Ende und Anfang - Katie Sola - E-Book
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Ende und Anfang E-Book

Katie Sola

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Beschreibung

Es wird das Ende sein. Ihr macht es Angst. Er kann nicht mehr. Es scheint unausweichlich zu sein. Sie sind gescheitert. Sie verliebt sich schon als Teenager in ihn, für ihn ist schnell klar, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Trotz aller Unterschiede werden Mia und Jasper zu dem neuen Traumpaar im Tennis, verbunden durch die Liebe zum Sport. Eine Liebe, die sie nun wieder zu trennen scheint. Hinter ihnen liegt eine gemeinsame Reise, gezeichnet von Verlust, Angst, Zweifeln und Vergebung. Vor ihnen steht nur noch die Frage, ob ihre Liebe allein ausreichen kann, um ein gemeinsames Leben zu führen oder ob die Entscheidung nicht schon längst getroffen ist.

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Seitenzahl: 753

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Katie Sola

Ende und Anfang

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1 – Heute

Kapitel 2 – Ankunft

Kapitel 3 – Heute

Kapitel 4 - Jasper

Kapitel 5 – Heute

Kapitel 6 – Joseph

Kapitel 7 – Heute

Kapitel 8 – Abschied

Kapitel 9 – Heute

Kapitel 10 – Weiter

Kapitel 11 – Heute

Kapitel 12 – Erste Schritte

Kapitel 13 – Heute

Kapitel 14 – Vertrauen

Kapitel 15 – Heute

Kapitel 16 – Streit

Kapitel 17 – Heute

Kapitel 18 – Ende und Neuanfang

Kapitel 19 – Heute

Kapitel 20 – Kennenlernen

Kapitel 21 – Heute

Kapitel 22 – Erste Male

Kapitel 23 – Heute

Kapitel 24 – Unsicherheit

Kapitel 25 - Heute

Kapitel 26 – Schmerz

Kapitel 27 – Heute

Kapitel 28 – Aussichtslos

Kapitel 29 – Heute

Epilog

Impressum neobooks

Kapitel 1 – Heute

„Bist du fertig?“

„Gleich.“

Wir hielten uns beide nicht mit einer Begrüßung auf. Ich schwieg, während ich meine Schuhe anzog und mich dick in meinen Wintermantel, Schal und Mütze einpackte. Draußen schneite es. Das erste Mal dieses Jahr. Er hatte die Tür offengelassen und lehnte locker im Rahmen. Die hellen Flocken zeichneten sich vor dem dunklen Nachthimmel ab.

Ein Kälteschauer erfasste mich. Meine Finger fühlten sich kalt an.

„Okay. Wir können.“

Er nickte. Ganz kurz konnte ich in seinen Augen die Tränen sehen. Es fiel mir schwer, meine eigenen zurückzuhalten. Wie sollte ich weiterhin stark bleiben? Wie könnte er weiterhin stark genug sein?

Die Schneeflocken tanzten um uns herum. Keiner sagte ein Wort.

„Du siehst traurig aus“, sagte ich nach einer Weile, zwang ich mich zu einem Lächeln, während ich eigentlich nur weinen wollte.

„Du auch.“

Ich konnte ihn nicht ansehen. Bei seiner Stimme bekam ich eine Gänsehaut. Sie war mir so vertraut. Ich würde sie nie vergessen können. Niemals. So, wie er für immer einen Platz in meinem Herzen haben würde.

„Warum bist du hier?“, fragte ich. Er machte keine Anstalten zu reden.

„Muss ich einen Grund haben, um hier zu sein?“ Das Lachen war gespielt.

Mein Herz, mein ganzer Brustraum, zog sich schmerzhaft zusammen. Wem wollte er etwas vormachen? Wir wussten es doch beide. Ich wollte weinen, aber ich konnte nicht.

„Du wolltest mit mir reden.“

„Ja. Das wollte ich.“

Die Vergangenheitsform ließ Hoffnung in mir aufkeimen. Obwohl mir mein Verstand längst sagte, dass es aussichtslos war.

Wieder Stille. Nur unsere Schritte auf dem Asphalt waren zu hören. Die Straßen waren wie leergefegt. Wir waren allein hier draußen, während Millionen von Menschen neben uns waren. Hinter verschlossenen Türen und Fenstern. In ihren eigenen Welten. In ihrem eigenen Leben. Keiner von ihnen konnte auch nur ahnen, dass sich unsere beiden Leben wohl gleich von Grund auf ändern würde. Noch konnte ich es mir nicht vorstellen, wie es wohl sein würde.

„Willst du es noch immer?“

„Ich würde nicht von wollen sprechen.“

Ich wartete darauf, dass er fortfuhr. Dieses Gefühl in meiner Magengegend wollte nicht weichen. Flau, drückend. Ich wollte es nicht hören.

„Es ist notwendig. Du solltest es wissen.“ Seine Schritte wurden langsamer.

„Was sollte ich wissen?“ Meine Stimme klang heiser, erstickt. Ich wusste ganz genau, was er meinte. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Er musste es aussprechen. Wieder einmal musste er die Kraft haben, er musste für uns beide stark sein. In den letzten Tagen hatte ich mich darauf einstellen können. Und dennoch tat es weh. Das Ziehen in meiner Magengegend, dann das flaue Gefühl. Gefolgt von der tiefen Traurigkeit, wenn ich an das dachte, was kommen würde.

Hier, in diesen Straßen, hatte alles begonnen. Es war nur logisch, dass es hier auch wieder enden würde.

Kapitel 2 – Ankunft

Deutschland ist anders. Anders als ich es erwartet hatte. Und ganz anders als mein Zuhause.

Alles hier war grau und düster. Dicke Wolken hingen am Himmel. Bestimmt würde es bald regnen. Ich mochte keinen Regen. Ich mochte die drückende Hitze von zuhause. Warum musste ich hier sein? Warum hatten sie mich geholt?

Die Frau vom Jugendamt hielt meine Hand fest in ihrer, als hätte sie Angst, dass ich weglaufen könnte. Aber wo sollte ich schon hin?

Mit der anderen Hand zog sie meinen Koffer hinter sich her.

Ihren Namen hatte ich schon wieder vergessen. Es waren so viele Frauen und Männer von den verschiedensten Ämtern bei mir gewesen, dass ich längst aufgehört hatte, mir ihre Namen zu merken. Ich würde sie heute sehen und dann nie wieder.

Sie begleitete mich heute schon den ganzen Tag. Sie war es gewesen, die mich heute Morgen im Heim abgeholt und mit mir zum Flughafen in Belgrad gefahren war. Immer hatte sie meine Hand gehalten. Aus Angst. Oder Erfahrung, dass die Kinder versuchten, wieder wegzulaufen. Zuhause hatte ich kurz überlegt, wie weit ich wohl kommen würde. Ob ich es wohl schaffen würde? Wie weit würde ich kommen? Wann würden sie mich wieder zurückholen?

Die Antwort wusste ich schon. Sie würden mich finden, ich würde Ärger bekommen und wahrscheinlich würde sich nichts ändern. Oder es würde schlimmer werden. Dabei war mein Leben, wie ich es in Belgrad gehabt hatte, alles andere als schlimm oder unschön gewesen, ganz im Gegenteil. Nur schien das niemand zu verstehen. Ich hatte meine beste Freundin dort. Wann könnte ich sie wiedersehen? Durfte ich das? War so etwas erlaubt? Sie war die einzige Freundin, die ich hatte. Und jetzt musste ich sie zurücklassen.

„Freust du dich schon, Mia? Gleich siehst du deine Eltern wieder“, fragte mich die Frau.

Stumm nickte ich und umklammerte die Tasche in meiner rechten Hand etwas fester. Ich nickte, weil es von mir erwartet wurde. Sie alle sagten, dass ich unheimliches Glück hatte. Eine Adoption mit zehn Jahren und dann auch noch von einem Paar wie den Feldherrs war beinahe ein Wunder. Die meisten Paare wollten kleine Kinder. Babys, die sie von Anfang an großziehen konnten und denen sie erzählen konnten, ihre richtigen Eltern zu sein. Keine kleinen Mädchen, die schon fast ein Teenager waren.

Nicht so Helena und Marvin. Ich wusste nicht, warum sie ausgerechnet mich wollten. Oder ob sie sich das ausgesucht hatten. Die Entscheidung war schon vor zwei Jahren gefallen. Der Prozess hatte sich unendlich in die Länge gezogen und je länger es sich zog, desto mehr klammerte ich mich an die Hoffnung, doch noch bei meiner besten Freundin Bojana in Belgrad bleiben zu können. Die Formalitäten waren schwierig gewesen und bis heute hatte ich daran gezweifelt, dass es tatsächlich funktionieren würde.

Und dann war der Tag da gewesen. Viel zu früh und zu endgültig. Ich wollte wieder zurück. Ich fühlte mich hier fehl am Platz. In einem Land, dessen Sprache ich kaum sprechen konnte. Was hatten sie sich dabei nur gedacht? Warum ausgerechnet ich?

Der Gang schien endlos lang zu sein. Beinahe wünschte ich mir, dass er niemals enden würde. Und dann war sie doch da. Die Tür, hinter der die Menschen auf ihre Liebsten warteten. Egal ob Familie oder Freunde, sie erwarteten sie sehnsüchtig. Warteten Helena und Marvin genauso gespannt auf mich? Sollte ich mich freuen?

