Einmal Happy ohne End, bitte! - Lindsey Kelk - E-Book

Einmal Happy ohne End, bitte! E-Book

Lindsey Kelk

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Beschreibung

Eine humorvolle Anti-Liebeskummer-Geschichte

In Rachel Summers‘ Leben läuft alles nach Plan. Sie liebt ihren Job, hat einen wunderbaren Freund und ist mehr als bereit für die nächste Phase: heiraten, Haus kaufen, Kinder kriegen. Womit sie nicht rechnet: verlassen zu werden. Doch bevor Verzweiflung aufkommen kann, starten Rachels beste Freunde Emilie und Matthew eine Rettungsaktion – die ultimative To-Do-Liste gegen Liebeskummer. Rachel ahnt nicht, dass die nächsten Wochen die abenteuerlichsten – und romantischsten – ihres Lebens werden sollen …

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EPUB
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Seitenzahl: 572

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Buch

Rachel Summers liebt To-do-Listen. Freund, Wohnung, toller Beruf – erledigt. Nicht auf der Liste: vom Freund verlassen werden … Doch bevor Rachel in Selbstmitleid versinken kann, tauchen ihre beiden besten Freunde, Emelie und Matthew, mit einer Rettungsaktion der besonderen Art bei ihr auf: der ultimativen To-do-Liste für frischgebackene Single-Mädels. Darauf stehen zehn Dinge, die sie in den nächsten beiden Wochen erledigen muss, um sich von ihrem Liebeskummer abzulenken. Wie wäre es zum Beispiel mit einer radikalen Typveränderung? Außerdem wollte Rachel sowieso endlich mal wieder mehr Sport machen – warum nicht einen Yogakurs bei diesem süßen, extrem gelenkigen Yogalehrer? Und sollte nicht jeder mindestens einmal im Leben etwas Verbotenes tun, vielleicht sogar das Gesetz brechen?

Für Rachel brechen zwei extrem abenteuerliche Wochen an, denn Emelie und Matthew sind fest entschlossen, ihr zu beweisen, dass das Glück irgendwo da draußen wartet, wenn man nur den Mut aufbringt, auch mal ein paar Risiken einzugehen …

Autorin

Lindsey Kelk begann mit dem Schreiben, als sie sechs Jahre alt war und alle Bücher in ihrem Kinderzimmer durchgelesen hatte. Tragischerweise wurde ihr erster Roman nie veröffentlicht. So entschied sie sich 22 Jahre später, Lektorin für Kinderbücher zu werden, damit niemanden ein ähnlich schweres Schicksal trifft. Lindsey Kelk lebt in London und liebt New York und das Kaufen von Schuhen.

Von Lindsey Kelk außerdem bei Blanvalet erschienen:

Verliebt, verlobt, Versace∙ Mit Chic, Charme und Chanel· Gucci, Glamour und Champagner

Roman

Aus dem Englischen von Uta Hege

Die Originalausgabe erschien 2011unter dem Titel The Single Girl’s To-Do Listbei HarperCollins, London

1. AuflageDeutsche Erstausgabe August 2014bei Blanvalet, einem Unternehmen derVerlagsgruppe Random House GmbH, MünchenCopyright © Lindsey Kelk 2011Lindsey Kelk asserts the moral right to be identified as the author of this work.Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2014by Verlagsgruppe Random House GmbH, MünchenUmschlaggestaltung: www.buerosued.deUmschlagmotiv: Plainpicture/Maria DornerRedaktion: Christina RiemannHerstellung: samSatz: DTP Service Apel, HannoverISBN: 978-3-641-11238-7www.blanvalet.de

Allen Singlefrauen, die Stunden ihres Lebens, ihre Leidenschaft und jede Menge Lipgloss für die Erforschung der ultimativen Checkliste gegeben haben, insbesondere Rachael Wright, Sarah Donovan, Sarah Benton, Emma Ingram und Alicia Romano.

Die von euch gebrachten Opfer werden nicht vergebens sein.

Vier Wochen zuvor …

Einen so seltsamen Sonntag hatte ich bisher nicht oft erlebt.

