiefgang.

Blindheit für Machtmissbrauch

In kirchlichen Kontexten ist die Erfahrung von sexuellem Missbrauch sehr präsent. Eine rein sex-positive Haltung könnte ungewollt dazu beitragen, Übergriffe zu verschleiern, wenn Lust und Körperlichkeit per se als „gut“ gelten.

Daher betonen viele Theolog:innen, dass eine sex-positive Theologie

immer

kritisch mit Machtverhältnissen umgehen muss: Einvernehmlichkeit, Gleichwertigkeit und Schutz der Schwächeren sind unverzichtbar.

Überbetonung des Körperlichen

Manche fürchten, dass ein zu starkes Feiern der Leiblichkeit die spirituelle Dimension der Sexualität überspielt.

Klassische Theologien sehen Sexualität nicht nur als Lust, sondern auch als Ort von Hingabe, Transzendenz und Verweis auf Gottes Liebe. Wenn der spirituelle Aspekt ausgeblendet wird, droht eine „Verweltlichung“.

Gefahr neuer Normativität

Ironischerweise kann eine sex-positive Haltung selbst neue Erwartungen erzeugen: Wer keine Lust empfindet (asexuelle Menschen) oder Enthaltsamkeit lebt, könnte als „defizitär“ wahrgenommen werden.

Theologisch aber gilt: Gottes Ebenbildlichkeit umfasst auch Enthaltsamkeit oder Nicht-Sexualität.

Verletzbarkeit und Fragmentierung

Sexualität ist ein Bereich großer Intimität und damit auch Verletzbarkeit. Wird sie ohne Grenzen „gefeiert“, können Menschen überfordert werden, ihre Erfahrungen nicht schützen oder in oberflächliche Konsumformen gedrängt werden.

Viele Theolog:innen warnen deshalb: Sex-positive Theologie darf

nicht

bedeuten, dass alle Formen von Sexualität unkritisch als gut erklärt werden, sondern muss Grenzachtung und Achtsamkeit einschließen.

Traditionsbruch und Dogmatik

Von konservativer Seite wird angeführt, dass eine uneingeschränkte Feier der Sexualität den kirchlichen Lehrbestand (z. B. Ehe als sakramentale Form) untergraben könnte.

Das Risiko besteht, dass das Verständnis von Ehe, Treue und Fruchtbarkeit als Glaubensgüter relativiert wird, wenn Lust und Vielfalt als einzig normgebend gelten.

Viele sex-positive Theolog:innen sagen deshalb: Sexualität soll nicht tabuisiert, aber auch nicht romantisiert werden. Sie ist ein Ort von Freude und Offenbarung, zugleich aber ein Ort von Ambivalenz und Macht, der kritische Reflexion braucht. James B. Nelson sprach schon 1978 davon, dass Sexualität „Offenbarungsraum Gottes“ sei – aber eben nur, wenn sie in Liebe, Respekt und Verantwortung gelebt wird.

1.2 Wer in Liebe Lust teilt, lebt ein Abbild des göttlichen Überflusses.

Wenn man den Begriff des Feierns von Sexualität in einem positiven, entlastenden Sinn versteht – also Sexualität frei von Schuldzuweisungen, Tabus und Moralkontrolle zu „feiern“ –, dann werden durchaus theologische und gesellschaftliche Vorteile benannt. Theologische Vorteile sind:

Überwindung des Schuldparadigmas

Ein „ungehemmtes“ Feiern von Sexualität befreit Menschen von einer langen Tradition kirchlicher Morallehren, die Sexualität fast nur mit Sünde oder Gefahr verbanden.

Theologisch gesehen wird damit

die Schöpfungsgüte des Körpers

wiederentdeckt: „Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31).

Inkarnation ernst genommen

In Jesus Christus ist Gott selbst „Fleisch geworden“ (Joh 1,14). Eine unbefangene Feier von Sexualität kann diese Fleischlichkeit als Teil des Heilsplans wertschätzen: Gott nimmt Leib und Lust ernst.

Zeichen der göttlichen Fülle

Sexualität wird als Bild für die überströmende Liebe Gottes verstanden (vgl. Hohelied). Wenn Sexualität ohne Misstrauen gelebt wird, spiegelt sie Freude, Hingabe und Kreativität Gottes.

