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Josi lebt ihren Traum! Mit ihrem fast perfekten Ehemann Henry, ihrer Jugendliebe, wohnt sie im Eigenheim im schönen Kerningen. Mit der Schwangerschaft ihres gemeinsamen Wunschkindes, scheint das Glück perfekt. Diese Idylle wird jäh unterbrochen, als Henrys Sandkastenfreundin Nea wieder auf der Bildfläche erscheint und die Harmonie durcheinanderwirbelt. Doch Josi ist fest entschlossen ihr Glück festzuhalten. Wird es ihr gelingen?
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Seitenzahl: 385
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Corinna Friedel
Endlich richtig angekommen
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Impressum neobooks
Corinna Friedel
Endlich richtig angekommen
Corinna Friedel
Endlich richtig angekommen
Roman
Impressum
Texte: © 2020 Copyright by Corinna Friedel
Umschlag: © 2020 Copyright by Corinna Friedel
Verantwortlich
für den Inhalt: Corinna Friedel
Uhlandstr.874251 Lehrensteinsfeld
Druck: neobooks – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin
Plopp. Ok. Ich bin mir nicht gaaanz sicher ob es das ist was ich tatsächlich denke. Aber ich glaube schon. Es fühlt sich ziemlich danach an. Es ist alles nass. Oh mein Gott!
Die Fruchtblase ist geplatzt!
Jetzt ganz ruhig bleiben, nicht in Panik verfallen. Ich versuche verzweifelt, mich daran zu erinnern, was als Erstes zu tun ist. Gar nicht so leicht in dieser doch nicht alltäglichen Situation, wie ich merke. Meine Schlafanzughose klebt unangenehm und am Rücken wird es auch schon etwas feucht.
Ich werde als Erstes meinen Mann wecken. Es ist mitten in der Nacht, kurz vor null Uhr. Wir sind erst vor ein paar Minuten eingeschlafen.
„Schatz…“, flüstere ich. Frau will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. „Schaaaatz…?“ Keine Reaktion. Merkt er denn nicht an meinem Tonfall, dass es jetzt ernst wird? Männer, denke ich, habe aber nicht allzu viel Zeit mir darüber den Kopf zu zerbrechen, da es im unteren Bauchbereich doch anfängt, stärker zu ziehen. Wehen! Das ging ja schnell. „SCHATZ, WACH AUF!“
„Mmhhh…“, Henry brummt im Halbschlaf.
„Die Fruchtblase ist geplatzt!“, sage ich nun doch in etwas gereiztem Tonfall. Notiz an mich: Ich wollte versuchen in Stresssituationen ruhig und besonnen zu reagieren.
„Was? Deine Blase ist geplatzt?“, kommt es von der anderen Bettseite ungläubig zurück.
„Henry! Meine Fruchtblase! Nicht meine Blase, herrje!“
Mein Mann springt förmlich aus dem Bett und ruft „Ja! Dann geht´s jetzt los, worauf wartest du, wir müssen ins Krankenhaus!“
„Jetzt ganz in Ruhe, Schatz, so schnell werden Kinder nicht geboren. Ich muss mich zumindest noch anziehen.“
Spontan beschließe ich, dass es durchaus Sinn machen könnte, auch nochmal unter die Dusche zu hüpfen, vor der bevorstehenden Geburt. Man will schließlich nicht schon vollkommen verschwitzt und verklebt dort ankommen. Quasi schon „durch“ und am Ende, bevor man sich richtig angestrengt hat.
Mein Mann glaubt nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Duschsession ist. Er fängt an zu lamentieren und wie ein aufgescheuchtes Huhn durchs Bad zu laufen. Bevor er mich umstimmen kann, stehe ich aber schon unter dem prasselnden Wasserstrahl.
Es dauert nochmal gut rund dreißig Minuten, bis ich mich mit dem großen Bauch, den zunehmenden Schmerzen, der doch sehr schwierigen Überlegung „Was ziehe ich jetzt tatsächlich an zu diesem besonderen Anlass?“, ins Auto manövriert habe.
„Josi, hast du alles, können wir los?“ Unsicher blickt mich Henry von der Seite an.
„Ja“, schnaufe ich, „kann losgehen.“ Bereits nach ein paar Minuten bereue ich die Duschaktion. Jetzt tut es nämlich schon ganz schön weh. Als wir endlich gegen kurz vor ein Uhr nachts im Kreißsaal ankommen, kann ich schon fast nicht mehr sprechen, da sich die Wehen offenbar munter die Klinke in die Hand drücken.
Die nächsten Stunden ziehen an mir vorüber. Ich versuche mich krampfhaft an meinen Plan zu erinnern. „Komm schon, Josi“ spreche ich mir Mut zu. „Du schaffst das! Du musst dich nur an den Ablauf halten“.
„Aaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhh“, unterbricht mein eigener Schrei diesen Gedanken. Okay, wer um Himmelswillen hat gesagt, dass eine Geburt das schönste Ereignis im Leben einer Frau ist?
Acht Monate zuvor…
Ich sitze im Büro und starre auf meinen Monitor. „Josi?“, meine Kollegin Susi schaut mich fragend an. „Ist alles okay bei dir? Du bist so blass. Und du hast seit mindestens zwanzig Minuten nicht mehr geblinzelt.“
„Oh“, erschrocken drehe ich mich zu ihr um. Susi und ich sind schon sehr lange Kollegen. Genau genommen seit rund fünfzehn Jahren. Wir haben beide nach dem Studium hier unser Volontariat begonnen. Seither sind wir befreundet. Susi ist im Ressort Politik. Ich bin zuständig für den Teil Lokales.
„Du, alles gut. Mir ist heute nur etwas flau im Magen. Und ich komme nicht weiter an meinem Artikel über den Bau der neuen S-Bahn- Trasse.“
Susi mustert mich weiter von der Seite. „Hattest du Streit mit Henry?“, fragt sie mich.
„Nein, wie kommst du denn darauf?“ Ich versuche mich an einem Lächeln.
„War nur so eine Frage “, gibt Susi zurück und wendet sich wieder ihrem Laptop zu. Meine Gedanken schweifen wieder ab….
Susi kann ich eh nichts vormachen. In letzter Zeit hatten Henry und ich tatsächlich schon die ein oder andere Auseinandersetzung. Das ist echt mehr als untypisch für uns. Allgemein gelten wir als DAS Vorzeigepaar schlechthin in unserem Freundeskreis. Wir sind gefühlt schon ewig zusammen. Kennengelernt haben wir uns vor mittlerweile rund zwanzig Jahren. Henry war zwei Klassen über mir. Noch heute, mit fünfunddreißig, denke ich immer noch gerne an den Moment zurück, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Rückblickend muss man sagen, dass es wohl nicht unbedingt Liebe auf den ersten Blick war. Ich war fünfzehn und habe ihn für die Schülerzeitung interviewt. Thema: Zukunftspläne nach dem Abitur. Ich fand ihn von Anfang an toll. Groß, aber nicht zu groß, schlank. Schwarze Haare und große braune Augen, die mich sofort in ihren Bann gezogen haben. Ich glaube, ihm ging es nicht ganz so. Ich war zu dem Zeitpunkt eher der Typ „graue Maus“. Zu dünn, lange braune Haare, braune Augen, Sommersprossen, langweilige Klamotten und irgendwie unscheinbar. Dass dieses Auftreten gar nicht zu meinem eigentlichen Charakter passt, hat Henry dann nach mehreren Aufeinandertreffen - Folgeinterviews für die Schülerzeitung - auch gemerkt.