Mein Freund Simon war schon lange aufgestanden und zum Fußball abgehauen, als ich mich aus unserem Bett aufs Sofa rollte und mit einem dreistündigen Marathon einer meiner Lieblingsserien, Friends, begann. Es war Ende Juli, doch das Wetter war echt mies, und abgesehen von einer Katze, die mit missbilligender Miene draußen vor dem Fenster hockte, und dem periodisch auftretenden Drücken meiner Blase zwang mich nichts und niemand aufzustehen. Für gewöhnlich war ich sonntags immer megamotiviert. Denn es kam nicht allzu häufig vor, dass ich eine geregelte Arbeitswoche hatte, und so blieb mir oft nur sonntags Zeit, um irgendwas zu tun. Doch an diesem Sonntag war das einzig Anstrengende, was ich machte, meinem schwulen Kumpel Matthew jede Viertelstunde eine SMS zu schicken, in der immer nur »Wie stehen die Aktien?« stand.

Es war mir egal, dass eigentlich eher Teenies derart blöde Streiche spielten. Weil ich es auch jetzt noch witzig fand.

Ich lungerte also in meiner abgewetzten Juicy-Couture-Jogginghose, einem Pokémon-T-Shirt, in dem ich vor Jahren halb ironisch an der Uni aufgelaufen war, und fettigen, zu einem Knoten aufgesteckten Haaren auf der Couch, als Simon gegen sechzehn Uhr nach Hause kam, rollte mich gemächlich auf den Rücken und stieß ein verführerisches Knurren aus. Roaarrrh. Rachel-die-Sexbombe-Summers in Aktion.

Mir war klar, dass irgendwas nicht stimmte, als mich Si nicht einfach flüchtig auf die Wange küsste und im Bad verschwand, um seine schmutzigen Klamotten auszuziehen, sondern sich zu mir aufs Sofa setzte, seine Ellenbogen auf die Knie stützte und laut atmend vor sich hin starrte.

Ich wartete ein paar Minuten ab, stellte Monica dann stumm und richtete mich auf.

»Alles in Ordnung?«, fragte ich.

»Willst du vielleicht ins Kino gehen?« Er starrte immer noch auf den Kamin. Oder eher auf den Fußboden davor. Als könnte er dort irgendetwas sehen, was mir verborgen blieb.

»Ich bin ziemlich k.o.«

Verflixt. Ich war nicht faul. Schließlich hatte ich mich letzte Woche jeden Tag vierzehn Stunden abgerackert. Aber offenbar war schlechten Menschen und eben auch Maskenbildnerinnen Ruhe einfach nicht gegönnt. »Warum holen wir uns nicht einfach etwas vom Chinesen und gucken eine DVD?«

Er antwortete mir erst mal nicht. Mein Finger hing über der Volume-Taste der Fernbedienung, während ich auf seine Zustimmung oder zumindest auf den Gegenvorschlag wartete, statt was vom Chinesen was vom Inder holen zu gehen.

Schließlich holte er tief Luft. »Okay. Ich habe nachgedacht.« Was auch immer er vor dem Kamin sah, hielt ihn weiterhin in seinem Bann. »Wir sollten eine Auszeit nehmen.«

»Klar. Wir fahren doch im September nach Kroatien.« Ich starrte ihn verwundert an und streckte meine Beine über seinen Beinen aus.

»Ja.« Er dehnte dieses eine Wort so aus, dass es sich fast über den gesamten Werbespot erstreckte, der vor meinen Augen in der Glotze lief. »Nein. Ich meine … von … der Sache … zwischen uns.«

Ich lenkte meinen Blick vom Fernseher zurück auf ihn.

»Wir sollen eine Auszeit nehmen?«

Was auch immer auf dem leeren Fleck vor dem Kamin Faszinierendes zu sehen war, es legte jetzt anscheinend sogar noch ein flottes Tänzchen hin. Denn ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass er je zuvor so konzentriert auf irgendwas gewesen war, was nicht an einer X-Box hing.

