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Zwei Mordfälle im beschaulichen Heilbronn innerhalb kürzester Zeit. Polizeikommissar Manfred Schmelzle, seit kurzem Leiter seiner eigenen Dienststelle, muss sich beweisen! Die Zeit drängt, die Bundesgartenschau steht vor der Tür. Der Polizeichef beobachtet die Fortschritte der Ermittlungen mit zunehmendem Missfallen. Mama Lore versucht bei jeder Gelegenheit eine passende Frau für Manfred zu finden und die Gefühle, die sein neuer Kollege Alex in ihm auslöst sind schwer zu deuten.
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Seitenzahl: 243
Veröffentlichungsjahr: 2023
Corinna Friedel
Kommissar Schmelzle ermittelt
Das Geheimnis des Seidentuchs
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Sieben
Acht
Neun
Zehn
Elf
Zwölf
Dreizehn
Impressum neobooks
Corinna Friedel
Kommissar Schmelzle ermittelt
Das Geheimnis des Seidentuchs
Corinna Friedel
Kommissar Schmelzle ermittelt
Das Geheimnis des Seidentuchs
Kriminalroman
Impressum
Texte: © 2020 Copyright by Corinna Friedel
Umschlag: © 2020 Copyright by Corinna Friedel
Verantwortlich
für den Inhalt: Corinna Friedel
Uhlandstr.874251 Lehrensteinsfeld
Druck: neobooks – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin
„Ahh! Mist verdammter! Herrgotts…“ Scheppernd fiel der Vintage - Wecker vom Nachttisch, als Manfred nach seinem Handy griff. Den Rest des gotteslästerlichen Fluches unterdrückte er mit Mühe und Not. Er blinzelte sich den Schlaf aus den Augen und versuchte auf dem Display die Uhrzeit zu entziffern. Das gestaltete sich ohne Kontaktlinsen gar nicht so einfach. 0:45 Uhr vermeldete sein Handy und einen entgangenen Anruf. Er drückte die Kurzwahltaste und stieg, das Handy in der einen Hand, mit der anderen in seine dunkelblaue Hose, um Zeit zu sparen. Dienstliche Anrufe um diese Zeit verhießen nie etwas Gutes.
„Eine Leiche, auf der Eingangstreppe zum „Juwelierlädle“, Ecke Lothorstraße -Sülmerstraße“, vermeldete sein neuer Kriminalassistent Alex routiniert.
„Bin gleich da!“ Manfred stolperte durch den dunklen Hausflur, knüpfte sein Hemd zu, schnappte im Vorübergehen seinen beigen Trenchcoat und setzte sich die Brille auf die Nase. Für Kontaktlinsen fehlte ihm die Zeit. Bedauernd verkniff er sich den sonst üblichen letzten Blick zum Spiegel, das würde in der Dunkelheit sowieso wenig Sinn machen.
Mit seinem Dienstwagen, einer dunkelblauen Mercedes C-Klasse, fuhr er durch die Dunkelheit Richtung Heilbronn. Mit einem schnellen, abschätzenden Blick auf die Uhr und den Tacho war klar, er würde nicht mehr als zehn Minuten für die Fahrt benötigen. Um diese Uhrzeit war kaum Verkehr. Ob Alex daran gedacht hatte, die Spurensicherung zu bestellen? Vielleicht hatten sie Glück und konnten jemanden am Tatort direkt befragen?
In seinem Kopf ratterten bereits tausende Fragen. Es war der erste Mordfall den er, Polizeioberkommissar Manfred Schmelzle mit Team und eigener Dienststelle, bearbeiten würde. Er konnte nicht leugnen, dass ihn dieser Druck nervös machte. Er würde sich unter Normalbedingungen als entspannten und strukturierten Menschen beschreiben. Das, was jetzt in seinem Kopf vor sich ging, war davon weit entfernt.
Mit quietschenden Reifen kam sein Auto direkt am Tatort zum Stehen. Das rot-weiße Polizeiabsperrband flatterte im kalten Ostwind, die Kollegen der Spurensicherung hantierten bereits im Scheinwerferlicht, das bedauernswerte Opfer lag zu ihren Füßen. Manfred zog seinen Kragen am Trenchcoat etwas höher, um sich vor dem eisigen Wind zu schützen.
„Hallöle Manfred, Mensch das ist ja ein Zufall, haha!“, kichernd legte ihm die blonde Rechtsmedizinerin vertraulich einen Arm um die Schulter.
