Eiswind - V. Valmont - E-Book

Eiswind E-Book

V. Valmont

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Beschreibung

Connecticut, 1973. Als ein extremer Blizzard das elitäre Anwesen in Cold Pines von der Außenwelt abschneidet, sitzen drei ungleiche Paare in der Falle. Was als angespannte Dinnerparty unter der Führung des herrischen und manipulativen Gastgebers Warren beginnt, eskaliert rasch zu einem erbitterten Schlagabtausch über Macht, Ideologien und gescheiterte Ehen. Doch die tödliche Kälte vor den Fenstern ist harmlos im Vergleich zu dem Frost im Inneren der Villa. Unter der drückenden Last von Alkohol, Zynismus und jahrelangen Lebenslügen brechen die sorgsam polierten Fassaden der High Society krachend in sich zusammen. Es gibt kein Entkommen mehr. Weder vor dem Sturm, noch vor den eigenen Abgründen.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Eiswind

Eiswind

Die Abgründe von Cold Pines

V. Valmont

Triggerwarnung:

Dieses Buch enthält Darstellungen von emotionalem und psychischem Missbrauch, Misogynie, Homophobie, toxischen Beziehungsdynamiken sowie explizite Szenen von Gewalt und Sexualität. Zudem werden Themen wie Kinderarbeit und Suchtmittelkonsum behandelt. Der Inhalt könnte auf sensible Leser belastend wirken. Die politischen Ansichten der fiktiven Figuren spiegeln nicht die Meinung der Autorin wider.

Impressum: Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Veröffentlicht bei Infinity Gaze Studios AB

1. Auflage, Februar 2026, Alle Rechte vorbehalten

Copyright © 2026 Infinity Gaze Studios

Texte: © Copyright by V. Valmont

Cover & Buchsatz: V.Valmont @valmontbooks

Lektorat: Barbara Madeddu

Veröffentlicht über Tolino Media

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und wird strafrechtlich verfolgt.

Infinity Gaze Studios AB, Södra Vägen 37,

829 60 Gnarp Schweden

www.infinitygaze.com

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:

[email protected]

„Expose yourself to your

deepest fear; after that, the fear

has no power, and the fear of

freedom shrinks and vanishes.

You are free.“

Jim Morrison, The Doors

08.12.1043 – 03.07.1971

Für Mama

Ein echtes Blumenkind

in einer Welt voller Frost.

Du fehlst mir jeden Tag.

Die Farben des Verrats

Cold Pines, 1973

Das Nachmittagslicht über Cold Pines war bereits zu einem fahlen Grau verkümmert. Der nahende Sturm hüllte die dichten Nadelwälder Connecticuts in einen milchigen Nebel, der sich wie ein Leichentuch gegen die riesigen Panoramascheiben der Villa drückte.

„Halt die Tasse am Henkel, sonst hinterlassen deine Finger unschöne Abdrücke auf dem Porzellan“, wies Warren sie an, während er mit dem Rücken zu ihr am Fenster stand und hinaus in das aufziehende Weiß starrte. Er trug einen schweren, nachtblauen Samtmantel, der seine ohnehin breite Statur noch wuchtiger erscheinen ließ.

„Der Tee ist ohnehin schon fast leer“, erwiderte Heather und betrachtete den dunklen, ungesüßten Rest am Boden der Tasse. Die aufsteigende Wärme war das Einzige, was ihre Hände in diesem eisigen Raum vor dem Erstarren bewahrte.

„Es geht nicht um den Inhalt der Tasse, sondern um die Wirkung, wenn unsere Gäste Fingerabdrücke auf der Keramik bemerken“, belehrte er sie, drehte sich langsam um und ließ seinen Blick über den makellos gedeckten Esstisch gleiten. „Details sind das Fundament. Wer sie vernachlässigt, verliert die Kontrolle.“

„Ich habe keine Lust auf diesen Abend, erst recht nicht auf den Besuch von dieser furchtbaren Frau“, gestand sie und stellte die Tasse mit einem lauten Klirren auf die Untertasse.

„Deine persönlichen Befindlichkeiten spielen für dieses Dinner absolut keine Rolle. Wir haben es vereinbart, und wir halten uns an Vereinbarungen“, stellte Warren klar.