Ganzheitliche Spiritualität

Menschen erleben sich als leib-seelische Einheit. Ein freudiges Feiern der Sexualität kann helfen, die Kluft zwischen „heilig“ und „körperlich“ zu überbrücken. Theologisch bedeutet das eine

Versöhnung von Leiblichkeit und Spiritualität

.

Ebenso sind gesellschaftliche Vorteile sichtbar:

Abbau von Tabus und Scham

Eine offene, positive Kultur entlastet Menschen von Schuldgefühlen, reduziert Verdrängung und ermöglicht, über Wünsche und Grenzen zu sprechen.

Gesellschaftlich stärkt das psychische Gesundheit und Selbstwert.

Vielfalt sichtbar und normalisiert

Wird Sexualität „ungehemmt“ gefeiert, finden auch queere, nicht-heterosexuelle und nicht-binäre Formen Selbstverständlichkeit. Das fördert gesellschaftliche

Anerkennung und Gleichberechtigung

.

Selbstbestimmung und Empowerment

Eine enttabuisierte Sexualkultur stärkt die individuelle Freiheit. Menschen können ohne Angst entscheiden, wie sie ihre Körper und Beziehungen leben wollen.

Das entzieht repressiven Diskursen (z. B. staatlicher oder religiöser Kontrolle) die Grundlage.

Stärkung von Beziehungen

Wenn Sexualität nicht moralisch belastet ist, können Paare und Gemeinschaften sie als Ressource für Nähe, Intimität und Freude nutzen. Offene Kommunikation fördert Vertrauen und Partnerschaft.

Kulturelle Kreativität

Sex-positives Feiern wirkt auch in Kunst, Musik und Literatur: Körper, Begehren und Lust werden als

kulturelle Ressourcen

begriffen, die ästhetische und gesellschaftliche Innovation anregen.

Eine theologisch-gesellschaftliche Schnittmenge lässt sich wie folgt formulieren: Die „Feier“ der Sexualität („unkritisch“) kann als Gegenpol zu repressiven Traditionen gesehen werden. Sie bietet eine Beschreibung, in der Sexualität nicht als Gefahr, sondern als Freude, Schöpfungskraft und Ausdruck göttlicher Liebe gilt. Gesellschaftlich hilft diese Haltung, Diskriminierung und Stigmatisierung abzubauen und eine Kultur der Offenheit zu fördern.

Dennoch wird immer wieder betont, dass es ethische Korrektive benötige, die verhindern, dass aus Feier Leichtsinn wird. In theologischen Texten wird Leichtsinn oft in der Nähe von „Unklugheit“ (im Gegensatz zu „Klugheit“ als Kardinaltugend) beschrieben. Wer leichtsinnig handelt, nimmt Gabe und Verantwortung Gottes nicht ernst. Beispiel: unachtsamer Umgang mit Sexualität, ohne Rücksicht auf den/die Partner:in, auf Einvernehmlichkeit oder auf die Folgen.

Die Grundidee ist also, dass sex-positive Theologie betonen möge: Sexualität ist gut, schöpfungsgemäß und kann Gottes Nähe ausdrücken. Leichtsinn entsteht, wenn diese positive Haltung ohne Verantwortungsrahmen gelebt wird. Dann wird das „Feiern“ von Sexualität blind gegenüber Gefahren für Gesundheit, Würde und Gemeinschaft.

Leichtsinn in Fragen der Sexualität lässt sich daran erkennen, dass Risiken zwar bekannt sind, aber nicht ernst genommen werden. Gefahren wie Gewalt, Missbrauch, Infektionskrankheiten oder emotionale Verletzungen sind in der Regel erkennbar und keineswegs verborgen. Ebenso stehen Möglichkeiten zur Vorsorge offen: Safer-Sex-Praktiken, eine klare Kommunikation über Wünsche und Grenzen oder die ausdrückliche Vereinbarung von Konsens wären realistisch umsetzbar. Leichtsinn entsteht dort, wo diese Vorsichtsmaßnahmen absichtlich oder aus Gleichgültigkeit unterlassen werden. Die Konsequenz ist, dass daraus Schaden für die eigene Person oder für andere entstehen kann – sei es körperlich, seelisch oder im sozialen Gefüge einer Beziehung.