„Eva! Immer zur Stelle, bevor ich überhaupt Infos zu einem Fall hab, gell…“ Möglichst unauffällig entwand er sich ihrer Berührung und ging auf seinen Kollegen Alex zu. Der machte seinen Job bisher, was Manfred in den wenigen Wochen ihrer Zusammenarbeit beurteilen konnte, richtig gut. Er war pünktlich, genau, diskret und immer gut gelaunt. Selbst jetzt, mitten in der Nacht machte er den Eindruck, als ob es ein reines Vergnügen wäre, an so einem Tatort. Manfred hingegen hätte gerne auf dieses „Vergnügen“ verzichtet. Zum einen selbstverständlich im Sinne des Opfers, zum anderen zu Gunsten seines Schlafes. Schlaf war neben der Kriminalistik und der Mode ein Grundpfeiler seines Lebens. Aber es war nun nicht zu ändern, dass er in dieser Nacht sein Bett wohl nicht mehr zu Gesicht bekommen würde.
Innerlich seufzend folgte er den Ausführungen seines Assistenten.
„Keine Papiere, keine Infos zur Herkunft. Opfer männlich, geschätztes Alter zwischen 40 und 50. Europäisches Aussehen. Er hat nur diese dreckigen Lumpen an, du siehst es selbst. Um den Hals hat er ein Seidentuch, das wird sich die Spurensicherung dann im Labor noch genauer anschauen. Vermutliche Todesursache – gezielter Kopfschuss. Keine Zeugen bisher. Er wurde nicht hier erschossen, zu wenig Blut!“
So akkurat konnte nur Alex eine Zusammenfassung abgeben.
„Na, dann wollen wir ihn mal mitnehmen“, Eva klatschte in die Hände, um das Signal zum Aufbruch zu geben. Dieses Talent allem eine Leichtigkeit zu verleihen, war Manfred an Eva schon häufiger aufgefallen. Bei ihr klang alles unkompliziert. Auch der Abtransport einer Leiche mitten in der Nacht.
Mittlerweile dämmerte es bereits am Horizont. Manfreds Jagdinstinkt war jetzt, da die Müdigkeit erfolgreich bekämpft war, geweckt! Er wollte unbedingt loslegen mit den Ermittlungen. Nur sein knurrender Magen und seine eiskalten Hände zwangen ihn, kurz vom Pfad des Ermittelns abzuweichen.
„Alex, lass uns doch mal Mrs. M anrufen, schätze sie ist wach und bestimmt am Frühstück richten, da gibt’s hoffentlich was Gescheites für uns!“
Manfred hatte richtig vermutet.
Mrs. M war bereits wach und hocherfreut über den unerwarteten Besuch am frühen Morgen. Keine zehn Minuten später standen zwei Tassen duftenden Kaffees vor ihnen auf dem gemütlichen Holzesstisch und Rührei mit Speck brutzelte in der Pfanne. Manfred fand, dass es sehr gemütlich war in der kleinen Küche. Ein bisschen nostalgisch mit den bunten Fliesen und den alten Emaille-Tassen. Die wächserne Tischdecke auf dem Esstisch, zum Schonen desselbigen, erinnerte ihn an seine Oma. Die hölzerne Sitzbank war gemütlich und bestimmt schon lange in dieser Küche.
Erna Müller, auch Mrs. M genannt, in Anlehnung an Mrs. Marple, war begeistert, „ihren Jungs“ ein ordentliches Frühstück kredenzen zu können und wirbelte mit einer großen Portion guter Laune durch die Küche. Ihr Mann saß, in seine Zeitung vertieft, vor seinem Kaffee. Er war offensichtlich der ruhigere Part in ihrer Beziehung. Als „gute Seele“ ihres kleinen Kommissariats, war es für die resolute Erna ihre Christenpflicht, nebst aller anfallenden Sekretariatsaufgaben, auch auf das leibliche Wohl ihrer Kollegen genauestens zu achten. Manfred und Alex wehrten sich nicht gegen Ernas Fürsorge, vielmehr fanden sie es ganz schön, neben dem Job so verwöhnt zu werden. Manfred musste an Ernas Apfelkuchen von letzter Woche denken…ein Traum!
Ihrem Namen alle Ehre machend hatte sie innerhalb kürzester Zeit alles, was es zu dem neuen Fall zu berichten gab, erfahren.
„Ja sowas, was hat des zu bedeuten? Ist es vielleicht ein Bettler? Aber warum das Seidentuch?“, brachte sie nuschelnd hervor, während sie herzhaft in eine Brezel biss. Es machte ein knackendes Geräusch als sie in die Krume biss. Genauso musste eine Brezel sein fand Manfred. Außen knusprig und innen weich.
Manfred bestrich seinen Hefezopf, selbstgebacken von Erna, mit ordentlich Butter und Erdbeergsälz. Hungrig biss er ein großes Stück ab. Der weiche, fluffige Hefezopf verband sich mit der Butter und der aromatischen Erdbeermarmelade. Es schmeckte himmlisch!
„War die schöne Eva auch am Tatort, Herr Kommissar? Kann mer gar ned glauben, dass eine wie die allein isch, gell? Es ist doch so ein nettes Mädle, findet ihr net auch?“
Alex riskierte einen schnellen Blick in Richtung seines Chefs, bevor er antwortete. „Ja also doch, ein nettes Mädle, wie Sie es sagen, Erna. Sie würde doch bestens zu unserem Chef passen.“ Sein spitzbübisches Grinsen verriet, dass er sich einen Spaß daraus machte, wusste er doch selbst zu gut, dass Eva, abgesehen von ihrem netten Aussehen, doch sehr anstrengend sein konnte.
