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Du hast das Abi in der Tasche und willst endlich an die Uni? Oder bist du bereits im Hochschul-Dschungel angekommen und brauchst dringend Orientierung? Mit dem Studium erwartet dich die aufregendste Zeit deines Lebens. Du hast unendlich viele Möglichkeiten, kannst alles selbst entscheiden und lernst nur noch das, was dich wirklich interessiert. Damit dabei nichts schiefgeht und dir die Herausforderungen nicht über den Kopf wachsen, gibt es dieses Handbuch. Es ist der ideale Begleiter für deine nächsten Jahre, denn es liefert dir alles, was du für einen guten Start an der Uni, ein erfolgreiches Studium und das Leben drum herum so brauchst: Von der Studienwahl und Bewerbung über die Finanzierung, Wohnungssuche und die erste Hausarbeit bis hin zum WG-Leben, der Mottenplage im Küchenschrank und dem drohenden Pleitegeier. In diesem Buch stecken ein Haufen Informationen, Tipps und Tricks, wichtige Kontaktadressen und dazu jede Menge Spaß und studentisches Lebensgefühl.
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Seitenzahl: 350
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Titel des Buches
Vorwort
Endlich Studium!
Finde das richtige Studienfach
Studienabschlüsse
Unidorf oder Metropole
Bewerbungsverfahren
Finanzierung
Besser gut versichert!
Deine eigenen vier Wände
Studieren für Anfänger
An der Uni
Irren ist menschlich
Freizeit
To Do: Welt verbessern
Überlebenstipps für den Alltag
Erste Hilfe!
Unterwegs
Auf und davon
Erste Schritte Richtung Berufsleben
Impressum
Endlich Studium!
Das Handbuch für die beste Zeit deines Lebens
Philipp Appenzeller, Rieke Kersting (Hrsg.)
Autoren: Philipp Appenzeller, Stephanie Ehrich,Bianca Gebhardt, Henrike Hepprich, Rieke Kersting, Ann-Cathrin Klose, Jasmin Rackl, Alexandra Strohmeier, Jann von der Brelie
Vorwort
Willkommen zur besten Zeit deines Lebens und mittendrin imAbenteuer. Keine Angst, das sind keine leeren Versprechungen, sondern ganze einfach die Verheißungen des Studentenlebens. Es warten unendlich viele Möglichkeiten, spannende Herausforderungen und jede Menge neuer Kontakte auf dich. Damit dir bei dem Ganzen nicht schwindelig wird, haben wir dieses Buch gemacht. Es liefert Antworten auf alle deine Fragen, hilft dir dabei, die für dich richtigen Entscheidungen zu treffen und gibt dir das nötige Know-how für deine Zeit an der Hochschule.
Damit du die besten Infos aus erster Hand bekommst, und keine abgestandenen Weißheiten aus dem letzten Jahrtausend, haben wir junge Autorinnen und Autoren zusammengetrommelt, die selbst noch studieren oder ihr Studium vor nicht allzu langer Zeit abgeschlossen haben. Denn die wissen ganz genau, wo die großen und kleinen Fallen im Studienalltag lauern. An dieser Stelle möchten wir uns nochmals bei unseren großartigen Autorinnen und Autoren bedanken, die dieses Buch durch intensive Recherchen, bestes Expertenwissen und unterhaltsame Texte möglich gemacht haben.
Wenn du das Inhaltsverzeichnis gelesen hast, hast du vermutlich schon gemerkt, dass hier jede Menge drinsteckt. Und das muss auch so sein, denn in deiner neuen Lebensphase ist das nun mal genauso: Da warten Seminare, Prüfungen, Referate, Hausarbeiten und jede Menge Arbeit; die Mottenplage im Küchenschrank, Diskussionen um den Putzdienst in deiner WG und deine erste Schreibblockade; Ärger mit dem BAföG-Amt, gemeinsame Spaghetti-Orgien mit Freunden und ein tolles Praktikum.