„Da drüben sind sie.“ Die Frau deutete überflüssigerweise auf das Paar.

Marvin hatte einen Arm um Helenas Hüfte geschlungen. Die Energie in der Halle war beinahe greifbar. Alle wollten sich wiedersehen. Sie freuten sich auf ihre Liebsten. Helena und Marvin ging es genauso. Sie warteten nur auf mich. Während ich eigentlich nur wieder umdrehen wollte.

„Hallo Helena, hallo Marvin“, begrüßte die Frau das Paar, das ab sofort so etwas wie meine neuen Eltern darstellen sollte.

Ich schaute noch einmal zurück. Die Tür, aus der wir gerade gekommen waren, glitt geräuschlos wieder zusammen. Als wolle sie mir sagen, dass es jetzt zu spät war. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Das hier waren meine neuen Eltern. Mein Zuhause war jetzt bei ihnen.

Bojana hatte mir gesagt ich solle mich freuen, obwohl es sie selbst traurig machte, dass wir uns nicht mehr jeden Tag sehen würden. Vielleicht würden wir uns auch nie wieder sehen. Aber ich sollte mich freuen und sie war glücklich, dass ich die Chance hatte, aus dem Heim herauszukommen und ein besseres Leben zu führen.

Und doch war ich traurig. Ich vermisste Bojana. Ich vermisste das Heim. Dort war ich aufgewachsen, ich hatte nie etwas anderes gekannt.

Alle sagten, dass ich großes Glück hätte. Manche vermuteten sogar, dass ich nur aufgrund meines Vornamens ausgewählt worden war. Mia. Er klang schon so deutsch, weniger serbisch. Als ob es mir das einfacher machen würde. Als ob es irgendetwas geben würde, was es mir einfacher machen würde.

Das gab es nicht. Das würde es nie geben.

„Ich weiß, dass das erst einmal ein Schock für sie ist.“ Die Stimme der Frau drang gedämpft zu mir durch.

Leise setzte ich mich auf den mittleren Absatz der Treppe. Mit angezogenen Knien wartete ich darauf, dass sie weitersprachen.

„Ein ziemlicher. Das ist… wir hätten nicht damit gerechnet. Ich meine… Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben“, hörte ich Marvin sagen. „Wir wollten nur eine Tochter haben und die Familie sein, die wir uns immer gewünscht haben. Dass das…“ Er brach ab.

„Dazu kommt noch die finanzielle Belastung, die Sie angesprochen haben. Wir haben nicht die Mittel, um so etwas zu finanzieren.“ Helena.

Nach mehr als einem Jahr bei ihnen konnte ich ihre Stimmen ohne Probleme zuordnen. Allmählich wurde ich vertraut mit ihnen, doch es dauerte länger, als es ihnen lieb war.

„Es gibt Förderprogramme. Wir tun alles, um großen Talenten die bestmöglichen Bedingungen zukommen zu lassen.“ Ein anderer Mann sprach.

„Und was wären diese… bestmöglichen Bedingungen?“

„Wir haben ein Internat, speziell für die Nachwuchstalente, auf das sie gehen könnte. Dort bekommt sie eine individuelle Betreuung, sie kann ihren Schulabschluss machen und sie hat die Möglichkeit, sich auf ihre spätere Karriere vorzubereiten.“

„Mia ist erst seit einem Jahr bei uns. Wir können sie nicht… Sie können nicht von uns erwarten, dass wir…“

„Wir haben uns schon immer ein Kind gewünscht und es hat lange gedauert, bis wir Mia bekommen haben. Wir möchten einfach ein ganz normales Leben für sie. Dass sie auf eine normale Schule gehen kann und vor allem, dass sie hier bei uns bleibt. Natürlich kann sie Sport machen, wir unterstützen sie dabei, aber wir möchten nicht, dass sie auf ein Internat geht“, erklärte Marvin bestimmt. „Außerdem wäre ein erneuter Umzug nicht gut für sie. Sie hat noch Probleme damit, sich hier zurechtzufinden. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn wir sie ein weiteres Mal aus ihrem Umfeld reißen.“

„Das verstehen wir natürlich auch.“ Die Frau sprach wieder. „Aber vielleicht sollten Sie sich auch an den Gedanken gewöhnen, dass Mia nie ein normales Leben führen wird.“

„Und wenn doch? Wenn sie nur aus Spaß spielt? Ganz ohne Druck?“

„Dann werden Sie Ihrer Tochter die Chance auf eine großartige Zukunft nehmen.“

„Hören Sie, ich verstehe, dass Sie Talente fördern wollen. Aber wir können uns das nicht leisten. Selbst mit den Förderprogrammen ist es einfach nicht möglich“, sagte Helena.

„Auf den Turnieren wird es auch Preisgelder geben.“ Dieses Mal war es der Mann, der sprach.

„Dann wird Mia Druck haben, zu gewinnen, und das möchte ich nicht. Meine Tochter soll in einem liebevollen Umfeld aufwachsen und nicht mit dem Druck, Geld verdienen zu müssen.“

„Hören Sie, Frau Feldherr, vielleicht können wir die Programme noch einmal durchgehen? Es gibt mit Sicherheit eine Lösung, die wir gemeinsam finden können. Es besteht durchaus auch die Möglichkeit, dass sie mit einer eigenen Trainerin hier zuhause trainiert.“

„Die Kosten für eine Privattrainerin können wir nicht tragen, es tut mir leid. Vor allem nicht in dem Umfang, den Sie vorsehen.“

Eine Pause entstand. Ich schloss die Augen. Ich konnte nichts weiter tun, als zu hoffen. Sie konnten mir nicht das Einzige wegnehmen, das mir Spaß machte. Der Sport gab mir Hoffnung. Es war der Höhepunkt meines Tages, meiner ganzen Woche. Wenn sie mir das nehmen würde, was hatte ich dann noch hier?

Als die Frau vom Verband mich vor einigen Wochen angesprochen hatte, hatte ich zuerst an eine Verwechslung geglaubt. Anfangs dachte ich, dass sie es unmöglich ernst meinen könnte, doch sie hatte nicht locker gelassen und jetzt saß ich hier, im Treppenhaus, und belauschte meine Adoptiveltern und die beiden Offiziellen vom Verband. Mit der Hoffnung, dass ich mich noch mehr in den Sport flüchten könnte.

„Wir werden die Kosten übernehmen“, sagte der Mann nach einer gefühlten Ewigkeit des Schweigens.

„Warum tun Sie das? Machen Sie das mit allen Eltern von Kindern, die Sie interessant finden?“

„Nein, nur mit Ihnen. Wir sehen etwas in Ihrer Tochter, das außergewöhnlich ist. Ich habe schon lange kein Mädchen und auch keinen Jungen so spielen sehen wie sie. Mia hat eine Begabung, ein angeborenes Talent, das durch nichts zu ersetzen ist. Wissen Sie, ich habe schon mit einigen Eltern geredet und ihnen musste ich immer das Gleiche sagen. Dass sie Talent haben, dass sie es weit bringen könnten, wenn sie nur hart genug daran arbeiten. Aber bei Ihnen ist es anders. Denn Mia wird es weit bringen, daran besteht kein Zweifel. Vielleicht wird sie sogar die Beste der Welt werden. Wollen Sie ihr das wirklich verbauen? Wollen Sie ihr wirklich diese Möglichkeit nehmen?“

„Wie können Sie das sagen? Sie ist gerade einmal elf Jahre alt geworden. Und sie ist auch noch viel zu jung, um zu wissen, ob sie das überhaupt möchte.“ Verzweiflung schwang in Helenas Stimme mit.

„Frau Feldherr, ich mache diesen Beruf schon seit vielen, vielen Jahren. Ich erkenne ein Talent, wenn ich eines sehe, und in meiner ganzen Laufbahn habe ich noch nie jemanden gesehen, der so ist wie Mia. Ich habe schon einigen Spielern und Spielerinnen eine solide Karriere prophezeit und so ist es auch immer gekommen, aber bei Mia wird es mehr sein. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass sie das Zeug hat, um international alles aufzumischen.“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause. Ein Prickeln durchfuhr meinen Körper. Freudige Erregung. „Und wenn Sie Angst haben, dass es ihr irgendwann zu viel wird, dann reden Sie einfach mit Ihrer Tochter. Was macht sie denn im Moment am liebsten?“

„Tennis spielen.“

„Eben. Und solange das der Fall ist, dann sollten Sie das fördern. In ein paar Jahren kann sie sich noch immer anders entscheiden. Wenn sie in ein paar Jahren keinen Spaß mehr daran hat, dann kann sie noch immer aufhören. Aber bis dahin können Sie sie auch einfach spielen lassen. Irgendwann wird Sie Ihnen vielleicht sehr dankbar dafür sein, dass Sie ihr diesen Weg ermöglicht haben.“

Kapitel 3 – Heute

„Du hast mir nie erzählt, wie unglücklich du warst, als du nach Deutschland gekommen bist.“

„Ich würde es auch nicht direkt als Unglück bezeichnen, dass ich hierhergekommen bin.“ Ich vergrub meine Hände ein wenig tiefer in meinen Taschen. „Helena und Marvin waren wirklich gut zu mir und es hätte mich nicht besser treffen können. Erst der Sprachkurs, dann die Schule und sie haben mir immer geholfen und mich unterstützt. Ich war nur einsam. Irgendwie habe ich es nie geschafft, Freunde zu finden.“

„Nicht einmal in der Schule?“ Ich spürte seinen prüfenden Blick auf mir.

