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Gute Nacht Geschichten für Erwaschsene, über Altern, Sex, Religion und Tod, die vier Drehmomente des menschlichen Lebens. I. Die Sache mit dem Altern Als ich morgens wie Gregor Samsa aus unruhigen Träumen aufwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem Greis verwandelt. Ich war alt geworden. Das Wort Greis hatte ich noch nie auf mich bezogen, aber plötzlich diese Einsicht, wie ein Blitz aus diesem sich langsam dahinziehenden Wolkenhimmel. II. Die Sache mit dem Sex. Erinnerungen aus dem Garten Eden. Eva zeigte Adam einen Apfel, er ihr eine Banane. Eine Sache von Früchten. Der Sex war geboren. Gott ward eifersüchtig und angeekelt, er hatte sowas noch nie gesehen. Er erfand die Scham und die Erbsünde. III. Die Sache mit der Religion. Big Bang. Eine Divina Commedia über die sogenannt letzten Dinge, die Himmel und Hölle verbinden. IV. Die Sache mit dem Tod. Der grosse Menschenwechsel, diese konstante Zertrümmerung der Menschen, macht ein Geräusch, ein grosses Lärmen, das über der Stadt ein Rauschen ergibt. Wenn man abends in Montmartre hoch über Paris sitzt, über Paris und seine Vergangenheit hinweg schaut, hört man dieses Raunen eindeutig. Es ist ein Raunen, das nicht nachlässt, das in tausend Jahren noch da über Paris sein wird, dieses Raunen. Es ist eine Songline. Die erinnerte Zeit. Traumpfade.
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2020
Gute Nacht Geschichten
Die Sache mit dem Altern
Gregor Samsa wacht auf
Zimzum
Tagebuch des Alterns der grossen Denker
Körperkultur
In der Sprechstunde
Der Tod
Vortrag im Alters- und Pflegeheim Kriens
Weltliteratur: Verhaltenskodex für ein ehrbares Altern
Dostojewski Idiot
Schopenhauer gaga
Heidegger Sudelheftler
Den Arm hochheben. Der Hitlergruss
Death Valley
Kofferpacken
Altern im Streit
Selfies
Die Sache mit dem Sex Erinnerungen aus dem Garten Eden
Augustinus
Courbet: L’origine du Monde
Sexstellung versus Rückenschmerzen
Was ist Pädophilie
Sex und Religion
Volksweisheit in Gedichtform
Die eheliche Pflicht
herausgegeben 1879 Dr. med. Karl Weissbrodt Ein Sexualführer durch die katholische Ehe Neuedition bei Kindler Heel Klassik Auszüge
Pastoraltheologie
Sex in der Postmoderne 1969
Sex heute
Erasmus. Italien. USA.
Alpensex Schweiz. Türkischer Halbmond
Europäischer Gerichtshof
Vagina
Sex in der modernen Literatur
Europäischer Gerichtshof
Sexprobleme XY ungelöst
Sex und Religion
Die Sache mit der Religion
BIG BANG
Eine Divina Commedia über die sogenannt letzten Dinge die Himmel und Hölle verbinden
Mariä Himmelfahrt
Jesu Christi Blutstropfen
Fronleichnam
Die Sache mit dem Tod
Letzte Worte
Lebenserwartung und Weltbevölkerung
Suizid
Monaco Franze
The big sleep
Computer töten
Todesmail
Krötentöten
… und die Sache mit der Musik
Le Sacre du printemps 1913
Lautloses Gleiten
Vinteuils Sonate
… und die Sache mit der Zeit
Lauras Gedächtnis
Nachrufe auf einen Weintrinker
Christian Morgenstern
Tote schlafen fest
Lizenz zum Gebären
Tucholski zum Schluss
Literaturnachweis
Bibliografie
Als ich eines Morgens wie Gregor Samsa aus unruhigen Träumen aufwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem Greis verwandelt.
When I get older
loosing my hair (…)
will you still need me
will you still feed me
when I’m sixty-four?
