Eine zugige Existenz - Stephan Franke - E-Book

Eine zugige Existenz E-Book

Stephan Franke

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Beschreibung

In diesem Bericht aus meinem Leben als Bahnreisender werdet ihr allerlei Neuigkeiten über alkoholische Genüsse, merkwürdige Spielarten des menschlichen Sexualtriebes, die Zwecklosigkeit jeglicher Sinnsuche und einige Absonderlichkeiten mehr erfahren. Ihr werdet eine Menge über das Bahnfahren als Lebensform lernen und dabei vielen interessanten Charakteren begegnen, die man so nur in einem Eisenbahnabteil (oder hin und wieder auch in Sanitätshäusern) trifft. Vielleicht dienen meine Aufzeichnungen als Lebenshilfe, indem sie euch nämlich helfen, euer jetziges Leben als gar nicht mal so übel zu akzeptieren, weil alles noch viel schlimmer hätte kommen können. Und wenn ihr meine Aufzeichnungen nur unvoreingenommen lest, auch die dunklen und verschwommenen Seiten an euch herankommen lasst, dann werdet auch ihr eines Tages sagen können: ach, so ist das also.

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Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Eine zugige Existenz

Titel SeiteVorbemerkung für die geneigte Leserin und den aufgeschlossenen Leser.Versuch, die Neugier der Leser zu wecken und Informationen über die Phobie des Herrn Wüntenberg.Meine verkorkste Kindheit oder wie mir schon früh klar wurde, dass alles Übel mit dem Verfolgen von Zielen beginnt.Auch die Suche nach Wahrheit und Sinn ist meine Sache nicht, dafür könnt ihr aber eine Menge über den gezielten Einsatz alkoholischer Getränke von mir lernen.Über die Unheil stiftende Wirkung der Wahrheit am Beispiel eines schönheitschirurgischen Eingriffes.Ich muss mich euch unbedingt noch vorstellen und darüber aufklären, wieso mein Name immer wieder mit einer großen Erfindung in Verbindung gebracht wird.Meine Bahnreise beginnt endlich – erste Begegnung mit zwei ungewöhnlichen Mitreisenden.Wie mich die Zeugen Jehovas einmal retten wollten, was jedoch ziemlich daneben ging.Über den problemlosen Wechsel von Heilslehren und weswegen es sich lohnen kann, dem Alkohol zu entsagen und sich mehr für sexuelle Eskapaden zu interessieren.Wie ich mich bemühte, auch im Berufsleben die Verfolgung von Zielen konsequent zu vermeiden sowie Wissenswertes über defekte Vibratoren.Das plötzliche Ende meiner Tätigkeit bei der Deutschen Bahn und der Beginn meiner Therapeutenkarriere.Überlegungen zu einer sozial verträglichen Attentatskultur.Das gut Gemeinte ist der Todfeind des Guten und eine ungeahnte Wendung in der Jungfrauenfrage.Über das Zusammenleben mit einem Eremiten in einer Dreizimmerwohnung und der ewige Disput darüber, wie spirituell erhellend Bordellbesuche wirklich sind.Wissenswertes zum Thema Geld: wie innerhalb von einer halben Stunde ein ganzes Dorf von seinen Schulden befreit wurde.Wie man Frauen zum Sprechen bringt und wieso ich es bedauere, dass meine neue Patientin nicht unter Harndrang leidet.Ein Therapievorschlag für Frau Gerlinde und Wissenswertes über komische Ortsnamen und dumme Anglizismen.Das Prinzip Urdefinition sowie Wissenswertes über das Schlafwandeln und sexuelle Neigungen, denen man nicht nachgehen sollte.Der Rollator, ein Lifestyleprodukt für den modernen Best-Ager.Interessante Informationen über kroatische Lebensweisheiten und das sogenannte „Arschgeweih“ einer Ex-Bundespräsidentengattin.Über die Schwierigkeiten zu verstehen, was das Ich ist und wieso sich Menschen Intimpiercings zulegen.Der Tätowierskandal nimmt seinen Lauf und fordert viele Opfer.Wieso jucken die Hinterteile unserer Volksvertreter und was tun sie dagegen?Biblischer Rat in Bekleidungsfragen.Die Atemakustik eines neuen Fahrgastes ist Anlass für eine interessante Unterhaltung, welche leider durch üble Gerüche beeinträchtigt wird.Die Bahnreise nähert sich ihrem Ende, vorher erfahren wir aber noch einiges über dunkle Internetgeschäfte.