Manfred hatte den letzten Rest Hefezopf mit Kaffee heruntergespült. Er wollte ermitteln und keinesfalls in ein Gespräch zum Thema Frauenbekanntschaften verstrickt werden.
„So, ich gehe dann schonmal ins Büro. Wir haben einen Fall zu lösen!“, vermeldete er daher befehlsgewohnt.
Wie jedes Mal, wenn Manfred in Richtung „seines“ Kommissariats durch die Heilbronner Innenstadt ging, befiel ihn dieses Glücksgefühl. Auch wenn Heilbronn aufgrund etlicher Zerstörungen im zweiten Weltkrieg keine komplett historische Altstadt mehr hatte wie andere Städte, war dies doch seine Heimatstadt. Er wohnte zwar außerhalb, aber nur, weil er sonst nach der Arbeit nicht abschalten könnte. Sein Herz hing an Heilbronn und dem ganz eigenen Menschenschlag, der hier lebte. Direkt, etwas eigenbrötlerisch, aber herzlich, liebenswert und ehrlich. Er war hier verwurzelt und lebte gerne in der Region. Auf der einen Seite wirtschaftlich stark, auf der anderen Seite mit einem schönen kulturellen Angebot und dazu die wunderbare Umgebung. Wälder und die sanften Hügel der Weinberge, auch Wengert genannt, die sich rund um Heilbronn an die Hänge schmiegten.
Ganz in Gedanken versunken, wäre er fast über die Reinigungsutensilien des Hausmeisters gestolpert. Manfreds kleines Reich, wie er es für sich nannte, bestand aus zwei Büroräumen im Obergeschoß des Rathauses. Er liebte diese Location. Sein Schreibtisch stand an einem kleinen Fenster, wenn er den Kopf weit genug drehte, konnte er das „Käthchenhaus“ sehen. Das Haus verdankte seinen Namen dem berühmten Schauspiel „Käthchen von Heilbronn“ aus dem Drama von Heinrich von Kleist.
Es handelte sich hierbei um ein gotisches Steinhaus aus dem 14. Jahrhundert. Überhaupt lagen rund um das Rathaus die schönsten historischen Gebäude Heilbronns. Direkt gegenüber befand sich die Kilianskirche, ein weiteres Wahrzeichen Heilbronns. Die gotische Stadtkirche mit ihrem beeindruckenden Westturm faszinierte Manfred seit Kindheit an. Er hob den Kopf und schaute hinauf zum „Kiliansmännle“, wie die Heilbronner den steinernen Bannerträger hoch oben auf der Spitze liebevoll nannten.
Er hatte kaum seinen Trenchcoat an der Garderobe aufgehängt und einen kurzen, prüfenden Blick in den Spiegel geworfen, trotz der fehlenden Nachtruhe fand er sein Aussehen heute ganz gut, als Alex und Erna nacheinander eintrafen.
Erna machte sich dran die Kaffeemaschine anzuwerfen, während Alex die digitale Tafel ans Laufen brachte. Sie diente dazu Notizen zu machen, Verknüpfungen herzustellen, kurzum einen Fall zu visualisieren. Alex legte großen Wert darauf, die Tafel mit Informationen zu bestücken. So konnte man auf einen Blick sehen, wie der Stand der Ermittlungen war.
„Gut, dann wollen wir mal. Lass uns zusammentragen, was wir alles wissen…“
Alex notierte mittig – Leiche unbekannt, Lumpen und Seidentuch. Dazu den Fundort der Leiche und den ungefähren Todeszeitpunkt.
„Wer hat uns verständigt?“, erkundigte sich Erna während der Kaffee durchlief. Wie so oft, wollte sie ihre Gedanken einbringen und mitermitteln. Die reine Büroorganisation war ihr nicht genug.
„Ein Obdachloser. Er nennt sich Jimmy Joe. Sein richtiger Name lautet Heiner Leger. Er wollte seinen Schlafplatz aufsuchen, als er über das Opfer „gestolpert“ ist. Er hat sich erinnert, dass er tags zuvor einen Zeitungsartikel über unsere Einheit gelesen hat. Diese Zeitung hatte er bei sich, um seine Lebensmittel einzupacken. Kurzerhand hat er die Telefonnummer rausgesucht und mich kontaktiert.
Ich habe mit ihm vereinbart, dass wir heute bei ihm vorbeikommen. Nicht vor elf“, las Alex von seinem Zettel ab.
„Nicht vor elf?“ Manfred amüsierte diese Uhrzeit, die schon kurz vor dem Mittagessen lag, zugegebenermaßen.
„Das isch ja spannend, kann ich mitkommen?“ Erna schaute Manfred aus großen Augen bittend an.