„Du bist einer der fröhlichsten und ehrlichsten Menschen, die ich kenne“, war ein prägender Satz während unserer Kennenlernphase. So ähnlich müsste man auch Henry beschreiben. Er ist allerdings deutlich introvertierter als ich. Anders ausgedrückt: Wenn ich dabei bin, ist sein Redeanteil deutlich niedriger. Und er ist, im Gegensatz zu mir, ein absoluter Ruhepol. Ich bin oft ein bisschen hektisch, lauter und quirliger. Wir ergänzen uns einfach gut.
Seit dieser Zeit sind wir unzertrennlich. Wir machen wirklich alles zusammen. Na gut, nicht ganz. Manches. Wir haben ehrlich gesagt etwas unterschiedliche Interessen, was absolut nicht schlimm ist. Ich lese gerne - er nicht, berufsbedingt quasi. Er beschäftigt sich gerne mit Technik - ich nicht. Auch berufsbedingt. Er hat IT - Informatik studiert und arbeitet in einem großen schwäbischen Unternehmen. Ich liebe Kochen über alles. Henry liebt mein Essen über alles. Sportlich sind wir, na ja… nicht ganz auf einer Wellenlänge. Ich bewege mich, weil ich muss oder sollte. Gesundheit ist mir sehr wichtig und allein schon, um die nicht zu gefährden, muss ich mich halt bewegen. Wollen tu ich eher nicht. Vom Wollen her bin ich eher der gemütliche Typ. Hyggelig wie man heute so schön sagt. Nein, es hat nichts mit Hügeln zu tun. Es ist das dänische Wort für „Gemütlichkeit“. Ein absoluter Trend im Moment. Das dänische Lebensgefühl zu Hause einrichten, quasi. Henry ist da etwa anders. Er schafft gerne. Schaffen ist das schwäbische Wort für arbeiten. Es kann sich um den Beruf handeln oder um alle anderen anfallenden Arbeiten. In Henrys Fall steht es für alle handwerklichen Arbeiten in und ums Haus. Wir haben vor einigen Jahren ein hyggeliges Häuschen in seinem Heimatort gekauft. Umgebaut haben wir vieles selbst. Wenn ich „wir“ sage, meine ich in diesem Fall hauptsächlich Henry. Aber seit der Hochzeit vor zehn Jahren sagt man ja eigentlich „wir“. Er ist da einfach deutlich begabter als ich und auch fleißiger. Nicht, dass es jetzt den Eindruck erweckt, ich sei faul. Das wirklich nicht. Aber körperliche Arbeiten, die über Gartenarbeit hinaus gehen, sind mir ein Gräuel. Hier kann ich ja ehrlich sein. Im Normalfall behaupte ich nämlich steif und fest, dass dem nicht so ist. Trotzdem habe ich geholfen, wenn möglich.
Da ich aber nicht wirklich begabt bin, war es nicht so oft möglich. Leider. Henry ist ein richtiger Schwabe, was das Schaffen angeht, auf jeden Fall. Er kann halt auch fast alles Handwerkliche. Außer Silikonfugen. Sag ich. Sagt er aber auch selbst. Unser Häuschen ist mittlerweile fertig. Innen wie außen. Und wir lieben es einfach! Es ist idyllisch! Fünfzigerjahre. Innen durch den Umbau schön luftig. Mit einer alten Holztreppe und im Obergeschoß tolle, alte, knarzende Dielen. Wir haben einen schönen Kontrast zwischen Alt und Neu geschaffen, wie ich finde.
Unser Haus liegt in Henrys Heimatdorf Kerningen, im Einzugsgebiet von Stuttgart, rund fünfzig Kilometer entfernt. Schön ländlich in der sogenannten Schwäbischen Toskana. Sanft eingebettet in Hügeln mit Weinanbau. Das Dörfchen hat gerade mal zweitausend Einwohner, wächst aber dank seiner Lage im Stuttgarter Umland stetig.
Da ich nicht vom Dorf komme, sondern aus der nächstgelegenen Kreisstadt, war es anfangs doch ein wenig schwierig, bis ich mit allen dörflichen Gepflogenheiten vertraut war. Die übliche Frage am Anfang „Wo ghörschn du no?“, soll direkt die Zugehörigkeiten innerhalb der Dorfgemeinschaft klären. Die Antwort auf diese Frage ist meist ein begeisterter Ausruf „Ach, Henrys Frau!“
Ebenfalls sehr wichtig, ist eine Vereinszugehörigkeit in irgendeiner Form. Das ist leider nicht so mein Ding. Daher habe ich mich eher halbherzig überreden lassen, dem Tennisverein beizutreten. Ab und zu schaffen es Henry und ich sogar mal ein paar Sätze zu spielen. Die meiste Zeit allerdings sind wir einfach Mitglieder, mit allen Rechten und Pflichten.
Mir gefällt es hier auf jeden Fall sehr gut. Es ist einfach toll, seine Nachbarn zu kennen. Das ist ja in der Stadt leider oft nicht der Fall. Wir haben hier kurze Wege zum Bäcker, Friseur. Ein kleines Lebensmittelgeschäft mit allem, was man braucht. Es gibt einen schönen Kindergarten und eine Grundschule. Eine Sparkasse gibt es auch. Das wird uns Schwaben oft nachgesagt, dass das besonders wichtig für uns ist. Sparen, sparen, Häusle bauen und so.
Ich bin in diesem Bereich auch kein typischer Schwabe. Ich finde schon, dass wir es unserer heimischen Wirtschaft schuldig sind, einen Teil unseres Einkommens auch wieder in diesen Kreislauf einzubringen. Henry ist da in manchen Bereichen bei mir. Im Bereich Deko und Raumgestaltung vermutlich nicht ganz so, wie im Bereich Elektronik.
Irgendwann hat auch der längste Arbeitstag ein Ende und ich verabschiede mich eilig aus der Firma. Mein Weg führt mich direkt zur nächstgelegenen Drogeriefiliale. Ich laufe, nach außen entspannt, durch die Gänge, um dann möglichst unauffällig, am Regal mit den Pflastern und Verbänden, stehen zu bleiben. Ich recke meinen Hals so weit wie möglich nach links, um die Auslage mit den Schwangerschaftstests zu sondieren. „Hi Josi, na bist du auch am Einkaufen?“ Erschrocken zucke ich zusammen und drehe mich um. Vor mir steht ausgerechnet mein Ressortleiter! Der hat mir hier nach Feierabend gerade noch gefehlt. „Hi Micha, grüß dich. Ja, ich, äh, hab meine Hausapotheke überprüft, weißt du. Das sollte man dringend sehr regelmäßig tun“, hasple ich weiter. Lässig lehne ich mich an das Pflasterregal.
