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Mord unterm Mistelzweig
Was ist mit den Engeln los? Statt ihre freudigen Botschaften zu verkünden, befördern sie Menschen, ohne zu zögern, ins Jenseits. Weihnachtsfeiern geraten außer Kontrolle, Menschen sterben unterm Tannenbaum. Überhaupt ist die erste Riege bekannter deutscher Krimiautorinnen nicht zimperlich, wenn es darum geht, uns das Fürchten zu lehren – sie machen kurzen Prozess.
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Seitenzahl: 287
Veröffentlichungsjahr: 2013
CORNELIA KUHNERT (Hrsg.)
Eiskalte
Weihnachtsengel
Sabine Thiesler, Zoë Beck, Petra Busch, Tatjana Kruse, Nicola Förg, u.v.m. verkünden tödliche Botschaften
WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN
Originalausgabe 11/2013
Copyright © 2013 by Wilhelm Heyne Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Redaktion: Ulrike Nikel
Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München
unter Verwendung eines Motivs von © Shutterstock/bluehand
Satz: Greiner & Reichel, Köln
ISBN 978-3-641-11888-4
www.heyne.de
Inhalt
Ingrid Noll · Weihnachtliches Grußwort
Susanne Mischke · Hölle, Hölle, Hölle
Sabine Thiesler · Die Fliegenfängerin
Tatjana Kruse · Süßer die Fäuste nie fliegen
Petra Busch · Die krumme Lisa
Cornelia Kuhnert · Rock den Weihnachtsmann
Gisa Klönne · Christkind
Nina George · Ich mach’s dir mexikanisch
Gisa Pauly · Die Sache mit dem Weihnachtsstress
Michaela Seul · Die Heimwerkerinnen
Christiane Franke · Nikolaus’ Liebe zu Bockwurstbuden
Inge Löhnig · Rot liebe ich dir
Annette Petersen · Der Omatrick
Regula Venske · Das verflixte siebte Mal oder: Weihnachtsständer vergoldet
Zoë Beck · Die Stimme
Sandra Lüpkes · Bloody White X-mas
Nicola Förg · Schöne Bescherung
Judith Merchant · Weihnachten wird wunderbar
INGRIDNOLL
WEIHNACHTLICHES GRUSSWORT
Wir Frauen wissen es am besten: Von Ende Oktober bis AnfangJanuar besteht das Leben weitgehend aus Stress, der drohende Schatten der Weihnachtszeit legt sich bereits bei den ersten Herbstnebeln beklemmend aufs Gemüt.
Diese unerträgliche, sich täglich steigernde Erwartungshaltung! Dieses unerbittliche Näherrücken des schönsten deutschen Festes mit seiner geballten Problematik! Wie viele Gäste aus der verzweigten Verwandtschaft werden uns diesmal überfallen, was muss man bei Vegetariern berücksichtigen, für welche Personenzahl muss eingekauft werden? Welche Herzenswünsche sollten unbedingt erfüllt werden, und welche Geschenke sind angemessen, pädagogisch wertvoll, liebevoll und originell? Wie kann man sicherstellen, dass niemand sich zu sehr betrinkt, keine Neiddebatte geführt wird, geschwisterliche Fehden vertieft sowie Kindheitstraumen aufgearbeitet werden und die Stille Nacht in einem geräuschvollen Eklat endet? Hinzu kommen natürlich noch die Glaubenskriege innerhalb der eigenen Partnerschaft: Was ist mit elektrischen Kerzen? Mit oder ohne Lametta? Welcher Kitsch ist noch lustig, welcher dagegen grausig?
Meine ostpreußische Schwiegermutter pflegte die Gans bereits am Heiligen Abend auf den Tisch zu bringen, für meinen Mann von klein auf der Höhepunkt des Jahres. Natürlich wollte er diesen Brauch ein ganzes Leben lang beibehalten. Die Vorteile, so argumentierte er, seien nicht von der Hand zu weisen – am Vierundzwanzigsten kam die mit Maronen gefüllte Gans zur Hälfte, am Fünfundzwanzigsten der Rest auf den Tisch, und die Hausfrau brauchte nicht mehr zu kochen.