„Nein, tut mir leid, ein andermal vielleicht, ok? Erna, jetzt schauen Sie mich halt nicht so böse an, Sie wissen doch, dass das Telefon tagsüber auch besetzt sein muss.“
Erna sah nicht überzeugt aus, aber sie beugte sich Manfreds Anweisung.
„Wo genau soll er sich aufhalten, Alex?“ Manfred sah sich suchend in der Fleiner Straße um. Der Tag hatte sich als verregnet, grau und ungemütlich erwiesen. Die Menschen eilten mit dicken Mänteln und Regenschirmen durch die Straßen und waren froh, wenn sie sich im Innenbereich aufhalten konnten.
„Er sagte, er sitzt in der kalten Jahreszeit immer zwischen der Bäckerei „Brot & Weckle“ und der Bankfiliale. Laut seiner Aussage hat man dort den wärmsten Platz mit den meisten milden Gaben.“
„Ist er das?“ Manfred deutete mit dem Kopf in Richtung eines Mannes, der am Boden saß.
„Das muss er sein. Hallo Herr Leger?“ Alex begrüßte ihn als er auf ihn zuging.
„Psst!!! Sind sie von allen Elfen und Feen verlassen, Mann! Ich heiße Jimmy Joe! Sie wollen doch nicht meine Identität verraten und mich in Gefahr bringen?“ Mit strengem Blick schaute er die beiden Ermittler an.
„Tag, Jimmy Joe“, lässig grüßend schlenderte jetzt auch Manfred näher. Dieser Jimmy Joe war auf jeden Fall eine Erscheinung, ohne Frage. Er trug ein Weihnachtsmannkostüm und auf dem Kopf ein Plüschgeweih mit großen goldenen Kugeln, die bei jeder Bewegung mitbaumelten. Sein Bart war lang und zottelig. Manfred fragte sich, was er wohl im Sommer tragen würde.
„Was ist Ihnen denn heute Nacht aufgefallen?“, erkundigte er sich bei ihrem obdachlosen Zeugen.
„Ja, wo soll ich anfangen…Da liefen drei jüngere Leute, so um die zwanzig will ich mal meinen. Angezogen waren sie wie es die Jugend halt heute so ist. Nicht mein Stil… Die sind mit der Stadtbahn Richtung Schwaigern gefahren. Dann noch diese ältere Frau mit Hund, ein komischer Hund. Kein Pudel, aber so ähnlich. Allerdings viel zu groß für einen Pudel, aber...“
„Moment, Moment“, Manfred unterbrach den Redeschwall. „Uns interessiert nur, was Sie in direktem Zusammenhang mit dem Mordopfer beobachtet haben. Wann ist Ihnen die Leiche aufgefallen? Haben Sie jemanden vom Tatort fliehen sehen, oder etwas gehört?“
„Junger Mann, junger Mann“, kopfschüttelnd musterte Jimmy Joe Manfred von oben nach unten.
„Sie mögen toll gekleidet sein und etwas von Ihrer Arbeit verstehen, aber wer sagt denn, dass die jungen Leute oder die alte Frau unschuldig sind? Mmmhhh? Sehen Sie, da fällt Ihnen nix ein. Mein Rat, überprüfen Sie die!“ Er fuhr sich mit der Hand durch den Bart.
„Über die Leiche gestolpert bin ich gegen Viertel nach Zwölf. Es war dunkel und ich hab ihn leider nicht gesehen. Es liegt sonst eigentlich niemand einfach auf der Straße rum in der Nacht. Aber ich habe vorher kein Geräusch oder ähnliches gehört. Vielleicht fragen Sie nochmal den „Langen Paul“. Das is ein Kumpel, der immer in meiner Nähe schläft. Vielleicht weiß der noch mehr. Den finden Sie vermutlich morgen früh wieder am Neckar unten, an der Aussichtsterrasse. Da macht der seinen Frühsport oder was weiß ich.“
Damit war für den Obdachlosen alles geschwätzt und er wandte sich wieder den Passanten zu, um nach einer milden Gabe zu fragen.
„Komm Alex, mehr werden wir hier nicht erfahren. Lass uns im Juwelierladen fragen, ob sie Kameras außen installiert haben, die eventuell etwas aufgezeichnet haben könnten.“
Manfred wandte sich Richtung Kilianskirche. Am Kiliansplatz, hier beim Bäcker mit seinen Lieblingsbrezeln, deckten sie sich vorsichtshalber für den Nachmittag ein.
„Dingdongdongdingdongdingdon.“
Mit diesem Türklingelton fühlte sich Manfred direkt in seine Kindheit zurückversetzt. Damals gab es diese Türglocke mit der unverkennbaren Melodie in vielen der kleineren Lädchen, die er mit seiner Mutter oft besucht hatte.