»Willst du etwa Schluss machen?« Ich zog meine Beine ruckartig von seinen Knien und nahm eine halb fötale Haltung ein. Warum nur hatte ich mich nach dem Aufstehen nicht wenigstens gekämmt?

»Nein.« Simon schüttelte den Kopf. »Das ist es nicht. Ich brauche einfach eine Pause.«

»Klingt, als ob du mir den Laufpass gibst.« Ich bemühte mich verzweifelt, nicht in Tränen auszubrechen. Denn ich sah bereits entsetzlich aus, und wenn ich jetzt noch heulte, half mir das sicher nicht. Doch es half mir auch nicht, dass ich plötzlich eine hohe, schrille Stimme hatte, im Vergleich zu der wahrscheinlich sogar ein Delfin wie ein Kettenraucher klang. »Also, was hat das alles zu bedeuten?«

»Reg dich ab. Ich muss nur ein paar Dinge für mich klären. Deshalb mache ich noch längst nicht mit dir Schluss.«

»Hast du eine andere?«

O mein Gott, er hatte eine andere. Wir waren seit fünf Jahren zusammen, bedienten gemeinsam den Kredit nicht nur für einen gebrauchten, klapprigen Renault Mégane, sondern auch für diese Wohnung, und jetzt hatte er urplötzlich eine andere.

»Nein.« Er brüllte fast. »Natürlich habe ich keine andere.«

Na gut.

»Ist es, weil ich nicht ins Kino will?« Ich schlang mir die Arme um die Knie.

»Willst du denn jetzt ins Kino gehen?«

Ich zuckte mit den Schultern, da ich keine Ahnung hatte, was ich anderes hätte machen sollen. »Vielleicht.«

Und damit war das Thema abgehakt. Am Ende sahen wir uns den neuesten Fluch der Karibik an, aber ehrlich gesagt, fiel es mir etwas schwer, mich auf den Film zu konzentrieren. Und wenn einen noch nicht mal Johnny Depp ablenken kann, wer bitte dann?

Als wir wieder nach Hause kamen, legte ich mich in die Badewanne, während Simon seine Sachen in das leere Gästezimmer trug.

Und als ich am nächsten Abend von der Arbeit kam, hatte er eine Nachricht auf mein Bett gelegt, in der er schrieb, er bräuchte etwas Zeit zum Nachdenken und zöge deshalb erst einmal zu einem Freund.

Ein paar Tage später aber kam er wieder heim. Da fuhr ich gerade für fünf Tage zum Arbeiten nach Manchester.

Und als ich wieder nach Hause kam, war er selbst geschäftlich unterwegs.

Danach brachte ich knapp eine Woche mit der Pflege meiner Mutter zu, die durch einen Beinbruch an ihr Bett gefesselt war, und direkt danach war er mit einem Junggesellenabschied auf Tour.

Und dann kam er eines Abends einfach wortlos nicht mehr heim.

Aber zwischen uns war es nicht aus. Wir legten einfach eine kurze Pause ein.

Eine Pause, die inzwischen schon vier Wochen dauerte.

Einfach eine Pause, und trotzdem war es zwischen uns noch lange nicht vorbei …

Vier Wochen später …

1

»Wenn dir jemand vor zehn Jahren gesagt hätte, dass du mal so was machen würdest, hättest du das sicher nicht geglaubt, oder?«, fragte Anastasia. Dann rückte sie den Träger ihres Spitzen-BHs zurecht und türmte ihre künstlich blonde Lockenpracht auf ihrem Schädel auf, bevor sie sie weich um ihre schlanken Schultern fallen ließ. »Ich meine, schließlich ist die Arbeit in der Modelbranche nichts, was einem der Berufsberater unbedingt empfiehlt.«

Da ich schon seit einer Viertelstunde auf dem Boden knien musste, hob ich kurz den Kopf und durchbohrte die naive Blondine mit dem mörderischsten Blick, zu dem ich in der Lage war.

