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Dieses kurz und präzise verfasste sowie anschaulich illustrierte Buch vereint die wichtigsten Grundlagen rund um das Thema Implantologie. Es beginnt mit allgemeinen Grundregeln zu Anästhesie, abgestütztem Arbeiten, Knochenqualität und Wundverschluss. Die folgenden Kapitel umfassen die Implantatplanung und relevante Parameter sowie die spezifische Vorgehensweise bei Implantationen im Oberkiefer und Unterkiefer. Dem Wundverschluss und der Heilung sowie der Implantatfreilegung sind ebenfalls eigene Kapitel gewidmet. Zum Abschluss werden Risikofaktoren und Kontraindikationen besprochen. Zahlreiche Abbildungen und per QR-Code abrufbare Videos veranschaulichen den Inhalt und farbig hervorgehobene Übersichten am Ende der Kapitel fassen das Wesentliche zusammen und geben hilfreiche Tipps. Das Buch ist bestens geeignet für einen fundierten Einstieg in die Implantologie, aber auch für bereits Implantierende, die ihre Fähigkeiten gezielt erweitern möchten. Mit einem Geleitwort von Ferdinand von Schirach
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Katja Nelson I Tobias Fretwurst
One book, one tree: In support of reforestation worldwide and to address the climate crisis, for every book sold Quintessence Publishing will plant a tree (https://onetreeplanted.org/).
Im Buch wird aus Gründen des Leseflusses in der Regel das generische Maskulinum verwendet; es sind jedoch stets alle Geschlechter gemeint.
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://www.dnb.de abrufbar.
Postfach 42 04 52; D–12064 Berlin
Ifenpfad 2–4, D–12107 Berlin
© 2025 Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin
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Comics: Giorgina Walther
Abbildungen Lokalanästhesie: Dr. Tim Halstenbach
Abbildungen Grundlagen: Moritz Walther
Abbildungen Freilegung: Beatrice Ogrinz
Lektorat, Herstellung und Reproduktionen:
Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin
ISBN: 978-3-86867-586-3
Die Welt ist kompliziert. Wir verstehen die meisten Dinge nicht mehr, wir wissen nicht, wie eine KI oder unser Backofen oder die Bundesbahn wirklich funktionieren. Auf unseren Computern sind Programme, deren Formate in ein paar Jahren nicht mehr lesbar sein werden, für einen Fernseher brauchen wir eine Bedienungsanleitung und die Armaturen in der Dusche eines modernen Hotels lassen uns verzweifeln. In der Schule lernen wir, Literatur, Theater und Philosophie seien nur dann Hochkultur, wenn wir sie nicht mehr verstehen. Der Philosoph Martin Heidegger schrieb sogar: „Das Sichverständlichmachen ist der Selbstmord der Philosophie“. Das Komplizierte, so wird uns gesagt, sei das Wertvolle. Aber das ist Unsinn.
Als ich jung war, schien mir eine der wichtigsten Fragen zu sein: Was ist das Böse? Ich war damals gerade als Rechtsanwalt zugelassen worden, und mein erstes großes Mandat war eine junge Frau, die ihr Baby getötet hatte. Ich besuchte sie im Gefängnis. Mein Kopf war voll von den großen Philosophen, ich hatte Platon, Aristoteles, Kant, Nietzsche, Rawls und Popper gelesen. Aber jetzt war plötzlich alles anders. Die Wände der Gefängniszelle waren mit grüner Ölfarbe gestrichenen, sie sollte beruhigen. An einem winzigen Tisch saß die junge Frau. Sie weinte. Sie weinte, weil ihr Kind tot, sie eingesperrt und ihr Freund nicht mehr da war. Und genau in diesem Moment verstand ich, dass ich immer die falschen Fragen gestellt hatte – sie waren für die Wirklichkeit zu kompliziert. Es geht ja nie um Theorien und Systeme. Es geht nur um den einzelnen Menschen, es geht um uns selbst, um unsere Hoffnungen, unsere Irrtümer, unser Streben nach Glück und unser Scheitern. Wir sind endlich, zerbrechlich und verletzbar und auch wenn wir es manchmal glauben, sind wir nie in der Lage, unser Leben ganz zu begreifen. Die großen philosophischen Welterklärungen sind uns zu fern, wir können sie kaum verstehen und wenn es uns doch gelingt, nutzen sie uns nichts.