„Du warst bei meiner Abschlussfeier dabei und hast meine Klassenkameradinnen kennengelernt. Hattest du wirklich den Eindruck, wir wären Freunde gewesen?“ Ich schaute weiter geradeaus. Er sollte nicht sehen, dass mir die Tränen in die Augen stiegen.

„Du bist neu in die Klasse gekommen, als du die Stufe wiederholen musstest. Das macht einen Unterschied.“

„In meiner alten Klasse war es nie besser.“ Ich zuckte nur mit den Schultern. „Ich meine, wie hätte es auch gut werden sollen? Ich war immer älter und größer als alle anderen und noch dazu die Neue, eine Ausländerin, die nicht reinpasst und nicht einmal richtig Deutsch kann. Und dann war ich so oft weg. Mein Name stand immer wieder in der Zeitung und die Leute haben über mich geredet und mit dem Finger auf mich gezeigt. Würdest du dich mit so jemandem anfreunden?“

„Offensichtlich habe ich es ja. Und ich habe es nicht bereut.“

Dieses Mal erwiderte ich sein schiefes Lächeln. Es war traurig, dass wir uns all die Dinge erst jetzt sagen konnten. Warum hatten wir es vorher nicht geschafft, miteinander zu reden? Vielleicht wäre dann alles ganz anders gekommen.

Aber was machte ich mir überhaupt Gedanken darüber? Natürlich wäre es nicht anders gekommen. Das, was jetzt passierte, war unvermeidlich. Die ganze Zeit schon. Reden hätte ihm auch nicht weitergeholfen.

„Du hast mir auch nie erzählt, wie du Joe kennengelernt hast.“

„Du mochtest ihn ja auch nicht besonders“, erwiderte ich leise. „Und ich hätte nicht gedacht, dass es dich interessieren könnte.“

„Wir hatten nicht viel Zeit, um uns kennenzulernen, Joe und ich. Genau genommen keine.“

„Du brauchst mir nichts vorzumachen. Es ist schon in Ordnung.“

Schweigend gingen wir nebeneinanderher. Alles um uns herum war still. Ich konnte nur das Knirschen des Asphaltes unter unseren Schuhen hören.

„Also? Wie habt ihr euch kennengelernt? Oder war er auf einmal einfach da?“ Immerhin versuchte er, einigermaßen munter zu klingen.

„Das war 2012. Schon eine ganze Weile her. Und eigentlich hast du Recht. Er war auf einmal einfach da.“ Traurig lächelte ich. Seitdem war viel Zeit vergangen. Mehr als acht Jahre. Und doch waren die Erinnerungen so klar und deutlich wie am ersten Tag. „Damals hat er noch in der Bundesliga gespielt und ich in einer Jugendliga. Ich habe ihn nie gefragt, warum er sich eigentlich mein Match angeschaut hat, er war einfach da. Er hat sich vorgestellt als Joseph Davies und mir zum Sieg gratuliert. Und von da an waren wir irgendwie Freunde.“

„Joe hat in der Bundesliga gespielt?“

„Ja. Er war nicht schlecht, aber er hatte nicht den Ehrgeiz, um ganz nach oben zu kommen. Ich glaube, seine beste Platzierung war um die 300 oder 500 in der Weltrangliste.“

„Das ist immer noch beachtlich.“

„Noch etwas, was du ihm nicht zugetraut hast, oder?“ Ich betrachtete sein Profil. Sein Anblick versetzte mir einen Stich. Er sah noch immer genauso gut aus wie bei unserem ersten Treffen. Wenigstens eine Sache, die gleichgeblieben war. Wenn sich auch der Rest veränderte.

„Ich kannte ihn nur als deinen Sparringspartner.“ Er zuckte mit den Schultern. „Also nein, ich habe es ihm nicht zugetraut.“

„Erinnerst du dich noch an unser erstes Treffen?“, fragte ich leise. Mein Herz schlug schneller.

„Stuttgart 2015 auf dem Lehrgang des ersten Nachwuchskaders. Natürlich erinnere ich mich daran. Wie könnte ich das vergessen?“

„Das ist das Erste, woran du dich erinnern kannst?“

„Dort bist du mir das erste Mal aufgefallen.“

„Hattest du damals nicht eine Freundin?“ In meiner Magengegend kribbelte es. Noch etwas, über das wir nie gesprochen hatten. Und all die Gefühle von damals kamen wieder hoch. Meine Eifersucht zusammen mit der Unsicherheit.

„Ich weiß.“ Lachend fuhr er sich durch die Haare. Er trug sie wieder kürzer, sie gingen ihm bis kurz über die Ohren. „Das eine schließt das andere aber nicht aus. Ich meine, du warst unerreichbar für mich.“

„Ich unerreichbar für dich? Ich würde eher sagen, dass es genau andersrum war“, lachte ich. Für einen Moment war ich wieder dieses junge Mädchen von damals, das zum ersten Mal wirklich verliebt war und einen Jungen nicht aus dem Kopf bekam.

„Nein, nein, ganz bestimmt nicht. Wie und mit welcher Begründung hätte ich dich bitte ansprechen sollen?“

„Keine Ahnung, während dem Training vielleicht? Ich war doch bei deiner Gruppe mit dabei.“

„Als du in meiner Gruppe warst, war ich mit einem verdorbenen Magen auf dem Zimmer und habe den ganzen Tag nur gekotzt.“

„Und das hatte nichts damit zu tun, dass du zu dem Zeitpunkt gerade eine neue Freundin hattest? Wie hieß sie doch gleich? Jana?“, stichelte ich. Selbst jetzt, nach all den Jahren, war die stechende Eifersucht so präsent wie damals. Auch wenn es idiotisch war. Wenn dieser Abend zu Ende war, hätte ich überhaupt keinen Grund mehr, um eifersüchtig zu sein. Und vor allen Dingen nicht das Recht dazu.

„Und das werde ich auch noch weiterhin behaupten“, lachte er. „Ich werde niemals etwas anderes sagen, als dass ich mir den Magen verdorben habe.“

„Es wird nicht besser, je öfter du es erwähnst.“ Das Lachen fühlte sich locker und leicht an. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann wir das letzte Mal so miteinander umgegangen waren. Es hatte diesen einen Punkt gegeben, ab dem es einfach immer kompliziert gewesen war. Irgendetwas hatte uns immer im Weg gestanden. Entweder die Umstände oder wir selbst. Manchmal auch das Leben.

„Okay, lassen wir das. Wir sollten nicht länger darauf herumreiten“, grinste er. „Warum hast du mich nicht angesprochen?“

„Ich war viel zu schüchtern dafür, das hätte ich mich nie getraut. Und es waren immer so viele Leute um uns herum. Ich wollte mich nicht blamieren. Die haben mich doch sowieso schon alle angestarrt.“

„Natürlich haben sie das und das werden sie auch immer tun. Mia, du bist anders als sie. Du warst damals schon besser als alle anderen zusammen und du wirst noch viel besser werden, die sind alle nur neidisch. Also gewöhne dich besser daran, dass du angestarrt wirst. Und es sollte dich doch auch nicht verwundern, so wie du aussiehst.“

Meine Wangen wurden heiß. Wann hatte er mir das letzte Mal ein Kompliment zu meinem Aussehen gemacht? „Ich habe es einfach geliebt, zu spielen. Mehr nicht.“ So war es schon immer und so würde es immer sein.

„Du hast es geliebt? Tust du es nicht mehr?“

„Doch. Wobei es mittlerweile vielleicht mehr eine Hassliebe geworden ist.“ Ich führte es nicht weiter aus. Wir wussten beide, warum ich es hasste, dass ich den Sport liebte.

Wieder sagte keiner von uns beiden etwas. Es war beängstigend ruhig und still um uns herum. Als wären wir die einzigen Menschen auf dieser Welt.

„Das erste Mal bist du mir in Kamen aufgefallen. Du weißt schon, im zweiten Nachwuchskader auf irgendeinem Lehrgang. Da war ich gerade dreizehn Jahre alt oder so. Ich glaube, dass ich danach Joe und Michelle ziemlich auf die Nerven gegangen bin. Ich kannte nicht einmal deinen Namen und hab dich nur ein einziges Mal für ein paar Minuten gesehen und trotzdem war ich fasziniert von dir. Zwei Wochen lang habe ich keinen einzigen Ball mehr getroffen.“ Verlegen lachte ich auf. Und doch kribbelte mein ganzer Körper wieder bei der Erinnerung. Damals war alles so viel einfacher gewesen. Ich hatte mir weniger Gedanken machen müssen. Vielleicht war ich damals auch glücklicher gewesen.