»Wahrscheinlich nicht.« Ich rutschte, soweit der Schmerz in meinen Kniescheiben es zuließ, hinter ihrem Allerwertesten herum. »Aber dass ich mal den Großteil meines Lebens damit verbringen würde, Knutschflecke an deinem Hintern abzudecken, hätte ich, ehrlich gesagt, noch weniger geglaubt.«

»Tut mir leid.« Jetzt rückte sie den Inhalt ihres winzigen BHs zurecht, und ich kämpfte gegen das Verlangen, auf den Pobacken der blöden Tusse zu vermerken, dass sie eine Schlampe war. Und zwar mit leuchtend rotem Lippenstift. »Dieser neue Typ ist ein bisschen pervers. Ich glaube, ich versuche es mal mit nur einem Freund. Ich meine, das ist wahrscheinlich sterbenslangweilig, aber ich habe überlegt, ob ich es nicht mal mit jemandem probieren soll, der nicht auf dieses ganze schräge Zeug abfährt. Gott sei Dank war dieses Shooting nicht schon letzte Woche – denn die Schürfwunden an meinen Handgelenken hättest du nie überdeckt gekriegt …«

Ich atmete laut und vernehmlich aus und verschloss meine Ohren für Anastasias zu gleichen Teilen amerikanischen, osteuropäischen und Nord-Londoner Akzent, und konzentrierte mich erneut auf meinen Job. Wenn es etwas gab, das ich perfekt beherrschte, war es, mich auf meinen Job zu konzentrieren, ganz egal, was auch geschah. Weil ich eine exzellente Maskenbildnerin und obendrein die Königin der freiwilligen, temporären Taubheit war. Aufträge wie dieser klangen immer furchtbar aufregend und obermegacool, in Wahrheit allerdings bestand mein Job vor allem darin, mich bereits vor Tagesanbruch aus dem Bett zu hieven und dann stundenlang herumzustehen und jemand anderen so herzurichten, dass er wunderschön aussah, um zu vorgerückter Stunde wieder heim ins Bett zu gehen. Wirklich glamourös.

Wobei wenigstens der Sport in meiner Arbeit inbegriffen war. Meine Ausrüstung wog nämlich über dreißig Pfund, und sie bis an meinen Arbeitsplatz und abends wieder heimzuschleppen, hatte meine wöchentlichen Laufrunden ersetzt. Außerdem traf man gelegentlich berühmte Leute, auch wenn das gewöhnlich hieß, dass man auch bei ihnen Spuren derart zweifelhafter sexueller Heldentaten überdecken musste, dass man nie mehr eine Seifenoper gucken konnte, ohne gleich daran zu denken, dass wahrscheinlich jeder Star, den man dort sah, ein perverser Fiesling war. Deshalb war es ein Glück, dass ich meistens von früh bis spät in einem Studio im alles andere als aufregenden Parsons Green mit dem Einpudern diverser Körperteile langweiliger Nicht-Berühmtheiten beschäftigt war.

An Tagen wie diesem hatte ich ganz sicher keine Lust mehr, nach der Arbeit heimzufahren, mir falsche Wimpern anzukleben und mich aufzubrezeln, um den Abend mit denselben zwar berühmten, aber widerlichen Leuten zu verbringen, denen ich bereits den ganzen Tag lang ausgesetzt gewesen war. Lieber fuhr ich heim, nahm ein ausgedehntes Bad und fiel dann ohnmächtig ins Bett, während mein Freund Simon vor der Glotze saß.

Ich könnte nie mit einem Koch zusammen sein, ging es mir durch den Kopf, während ich den letzten Rest Grundierung mit dem Schwamm auf Anastasias Hinterteil auftrug. Denn selbst wenn er fünf Sterne hätte, würde er mir kein verführerisches Sieben-Gänge-Menü mehr kochen wollen, wenn er abends von der Arbeit käme. Nein, wahrscheinlich hätte ich noch Glück, bekäme ich dann wenigstens noch einen Spaghetti-Toast von ihm serviert. Obwohl es, wie ich traurig dachte, nicht einmal mehr das bei mir zu Hause gab. Es war Freitag, deshalb war morgen Samstag, und am Samstag kaufe ich immer die Lebensmittel für die ganze Woche ein. Ein Wochenende fühlte sich für mich erst richtig wie ein Wochenende an, wenn mein Blutdruck während eines Einkaufsmarathons bei Sainsbury’s gefährlich angestiegen war. Was unglücklicherweise hieß, dass das freitägliche Abendbrot aus den zweifelhaften Resten eines kalorienarmen Fertiggerichts von meiner letzten Diät oder einer Pizza aus dem Tiefkühlfach bestand. Weshalb es bei mir immer einen kleinen Vorrat solcher Nahrungsmittel gab.

