Eine trügerische Idylle - Anna Sonngarten - E-Book

Eine trügerische Idylle E-Book

Anna Sonngarten

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Beschreibung

Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Ruhig und entspannt lag Lisa Oldenberg im bequemen Behandlungsstuhl ihrer Kosmetikerin. Das trübe kalte Novemberlicht wurde durch weiße transparente Vorhänge, die vor den hohen Fenstern herabhingen, gefiltert und tauchte den Raum in eine angenehm warme, zeitlose Atmosphäre. »Ich kann gar nicht sagen, wie gut es tut, wieder einmal bei Ihnen zu sein, Frau Dervall.« Lisa Oldenberg genoß den sanften Druck und die kreisenden Bewegungen der Gesichtsmassage, die ihr die Kosmetikerin mit geübten Händen zuteil werden ließ. »Seit Hanna im Kindergarten ist, habe ich für solch einen Luxus endlich wieder einmal Zeit.« »Hat sie sich denn schnell eingelebt? Meine Älteste war anfänglich nicht so begeistert, als sie in den Kindergarten sollte.« »Ja, das kenn' ich. Bei Jan war es auch so, aber Hanna hat sich sehr gefreut auf den Kindergarten.« »Ist Jan jetzt schon in der Schule?« »Ja, er geht in die erste Klasse«, antwortete Lisa. »Dann sind ja beide Kinder vormittags aus dem Haus.« »Ja, das war in den ersten Tagen ganz schön komisch für mich. Auf einmal war es so still. Mir hat regelrecht etwas gefehlt.« Lisa machte eine Pause. »Aber es ist auch schön. Ich kann in Ruhe den Haushalt und die Einkäufe erledigen und habe dann den ganzen Nachmittag Zeit, mich um die Kinder zu kümmern... Ja, und nicht zuletzt kann ich wieder einmal hier bei Ihnen sein.« Frau Dervall hatte eine CD mit meditativer Musik aufgelegt, der Lisa jetzt schweigend lauschte. Sie nahm sich vor, wieder regelmäßig bei Frau Dervall vorbeizuschauen. Dabei hatte ihr die Kosmetikerin gerade erst bescheinigt, daß ihr Teint in einem

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Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Mami – 1900 –Eine trügerische Idylle

Papi soll bei uns bleiben

Anna Sonngarten

Ruhig und entspannt lag Lisa Oldenberg im bequemen Behandlungsstuhl ihrer Kosmetikerin. Das trübe kalte Novemberlicht wurde durch weiße transparente Vorhänge, die vor den hohen Fenstern herabhingen, gefiltert und tauchte den Raum in eine angenehm warme, zeitlose Atmosphäre.

»Ich kann gar nicht sagen, wie gut es tut, wieder einmal bei Ihnen zu sein, Frau Dervall.« Lisa Oldenberg genoß den sanften Druck und die kreisenden Bewegungen der Gesichtsmassage, die ihr die Kosmetikerin mit geübten Händen zuteil werden ließ.

»Seit Hanna im Kindergarten ist, habe ich für solch einen Luxus endlich wieder einmal Zeit.«

»Hat sie sich denn schnell eingelebt? Meine Älteste war anfänglich nicht so begeistert, als sie in den Kindergarten sollte.«

»Ja, das kenn’ ich. Bei Jan war es auch so, aber Hanna hat sich sehr gefreut auf den Kindergarten.«

»Ist Jan jetzt schon in der Schule?«

»Ja, er geht in die erste Klasse«, antwortete Lisa.