Ignorieren von Konsens kann entstehen, wenn Sexualität als grundsätzlich „gut“ gefeiert wird, ohne gleichzeitig klarzustellen, dass Einvernehmlichkeit unverzichtbar ist. In solchen Situationen besteht die Gefahr, dass Machtmissbrauch, Druck oder Übergriffe verharmlost oder gar unsichtbar gemacht werden. Theologisch widerspricht ein solches Verhalten der Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes, denn ohne Konsens wird Liebe zur Verletzung.

Verzicht auf Safer-Sex-Praktiken beschreibt eine Form des Leichtsinns, bei der Gesundheitsrisiken wie HIV oder andere Infektionen bewusst ignoriert werden, obwohl Schutzmaßnahmen leicht verfügbar und zumutbar sind. Wer auf Vorsorge verzichtet, handelt nicht nur gegen sich selbst, sondern setzt auch andere Menschen unnötigen Gefahren aus. Theologisch bedeutet das, die Verantwortung für das eigene und fremde Leben zu missachten und damit das Gebot der Nächstenliebe zu verletzen. Übersehen emotionaler Verletzlichkeit wird problematisch, wenn Sexualität sex-positiv gefeiert wird, ohne die möglichen seelischen Folgen ernst zu nehmen. Bindung, Abhängigkeit oder Traumatisierungen können aus solchen Begegnungen erwachsen, wenn Sensibilität für emotionale Grenzen fehlt. Theologisch gilt hier: Liebe ist mehr als Lust, sie umfasst die Achtung vor der Seele des anderen und ist Teil der caritas, der tätigen Nächstenliebe.

Eine neue Normativität entsteht, wenn sex-positive Theologie in der Praxis so verstanden wird, dass alle Menschen Lust empfinden und Sexualität aktiv feiern müssten. Enthaltsamkeit, Asexualität oder Zurückhaltung werden dann leicht abgewertet, und wer nicht „feiert“, gilt als „unnormal“. Theologisch jedoch übersieht eine solche Haltung, dass Menschen unterschiedlich leben und alle, ob mit oder ohne Sexualität, im Bild Gottes gut und angenommen sind.

Vernachlässigung sozialer Machtfaktoren zeigt sich, wenn Sexualität ausschließlich individuell positiv bewertet wird, ohne auf die größeren Kontexte zu achten. Ökonomische Abhängigkeiten, Altersunterschiede oder Machtungleichheiten können das Miteinander erheblich prägen. Leichtsinn bedeutet hier, diese Faktoren auszublenden und Sexualität als rein privates Geschehen zu deuten. Theologisch wird dabei die Dimension der Gerechtigkeit übergangen, und die Option für die Schwachen, die ein zentrales Kriterium biblischer Ethik ist, bleibt unbeachtet.

Wenn Konsens, Verantwortung und Gerechtigkeit gesichert sind, eröffnet sich der Raum, Sexualität nicht als Last, sondern als Feier des Lebens zu erleben. Freude, Lust und Festlichkeit der Sexualität sind dann keine oberflächlichen Vergnügungen, sondern Ausdruck einer tiefen Lebendigkeit, die Leib, Seele und Beziehung umschließt. Theologisch gesprochen zeigt sich darin etwas vom Überfluss des göttlichen Lebens: ein Sich-Schenken, ein spielerischer Reichtum, eine Resonanz zwischen Körper und Geist, die aus der Liebe erwächst und über sie hinausweist.

Freude

Freude an der Sexualität bedeutet, den eigenen Körper als gute Gabe Gottes zu erfahren. Es ist die Erfahrung, dass jede Berührung, jeder Blick, jedes Zusammensein nicht nur Funktion erfüllt, sondern eine Quelle des Glücks ist. Freude entsteht, wenn Menschen sich im Begehren nicht klein oder schuldig fühlen, sondern frei und willkommen in der eigenen Haut. Sie ist ein Lachen, ein Leuchten, ein „Ja“ zum Leben. Um diese Freude umzusetzen, braucht es vor allem die Zulassung: die Erlaubnis, ohne Schuldgefühle Lust empfinden zu dürfen. Dazu gehört, sich mit der eigenen Leiblichkeit anzufreunden, sie zu pflegen, wertzuschätzen und ihr Ausdruck zu geben – etwa durch Achtsamkeitsübungen, Tanz, Bewegung oder liebevolle Selbstzuwendung.

