Eine lausige Hexe zaubert weiter - Jill Murphy - E-Book

Eine lausige Hexe zaubert weiter E-Book

Jill Murphy

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Beschreibung

Kaum hat das neue Schuljahr an Frau Grauensteins Hexenakademie begonnen, da gerät Mildred, die das Unglück magisch anzieht, wieder in größte Schwierigkeiten, bloß weil die Neue, Edith Nachtschatten, bei weitem nicht so brav ist, wie sie tut.

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Jill Murphy

Eine lausige Hexe zaubert weiter

Aus dem Englischen von Ursula Kösters-Roth

Diogenes

{4}Für Luc und Isabelle

{5}1

Der Sommer hatte nun endlich auch in Frau Grausteins Hexenakademie Einzug gehalten. Nicht, dass dies einen großen Unterschied machte. Die düster wirkende Schule lag auf dem Gipfel eines hohen Berges, versteckt hinter hohen Pinien und von dichtem Nebel umwabert.

Am ersten Morgen des neuen Schuljahres fanden sich Mildred und ihre Mitschülerinnen frühzeitig im Klassensaal ein. Sie boten einen trübseligen Anblick – die neuen Sommerkleider sahen noch trostloser aus als die Kleider für den Winter. Die Schuluniform bestand aus einem schwarz-grau karierten, kurzärmeligen Kleid, das einzig und allein durch eine farbige Schärpe etwas freundlicher wirkte, die um die Taille gebunden wurde. Graue Söckchen und schwarze Schnürschuhe ergänzten die Tracht. Blendend weiß blitzten die Knie der Mädchen unter dem Rock hervor, schließlich waren sie den ganzen Winter über von kratzigen, schwarzen Wollstrümpfen verhüllt worden.

{6}Trotz dieses düsteren Anblicks schallte fröhliches Gelächter aus dem Raum. Die Schülerinnen schienen ganz kribbelig vor lauter Freude, wieder zurück zu sein – bis auf Mildred. ›Besorgt‹ beschreibt wohl besser, wie Mildred sich fühlte. Sie saß auf ihrem Tisch und hörte Maude zu, die aufgeregt von ihren Ferienerlebnissen berichtete.

Aber Mildred registrierte gar nicht, was die Freundin ihr erzählte, denn sie war vollauf damit beschäftigt, sich alle möglichen Katastrophen auszumalen, die ihr im neuen Schuljahr zustoßen könnten.

Dabei hatte es noch nicht einmal richtig begonnen. Eine endlose Reihe Schulwochen lag noch vor ihr, die sie wohl oder übel durchstehen musste! Nach dem miserablen Zeugnis {7}vom letzten Jahr hatte sie zu Hause allen versprechen müssen, dass sie sich im neuen Schuljahr ganz besondere Mühe geben würde.

Auch wenn Frau Graustein so nett gewesen war, jenen Tag zu erwähnen, an dem Mildred die Schule vor einer Katastrophe bewahrt hatte, so konnte dies nicht all jene Tage wettmachen, an denen alles, was sie berührte, in tausend Stücke zersprang oder, schlimmer noch, an denen sie der Versuchung nicht widerstehen konnte und gegen eine der zahllosen Regeln verstieß, um sich einen kleinen Spaß zu gönnen. Es war das schlechteste Zeugnis, das sie je heimgebracht hatte.

»Mildred!«, unterbrach Maude aufgebracht ihre Gedanken. »Du hast mir überhaupt nicht zugehört, nicht eine Sekunde, oder?«

»Natürlich habe ich dir zugehört«, versuchte Mildred, ihre Freundin zu beschwichtigen.

»Und was habe ich gerade gesagt«, wollte Maude wissen.

»Ähm, dass du eine Fledermaus zu deinem Geburtstag bekommen hast?«, riet Mildred aufs Geratewohl, darauf hoffend, ins Schwarze getroffen zu haben.

»Ich hab’s ja gewusst! Du hast mir nicht zugehört!«, rief Maude vorwurfsvoll triumphierend. »Das von der Fledermaus ist mindestens schon eine Viertelstunde her.«

Die Tür krachte auf und Frau Harschmann, die {8}furchteinflößende Klassenleiterin, stürmte in den Saal wie ein eiskalter Windstoß, ein Mädchen im Schlepptau, das niemand kannte. Wie immer waren alle bei ihrem plötzlichen Auftauchen zu Tode erschrocken und rannten sich fast über den Haufen, eifrig bemüht, zur Begrüßung der Lehrerin ordnungsgemäß neben ihrem Pult zu stehen.

»Guten Morgen, Mädchen«, begrüßte sie Frau Harschmann bellend.

»Guten Morgen, Frau Harschmann«, antworteten die Mädchen.

{9}»Ich hoffe, ihr seid froh, wieder hier sein zu dürfen«, fuhr die Lehrerin fort und musterte mit durchdringendem Blick die unglücklichen Mädchen in der ersten Reihe. »Habt ihr euch gut erholt? Und freut ihr euch, dass es nun wieder an die Arbeit geht?«

»Ja, Frau Harschmann«, antworteten die Mädchen im Chor und gaben sich alle Mühe, überzeugend zu klingen.

»Schön!«, Frau Harschmann rieb sich geschäftig die Hände. »Dann darf ich euch Edith Nachtschatten vorstellen.« Sie wies mit ihrer knöchrigen Hand auf das fremde Mädchen, das mit hängenden Schultern den Boden anstarrte.

Edith war groß, sogar noch größer als Mildred, wirkte aber durch die riesigen Hände und Füße noch viel linkischer. Irgendwie schien sie ausgesprochen kräftig zu sein, aber nicht dick. Ihr Haar hatte die Farbe von wässrigem Milchkaffee und war zu einem langen, dicken Zopf geflochten; aber man konnte sehen, dass es sehr widerspenstig war und eine wirre Lockenpracht entfalten würde, wenn das schwarze Gummi es nicht mehr zusammenhielt.

»Edith ist eure neue Mitschülerin«, erklärte Frau Harschmann. »Mildred, du wirst dich um Edith kümmern. Ich gebe zu, dass mir das gar nicht ins Konzept passt, aber Frau Graustein ist aus mir völlig unerfindlichen Gründen der Ansicht, du könntest dich zu einer verantwortungsvollen Schülerin {10}entwickeln, wenn du eine solch wichtige Aufgabe anvertraut bekommst. Ich persönlich halte es für einen großen Fehler, die arme, kleine Edith mit dir ins Verderben stürzen zu lassen, wo {11}sich doch niemand um das Kind Sorgen machen müsste, wenn jemand wie Esther sie unter ihre Fittiche nehmen würde.«

Esther, die größte Streberin und schlimmste Petze der Klasse, setzte ein so geziertes Lächeln auf, dass die anderen sie am liebsten geohrfeigt hätten.

»Wie auch immer«, fuhr Frau Harschmann fort, »wer weiß, vielleicht werde ich ja eines Besseren belehrt. Ich hoffe es sehr. Bitte führe Edith herum, damit sie sich bei uns zurechtfindet, Mildred, und leiste ihr in den nächsten Tagen ein wenig Gesellschaft. Danke.

Edith, du setzt dich neben Mildred. Wir wollen jetzt mit dem Unterricht beginnen. Morgen früh findet in der Aula die erste Schulversammlung statt.«

›So ein Mist‹, dachte Mildred und warf einen verstohlenen Blick auf Edith, die ihren riesigen Körper in die Nachbarbank zwängte. ›Mit der werden wir bestimmt keinen Spaß haben.‹

Aber da sollte sich Mildred gewaltig irren.

{12}2

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