„Ja, auf jeden Fall“, kommt es nicht ganz überzeugt von Micha zurück. „Geht´s dir denn gut? Du bist doch sehr blass, das ist mir heute im Büro schon aufgefallen.“
„Blass? Ja…ha ha“, Ich versuche, schnell ein Lachen einzuschieben. „Ich habe vermutlich Eisenmangel, nichts weiter“, versuche ich ihn abzulenken, damit sein Blick nicht direkt auf das Regal mit den Schwangerschaftstests gelenkt wird, das direkt neben den Pflastern platziert ist. Und was soll ich sagen, das funktioniert prima. Micha ist bei uns in der Firma bekanntlich sehr gut informiert im Bereich Gesundheit, beziehungsweise glaubt es zu sein. Man könnte auch zweifelsohne sagen, er ist ein völliger Hypochonder. Wie aufs Stichwort schaut er mich mit großen Augen und einem bedauernden Blick an. „Oh oh, Josi, Eisenmangel. Damit ist auf keinen Fall zu spaßen, weißt du. Am Anfang mag das ja noch gehen, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es recht bald schlimmer wird. Zu Beginn bist du müde und fühlst dich schlapp, aber dann…“ Den Rest höre ich nicht mehr so genau. Das ist die einzige Taktik, um Michas Gesundheitsvorträge schnell hinter sich zu bringen. Und immer schön nicken und lächeln. Als wir uns endlich verabschieden ist fast schon eine halbe Stunde vergangen. Es ist schon viertel acht - schwäbischer Ausdruck für Viertel nach sieben, ob am Morgen oder am Abend ist dabei egal.
Ich beeile mich und kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen.
Henry hat einen Abendtermin und so bleibt mir genug Zeit in Ruhe - okay, davon kann natürlich keine Rede sein, sagt man halt so - den Schwangerschaftstest anzuschauen.
Klingt eigentlich ganz einfach. Schutzkappe abziehen, draufpinkeln, nach einer Minute das Ergebnis ablesen. Minus: nicht schwanger, plus: schwanger. Sollte machbar sein. Ich starre auf den Test. Nach exakt einer Minute ist immer noch das Minus - Zeichen zu sehen. Kein zweiter Strich, der das Ganze ein Plus werden lässt. Das macht mich ganz schön traurig. Dann soll es wohl noch nicht geklappt haben. Ich werfe den Test in den Mülleimer. Und fange an zu Googlen. Schwangerschaftstest falsch negativ. Scheint es zu geben, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Vielleicht taugt das Fabrikat nichts? Schon wahrscheinlicher, wenn man den vielen Usern einschlägiger Foren Glauben schenken möchte. Kurz bevor Henry heimkommt, halte ich es nicht mehr aus und krame den Test doch nochmals aus dem Müll. Und siehe da, mehr zu erahnen als zu sehen: ein Plus! Ein leichter Hoffnungsschimmer macht sich in mir breit. Was, wenn es doch geklappt hätte? Im selben Moment höre ich die Haustüre ins Schloss fallen.
„Hey Schatz!“, begrüßt mich Henry und nimmt mich in den Arm. „Hattest du einen schönen Tag?“
„Ja“, antworte ich. “Nichts Besonderes bis gerade.“
Ich mache eine bedeutungsschwangere Pause und lächle. Und warte auf seine Reaktion. Er müsste doch jetzt spüren, was los ist, oder? In Filmen und Büchern sind das stets die Reaktionen, die auf so etwas folgen. Den Gefallen tut mir Henry heute nicht. Er ist schon auf dem Weg Richtung Wohnzimmer und lässt sich mit einem erleichterten Seufzer auf unsere Wohnzimmercouch fallen.
„Was meinst du damit?“, fragt er und schaut mich neugierig an. Nicht zu fassen! Man sollte doch meinen, dass zwischen Seelenverwandten etwas mehr Kommunikation zwischen den Zeilen stattfindet. Ja, gut, das mit der Seelenverwandtschaft sage ich. Ich bin mir nicht sicher, ob Henry das auch so sieht. Oder überhaupt weiß, dass es so etwas gibt und wie cool das ist. Kann man in jedem Ratgeber zum Thema „Wie perfekt ist meine Beziehung?“ nachlesen.
Ich gebe mich geschlagen und verschwinde mit einem kurzen „Warte!“, im Badezimmer. Mit triumphierendem Blick halte ich ihm den Schwangerschaftstest unter die Nase. Gespannt warte ich seine Reaktion ab.
„Mhhmm...“, brummt er. „Josi, ich kann da nichts sehen. Er sieht für mich negativ aus.“
„Neeeein…“, Ich erkläre ihm gutmütig, dass man eben momentan noch sehr genau hinschauen muss. Als er das nicht so ganz glauben mag, mache ich kurzen Prozess und baue das Ding auseinander. Wer sich jetzt nach dem Sinn des Ganzen fragt, dem kann ich nur ein mildes Lächeln schenken. Jeder, der sich halbwegs in „Wie werde ich Schwanger“ Foren auskennt weiß, dass man so das Ergebnis besser sehen kann.
Wir starren also beide am Fenster gegen das Licht - Das ist wichtig! - auf das Stäbchen. Mein Herz rast. Eindeutig positiv!!!!!!!!
Mein Höhenflug wird jäh von einem immer so realistischen Henry unterbrochen.
„Ähh, Schatz, müsste das dann nicht gut zu sehen sein, das Pluszeichen?“. Er schaut mich vorsichtig an.
„Ja, weißt du, es ist ja noch ganz frisch. Da ist es dann auch einfach noch ganz zart“ Ich gehe strahlend über seinen Einwand hinweg. „Das bedeutet, wir bekommen ein Baby Schatz!!!!freust du dich denn gar nicht? Das ist die Kirsche auf der Schwarzwälder Torte unserer Beziehung!“
Wo sind denn die Freudentränen? Ich beobachte ihn sehr genau. Da ist nix, muss ich feststellen. Er sieht mich ganz lässig an. Naja, das kommt bestimmt beim ersten Ultraschall. Ich bin da realistisch. Sobald er sein Baby auf dem Monitor sieht, wird er sich nicht mehr halten können.
Am nächsten Morgen wache ich völlig gerädert auf. Henry und ich saßen noch den restlichen Abend zusammen gekuschelt auf der Couch. Und haben geredet. Über unsere Ängste, Sorgen, aber vor allem Freuden. Wir hoffen sehr, dass wir die Krise, die wir in letzter Zeit hatten, jetzt hinter uns lassen können. Ich war recht schnell verzweifelt, als es mit der Schwangerschaft nicht gleich klappen wollte, Henry war tiefenentspannt. Fast die ganze Zeit. Die Stimmung ist allerdings gekippt, als ich ihm damals einen Termin beim Urologen ausgemacht habe. Ohne zu fragen. Blöd im Nachhinein. Wir haben uns jetzt jedenfalls ausgesprochen und sind wieder in der Spur.
Als ich aus der Dusche steige und meinen noch flachen Bauch im Spiegel anschaue, muss ich unwillkürlich lächeln. Ein Baby! Allein die Vorstellung macht mich überglücklich. Ich betrachte meinen Körper mit anderen Augen. Meine braunen Haare, die mich an normalen Tagen wahnsinnig machen, weil sie nie so liegen wie sie sollen, leuchten heute schöner als sonst und liegen sanft auf meinen Schultern auf. Mit meinen braunen Augen bin ich ganz zufrieden. Meine Sommersprossen leuchten mich an. Heute stören mich nicht mal die kleinen Polster an Bauch, Hüfte und Oberschenkel. Die Schwangerschaft stimmt mich offensichtlich milde, meinen zahlreichen vermeintlichen Makeln gegenüber.