»Dann sind ja beide Kinder vormittags aus dem Haus.«

»Ja, das war in den ersten Tagen ganz schön komisch für mich. Auf einmal war es so still. Mir hat regelrecht etwas gefehlt.« Lisa machte eine Pause. »Aber es ist auch schön. Ich kann in Ruhe den Haushalt und die Einkäufe erledigen und habe dann den ganzen Nachmittag Zeit, mich um die Kinder zu kümmern... Ja, und nicht zuletzt kann ich wieder einmal hier bei Ihnen sein.« Frau Dervall hatte eine CD mit meditativer Musik aufgelegt, der Lisa jetzt schweigend lauschte. Sie nahm sich vor, wieder regelmäßig bei Frau Dervall vorbeizuschauen. Dabei hatte ihr die Kosmetikerin gerade erst bescheinigt, daß ihr Teint in einem ausgezeichneten Zustand sei und man ihr die Dreiunddreißig wahrlich nicht ansah. Lisa hatte über dieses Kompliment lachen müssen.

»So sehr mich das freut, besonders geschäftstüchtig ist so ein Kompliment aber nicht, Frau Dervall«, hatte sie gesagt. Doch die Kosmetikerin hatte gekontert:

»Ich möchte Sie doch nur motivieren, etwas zu tun, damit es auch so bleibt.«

»Ach so. Das ist Ihnen gelungen. Ich werde gleich einen neuen Termin vereinbaren.« Als sich Lisa später, mit einem dezenten Tages-Make-Up versehen, im Spiegel betrachtete, war sie angenehm überrascht. Das Gesicht einer schönen Frau lächelte ihr entgegen. Ihre nußbraunen Locken rahmten ihren blassen, aber jetzt mit einem zarten Rouge aufgefrischten Teint, ihr schön geschwungener Mund war ebenfalls mit etwas Farbe betont, wodurch die Lippen nun voller erschienen, und ihre blauen Augen leuchteten unter dichten von Mascara geschwärzten Wimpern hervor, die ihren Blick etwas Geheimnisvolles gaben.

»Was so ein bißchen Make-up ausmacht«, stellte Lisa erstaunt fest. »Da wird Markus Augen machen.« Lisa war erfreut über ihre Verwandlung. Es war nicht so, daß sie sich nicht um ihr Äußeres bemühte, aber im Alltagsstreß blieb ihr oft keine Zeit, sich damit zu befassen. Ihre Kleidung war vor allem praktisch und für den Kinderspielplatz geeignet. Und für wen hätte sie sich schon schminken sollen? Markus kam immer erst spät aus der Klinik und war dann müde und abgespannt. Wahrscheinlich würde es ihm noch nicht einmal auffallen, wenn sie sich besonders zurecht machen würde. Mal sehen, ob er heute abend überhaupt etwas merkte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, daß sie sich beeilen mußte, wenn sie Hanna pünktlich vom Kindergarten abholen wollte. Gutgelaunt verabschiedete sie sich von Frau Dervall, lief zu ihrem Kombi, sprang hinein und brauste davon. Frau Dervall schaute ihr kopfschüttelnd hinterher. Lisa schien immer in Eile zu sein. Kaum zu glauben, daß sie es geschafft hatte, eine gute Stunde lang stillzusitzen.

*

Wie jeden Dienstag war auch heute Oberarztvisite auf der Station B3. Erst vor einigen Tagen hatte dort eine junge Assistenzärztin ihren Dienst angetreten. Dr. Markus Oldenberg, der Oberarzt der medizinischen Klinik, machte sich darauf gefaßt, daß es einige Beanstandungen seinerseits gab und daß sich die Visite heute in die Länge ziehen würde.

»Guten Morgen, Herr Dr. Oldenberg«, begrüßte ihn die Stationsschwester. Sie hatte schon auf ihn gewartet, denn der Visitenwagen mit den Patientenakten stand bereits auf dem Flur.

»Dann kann es ja gleich losgehen. Wo ist denn unsere neue Ärztin?« fragte Schwester Erika und schaute sich suchend um. Aus einem Nebenraum trat die neue Ärztin auf den Stationsflur hinaus.