Stephan Franke

Eine zugige Existenz

Die unglaubliche Bahnreise des Kevin Maria Strassberg

Gewidmet meinem Sohn Max Franke, der mir zu einer Startauflage von 400.000 Exemplaren geraten hat und mir sicher dabei helfen wird, die unverkäuflichen Bücher zu entsorgen.

Aktuelle Infos zu meinen Kabarettprogrammen finden Sie auf meiner Homepage www.stephan-franke.de

Für letzte Sinnanfragen steht Ihnen meine E-Mail-Adresse zur Verfügung: [email protected]

Impressum

© 2017 Stephan Franke

Schererstrasse 10

47839 Krefeld

Tel. 02151 / 736158

Titelbild: Stephan Franke

Vorbemerkung für die geneigte Leserin und den aufgeschlossenen Leser.

In dem folgenden Bericht aus meinem Leben als Bahnreisender werdet ihr allerlei Neuigkeiten über alkoholische Genüsse, merkwürdige Spielarten des menschlichen Sexualtriebes, die Zwecklosigkeit jeglicher Sinnsuche, die unterhaltsame Seite des religiösen oder politischen Extremismus und einige Absonderlichkeiten mehr erfahren. Ihr werdet eine Menge über das Bahnfahren als Lebensform lernen und dabei vielen interessanten Charakteren begegnen, die man so nur in einem Eisenbahnabteil (oder hin und wieder auch in Sanitätshäusern) trifft.

Vielleicht dienen meine Aufzeichnungen als Lebenshilfe, indem sie euch nämlich helfen, euer jetziges Leben als gar nicht mal so übel zu akzeptieren, weil alles noch viel schlimmer hätte kommen können. Lest also unverdrossen mit frischem oder benebeltem Geist und tut dies vor allem regelmäßig! Und wenn ihr nur unvoreingenommen seid, auch die dunklen und verschwommenen Seiten an euch herankommen lasst – dann werdet auch ihr eines Tages sagen können:Ach, so ist das also.

Versuch, die Neugier der Leser zu wecken und Informationen über die Phobie des Herrn Wüntenberg.

Um euch auf meine kommende Bahnreise, von der ich selbst noch nicht weiß, wie lange sie dauern wird, auf welche Menschen und ihre oft eigenartige Geschichten ich treffen werde, ein wenig neugierig zu machen, möchte ich euch zunächst von einer vergangenen Bahnfahrt berichten. Genauer gesagt möchte ich euch von einem Mitreisenden erzählen, den ich auf der Fahrt von Niederlamitz nach Pechbrunn kennenlernte. Beide Orte liegen ganz im Osten von Bayern nahe der tschechischen Grenze, aber das ist hier unerheblich – wobei ich mir jedoch sicher bin, dass es einige unter euch geben wird, die mit diesem neu erworbenen Wissen demnächst in lockerer Freundesrunde ganz schön prahlen werden: „Wusstet ihr übrigens, dass Niederlamitz und Pechbrunn ganz nah an der tschechischen Grenze liegen?“ Anerkennendes Nicken seitens des Freundeskreises, Festigung des Selbstwertgefühls.

Aber kommen wir zu besagtem Mitreisenden. Er betrat in Niederlamitz mein Abteil und fiel mir direkt durch seinen leicht deprimierten Gesichtsausdruck auf. Wie es meine Art ist, verwickele ich meine Mitreisenden gerne in Gespräche – so auch diesen Herrn. Er hieß Wüntenberg und hatte ein sehr spezielles Problem, er war Konfitürophobiker.