Genauso nostalgisch wie die Glocke war der Verkaufsraum. Alex und Manfred sahen sich aufmerksam um. Alte, imposante Holztresen mit glitzerndem Schmuck, wohin man auch sah. Manfred war kein Experte, aber das Sortiment machte einen recht modernen Eindruck.
„Guten Tag, womit kann ich Ihnen helfen?“, erkundigte sich eine junge Frau, die eben in den Verkaufsraum trat. Sie war modern und chic gekleidet, was einen schönen Kontrast zur historischen Einrichtung bildete. Sie betrachtete die beiden aufmerksam durch die Gläser ihrer Brille.
„Ist der Chef oder die Chefin zu sprechen?“, erkundigte sich Manfred.
„Steht vor Ihnen“, sie lächelte die beiden freundlich an.
„Frau Hock“, las Manfred an ihrem Namensschild ab „mein Name ist Kommissar Manfred Schmelzle, das ist mein Kollege Merts. Vor Ihrem Geschäft wurde heute Nacht eine Leiche gefunden.“
„Was?“, entsetzt blickte sie nach draußen. „Aber das ist ja furchtbar, das wusste ich nicht!“ Ihr akkurat gebundener blonder Pferdeschwanz wippte hin und her als sie abwechselnd den Blick zwischen draußen und den beiden Ermittlern drinnen hin -und her- schweifen ließ.
„Die Kollegen der Spurensicherung haben vor Geschäftsöffnung alle Spuren beseitigt, um keine unnötige Unruhe aufkommen zu lassen. Gibt es an Ihrem Außenbereich Kameras, mit denen dieser Teil des Fußweges abgedeckt ist?“, erkundigte sich Alex, während er mit den Armen auf die besagte Stelle deutete.
„Nun, eigentlich ist die Kamera außen auf die Eingangstür gerichtet.“ Noch immer sichtlich verschreckt, knetete Frau Hock ihre Hände und sah immer wieder nach draußen. Manfred musste feststellen, dass sie ausgesprochen hübsch war, mit ihren feinen Gesichtszügen und den grünen Augen.
„Dürften wir uns das mal geschwind angucken?“
„Ja, sicher, Herr Kommissar, bitte folgen Sie mir in den Aufenthaltsraum.“
Sie führte die beiden einen engen, dunklen Flur entlang. Der Aufenthaltsraum bestand im Wesentlichen aus einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen, einem Schreibtisch und einer kleinen Küchenzeile.
„Hier, ich schalte Ihnen alles ein, dann können Sie in Ruhe gucken.“
Sie drehte den beiden den Laptop zu und verließ den Raum.
„So, dann wollen wir mal sehen, ob wir nicht etwas Verdächtiges entdecken können.“ Alex klickte sich durch die Videosequenzen der Überwachungskamera zum ungefähren Tatzeitpunkt.
„Da! Stopp mal schnell!“ Manfred deutete auf die weißhaarige Person, die beladen mit einem Rucksack, durchs Kamerabild lief.
„Das ist Jimmy Joe. Aber sein Schlafplatz und somit der Fundort der Leiche ist in einem für die Kamera nicht sichtbaren Winkel.“ Manfred zuckte bedauernd die Schultern.
„Gut, komm Alex, einen Versuch wars wert.“
Manfred war enttäuscht, er hatte sich etwas mehr von den Videoaufnahmen erhofft.
„Frau Hock, danke für Ihre Mühe“, Manfred lächelte ihr lässig zu „leider ist auf der Kamera nichts, was uns weiterhilft. Falls wir noch etwas benötigen, würden wir uns melden.“
Frau Hock strahlte den Kommissar an und ruckte ihre Brille gerade. Ihre Wangen waren leicht gerötet.
„Äh, Herr Kommissar, eine Frage hätte ich…“
„Ja, immer frei heraus Frau Hock!“
„Würden Sie mal etwas mit mir trinken gehen, nach dem Geschäft versteht sich. Das heißt“, verlegen senkte sie den Blick „falls Sie überhaupt Interesse haben und nicht vergeben sind“.
Es war spürbar, wieviel Überwindung diese Frage Frau Hock gekostet haben musste. Die Schamesröte schoss ihr ins Gesicht. Manfred war überrascht, so viel Mut hätte er der doch sehr schüchtern wirkenden Frau Hock gar nicht zugetraut. Im Normalfall sprach doch eher er die Frauen an.
„Ja, sehr gerne. Ich lass Ihnen meine Karte da, und Moment…so, da habe ich Ihnen meine Nummer notiert. Dann telefonieren wir.“
Charmant verabschiedete sich Manfred von der Besitzerin des Juwelierlädchens und Alex winkte ihr zum Abschied zu.
Keine drei Meter vor der Tür feixte Alex „Mensch Manfred, Respekt! Du hast ganz schön Eindruck hinterlassen bei – Lena.“ Er wedelte mit ihrer Visitenkarte vor Manfreds Gesicht herum.
„Ich habe doch nichts gemacht“. Manfred winkte ab.