Dieses Buch soll dich in allen Lebenslagen begleiten und dir mit Rat (leider ohne Tat – dafür bist du selbst verantwortlich) zur Seite stehen. Du kannst in aller Ruhe darin schmökern, aber auch blitzschnell die wichtigste Info finden – das ausführliche Inhaltsverzeichnis und der praktische Index am Ende des Buches machen’s möglich. Wenn du trotzdem etwas vermisst, schreib uns:[email protected]
Wir wünschen dir viel Erfolg und Vergnügen in deinem Studium und den nötigen Mut für die entscheidenden Neuentdeckungen in der besten Zeit deines Lebens.
Rieke Kersting & Philipp Appenzeller
(Herausgeber)
Nachtrag: Das ewige Gendern
Natürlich sind wir uns als aufgeklärte, emanzipierte und reflektierte Menschen darüber im Klaren, dass geschlechtergerechte Sprache wichtig ist. Versucht man jedoch, ein informatives und gleichzeitig nettes, unterhaltsames Buch zu schreiben, kommt man bei der 83. Partizip-Form etwas ins Grübeln, denn der Text wird auf Dauer doch recht sperrig. Damit unsere Leser und Leserinnen nicht auch so empfinden, sind wir einen etwas unkonventionellen Weg gegangen.
In den Überschriften, also an prominenter Stelle, haben wir uns für die „Professor/in“- Strategie entschieden – fanatische Sprachschützer mögen uns verzeihen! Im Text selbst begegnen dir sowohl der Professor als auch die Professorin, der Dozent oder auch mal die Dozentin, so wie im wirklichen Leben eben auch. Wir geben an dieser Stelle allerdings keine Gewähr für eine exakt paritätische Aufteilung.
Zugegebenermaßen gerät man bei dieser Methode aber bei den Pluralformen wieder an Grenzen, denn an einer Uni gibt es nun einmal nicht nur Professorinnen (impliziert nun einmal nur Frauen), sondern eher noch Professoren (impliziert Frauen und Männer). Natürlich ist das ein fauler Kompromiss, nur die männliche Pluralform zu benutzen (Frauen werden unsichtbar gemacht und so), aber es erschien uns als die vorläufig beste Lösung. Hast du eine bessere, schreib uns gerne eine Mail, es gibt garantiert eine zweite Auflage.
Endlich Studium
Mit dem Studium steht für dich vielleichtdas erste richtige Abenteuer an: Du ziehst zu Hause aus, wechselst die Stadt, triffst viele neue Leute, sitzt zwischen hunderten anderer Studenten im Hörsaal und bist von nun an selbst für dich verantwortlich. Durch die Umstellung auf Bachelor und Master ist das Studium heute zwar viel verschulter als noch vor ein paar Jahren, hat aber an Glorifizierung kaum etwas eingebüßt – und das zu Recht: Schließlich wartet immer noch eine der tollsten und spannendsten Lebensphasen auf dich. Damit sie dich mit ihren vielen Vorteilen und wenigen Nachteilen nicht gänzlich unvorbereitet trifft, hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack.
Du bist jung
Wer ins Studium kommt, wird erstmal auf eine ihm fremdgewordene Stufe der Rangordnung zurückgeworfen: Ja, du gehörst nun wieder zu den Jüngsten. Und: Noch nie waren Studenten so jung wie heute – G8 und Abschaffung der Wehrpflicht machen‘s möglich. Daher erscheint ihr den höheren Semestern vermutlich auch als besonders klein und unerfahren.
Du musst als Hochschul-Neuling nun wieder so profane Dinge erforschen wie den Weg zur nächsten Toilette und dabei immer wieder feststellen, dass die Uni doch um einiges größer ist als deine alte Schule. Und zu allem Überfluss wirst du auch noch „Ersti“ genannt und siehst dich mit Muttergefühlen von Frauen konfrontiert, die gerade mal zwei Jahre älter sind. Mag das zunächst ungewohnt sein und (sehr erwachsene) Trotzreflexe hervorrufen, so musst du dir doch die Vorteile vor Augen halten: Du darfst allen Menschen doofe Fragen stellen (nur nicht zu viele) und genießt die ersten Monate Narrenfreiheit.