»Hier bin ich, Schwester Erika«, sagte Jutta Steinert und schaute Dr. Markus Oldenberg gerade in die Augen. Markus Oldenberg war bei dem Bewerbungsgespräch nicht zugegen gewesen und sah die neue Ärztin heute zum ersten Mal. Völlig unvorbereitet traf ihn die Erkenntnis, daß er selten zuvor einer solch attraktiven Frau begegnet war. Er starrte seine Assistenzärztin an, anstatt sie zu begrüßen. Dr. Jutta Steinert war etwas über mittelgroß und schlank. Die zu einer modernen Kurzhaarfrisur geschnittenen Haare changierten in verschiedenen Blondtönen. Ihr glatter Teint schimmerte goldbraun, was darauf schließen ließ, daß die junge Ärztin entweder gerade einen Urlaub in der Sonne verlebt hatte oder regelmäßig ein Sonnenstudio aufsuchte.

Sie hatte einen Lippenstift gewählt, der in seiner Signalwirkung gerade noch zu vertreten war. Mit ihren grünen Augen sah sie ihren Oberarzt herausfordernd an. Dr. Markus Oldenberg war sichtlich beeindruckt, und als ihm klar wurde, daß dies nicht unbemerkt hatte bleiben können, bemühte er sich rasch um einen besonders sachlichen Ton.

»Frau Dr. Steinert, ich heiße Sie als neue Kollegin willkommen. Ich hoffe, Sie hatten bereits Gelegenheit, sich ein wenig einzuleben.«

»Danke, Herr Oberarzt. Ich habe mich vor allem darum bemüht, mich so schnell wie möglich mit den Krankheitsbildern unserer Patienten vertraut zu machen. Aber ich habe da noch einige Fragen.« Jutta Steinert sprach in einem selbstbewußten und gelassenen Tonfall, der keinerlei Anzeichen von Unsicherheit verriet.

»Ihre Fragen werden wir sicherlich während der Visite klären können«, antwortete ihr der Oberarzt, und mit einem Blick auf Schwester Erika vergewisserte er sich, daß es losgehen konnte. Wie Markus Oldenberg vermutet hatte, wurde es eine lange Visite, aber dies bemerkte er erst, als er sich im Anschluß daran mit den Schwestern zu einer Tasse Kaffee niedergelassen hatte und sein Blick zufällig auf die Uhr fiel. Während ihres Rundganges durch die Patientenzimmer war ihm die Zeit wie im Flug vergangen. Dr. Jutta Steinert hatte sich trotz der Kürze der Zeit gut vorbereitet und wußte über alle Patienten erstaunlich gut Bescheid. Sie machte kompetente Vorschläge, und ihre Fragen verrieten fundierte medizinische Kenntnisse. Dr. Markus Oldenberg war es ein wahres Vergnügen gewesen, ihr Wissen mit einigen Hinweisen aus der Praxis zu vervollständigen. Angeregt plauderte er jetzt mit den Schwestern über die bevorstehende Weihnachtsfeier. Jutta Steinert saß dabei, beteiligte sich allerdings nicht am Gespräch. Ihr Blick ruhte jedoch auf Markus Oldenberg, dem dies nicht entging, und er ertappte sich selbst dabei, wie er versuchte, besonders amüsant zu wirken. Als sich Dr. Oldenberg von der Station verabschiedete, um in der Diagnostik nach dem Rechten zu sehen, war seine Laune erheblich gestiegen. Für elf Uhr dreißig war eine Herzkatheteruntersuchung angesetzt, die er zu leiten hatte. Wenn alles nach Plan lief, könnte er eventuell mit Jutta Steinert zusammen in der Krankenhauskantine zu Mittag essen.

*

Hanna wartete bereits auf ihre Mutter, als diese mit eiligen Schritten die Stufen zum Kindergarten hinauf hastete. Hanna hatte heute nämlich ein besonders schönes Bild gemalt und konnte es kaum erwarten, es ihrer Mutter zu zeigen. Sie strahlte, als sie Lisa erkannte und reckte ihre Ärmchen mit dem Bild in beiden Händen in die Höhe. Lisa zeigte dann auch die von ihr erwartete Begeisterung.

