Elope - Udo Lutz Burkhardt - E-Book

Elope E-Book

Udo Lutz Burkhardt

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Beschreibung

Elope heißt auf Deutsch: Mit der Freundin durchbrennen, um zu heiraten. Ein spannender Roman über ein junges Liebespaar, das sich über das Verbot der Eltern, "keine Hochzeit", hinwegsetzte. Sie wollten keinen Musiker und keinen Maler. Der Autor erlebte das Auf und Ab als Sänger in der Musikbranche der siebziger Jahre und das knallharte Geschäft der Schallplattenfirmen mit den damaligen Künstlern. Wer ein wenig Fantasie hat, erkennt schnell die wahren Stars und Sendungen aus dieser Zeit.

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Seitenzahl: 132

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Diesem Roman dienten als Vorlage bekannte Persönlichkeiten aus der Musik und Fernsehbranche der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Obwohl diesem Roman eine wahre Geschichte zugrunde liegt, möchte ich hier betonen, dass die Namen und Personen von mir frei erfunden sind. Diesen Roman widme ich dem echten Mädchen in der wahren Story, meiner Frau Margarita.

Udo Burkhardt

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Band „Black Eagles“

Die Grosse Liebe Laura

Hoffnung

Enttäuschung

Durchbrennen

Neuanfang

VORWORT

Das Wort ELOPE kommt aus dem englischen und bedeutet „Die Geliebte entführen um zu heiraten“ oder auch „Durchbrennen mit der großen Liebe“. Genau das hatte Alex im Jahr 1971 getan, weil die Mutter seiner Freundin ihn als Schwiegersohn nicht akzeptieren wollte. Warum, weil sie sich einen gut situierten Beamten mit einer ordentlichen Pension für ihre Tochter vorgestellt hatte, und er ein Künstler (Maler und Musiker) ohne Aussicht auf ein geregeltes Einkommen war. Der ganze Roman basiert auf einer wahren Geschichte, die der Autor hier aus Rücksichtnahme auf noch lebende Prominente, Freunde und Familienangehörige verändert und in eine Fantasiegeschichte verwandelt hat. Namen und Anschriften sind frei erfunden, aber wer ein wenig Fantasie hat, der erkennt die echten Menschen hinter der Beschreibung in dieser spannenden Geschichte.

Warum hat der Autor diesen Roman geschrieben? Ganz einfach, weil er trotz schlechter Prognosen ( „das geht eh nicht gut mit den beiden und die sind bald wieder geschieden“ ) im Jahr 2013 über 40 Jahre mit diesem Mädchen aus der Geschichte verheiratet war und beide glücklich und gesund waren. Aber auch, weil plötzlich, in diesem unsäglichen Jahr 2013, seine Frau aus heiterem Himmel die Diagnose „KREBS“ bekommen hatte und zum ersten mal in ihrem Leben ein Krankenhaus von innen sah und gleich zwei Operationen, Chemotherapie und das komplette Programm über sich ergehen lassen musste. Es war ein Schock für beide, und ihre heile Welt brach plötzlich zusammen. Das war ein Punkt in ihren Leben, wo ihnen bewusst wurde, wieviel Glück sie doch gehabt hatten und was für ein Geschenk sie über einen so langen Zeitraum in ihrem Leben bekommen hatten, ohne Krieg und Krankheiten gelebt zu haben. Der Schock über die Diagnose Krebs und die Erkenntnis, dass auch die stärkste Liebe im Leben nicht ewig währen kann und wir alle vergänglich sind, hat ihn dann bewogen, dieses Buch zu schreiben.

