Eine lausige Hexe hat viel Pech - Jill Murphy - E-Book

Eine lausige Hexe hat viel Pech E-Book

Jill Murphy

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Beschreibung

Mildred ist wild entschlossen, in diesem Schuljahr ihren Ruf als schlechteste Hexe an Frau Grausteins Hexenakademie loszuwerden. Aber als sie sich über ein paar Erstkläßlerinnen lustig macht, ist ausgerechnet die kleine Schwester ihrer Lieblingsfeindin Esther darunter. Und Esther rächt sich auf bitterböse Weise: Sie verwandelt Mildred in einen Frosch.

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Jill Murphy

Eine lausige Hexe hat viel Pech

Aus dem Englischen von Ursula Kösters-Roth

Diogenes

{4}Für Kit

1

{5}Es war Mildred Hoppelts allererster Tag in ihrem zweiten Jahr an Frau Grausteins Hexenakademie.

Das Schuljahr an der Akademie war in zwei lange Halbjahre aufgeteilt, von denen das erste im September begann und sich bis zum Ende des Januars hinstreckte. Diesem sogenannten Wintersemester folgte ein freudig begrüßter Ferienmonat. Das zweite Semester begann im März und endete mit Ablauf des Julis. Es wurde als Sommersemester bezeichnet, obwohl es in Wirklichkeit kalt und frostig begann. Danach gab es wieder einen herrlichen Ferienmonat bis Anfang September, an den sich ein neues Schuljahr anschloss.

Nach dem gründlich verunglückten ersten Jahr erschien es Mildred wie ein Wunder, dass sie überhaupt zurückkehren durfte. Mildred gehört zu jenen unglücklichen Menschen, die das Unheil auf Schritt und Tritt geradezu magisch anziehen. Obwohl sie sich redlich Mühe gab, sich nützlich zu machen und sich gut zu benehmen, bewies sie ein beinahe {6}unheimliches Geschick, bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Unruhestifterin zu erscheinen, und es gelang ihr ohne sonderliche Anstrengung – ganz besonders dann, wenn ihre rege Phantasie mit ihr durchging –, ein friedliches Fest in ein heilloses Chaos zu verwandeln.

Immerhin, in diesem Jahr war Mildred älter und hoffentlich klüger – auf jeden Fall hegte sie mehr gute Vorsätze als jemals zuvor –, und sie war fest entschlossen, ihren Ruf als lausigste Hexe der ganzen Schule loszuwerden.

Auf ihrem Besen reitend, landete Mildred vor dem Schultor, das wie ein Gefängnistor aussah, und lugte durch die Gitterstäbe auf den dunklen Schulhof. Sie war früh dran, erst vier oder fünf Mädchen wanderten kräftig mit den Füßen stampfend im Hof auf und ab und wickelten sich fester in die Mäntel, {7}um sich vor der klirrenden Kälte zu schützen. Es war immer empfindlich kalt dort oben, denn das Gebäude war wie eine Burg aus Steinblöcken errichtet und thronte auf dem höchsten Gipfel eines Berges, inmitten eines dichten Kiefernwaldes, der Finsternis und bittere Kälte ausstrahlte. Die Mädchen litten ständig unter Erkältungen und hatten oft Grippe, weil sie so viel Zeit im frostigen Schulhof zubringen mussten.

»Frische Luft ist gesund!«, behauptete Frau Drill, die Sportlehrerin, immer schnarrend, wenn sie ihre niesende und hustende Schar ins Freie führte. »Das wird eurem Gesundheitszustand sehr guttun. Jede, die sich vor dem Klingelzeichen heimlich hineinzuschleichen versucht, schreibt fünfhundert Zeilen, wenn ich sie erwische.«

{8}Mildred flog über das Tor und landete geschickt auf der anderen Seite. »Das ist mal ein guter Anfang!«, lächelte sie und schaute sich stolz um, ob jemand ihre erfolgreiche Landung beobachtet hatte. Aber natürlich hatte niemand zugesehen. Das taten sie nur, wenn sie etwas Schreckliches anstellte – nie, wenn ihr etwas gut gelang.

Mildred nahm ihren Handkoffer von dem Besenstiel, der artig vor ihr schwebte und auf das nächste Kommando wartete. Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem getigerten Kätzchen zu, das wie ein kranker Adler am Besen hing. In seiner Todesangst hielt es die Augen fest zugekniffen und alle vier Pfoten angestrengt in den Besen gekrallt.

Das arme Kätzchen hatte nie die panische Angst vor dem Fliegen verloren, und Mildred musste Tapsi nach jeder Landung regelrecht vom Besen pflücken.

»Natürlich musste ich ausgerechnet so eine Katze wie dich bekommen«, erklärte Mildred nachsichtig, streichelte das Kätzchen mit einer Hand und löste mit der anderen die Krallen {9}vom Besen. »Komm schon, Dummerchen, wir sind da. Sieh doch! Es ist alles vorbei, nun spring schon.«

Vorsichtig öffnete das Kätzchen ein Auge, sah, dass sie tatsächlich ihr Ziel erreicht hatten, und sprang auf Mildreds Schulter, um dankbar das Köpfchen an ihren Haaren zu reiben. Ein warmes Gefühl für das arme Tierchen stieg in Mildred auf.