Nach einem kurzen Frühstück mit Henry fahre ich mit meinem alten, türkisfarbenen VW - Bus namens Lotte, Richtung Redaktion. Ich liebe dieses Auto! Wir sind seit meiner bestandenen Fahrprüfung mit achtzehn Jahren ein großartiges Gespann. Mit Lotte sind Henry und ich schon weit umhergereist. Wie schön das erst sein wird mit Baby….
Als ich am Schreibtisch sitze wird mir langsam bewusst, dass jetzt eine schwierige Zeit kommt. Ich muss auf den Frauenarzttermin in vier Wochen warten. Da bin ich dann in der neunten Woche. Erzählen vom Baby wollen wir erst in der zwölften Woche. Das sind summa summarum noch sieben Wochen. Oh weia, das kann heiter werden. Geduld zählt bekanntlich nicht zu meinen überragenden Eigenschaften.
Gegen Feierabend muss ich schon die erste Schwierigkeit in dieser Hinsicht meistern. Mein Kollege und gleichzeitig bester Freund Nicolas, von allen nur Nic genannt, stürmt gut gelaunt in unser Büro. Nic ist bei allen sehr beliebt. Er ist der Typ „Sunnyboy“, gut gebaut, blond, grüne Augen und immer gut gelaunt. Er streckt mir seine Hand entgegen und strahlt mich an. „Naaaaa?“.
„Hi Nic, wie naaa?“, gebe ich feixend zurück. Er wedelt mit der linken Hand, da fällt es mir auf. Ein schöner Ring in Silber steckt an seinem Ringfinger. „Oh, Nic! Soll das heißen Jan hat dich endlich gefragt?“
„Ja, gestern, es war so romantisch!“, seufzt er und schaut träumerisch. „Deshalb möchte ich gleich mit meinen Lieblingskollegen anstoßen, ich hoffe, du hast einen Moment Zeit für mich?“
„Ja natürlich. Gibt es schon einen Termin für die Hochzeit?“, frage ich, während ich Nic fest an mich drücke.
„Am 10. August. Wir werden auf Schloss Monrepos heiraten mit allem Drum und Dran. Ach, Josi davon habe ich so lange geträumt und jetzt soll es endlich so weit sein“, schwärmt Nic. „Schloss Monrepos! Stell dir vor – wie im Märchen. Ich und mein Prinz! Ich muss dir das unbedingt alles in Ruhe erzählen, du wirst es nicht glauben, wie er mir den Antrag gemacht hat“. Nic kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus. Wir verabreden uns für den nächsten Abend in unserer Stammkneipe. Nick verabschiedet sich, nicht ohne vorher meine Zusage für den kurzen Sekt Empfang am Abend einzuholen.
Innerlich seufzend stimme ich zu.
Als sich nach Feierabend alle unsere Kollegen im Büro versammeln und Nick die freudige Nachricht mit uns teilt, bekomme auch ich automatisch ein Glas Sekt in die Hand gedrückt. Das bringt mich jetzt etwas in die Bredouille. Ich stelle das Glas so unauffällig wie möglich in einem unbeobachteten Moment zur Seite, und nehme mir stattdessen ein Glas O - Saft. Auf einmal steht unser Ressortleiter Micha neben mir.
„Josi, bist du krank? Normalerweise bist du doch einem guten Tropfen nicht abgeneigt, oder?“, Micha hat die Stimme gesenkt „Ist es wegen der Sache mit dem Eisen die du mir anvertraut hast?“ So sehr er mich mit seinem lauernden Blick nervt, der nur darauf wartet, dass ich noch mehr Schauergeschichten zu meiner Gesundheit hinter dem Ofen hervorzaubere, so froh bin ich. Micha hat mir die beste Ausrede auf dem Silbertablett geliefert. Ich beeile mich ihm zu versichern, dass er absolut Recht hat. Das Eisen. Eisen und Alkohol passt nicht zusammen, Alkohol hemmt die Eisenzufuhr, das sei ja bekannt. Zum Glück gibt er sich wissend nickend mit dieser Antwort zufrieden. Den restlichen Abend überstehe ich ohne weitere Pannen.
Am nächsten Abend steht meine Verabredung mit Nic an. Er sitzt schon an unserem Stammtisch in unserer Lieblingskneipe „Jerrys“. Hier ist alles im angesagten „Industrial Style“ eingerichtet und der Besitzer Thomas weiß immer schon genau, was wir trinken. An diesem Abend ändere ich meine Bestellung schnell um in einem Virgin Daiquiri. Als wir vor unseren Gläsern sitzen sieht mich Nic von der Seite an.
„Süße, Was ist los mit dir? Irgendetwas stimmt doch nicht. Du bist die Tage im Büro so still und gestern beim Sekt Empfang hast du dein Glas gegen einen O - Saft ausgetauscht. Magst du mir nicht sagen, was los ist?“, fragt Nic besorgt.
„Oh, na ja weißt du, aber du musst mir versprechen es für dich zu behalten vorerst“, stammle ich. „Henry und ich, wir, nun wir, wir bekommen ein Baby!“
Nic strahlt mich mit seinen leuchtenden grünen Augen an und umarmt mich freudig. „Josi, das ist ja furchtbar aufregend! Herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich so sehr für euch beiden. Ich dachte mir sowas schon, du scheinst seit Tagen von innen zu strahlen.
Du, ich wollte dich noch Fragen, ob du meine Trauzeugin sein würdest? Das heißt, wenn das überhaupt geht, ich habe gar nicht gefragt, wann das Baby eigentlich kommt“, meint Nic mit einem Lächeln.
„Der Geburtstermin laut Onlinerechner wird der 01.09. sein. Genaueres weiß ich erst nach dem Arzttermin in rund drei Wochen. Ich wäre aber sehr gerne deine Trauzeugin, vorausgesetzt es stört dich nicht, dass ich bis dahin watschle, schnaufe wie ein Elefant und meine Beine nicht mehr sehen kann“, gebe ich ihm lachend Antwort.
„Das stört mich überhaupt nicht. Du wirst immer meine allerschönste, hübscheste, zarteste, elfengleiche, beste Freundin sein“, entgegnet Nic mit einem schelmischen Zug um den Mundwinkel. „Und wer weiß, vielleicht bildet den krönenden Abschluss unserer Hochzeit eine Livegeburt?“ Glucksend nimmt er einen Schluck von seinem Daiquiri.
„Nee, nee lass mal“, wehre ich schnell ab, „das soll euer Tag sein. Jetzt erzähl doch mal, wie der Antrag war“, bitte ich ihn. In den nächsten Minuten komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Antrag war bis ins kleinste Detail perfekt vorbereitet. Feines Restaurant, Rote Rosen, Champagner, Ring im Glas - nicht ohne Risiko, wenn man mich fragt. Ich freue mich sehr für die beiden, dass sie nach zehn Jahren Beziehung den nächsten Schritt wagen. Wir plaudern noch über die Hochzeitsplanungen, über die anstehenden Babyvorbereitungen und verabschieden uns früher als gewöhnlich. Die Schwangerschaft fordert ihren Tribut, mir fallen fast die Augen zu.
