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ÜBERLEBEN=Leben hoch2 x Humor zum Quadrat Auch in ihrem dritten Buch der Einfallspinsel-Reihe hält sich die Autorin Gabi Schnee an diese Überlebensformel. Wie schon in "Schitze-Watz äh Witze-Schatz" und "Einfallls- pinsel auf Achse" schildert Gabi Schnee die Erlebnisse ihrer Protagonisten in einer urkomischen Art und Weise. Dieses Mal hat es die Einfallspinsel ins ferne Australien verschlagen.
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Seitenzahl: 70
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Geburtstagsschock
Vi Va Vorbereitung, Aufregung
Reise, Reise
Los geht´s, Zauberwort „Urlaub“
Der Traum Brisbane
Vom Flohmarkt bis zu Kapitän Cook
Captain Cook und Gabili
Vom deutschen Club bis zum Versace\
Ein Wal kommt selten allein
Alpaka & Co
Gabili im Paradies
Eins, zwei, drei Urlaub bald
Girlietag
Auf Wiedersehen Australien, guten Tag Heimat
Wieder einmal steht mein Geburtstag plötzlich und unerwartet vor der Tür. Die Aufregung ist unerträglich. Ein mit viel Liebe beschriebener Briefumschlag liegt auf meinem Küchentisch. Mit zitternden Händen öffne ich ihn und mir entgleiten die Gesichtszüge. Meine Augen quellen hervor und die Tränen springen mir waagerecht aus dem Gesicht. Was ist das bloß? Eine Einladung kommt an das Tageslicht. Das kann doch nicht wirklich für mich sein! Jetzt fallen auch noch ein paar Flugtickets aus dem besagten Umschlag. Wo soll es denn hingehen? Australien nennt sich der Bestimmungsort. Unglaublich, das ist doch auf der anderen Seite unseres Planeten, oder? Schnell laufe ich in das Kaminzimmer um mir einen Globus zu holen. Tatsächlich, Australien liegt auf der anderen Seite der Erde. Da werden wir wohl mit dem Kopf nach unten hängen, machen also „Urlaub Kopf über“. Mir ist jetzt schon schwindlig und die Sprache hat es mir ebenfalls verschlagen. Wenn jetzt mein Mann hier wäre, würde er diesen Zustand genießen. Er kennt es nicht wirklich, dass es mir die Sprache verschlägt. Normalerweise, wenn wir uns angeregt unterhalten, ist er bei dem Wort „wir“ nicht dabei. Die meiste Zeit erzähle ich, viel und lange. Jetzt fällt mir auch noch das Flugdatum ins Auge, ich kann es nicht glauben, das ist ja schon kommendes Wochenende! Mein Organisationstalent ist gefragt. Ich habe wie immer nichts anzuziehen und an Schuhen fehlt es mir auch. Ein mir gut bekanntes Gefühl macht sich breit, es heißt „Unruhe“. Schließlich läuft mir die Zeit in vollen Zügen davon. Da höre ich das Schloss in die Tür fallen und stürze sofort los, um meinen Mann in die Arme zu nehmen und ihn ganz fest zu umarmen. Schon höre ich ein Stöhnen. Was ist los? Mein Mann ringt nach Luft und versucht sich krampfhaft aus meinen Fängen zu befreien. Er haucht die Worte:
„Was ist denn mit Dir los?“
Es sprudelt aus mir heraus: „Ich habe doch Geburtstag und mein Geschenk ist mir auch schon in die Hände gefallen, einfach so.“ Bin sehr froh, dass es mir wieder besser geht und ich den positiven Schock ein wenig überwunden hab. Jetzt nimmt mich mein Mann in die Arme und streichelt mich. Ich höre, wie er mir seine Gratulation ins Ohr flüstert und einen Hauch Liebe hinterher schiebt. Ich taumle vor Glück. Ich gebe mir Mühe, äußerst häuslich zu wirken. Ich koche uns schnell einen Kaffee und decke liebevoll den Tisch. Jetzt können wir über die geplante Reise sprechen und was alles vorzubereiten ist. Das würde mir jetzt keiner glauben, mein Mann kommt tatsächlich zu Wort und unterbreitet mir seine Vorstellungen. Ich bin begeistert, allerdings auch von mir. In den nächsten Tagen habe ich unendlich viel zu tun. Ich werde mir die Zeit nehmen, alles aufzulisten, was wir für die Reise benötigen. Stolz teile ich meinem Mann mit, dass meine Urlaubsliste in Deutsch und Englisch von mir geschrieben wird. Sein Gesicht verzieht sich und der Mund bleibt doch tatsächlich breit grinsend an seinen Ohren hängen. Traut er mir das jetzt nicht zu, oder warum dieses Grinsen?! Ich werde ihm schon zeigen, was Gabili kann. Nach unserer leckeren Tasse Kaffee schlägt mein Mann vor, etwas auf unserer Sitzkuhle zu ruhen. Normalerweise bekommt er für diesen Vorschlag den Höchstpreis von mir. Doch heute finde ich keine Ruhe. Ich muss unbedingt Inventur in meiner Garderobe machen, oh sorry, von meinem Schuhfach. Ganz zu schweigen von der Mehrzahl. Ein Blick in meinen Schrank genügt um festzustellen, dass wenn ich hinein rufe, doch glatt ein Echo erschallt. Das sind doch sicher alles sehr alte Sachen, die ich vor mir sehe. So was kann man doch nicht anziehen, oder? Oh Gott, was trägt man denn in Australien? Ich falle bestimmt auf. Die Australier werden sofort erkennen, dass ich ein Landei bin. Es wird immer schwieriger, wir haben September und in Australien ist jetzt Winter. Meine Freundin benötigt jetzt bestimmt Biberbettwäsche und das bei ca. 26°C. Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Langsam entschließe ich mich doch für Abruhen auf unserer Sitzkuhle, das kann ich wenigstens. Ich versuche die Augen zu schließen und stelle fest, dass mir tausend Gedanken durch den Kopf kreisen. Ist ja wohl verständlich, denn solch ein Geschenk habe ich noch nie bekommen. Noch nie war ich so weit von zu Hause weg. Die vielen Gedanken, das ständige Planen in den letzten 2 Stunden haben mich dann doch sehr müde gemacht. Ich genieße meine Geborgenheit und schlafe doch tatsächlich ein.