„Das hast du mir nie erzählt“, lachte er. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich heute noch so spannende Dinge erfahre.“

„Hätte es etwas geändert?“

„Keine Ahnung. Wahrscheinlich nicht“, seufzte er. „Weißt du, woran ich mich gerne erinnere?“

„Nein. Aber ich habe so das Gefühl, dass du es mir gleich erzählen könntest.“

„Ganz richtig.“

„Also? Ich warte.“

„Biberach. 2016. Und natürlich Australien 2017.“

„Warum ausgerechnet das? Mir fallen so viele andere Dinge ein.“

„Da hast du das erste Mal mit mir gesprochen.“

Kapitel 4 - Jasper

„Das neue deutsche Wunderkind ist geboren!“

„Mia Jeksimovic verhilft dem deutschen Tennissport zurück zu altem Glanz!“

„Ganz großes Talent mit ganz falschem Umfeld?

Mit gerade einmal 16 Jahren mischt Mia Jeksimovic die Tennisszene auf. Nach ihrem überragenden Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften schickt sie sich nun auch in Australien an, Großes zu vollbringen. Experten trauen ihr in naher Zukunft sogar einen Sieg bei einem Grand Slam zu. Immer mehr Kenner der Szene zweifeln jedoch stark daran, sollte sich nicht bald etwas an ihrem Umfeld ändern. Jeksimovics Trainerin ist selbst kaum älter als sie und hat nur wenig Erfahrungen vorzuweisen. Ob sie wirklich die richtige Ansprechpartnerin für ein großes Talent wie Jeksimovic ist, ist stark zu bezweifeln. Noch dazu kommt die zweifelhafte Anwesenheit ihres Freundes Joseph Davies, der sie auf allen ihren Turnieren begleitet und stets an ihrer Seite ist. Davies selbst war aktiver Tennisspieler, der seine Karriere vor knapp einem Jahr beendete. Ist das wirklich der richtige Umgang für ein Wunderkind wie Jeksimovic?“

„Sorgen um unser Tennissternchen!

Mia Jeksimovic ist ohne Frage DAS Talent des deutschen Damentennis. Auch international wird sie schon hoch gehandelt. Ein Grund, der uns allerdings in höchste Alarmbereitschaft versetzen sollte, ist ihre Beziehung zu dem rund sechs Jahre älteren Joseph Davies. Längst gibt es Gerüchte darüber, dass er jeden ihrer Schritte kontrolliert. Eine Insiderin berichtet, dass er sie keine Sekunde lang aus den Augen lässt und sie zu jedem Spiel begleiten muss. Die Frage ist jedoch, warum Jeksimovics Eltern diese kranke Beziehung überhaupt zulassen. Davies ist mehr als nur ein Kontrollfreak, sondern scheint auch noch ein ausgeprägtes Interesse an Kindern zu haben. Zum Zeitpunkt des Kennenlernens der beiden war Jeksimovic gerade einmal zwölf Jahre alt – ein erstes Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmen kann in dieser Beziehung!“

„Jetzt renn schon, Mia, wir sind spät dran!“

„Das wären wir nicht, wenn du den Wecker gestellt hättest!“

„Du hättest auch daran denken können“, versetzte Joe. „Es ist immerhin dein Date.“

„Bisher hast immer du dich darum gekümmert.“ Mit einer Hand fuhr ich mir durch meine langen, schwarzen Haare. Es durfte nicht wahr sein. Wir waren jetzt schon zehn Minuten zu spät. Hoffentlich war er nicht sauer. Hoffentlich wartete er auf mich. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Übelkeit machte sich in mir breit. Ich träumte schon so lange davon und jetzt, nach drei Jahren, war es endlich so weit.

Er durfte nicht wütend sein. In Gedanken schickte ich ein stummes Stoßgebet gen Himmel, während wir uns durch die Menschenmassen drückten, die zwischen den Plätzen hin- und herliefen. Es durfte nicht zu spät sein.

Angefangen hatte es vor mittlerweile fast vier Jahren. Ich erinnerte mich noch ganz genau an diesen Tag. Es war kurz nach meinem dreizehnten Geburtstag gewesen auf einem dieser Lehrgänge des Deutschen Tennis Bundes, die verpflichtend waren für die Mitglieder der Nachwuchsförderung. Normalerweise trainierte ich in einer reinen Mädchengruppe im Stützpunkt in Kamen. An diesem Tag, einem Freitagnachmittag, hatte ich das erste Mal Jungs auf der Anlage gesehen. Zwei, um genau zu sein.

Sie hatten auf dem Platz neben uns gespielt. Ich hatte gerade meine Tasche abgestellt und wollte mich bereit machen für das Trainingsspiel, als ich ihn gesehen hatte. Damals kannte ich seinen Namen noch nicht. Ich hatte ihn nur gesehen und konnte nicht mehr wegschauen. Er hatte etwas, das mich irgendwie faszinierte und anzog. Im Nachhinein fiel es mir schwer, es genauer zu beschreiben oder überhaupt in Worte zu fassen, was mich an diesem Jungen anzog. Ich hatte nicht aufhören können, ihn anzustarren. Seine rotblonden Locken waren mir vom ersten Moment an aufgefallen. Schon damals hatte er sie etwas länger getragen als die anderen in seinem Alter. Vielleicht war er mir gerade deswegen aufgefallen, aufgrund seiner Locken.

„Schau nicht so auffällig da rüber. Der ist sowieso schon arrogant genug“, hatte eines der Mädchen aus meiner Trainingsgruppe gemeint.

Überrascht hatte ich sie angeschaut. Es war das erste Mal in zwei Jahren, dass irgendjemand von den anderen mit mir gesprochen hatte. Danach war mein Blick nur noch ein letztes Mal zu dem benachbarten Platz gegangen. Als ich eine Weile später erneut hinübergeschaut hatte, waren sie schon nicht mehr dort gewesen. Und für einen Moment hatte ich auch geglaubt, dass er nur eine Einbildung gewesen war.

„Jetzt machen wir uns nicht weiter verrückt. Er wird bestimmt Verständnis haben“, redete Joe mir gut zu. Er hielt meinen Arm fest, damit wir uns in dem Gewimmel nicht verloren.

Ich ärgerte mich selbst darüber, dass ich der Uhrzeit zugestimmt hatte. Es war der dritte Tag der Australian Open und es fanden noch immer unglaublich viele Matches parallel statt. Ich hätte mir denken können, dass die Hölle los war. Und zu allem Überfluss hatte er einen Platz vorgeschlagen, der weit abgelegen und am anderen Ende der Anlage lag.

„Ich bin sonst immer pünktlich. Er wird mit Sicherheit einen schlechten Eindruck von mir haben.“ Ich biss mir auf die Lippe. Er sollte nicht schlecht von mir denken. Dachte er überhaupt irgendetwas von mir? Oder gab es einen bestimmten Grund, warum er ausgerechnet mich gefragt hatte? Es gab ein Dutzend anderer Linkshänder auf der Tour, aber er hatte mich gefragt. Hatte das etwas zu heißen? War das ein Zeichen?

„Kleiner Zwischenspurt, auf geht’s.“

Ohne meinen Oberarm loszulassen, sprintete Joe los und zwischen zwei Plätzen hindurch. Meine Gedanken wanderten zurück zu dem zweiten Mal, als ich ihn gesehen hatte. Es war vor nicht ganz zwei Jahren gewesen. Ich hatte seinen Namen erfahren und seitdem standen seine Initialen überall auf meinen Schulheften.

Es hatte fast zwei Jahre gedauert, bis ich ihn ein weiteres Mal getroffen hatte. Wieder auf einem der Lehrgänge. Mittlerweile war ich vom zweiten in den ersten Nachwuchskader aufgestiegen und die Lehrgänge fanden in Stuttgart statt, was mir nur entgegenkam. Die Fahrt von meinem Zuhause in Freiburg nach Stuttgart waren deutlich kürzer und angenehmer. Ganz im Gegensatz zu dem Umgang mit den anderen Mädchen meiner Altersklasse. Schon mit fünfzehn war ich nicht nur einen Kopf größer, sondern auch besser als viele andere von ihnen, was meine Position als Außenseiterin nur noch verstärkte. Sie sahen in mir eine Konkurrentin, die deutlich bevorzugt wurde von allen Verantwortlichen. In meinen Augen war es totaler Unsinn, ich musste genauso hart arbeiten wie alle anderen auch, vielleicht noch härter als alle anderen. Dass Kinder und Jugendliche wirklich grausam sein konnten, hatte ich damals schon gemerkt. In der Schule war ich genauso eine Außenseiterin wie auf den Lehrgängen. Nach all den Jahren war ich daran gewöhnt, meine Ruhe zu haben. Es störte mich nicht einmal mehr.

Ich wusste noch ganz genau, dass es ein Samstag gewesen war, als ich seinen Namen erfahren hatte. Neben uns Mädchen trainierte zeitgleich noch eine kleine Gruppe an Jungs mit uns auf dem Gelände. Unsere Trainerin hatte mich für den Samstag den Jungs zugeteilt, was die anderen Mädchen aus meiner Gruppe nur darin bestärkte, dass ich eine Sonderbehandlung bekommen würde.

Ich war dankbar dafür, dass ich eine Weile Abstand von ihnen bekommen würde. Der Neid und die Abneigung von ihnen schlug mir immer und überall entgegen. Dass es mit den Jungs besser werden würde, konnte ich nur hoffen.

Der Trainer war nett. Er hatte mich abgeholt, bevor seine eigentlichen Schützlinge am Platz eintrafen und sich vorgestellt und mir erklärt, worum es ging. Doppel und die Arbeit am Netz. „Hast du schon einmal im Doppel gespielt, Mia?“, hatte er mich gefragt, woraufhin ich nur den Kopf geschüttelt hatte. Um im Doppel zu spielen, musste man Teil eines Teams sein. Etwas, was ich noch nie gewesen war. Weder hier auf den Lehrgängen noch zuhause im Club.