»Mildred! Millie! Ich bin’s«, kreischte da eine bekannte Stimme über ihr. Mildred blickte nach oben und sah Maude im Sturzflug über das Tor sausen und heftig mit dem Hut winken. Diese Aktion hätte sie fast vom Besen stürzen lassen, und so landete sie wie eine Betrunkene taumelnd vor Mildreds Füßen.

»Oh, Maude!«, lachte Mildred, hocherfreut, ihre beste Freundin nach den langen Sommerferien wieder zu sehen. »Meine Güte, du bist ja ganz dünn geworden, und deine Haare sind richtig lang.«

»Ich weiß«, sagte Maude und strich sich über den Kopf, wo sie jetzt statt der Rattenschwänze das Haar zu kurzen Zöpfen geflochten trug. »Meine Mutter hat mich auf eine grässliche Diät gesetzt. Ich durfte nur Salat, Sellerie und so furchtbares Zeug essen. Aber hier hat sie mich nicht mehr in ihren Klauen, jetzt gibt es wieder das gute alte Schulmittagessen. Ein dreifaches Hoch auf Schokopudding und süßen Auflauf!« Die beiden Mädchen lachten.

{11}»Ich würde wirklich zu gerne wissen, für wen sie hier das Tor eingebaut haben«, bemerkte Mildred grinsend, als drei weitere Schülerinnen auf ihren Besen über die Mauer segelten.

»Vielleicht wegen der gewöhnlichen Besucher«, sagte Maude. »Du weißt schon, Leute, die keine Besen haben. Frau Graustein kann von normalen Menschen ja wohl kaum erwarten, dass sie eine Leiter mitbringen, oder? Übrigens, wer ist sonst schon alles da? Jemand, den wir kennen?«

»Nur Esther«, antwortete Mildred. »Sie hat so getan, als hätte sie mich nicht gesehen, aber das macht mir nichts aus.« Esther Edel war eine typische Streberin und die Hochnäsigkeit in Person. Nach all den niederträchtigen Streichen, die sie {12}Mildred in den letzten beiden Halbjahren gespielt hatte, konnte es niemanden wundern, dass Mildred keine freundlichen Gefühle für das Mädchen hegte; immerhin wäre Mildred wegen ihr zweimal beinahe von der Schule geflogen.

»Oh, sieh nur, Maude!«, rief Mildred und deutete auf zwei kleine Mädchen mit brandneuen Hüten und gewaltigen Mänteln, die fast bis an ihre ebenfalls nagelneuen, glänzenden Stiefel reichten. »Das müssen Erstklässerinnen sein. Schau nur, sehen die nicht süß aus?«

»Stell dir vor, so haben wir auch einmal ausgesehen«, lachte Maude. »Ich komme mir schon ganz alt vor«, meinte sie in mütterlichem Ton.

Die beiden Erstklässerinnen standen dicht beieinander; sie wirkten ängstlich und schüchtern. Eine von ihnen warf einen {13}flüchtigen Blick in die Runde, die andere konnte nicht aufhören zu weinen. Sie waren wirklich ein trauriges Paar. Beide waren dünn; das weinende Mädchen hatte ein schmales, blasses Gesicht und mausgraues Haar, das andere goldblonde Kringellocken. Irgendwie erinnerte das weinende Kind Mildred an jemanden, aber sie wusste nicht, an wen.

»Komm, wir muntern sie ein bisschen auf, ja?«, schlug Mildred vor. »Sie wissen sich nicht zu helfen, die armen Dinger. Erinnerst du dich noch, wie schrecklich wir uns damals gefühlt haben?«

Maude und Mildred schlenderten beiläufig in Richtung der unglücklichen Mädchen und kamen sich dabei sehr erwachsen und klug vor.

»Hallo«, grüßte Mildred, »ihr müsst neu sein.«

»Ja«, antworteten die beiden Mädchen im Chor.

Mildred tätschelte dem schniefenden Mädchen unbeholfen die Schulter.

»Du hast wirklich keinen Grund zu weinen«, erklärte sie ein bisschen förmlich. »Es ist gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussieht.« Leider half Mildreds freundliche Geste nicht viel, sondern machte alles nur noch schlimmer, denn das Mädchen brach in herzzerreißendes Schluchzen aus und schlang die Arme um Mildreds Taille.

Mildred war erschrocken. Der ganze Schulhof starrte zu ihr {15}herüber; jeden Augenblick konnte Frau Harschmann – Mildreds schreckenerregende Klassenlehrerin vom letzten Jahr – auftauchen und ihr vorwerfen, dass sie kleine Mädchen so ängstigte, dass sie einen Heulkrampf bekamen.

Maude zerrte die Kleine ziemlich unsanft von Mildred weg und schüttelte sie.

»Schluss jetzt mit dem albernen Geheule!«, sagte sie ärgerlich. »Du bringst Mildred sonst noch in Schwierigkeiten, bevor es in diesem Schuljahr das erste Mal zum Unterricht läutet.«