»Du bist so still, Raquel«, stellte Ana mit lauter Stimme fest und verrenkte sich den Rücken, um sich meine Arbeit anzusehen. »Was denkst du gerade?«

»Nichts«, log ich, trat einen Schritt zurück und sah mir ihren jetzt perfekten, pfirsichweichen Hintern an. Nirgends war noch eine Spur von ihren sexuellen Großtaten zu sehen; was bestimmt auch besser war, weil es schließlich bei dem Shooting um Großpackungen mit schlichten Baumwollunterhosen ging. Und wahrscheinlich würde meine Mutter keinen Fünferpack mit Schlüpfern kaufen, die Möchtegern-Rockstars dazu animierten, einem möglichst fest ins Hinterteil zu beißen. Oder vielleicht doch. Schließlich waren sie und Dad seit zwanzig Jahren geschieden, und deswegen hatte ewig niemand mehr die Festung ihrer Weiblichkeit gestürmt. Hoffte ich. Igittigitt.

»Fertig.« Mit einem letzten Flackern meiner Puderbürste scheuchte ich sie los. »An die Arbeit.«

Ana klatschte in die Hände und begab sich gut gelaunt an ihren Lieblingsort. Vor eine Kamera. Hinter der in diesem Fall Fotograf Dan aufmunternde Worte rief und wie ein Wilder knipste, während Ana mit derselben Energie wie der, der sie die Bisswunden an ihrem Hinterteil verdankte, zahlreiche verschiedene Posen in dem falschen Schlafzimmer einnahm. Echt beeindruckend. Ich klemmte mir mein langes blondes Haar hinter die Ohren und bemühte mich, nicht eifersüchtig auf das Weib zu sein. Aber schließlich war es bereits eine ganze Weile her, dass ich selbst in einem Schlafzimmer herumgeschleudert worden war.

Ich schüttelte den Kopf, als ich sie vor der Kulisse tollen sah. Was hieß »Auszeit« überhaupt? Fernsehen und Kino, die zwei Ratgeber im Leben eines Menschen, denen ich am meisten traute, hatten mich gelehrt, dass eine Auszeit niemals etwas wirklich Positives war. Ich konnte nur hoffen, dass sich Simon nicht von einer Trittbrettfahrerin umgarnen ließ. Schließlich hatten wir eine derart geordnete Beziehung, dass all unsere Freundinnen und Freunde neidisch auf uns waren. Wir waren seit fünf Jahren ein Paar, hatten eine Hypothek auf eine eigene Wohnung aufgenommen, einen eigenen Wagen, riefen uns auch öffentlich mit nervtötenden Kosenamen, und ich war mir nicht nur sicher, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Heiratsantrag käme, sondern hatte sogar bereits ein paar Hochzeitsmagazine unter meinen Arbeitsutensilien versteckt – verschämt wie andere Leute Pornohefte verbargen. Und vor allem taten wir es immer noch relativ häufig, was, soweit ich wusste, nach fünf Jahren eine echte Leistung war. Okay, ich zog vielleicht nicht jeden Abend eine heiße Show vor meinem Liebsten ab. (Denn nach vierzehn Stunden auf den Beinen, während derer man versucht hat, irgendeinen »Star«, der gerade aus der neuesten Tanzshow rausgeflogen ist, so aussehen zu lassen, als hätte er die letzten achtundvierzig Stunden nicht an einem Tresen, sondern irgendwo auf einer Schönheitsfarm verbracht, zieht man nur noch ungern Strumpfhalter und Seidenstrümpfe an.) Aber trotzdem lief es gut. Lief es immer noch echt gut. Oder wenigstens aus meiner Sicht. Aber vielleicht hatte ich auch die Erwartungen an unser Sexualleben zurückgeschraubt, ohne dass es mir bisher bewusst gewesen war.