„Wie steht es dann um dein Netzspiel?“

„Ab und an treffe ich den Ball.“ Nervös hatte ich meinen Schläger in meiner Hand immer wieder von links nach rechts gerollt.

„Gut, dann haben wir ja etwas, woran wir arbeiten können.“ Der Trainer hatte nur genickt. Sekunden später hatten sich auch die anderen Jungs auf dem Platz blicken lassen.

„Sorry für die Verspätung, Coach!“, rief einer der beiden Jungs ihm schon von weitem zu. Der Rotblonde war nicht unter ihnen.

Ich wusste noch, dass ich etwas enttäuscht gewesen war. Insgeheim hatte ich doch darauf spekuliert, ihn vielleicht an diesem Wochenende wieder sehen zu können. Und in meiner Magengegend hatte es etwas gekribbelt bei dem Gedanken, dass ich mit ihm zusammen im Doppel spielen könnte und vielleicht hätte sich auch die Möglichkeit ergeben, ein paar Worte zu wechseln.

„Wo habt ihr Jasper gelassen?“

„Der ist noch auf seinem Zimmer und kotzt sich gerade die Seele aus dem Leib“, hatte der gleiche der beiden Jungs gesagt, während er gleichzeitig seinen Schläger aus der Tasche geholt hatte.

„Chris, bitte achte auf deine Wortwahl. Das geht auch anders“, hatte der Coach ihn getadelt.

„Sorry.“ Chris hatte nur grinsend mit den Schultern gezuckt und mir zugezwinkert. „Ich meine natürlich, dass der ehrenwerte Herr Reid ein intensives Kennenlernen mit der Kloschüssel hat.“

Der Trainer ignorierte es geflissentlich. „Gut, also, dann sind wir nur zu dritt heute. Jungs, das ist Mia. Mia, das sind Chris und Markus. Vielleicht beehrt uns Jasper dieses Wochenende dann auch noch mit seiner Anwesenheeit“, hatte der Trainer gebrummt. Ich hatte ihm deutlich angesehen, dass er alles andere als begeistert war.

„Oh, das glaube ich nicht. Er hat alles andere als gut ausgesehen vorhin. Ich wäre wirklich froh, wenn ich ihn nicht mehr sehen müsste in den nächsten Tagen“, hatte Markus eingeworfen.

„Seine Lebensmittelvergiftung hängt nicht zufälligerweise mit einem gewissen Mädchen zusammen, das auf seinem letzten Turnier mit dabei war?“

Beide Jungs hatten sich daraufhin angeschaut und synchron mit den Schultern gezuckt. Doch Chris‘ Mundwinkel hatten verdächtig gezuckt. „Ich weiß von nichts.“

„Natürlich nicht. Verdammter verwöhnter Bengel“, hatte der Trainer nur gebrummt und dann war keine weitere Zeit mehr für Gespräche geblieben.

Seit der Name Jasper gefallen war, hatte ich die leise Ahnung, dass er der Rotblonde sein könnte. Jasper. Jasper Reid. Es passte.

Meine Vermutung hatte sich erst am nächsten Tag bestätigt, als ich mit den anderen Mädels Schnelligkeitstraining machte. Die Jungs hatten gleichzeitig zwei Plätze weiter ein Trainingsmatch ausgetragen. Irgendwann später war eine weitere Person auf der Tribüne aufgetaucht. Ich hatte ihn sofort erkannt. Die rotblonden Locken würde ich auch nach Jahren wieder erkennen.

Jasper.

Eine Gruppe Touristen bremste uns wieder aus. Mein Atem ging schneller und mein Puls raste. „Und wenn er mich nicht leiden kann?“, fragte ich Joe.

„Dann musst du ihn nie wiedersehen.“ Er zuckte mit den Schultern. Geschickt schlängelte er sich zwischen den Menschen hindurch. „Es gibt genug Menschen hier auf der Anlage und im Hotel, dass du ihm aus dem Weg gehen kannst.“

„Joe!“, beschwerte ich mich. Er war alles andere als hilfreich. Meine eigene Unsicherheit und meine Zweifel nagten an mir. Dass ich Jasper attraktiv fand und irgendwie auch auf ihn stand, war lange kein Geheimnis mehr. Zumindest nicht für Joe. Er wusste es schon, seit ich das erste Mal von Jasper erzählt hatte. Für so etwas hatte er einen siebten Sinn.

„Warum sonst hätte er dich fragen sollen?“

„Ich bin Linkshänderin“, erwiderte ich automatisch.

„Ja und? Neunzig Prozent aller Spieler und Spielerinnen auf der Tour spielen mit rechts.“

„Vielleicht ist sein nächster Gegner Linkshänder?“, schlug ich vor.

„Ist er nicht. Ich habe recherchiert“, bemerkte Joe trocken.

In meiner Magengegend begann es zu kribbeln. Es erschien mir irgendwie unwirklich und komisch. Oder hatte es doch etwas zu bedeuten?

Vor uns tat sich wieder eine Lücke auf und wir setzten ein weiteres Mal zu einem Zwischensprint an. Allzu weit konnte es nicht mehr sein.

Vor einem knappen Monat hatte ich Jasper das letzte Mal gesehen. Wir hatten beide bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Biberach gespielt und hatten auch jeweils unsere Konkurrenzen gewonnen.

Irgendein Journalist hatte es als das „Jahr der Teenager“ betitelt. Ich war gerade einmal sechzehn Jahre alt gewesen, als ich bei den Damen den Einzeltitel gewonnen hatte. Dort hatte ich auch erfahren, dass Jasper nur zwei Jahre älter war als ich. Und dort hatten wir auch das erste Mal miteinander gesprochen. Gemeinsam hatten wir nebeneinandergestanden, mit unseren Trophäen in der Hand posierten wir für die Fotografen. Ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals so aufgeregt gewesen zu sein. In meiner Magengegend hatte es gekribbelt und mir war übel gewesen. Von nahem hatte Jasper noch viel besser ausgesehen. Seine Haare trug er nun länger, die Locken gingen ihm bis über die Ohren. Er war kaum größer als ich, wir waren beinahe auf Augenhöhe.

„Dein Freund?“, hatte er mich gefragt, während wir so dastanden. Joe hatte es sich nicht nehmen lassen, laut durch die Finger zu pfeifen, als wir unsere Pokale bekommen hatten.

„Deine Freundin?“, hatte ich die Gegenfrage gestellt. Mir hatte die ganze Zeit über nicht aus dem Kopf gehen wollen, was die Jungs auf dem Lehrgang gesagt hatten und die Rothaarige war kaum zu übersehen, die ihm von der Tribüne aus zuwinkte.

„Ich habe zuerst gefragt.“ Seine Mundwinkel hatten gezuckt und er hatte mich direkt angeschaut.

Mir hatte es die Sprache verschlagen. Er stand nur wenige Zentimeter von mir entfernt. Mein ganzer Körper kribbelte. Stumm schüttelte ich nur den Kopf. Ich glaubte nicht, dass ich irgendetwas sagen konnte. Mein Kopf war wie leergefegt.

„Ja“, hatte er mir nur meine Frage beantwortet.

Mein Blick war automatisch wieder zu der Rothaarigen auf der Tribüne gewandert.

„Und wenn sie auch da ist?“, fragte ich Joe. Wir waren fast dort, wurden durch eine größere Gruppe wieder zum Gehen gezwungen.

„Warum sollte sie da sein?“ Joe schnaubte. „Komm schon, die kann dir nicht das Wasser reichen.“

Verlegen lachte ich auf. Da hatten wir sehr verschiedene Ansichten. Ich glaubte nicht, dass ich so hübsch war wie die Rothaarige. Und deutlich introvertierter. Sie hatte da auf der Tribüne gesessen und Jasper Luftküsse zugeworfen. Ich hatte es nicht einmal mehr geschafft, danach noch irgendein Wort mit ihm zu wechseln. Ich hätte auch nicht gewusst, was ich zu ihm sagen sollte.

Seitdem hatte meine Schwärmerei für Jasper Reid einen Dämpfer erhalten. Er war also vergeben und meine Schwärmerei und Träumerei würde nichts anderes sein als das, was es eben war. Ein Traum.

„Warum hätte er dich fragen sollen, wenn er sie noch immer hat? Du hast doch keine Ahnung, was in der Zwischenzeit passiert ist“, redete Joe mir weiter Mut zu.

„Warum hätte er sich von ihr trennen sollen? Wir haben fünf Worte gewechselt“, warf ich ein. Es würde doch keinen Sinn machen. Wir kannten uns nicht. Wir hatten uns drei Mal gesehen. Also ich hatte ihn so oft gesehen. Ob ich ihm aufgefallen war auf den Lehrgängen? Bestimmt nicht. Weshalb auch? Ich war die Außenseiterin, für mich hatte niemand etwas übrig.

„Du machst dich unnötig verrückt, Mia. Pass auf, das wird sich schon alles geben. Du musst ihn nicht gleich heiraten“, bemerkte er. „Du könntest natürlich schon, wäre aber vielleicht etwas übertrieben. Ihr könntet auch damit anfangen, dass ihr euch einfach kennenlernt. Und dann kann alles passieren.“

„Ich verstehe nur nicht, warum er mich gefragt hat. Gestern, du weißt schon.“ Nervös biss ich mir auf der Unterlippe herum.