Und ein bisschen unabhängig ist man in den meisten Fällen ja auch schon: Man wohnt nicht mehr zu Hause und kann kommen und gehen, wann man will, essen, was man will, und die Vorlesungen besuchen, die man hören will. Wer bei schönstem Sonnenschein den ganzen Tag im Bett liegen bleiben möchte, das Rollo runter und bewaffnet mit einem Buch und Schokolade, der kann das tun, ohne dass Papa meckert, dass man doch mal rausgehen soll. Diese Entscheidungsfreiheit macht so viel Spaß, dass man auch die unsinnigsten Sachen ausprobiert. Dann hat man sie wenigstens einmal gemacht. Das Erstaunliche daran: Aus diesen Erfahrungen lernt man tatsächlich. Und irgendwann merkt man schließlich auch, dass einen Abschluss haben gar nicht so schlecht wäre und früher aufstehen und nicht mehr jeden Abend viel Wein trinken dafür sehr hilfreich ist. Oder man entdeckt irgendwo im Chaos seine ganz eigene Berufung. Kurz: Man wird doch erwachsen – aber das hat Zeit
Du bist arm
Der vernünftige Umgang mit Geld wird dir im Studiumzwangsweise beigebracht, denn auf einmal bist du ganz schön arm. Wo du vielleicht früher mit dem Geld aus dem Kellnerjob den nächsten Surftrip an die französische Atlantikküste finanziert hast, weil dich der gut gefüllte elterliche Kühlschrank zuverlässig vor dem Hungertod bewahrt hat, da muss jetzt das Sparschwein für die kaputt gegangene Waschmaschine herhalten.
Ein Student an einer deutschen Hochschule verfügt im Durchschnitt über 812€ an monatlichem Einkommen (aus BAföG / Job / Stipendium und Elternfinanzierung). Etwa 20 % haben sogar weniger als 600 € in der Monatskasse. Als armutsgefährdet gilt man als Einpersonenhaushalt hierzulande aber schon bei einem Nettoeinkommen von weniger als 940 €. Da kann man sich ausrechnen, dass die meisten Kommilitonen sich darunter befinden. Und dass manch einer jobben gehen muss, um im Winter was Warmes zum Anziehen zu haben. Laut Untersuchungen des Deutschen Studentenwerks haben immerhin 23 % der Studierenden über die „Grundkosten“ hinaus keine Mittel zur Verfügung – also laut Studie eigentlich auch kein Geld für „Körperpflege, Reinigen und Waschen der Kleidung, Zeitungen und Zeitschriften usw.“ (Quelle: 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks).
Das ist aber alles halb so wild. Denn: man ist Student. Das heißt, man wohnt in einer WG, ist im besten Fall noch familienversichert und kommt günstiger ins Kino. Und: Ganz vielen anderen geht es genauso. Die müssen auch am Ende des Monats das billigste Essen in der Mensa essen, egal was es ist. Und freuen sich darüber, wenn man die heimische Küche zur Verfügung stellt, um gemeinsam den leckersten Supermarktwein unter 3 € zu küren. Man entdeckt das Unikino und merkt, dass eine samstägliche Fahrradtour sogar mehr Spaß machen kann als Shoppen in der überfüllten Innenstadt.
Du bist kreativ
Wer wenig Geld hat, muss improvisieren. Und wer improvisiert,wird kreativ. Du kannst all das machen, was dir gerade in den Kopf kommt: Deine Eltern können nicht mehr von einer pubertären Phase sprechen, wenn du jeden Monat dein Zimmer umstellst und von pinken auf schwarze Wände wechselst. Denn sie kriegen es ja nicht mit. Du wolltest schon immer mal Saxophon oder Schlagzeug lernen, aber deinen Eltern war das zu laut? Im Studium geht so etwas hervorragend – besonders, wenn es Musik-Studenten in deiner Stadt gibt, die dir günstig Unterricht geben, damit ihrem Kühlschrank wiederum die Milch nicht ausgeht.