Schön und gut, wenn die Familie, wie bei ihm, nur aus drei Personen bestand und selbst noch für den dritten Tag Gänseklein zur Verfügung stand. In meinem Elternhaus sah es anders aus: Heiligabend gab es russische Eier und Heringssalat, der fette Vogel wurde am ersten Feiertag mittags serviert und im Allgemeinen von sieben Menschen ratzeputz aufgegessen und abgenagt. Begreiflicherweise weigerte ich mich bereits vor der Eheschließung, die barbarischen ostpreußischen Sitten zu übernehmen. Zu viel Hektik an ein und demselben Tag. Baum schmücken, Gans zubereiten und Bescherung – das musste unbedingt entzerrt werden. Mein Mann hat mich skrupellos erpresst, ohne Gänsebraten am Vierundzwanzigsten könne ich mir die Hochzeit ein für alle Mal an den Hut stecken.
Inzwischen habe ich an dreiundfünfzig Heiligabenden dreiundfünfzig Gänse gebraten, Martinsgänse natürlich nicht mitgerechnet. Meistens ist selbst ein kapitaler Zehnpfünder für über ein Dutzend gieriger Kostgänger noch zu mickrig und ein paar zusätzliche Keulen oder Bruststücke müssen her.
Mordgedanken am Fest der Liebe hege ich schon lange nicht mehr, man gewöhnt sich schließlich an alles. Hatten mich früher bereits die Wörter Gänsefüßchen oder Gänsemarsch mitten im Sommer in Wallung gebracht, so habe ich inzwischen meinen Frieden mit dem kompletten Weihnachtsterror geschlossen und möchte ihn auf keinen Fall missen. Doch die vielen herzensguten, unverdrossenen Frauen, die neben allen anderen hausfraulichen Vorbereitungen auch noch kriminelle Weihnachtserzählungen schreiben, sind wohl alle jünger als ich, und es wallet, brauset, siedet und zischt in den Abgründen ihrer schwarzen Seelen. Ich freue mich auf viele hundsgemeine Geschichten, die den unvermeidlichen Stress vergnüglich abbauen können, denn in der fiktiven Welt darf es auf keinen Fall so friedfertig zugehen wie unterm eigenen Tannenbaum.
SUSANNEMISCHKE
HÖLLE, HÖLLE, HÖLLE
»Frau Millerrr, wie gäht es uns denn haite?«
Martha schlug die Augen auf. An der linken Wand, die in einem müden Grün getüncht war, hing ein schlichtes Messingkreuz, rechts von ihr stand ein leeres Krankenhausbett, und vor dem Fenster nahm sie den vagen Umriss eines Menschen wahr. Eines Mannes, der Gestalt nach, der aber seltsam transparent wirkte.
»Wo bin ich?«
Eine dralle Mittvierzigerin mit einem breiten Gesicht und Bäckchen so rot wie ein Nikolausapfel schob sich in Marthas Blickfeld.
»Frau Millerrr, Sie nix mehrrr auf Intensiv, hat man Sie auf Station verlägt. Ich bin Schwäster Bogdana.«
Marthas Oberarm wurde in die Manschette eines Blutdruckmessgeräts gequetscht, die Schwester Bogdana aufpumpte. »Ist sich Bluttdrruck wie Eidechse in Wintärrrschlaff«, konstatierte sie fröhlich. »Was sein mit Stuhlgang?«
Martha zog es vor, diese Frage zu ignorieren. Sie tastete nach ihrer Brust, während die Schwester den Beutel am Infusionsständer austauschte und dabei erklärte, dass sie die Zufuhr des Schmerzmittels mit »kleine Rrrad« am unteren Ende des Schlauchs selbst regeln könne.
»Welchen Tag haben wir heute?«
»Ist sich heite Doonnerrrstag.«
Am Dienstagmorgen war ihr ein Bypass gelegt worden. Routine heutzutage. Für die Ärzte, nicht für Martha.
»Also nix Stuhlgang?«, insistierte Schwester Bogdana, schon im Gehen begriffen.
»Nein, Schwester. Aber …«
»Ja?«
»Wer ist der Mann, der da am Fenster steht?«
»Welches Maann? Da nix Maann. Mechten noch Tää?«
Martha nickte. Die Unterhaltung hatte sie angestrengt. Sie schloss die Augen und überlegte im Wegdämmern, dass es vermutlich das Schmerzmittel war, das Halluzinationen hervorrief. Ähnliches hatte sie erlebt, als sie in ihren wilden Jahren ein bisschen mit LSD und Pilzen herumexperimentierte. Ich muss aufpassen, dachte sie, dass ich nicht als Morphiumsüchtige hier herauskomme.
»Na, Frau Müller, wie fühlen Sie sich?«
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