Dazu ein weiser Spruch von his Holiness the 14, th Dalai Lama:

„Mitgefühl und Mitleid ist ein tiefer Wunsch andere von Leiden befreit zu sehen. Liebe ist die andere Facette, ein starker Wunsch, andere glücklich zu sehen.“

DIE BAND „BLACK EAGLES“

Im Jahr 1968 trat Alex in eine für ihn bis dahin unbekannte Band, die „Black Eagles“, als Sänger ein. Die Band war in der Provinz südöstlich von Frankfurt, heute als Rodgau bekannt, erfolgreich und gerne gesehen. Sein Bruder Volkmar war damals ein bekannter Bandleader in einer anderen Band, die aber mehr im Großraum von Frankfurt unterwegs war. Er hatte gehört, dass die Black Eagles einen neuen Sänger suchten, weil der alte durch seine Nachtarbeit im Bäckerhandwerk nicht mehr die Zeit aufbringen konnte. Durch seine Vermittlung kam Alex zu den Black Eagles. Der Gitarrist brachte ab und zu seine kleine Schwester Laura zu den Auftritten mit. Ein zierlicher kleiner Teenager mit welligem rotem Haar, und gerade mal 15 Jahre alt. Völlig uninteressant für Alex, dachte dieser mit seinen 21 Jahren, doch unbemerkt von seiner Meinung entwickelte sich zwischen den beiden eine heimliche Zuneigung und ein Jahr später waren sie ein Paar. Damit begann eine schwierige Zeit für beide. In diesen Jahren gab es leider immer noch den altmodischen, engstirnigen „Gemeinschaftssinn“ in den Hessischen-Provinzen. Jeder, der nicht im Dorf geboren war, den nannte man „Eingeplackter“, was so viel heißen sollte wie ein Fremder, der sich bei uns reindrückt und sich breit macht. Und wenn ein Fremder dann auch noch mit einem einheimischen Mädchen anbändelt, dann war das eine große Schweinerei, und das muss dann verhindert werden. (da hat sich wohl in Deutschland seit 50 Jahren nicht viel verändert wenn man die heutige Fremdenfeindlichkeit anschaut ) Weil auch die alleinerziehende Mutter von Laura auf dem Standesamt in der Bürgermeisterei arbeitete, war es ein No-Go. Also eine ziemlich schwierige Aufgabe für zwei Verliebte. 1969 war aber dann ein besonderes ereignisreiches Jahr. Der neue Bundeskanzler Willy Brandt bemühte sich um eine entspannte Politik des Miteinander gegenüber der DDR und dem Osten aber für die jungen Musiker war das noch größere Ereignis in „WOODSTOCK“ USA, denn es war ein alles überragender Event in diesem Jahr. Ein Musik und Artfestival in den Vereinigten Staaten von Amerika , welches nur wenige Tage dauerte, aber einen enormen Eindruck bis heute bei der damaligen Jugend hinterlassen hatte. Der Auftritt von Joe Cocker mit seiner Coverversion der Beatles „With a little help from my friends“ ist legendär und bis heute ein Hit. Es war ein Wendepunkt in der Musikgeschichte. Jimi Hendrix, Janis Joplin, Santana oder The Who, um nur einige zu nennen, waren die angesagten Musiker dieser Zeit. Man muss sich einmal vorstellen, eine halbe Million Besucher auf diesem Festival. Auch heute noch eine Menschenmenge, die nur selten erreicht werden kann. Die großen Fußballstadien erreichen gerade mal 70 bis 80 Tausend Besucher heutzutage. Leider hatte die größte Band der damaligen Zeit, die Beatles, die Rolling Stones und Sänger wie Elvis Presley und Bob Dylan keine Zeit oder kein Interesse. Es gab aber auch eine traurige Nachricht in diesem Jahr aus der Musikwelt, denn der britische Leadgitarrist und Mitbegründer der „Rolling Stones“ Brian Jones wurde in seinem Schwimmbad in seinem Anwesen in Sussex (England) tot aufgefunden. Er wurde damit auch in den sogenannten mysteriösen „CLUB 27“ aufgenommen. Auch Jimmy Handrix, Jannis Joplin, Jim Morrison und die in deutscher Sprache singende Alexandra, (Mein Freund der Baum) bis hin zu Emi Winehouse, wurden alle nur 27 Jahre alt.