»Oh, wie schön, mein Schatz. Hast du das ganz allein gemalt?«

»Ja, natürlich Mama, ganz alleine.«

»Das ist aber wirklich toll. Da hast du dir ganz schöne Farben ausgesucht. Wo sollen wir das Bild denn aufhängen?«

»In meinem Zimmer«, antwortete die Kleine.

»Das machen wir. Jetzt hol’ bitte deine Jacke. Draußen ist es kalt und naß.«

Hanna sauste davon, so daß ihre braunen Locken flogen. Lisa blickte ihr nach und war voller Zärtlichkeit für ihre kleine Tochter. Jetzt ging sie schon in den Kindergarten. Wie schnell war die Zeit vergangen, und Jan ging sogar schon in die erste Klasse. Manchmal hätte Lisa am liebsten die Zeit angehalten. So anstrengend die Kleinen auch sein mochten, ihre kindliche Naivität und spontane Begeisterungsfähigkeit würden sich bald immer mehr verlieren.

Jan kam ihr jetzt manchmal schon richtig groß vor. Selbst den Computer hatte er bereits für sich entdeckt. Wenn sie keine Regeln für seine Benutzung aufgestellt hätte, würde Jan Stunde um Stunde davor verbringen.

Während des Heimwegs plapperte Hanna unentwegt. Lisa mußte sich konzentrieren, um genau zuzuhören. Ihre Gedanken waren beim Mittagessen und ihrem Nachmittagsprogramm. Jan hatte heute Hockey, Lisa Kinderturnen. Sie würde den Nachmittag damit verbringen, ihre Kinder zu chauffieren. Vielleicht würde sie es noch schaffen, einkaufen zu gehen. Morgen wollte sie sich nämlich mit ihrer Freundin Karla in der Stadt treffen. Karla hatte ein neues Bistro entdeckt, wo man ihrer Ansicht nach sehr gut frühstücken konnte.

»Und danach gehen wir noch ein bißchen bummeln«, hatte Karla vorgeschlagen und war enttäuscht, als Lisa vorschlug, das Bummelngehen auf einen anderen Tag zu verlegen.

»Das wird zeitlich etwas knapp werden, Karla. Um zwölf Uhr dreißig muß ich Hanna spätestens aus dem Kindergarten abholen, und um eins kommt dann auch schon Jan aus der Schule«, hatte sie der Freundin erklärt.

Karla war zur Zeit wieder einmal Single und hatte keine Kinder. Sie ging zahlreichen Hobbys nach, hatte eine Jahreskarte für die Sauna, ein Theaterabonnement und war jedem neuen Trend gegenüber aufgeschlossen. Manchmal beneidete Lisa ihre Freundin, aber nie hätte sie mit ihr tauschen wollen.

Bevor sie das Mittagessen zubereiten konnte, mußte natürlich zunächst Hannas Bild in ihrem Zimmer aufgehängt werden. Es war gar nicht leicht, einen geeigneten Platz dafür zu finden, weil Hanna schon alle Wände mit ihren kleinen Kunstwerken zugepflastert hatte. Schon im Alter von vier Jahren konnte Lisa erkennen, daß sie wohl immer mit Hannas kreativer Unordnung würde zu kämpfen haben. Da war Jan glücklicherweise ganz anders. Fast schon penibel war er im Umgang mit seinen Spielsachen. Ungern ließ er Hanna mit seinen Sachen spielen, was unentwegt eine Ursache für Streitereien unter den Geschwistern war. Aber wie alle Geschwister vertrugen sie sich auch immer wieder und spielten dann sehr schön und ausdauernd miteinander.

»Wir könnten doch dieses Bild hier in die große Mappe legen und dafür dein neues aufhängen, was meinst du?« schlug Lisa vor. Hanna überlegte.

»Nein, das nicht. Vielleicht das hier.« Sie zeigte auf ein Bild, das sie erst kürzlich gemalt hatte. Lisa wunderte sich, zog es aber vor, nichts zu sagen, um die Diskussion nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

»Gut, das ist ein guter Platz für dein neues Bild«, sagte sie und heftete es schnell mit einem Reißbrettstift fest.