„Vielleicht findet er dich interessant und will dich kennenlernen? Du weißt schon, wie bei Andre Agassi und Steffi Graf.“

„Du bist ein Träumer, Joe“, lachte ich. Das nervöse Kribbeln in meiner Magengegend wurde immer schlimmer.

„Nicht ich träume schon seit fast vier Jahren von dem gleichen Typen. Bei mir waren es immer andere“, grinste er. „Da vorne ist es, los, wer zuerst dort ist.“

„Mia! Mia, warte kurz!“

Überrascht hatte ich innegehalten und mich umgedreht. In meiner Magengegend hatte es wieder zu kribbeln begonnen. Ich hatte mich nicht getäuscht. Es war seine Stimme und die würde ich immer und überall erkennen. Obwohl wir nur ein einziges Mal miteinander gesprochen hatten. Ich hörte mich schon fast an wie ein verrückter Stalker.

„Hi“, hatte er mich mit einem Grinsen begrüßt. Seine Wangen waren etwas gerötet. Wie lange er mir wohl schon hinterhergerannt war? Seine rotblonden Locken waren zerzaust, ein paar Strähnen klebten ihm verschwitzt an der Stirn. „Ich meine, herzlichen Glückwunsch. Zur Qualifikation und zu deinem Sieg heute. Du warst super.“

„Danke.“ Verlegen hatte ich gelächelt und den Träger meiner Tasche zurechtgerückt. Es war mir unangenehm gewesen und ich hatte nicht so recht gewusst, wie ich damit umgehen sollte. Joe hatte Michelle weitergezogen, sodass Jasper und ich mehr oder weniger ungestört waren.

„Also, ich wollte dich eigentlich fragen, ob du… für morgen schon Pläne hast. Ich meine, ich suche jemanden, der mit mir morgen ein paar Bälle schlägt. Und da dachte ich, vielleicht hättest du Lust?“

Ich hatte nur kurz gezögert. Michelle hatte strenge Trainings- und Regenerationspläne für mich. Sie würde hoffentlich nichts gegen eine kurze Einheit haben. „Ich denke, das geht klar.“

„Super. Cool, ich freue mich.“ Sein Lächeln war breiter geworden. „11 Uhr dann? Ich reserviere einen von den kleinen Courts.“

„Okay.“ Das Kribbeln in meiner Magengegend war immer stärker geworden.

„Okay.“

Unschlüssig hatte ich die Träger meiner Tasche fester umklammert. Wie verhielt ich mich richtig? Was hatte ich zu tun? Die ganze Situation hatte mich überfordert. Sollte ich einfach weggehen? Wie in Biberach? Oder erwartete er, dass ich noch irgendetwas sagte? Und warum war Joe nicht hier, um mich zu retten?

„Also dann, sehen wir uns morgen. 11 Uhr.“

„Ich werde es nicht vergessen. Ich… ich muss dann jetzt auch weiter. Joe und Michelle warten auf mich.“

„Natürlich. Ich will dich nicht länger aufhalten. Ich freue mich auf morgen.“

Mit einem unsicheren Lächeln hatte ich mich verabschiedet und war weitergegangen zu Michelle und Joe, die nur ein paar Meter weiter auf mich gewartet hatten. Joe hatte anzüglich mit den Augenbrauen gewackelt, woraufhin ich natürlich sofort rot geworden war. Michelle hatte, wie immer, keine Regung erkennen lassen.

„Na, hast du ein Date?“

Meine Wangen mussten regelrecht geglüht haben. „Er hat mich gefragt, ob wir morgen zusammen ein paar Bälle schlagen. Ich hoffe, dass das in Ordnung ist?“

Zum Glück hatte sie nur mit den Schultern gezuckt. „Schaden wird es dir bestimmt nicht. Vielleicht ist es gut für deine Konzentration in der nächsten Runde.“ Und dann hatte sie etwas getan, was absolut untypisch für sie war: Sie hatte mir zugezwinkert.

Fast zwanzig Minuten zu spät kamen wir endlich an dem Platz an. Mein Puls raste. In meiner Magengegend kribbelte es, als ich ihn dort auf dem Platz sah. Gleichzeitig wurde mir übel, als ich sie neben ihm erkannte.

„Sie ist bei ihm“, murmelte ich Joe zu. Ich zögerte, bevor ich den Platz betrat. Keiner der Anwesenden hatte uns bisher bemerkt. Noch könnte ich wieder gehen.

„Na und? Dann zeig ihr mal, wie es richtig geht“, raunte er mir zu. „Und jetzt rein mit dir. Ich warte hier draußen.“

Joe schubste mich geradezu durch die Tür zu dem Platz. Er selbst lehnte sich außen an die Absperrung.

Unsicher blieb ich am Rand stehen. Jasper stand mit dem Rücken zu mir und hatte mich noch immer nicht bemerkt, ganz im Gegensatz zu den beiden Erwachsenen, die mir gegenüber auf einer der beiden Bänke neben dem Schiedsrichterstuhl saßen. Bei ihrem Blick zuckte ich zusammen. Am liebsten wäre ich auf der Stelle wieder nach draußen gegangen und hätte mich irgendwo versteckt. Nur war verstecken nahezu unmöglich bei knapp einem Meter und achtzig Körpergröße, selbst zwischen all den Touristen und anderen Spielern fiel ich auf. Mein Herz schlug schnell in meinem Brustkorb. Die beiden Erwachsenen schüchterten mich ein und verunsicherten mich. Ob das seine Eltern waren?

Zögernd warf ich einen Blick zurück zu Joe, der mir zu verstehen gab, dass ich zu Jasper hingehen sollte. Jasper stand hinter dem Mädchen, seiner Freundin, und führte ihren Arm, in dem sie einen Tennisschläger hielt.

„Du kannst das soooo gut, Jasper“, säuselte sie.

Meine Knie zitterten und ich hätte am liebsten wieder umgedreht. Alles in mir sagte, dass ich hier nicht hingehörte und die beiden allein lassen sollte.

Die Rothaarige drehte sich um und warf Jasper einen schmachtenden Blick zu. Sie war es auch, die mich entdeckte. Ich konnte ihr Stirnrunzeln genau erkennen.

Ich bemühte mich um ein Lächeln, das sie nicht erwiderte. Ganz im Gegenteil, die Falten auf ihrer Stirn wurden tiefer und sie wirkte irgendwie verärgert. Ihre Lippen bewegten sich kurz und nur Sekunden später drehte Jasper den Kopf.

„Mia! Hey, da bist du ja.“ Er lächelte. Kurz glaubte ich, dass er auf mich zukommen wollte, doch die Anwesenheit seiner Freundin schien ihn davon abzuhalten.

„Ja, tut mir leid für die Verspätung.“ Nervös fuhr ich an den Trägern meiner Tasche entlang. „Wollen wir gleich anfangen?“

„Ich warte dann drüben bei deinen Eltern. Vergiss nicht, was dich später erwartet.“ Den letzten Satz hauchte die Rothaarige Jasper nur zu, doch es war immer noch laut genug, dass ich sie hören konnte.

Verlegen wandte ich den Blick ab, als sie ihre Hand in Jaspers Nacken legte und ihn lange küsste. Dass ihre Hand lange auf seinem Hintern lag, bevor sie sich dann doch umdrehte und in Richtung Bank ging, entging mir trotzdem nicht. Er schaute ihr hinterher, als sie zurück zur Bank ging und ich konnte auch nicht anders. Sie war hübsch, das stand außer Frage. Ihre engen Klamotten betonten ihre Figur, die schmale Taille und den wohlgeformten Po und die schlanken Beine. Es war kein Wunder, dass Jasper auf sie stand.

Er räusperte sich und sofort gehörte ihm meine ganze Aufmerksamkeit. Ich hoffte nur, dass er nicht gesehen hatte, wie ich seiner Freundin hinterhergeschaut hatte. „Entschuldige bitte, Jana ist manchmal etwas…“

„Schon gut. Du brauchst nichts zu erklären.“ Ich lächelte unsicher. Was sollte ich dazu schon sagen? „Und es tut mir wirklich leid, dass ich so spät bin. Joe hat vergessen, den Wecker zu stellen“, entschuldigte ich mich ein weiteres Mal.

„Du bist ja noch gekommen. Ich dachte schon, du würdest mich versetzen.“ Er blinzelte mir zu.

„Nein.“ Meine Wangen wurden wieder rot. „Es war wirklich einfach…“

„Schwamm drüber.“ Jasper machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du bist da und ich bin da und ich glaube, dass das im Moment das Wichtigste ist.“ Seine grünen Augen funkelten.

Stimmt, seine Augen waren von einem leuchtenden Grün. Es war mir schon in Biberach aufgefallen, als wir kurz geredet hatten. Zu schnell war das wieder in Vergessenheit geraten.

Ich nickte. Wieder einmal war ich überfordert mit allem. Was sollte ich darauf erwidern? Wie sollte ich mit allem umgehen? „Welche Seite willst du?“, fragte ich wenig geistreich. „Also auf dem Platz.“ Meine Wangen mussten mittlerweile dunkelrot sein.