(The Beatles)
Mit 64 sieht man alt aus in den Unfallberichten der Polizisten, die diese im Polizeirapport der lokalen Presse in ihrem eigenen Stil verfassen: Ein 60-jähriger Greis ist gestern um 17.50 Uhr auf einem Zebrastreifen nahe der Luzerner Altstadt in ein Auto gerannt, das den Zebrastreifen überqueren wollte. Der Fussgänger sagte nicht mehr viel an der Unfallstelle nach dem Unfall. Es entstand zur Hauptschlagaderzeit des täglichen Büroschlusses ein einstündiger Verkehrsstau, der dann wieder aufgehoben werden konnte, als der Unfall vorüber und aufgeräumt war.
Ich lag auf meinem panzerartigen harten Rücken, hob den Kopf ein wenig, schaute an mir hinunter, merkte auf einmal eine helle Passage im dunklen Lebensfilm, wie ein Standfoto:Ich war alt geworden. Das Wort Greis hatte ich noch nie auf mich bezogen, aber plötzlich diese Einsicht, wie ein Blitz aus diesem sich langsam dahinziehenden Wolkenhimmel.
Ich wollte den ganzen Körper wenden, aber es ging nicht, ich spürte meine Glieder, die Beine und die Arme an sich schon, konnte sie jedoch nicht bewegen. Auch den Kopf nicht über die Brust heben, zum Schauen, was los sei. Mein Nacken war steif. Wollte ich den Rücken bewegen, spürte ich nur Schmerzen. Ein Messerstich im Kreuz. Habe ich Jesus beleidigt?, fuhr es mir durch den Kopf. Ein Kribbeln in den Zehen, mit den Füssen fängt es an.
Dann war es wie eine Offenbarung: Jesus stand über mir, war aus den Erst Kommunion Bildern ausge stiegen, teilte mir behutsam mit, meine Zeit sei gekommen zum Heimkehren. Das weiss eigentlich ein jeder Christ, aber man schiebt solches hinaus, ein natürlicher Reflex.
Das Altern ist das allergrösste Unglück, das man sich vorstellen kann. Es ist das schleichende Ende von allem, was weh macht. Und man fragt sich zu Recht: War das alles, hat die Geburt sich hierfür gelohnt?
Als Kind hat man nur Träume. Als Jugendlicher Vorstellungen. Als junger Erwachsener ist man im Krieg, im Clinch mit dem banalen Vorkommen der alltäglichen Verrichtungen. Man ist immer noch vor dem Berg… und denkt nicht ans Ende, das Fertigsein von allem.
Ab 64, etwas früher oder etwas später, fühlt man sich am Hang hinter diesem Berg runtergehen, ein Abgang ist es, ein Daniedergehen, ein Runterlaufen, ein Abnehmen, ein Verdünnen, ein Verlieren, ein sich Auf lösen. Seit der Metamorphose zum Käfer gehe ich vornübergebeugt, geknickt in der Lendenwirbelsäule. Auf dem Trottoir machen die Passanten von vornherein einen Bogen um mich, um nicht gegen einen Gegenstand zu stossen. Im Bus kriege ich jeden Sitzplatz, auf den ich zusteuere, wahrscheinlich dürfte ich sogar neben dem Chauffeur fahren.
Aber wo geht die Reise hin? Zum Schöpfer aller Zeiten und aller Sachen? Glaubst du an Gott, fragen die Menschen einer den anderen. Ja/Nein, sagt man.
Aber dann: Irgendwie glaube ich an irgendetwas, sagen sie, das kann doch alles nicht von selber entstan den sein. Diese Frage ist falsch gestellt.
Der Mensch denkt nur kausal. Wenn was da ist, muss es jemand geschaffen haben. Die Frage ist nicht korrekt, denn demnach müsste einer den Schöpfer geschaffen haben und ein Schöpfer den Schöpfer und so weiter. Wir sehen ja wie Galaxien neu entstehen, aus sich heraus, da sitzt kein Gottvater mit Vollbart auf seinem Stuhl im Bademantel und sagt:
Ja, Sterne, entsteht!