Dabei hoffte sie inständig, daß Hanna nicht gleich morgen wieder mit einem Bild ankommen würde, aber große Illusionen brauchte sie sich da nicht zu machen. Hanna malte nun einmal leidenschaftlich gerne. Es klingelte an der Haustür.

»Oh, das wird Jan sein, stellte Lisa fest. Hanna stürmte an ihrer Mutter vorbei die Treppe hinunter. Sie wollte unbedingt ihrem Bruder die Tür öffnen. Jan ging jedoch grußlos an seiner kleinen Schwester vorbei und rief nach Lisa.

»Mama! Weißt du was?«

»Nein, noch nicht«, antwortete sie, indem sie ebenfalls die Treppen hinunter kam.

»Ich habe heute ganz viel auf. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll. Nachher ist doch Hockey.«

»Wir schauen uns das am besten gemeinsam an. Vielleicht ist es gar nicht so viel, wie du glaubst«, munterte Lisa ihren Sohn auf.

»Doch, du wirst es sehen«, antwortete ihr Jan ungeduldig. Er wollte sich nicht beschwichtigen lassen.

»Okay, ich glaube dir, daß es viel ist, aber du wirst es schon irgendwie schaffen, trotzdem zum Hockey zu gehen.

Vielleicht mußt du dich nach dem Training noch einmal hinsetzen.«

Jan grummelte etwas vor sich hin und setzte sich an den Küchentisch. Unter der Woche aß Lisa mit den Kindern in der Küche. Nur wenn Markus auch da war, nahmen sie die Mahlzeiten im Eßzimmer ein, das an das geräumige Wohnzimmer grenzte.

»Was gibt es denn heute zu essen?« wollte Jan wissen.

»Etwas Schnelles. Pommes frites, Würstchen und Gurkensalat.«

Jans Miene hellte sich auf. Nahrungsmittel, die Lisa als Fast Food bezeichnen würde und ihren Kindern möglichst selten auf den Tisch stellte, waren wie so oft das Lieblingsessen der Kinder.

»Gibt’s auch Nachtisch?« fragte Hanna.

»Ja, Schokoladenpudding, aber nur, wenn der Gurkensalat aufgegessen wird«, antwortete Lisa. Hanna überlegte, ob die Aussicht auf den Pudding Anreiz genug sei, den Gurkensalat zu essen. Sie war sich da noch nicht sicher.

*

Dr. Markus Oldenberg rief nach der komplikationslos verlaufenden Herzkatheteruntersuchung auf der Station B3 an.

»Frau Steinert, Oldenberg am Apparat. Ich würde gern mit Ihnen zusammen zu Mittag essen. Es gibt da noch ein paar Dinge, auf die ich Sie aufmerksam machen möchte. Es könnte Ihre Einarbeitungszeit erheblich verkürzen.«

»Na, da wäre ich ja ausgesprochen dumm, wenn ich diese Gelegenheit verpassen würde«, antwortete ihm die Assistenzärztin in einem Ton, der Dr. Oldenberg verunsicherte. Hatte sie ihn durchschaut? Natürlich gab es immer etwas mitzuteilen, wenn jemand neu in einer so großen Klinik war. Und je mehr Insiderinfos, um so schneller fand man sich zurecht, aber der wahre Grund für seinen Anruf war doch der, daß Dr. Oldenberg die junge Assistenzärztin geradezu atemberaubend attraktiv fand. Dr. Oldenberg beschloß, sich von diesem Tonfall nicht irritieren zu lassen, und Frau Dr. Steinert beeilte sich zu versichern, wie sehr sie sein kollegiales Verhalten zu schätzen wisse.

»Ich bin sehr froh, daß Sie mir über die Anfangszeit hinweghelfen wollen. Sie müssen wissen, ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit, Herr Oberarzt.« Markus Oldenberg räusperte sich. Auf ein Kompliment war er nicht vorbereitet, und er beendete das Gespräch mit den Worten:

»Ich sehe Sie um zwölf Uhr dreißig im Foyer.«