Doch er grinste bloß. „Ich bleibe hier, dann musst du nicht in die Sonne schauen.“

„Okay.“ Ich lächelte zögerlich. Es war nett. Und doch irgendwie unbedeutend, oder? „Dann stelle ich noch kurz meine Tasche ab“, murmelte ich. Mit gesenktem Blick ging ich zu der leeren Bank. Immerhin stolperte ich nicht. Meine Handgriffe waren geübt, ich hatte schon unzählige Male meine Tasche abgestellt, den Reißverschluss aufgezogen und mein Racket herausgezogen.

Ich bemühte mich, weiterhin ruhig und gleichmäßig zu atmen. Was hatte ich da eigentlich für komische Sachen geredet? Mein Kopf fühlte sich schon wieder so vernebelt an. Warum konnte ich keinen klaren Gedanken fassen, wenn er in der Nähe war? Es war nur eine Schwärmerei. Eine unbedeutende, kleine Schwärmerei, die keine Zukunft hatte. Er hatte eine Freundin.

Ich wusste nicht, was ich von der Verabredung heute erwartet hatte. Wir trainierten nur ein wenig zusammen. Nichts weiter. Und mit diesem Gedanken ging ich auf die andere Seite des Platzes. Die Blicke der drei Zuschauer spürte ich in meinem Rücken. Ich wusste nicht, was sie schon über mich gehört hatten. Oder ob sie etwas über mich wussten. Und ich wollte es nicht wissen.

„Bereit?“, rief Jasper mir über das Netz hinweg zu.

In meiner Magengegend kribbelte es. Ich nickte. Ich war mehr als bereit.

Die Zeit verging wie im Flug. Wir redeten nicht während den Ballwechseln und keiner von uns zog die Schläge voll durch. Ich traute mich nicht und ich hatte das Gefühl, dass es ihm genauso ging. Zum Glück, sollte ich wahrscheinlich noch hinzufügen, denn so hatte ich die Gelegenheit, um ihn etwas zu beobachten während wir locker die Bälle über das Netz schlugen. Er bewegte sich geschmeidig und locker und ich schaute ihm wirklich gerne zu. Jasper wirkte konzentriert und fokussiert, obwohl das alles einen wirklich lockeren Charakter hatte.

Die Stunde ging viel zu schnell um. Mir kam es so vor, als hätten wir nur ein paar Minuten gespielt, da machte der Mann auf der Bank, vermutlich Jaspers Vater, eindeutige Zeichen in Richtung seines Sohnes.

„Jasper, wir müssen weiter“, rief er einige Minuten später über den Platz. Er stand auf, die Hände in die Hüften gestemmt.

Entschuldigend lächelte Jasper in meine Richtung und kam ans Netz nach vorne. Etwas langsamer kam ich ihm entgegen. Ich wollte nicht, dass es jetzt schon vorbei war. Nicht, wenn ich nicht wusste, ob ich ihn wiedersehen würde.

„Danke, dass es geklappt hat“, sagte er leiser und lächelte mir zu. Zum üblichen Handshake hielt er mir die Hand über das Netz hin.

„Mich auch“, erwiderte ich ebenso leise. „Viel Erfolg dann bei deinem Spiel morgen.“

„Danke, dir auch und…“, er zögerte und schaute wieder zu seinem Vater hinüber, der ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden tippte. „Also, wenn du magst und wir wieder in Deutschland sind, könnten wir uns ja nochmal treffen und ein bisschen trainieren. Ich bin ganz gut auf Sand.“

„Das wäre… schön“, sagte ich und rollte meinen Schläger wieder in meiner linken Hand hin und her. Ob er wohl gehört hatte, dass ich auf Sand eine absolute Niete war? Hatte er sich das extra gemerkt? Wieder begannen die Schmetterlinge in meinem Bauch zu flattern.

„Gibst du mir deine Telefonnummer? Dann kann ich dich anrufen oder wir schreiben, wie es bei dir passt.“

Mein Herz schlug schon wieder schneller. Das war hoffentlich kein Traum und auch keine Einbildung. Stumm nickte ich. Ich hätte keinen Ton herausgebracht.

„Gut, dann hole ich kurz mein Handy und wir tauschen die Nummern, ja?“, lächelte er. Mit schnellen Schritten ging er zu der Bank mit seinen Eltern und seiner Freundin. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass sie ein paar Worte miteinander wechselten. Der Mann sah nicht begeistert aus, nickte dann aber doch und ging mit den beiden Frauen zusammen in Richtung Ausgang.

Schnell verstaute ich meinen Schläger in meiner Tasche und zog den Reißverschluss zu. Jasper war nur eine Minute später wieder neben mir. „Ich… ich habe mein Handy gerade nicht bei mir“, entschuldigte ich mich und spielte nervös an dem Reißverschluss meiner Tasche herum.

„Macht nichts. Dann kannst du mir einfach deine Nummer geben und ich schreibe dir dann, okay?“ Er lächelte noch immer.

Das Kribbeln in meiner Magengegend wurde immer stärker. Ging es ihm nur um Training? Oder steckte vielleicht mehr dahinter? Vielleicht war es meine Fantasie, die mit mir durchging. Sofort kam mir auch wieder die rothaarige Jana in den Sinn. Es war definitiv meine blühende Fantasie. Es dauerte nicht lange und da hatte ich ihm meine Handynummer diktiert. Ohne noch weiter darüber nachzudenken, was ich da eigentlich tat.

„Gut, dann drücke ich dir morgen die Daumen.“

„Danke.“ Verlegen wandte ich meinen Blick ab. „Dir auch noch viel Erfolg.“

„Und entschuldige das schnelle Ende. Mein Vater ist zeitweise etwas…“

„Er will nur das Beste für dich“, ergänzte ich leise und mit einem nervösen Lächeln. So wie Helena und Marvin es für mich wollten.

Jasper zögerte. „Ja, so könnte man es sagen. Ich muss jetzt weiter. Wir sehen uns spätestens in Deutschland wieder.“

Zurückhaltend erwiderte ich das Lächeln. Deutlich langsamer schulterte ich meine Tasche und ging in Richtung Ausgang, wo Joe auf mich wartete. Jasper war längst wieder verschwunden zwischen all den anderen Menschen.

„Habe ich das gerade richtig gesehen? Hat er etwa deine Telefonnummer bekommen?“, hakte Joe neugierig nach.

Deutlich gemütlicher machten wir uns wieder zurück auf den Weg in Richtung der Shuttles. Wir hatten keinen Zeitdruck und keine anderen Termine heute.

„Irgendwie schon.“

„Und? Warum das? Unter welchem Vorwand?“, bohrte er weiter nach.

Unschlüssig hob ich die Schultern. „Damit wir was ausmachen können in Deutschland. Er ist gut auf Sand. Ich nicht.“

„Oh, eine gute Idee“, lachte Joe. Er wirkte überaus gut gelaunt. „Ich wette mit dir, dass es nicht bei einem Training bleiben wird.“

„Das müssen wir sowieso erst noch mit Michelle abstimmen, wenn es denn zeitlich passt“, schränkte ich sofort ein. Ich hätte seinen Optimismus gerne geteilt, aber so war ich einfach nicht. Mir fehlten diese sprühende Freude und Begeisterung, die Joe ausmachte.

„Ich denke, dass Michelle froh ist, wenn es irgendjemanden gibt, der dir freiwillig helfen möchte.“

„Hey, so schlecht bin ich nicht“, verteidigte ich mich.

„Nicht so schlecht, ja. Es geht noch schlimmer“, lachte Joe.

Leise seufzte ich auf. Er hatte recht. Ich hatte noch so viele Schwachstellen. Es gab noch zu viel, an dem ich arbeiten musste und ich hatte so wenig Zeit dafür.

„Hey, so war das nicht gemeint und das weißt du auch.“ Joe legte mir den Arm um die Schultern und drückte mich aufmunternd. „Jetzt sei nicht so. Du bist besser, als du denkst.“

„Hm“, machte ich nur. Das war etwas, was ich den Leuten um mich herum noch nie geglaubt hatte. Diverse Menschen hatten mich schon als Wunderkind bezeichnet, als ein außergewöhnliches Talent, manche sogar als das Talent des Jahrzehntes. Allen voran die Verantwortlichen vom Deutschen Tennis Bund. Das war vor fast sechs Jahren das Argument gewesen, das mich überhaupt erst hierhergebracht hatte. Dabei fühlte ich mich gar nicht so. Ich hatte einfach Spaß am Sport und am Spiel. Ich liebte es, zu spielen und ich liebte es noch mehr, dass ich das tun konnte, was mir eine solche Freude bereitete. Ich war nicht außergewöhnlich, ich war ein ganz normales Mädchen, das gerne Tennis spielte. Mehr nicht.

Die erste Nachricht von Jasper bekam ich am nächsten Tag, nur eine Stunde nach meinem Sieg gegen Katharina Ryser, die lange Zeit die beste deutsche Tennisspielerin gewesen war. Vergangenes Jahr hatte ich noch sehr deutlich gegen sie verloren, heute waren die Voraussetzungen ganz andere gewesen. Ich war selbst überrascht davon gewesen, wie schnell und leicht das Match dann vorüberging. Ein Sieg, den ich selbst nicht erwartet hätte.