„Ist ja interessant, habe ich noch nie von gehört.“

„Ja, ist eine sehr seltene Phobie“, erwiderte Herr Wüntenberg, „in ganz Deutschland sind nur zwei Fälle dokumentiert. Eben ich und eine Frau irgendwo in Norddeutschland.“

Wie er mir weiter erklärte, äußert sich die Konfitürophobie in Angstzuständen vor Marmeladen, Gelees und Konfitüren aller Art, jedoch seltsamerweise nie vor Nussnougatcreme oder Honig. Seine, Wüntenbergs Konfitürophobie sei zusätzlich dadurch sehr belastend und schwer therapierbar, weil die phobischen Zustände nicht nur durch besagte Brotaufstriche erzeugt würden, sondern sich in seinem Fall bei geschlechtlichen Handlungen jeder Art sofort der Gedanke an Marmeladen, Gelees und Konfitüren einstelle, was naturgemäß auch eine Partnerschaft auf eine harte Probe stelle.

„Ja waren Sie deswegen denn schon mal in ärztlicher Behandlung?“ wollte ich wissen.

„Natürlich war ich schon bei zig Ärzten. Aber außer dem Rat, von süßem Brotaufstrich auf Wurst und Käse zu wechseln, war da meist nicht mehr drin. Erst nach langem Suchen habe ich einen Spezialisten für dieses Gebiet gefunden, einen Psychiater. Nach 120 Therapiesitzungen hatte er den Grund für meine Phobie gefunden: meine Großmutter.“

„Ihre Großmutter?“

„Mir fiel ein, dass mir meine Mutter mal erzählt hat, dass Großmutter dauernd Berge von Marmelade gekocht habe, sozusagen ganze Marmeladeseen. Und da war für den Psychiater der Fall klar. Er meinte, ich hätte als Kind libidinöse Fantasien gegenüber meiner Großmutter oder aber der von ihr hergestellten Marmelade entwickelt, das habe bei mir Schuldgefühle erzeugt, die wiederum Angst auslösend gewirkt hätten. Da ich von der Großmutter immer ordentlich Taschengeld bekommen habe, sei Angst vor der Großmutter jedoch ökonomisch unklug gewesen, also habe ich mich ersatzweise für die Konfitürophobie entschieden.“

„Und was halten sie von dieser Diagnose?“

„Nicht viel, denn meine Großmutter war bei meiner Geburt bereits fünf Jahre tot.“

„Haben sie das dem Psychiater denn nicht gesagt?“

„Doch, aber er meinte, das sei alles nur Verdrängung und er habe da eine prima Therapie für mich.“

Herr Wüntenberg erläuterte mir dann die verordnete Therapie. Um die Konfitürophobie mit den einhergehenden Sexualstörungen in den Griff zu bekommen, empfahl ihm der Psychiater Folgendes:

In Reichweite des Wüntenbergschen Ehebettes sollten stets mehrere Gläser mit süßem Brotaufstrich stehen, vorzugsweise Erdbergelee, Vierfruchtmarmelade und Pflaumenmus. Während des ehelichen Vorspiels, besonders aber im Verlauf des Geschlechtsaktes sollte Herr Wüntenberg in regelmäßigen Abständen einige Löffel davon zu sich nehmen, dies solle desensibilisierend wirken und bei Herrn Wüntenberg den Lerneffekt erzeugen, dass diese Naschereien letztendlich doch ganz harmlos sind und durch ihre Energiezufuhr verlängernd auf das Liebesspiel wirken.

„Und hat es geholfen?“ wollte ich wissen.