Wenn ich mich für Gottesplan entscheide: Als was will ich denn nach dem Tod wiederauferstehen? Als Baby an der Mutterbrust? Als Jüngling und alles wieder vor mir? Als 50-jähriger gemachter Mann im besten Alter? Vielleicht.
Sicher aber nicht als Tattergreis gebrechlich mit morgendlichem Rückenweh, Zipperlein, Harndrang, Flatulenz und Inkontinenz… schwerhörig, windig, leer und aufgeblasen, depressiv bis zum Gehtnichtmehr.
Grosse Denker haben den Weg bereits gemacht und sind derselben Meinung: Wir alle sind nicht allein.
SÖREN KIERKEGAARD
Die Tagebücher:
Wider alle Krankheit, wider alles körperliche Leiden und das darin gründende traurige Missverhältnis zwischen Seele und Leib gibt es doch den Trost, dass der Tod die Krankheit ist, die mit allem andern ein Ende macht.
CLEMENT TUTE
Pariser Journalist, zitiert von Tucholsky.
Zwei Soldatenleichen vom I. Weltkrieg, die sich von Verdun her kannten:
Na! Du bist für den Unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe in Paris ausgelost worden. Junge! ich möchte dort nicht liegen, da zieht’s ja von den Champs Elysées herauf! Und dann so allein! Man kann sich nicht mal unterhalten.
PROUST
C’est avec des adolescents qui durent un assez grand nombre d’années que la vie fait des vieillards.
CLAUDE LEVY STRAUSS
Plötzlich vor dem Sterben sieht man ein, alt, schlaff und am Ende zu sein. Das Leben passierte bis dahin unauffällig.
INDIANER
Sprichwort:
Jung und schön
Alt und hässlich.
PLUTARK
Das Alter ist ein trauriger Herbst.
RÖMER
Die Alten Römer schickten ihre Alten nicht ins Altersheim, sondern ad pontem, sie stiessen sie die Brücke runter in den Fluss.
CATO
Wenn man im Alter nicht mehr hat, was man inzwischen entbehrt, ist der Schmerz nicht gross.
CHRIST
Das Alter ist die Zeit, sich auf den Tod vorzubereiten.
PROUST
Durch Schreiben kann man die verlorene Zeit zurückgewinnen. Temps perdu/ temps retrouvé.
SHAKESPEARE
in: «Wie es euch gefällt»:
Das Alter ist die zweite Kindheit und das reine Vergessen, ohne Zähne, ohne Augen, ohne Geschmack, ohne alles.
In «King Lear»:
Der Greis, das Altern, sind nicht die Grenze der condition humaine, aber ihre Wahrheit selbst, das Altern, das Hinfallen sind der Inbegriff des menschlichen Daseins.
EXISTENTIALISMUS
Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Die Zeit kann man sich bildlich so vorstellen: Sitzen im Zug Raumzeit behäbig draussen flitzt die stille Gegend rasant vorüber in die nächste Raumzeit hinein und kehrt nicht wieder.
EINSTEIN
Vergangenheit und Zukunft bestimmen unser Bewusstsein, existieren aber nicht in der Realität. Es gibt keine physikalisch beschreibbaren Zeitformen, vulgär gesagt heisst das, man kann die Zeit nicht errechnen und nicht darstellen.
ALLGEMEIN
Der Tod ist ein Aussichtspunkt für einen Nachruf auf das Leben.
OLIGARCH
Ich wohne in St. Moritz im Winter, im Sommer an der Côte d’Azure, habe einen Privatjet, eine Yacht, einen Hubschrauber, esse weisse Trüffeln und trinke einen sehr alten Don Pérignon 1958, was will ich mehr!! Ich bin glücklich!!