Lust

Lust ist die Energie, die Körper und Seele in Schwingung bringt. Sie ist ein Spiel der Sinne, ein Staunen über die Intensität, mit der der Mensch fühlen, riechen, schmecken, berühren und sich hingeben kann. Lust ist das „Übersich-Hinaus“, das den Menschen spüren lässt, dass er mehr ist als reine Funktion. Theologisch lässt sich Lust deuten als ein Echo der Schöpfung, die im Überfluss geschaffen wurde, nicht nur zum Zweck, sondern zur Freude. Damit Lust gelingen kann, braucht es Aufmerksamkeit und Mut: die Aufmerksamkeit, auf die Signale des eigenen Körpers und die Bedürfnisse der Partner:innen zu hören, und den Mut, Wünsche zu äußern, Grenzen zu setzen und zu experimentieren. Lust blüht dort, wo Vertrauen gewachsen ist, wo das Spiel erlaubt ist und wo Neugier nicht als Gefahr, sondern als Geschenk verstanden wird.

Feier

Die Feier der Sexualität ist mehr als der Akt selbst. Sie ist das Ritual der Anerkennung, dass Sexualität ein Fest des Lebens ist. So wie die Bibel das Hohelied als Gesang der Liebe kennt, so kann Sexualität als poetischer Ausdruck des Daseins verstanden werden: ein Tanz, ein Festmahl, ein Lied. „Feiern“ heißt: Sexualität nicht im Verborgenen, Schamhaften verhaften zu lassen, sondern sie in die Mitte des eigenen Lebens zu stellen – in Dankbarkeit, Humor und Genuss. Um Sexualität zur Feier zu machen, braucht es Rahmen und Rituale: Räume, die sicher und schön sind, Atmosphären, die einladen, Körperlichkeit zu würdigen, kleine Gesten der Zärtlichkeit im Alltag, die ein Fest der Nähe werden können. Feier heißt auch, Sexualität spielerisch und kreativ zu gestalten: Musik, Düfte, Worte, Fantasie – alles, was Leib und Seele erhebt, darf Teil davon sein.

Umsetzung – was jemand tun muss

Damit Freude, Lust und Feierlichkeit Realität werden, sind konkrete Schritte nötig:

Selbstannahme üben

: Wer den eigenen Körper annimmt, ihn respektiert und liebt, kann auch im anderen Freude und Lust annehmen. Das heißt, sich mit der eigenen Biografie zu versöhnen, Körperbilder kritisch zu hinterfragen und Dankbarkeit für die eigene Leiblichkeit zu entwickeln.

Kommunikation pflegen

: Sexualität wird erst dann erfüllend, wenn Menschen Wünsche, Sehnsüchte, aber auch Grenzen mitteilen können. Wer zuhört und spricht, schafft Vertrauen – und Vertrauen ist die Grundlage jeder Freude.

Vertrauensräume schaffen

: Ob in einer Partnerschaft oder in Gemeinschaft – es braucht Orte und Zeiten, die sicher, ungestört und einladend sind. Ein liebevoll vorbereiteter Rahmen, eine Atmosphäre der Wertschätzung, Rituale des Beginns und des Endes können helfen, Sexualität als Feier zu erleben.

Spiel und Kreativität zulassen

: Sexualität darf leicht, verspielt, humorvoll sein. Wer sich erlaubt, Neues auszuprobieren, der Körperfantasie zu folgen und auch zu lachen, erfährt Sexualität als Feier, nicht als Pflicht.

Spiritualität verbinden

: Viele erleben Sexualität tiefer, wenn sie sie als spirituelle Erfahrung verstehen – als Ausdruck göttlicher Liebe, als Sakrament der Nähe. Wer Sexualität in Dankbarkeit lebt, betet gleichsam mit dem eigenen Körper.

Achtsamkeit und Präsenz

: Freude und Lust entstehen, wenn man im Moment bleibt, ohne Druck auf „Leistung“. Atem, Berührung, Blickkontakt – all das wird zum Gebet, wenn es achtsam geschieht.

Wer Sexualität in Freude, Lust und Feier leben möchte, muss sich selbst annehmen, Verantwortung übernehmen, Kommunikation wagen und Räume der Sicherheit und Kreativität eröffnen. Dann kann Sexualität zu einem Ort werden, an dem sich Lebensfülle und göttliche Liebe zugleich offenbaren – ein Fest, das Menschen stärkt, verbindet und befreit: Mit folgenden Details.

Umsetzung hinsichtlich: Freude

Freude an Sexualität ist nie nur Selbstbezug, sondern immer auch Beziehung