Der erfolgreiche Mittag zusammen mit der Nachricht von Jasper versetzte mich in Hochstimmung, auch wenn es vorerst nur bei dieser einen Nachricht bleiben sollte. Ein simpler Glückwunsch zu meiner tollen Leistung, doch das reichte schon aus, damit ich den ganzen Tag mit einem breiten Grinsen durch die Gegend lief.

Noch am gleichen Abend telefonierte ich mit Helena und Marvin. Beide hatten zu viel auf der Arbeit zu tun, um für mehrere Wochen mit nach Australien zu fliegen, sie hatten mir aber versichert, dass sie meine Spiele am Fernseher verfolgen würden. Sie vertrauten Michelle und Joe bedingungslos und das schon seit Jahren. Ich war selbst erstaunt darüber, dass sie mich so problemlos über längere Zeit ans andere Ende der Welt fliegen ließen. Andererseits hatte es nie zur Debatte gestanden, dass ich zuhause bleiben könnte. Ob es letztendlich Druck seitens des Verbandes war oder ob sie mir einfach nicht im Weg stehen wollten, konnte ich nicht sagen.

Das war aber eine Sache, die ich an meinen Adoptiveltern unglaublich schätzte. Und auch, dass sie mich so annahmen, wie ich war. Denn das war nicht das, was sie erwartet hatten, als ich vor sechs Jahren zu ihnen gekommen war. Ich hatte mich nicht zu dem Mädchen entwickelt, das sie erwartet und sich zu einem gewissen Teil auch gewünscht hatten.

Ich war niemand, mit dem Helena shoppen gehen konnte und auch niemand, mit dem sie beide am Wochenende lange Radtouren unternehmen konnten. Ich war das genaue Gegenteil und es war alles andere als einfach für sie, damit umzugehen. Und doch unterstützten sie mich bei allem so gut es ging und meistens eben von zuhause aus.

Ein weiterer Punkt war auch das Geld. Wir sprachen nie darüber, was es für sie für ein finanzieller Aufwand war, mir dieses Leben zu ermöglichen. Die Flüge, die Hotels, die Kosten für Kleidung, Schläger und Ausrüstung. Einen großen Teil übernahm der Deutsche Tennis Bund mit seiner Nachwuchsförderung, doch es blieb noch immer genug an Helena und Marvin hängen. Einmal hatte ich ein Gespräch zwischen den beiden mitbekommen, das eindeutig nicht für meine Ohren bestimmt gewesen war. Und seitdem nahm ich mir vor, dass ich besser spielen würde. Je mehr Preisgeld ich gewann, desto weniger mussten sie bezahlen. So konnte ich ihnen vielleicht ein bisschen etwas von dem zurückgeben, was sie für mich taten. Wenn ich schon nicht das Mädchen war, das sie sich gewünscht hatten, dann konnte ich ihnen wenigstens auf diese Weise etwas Gutes tun.

Am nächsten Morgen rechnete ich noch halb mit einer neuen Nachricht von Jasper, ob wir vielleicht noch einmal zusammen trainieren würden. Die Nachricht blieb aus und ich erfuhr erst später von Joe, dass Jasper sein Zweitrundenspiel verloren hatte. Die Enttäuschung hielt zum Glück nicht lange an und stattdessen klammerte ich mich geradezu an den Gedanken, dass wir uns in Deutschland wiedersehen würden.

Kapitel 5 – Heute

„Was fandest du eigentlich an ihr?“

„An Jana?“

Ich nickte nur. Es versetzte mir auch nach all der Zeit immer wieder einen Stich, wenn ich an seine Ex-Freundin dachte. Eigentlich sollte es mich nicht mehr interessieren, es war so viel passiert seit unserem ersten Treffen in Australien. Wir hatten viele gemeinsame Jahre zusammen gehabt und mehr geteilt, als Jana und Jasper es je hatten. Warum also sollte ich noch eifersüchtig auf sie sein?

„Naja, sie sah schon nicht schlecht aus. Und meine Eltern haben sie akzeptiert. Das war einer der Hauptgründe. Ich hätte ewig gebraucht, bis ich wieder ein Mädchen gefunden hätte, mit dem meine Eltern einverstanden gewesen wären.“

„Und du hast es nicht geschafft“, bemerkte ich leise. Er hörte es nicht. Es war besser so. „Definitiv die beste Grundlage für eine Beziehung.“

„Haben wir darüber nicht schon oft genug diskutiert?“, seufzte er.

„Entschuldige. Es ist irgendwie…“

„Du bist noch immer eifersüchtig?“

Ich erwiderte nichts darauf. Mein Schweigen war Antwort genug. Das konnte ich sowieso besser, ruhig sein, anstatt irgendetwas zu sagen.

„Ich war es auch“, seufzte er nach einigen Minuten der Stille.

„Du? Auf wen denn?“ Verdutzt schaute ich ihn an. Das war etwas, das überhaupt nicht zu ihm passte.

„Auf Joe.“

„Aber Joe war…“

„Ja, er war schwul, allerdings wusste ich das lange nicht“, unterbrach er mich. Ein gereizter Unterton lag in seiner Stimme. „Aber bei euch war noch so viel mehr. Sei doch ehrlich, Joe und du, ihr wart euch näher, als wir beide es uns je waren.“

„Nein, das stimmt nicht. Joe und mich hat etwas anderes verbunden als uns beide.“

„Am Ende war es auch Liebe.“ Traurig lächelte er. „Es gibt viele Arten der Liebe, Mia, nicht nur die romantische.“

„Und darauf warst du eifersüchtig? Ich meine, er konnte dir nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen“, bemerkte ich.

„Das hast du jetzt aber nett gesagt“, lachte er, wurde aber schnell wieder ernst. „Nein, er… er war immer bei dir und er hat dich zum Lachen gebracht. Und das konnte ich nie. Bei uns hat doch von Anfang an die Lockerheit gefehlt. Das, was zwischen Joe und dir eben war und das hätte vieles einfacher gemacht.“

„Es war ja auch nicht deine Aufgabe, oder? Mich zum Lachen zu bringen.“

„Nein. Doch. Ich hätte es gerne geschafft. Es gehört doch zu einer guten Partnerschaft dazu, findest du nicht?“

„Du redest unsere gemeinsame Zeit schlecht“, stellte ich nüchtern fest.

„Nein, das war nicht meine Absicht. Wirklich nicht. Es war… ich war nicht immer einfach.“

„Es war nie besonders einfach“, ergänzte ich leise, den Blick auf den Boden gesenkt. Es hatte aufgehört zu schneien.

„Es ist doch verdammt beschissen“, fluchte er. Ich zuckte zusammen, er bemerkte es nicht. „Ich meine, was soll das? Ich liebe dich so sehr, verdammt nochmal. Von der ersten Sekunde an, in der ich dich gesehen habe, wollte ich mein Leben mit dir verbringen. Ich hatte mir nie vorstellen können, ohne dich zu sein. Und doch zieht es uns auseinander.“

„Meinst du, wir hätten irgendetwas anders machen können?“ Traurig lächelte ich. Ich konnte ihn verstehen. Wir fühlten beide das Gleiche. Und dennoch hatte nur er die Kraft, um es auch laut auszusprechen.

„Vieles. Nur hätte es nichts mehr geändert.“

„Das hatten wir vorhin auch schon einmal“, sagte ich leise. „Wir drehen uns im Kreis.“

„Wieder einmal“, seufzte er. Sein Atem stieg in einer weißen Nebelwolke vor ihm auf. „Wann haben wir das eigentlich nicht getan?“

„Ganz am Anfang.“ Vorsichtig lächelte ich. „Erinnerst du dich nicht mehr?“

„Welchen Anfang meinst du?“

„Als du noch Jana hattest und ich Joe.“

Kapitel 6 – Joseph

„Abartig, widerwärtig und einfach nur ekelhaft!“

„Mia Jeksimovic war jahrelang nur sein Alibi!“

„Joseph Davies hat sogar seine Freundin hinters Licht geführt!

Joseph Davies (23), der bekannt ist als fester Freund unserer großen deutschen Tennishoffnung Mia Jeksimovic (16), hat sich offiziell als homosexuell geoutet! Davies wurde mit einem jungen Mann gesichtet, den er auf der offenen Straße geküsst und danach mit in seine Wohnung genommen hat (s. Fotos unten). Nicht nur, dass er damit Jeksimovic, mit der er immerhin jahrelang liiert war, betrogen hat, nein, er hat ihr offensichtlich noch nicht einmal von seiner Vorliebe für das männliche Geschlecht erzählt. Jeksimovic selbst hat sich noch nicht zu ihrer Beziehungskrise geäußert. Es bleibt zu hoffen, dass sie unbeschadet daraus hervorgeht!“

„Wie viel wusste Mia Jeksimovic über das geheime Doppelleben ihres Freundes?“

„Überdenkt Jeksimovic jetzt endlich die Zusammenstellung ihres Teams? Wann wird sie endlich professionell werden?“

„Was sagen Jeksimovics Eltern zu der absurden Beziehung zu Joseph Davies?“

„Wie lange will sich Jeksimovic noch mit dieser abstoßend kranken Person abgeben?“

„Was sagt es über Jeksimovic aus, wenn sie so viel Zeit mit einer Person verbringt, die so widerwärtig ist? Was können wir überhaupt noch von ihr erwarten?“