Aber es gab natürlich noch andere weltbewegende Ereignisse. Am 20. Juli 1969 landete zum ersten mal in der Weltgeschichte, eine, mit Menschen bemannte Raumkapsel auf dem Mond im Rahmen der „Mission Apollo 11“. Am nächsten Tag betrat der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch unseren Erdtrabant und sprach die legendären Worte „Das ist ein kleiner Schritt für den Mensch aber ein rissiger Sprung für die Menschheit“. Auf der anderen Seite waren es schlimme, schreckliche Schritte für die Menschheit mit diesem Krieg in Vietnam und ein riesiger Sprung in die Unmenschlichkeit. 100.000 Jugendliche, demonstrierten in vielen Ländern und brachten eine Wende in diesen fürchterlichen, ungerechten Krieg. Aber zurück nach Deutschland, hier wurde in Ostberlin der neue Fernsehturm von Walter Ulbricht eröffnet. Der Walter Ulbricht, der kurz vor dem Mauerbau 1961 noch im Fernsehen gesagt hatte, „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“. Am selben Tag der Eröffnung gab er ein „zweites“ Fernsehprogramm in Schwarzweiß frei und dieses wurde anfänglich nur 17 Sendestunden in der Woche gesendet, einfach lachhaft. Darüber kann man sich heute nur noch wundern. Ja das waren die Anfänge der TV Welt in der DDR, kaum vorstellbar nach so wenigen Jahrzehnten und besonders für die heutige Generation der digitalen Google, Microsoft, Apple, Facebook und Twitter Welt. Aber so war das damals 1969 und am Rande der Nachrichtenwelt wurden andere kleine Ungerechtigkeiten der kommunistischen Länder bekannt. Wer erinnert sich noch an den Langstrecken-Weltrekordler und Olympiasieger „Emil Zatopek“? Er wurde aus der damaligen tschechoslowakischen kommunistischen Partei ausgeschlossen und aller seiner Ämter enthoben, nur weil er am Prager Frühling teilgenommen hatte.

Ein Schrei nach Gerechtigkeit und Freiheit. Die Begründung der Partei lautete damals, er hätte „die Grundsätze der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft nicht verstanden“. Klingt doch sehr nach den gleichen Prinzipien wie sie in der DDR ausgeführt wurden. Wer auch nur eine Zeile in seinen Liedern der Freiheit oder der Grenzenlosigkeit gewidmet hatte, der bekam Auftrittsverbot oder wurde ausgebürgert. Sogar das alte Volkslied „Die Gedanken sind frei“ wurde verboten. Der Ruf nach Freiheit, Gerechtigkeit und Pressefreiheit war damals in allen kommunistischen Ländern eine Straftat. Ja, liebe Jugend von heute, ihr wisst überhaupt nicht wie gut ihr es heutzutage habt. Auf jeden Fall war es ein ereignisreiches und spannendes Jahr.

Alex hatte sich seit einem Jahr gut in die Band „Black Eagles“ eingelebt und wollte nun als Bandleader seine eigenen Ideen durchsetzen. Doch unerwartet stieß er bei den Bandmitgliedern auf großen Widerstand. Die Idee, einen eigenen Stil und eigene Lieder zu produzieren, um auf die Dauer erfolgreich zu sein, wollte keiner mitmachen. Ihr Argument dagegen war einfach und plausibel: „Die Leute wollen bei unseren Auftritten nur Stimmung, die neuesten internationalen Songs hören und keine unbekannten selbstgebastelten Lieder.“