Auf der anderen Seite ist das Schlüsselwort unserer Zeit Ambivalenz. Es ist heute nicht mehr möglich etwas zu sagen, ohne das Gesagte sofort wieder in Frage zu stellen. In der Politik gibt es keine einfachen Lösungen, vielleicht gab es sie noch nie. Und es gibt keine einfachen Lösungen in Beziehungen, in der Wirtschaft, im Steuersystem oder wenn Sie auch nur versuchen, Ihr Elektrofahrrad zu reparieren.
Natürlich kann ich Ihnen nichts über Ihren Beruf sagen, ich weiß nichts über Implantate, Wurzelresektionen oder den Knochenaufbau des Kiefers. Aber es scheint am Ende doch gleichgültig zu sein, ob wir Ärzte, Tischler oder Schriftsteller sind. Obwohl die Dinge schon furchtbar kompliziert sind, machen wir sie immer noch komplizierter und dann beginnt alles schief zu gehen. Tatsächlich ist das Einfachste das Schwierigste. Die einfachste Lösung erfordert Mut, Konzentration, Erfahrung und Gelassenheit. Man muss sehr viel nachdenken und sehr viel ausprobieren, bis es gelingt, einen guten Tisch zu bauen oder einen guten Satz zu schreiben oder ein Implantat richtig zu setzen. Heute bin ich jedenfalls davon überzeugt, dass alles Große, bei aller Ambivalenz und aller Komplexität, einfach ist.
Das Buch, das Sie in den Händen halten, ist in diesem Sinn geschrieben.
Ferdinand v. Schirach
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dieses Buch soll Ihnen den Einstieg in die Implantologie erleichtern. Es versteht sich jedoch nicht als klassisches Lehrbuch. Vielmehr möchten wir mit Ihnen die wichtigsten praktischen Empfehlungen und Erfahrungen der Autor*innen teilen. Unser Ziel war es, ein (Hand)Buch zu schaffen, das Sie buchstäblich mit in den OP nehmen können.
In der Implantologie führen viele kleine Schritte zum Erfolg. Es gibt nicht die eine Sache, die allein den Erfolg ausmacht. So komplex die Implantologie doch ist – sie wird umso einfacher, je mehr man sich an grundsätzliche Prinzipien hält. Diese haben wir versucht in dem Buch darzustellen.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Implantationen.
Herzliche Grüße,
Katja Nelson und Tobias Fretwurst
1 Grundregeln
Tobias Fretwurst | Katja Nelson
Anästhesie
Abgestützt Arbeiten
Schnitt
Lappenpräparation
Implantation
Bohrprotokoll
Knochenqualität
Wundverschluss
2 Implantatplanung
Florian Kernen | Tabea Flügge | Tobias Fretwurst
Kieferkammbreite
Befestigte Gingiva
Gingivatyp (dünner/dicker Phänotyp)
Elongationen, Zahnachsenabweichung
Ästhetikbefund
Röntgenbefund
Implantatposition
Aufbau Implantat
Implantationszeitpunkte, Belastungsprotokoll und Einheilzeiten
Bohrschablonen
3 Implantation im Oberkiefer
Claudio Cacaci
Knochenqualitäten
Risikostrukturen
Seitenzahnbereich
Implantation in der ästhetischen Zone (Regio 15-25)
Umschlingungsnaht
4 Implantation im Unterkiefer
Michael Stiller | Janik Roesner
Knochenqualität
Risikostrukturen
Defektmorphologie Alveolarkamm
Befestigte Gingiva
5 Wundverschluss und Wundheilung
Tobias Fretwurst | Susanne Nahles | Gerhard Iglhaut | Andres Stricker
Wundverschluss
Interimsversorgung
Postoperatives Verhalten
Schmerzmedikation
Verlaufskontrollen
Wundheilungsstörungen
6 Implantatfreilegung
Susanne Nahles | Oliver Wagendorf | Florian Kernen
Schnittführung bei ausreichend befestigter Gingiva im Ober- und Unterkiefer
Schnittführung bei nicht ausreichend befestigter Gingiva im Ober- und Unterkiefer
Gingivaformer
Postoperatives Prozedere
7 Kontraindikationen und Risikofaktoren
Frank Peter Strietzel | Susanne Nahles | Tobias Fretwurst
Kontraindikationen
Thrombozytenaggregationshemmer und Antikoagulanzien
Risikofaktoren
Tobias Fretwurst | Katja Nelson
Als Lokalanästhetikum bieten sich die in der Zahnmedizin gängigen Präparate an, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Für eine Einzelzahnimplantation sind 2 ml Articain 1:100 000 vestibulär und 2 ml lingual (beziehungsweise 0,5 ml palatinal) als Infiltrationsanästhesie notwendig. Ein hoher Vasokonstriktor-Zusatz ist zu empfehlen, da die lokale Gefäßverengung zu einer längeren Wirkdauer und einer relativen Blutarmut und somit besseren OP-Übersicht führt. Dennoch ist zu bemerken, dass die OP-Zeit auf maximal 1,5 Stunden begrenzt ist. Bei mehreren Operationsgebieten in einer Sitzung (z. B. verschiedene Quadranten) empfiehlt sich, erst nach Abschluss im ersten Operationsgebiet mit der Anästhesie der weiteren Gebiete zu beginnen, um so die maximale Wirkdauer jeweils nutzen zu können. Bei initial verstärkter Blutung (zu bemerken beispielsweise gleich bei der ersten Inzision) sollte man sich auf eine verkürzte Wirkungsdauer des Lokalanästhetikums und somit auch geringere OP-Dauer einstellen. Eine auffällig stärkere Blutung während der initialen Inzision kann des Weiteren ein Hinweis auf eine persistierende Entzündung, eine Antikoagulation des Patienten oder ein Hypertonus sein. Eine Nachinjektion (CAVE: Grenzdosen beachten) zeigt nur geringe Auswirkungen auf die Analgesiedauer.