DIE ALTERSHEIMER WEISHEIT
Früher glaubte man, die Anhäufung der Altersjahre steigere das eigene Wissen und brächte einem die Weisheit. Wenn ein Alter heute langmütig wie Häuptling Adlerauge vor sich hinschaut, denkt man weniger an Weisheit als an beginnende Demenz.
GRIECHEN (ALT-)
In der griechischen Tragödie ähneln sich das Kind und der Greis in ihrer Impotenz.
ANDRE GIDE
Mit 81 habe ich mehr oder weniger alles gesagt, was ich zu sagen hatte; ich habe Angst mich zu wiederholen. Ich frage mich, ob ich tatsächlich noch lebe? Alles ist da und geht voran ohne mein Zutun. Die Welt braucht mich nicht mehr, jetzt wo ich mich für eine längere Zeit verabschiede.
APOLLINAIRE
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.
MONTHERLANT
Ich muss mir Mühe geben, daran zu glauben, dass ich was verspüre, dabei verspüre ich nichts mehr. Die Welt streift mich nur leicht.
J. MAYNARD KEYNES
In the long run, we’ll all be dead.
IONESCO
In den «Stühlen» stürzt sich das greise Ehepaar in der Schlussszene aus dem Fenster, weil es begriffen hat, sein Leben habe jeglichen Sinn verloren und habe auch nie einen gehabt.
BECKET
Das Leben ist für uns nur die Erinnerung.
(Das hat aber auch schon Proust gesagt!)
JESUS
Wer an mich glaubt und mir folgt, ist selber schuld.
TUCHOLSKY
Gespenster
Es gibt Kunst-, Literatur- und Politikgespenster, die namentlich immer noch herumgeistern und längst nicht wissen, dass sie bereits tot sind, all die, die auf Inschriften eingemeisselt sind. Alte Bibliotheken von vor 1914: Wie tot ist das alles. Es geht einen nichts mehr an. Hat den Wert von Kindheitserinnerungen. Kalbsdämlich. Ich werde euch was blasen. Der grosse Papierkorb der Vergangenheit. Vergiss die Unsterblichkeit.
MADAME DE SÉVIGNÉ
Tag für Tag gehen wir voran. Heute ist wie gestern und morgen ist Morgen wie der heutige Tag, so gehen wir vorwärts, ohne es zu merken. Das Altern der andern kommt mir plötzlich wie ein Schock vor. Hélas! Wenn das Alter uns lähmt, sind die schönen Tage vorbei.
PROUST
Ich war erschrocken, als ich meine Grossmutter besuchte und plötzlich eine alte Frau vor mir sah.
ÖKO
Ich trage einen ökologischen Rucksack, eine reine Weltverschmutzung auf mir. Eine Kremation verbraucht 100 Liter Kerosin. Die Kremation ergibt einen Co2-Ausstoss von 2 Tonnen ins All: Umweltverschmutzung. Das Ökologischste wäre Schreddern in Stückchen für die Fischzucht. Recycling.
ARISTOTELES
Die alten Leute leben mehr in der Erinnerung als in der Hoffnung. Die Alten können nicht mehr lachen.
SAINTE BEUVE
Verhärten an einigen Stellen, verfaulen an andern, es kommt nicht zur Reifung.
MAURIAC
Einzelheiten vergessen, verschwunden. Und was ist mit den Ideen?! 50 Jahre Bücher lesen…. was bleibt? In dieser Endzeit des Alterns zittert die Hand, wenn man eine Tasse Tee auf die Tischplatte zurückstellt. Jeder siehts, man sagt aber, wie jung man aussehe, wobei es niemandem in den Sinn käme, einem Buckligen zu sagen, sein Buckel sei flacher geworden.
HERRIOT
Kultur ist das was bleibt, wenn man alles vergessen hat.
SIMONE DE BEAUVOIR
Die Wissenschaftler über 50 sind zu Nichts mehr gut, nur noch zum Kongresse halten.