„Bist du auch so aufgeregt Schatz?“, will ich von Henry wissen, als wir am Frühstück sitzen. Er hat sich den Vormittag frei genommen. Heute ist der große Tag! Wir haben den ersten Frauenarzttermin. Die Zeit bis heute erschien mir unendlich. Ich bin gleich einfach froh, wenn uns der Arzt mitteilt, dass es unserem „Böhnchen“ hoffentlich einfach gut geht.
„Es geht. Das kommt bestimmt noch. Möchtest du Kaffee?“ „Nee. Lass mal. Ich mach mir lieber einen Fencheltee.“
„Fencheltee, Josi? Dein Ernst?“, er verzieht angewidert das Gesicht mit einem Grinsen. „Warum das denn?“
„Weil man laut diversen Ratgebern lieber keinen Kaffee trinken sollte in der Schwangerschaft“, verkünde ich mit gewichtiger Miene. Also mal ehrlich, man sollte doch meinen, dass er sich als werdender Vater ein bisschen mehr Wissen aneignet.
„So, so sagen das die diversen Ratgeber?“, gibt er zurück und schaut mich unschuldig aus seinen braunen Augen an. „Möchtest du dazu nicht vielleicht lieber Doktor Strick nachher fragen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen wie ausgerechnet du die acht Monate bis zur Geburt ohne Kaffee überstehen willst.“
„Du kannst dir deinen ironischen Ton sparen“, gebe ich unwirsch zur Antwort.
Seine Anmerkung ist allerdings nicht von der Hand zu weisen. Ich liebe Kaffee. Und trinke daher gerne mal mehrere Tassen am Tag. Mehr als Kaffee liebe ich nur Schokolade, um mal bei den Genussmitteln zu bleiben.
Eine Stunde später sitzen wir aufgeregt wie Kinder im Wartezimmer von Dr. Strick. Als ich aufgerufen werde ins Labor, wird Blutdruck gemessen und ich werde gewogen. Ähh? Wie jetzt? Würde ich am liebsten rufen, ich bin hier, weil ich schwanger bin, nicht weil ich Probleme mit meinem Gewicht habe! Die Assistentin notiert mein Gewicht mit undurchdringlicher Miene und schickt mich anschließend, mit Henry zusammen, zu Dr. Strick ins Behandlungszimmer. Er begrüßt uns hinter seinem großen Eichenschreibtisch mit einem freundlichen Lächeln. Ich bin schon seit meinem sechszehnten Lebensjahr bei ihm in Behandlung und schätze ihn sehr. Er ist ein aufmerksamer, graumelierter älterer Herr, der sich immer viel Zeit nimmt für seine Patienten.
„Frau Meile, meine Assistentin hat mir schon Bescheid gegeben, dass sie heute hier sind, um ihre Schwangerschaft zu bestätigen. Haben Sie vorab eventuelle Fragen?“.
„Ja“, sprudle ich los, „vorausgesetzt mit dem Baby ist alles in Ordnung, wie ist das mit dem Kaffee?“
Dr. Strick schaut mich an und muss herzhaft lachen. „Sie überraschen mich Frau Meile, normalerweise gilt die erste Frage eher dem Koitus denn dem Kaffee, aber auch das beantworte ich natürlich gerne“, zwinkert er mir verschwörerisch zu. „Sie dürfen gerne eine Tasse am Tag zu sich nehmen, das ist kein Problem. Das andere, nur falls die Frage auftauchen sollte, ist bei einer intakten Schwangerschaft ebenfalls erlaubt“. Ich versuche huldvoll zu nicken, obwohl ich feuerrot bin und meine Wangen brennen. Wie peinlich!
Wenige Minuten später starren wir gebannt auf den Ultraschallbildschirm. Dr. Strick ist hochkonzentriert. „Das schaut alles gut aus“, verkündet er nach einer Weile. „Es ist alles zeitgerecht entwickelt. Laut Berechnung ist der errechnete Geburtstermin der 31.08. Aber vierzehn Tage davor und vierzehn Tage danach, da ist alles drin“.
Erleichtert seufzen Henry und ich auf. Er erkundigt sich noch bei Dr. Strick wann das Geschlecht ungefähr zu erkennen sein wird, dann verabschieden wir uns mit dem ersten Ultraschallbild unserer kleinen Bohne.
Erleichtert gehen wir Hand in Hand Richtung Parkhaus. Auf einmal sieht Henry wie erstarrt in eine Richtung und bleibt stehen.
„Was ist denn?“ Ich will ihn weiterziehen. Er scheint sich erst bei meiner Berührung zu erinnern, dass ich neben ihm stehe.
Er schüttelt den Kopf, „alles gut, ich dachte nur eben ich hätte da jemanden gesehen…eine Kollegin“. Er murmelt so leise, dass ich ihn fast nicht verstehe.
„Ich habe mich wohl getäuscht.“ Er fährt sich mit der Hand über das Gesicht und schiebt mich Richtung Parkhauseingang.
Merkwürdig. Ich muss ihn bei Gelegenheit noch mal drauf ansprechen, er sah wirklich aus als hätte er einen Geist gesehen.
Henry wechselt schnell das Thema, bevor ich näher nachfragen kann „wir haben ja vorab darüber gesprochen, dass wir unsere Eltern gleich einweihen. Bleiben wir dabei?“
„Ja, klar“, versichere ich. Ok, ja, ich habe Nic bereits eingeweiht, aber er hat es so oder so geahnt. Zudem ist er mehr Familie als „nur“ ein Freund. Die restlichen Freunde und Bekannten erfahren es auf jeden Fall erst nach den kritischen zwölf Wochen.
Am folgenden Sonntag sind wir zuerst zum Mittagessen bei meinen Eltern eingeladen. Meine Mum, Paula, eine begnadete Köchin, hat ganz regional typisch, Roschdbraden und Schbätzle mit Sooß gezaubert (Rostbraten, Spätzle und Soße). Es schmeckt wie immer himmlisch. Da werden bei mir Kindheitserinnerungen wach, an gemütliche Sonntage mit der Familie. Und einmal mehr wird mir innerlich ganz warm, das werden wir auch bald haben. Eine eigene kleine Familie!
Als wir meinen Eltern nach dem Essen das Ultraschallbild zeigen, fängt meine Mum vor Freude an zu weinen. Mein Dad Matthias, ein graumelierter Herr mit liebenswerten Lachgrübchen, einem Bart und Brille freut sich auch sehr, aber er ist kein Mann der großen Emotionen. Er ist Rechtsanwalt und somit eher bei der Fraktion Zahlen, Daten, Fakten, zuhause. Das macht meine Mum aber wett. Sie hat schon lange von „Enkele“ geträumt, wie sie sagt, und überlegt sofort, welches Zimmer meines großzügigen Elternhauses als Babyzimmer fungieren kann. Und wo im Garten Platz für Sandkasten und Schaukel ist. Nachdem meine Schwester Susanne und ich nicht mehr zuhause leben, hat sie viel ehrenamtlich für die Gemeinde gearbeitet und in der Kreisstadt unter anderem bei der Tafel ausgeholfen. Daher hätte sie jetzt viel Zeit und Liebe für die Enkelchen übrig. Da meine Schwester, ohne Mann und eher der Typ „freier Vogel“ ist, kann meine Mum in der Hinsicht von ihr nichts erwarten. Ich will ihre Euphorie nicht dämpfen, aber erlaube mir doch zu sagen, dass die kritischen 12 Wochen noch nicht ganz um sind und man ja nichts überstürzen braucht. Ich schaue hilfesuchend zu Henry. Das geht mir alles zu schnell! Der hat allerdings, anstatt mich zu unterstützen, schon einen Meterstab aus seiner hinteren Hosentasche gezaubert - warum um alles in der Welt hat er den zum Sonntagsessen bei den Schwiegereltern dabei? - und folgt meiner Mum freudestrahlend, als er das Wort „Umbau“ hört. Er ist in seinem Element. Mein Dad und ich sitzen eine Weile stumm am großen Eichenholzesstisch zusammen.
