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Dieses Buch enthält 15 Geschichten in Leichter Sprache.
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Seitenzahl: 84
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Vorwort
Danksagung
Die Texte
Almut Anders
Carlas Himmel
Katharina Gernet
Der Wind beim Fahren
Astrid Holzmann-Koppeter
Der Schokoladen-Kuchen
Susanne Keßler
Kilimandscharo
Slavica Klimkowsky
Sara und Bruno
Sabine Kruber
Ein Geist braucht Hilfe
Silvia Kuschela
Das perfekte Weihnachtsgeschenk
Andrea Lauer
Ein Mann für die Liebe
Anna-Maria Leto
Glücksfeder
Alexandra Lüthen
Bärenbrüder
Ana Pawlik
Wilde Vögel
Claudia Schäfer
Der Weg ins Tal
Lea Schreyer
Papagei Tum hat Mut
Cornelia Schwarzer
Der Bär und der Igel
Susanne Strnadl
Manchmal möchte ich ein Baum sein
Die Autorinnen
Über capito Wien
Kann man Literatur auch in Leichter Sprache schreiben? Wir von capito Wien sind davon überzeugt. Deshalb haben wir den Wettbewerb Literatur in Leichter Sprache gestartet.
Insgesamt wurden mehr als 30 Texte eingereicht.
Diese Texte sind keine Übersetzungen, sondern Geschichten, die in Leichter Sprache geschrieben sind.
Eine Fachjury und eine Laienjury haben die Texte bewertet. Die 15 am besten bewerteten Texte finden Sie in diesem Buch. Sie entsprechen meist nicht zur Gänze den Kriterien für Leichte Sprache. Die Texte wurden von uns nur lektoriert und formatiert. Sonst sind sie so abgedruckt, wie sie von den Autorinnen eingereicht wurden.
Mit unserem Wettbewerb und diesem Buch wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen leicht und gerne lesen. Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit beim Lesen!
Robert Winklehner und Doris Becker-Machreich capito Wien
Herzlichen Dank an unsere Fachjury: Walburga Fröhlich, Mitbegründerin von capito und Expertin für Leichte Sprache, und die beiden Autoren Jürgen Heimlich und Michael Stavarič.
Großer Dank gilt auch der inklusiven Lesegruppe unter der Moderation von Inga Schiffler. Mitglieder dieser Lesegruppe sind auch Menschen mit Leseschwierigkeiten, die eine wichtige Zielgruppe dieser Texte sind.
Mehr dazu unter: www.inga-schiffler.net/vorlese-stunde
Besonders bedanken wir uns bei allen Autorinnen und Autoren, die ihre Texte eingereicht haben. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag dazu, damss alle Menschen Literatur in Leichter Sprache lesen können. Aufgrund des Umfangs haben wir nur 15 Texte in dieses Buch aufgenommen.
Die Reihung im Buch ist alphabetisch. Die 3 Preisträgerinnen sind Claudia Schäfer, Katharina Gernet und Alexandra Lüthen.
Die eingereichten Texte können Sie hier nachlesen:
www.capito-wien.at/Literaturpreis 2021
Carla lebt alleine.
Sie hat eine kleine Wohnung im Erdgeschoss.
Früher wollte sie lieber oben wohnen,
wo man den Himmel sieht.
Aber Wohnungen mit Himmel sind teuer.
Inzwischen hat Carla ihren eigenen Himmel gefunden.
Und das kam so:
Carla arbeitete in einem großen Restaurant.
8 Stunden am Tag spülte sie Geschirr.
Sie faltete Servietten.
Sie polierte Besteck und Gläser.
Sie verdiente nicht besonders viel.
Manchmal war der Job langweilig.
Dann kam Corona, und das Restaurant musste schließen.
Zuerst fand Carla das cool.
Sie konnte jeden Morgen ausschlafen.
Abends guckte sie Netflix-Serien.
Sie bekam trotzdem Geld.
Doch bald vermisste sie das Restaurant.
Und am meisten vermisste sie Carl.
Carla dachte an den ersten Tag mit Carl.
Das Restaurant war voller Leute gewesen.
Carla musste viele Gläser spülen.
Deshalb machte sie spät Pause.
Carl rührte gerade Schokoladencreme in der großen Schüssel an.
Er füllte etwas davon in ein Glas.
„Probier mal“, sagte er.
Die Schokoladencreme zerging auf Carlas Zunge.
„Köstlich“, sagte Carla. „Kann ich noch mehr haben?“
Eine Woche später hatte Carla ihren freien Tag.
Sie ging in den Park.