MEDIZINISCHE AKADEMIE LYON, 1835
Über das Reisen im Zug: Die Erschütterungen der Eisenbahn führen zu Nervenkrankheiten (…), währenddessen die schnelle Abfolge der Landschaftsbilder im Zugfenster Entzündungen der Retina hervorrufen. Der Staub und der Dampf der Lokomotive verursachen Lungenentzündungen und Verklebungen der Pleura. Schlussendlich versetzt die Angst vor der konstant vorliegenden Unfallgefährdung die Reisenden in einen Dauerstresszustand und fördert den Wahnsinn. Einer Schwangeren bedeutet eine jede Eisenbahnreise unabwendbar eine Fehlgeburt mit all ihren Konsequenzen.
JEAN PAUL SARTRE
Da das Gedächtnis sich nicht von Imagination unterscheidet, entgeht uns die Vergangenheit; oder vielmehr, sie ist eine ständige Lüge, die die Gegenwart heimsucht, und damit entstellt, indem sie ihr ihre Bedeutung nimmt. Der Bruch zwischen Sein und Denken ist total.
GOETHE
Leider bleibt es immer die alte Leier, dass lange leben so viel heisst, als viele überleben, und zuletzt weiss man dann doch nicht, was es hat heissen sollen. Das Volk will sich ernähren, Kinder zeugen und die ernähren. Kein Mensch bringt es weiter.
Und schwer und schwere Hänge eine Hülle
Mit Ehrfurcht. Stille
Ruhn oben die Sterne
Und unten die Gräber.
PAUL R. EHRLICHPROF. BIOLOGIE
Wenn die Afrikaner sich weiterhin so fortpflanzen wie Kaninchen, brauchen wir vier weitere Planeten, damit die Ressourcen ausreichen. Wenn ich acht Kindern das Leben schenke, nehme ich acht andern Menschen die Ressourcen weg.
BUNDESGERICHT LAUSANNE URTEIL
Altern mit Ausserirdischen
Die Kenntnis der Regeln und deren Befolgung werden als selbstverständlich vor ausgesetzt. Ich wollte Malinki küssen, nur ein Nasen bussi wie es die Inuit tun. Meine geliebte Katze kratzte mich in die Wange und in die Hand und ich blutete. Man soll asoziale Wesen von einem anderen Stern nicht auf den Mund küssen wollen. Ich habe schlussendlich den Prozess verloren.
WITTGENSTEIN
Altern als Philosoph
Jedes Ding hat einen Namen in der Sprache: Bilden die Dinge in der Wirklichkeit einen anderen Sachverhalt als ihren Namen, wird der Satz falsch.
Hermine, Wittgensteins Schwester, in den Familienerinnerungen: Zu dieser Zeit ergriff ihn plötzlich die Philosophie, d.h. das Nachdenken über philosophische Probleme, so stark und so völlig gegen seinen Willen, dass er schwer unter der doppelten inneren Berufung litt und sich wie zerspalten vorkam.
BERTRAND RUSSEL
Die Verfassung Wittgensteins ist die eines Künstlers, intuitiv und stimmungshaft. Er sagt von sich, dass er jeden Morgen voller Hoffnung beginne, aber jeden Abend in Verzweiflung ende.
UNIVERSITY OF KATAR
Studie
Wer von klein auf fünfmal am Tag kniend betet, verändert im Alter die Anatomie seiner Kniegelenke.
ANATOLE FRANCE
1916, Erster Weltkrieg
Was mich tötet, ist weniger die Bosheit der Menschen als ihre Dummheit. Die menschliche Dummheit ist grenzenlos, unendlich.
1917
Ich wünsche mir mal kein Ende mehr dieses fürchterlichen Krieges in Europa. Ich glaube an nichts mehr und wünsche mir nur noch das ewige Nichts.
ALBERT EINSTEIN
1927 in Brüssel an der Solvay-Konferenz zur Quantentheorie, anwesend 17 Nobelpreisträger in Physik und Chemie, unter anderem Marie Curie, Pauli, Heisenberg und Max Planck.