»Make-up?«, schrie Dan, der Fotograf, quer über das Set.

Ich nickte gehorsam mit dem Kopf, trottete zu Ana, schwenkte meine Puderbürste und bemühte mich, sein Seufzen und das missbilligende Schnalzen seiner Zunge einfach nicht zu hören. Dan und ich hatten schon häufiger zusammen Unterwäsche-Shootings durchgezogen, und obwohl der Kerl eine totale Nervensäge war, war ich sein »künstlerisches« Naturell inzwischen hinlänglich gewohnt. Und vor allem die sechs Stunden, die wir mal mitten in einer Wüste hatten warten müssen, bis ein längst verblühtes Supermodel alles, was sie in den letzten fünfzehn Jahren gegessen hatte, wieder losgeworden und auch nur zu einer Aufnahme bereit gewesen war, hatten eine Bindung zwischen uns geschaffen, die es mir jetzt möglich machte, sein Geschnaube gleichmütig zu übergehen.

»Lass dir ruhig Zeit, Raquel.« Er nahm seine riesengroße Kamera in eine Hand und funkelte mich zornig an. »Es ist schließlich nicht so, als ob wir heute noch was vorhätten, nicht wahr?«

Ich lächelte ihn höflich an, streckte aber in Gedanken wütend meinen Mittelfinger aus. Denn er wusste ganz genau, dass ich es hasste, wenn mich Ana Raquel nannte. Das klang einfach entsetzlich affektiert. Und vor allem kannte Ana meinen Namen, denn trotz ihres dämlichen Akzents hieß sie mit bürgerlichem Namen Anne Smith, stammte aus Basildon und hatte dort zusammen mit meiner Cousine die Gesamtschule besucht – bis sie vor der Abschlussprüfung abgegangen war. Doch inzwischen hatte sie sich nicht nur einen falschen Namen zugelegt, sondern auch ihre Altersangabe eingefroren. Zweiundzwanzig, Ana? Nein, ganz sicher nicht. Sie und Dan konnten einem zusammen wirklich furchtbar auf die Nerven gehen, doch mit immer gleichbleibender, mörderischer Freundlichkeit ließ sich ein Tag mit ihnen überstehen. Dan versuchte immer, irgendeinen Streit vom Zaun zu brechen, denn er liebte es, mich aufzuregen, aber Profi, der ich nun mal war, blies ich einfach den überschüssigen Puder von der Bürste und flackerte mit den Borsten über Anas weich schimmernde (aber trotzdem nicht einmal mehr ansatzweise zweiundzwanzig Jahre junge) Haut. Währenddessen brachen sie und Dan in hysterisches Kichern aus, als hätte Dan einen phänomenalen Witz gemacht, den ich aufgrund meiner Beschränktheit nicht verstand. Oder als wäre ich wie alle Maskenbildnerinnen unsichtbar und obendrein noch taub.

»Fertig?«, fragte Dan, während er überprüfte, ob genügend Puder auf den prallen Brüsten seines Models lag. Ich konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen, doch ich war mir ziemlich sicher, dass sich die Beziehung zwischen Dan und Ana nicht allein auf das Berufliche beschränkte, und auch sein Gebiss schon einmal in Kontakt mit ihrem Hinterteil gekommen war. Denn als er beim letzten Job die Hälfte meines Sandwichs abgebissen hatte, ohne dass ihm etwas davon angeboten worden wäre, hatte ich die Zahnabdrücke zweifelsfrei erkannt. Nun, vielleicht war er auch nicht der Hintern-Beißer, aber irgendetwas lief ganz sicher zwischen ihnen. Wahrscheinlich war er der Langweiler, an den Ana sich jetzt erst mal halten wollte. Schließlich konnten wilde Sexspiele mit einem Kerl, dessen einziges Interesse seinem eigenen Bizeps galt, für ein Supermodel nicht besonders spannend sein.