Die Sonne schien und der Himmel war blau.
In ihrer Wohnung war der Himmel weit weg.
Aber im Park war der Himmel ganz nah.
Carla machte viele Fotos vom Himmel.
„Hey, Carla“, sagte eine Stimme hinter ihr.
Carla sah in Carls lachendes Gesicht.
Sie liefen zusammen durch den Park.
Am Kiosk tranken sie eine heiße Schokolade.
Carla zeigte Carl ihre Fotos.
„Wow. Die sind echt gut. Du solltest Fotografin werden“, sagte Carl.
„Wie denn?“, fragte Carla.
„Du kannst deine Fotos auf Instagram hochladen“, sagte Carl.
„Dann wirst du berühmt.“
„Vielleicht finden andere Leute meine Fotos nicht so toll“, sagte Carla.
„Quatsch“, sagte Carl.
„Deine Himmel sind genauso schön wie du.“
Carla wurde rot.
Carl wurde auch rot. „Ich meine, deine Fotos sind super.“
Am nächsten Tag machten Carl und Carla
wieder zusammen Pause.
„Hilfst du mir, ein Instagram-Konto einzurichten?“,
fragte Carla.
„Klar. Heute nach der Arbeit?“
Carla nickte.
Carl gab Carla die Schüssel mit Schokoladencreme.
„Hier, zum Auslecken“, sagte er.
„Falls ich berühmt werde, mache ich den Job trotzdem weiter.
Wegen deiner Schokoladencreme“, sagte Carla.
„Ich bleibe nicht mehr lange hier“, sagte Carl.
Carla bekam weiche Knie.
„Wo willst du denn hin?“, fragte sie.
„Ich gehe nach Brasilien. Da wachsen die besten Kakaobohnen.
Ich mache meine eigene Schokolade. Bio natürlich.“
Carla konnte sich das gut vorstellen.
Carl sah aus wie einer, der seine Träume wahr macht.
„Wow, Brasilien“, sagte Carla. „Ziemlich weit weg.“
Beinahe hätte sie geweint.
Schnell schluckte sie die Tränen runter.
„Willst du mitkommen?“, fragte Carl.
„In Brasilien kannst du auch Fotos machen.
Da ist der Himmel viel größer als hier.“
Carla war sprachlos vor Freude.
Auf einmal war ihr Leben aufregend.
Und alles wegen Carl.
So fing es an mit Carl und Carla.
Ein paar Tage später kam der Lockdown.
Carla schickte Carl eine Nachricht.
„Treffen wir uns?“
Carla wartete eine Stunde.
Carl antwortete nicht.
Carla schickte noch eine Nachricht. „Bist du ok?“
Das Handy blieb stumm.
Carla rief bei Carl an.
Der AB mit Carls Stimme plapperte los.
„Carl“, rief Carla. „Wo bist du?“
Aber sie bekam keine Antwort.
Am Sonntag kam Carlas Mutter zum Kaffee.
„Du machst ja ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter.“
„Ich mache mir Sorgen um Carl“, sagte Carla.
„Wer ist Carl?“, fragte Carlas Mutter.
„Ein Kollege“, sagte Carla.
„Ruf doch deine Chefin an.
Sie weiß bestimmt, wo er wohnt“, sagte Carlas Mutter.
„Du kannst bei ihm vorbeigehen.
Vielleicht ist sein Handy kaputt.“
Carla rief ihre Chefin an.
„Sorry, aber Carls Adresse darf ich Ihnen nicht geben“, sagte sie.
„Wieso nicht?,“ fragte Carla.
„Wegen Datenschutz“, sagte die Chefin. „Geht´s Ihnen gut?“
„Ja. Aber ich vermisse Carl“, sagte Carla.
„Carl meldet sich bestimmt“, sagte die Chefin.
„Und irgendwann ist Corona vorbei.“
Carla wartete auf Carls Anruf.
Sie wartete auf das Ende von Corona.
Carla wartete und wartete.
Aber Corona ging weiter und Carl meldete sich nicht.
Carla telefonierte jeden Tag mit ihrer Mutter.
Carlas Mutter ist Krankenschwester.
Sie arbeitete auf der Station mit Covid-Kranken.
„Carl hat mich vergessen“, sagte Carla.
„Dich kann man nicht vergessen“, sagte Carlas Mutter.
Carla weinte ein bisschen,
weil ihre Mutter so nette Sachen sagte.
Sie weinte auch, weil sie Angst um ihre Mutter hatte.
Corona ist gefährlich.
Deshalb trug Carla immer eine Maske.