Wenn du in der Schule schon wusstest, dass das Theater für immer deine emotionale Heimat sein wird, kannst du dir einfach eine neue Theatergruppe suchen. Denn so etwas gibt es an der Uni im Überfluss und in jeglicher Interpretationsrichtung. Oder du gehst in den Kurs für kreatives Schreiben, nur um's mal auszuprobieren. Oder startest dein eigenes Impro-Projekt auf dem Campus oder zettelst mit ein paar anderen provokante Flyer-Kunst an. Oder, oder, oder ... Die Schwarzen Bretter an deiner Uni (und im Netz) warten mit jeder Menge Angeboten und Gleichgesinnten.
Entdecke die Möglichkeiten
Im Studium kannst du nochmal ganz neuanfangen. Hier kennt dich keiner und es wundert daher auch niemanden, wenn du auf einmal nur noch im Anzug zur Vorlesung gehst (obwohl das im Physik-Hörsaal vielleicht mit hochgezogenen Augenbrauen kommentiert wird) und einen Monat später Dreadlocks hast.
Und erst das eigene Studienfach: Wie unvorstellbar viele Vorlesungen und Forschungsrichtungen! Die klingen auch noch (fast) alle spannend. Wirst du nun Immunbiologe oder Geobotaniker? Was kann man nicht alles mit einem Mathematikstudium anfangen! Oder gar mit Geschichte: Journalismus, Management, Nichtregierungsorganisationen, Diplomatie. Und wie soll man da nun beurteilen, welches Praktikum lebensnotwendig ist für eine Zukunft in ungetrübter Glückseligkeit?
Damit man den Überblick nicht verliert, sollte man den Lebenslauf als Richtschnur ganz schnell wieder vergessen. Sondern das machen, was einen wirklich, wirklich interessiert und nicht nur so ein bisschen. Denn man kann leider nicht jede Übung im Chemielabor und jedes Gender-Seminar mitmachen. Der Tag hat nur 24 Stunden. Es gilt also, thematische Prioritäten zu setzen. Dafür kann es sich schon mal lohnen, einen Tag der Semesterferien für das Studium des kompletten Vorlesungsverzeichnisses zu reservieren. Und den Tag drauf am besten auch noch – falls sich die eigene Perspektive doch spontan verschoben hat. Man will ja auch seine Vielseitigkeit nicht verlieren. Klar relativiert sich das dann, wenn man seine Bachelor-bedingten Pflichtkurse aus dem aktuellen Modul berücksichtigt. Und natürlich kommst du auch nicht in alle Kurse einfach so rein. In die meisten Vorlesungen aber z. B. schon.
Überhaupt gibt es so viel zu sehen und zu entdecken: Die Stadt hat tausend Nebengässchen und Fahrradwege. In der Umgebung kann man Wandern und Skifahren. Und wer hätte gedacht, dass das Ruhrgebiet so viele gute Theater hat? Auf einmal findet man Gefallen an Geocaching, und erst das Ausland: Es ist erstaunlich, wie schnell man jemanden findet, der genauso begeistert ist von der Idee, im Sommer vier Wochen auf Bio-Bauernhöfen in Schweden zu jobben – für Kost und Logis. Und wer wollte nicht schon immer mal für ein halbes Jahr nach Australien? Da kann man ja schließlich auch studieren.
Außerdem kannst du jeden Tag unzählige Vorträge, Events und Lesezirkel besuchen. Guck dir einfach richtig viel an, auch wenn du dir überhaupt nicht vorstellen kannst, was unter phänomenologischer Psychologie eigentlich zu verstehen ist. Und sogar eine Physikvorlesung kann deinen Horizont erweitern. Immer hilfreich sind Freunde, die mit ihrer Begeisterung für ihr Fach ansteckend sind. Aber auch in deinem Fach lernst du natürlich merklich dazu und das merkt auch dein Umfeld: Bald erhöht sich die Anzahl der Anrufe panischer Verwandter, die einen komischen Ausschlag oder ein Ziehen im Knie beim Aufstehen haben und nun von der zukünftigen Nobelpreisträgerin für Medizin – dir – bestätigt haben möchten, dass sie in den nächsten drei Monaten nicht einer tödlichen Krankheit erliegen werden. Und du weißt Bescheid (äh, naja, oder eben auch noch nicht so recht).