»Gleich«, erklärte ich und sah mir mein Model noch einmal von allen Seiten an. Denn ich würde in meinem Job nicht pfuschen, auch wenn Ana meiner Meinung nach vollkommen hirnlos und vor allem eine Oberschlampe war.

Nein, sagte ich mir, als ich aus dem hellen Licht zurück ins Dunkel trat, hätte jemand mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich irgendwann mal so was machen würde, hätte ich ihm nicht geglaubt.

»Ciao, Raquel.« Ana warf mir eilig eine Kusshand zu und rauschte an mir vorbei, trotz der Jahreszeit in mindestens drei Kaschmirschals gehüllt. »Und, Dan, es war wie immer wirklich toll, mit dir zu arbeiten. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.«

Die Kusshände, die sie in seine Richtung warf, sahen nicht mal ansatzweise so hektisch aus wie bei mir, und die Raffiniertheit ihres Vorgehens wurde durch die Tatsache geschmälert, dass sie so vernehmlich flüsterte, sie würde im Auto auf ihn warten, dass auch der Stylist, Dans Assistent und ich es deutlich hörten. Wodurch mein Verdacht bestätigt war. Doch zumindest besaß Dan den Anstand, ein wenig verlegen auszusehen.

Ich beschloss, mich blind und taub zu stellen, und packte weiter meine Sachen ein. Während der sechs Jahre seit dem ersten Job, den wir zusammen hatten, hatte Dan mit derart vielen Models etwas angefangen, dass er vollkommen problemlos eine eigene Victoria’s-Secret-Zweigstelle hätte eröffnen können, aber Ana hatte wirklich einen Namen in der Branche, also hatte er nach Jahren in der Unterliga jetzt endlich den Aufstieg in die Erstliga geschafft. Und dieses hehre Ziel hatte er bereits seit Jahren hartnäckig verfolgt.

»Nacht, Rach«, rief er mir zu und trottete verlegen los, damit seine neueste Eroberung nicht plötzlich die Geduld verlor und ihn alleine auf dem Parkplatz stehen ließ.

Ich winkte ihm noch kurz, setzte mich auf den Make-up-Stuhl, stieß einen zufriedenen Seufzer aus, klappte mein Notizbuch auf und blätterte die von mir vollgeschriebenen Seiten durch, bis ich auf das heutige Datum stieß. Es war mit einem blauen Stift oben auf dem Blatt notiert, das meine aktuelle Checkliste enthielt. Ich zog einen schwarzen Kugelschreiber aus der Handtasche und strich die Punkte, die erledigt waren, sorgsam durch: Die Wäsche war inzwischen in der Reinigung, ich hatte neues Klopapier gekauft, und das Unterhosen-Shooting war vorbei. Was jetzt noch auf meiner Liste stand, waren der Erwerb einer Flasche Wein, ein Bikini-Waxing, Haare waschen (was bei einer Mähne, die mir fast bis auf den Hintern reichte, eindeutig als eigener Punkt zu werten war) und ein kurzer Telefonanruf bei meinem Bruderherz.

In Ordnung, meine Vorliebe für Listen war vielleicht ein bisschen ungesund, und sicher sollte es mir auch nicht einen solchen Kick verschaffen, irgendwelche Punkte durchzustreichen (denn das machte vielleicht einfach deutlich, dass ich sexuell bei Weitem nicht befriedigt war), doch ich hatte nun mal ein System. Ich schrieb immer in Blau, strich stets mit einem schwarzen Kugelschreiber durch, legte täglich eine neue Liste an und machte abends erst die Augen zu, wenn alles, was dort stand, erledigt oder ordentlich in eine andere Liste übertragen war. Ich konnte nichts dagegen tun. Offenbar hielt ein genetischer Defekt mich davon ab, irgendetwas zu erreichen, wenn ich es nicht vorher aufschrieb. Oder vielleicht war auch mein Naturwissenschaftslehrer schuld, der mir erklärt hatte, dass Listen bei der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung äußerst hilfreich wären. Und auch wenn ich in Bio und dann auch noch in Chemie mit Pauken und Trompeten durchgefallen war, hätte ich in einem Schulfach zwanghaft-obsessive Ordnung sicher eine glatte Eins gehabt.