„Sie hat auf meiner Vernissage vor allen Leuten behauptet, ich sei nichts weiter als eine Trophäenfrau“, warf Heather ihm vor und spürte, wie sich ihr Magen bei der Erinnerung an Sheryls abfällige Blicke zusammenzog. „Eine hübsche Hülle, die du dir nur zugelegt hast, weil sie jung genug ist, um keine eigene Meinung zu haben.“

„Und hat sie unrecht?“, fragte er ruhig, blieb hinter ihrem Stuhl stehen und legte seine schweren Hände auf ihre Schultern. Die Kälte seiner massiven Siegelringe drückte unangenehm durch den dünnen Stoff ihres Kleides.

„Du bist eine Trophäe. Das ist nichts, wofür man sich rechtfertigen muss. Eine Trophäe ist der ultimative Beweis für einen Sieg.“

„Es demütigt mich, wenn sie so über mich spricht“, flüsterte sie und senkte den Blick.

„Es sollte dich amüsieren“, korrigierte er sie und strich mit den Daumen über ihre Arme. „Sheryl ist nichts weiter als eine frustrierte Randnotiz im Leben eines zweitklassigen Fotografen. Sie trägt kratzige Cordhosen und versteckt ihre eigene Bedeutungslosigkeit hinter giftigen Kommentaren. Wenn sie dich heute Abend ansieht, soll sie vor Neid ersticken. Dein Schweigen ist deine stärkste Waffe gegen Frauen wie sie.“

„Ich verstehe einfach nicht, warum wir sie überhaupt eingeladen haben, wenn du so über sie denkst“, hakte Heather nach und versuchte, sich der Schwere seiner Hände durch eine minimale Gewichtsverlagerung zu entziehen.

„Weil Lance Käufer für seine Fotografien hat und ich seine nächste Ausstellung finanziere“, erklärte er herablassend, als würde er mit einem schwerfälligen Kind sprechen. „Wir spielen alle unsere Rollen. Der Unterschied ist nur, dass ich das Drehbuch schreibe und sie nur Statisten sind. Dwight und Glenda kommen, weil sie meine gesellschaftliche Anerkennung brauchen. Lance und Sheryl kommen, weil sie mein Geld wollen.“

„Und ich?“, entwich es ihr, bevor sie sich bremsen konnte.

„Du bist hier, weil ich es so entschieden habe“, beendete er die Diskussion, löste die Hände von ihren Schultern und trat an die Seite des Tisches. Penibel genau verschob er einen der Serviettenringe um wenige Millimeter.

Draußen prasselten laute Regentropfen gegen das Glas der Panoramascheibe. Es klang, als würde jemand eine Handvoll groben Kies gegen das Haus werfen.

„Geh dich umziehen“, befahl Warren leise. „Das königsblaue Kleid. Das mit dem tiefen Rücken. Ich möchte, dass sie genau sehen, was mir gehört, noch bevor wir das erste Glas Wein geleert haben.“

„Wie du meinst“, gab sie nach, erhob sich langsam und ließ die halbvolle Tasse auf dem dunklen Holz zurück.

Heather stand vor dem bodentiefen Spiegel im Ankleidezimmer. Das blaue Seidenkleid schmiegte sich bereits an ihre Hüften, doch der feine Reißverschluss am Rücken hatte sich auf halber Höhe verhakt. Sie verrenkte die Arme, spürte ein unangenehmes Ziehen in den Gelenken, aber das kleine Metallstück bewegte sich keinen Millimeter.

„Gewalt hat noch nie ein feines Gewebe bezwungen“, kommentierte Warren, als er lautlos durch den Türrahmen trat.

„Es klemmt“, rechtfertigte Heather sich und ließ die Arme erschöpft sinken, während ein kalter Schauer über ihren unbedeckten Rücken kroch.

„Weil du zu hastig bist“, maßregelte er sie, trat dicht hinter sie und schob ihre zitternden Hände mit einer beiläufigen Geste beiseite.

Mit einer einzigen, präzisen Bewegung zog er den Reißverschluss nach oben, bis das kalte Metall direkt in ihrem Nacken ruhte. Im Spiegel traf sein berechnender Blick ihre müden, leeren Augen.