„Wie organisierst du nur deine zahlreichen Frauenverabredungen?“, grinsend knuffte er Manfred beim Gehen in die Seite.
„Ha, ha. Wirklich lustig. Du tust gerade so, als würde ich jeden Abend mit einer anderen Dame um die Häuser ziehen. Das ist nicht der Fall! Es war bisher nicht die Richtige dabei, leider.“
Manfred war sich bewusst, dass er einen guten Eindruck auf die Damenwelt machte. Er war nicht hässlich, wusste sich zu kleiden, war charmant und zudem Kriminalkommissar. Polizeioberkommissar, der Vollständigkeit halber, aber das waren Nuancen, die keine Rolle spielten. So genau wollten es die meisten nicht wissen. Das war nicht die schlechteste Kombination, wenn es darum ging Eindruck bei den Damen zu hinterlassen. Er genoss die Aufmerksamkeit die ihm zuteilwurde, zweifelsohne. Allerdings hatte es bisher nicht klappen wollen mit der großen Liebe. Er war keineswegs ein Aufreißer, im Gegenteil, war er doch meist sehr zurückhaltend. Immer wieder grübelte er, warum er noch nicht die große Liebe getroffen hatte, mit der er bis in alle Ewigkeit glücklich war. Ein kitschiger Gedanke, aber auch schön. Eine Ex- Freundin meinte einmal zu ihm, er sei bindungsunfähig und außerdem wäre es komisch, dass er noch bei Mama daheim wohnen würde.
Dabei war es nicht so. Die Unfähigkeit sich zu binden als Grund zu nennen, das hielt er für Quatsch. Die Sache mit seiner Mutter – sie wohnte bei ihm, nicht umgekehrt. Als sein Vater verstorben war, fühlte Manfred sich einfach verpflichtet, ihr anzubieten, bei ihm zu wohnen. Seine Mutter war durch die Trauer damals unfähig gewesen allein zu bleiben und sie war seine Familie. Er hatte genug Platz in seinem Haus, da war es doch selbstverständlich für ihn.
Geschickt war es natürlich auch irgendwie. Zugegeben…Seine Mutter wusch seine Wäsche mit, machte ja auch Sinn, zwecks Strom- und Wasserverbrauch. Beim Kochen konnte sie ebenso für zwei Personen planen. Er selbst konnte kochen und waschen, daran lag es also ganz sicher nicht.
Ihr machte es nichts aus und Manfred fand es eigentlich ganz praktisch. Diese handfesten Argumente hatten seine früheren Freundinnen allerdings nicht interessiert. Kein Wunder, dass er sich nicht lebenslang an jemanden binden wollte, der das nicht verstehen konnte.
Er fegte die grübelnden Gedanken beiseite, als sie das Büro betraten.
„Hey Mrs. M, gibt’s was Neues aus der Pathologie?“
„Die Eva, ich meine die Frau Kerpler, hat angerufe. Sie sagt, dass se bis jetzt noch nix weiter weiß, als sie schon vermutet hat. Erschossen worden isch er, männlich isch er, 40-50 Jahre alt, Todeszeitpunkt zwischen null Uhr und null Uhr dreißig. Für den Rest braucht sie noch. Und sie fragt ob Sie, Herr Kommissar, am Mittwoch mit ihr ins Essen gehen wolle.“
Erna schaute von ihrem Notizzettel auf, offensichtlich neugierig zu erfahren was der Herr Kommissar zur Essenseinladung sagen würde.
Der Herr Kommissar jedoch hatte gar nicht vor, das jetzt sofort zu entscheiden.
Die Eva, so lieb und nett sie auf der einen Seite war, war sie auf der anderen Seite auch anstrengend, laut und quirlig. Er wollte sie nicht vor den Kopf stoßen, war er doch auf die gute Zusammenarbeit angewiesen. Aber wenn er ehrlich sein sollte, glaubte er nicht an eine gemeinsame Zukunft zwischen ihnen.
„Ich gebe ihr direkt Bescheid, danke Erna!“
Erna schaute ziemlich enttäuscht drein, hatte sie doch definitiv mit mehr Infos gerechnet zum Thema Eva und Manfred.
„Ufff!“ Stöhnend ließ sich Manfred auf seine Couch fallen und streifte seine Schuhe ab. Den kurzen Gedanken, noch im Fitnesscenter vorbeizugehen, hatte er direkt wieder verworfen. Wenn ein Montag schon so mörderisch begann, musste er sich nicht noch an der Hantelbank schinden.
„Manni? Essen isch fertig, komm…“
Seine Mama Lore wedelte aus der Küche mit dem Kochlöffel in seine Richtung.
„Ich komme.“ Pflichtschuldig wechselte er vom Sofa an den Esstisch. Es war verrückt, sagte er sich in Gedanken. Er war ein erwachsener Mann. Erfolgreich in seinem Beruf. Gewohnt Anweisungen zu geben.