Inzwischen war mir klar, was von beidem mir in den vergangenen zwölf Jahren nützlicher gewesen war, und es hatte nichts mit irgendwelchen Kenntnissen in Photosynthese oder so zu tun.

Obwohl – wenn meine Rechnung aufging, würde heute Abend die Biologie eine sehr große Rolle für mich spielen. Denn ich wollte angeln gehen.

Und hoffentlich biss Simon an und kehrte ein für alle Mal in unser Schlafzimmer zurück.

2

Da Pläne wie der meine nur erfolgreich sind, wenn man bei der Umsetzung die Unterstützung treuer Helfer hat, waren meine beiden besten Freunde, Emelie und Matthew, mit von der Partie. Wobei Emelie bereits, als wir ins Phoenix kamen, vollkommen hinüber war. Die Königin des Vorglühens hatte nämlich schon in meiner Wohnung eine ganze Flasche Rotwein leer gemacht und versuchte jetzt, uns beide davon zu überzeugen, dass es Zeit für eine Runde Schnäpse war. Und aus welchem Grund auch immer wurde sie dabei auch noch von Matthew unterstützt. Ich selbst trank für gewöhnlich nicht. Weil in meinem Job ein Kater wenig ratsam war. Kaum ein Model oder Star wünschte sich eine Maskenbildnerin, aus deren Mund einem eine Ginfahne entgegenschlug, während sie mit zittrigen Bewegungen den flüssigen Kajal auftrug. Deshalb trank ich immer nur so viel, dass ich zwar gut gelaunt, aber emotional nicht allzu aufgeladen war, und schaffte es fast jedes Mal, mein Kebab bei mir zu behalten, ganz egal, wie lang die Nacht auch war. Ein Talent, mit dem die gute Emelie eindeutig nicht gesegnet war. Doch obwohl sie wusste, dass sie nicht einmal ein Mixgetränk trinken konnte, ohne den gesamten Nachtbus vollzukotzen, gab sie einfach nicht klein bei. In manchen Dingen konnte Emelie noch hartnäckiger als ein Schnupfen sein.

»Los, Ray, es ist Freitagabend«, sagte sie und schob mir ein bis zum Rand mit klebrig-dickflüssigem Alkohol gefülltes Schnapsglas hin. »Und es kann bestimmt nicht schaden, wenn du dir ein bisschen Mut antrinkst.«

»Ein Glas«, schränkte ich weniger als Warnung für mich selbst denn als Befehl an meine Freundin ein und kippte mir den Inhalt meines Glases in den Hals. Von dem ätzenden Sambuca brannte mir die Kehle, und bis ich die Augen wieder aufbekam, gab Emelie bereits die zweite Runde aus. Doch heute Nacht würde ich ganz sicher nicht ihre Haare beiseitehalten, während sie die Hälfte eines Burgers rückwärts aß.

»Wenn du mich mit ihr allein lässt, mache ich dich fertig«, drohte Matthew, der wie immer wusste, was mir gerade durch den Kopf gegangen war. Ich zuckte mit den Achseln und versuchte nicht zu lächeln. Denn er liebte Emelie. Matthew (niemals Matt) und ich waren befreundet, seit er eine Vorlesung an der Uni über die Queer-Theorie verlassen und lautstark verkündet hatte, dass das ja wohl alles »der totale Schwachsinn« war.

Und als seine neue Mitbewohnerin hatte ich mich in der Pflicht gesehen, ihm hinterherzulaufen, und dann hatten wir den Nachmittag, den Abend und beinahe die ganze Nacht in einer Kneipe zugebracht und unsere eigenen Theorien über die Geschlechter aufgestellt. Ich hatte erklärt, dass Männer einfach gierig wären, während Matthew mir erklärt hatte, er müsste brechen, käme er jemals mit einem weiblichen Geschlechtsteil in Kontakt. Wobei es durchaus Belege für die beiden Denkrichtungen gab.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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