Bei der Implantation im Unterkiefer sollte als lokale Anästhesie keine Leitungsanästhesie gewählt werden. So lässt sich während der OP eine Nähe zum Canalis mandibularis durch das Schmerzempfinden/Druckgefühl des Patienten wahrnehmen. Einzige Ausnahme ist die Leitungsanästhesie bei der Sofortimplantation und bei der Explantation. Die Patienten klagen bei Explantation häufig über erhebliche Schmerzen, sodass eine Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior und des N. lingualis sowie eine Anästhesie des N. buccalis ratsam ist (Abb. 1-1 und 1-2). Bei der Infiltrationsanästhesie sollte das Anästhetikum möglichst tief in der Mukosa und unter Beachtung des Innervationsgebietes der jeweiligen Nerven erfolgen. Grund für eine geringe Wirksamkeit der Anästhesie kann ein zu oberflächlich gesetztes Depot sein.
Abb. 1-1 Innervationsgebiet N. palatinus major (hellblau), Leitungsanästhesie (max. 0,5 ml); Innervationsgebiet N. nasopalatinus (hellrot), Leitungsanästhesie (max. 0,5 ml); Innverationsgebiet N. infraorbitalis (dunkelblau), Infiltrationsanästhesie vestibulär (2 ml)
Abb. 1-2 Äste des Nervus mandibularis.
Generell sollte abgestützt gearbeitet werden, um eine unbeabsichtigte Traumatisierung von Nachbargewebe zu vermeiden. Hierfür wird in der Regel der Mittel- bzw. Ringfinger der instrumentierenden Hand auf der Zahnreihe oder an anderen Punkten abgestützt (Abb. 1-3 bis 1-5 und Video 1-1).
Abb. 1-3 Abstützung I. Während des Einsatzes von Instrumenten sollte sich grundsätzlich an den Nachbarzähnen abgestützt werden, wie z. B. bei der gründlichen Kürettage nach Zahnentfernung (a). Auch weiter entfernte Zähne des Zahnbogens können zur Abstützung (z. B. bei der Schnittführung) (b) genutzt werden. Hierfür kann es ratsam sein, statt des Mittelfingers den Ringfinger oder kleinen Finger zu benutzen.
Abb. 1-4 Abstützung II. Sollte durch das Abstützen am Nachbarzahn der Bewegungsradius beispielsweise des Skalpells eingeschränkt sein, können Finger der freien anderen Hand als Unterlage benutzt werden (a). Die zweite Hand kann auch auf der vestibulären Schleimhaut (in der Umschlagfalte) abgelegt werden (b).
Abb. 1-5 Abstützung III. Häufig lässt sich die Gingiva in einer Schaltlücke im Molarenbereich (gerade im Unterkiefer) im Bereich der Papille des angrenzenden Nachbarzahnes nicht vollständig scharf durchtrennen. Die Lappenpräparation fällt dann schwer oder gelingt nicht adäquat. Der Skalpellgriff kann tendenziell nach distal geneigt werden (a). Am oberen Anteil des Skalpellhalters kann dann die freie Hand (zusätzlich extraoral abgestützt) das Skalpell entsprechend schwenken.
Video 1-1 Abstützung am Nachbarzahn.