„Teils teils. Mit Konfitüren, Marmeladen und Gelees komme ich mittlerweile ganz gut klar, vielleicht mit Ausnahme von Stachelbeermarmelade, da muss ich noch etwas dran arbeiten. Aber meine Ehe hat diese Therapie nicht überstanden. Meine Frau hat sich von mir getrennt. Sie meinte, das dauernde Konfitürengelöffele sei der Tod eines jeden Höhepunktes. Außerdem habe sie schon überhaupt keine Lust mehr, wenn sie schon vor dem Beischlaf daran denken müsse, dass sie nachher wieder die ganze Bettwäsche abziehen könne, weil alles mit Marmeladenflecken eingesaut sei. Und die Haare müsse sie sich auch jedes Mal waschen, da Vierfruchtmarmelade in der Dauerwelle einfach nur blöd aussehe, was ihr auch eine Typberaterin bestätigt habe.“

Ich konnte Herrn Wüntenbergs Niedergeschlagenheit nun nicht mehr ganz nachvollziehen. Seine Phobie war bis auf die Stachelbeervariante geheilt und Stachelbeermarmelade schmeckt derart grauslich, dass man darauf sowieso besser verzichtet und seinem Leben lieber mit dem Genuss von Erdbeer-, Aprikosen- und Kirscharomen die nötige Würze verleihen sollte.

Und was seine gescheiterte Ehe betraf, so konnte ich dazu nur gratulieren! Erstens sehe ich aus der männlichen Perspektive Verehelichungen jeder Art sehr skeptisch. In der Regel sind Ehen ein ganz erheblicher Kostenfaktor: sinnlos häufige Schuh- oder Handtaschenkäufe und dauernde Friseurbesuche der Angetrauten. Auch die häusliche Ruhe und Beschaulichkeit ist mit dem Eintritt in den Ehestand dahin: permanente Gesprächswünsche und ständiges Umarrangieren des Mobiliars oder häufiger Austausch jahreszeitlicher Dekorationsartikel (lächerliche Hasen, senile Weihnachtsmänner, debil grinsende Kürbisse etc.).

Zweitens ist eine Ehefrau, die um ein paar Konfitüreflecken in der Bettwäsche ein derartiges Aufhebens macht, auch als Sexualpartnerin suboptimal. Wie ich aus einschlägigen Publikationen (leider jedoch bisher noch nicht aus eigener Erfahrung) weiß, kann eine Ehe nur dann als emotional erfüllend bezeichnet werden, wenn die Bettstatt nach erfolgtem Liebesspiel einem Schlachtfeld gleicht, nicht selten gar der Lattenrost ausgetauscht werden muss und die beteiligten Personen ihre Prellungen und Schürfwunden mit Mitteln aus der Hausapotheke versorgen müssen.

Ich trug Herrn Wüntenberg diese meine Sicht der Dinge vor. Leider war er jedoch für eine rationale Betrachtung seiner Situation nicht offen und zog es vor, weiter mit seinem Leben zu hadern. Ich hätte mich gerne noch länger mit Herrn Wüntenberg unterhalten, hätte ihm gerne noch einige unwiderlegbare Argumente gegen die Ehe mit auf den Weg gegeben (man denke nur an die ganzen Unannehmlichkeiten, die die Aufzucht des Nachwuchses mit sich bringt …), aber der Zug erreichte Pechbrunn und unsere Wege mussten sich trennen.

Wenn ihr nun erfahren habt, wie lehrreich und erbauend es ist, an meinen Bahnerlebnissen teilzuhaben, wenn ihr ein gewisses Gefühl der inneren Festigung und Reife spürt, dann solltet ihr regelmäßig meine Aufzeichnungen über meine nun hoffentlich bald beginnende Bahnreise studieren – es wird euch guttun und euer Leben wird endlich in positiven Bahnen verlaufen. Diejenigen unter euch aber, die schon jetzt während des Lesens in Selbstzweifel und stumpfe Grübelei verfallen sind, bitte ich die Finger davon zu lassen – außer einer guten Portion Allgemeinbildung und einer verfeinerten Menschenkenntnis werden euch meine Berichte nur dazu bringen, eure windigen Lebensperspektiven in einem noch funzeligeren Licht zu betrachten.

Meine verkorkste Kindheit oder wie mir schon früh klar wurde, dass alles Übel mit dem Verfolgen von Zielen beginnt.