Einstein: Gott würfelt nicht.
Niels Bohr: Einstein, hören Sie auf, Gott zu sagen, was er tun soll!
SIMONE DE BEAUVOIR
Das Leben ist eine Folge von Begräbnissen. Ab 70 sterben die Bekannten um einen rum, man bleibt umringt von jungen Leuten. Man kann sich seinen Tod nicht vorstellen; die Abdankung: man liege in diesem Sarg, der hinausgetragen wird; man kann sich in seinen Leichnam nicht hineindenken, weil man noch lebt, das geht nicht, solche Gedanken soll man aussen vor lassen, das Todsein kann man selber nicht miterleben. (Sartre: la mort est une catégorie de l’irréalisable − kann man selbst nicht verwirklichen).
Der Tod ist Abwesenheit zur Welt; bereits soviel Abwesende: meine Vergangenheit ist weg, meine toten Freunde sind weg und so viele Orte auf der Welt, die ich nie mehr wiedersehen werde.
Das Altern hat nichts zu gewinnen noch zu verlieren, hat eine Alibifunktion, es braucht keinen beruflichen noch sexuellen Wettkampf mehr, es entschuldigt die Inkompetenz, die Impotenz und die Hässlichkeit des Körpers durch dessen Zerfall.
JEAN GENET, DIVINE
in Notre-Dame-des-Fleures
Der Tod ist keine kleine Angelegenheit. Divine fürchtet schon, es werde an Feierlichkeit fehlen. Sie will würdig sterben. Wie jener Fliegerleutnant, der in seiner Galauniform zu kämpfen pflegte, damit der fliegende Tod, wenn dieser im Flugzeug auftaucht, in ihm den Unteroffizier, und nicht den Mechaniker erkenne. So trug Divine stets ihr altes fettiges Hochschulzeugnis bei sich.
ROUSSEAU JEAN-JACQUES
Der Augenblick verschlug mir den Atem, wenn ich glaubte, in ihm die Ewigkeit zu erfassen. Seit meine Zukunft begrenzt ist, sind die Augenblicke nicht mehr ewig, geben das Absolute nicht mehr her, sie werden allesamt untergehen.
PARACELSUS
geb. 1493, gestorben 47-jährig
Diser zeit endung ist der tot, der sitzt neben uns und wartet auf unsere bella intestina, wo er möge einbrechen. Der mensch ist zum Umfallen geboren.
KANT IMMANUEL
Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.
ALTERN
Geistig noch fit, voll bewusst, Gedanken bis ins Universum hinein, aber die Daumen schwarz vom Zeitungslesen, die Sehnen straff, die Haut verdorrt wie Pappkarton und faltig, Berg und Tal, Venenstränge violett über den Handrücken, die Handinnenflächen braun runzlig, die Finger zu Krallen angezogen, der Grundton des Gemüts rot und schwarz.
Interview
Herr Gismondi! Sie wurden Schweizer Vizemeister der Bodybuilding Association in der Bikiniklasse.
Ja. Ich bin stolz, die Medaille hilft mir sehr viel. Ich trainiere fünfmal täglich. Bikiniklasse heisst breite Schultern aber schmale Taille, schlanker Unterkörper. Der Trick ist die Entwässerung. Eine Woche vor dem Wettkampf trinke ich 10 Liter Wasser pro Tag, so wird die Niere zur Überproduktion gezwungen. Die letzten 2 Tage trinke ich überhaupt nichts mehr, die Nieren arbeiten jedoch im selben Rhythmus weiter und pressen den letzten Tropfen Flüssigkeit aus meinem Körper. Die letzte Nacht kann ich nicht schlafen, mir ist schwindlig und ich habe Brechreiz. Mein Körper ist am Wettkampftag nur noch Muskel und Haut. Das macht mich glücklich, nach Monaten des Zweifelns. Ich komme aber immer mal wieder auf den Punkt, an dem ich mich frage, warum ich das alles mache.