Freunde
Und mit wem teilt man das alles? Wer nicht so weit wegzieht, um zustudieren oder gar zusammen mit dem besten Kumpel nach Berlin geht, der kann auf alte Schulfreunde zurückgreifen. Aber nicht alle Schulfreunde studieren oder studieren dasselbe. Auf einmal macht man ganz unterschiedliche Erfahrungen und kann sich nicht mehr stundenlang darüber unterhalten, wie langweilig der Englisch-LK oder wie furchtbar schlecht die Kunstlehrerin angezogen war. Oder man sieht sich eben nur noch alle drei Monate und ist dann ausschließlich damit beschäftigt, dem Gegenüber zum fünften Mal zu erklären, was man im Studiengang „Computerlinguistik“ denn nun genau macht. Und wenn man dann das nächste Mal nach Hause kommt, verbringt man vielleicht lieber mehr Zeit damit, sich von Papa bekochen zu lassen.
Am Anfang des Studiums hast du sowieso nicht mehr so viel Zeit. Denn das Telefonbuch ist voller neuer Nummern und die Woche voller Verabredungen zum Bier im Stadtpark oder zur Pizza in der Altstadt. In den ersten drei Monaten ist fast jeder Kommilitone ein potenzieller Freund, schließlich hat man durch die Wahl des Studienfachs schon mal ähnliche Interessen und genügend Gesprächsstoff. Da werden schnell Zweckbündnisse geschlossen. Nach der anfänglichen Euphorie über die vielen Kontakte merkt man aber schnell, wer wirklich zu einem passt und mit wem man sich über mehr unterhalten kann als den Speiseplan der Mensa. Und wenn das nur einer in der Vorlesung ist: Für den Anfang ist das doch schon mal was! Und falls die Sehnsucht nach deinen Freunden aus alten Schultagen zu groß wird, dann mach in den Semesterferien statt Urlaub doch eine „Wiedersehenstour“ und klapper alle deine Freunde ab. Das spart auch gleich noch Übernachtungskosten.
Manchmal wirst du dich aber auch einsam fühlen. Wenn z.B. jemand aussieht wie der Doppelgänger eures Fußballtrainers mit stilechtem Vokuhila. Und du kannst es niemandem sagen, weil niemand es verstehen würde. Dass man neu anfangen kann, ist das Schöne an der Uni. Dass auf einmal niemand mehr weiß, was man mit fünfzehn so alles erlebt hat, ist ungewohnt und kann nerven. Aber je mehr man sich an der Uni ein- und seine Interessen auslebt, desto mehr Leute wird man finden, die man wirklich mag. Und auf einmal hat man einen richtigen Freundeskreis. Und der erlebt so einiges zusammen. Und wahrscheinlich ist da irgendwo mindestens eine(r) dabei, mit der/dem du auch am liebsten alleine Kaffee trinken gehst ...
Kaffee
Überhaupt: Kaffee! Zum Kaffee hat man zu Schulzeiten eine feste Meinung.Die einen gehen seit der zehnten Klasse in jeder Freistunde zum Bäcker und holen sich das Überlebenselixier. Die anderen haben nie damit angefangen und werden es auch nicht tun. Zu bitter, man kriegt Mundgeruch etc. pp. Zum Frühstück lieber Tee oder Kakao und für danach gibt’s ja auch Cola.