Ok, denkt sich Alex, mal sehen, was gerade angesagt ist. Abgesehen von den Top Gruppen wie den Beatles und den Stones, schwappte gerade eine neue Welle aus den USA herüber. SOUL war das Zauberwort, und schwarze Sängerinnen und Sänger wie Aretha Franklin, Ike and Tina Turner, Percy Sledge, Wilson Pickett und vor allem Otis Redding waren genau das, was sich Alex vorgestellt hatte. Es passte genau in sein Gefühlsleben, denn Soul heißt ja Seele und genau daher kamen die Lieder, aus der Tiefe der menschlichen Seele. Alex konnte nun sagen, hier sind die neuesten Songs aus den Vereinigten Staaten, und ich möchte gerne einige in unser Repertoire aufnehmen. Mürrisch wurde seinem Wunsch entsprochen, und er begann die Lieder von Otis einzustudieren. Für ihn war Otis der ungekrönte König des Soul. Lieder wie „The dock of the bay“ „I´ve been loving you too long“, „Hard to handle“, „Old man trouble“, „My lovers prayer“, „Pain in my hard“ und einige mehr, wurden eingeübt und waren ein riesiger Erfolg auf der Bühne. Die meisten Lieder waren langsame Soulstücke, die wohl aus dem Blues entstanden waren. Bei „I´ve been loving you too long“ konnte Alex seinen ganzen Emotionen freien lauf lassen. Wenn die musikalische Kaskade in diesem Song nach oben ging, fiel er am Höhepunkt auf die Knie und umklammerte das Mikrophon mit beiden Händen, um dann seine Gefühle „Don´t make me stop now, because i love you“ hinaus zu schreien, und dabei schaute er von der Bühne herab auf den kleinen Teenager Laura. Die konnte ihre Zuneigung nur schwer verbergen, und ihr Gesicht erglühte des öfteren bei diesem Lied. Das waren auch die Höhepunkte für die Jugend an den Wochenenden in den Stadthallen, Bürgerhäusern und Discotheken auf dem Land. Gleichzeitig ging diese Entwicklung aber an den alten Herren der öffentlich rechtlichen Fernsehsender vorbei. Die konservativen Programmdirektoren setzten auf die altmodischen Volkslieder und Schlager der fünfziger Jahre und beeinflussten damit ganze Generationen bis heut, was Alex sehr bedauerlich fand. Da es damals keine richtigen internationalen kosmopolitischen Musiksendungen gab, wurde die Mehrheit zu nationalen Schlagerpatrioten erzogen, die immer nur die stupiden Melodien hörten und sie immer nur auf den langweiligen Einser Rhythmus klatschen liess. Dafür gab es dann eine Starparade für diese langweiligen Schlager. In dieser ZDF Show gab es keinen einzigen Sänger wie Jimmy Hendrix oder Bob Dylan, geschweige denn Soul oder Rock-Gruppen oder Bands wie die Beatles oder Rolling Stones, die dort aufgetreten sind. Wir nannten Deutsche Schlager einfach nur Schnulzen mit kleinkarierten Texten. Schon die trivialen Reime wie „ Herzilein, Du bist mein Sonnenschein“ oder in späteren Jahren ein blonder Sänger singt „Schwarz-Braun ist die Walnuss, schwarz-braun bin auch ich“, oder eine jämmerliche Stimme singt „Es fährt ein Bus nach nirgendwo mit mir als einzigen Passagier“. Viele solcher beknackten Lieder mit Deutschen Schwachsinnstexten wurden da bis zum Abwinken vorgestellt, und nur ab und zu, als Alibi, da war auch ein Ausländer dabei um den Schein zu waren.

Abgesehen davon hatten auch die Beatles mal einen Flop wie z.B. „Ob-la-di Ob-la da“ was aber dank ihrer Popularität trotzdem sehr gut verkauft wurde. Es war ein Trauerspiel für Alex und seiner Meinung nach auch für ein Land, was einstmals als das Land der Dichter und Denker bekannt war. Samstagnachmittag war da eine Sendung im ZDF für Millionen eine Gelegenheit, die „wunderbare Entwicklung“ des Deutschen Liedgutes zu verfolgen.

Der Moderator, ein gewisser Detlef Thorsten Beck, gab sich große Mühe, in jahrmarktartiger Manier die verkorksten deutschen Schlager wie Sauerbier anzupreisen. Da wurden in schneller Folge die Titel angesagt. Das hörte sich an wie eine Maschinengewehrsalve, und das ewige künstliche Dauergrinsen der aufgetakelten möchtegern Stars, ging den Rock-Beat-Soul wilden Jugendlichen gehörig auf den Geist. Eine heile Welt vorgaukeln und die Zuschauer animieren, immer nur den „Einser Rhythmus“ zu klatschen, das war den modernen Musikern zu langweilig, zu primitive, so richtig zum Abgewöhnen so wie die ganze Starparade mit Detlef Thorsten Beck. Es war für Rock und Soulliebhaber ein Samstagnachmittag, um sich über die dummen Schlagerfuzzis aufzuregen. Aber die Menschen hatten ja überhaupt keine andere Wahl, denn es gab ja keine eine Alternative, und die Schlagermacher hatten einen guten Draht zu den Intendanten der Fernsehanstalten. Die Zuschauer wurden von den alten, konservativen, spießbürgerlichen Programmgestaltern über Jahrzehnte zu Schlagerliebhabern erzogen. Da kann man ja heute nichts anderes von dem allgemeinen Musikgeschmack erwarten. Alex wollte damals etwas dagegen halten, aber seine Auftritte waren nicht in den Massenmedien Fernsehen vorhanden, sondern nur in gelegentlichen Wochenendauftritten mit ungefähr zwei- bis dreihundert Zuschauern. Keine Chance, die rollende Dampfwalze „Schlager-Erziehung“ in Deutschland aufzuhalten. Trotzdem wollten die jungen Wilden dreimal in der Woche proben, damit sie wenigstens die neuesten Songs so gut wie möglich wiedergeben konnten, um auch gegen die einfallslosen Vollplaybacks der Fernsehstars zu bestehen.