„Ich freu mich sehr für dich Josi. Henry und jetzt noch ein gemeinsames Baby. Mein Mädchen wird erwachsen“. Er sieht mich an und lächelt wehmütig.
„Ach Papa, ich bin schon lange erwachsen das weißt du doch. Und du wirst ein toller Opa sein“. Ich nehme in fest in den Arm.
Als wir uns einige Zeit später verabschieden und in Richtung meiner Schwiegereltern fahren, sie leben zwei Ortschaften weiter, habe ich ein flaues Gefühl im Bauch. Nicht, dass ich sie nicht mögen würde, Gott bewahre. Ich finde sie höchstens ein bisschen, naja, eigen. Henrys Mutter Pauline ist Künstlerin. So mit Atelier und allem Drum und Dran. Sie malt abstrakte Bilder mit geheimnisvollen Farbverläufen und fertigt Skulpturen. Die meisten zeigen zwei, oder mehr, ineinander verschlungene Körper. Und sie sind bunt. Ziemlich cool auf jeden Fall. Pauline ist unkonventionell, extrovertiert – ein Paradiesvogel. Das klingt alles ganz gut, meinen Sie? Das stimmt. Sehr anstrengend allerdings ist die Tatsache, dass sie immer der Meinung ist, den ultimativen Blick auf die Dinge zu haben. Um es mal nett zu formulieren. Man könnte auch sagen, sie weiß immer alles besser!
Mein Schwiegervater Peter ist Illustrator für ein Politmagazin. Er ist das was man wohl als „Alten Hippie“ (nicht im Bezug aufs Alter natürlich) bezeichnet. Lange graue Haare zum Zopf gebunden, zerrissene Jeans und Schlappen. Im Winter werden die Schlappen gerne mit gestrickten, bunten Wollsocken kombiniert. Die Gedanken sind frei, lautet sein Motto. Er ist tiefenentspannt und lässt sich nie aus der Ruhe bringen.
Als wir auf Henrys Elternhaus zufahren, muss ich mich zusammennehmen, um nichts Abfälliges zu äußern. Ich hab’s halt gerne ordentlich, wie meine Mum. Unterschiedlicher könnten unsere Eltern nicht leben. Seine Eltern sind immer so unkonventionell, mit allem beschäftigt, dass eher keine Zeit bleibt für die konventionellen Dinge, wie Gartenpflege. Das Haus ist an sich sehr schön. Fachwerk mit roten Holzläden. An der Vorderseite wuchert Efeu und wilder Wein, bis fast unters Dach. Der Garten, zweifelsohne ein Paradies für Insekten, ist schwer begehbar. Diverse Sträucher und Bäume versuchen das durch enormes Wachstum zu verhindern.
Als Pauline die Tür öffnet versuche ich einen erschreckten Schrei zu ersticken. Dieser Look ist neu! Nicht, dass das an sich ungewöhnlich ist. Sie probiert sich gerne aus. Es vergeht kein Monat, in dem sie sich nicht fast komplett neu erfindet. Rote kurze Haare, lange blaue Haare, diverse Kleidungskombinationen, alles war schon dabei. Aber heute ist es besonders gruselig. Ein Undercut auf der einen, Flechtwerk auf der anderen Seite, ziert ihren Kopf. Dazwischen schimmert blaue Farbe, mit gelb gemischt. Am Körper trägt sie eine Art indischen Sari, aus Taft in Regenbogenfarben. Diese Farben hat sie offensichtlich auch versucht an den Augenlidern aufzugreifen. Alle! Es sieht ein bisschen aus wie ein Unfall. Hämatomartig! Auf jeden Fall weder besonders gesund noch besonders gut. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Muss jeder selbst wissen!
Als wir gemeinsam am Couchtisch sitzen - der Esstisch ist von etlichen Unterlagen und diversen Katzen (Peterle, Mizele und Susele) - belagert, versuche ich mich nicht in diesem künstlerischen Chaos umzusehen.
Es gibt Kaffee - eine Tasse am Tag darf ich ja - und etwas das wohl ein Hefezopf hätte werden sollen. Es sieht leider mehr nach Küchenunfall aus. Teigig, weiß, schaut uns das Hefemonster an. Ich beschließe spontan, dass ich keinen Appetit mehr habe.
„Greift zu ihr lieben, ich hab heute mal einen echten schwäbischen Hefezopf ausprobiert“, freut sich Pauline. „Altes Familienrezept“, zwinkert sie mir verschwörerisch zu und klatscht begeistert in die Hände. „Ihr wisst ja, wie gerne ich mich ab und zu in der Küche austobe, das kurbelt meine Kreativität an. Ich besuche seit neustem einen Backkurs, weisch Josi, von einem Blogger. Das sind die ...“ „Äh ja, Pauline super“, grätsche ich dazwischen, sonst dauert der Vortrag sehr lange. „Ich weiß was Blogger sind, das ist sicher großartig“, lächle ich sie unschuldig an.
Henry nutzt den Moment. „Wisst ihr, wir müssen euch etwas wichtiges erzählen.“ Er schiebt das Ultraschallbild unserer kleinen Bohne auf den Tisch. Sein Vater gibt ein leises, glucksendes Lachen von sich „Gugg mol Pauli, des sieht aus wie die Bilder von unsere Katzenjunge, von der Susele, findsch ned?“ Er schiebt das Bild zu Pauline rüber.
Wie bitte, denke ich, Katzenjunges? Das hier ist ein wunderschönes, einzigartiges Bild unseres Wunschbabys „Böhnchen“. Es wird ein Vorzeigebaby! Einmalig, klug, schön! Ich will grade etwas erwidern, als Pauline einwirft, „Herzlichen Glückwunsch ihr beiden! War das geplant oder eher ein klitzekleiner Unfall?“ Neugierig schaut sie uns an.
„Nein Mama, selbstverständlich ist das ein Wunschkind, oder denkst du wir sind zu blöd zu verhüten?“, gibt Henry missmutig zurück.
„Da wärt ihr nicht die ersten“, gibt Pauline zu bedenken. „Das hat ja nicht unbedingt mit blöd zu tun. Ich habe erst neulich auf einem Blog gelesen…“, weiter kommt sie nicht, Peter fällt ihr ins Wort.
„Du haschs gehört Pauli, es war gebland. Und mehr muss mer jetzt ned wissen“, kontert Peter in seinem breiten schwäbisch.