Aber in Gegenwart seiner Mama, fühlte er sich stets wieder wie ein kleiner Bub, der verhätschelt wurde. Und er musste sagen, insgeheim genoss er diesen Zustand. Auch wenn seine Freunde gerne ihre Scherze über seine Mama – Sohn WG machten.
„Mmmhh, das duftet ja wieder himmlisch.“ Genießerisch schloss er die Augen.
„Extra dein Lieblingsgericht Linsen, Spätzle und Saiten. Und als Nachtisch gibt’s noch ein Stückle Apfelkuchen. Den hab ich heute Mittag gebacken, ich war mit der Irene verabredet, weisch…“
Während Manfred das deftige Essen genoss, erzählte seine Mutter vom Nachmittag mit ihrer Freundin Irene, welche Neuigkeiten es bei deren Enkeln gab und wie sie in ihrer Rolle als Oma aufging. Das war Lores Lieblingsthema, das sie sofort aufgriff.
„Enkele!“ Ihr Gesicht nahm einen schwärmerischen Ausdruck an. „Du glaubst gar net, wie sehr ich mich darauf freue. Das würde mein Leben so bereichern, Manni. Wenn das dein Papa noch erleben könnt.“ Wie üblich traten seiner Mutter Tränen in die Augen, wenn die Sprache auf seinen Vater Egon kam, der leider viel zu früh verstorben war.
„Mama, bitte! Davon sind wir noch weit entfernt…Ich hab doch noch gar keine passende Frau“, gab Manfred gekünstelt heiter von sich.
„Ja, Manni. Noch! Des kann nimmer lang dauern. Schau dich an! Welches Mädle würde sich nicht glücklich schätzen, so jemanden an seiner Seite zu haben?“
„Mama!“ Manfred lachte. „Du bist voreingenommen. So denkt jede liebende Mutter über ihr Kind. Aber ich habe auch meine Macken, und bisher hat es halt noch nicht klappen wollen.“ Achselzuckend wand er sich seinem Apfelkuchen zu, für ihn war dieses Thema damit erledigt. Das war der einzige Punkt, der ihn am Zusammenleben mit seiner Mutter richtig störte. Sie ließ keine Gelegenheit aus, um sich in sein Liebesleben einzumischen. Wenn er da an die ein oder andere Story dachte…kein Wunder, dass die Damen da nicht begeistert waren. Zu seinem Glück befand seine Mutter heute wohl auch, dass das Thema genug beackert wurde und erkundigte sich stattdessen nach seinem Tag.
Sie war neugierig, was es mit der Leiche wohl auf sich haben würde. Er versprach sie auf dem Laufenden zu halten, wohl wissend, dass er ihr nur die Infos mitteilen würde, die zeitgleich auch an die Presse rausgingen.
Der nächste Tag versprach sonnig, aber kalt zu werden. Manfred stand einige Zeit vor seinem Kleiderschrank bis er sich final für ein Ensemble aus einer karierten Hose, schwarzem Hemd und passender karierter Weste plus Fliege entschieden hatte. Die schwarzen Budapester ergänzten den Look perfekt.
Der Blick in den Spiegel stellte ihn zufrieden. Er war froh, dass ihm als Kriminalkommissar die Freiheit zustand, seine eigene Kleidung zu tragen. War diese für ihn doch Teil seiner Persönlichkeit. Er hatte sich als Jugendlicher in die Mode „verliebt“ und über die Jahre seinen ganz eigenen Stil gefunden. Seine Eltern waren nicht wohlhabend gewesen in seiner Kindheit, das Geld war immer knapp. Seine Mutter hatte getan, was sie konnte, aber es kam dennoch öfter vor, dass er „Hochwasserhosen“ tragen musste, oder Jeans mit Flicken auf den Knien. Kinder konnten gemein sein. So blieb es nicht aus, dass Manfred, der leicht übergewichtige, schüchterne Junge, Opfer von gemeinen Lästereien wurde.
Er hatte sich innerlich so geschämt. Eines Tages war ihm ein Modemagazin in die Hände geraten. Fasziniert hatte er sich in sein Zimmer zurückgezogen, und es studiert. In diesem Moment war seine Leidenschaft für Mode erwacht. Er hatte begonnen zu trainieren, ging joggen nach der Schule und erfolgreich abgenommen. Seit er sein eigenes Geld verdiente, kaufte er nur Kleidung, die ihm gefiel und seine Persönlichkeit unterstrich. Er hatte festgestellt, dass er sich durch seine Kleidung ausdrücken konnte. Das tat ihm gut.
„Tschüß Mama! Bis später…“, rief er ihr im Vorbeigehen zu.
„Schick bist du! Bis nachher.“
Das rechnete er seiner Mutter hoch an. Sie hatte ihn immer unterstützt, war unglaublich stolz auf ihn und entzückt über seinen guten Modegeschmack.
Im Büro duftete es bereits nach frischem Kaffee. Erna wirbelte auf ihn zu, gut gelaunt wie immer.