Der Proberaum lag in einem kleinen Ort namens Dudenhofen in einem alten Stadthaus. Ein paar alte Betonstufen führen hinab in den Keller, in dem ein etwas muffiger Geruch nach Kohle, Altpapier, Kartoffeln und feuchten Wänden gemischt mit Heizöl und Zigarettengestank dem Besucher entgegenschlug. Der Raum war nicht sehr groß, so ca. 5 x 8 Meter, und die Wände waren mit Eierkartons gepflastert, damit man von der lauten Musik draußen auf der Strasse und bei den Nachbarn nicht so viel mitbekommen sollte. Zwei kleine Fenster in Augenhöhe waren mit Styropor abgedichtet, und an den anderen Wänden hingen ein paar alte Plakate von bekannten Rocksängern, zusammen mit einigen Pinup Girls vom Playboy. Eine alte Neonröhre gab ein bleiches Licht und hatte schon bessere Tage gesehen, denn sie flackerte ab und zu so, als ob sie gerade ihren Geist aufgeben wollte. Schlagzeug, Verstärker, Lautsprecher, Gitarren, Bass, elektrische Orgel, Saxophone und Trompete, alles zusammen mit einigen alten Möbeln, musste hier seinen Platz finden. Sieben Bandmitglieder und manchmal ein paar zuhörende Fans aus der Gegend kamen in diesen Keller drei mal die Woche zusammen. Am Schlagzeug saß ein hagerer Junge mit einer scharfen geraden Nase und hörte auf den Namen Manni. Er hatte etwas längere Haare, die er sich ständig aus dem Gesicht wischte. Am Bass stand Hans, der immer einen Scherz auf den Lippen trug und für seine blödsinnigen Streiche bekannt war. Sein schütteres Haar ließ vermuten, dass er frühzeitig eine Glatze haben würde. Er war schlank und drehte sich ständig mit einer kleinen Klapp-Blechdose einen selbstgemachten Glimmstängel, dem er ab und zu etwas Haschich hinzufügte. An der Orgel und dem E-Piano saß Martin, ein etwas korpulenter, introvertierter Junge, der die Gruppe immer durch seine dicken Brillengläser anschaute, und er war der einzige im Team, der richtig Noten lesen konnte. Er gab der Band immer die Anweisung, welche Harmonien sie gerade zu spielen hatten. Ohne ihn hätten die einzuübenden Stücke wesentlich länger gedauert und wären wohl ab und zu im Chaos geendet. Er war Nichtraucher, und jedes Mal wenn sich Hans eine Zigarette drehte, schaute er empört zu Hans hinüber und stupste sich seine Brille wieder auf der Nase zurecht. Eddi spielte Rhythmus-Gitarre, Trompete und war der zweite Leadsänger der Band, er versuchte immer, die Proben so gut wie es ging unter Kontrolle zu bekommen. Sein Lieblingslied war „Nights in white satin“ von den Moody Blues, welches er mit Hingabe auf der Bühne präsentierte. Die Melodiegitarre wurde von Ewald gespielt, dem Bruder von Laura. Er war ein zurückhaltender introvertierter Mensch und zeigte wenig Emotionen, man wußte nie was er gerade denkt. Er