Dankbar nicke ich ihm zu. Vergessen ist sein blöder Kommentar mit den Katzenbabys.
„Aber euch isch klar, dass wir keine typische Oma und Opa sind. Wir sind halt nicht wie deine Eltern, Josi. Wir haben so viele unterschiedliche Hobbys und Interessen. Da können wir wirklich nicht dauernd auf euer Babyle aufpassen, gell Peter?“ Sie schaut ihren Mann stirnrunzelnd an als er nicht direkt nickend zustimmt.
„Ja, na ja“, gibt Peter brummend von sich. „Ab und zu werde mer schon nach dem Poppele schaue könne“, meint er lächelnd. „Ja, ab und zu“, fällt Pauline ein, „aber das heißt bitte schön nicht, dass wir permanent Zeit hätten. Ist ja auch egal, ich muss dir was ganz Wichtiges erzählen Henry.“ Ihr Blick hat etwas Sensationsgieriges an sich. Das gefällt mir nicht. „Rate, wen ich wieder getroffen hab?“
Sie wartet Henrys Antwort nicht ab, sondern spricht atemlos weiter, „die Heike und die Nea. Ja, da schaust du! Genau die Nea! Wir hatten uns ja vor einigen Jahren aus den Augen verloren, die Heike und ich. Aber jetzt hab ich einen Yoga Kurs angefangen. Heike und Nea leiten ihn, beide sind ausgebildete Yogameisterinnen. Es ist so toll, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich hab mich selten so gut und wohl gefühlt. Naja, auf jeden Fall sind die beiden jetzt für ein paar Monate hier im Ländle. Und der Kurs, also Josi, da solltest du unbedingt mal mitkommen, grade jetzt ist es ja umso wichtiger, dass du „in shape“ bleibst, wie man so schön sagt.“ Sie fährt mit den Händen ihre Hüfte nach, als sie das sagt.
Sie lacht glockenhell auf, als hätte sie mir das netteste Kompliment ever gemacht, und schaut mich ganz unschuldig an. Mir ist schlagartig übel! Und das liegt nicht alleine am Hefeteigmonster, das mich immer noch anzuglotzen scheint. Es liegt tatsächlich an der Erwähnung von Henrys ehemaliger Sandkastenfreundin: Nea. Typ: schmal, blond, athletischer Körper und vor allem eines – hinterhältig! Und hinter Henry her. Der das leider nicht begriffen hat, bevor sie vor einigen Jahren dann dankbarer Weise aus unserem Leben verschwunden ist. Ich hoffe einfach, dass wir um eine Begegnung herumkommen. Ich schaue Henry von der Seite an, denn als ich sehe, wie er sich freut, fällt mir seine Reaktion von vor ein paar Tagen wieder ein.
„Oh, das ist ja eine Überraschung! Die Nea. Nach so langer Zeit. Wir sollten mal alle zusammen essen gehen, das wäre sicher nett.“ Henry strahlt mich an. „Oder, Schatz? Ist doch schade, dass wir uns damals aus den Augen verloren haben. Wir haben uns immer gut verstanden.“
Ja, denke ich für mich. Super haben wir uns verstanden. Vor allem ich und sie. Kommunikation zwischen den Zeilen. Das hatten wir perfektioniert. Augenscheinlich haben wir nett geplaudert, aber in Wahrheit wurde eine Spitze nach der anderen ausgeteilt.
Als wir uns endlich verabschieden können, ist es schon Abend. Ich bin so müde, ich will nur noch auf die Couch. Der Tag hat mich geschlaucht, die Erwähnung des Namens Nea auch. Vielleicht tut die Schwangerschaft ihr übriges.
Auf der Heimfahrt muss ich aber eine Sache noch abklären.
„Henry, deine Kollegin, die du letztens meintest gesehen zu haben, das könnte nicht zufällig Nea gewesen sein?“
Henry atmet schwer ein, bevor er antwortet „ich glaubte sie gesehen zu haben, ja“, gibt er leise zu. „Ich hätte nach so langer Zeit nicht damit gerechnet, deshalb war ich so perplex. Außerdem weiß ich ja, dass du damals, kurz bevor sie wegzogen, einige Vorbehalte gegen sie hattest. Da wollte ich den Moment nicht verderben, nachdem wir doch grade erfahren haben, dass es unserem wundervollen Wunschkind, gut geht.“ Sein liebevoller Blick streift mich an der Seite.
„Da sie ja jetzt wohl tatsächlich einige Zeit wieder da ist, wäre es doch schön, wir könnten die Differenzen zwischen euch begraben und alles wird wieder so harmonisch wie früher“, wirft Henry noch ein.
Super! Ich wollte das Thema eben begraben, jetzt muss er nochmal nachlegen. Ich will das Biest auf keinen Fall sehen – grummel!
„Was ist denn mit dir passiert, Schatzi? Du siehst furchtbar aus - diese Augenringe!“, werde ich am nächsten Morgen von Nic in der Kaffeeküche im Büro begrüßt. Er ist wie immer modern gekleidet, blaues Hemd, dunkelblaue Chinohose, rote Socken und schwarze Budapester. Immer einen Tick extravagant.
„Danke für das liebe Kompliment!“, ich kann einen gewissen Zynismus nicht unterdrücken. „Wir waren gestern Nachmittag bei Henrys Eltern zum Kaffee. Und haben ihnen von unserem „Böhnchen“ erzählt. Anstatt sich zu freuen hat Henrys Mutter gleich wieder von ihrem neusten Hobby erzählt - Yoga. Ja ich weiß, du musst mich nicht so belustigt ansehen, das ist nicht der Grund, über den ich mich aufregen musste. Die Yogalehrerin heißt Nea! Pauline hat in den höchsten Tönen von ihr geschwärmt. Blond, langbeinig, …“
Langsam scheint es Nic zu dämmern.
„Nea? Doch nicht etwa Mrs. Perfekt - die, - Ich bin so geil und spann dir den Ehemann aus - Nea? Nicht dein Ernst!“ Entrüstet hört er sich die ganze Geschichte von gestern Abend an und wirft ab und an ein entsetztes „Nein! Das glaub ich nicht!“, ein.
Das liebe ich so an Nic! Er ist mein bester Freund. Mit ihm kann ich auch mal einfach ein bisschen ablästern, oder einfach rumalbern. Er versteht mich immer! Henry versucht mich immer zu verstehen, es gelingt nur nicht wirklich.
„Weißt du was richtig nervig ist? Meine Schwiegermutter möchte, dass wir alle gemeinsam essen gehen. Henry findet, dass das eine tolle Idee ist.“ Aufgebracht verdrehe ich die Augen. „Er versteht einfach nicht, dass sie ein hinterhältiges Biest ist“, schimpfe ich weiter.
„Josi, Schatz, beruhige dich! Sie kann euch jetzt nichts mehr anhaben. Ihr werdet ein Baby bekommen! Henry liebt dich bedingungslos, mach dir keine Sorgen. Sie kann keinen Keil zwischen euch treiben“, versucht Nic mich zu trösten.
Ich weiß, dass er es gut meint, aber wirklich glauben kann ich das nicht. Dafür ist einfach damals zu viel passiert. Nea, die Henry wie zufällig über die Wange streicht, aber dabei sehr bewusst in meine Richtung schaut. Nea, die ihm angeboten hat, ihn von seinem Männerabend abzuholen, als ich wegen eines Interviews nicht rechtzeitig da war.