„Guten Morgen, Herr Kommissar, ich hab Ihnen schon ein Rückrufzettele auf den Tisch gelegt. Der Polizeipräsident. Es isch ganz wichtig, sagt er.“
„Ja, das ist es ja immer“, grummelte Manfred vor sich hin. Es war ärgerlich. Da war er schon sein eigener Chef, aber trotzdem musste er sich immer wieder rechtfertigen. Sein Chef, der Polizeipräsident hatte Zweifel dass er, Manfred, der großen Verantwortung gerecht werden würde, die er ihm zugeteilt hatte. Dafür gab es allerdings keinen Grund.
Er war zwar nicht immer der Meinung seines Chefs gewesen und in der größeren Einheit, in der er davor war, gab es bezüglich der verschiedenen Ansichten zu Ermittlungen immer wieder Reibereien, aber jetzt war alles gut. Seit er diese kleine Einheit leiten durfte, meist mit Fällen, die viel Ermittlungsarbeit erforderten, war er in seinem Element. Um die Ecke denken, auch mal ungewöhnliche Wege gehen, um die Wahrheit herauszufinden, das war genau seine Welt. Zudem dachte er nicht ohne Stolz, war seine Aufklärungsquote wirklich gut.
Seufzend nahm er den Telefonhörer in die Hand, um mit der Sekretärin des Polizeichefs einen Termin zu vereinbaren. Kaum hatte er den Hörer wieder beiseite gelegt, wirbelte Alex ins Büro.
„Morgen, Manfred! Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“ Er war leger gekleidet, Jeans, Sneaker und ein Pulli. Manfred mochte seinen sportlichen Stil, er passte gut zu ihm.
Manfred nahm einen schwachen Duft nach Sandelholz und Moschus wahr. Nicht zu aufdringlich, aber doch erkennbar. Hatte Alex sein After Shave gewechselt? Bisher war ihm das noch nicht an ihm aufgefallen.
„Morgen…Keine Laus, eher ein Präsident“, grinste Manfred schief über seinen eigenen Scherz. „Der Polizeipräsident will mich sprechen. Schon heute Nachmittag. Es sei dringend. Keine Ahnung, was es damit auf sich hat.“
„Ist das im Normalfall eher ungewöhnlich für ihn?“, erkundigte sich Alex neugierig.
„Stimmt, du kennst ihn noch nicht so lange. Ich erzähl es dir mal bei einem Bierchen nach Feierabend.“
„Gibt’s was Neues in unserem Fall?“ Alex machte sich wieder an der Tafel zu schaffen.
„Leider noch nicht, nur der Todeszeitpunkt wurde ungefähr bestätigt. Es deckt sich mit Evas anfänglicher Schätzung der Uhrzeit. Lass uns mal los nach dem Langen Paul schauen. Ich erhoffe mir, dass er vielleicht ein paar Beobachtungen rund um den Tatort gemacht hat.“
Wie von Jimmy Joe versprochen, fiel Ihnen schon von weitem ein großer Mann auf einer Yogamatte thronend, den Blick Richtung Hagenbucher See gerichtet, ins Auge.
Er hatte ein Bein angewinkelt. Beim Näherkommen aus Richtung Unterer Neckarstraße wurde sichtbar, wie ärmlich seine Kleidung war. Er hatte die Augen geschlossen und den Kopf Richtung Sonne gewandt, die ein paar dunkle Wolken zu vertreiben versuchte.
Geduldig warteten Manfred und Alex, bis er seine Pose änderte.
„Schmelzle, mein Name, Polizeioberkommissar. Das ist mein Kollege Polizeimeister Merts. Sind Sie der Lange Paul?“
Der Gesichtsausdruck des Langen Paul wurde direkt verschlossen. „Ja. Warum interessiert sich die Polizei dafür? Was soll das? Ich darf hier meinen Morgensport machen. Das ist nicht verboten!! Und mit Drogen und so `nem Scheiss hab ich nix zu tun!“
Manfred hob beschwichtigend die Hände „Jimmy Joe schickt uns. Es hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun“.
„Es gab einen Mord in der Innenstadt. Da Sie in der Nähe des Tatorts übernachteten, wollen wir nur fragen, ob Ihnen irgendetwas aufgefallen ist, vorletzte Nacht?“
Alex hielt ihm ein Bild des Mordopfers vor die Nase.
„Kommt Ihnen der Herr bekannt vor?“
„Nee. Das ist keiner von uns. Die Obdachlosenszene in Heilbronn is nich` so groß. Da kennt man sich.“
„Ist Ihnen etwas Ungewöhnliches in der betreffenden Nacht aufgefallen? War etwas anders als sonst?“ Manfred wartete gespannt die Antwort ab.
Der Lange Paul überlegte geraume Zeit und da er die Augen schon wieder geschlossen hielt, war Manfred drauf und dran zu fragen, ob er eingeschlafen sei.