Als ich aufwache stelle mit Entsetzen fest, dass es schon dunkel ist. Vermutlich habe ich nicht nur geschlafen, sondern direkt im Koma gelegen. Ein vorsichtiger Blick in den Spiegel verrät mir, dass ich tatsächlich um ein Jahr gealtert bin. Es befinden sich ganz viele Falten auf meiner Schlafseite. Diese zu retuschieren würde viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen. Ich könnte ja versuchen, um Zeit zu sparen, nur die eine Gesichtshälfte zu renovieren. Das dürfte reichen, denn die andere Seite geht ja noch. Prompt lädt mich mein Mann noch zu einem Abendessen ein. Nach kurzer Überlegung verziehe ich qualvoll das zerknitterte Gesicht und lasse in aller Bescheidenheit verlauten, dass ich auch mit Stulle und Brot zufrieden bin. Er staunte nicht schlecht, denn sonst bin ich schon immer vor ihm bereit, auf Achse zu gehen. Und erst recht, wenn es ums Essen geht. Ich decke den Tisch und schenke uns ein Gläschen Wein ein. Jetzt freut auch er sich auf einen ruhigen und gemütlichen Abend mit mir, nur wir beide. Doch ich habe ja schließlich Geburtstag und ich bekam noch sehr viele Anrufe und Gratulationen. Ich muss feststellen, dass der Abend nicht so ruhig verläuft, wie vermutet. Jedem Anrufer muss ich sofort von meinem super Geschenk erzählen und das braucht viel Zeit und Worte. Ich stelle beschämend fest, dass mein Mann schwindend wenig heute von mir hat. Ich werde mich bessern, versprochen. Es tut mir auch wirklich leid, seine Einladung zum Essen ausgeschlagen zu haben, doch nach dem Mammutschlaf habe ich jegliche Motivation verloren und kann doch bequem von zu Hause aus meine guten Nachrichten in die Welt posaunen. Toller Tag, jedenfalls für mich. Bin froh, dass mein Geburtstag mit ruhigem Lümmeln auf dem Sofa dem Ende zugeht. Soviel Aufregung hatte ich ja das ganze Jahr nicht. In meiner Nachtruhe werde ich versuchen das riesen Geschenk erst einmal zu verarbeiten und werfe mich gleich morgen an die Vorbereitungen. Ich bin so glücklich.
Ich bin dabei, meine Urlaubsliste für unser Gepäck zu schreiben. Was darf in das Handgepäck und was in den Reisekoffer? Gut, dass es Google gibt. So kann ich mir gleich noch offenstehende Fragen beantworten lassen. Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit mir. Dieser Zustand sollte sich jedoch schnell ändern. Es sind Sachen aufgelistet, die besitze ich noch gar nicht. Schön, da habe ich doch sofort einen triftigen Grund gefunden, mal wieder shoppen zu gehen. Das dürfte wohl auch mein Mann verstehen, ein bisschen jedenfalls. Die ganze Woche habe ich mit Einkäufen der fehlenden Sachen verbracht. Ich hoffe es handelt sich heute um die letzte Besorgung, denn morgen ist es schon so weit. Sogleich versuche ich meine Gesichtsstrukturen zu verbessern, ziehe mich an und stakele mit meinen Hackenschuhen in Richtung Stadt. Sonst trifft man viele Bekannte, aber wenn man schon mal wen treffen will, dann kommt keiner. Bevor ich mich auf meinen Einkauf konzentriere, will ich doch mein Mitteilungsbedürfnis etwas bändigen und jemandem erzählen, was wir vorhaben. Stopp, es ist so weit, mir kommt eine ehemalige Schulkameradin entgegen. Ich hole tief Luft und will gleich loslegen, da grüßt sie mich und teilt kurz mit, dass sie keine Zeit hätte. Schon ist sie verschwunden. Hat der Mensch noch Töne? Nein, ich glaube nicht, denn auch ich habe keine mehr. Fest in meinen