Bevor ihr meine Leidenschaft für extreme Bahnreisen als Spinnerei, Ausgeburt eines bemitleidenswert heftig erkrankten Hirns verurteilt oder mir gar anbietet, einen freien Platz in einer geschlossenen Abteilung zu besorgen, mir evtl. die Adresse einer Selbsthilfegruppe für alleinstehende Bahnomanen zuschickt, lasst euch davon überzeugen, dass meine kleine Liebhaberei im Grunde ein harmloses Vergnügen ist.

Obwohlharmloses Vergnügen eigentlich doch eine falsche Banalisierung meiner Leidenschaft bedeutet. Vielleicht lässt sich meine Bahnfahrerei doch mehr als eine spezielle Form der Zenmeditation beschreiben – der Weg mit der Bahn ist das Ziel. Die Ankunft an irgendeinem Ort ist mir gleichgültig, für mich zählt nur der Weg – das Sitzen im Abteil, das Betrachten der vorbeiziehenden Landschaft und vor allem: die Beobachtung der Mitreisenden. Aber keine Angst, ich werde euch nicht mit Zen oder anderen fernöstlichen Weisheitslehren langweilen. Von Zen habe ich keine Ahnung (ich esse noch nicht mal Reis oder Bambussprossen), aber die Erwähnung einer solchen Lehre gibt jedem Bericht das gewisse Etwas und der Leser bekommt ein gutes Gefühl.

Übrigens habe ich nicht nur keine geografischen Ziele, auch sonst sind mir Ziele jeder Art höchst suspekt. Wenn ich näher darüber nachdenke, hatte ich schon immer den Hang zur Zielabstinenz. Von frühester Kindheit an hatte ich keine Ziele. Im Gegensatz zu anderen Kleinkindern hatte ich nie das Ziel, Laufen zu lernen. Die Fahrten im Kinderwagen begeisterten mich viel mehr, dieses anstrengungslose Dahingleiten und Durchdieweltgeschobenwerden, ohne selbst das Ziel des Weges bestimmen zu können oder gar zu müssen – oder auch nur zu wissen, wohin es geht. Durch die ständige Fortbewegung im Kinderwagen wurde ohne Zweifel der Keim für meine spätere Bahnfahrleidenschaft gelegt.

Irgendwann jedoch konnte ich mich der ständigen Aufmunterungen meiner Eltern, Onkel und Tanten, mich für die Kunst des Gehens zu erwärmen, nicht mehr erwehren. Zumal ich spürte, dass es für mich auch wiederum kein Ziel war, das Gehenaktiv nicht zu erlernen. Leidenschaftslos machte ich also im Alter von drei Jahren meine ersten Schritte. Ich merkte direkt: ist nichts für mich, nicht mein Ding. Aber jetzt war es zu spät. Tante Elisabeth, die einzige Zeugin dieses Entwicklungsschrittes, freute sich so sehr über diese Großtat, dass sie mich zur Belohnung sofort in den Kinderwagen setzte und zu meinen Eltern fuhr. Dort sollte ich für meine Erzeuger direkt nochmal einen Beweis meiner neu erlernten Mobilität abliefern.

Auf Tante Elisabeths blödsinnig gezwitscherte Aufforderung: „Nun mach mal schön lauf-lauf. Zeig dem Papa und der Mama, wie schön du lauf-lauf machen kannst,“ ließ ich mich erstmal mit dem Po auf den Boden klatschen und zeigt auf den Kinderwagen. Erst als meine Mutter diesen so nah an mich heranschob, dass ich ihn mit nur einem Schritt erreichen konnte, ließ ich mich dazu herab, eine sehr sparsame Kostprobe der mir schon jetzt verleideten Fortbewegungskunst abzuliefern. Ich machte also genau einen Schritt in Richtung des geliebten Transportmittels und wurde prompt zur Belohnung wieder in Selbiges gesetzt. Ich lernte: Wenn Bewegung mittels der eigenen Körperkraft überhaupt irgendeinen Sinn machen sollte, so den, möglichst schnell und umstandslos einen fahrbaren Untersatz zu erreichen.