„Sieh dich an“, forderte Warren sie auf und drückte seine Daumen tief in die Mulden ihrer Schlüsselbeine. „Makellos. Aber nur, weil ich den Rahmen dafür geschaffen habe.“

„Ich bin kein Gemälde, das man einfach an die Wand hängt“, entgegnete Heather und versuchte, seinem harten Blick im Spiegel standzuhalten, ohne wegzusehen.

„Du bist das wertvollste Stück in meiner Sammlung“, korrigierte er sie leise, griff in ihre Schmuckschatulle und holte das schwere Saphircollier hervor, das er ihr letztes Jahr vor versammelter Belegschaft zum Valentinstag geschenkt hatte. „Und deshalb trägst du heute Abend diese Steine. Sie sind nicht einfach nur Schmuck.“

„Sondern eine Leine“, entwich es ihr, bevor sie sich auf die Lippe beißen konnte.

„Eine Erinnerung an deinen Platz“, stellte er vollkommen ungerührt richtig und legte ihr die Kette um den Hals.

Das eiskalte Metall brannte sich förmlich in ihre Haut, als er den filigranen Verschluss mit erschreckender Geschicklichkeit einrasten ließ. Sein Atem streifte ihr Ohr. Er roch nach teurem Tabak.

„Wenn sie dich heute Abend ansieht, wird sie nicht die Trophäe sehen, für die sie dich hält“, raunte er, während er die Steine an ihrem Dekolleté mit dem Zeigefinger perfekt ausrichtete. „Sie wird die Macht sehen, die du durch mich hast. Sie wird erkennen, dass all ihre emanzipierten Phrasen absolut nichts wert sind gegen die kalte Realität dieses Hauses.“

„Und was passiert, wenn sie sich einfach weigert, beeindruckt zu sein?“, provozierte Heather leise und spürte, wie ihr Puls unter dem kalten Metall pochte.

„Sie wird sich beugen“, entschied Warren einfach und trat endlich einen Schritt von ihr weg, was Heather aufatmen ließ. „Leute wie Lance und Dwight tun alles, um in meinen Augen nicht als Spießer oder Feiglinge zu gelten. Und ihre Frauen werden ihnen folgen, weil sie die Bequemlichkeit letztlich mehr lieben als ihre angebliche Freiheit.“

Unten im Erdgeschoss hallte plötzlich ein dumpfes Pochen durch die Eingangshalle. Jemand hämmerte gegen das massive Eichenholz der Haustür. Beinahe hätte das Peitschen des Sturms, der nun unablässig gegen die Glasfronten trommelte, das Gepolter übertönt.

„Unsere ersten Gäste suchen Zuflucht“, schlussfolgerte Warren zufrieden, glättete den Revers seines Hausmantels und wandte sich zum Gehen. „Komm nach unten. Und vergiss nicht, zu lächeln. Ein echtes Lächeln, das die Saphire noch mehr zum Leuchten bringt.“

Der Wind drückte mit solcher Wucht gegen die Haustür, dass Warren sich mit seinem ganzen Gewicht dagegenstemmen musste, um sie zu öffnen. Ein Schwall aus Schneestaub wirbelte in die Eingangshalle und legte sich sofort wie Puder auf den dunklen Steinboden.

„Kommt rein, bevor ihr noch zu Eiszapfen werdet.“

Glenda trat als Erste über die Schwelle, eingehüllt in einen ausladenden Pelzmantel, der stark nach nasser Wolle und Wacholderbeeren roch. Sie stampfte den Schnee von ihren Lederstiefeln.

„Was für ein verfluchtes Wetter, man sieht kaum die eigene Hand vor Augen“, fluchte sie und ließ den schweren Pelz mit einer theatralischen Geste von ihren Schultern gleiten.

„Umso besser, dass ihr es rechtzeitig in die Arche Noah geschafft habt“, begrüßte Warren sie und nahm das nasse Kleidungsstück entgegen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Dwight betrat schweigend die Halle, versuchte hastig, sich die weißen Flocken von den Schultern seines schweren Tweed-Sakkos zu klopfen, und mied dabei geflissentlich Warrens Blick.

„Ist der Rest der Truppe schon da?“, erkundigte er sich schließlich und nestelte nervös an seinem Brillengestell, dessen Gläser im Warmen sofort beschlugen.

---ENDE DER LESEPROBE---