Nea, im kurzen Röckchen, die Henry rein zufällig besucht, als ich nicht da bin. Warum hat Henry nicht gemerkt, dass sie so auf ihn aus war? Typisch Henry, denke ich mir. Mein lieber, manchmal naiver Henry. Er sieht immer das Gute im Menschen! Das ist meistens eine bezaubernde Eigenschaft, manchmal kann es einen aber wahnsinnig machen. Als ich ihn damals versucht habe darauf hinzuweisen, fand er das so skurril, so absurd, dass er mir nicht glauben wollte. Er hat es einfach als Unsinn abgetan.
Durch diese ganze Aufregung bin ich bei der Arbeit nicht ganz bei der Sache, es belastet mich.
Zudem kommt am Abend unsere Hebamme zum ersten Mal vorbei, um sich vorzustellen. Ich bin so froh, dass wir noch eine gefunden haben! Ich war echt früh dran, direkt nach dem positiven Test. Da ich schon vorher in Ratgebern und online gelesen habe, dass Hebammen leider knapp sind und sehr schnell für Monate im Voraus ausgebucht sind, habe ich mich rechtzeitig gekümmert. Trotzdem war es richtig schwierig noch eine zu finden.
Punkt 19.30 Uhr klingelt es. Ich öffne. In der Tür steht eine gestandene Frau Mitte fünfzig, mit kurzen grauen Haaren und einer streng wirkenden Brille. Sie trägt eine grüne Bluse, einen blauen halblangen Rock mit dicker Strumpfhose. An den Füssen, trotz der winterlichen Temperaturen bequeme Latschen. Sie strahlt mich an und stellt sich als „Hebamme Erika“ vor. Ich darf „Du“ sagen bietet sie direkt an. Ich freue mich, denn Erika ist so, wie ich mir eine Hebamme vorgestellt habe. Anpackend, deutlich und ein bisschen alternativ.
„Okay, also ich bin die Erika. Ich bin seit 35 Jahren Hebamme mit Leib und Seele. Ich habe selbst 5 Kinder, also ich weiß, wie der Hase läuft.“ Sie kichert.
Ich mag sie auf Anhieb und mit ihrer großen Erfahrung fühle ich mich auch sehr gut aufgehoben bei ihr.
„Gut Josi. Was möchtest du denn heute von mir wissen?“
Ich rücke meine Checkliste zurecht - ich bin gerne gut vorbereitet - und fange an sie Schritt für Schritt abzuarbeiten. Erika antwortet geduldig auf alle offenen Fragen. Beim Punkt - welche Musik soll ich im Kreißsaal hören, um die Geburt möglichst harmonisch zu gestalten - winkt sie ab.
„Sei mir nicht böse Josi. Aber zum einen sind es noch Monate bis dahin, zum anderen, glaube mir, bist du in dem Moment mit anderen Dingen beschäftigt als die passende Musik aufzulegen. Lass es einfach auf dich zukommen.“
Ich notiere mir den Punkt „Musik“ für einen späteren Zeitpunkt, ebenso die Suche nach einem Hypno – Birthing Kurs. Das bietet sie leider nicht an. Die Anmeldung für einen Geburtsvorbereitungskurs inkl. Partnerabend -Wichtig! Der Mann muss ja wissen was abgeht -, sowie zur Rückbildung und für die Baby-Massage, fülle ich direkt aus. Ich will ja gut vorbereitet sein!
Ich notiere mir auf meiner To - Do Liste:
Hypno - Birthing Kurs suchen
Passende Musik zur Entbindung (Salsa???)
Schwangerschafts-Floating suchen und buchen (das ist der neuste Schrei bei Bloggern, man schwebt quasi im Wasser und fühlt sich trotz fortgeschrittener Schwangerschaft leicht)
Als meine Checkliste endlich abgearbeitet ist, druckst Henry mit verlegener Miene, in Richtung Erika herum.
„Möchtest du noch etwas fragen, Henry?“ Aufmunternd nickt sie ihm zu.
„Äh, ja, es ist mir ein bisschen unangenehm, aber wie ist das eigentlich, mit dem Beischlaf während der Schwangerschaft?“ Sein Kopf hat nun etwa die Farbe einer Tomate angenommen.
BEISCHLAF? Ich muss mich zurückhalten um nicht laut loszuprusten! Wo hat er denn dieses antiquierte Wort ausgegraben? Aber interessieren tut mich die Antwort schon auch.
„Ja, also, um den Koitus braucht ihr euch bei einer gesunden Schwangerschaft keine Sorgen machen“, erklärt Erika mit ernster Miene. „Auch im späteren Verlauf ist es nicht so, dass der Penis des Mannes, irgendwie das Köpfchen erreichen würde beim Eindringen. Also nur zu!“ Sie lächelt mit einem Gesichtsausdruck, der besagt, dass wir bei weitem nicht das erste Paar und sicher nicht das letzte sind, das sich darüber Sorgen macht. Henrys Gesichtsfarbe ist, wenn möglich, noch dunkler geworden.
Nachdem Erika sich verabschiedet hat, sitzen wir noch zusammen gekuschelt auf der Couch. Im Hintergrund läuft leise Musik und in den Teetassen vor uns dampft Schwangerschaftsgeeigneter Tee. Da habe ich einige Seiten im Internet durchforstet, bis ich wusste, welcher geeignet ist. Keine leichte Sache, das mit dem Tee. Ich merke, wie ich langsam zur Ruhe komme und neue Kraft tanke.
„Warum hast du Erika eigentlich noch einmal dasselbe gefragt, wie Dr. Strick doch bereits beantwortet hatte? Du weißt schon, wegen dem, äh….“
„Weil mir das mit dem Kopf, du weißt schon, keine Ruhe gelassen hat.“ Henry schaut verlegen auf seine Hände. Ich streichle ihm zärtlich über die Wange. Mein lieber Henry, er macht sich also doch viel mehr Gedanken, als er zugeben möchte.
„Schatz, wollen wir eigentlich mal an unserer To - Do Liste weiterarbeiten?“ Ich bin euphorisch, will das Thema wechseln und will gleich loslegen!
„Brauchen wir da so großartig eine Liste? Was braucht denn ein Baby außer einer Babyschale, ein bisschen Kleidung und ein Bettchen?“
„Ach Henry, das meinst du doch jetzt nicht im Ernst? Es ist zwar ein Baby, aber es hat trotzdem Bedürfnisse. Da gibt es eine Menge zu bedenken. Angefangen mit den richtigen Windeln, einem Schlaf - oder Pucksack, bis hin zu einem Mobile und der richtigen Wandfarbe.“
„Wandfarbe?“, gibt Henry ziemlich erstaunt zurück und schaut mich nun ziemlich mürrisch an.
Männer! Muss man ihnen alles einzeln erklären? Ich stelle mir grade in Gedanken vor, wie Henry das Thema Babyvorbereitung angehen würde. Das Baby würde vermutlich 3 Tage hintereinander im gleichen Strampler verbringen, weil die anderen beiden - Baby, braucht ja nicht viel -, viel zu groß und oder zu warm für die Jahreszeit wären.