Eine ganze Woche verging, aber Carl meldete sich nicht.
Bestimmt ist er ohne mich nach Brasilien gefahren, dachte Carla.
Manche Leute verreisten trotz Corona.
Sie zogen ihr Ding durch.
Carla war traurig.
Carl zog auch nur sein eigenes Ding durch.
Sonst hätte er sie angerufen.
Carla wollte Carl vergessen.
Sie nähte himmelblaue Masken.
Eine Maske mit Sonne für ihre Mutter.
Eine andere mit Mondsicheln für sich selbst.
Die Mondsicheln sahen aus wie ein C.
C wie Carl und Carla.
Carl wollte einfach nicht aus Carlas Herz verschwinden.
Da konnte sie so viele Masken nähen, wie sie wollte.
Immerzu dachte sie an Carl.
Carl, der so leckere Schokoladencreme machte.
Carl, der ihre Himmelfotos mochte.
Carl, der sie schön fand.
Carl, der sie fragte, ob sie mit ihm nach Brasilien fährt.
Da rief Carlas Mutter an.
„Ich hab ihn gefunden“, rief sie.
Carlas Mutter redete sehr schnell und sehr laut.
Carla hielt das Handy ein Stück vom Ohr weg.
„Wen?“, fragte sie.
„Na, deinen Carl“, sagte Carlas Mutter.
Carla war verwirrt.
„Woher weißt du, dass es mein Carl ist?“
Carlas Mutter lachte.
„Auf seinem Handy ist ein Foto von Euch beiden im Park.
Ein Selfie. Man sieht eure Nasen,
und um den Mund habt ihr einen Schokoladenbart.“
Es war wirklich Carlas Carl.
Er lag bei ihrer Mutter auf der Covid-Station.
Er war ziemlich krank gewesen.
Deshalb hatte er sich nicht gemeldet.
Aber jetzt ging es ihm besser.
Er schickte Carla gleich eine SMS.
„Bist du schon berühmt?“, textete Carl.
Carl musste noch 2 Wochen im Krankenhaus bleiben.
Sie telefonierten täglich.
„Ich habe schon 250 Follower auf Instagram“, erzählte Carla stolz.
„Und ich habe ein neues Rezept für Schokoladencreme.
Es heißt Carlas Himmel“, sagte Carl.
„Das schmeckt bestimmt super“, sagte Carla.
Und dann weinte sie ein bisschen vor Glück.
Mariam kommt seit einigen Monaten in meinen Deutschkurs.
Der Kurs ist kostenlos.
Das ist gut für Mariam.
Mariam und ihr Mann haben nämlich nur wenig Geld.
Mariam lernt fleißig.
Und sie kommt regelmäßig zum Kurs.
Sie hat meistens ihren kleinen Sohn Achmet dabei.
Achmet ist zwei Jahre alt.
Mariam kann Achmet nicht in eine Kinderkrippe bringen.
Ein Platz in einer Kinderkrippe ist zu teuer.
Deshalb muss Mariam sich selbst um ihren Sohn kümmern.
Mariam nimmt Achmet überall hin mit.
Auch zum Deutschkurs.
Manchmal hat der Mann von Mariam Spätschicht.
Dann ist er am Vormittag zu Hause.
Und er kann auf Achmet aufpassen.
Aber er macht das nicht gerne.
Er will sich lieber von der Arbeit ausruhen.
Heute fange ich mit den Frauen vom Deutschkurs auch noch einen Fahrradkurs an.
Der Fahrradkurs findet gleich nach dem Deutschkurs statt.
Auch der Fahrradkurs ist kostenlos.
Ich gehe mit den Frauen zum Trainingsplatz.
Mariam geht mit.
Sie will nämlich auch sehr gerne Fahrrad fahren lernen.
Sie erzählt:
Frauen dürfen in meiner Heimat nicht Fahrrad fahren.
Deshalb habe ich als Kind kein Fahrrad gehabt.
Ich habe mir das Fahrradfahren immer sehr schön vorgestellt.
Ich will gerne einmal den Wind beim Fahren spüren.
Mariam weiß:
Ein kostenloser Fahrradkurs ist ein seltenes Angebot.
Sie sollte dieses Angebot nutzen.
Deshalb will sie unbedingt dabei sein.
Sie setzt Achmet in den Kinderwagen.
Sie hofft: Achmet wird einschlafen.
Dann kann sie in Ruhe bei dem Kurs mitmachen.
Aber Achmet schläft nicht ein.
Er ist unruhig.
Er will aus dem Kinderwagen raus.
Er will sich bewegen.