WINTERREISE
Schubert Zyklus
(Auszüge):
Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh ich wieder aus.
Was soll ich länger weilen?
Die Liebe liebt das Wandern
Gott hat sie so gemacht
Von einem zum andern
Fein Liebchen, gute Nacht.
Schreib’ im Vorübergehen
An’s Tor dir: Gute Nacht
An dich hab’ ich gedacht.
SIMONE DE BEAUVOIR
Alltag
Im Alter kopiert ein Tag den vorherigen und den vorherigen, es ist die Routine. Die kleinen Gewohnheiten ersparen einem die Anpassung ans Geschehen: Frühstück, Tageszeitung, Gartengang, Mittagessen, Siesta, Spazieren, Nachtessen, Zähneputzen, Schlafengehen. Die Poesie der Gewohnheit. Die Alten verwechseln dann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die Poesie reisst sie aus dem Strom der schwindenden Zeit, ihr Feind. Die Poesie gibt ihnen diese Ewigkeit zurück − die sie im Moment nicht mehr verspüren, weil sie nur noch in der Routine leben −, sie identifizieren sich mit ihrer Vergangenheit; eine grosse Zukunft sehen sie nicht. Der Besitzer hat zu seinem Besitz eine magische Beziehung. Da der Alte sich selber nicht mehr machen kann, hängt er am Gemachten, am Besitz…er besitzt um zu sein. Der Geiz, seinen Besitz nicht mehr hergeben zu wollen, fixiert sich auf das Pendant des Besitzes: das Geld. Es gibt Hundertjährige die armselig im Bett sterben, mit einer Million an Geldscheinen unter ihrem Kopfkissen. Der Eigenbesitz des alten Menschen wird zu seiner Identität. Es geht eigentlich immer darum, in günstige Umstände geboren zu werden.
MICHAEL HANEKE
Regisseur
Im Alter gibt es die emotionale Vergletscherung…keine Empathie, keine Moral mehr.
GUSTAVE FLAUBERT
(Brief an Caroline)
Wenn man alt wird, werden die Gewohnheiten zur Tyrannei. Alles was weggeht, alles was uns verlässt, sieht unwiderruflich aus und man sieht den Tod auf einen zukommen.
im Allgemeinen Krankenhaus
Arzt:
− Nun kommen Sie doch näher und wir ziehen uns mal aus. Soo! wo haben wir’s denn? Wo tut’s weh?
Hier oder hier? Mehr hier oder mehr da? (nach Dr. Knock). Sie müssen sich entscheiden, so viel Zeit haben wir hier nicht. Nun stellen Sie sich dort an die Wand, wir machen ein Röntgen. Ich geh mal schnell ins Kämmerlein. Soo…einatmen tieef und an..halten. Schon geschehen! Sie werden ja ganz blau im Gesicht! Wieder atmen hab ich gesagt. Jetzt ziehen wir uns wieder an. Ob es Krebs ist? Ein kleiner Trost, in Ihrem Alter wären Sie nicht allein. Sie sind ja Bauer! Sie müssen das Positive sehen, das Wachsen in der Natur, nach jedem Winter spriessen die Knospen an den Bäumen und so weiter. Wenn Sie eine Kuh wären, und nicht der Bauer, wären Sie schon lange im Schlacht - haus!!! Häääh!! Ein Witz! ein Witz! Im Leben, sag ich immer meinen Patienten, muss man auch mal schön lachen können!!
STERBENDER
Letzter Gedanke
Die Welt kommt scheint’s ohne mich aus.
YEATS
Das Leben ist eine lange Vorbereitung auf etwas, das niemals stattfindet. (Schopenhauer: Das Leben, eine unnütze Leidenschaft).
TOLSTOI
…lebenstrunken! …Sobald diese Trunkenheit verflogen ist, merkt man, alles ist nur Schwindel, nur stupide Einbildung.
ASTOR