Im Studium aber werden die Karten noch einmal neu gemischt. Bei der ersten Hausarbeit etwa: Wenn man eine Woche vor Abgabetermin gerade mal die Literaturliste zusammen hat, hilft alles nichts und die Nacht wird zur wertvollen Arbeitszeit. Tee trinkt man besser mit Muße und von zu viel Cola oder Energy-Drinks kriegt man einen Zuckerschock. Also inspiziert man die WG-Kaffeemaschine und schon hängt man am Tropf.
Aber selbst ein vorbildlicher Student, der jeden Tag von acht bis sechs in der Bib sitzt und sein Praktikumsprotokoll schreibt, bis es eben fertig ist, der muss doch sehnsüchtig zuschauen, wie die anderen immer wieder eine Pause machen. Ihm schwant: Nur wer Kaffee trinkt, darf auch Kaffeepause machen. Und das nächste Mal geht man dann mit und trinkt einen Kaffee. Und hängt am Tropf.
Das Schöne ist: Mit der neu entdeckten Liebhaberei befindet man sich in guter Gesellschaft. Fast alle fangen spätestens jetzt damit an. Nur ein paar Wenige verzichten weiter darauf. Wenn man mit denen in den Urlaub fährt, nehmen sie sich extra ein riesiges Paket Kakaopulver mit. Und der Milchverbrauch steigt rapide. Denn der Kakaokonsum fällt pro Kopf noch intensiver aus als der von Kaffee. Diese Menschen hängen nämlich schon seit der Kindheit an ihrem Tropf.
Kochen lernen
Allerdings kann man sich nicht nur von koffeinhaltigen Flüssigkeiten allein ernähren,zumindest nicht auf Dauer. Und die Mensa hat zu große Portionen vom Falschen und frittiert einfach alles – zumindest gefühlt! Da lockt an vorlesungsfreien Tagen der heimische Herd. Man kann ja auch klein anfangen. Schließlich hat man zu Hause, wenn die Eltern weg waren, auch Miracoli gekocht. Und den Kartoffelsalat musste man schon mal zum Grillen mitbringen. Das war's dann aber auch schon mit der bisher erlernten Kochkunst.
Nur, wenn man schon mal dabei ist, sich neue kognitive Fähigkeiten anzueignen, warum bei der Nahrungsaufnahme aufhören? Praktischerweise hat man von der Patentante zum Auszug schon die „StudentInnenküche“ geschenkt bekommen und den ersten Selbstversuch muss man ja niemandem verraten. Kochen hat zudem einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Backen: Man kann immer wieder probieren: Ob die Nudeln schon durch sind oder die Soße noch ein bisschen Salz vertragen könnte zum Beispiel. Und die Nase ist ein zuverlässiger Ratgeber, ob ein Gewürz passt oder man es lieber weglassen sollte.
Wirst du zu einem gemeinsamen Kochabend eingeladen, obwohl du dich noch nicht reif fühlst, mit deinen Künsten andere Gaumen zu beglücken, nur keine Scheu. Meistens sind viele dabei und es kann ja eh nur einer im Topf herumrühren. Denjenigen dürfen die anderen dann beim obligatorischen Glas Rotwein bespaßen. Und Paprikawürfel schneiden ist ja auch eine ehrenvolle Aufgabe. Danach kann man dann zugucken und lernen. Und fragen. Das überhaupt jeden. Familie zum Beispiel. Die freuen sich nämlich, wenn man die heimische Küche so vermisst, dass man sie im neuen Zuhause nachkochen will. Und das Internet kann ganz anonym so profane Dinge beantworten, wie man Möhren am besten zubereitet oder was in Béchamel-Soße gehört. Da muss man sich auch vor niemandem schämen.
Wem das jeden Tag zu aufwändig ist, der kann immer noch auf die Tütensuppe oder Tiefkühlpizza zurückgreifen. Und bei entsprechender Abwechslung verzeiht einem der Gaumen auch den Besuch in der Mensa.
Das wilde Leben
Nie wieder hast du einen so flexiblen Terminplan, nie wieder so viel Zeitund nie wieder kommst du mit so wenig Schlaf aus. Beste Voraussetzungen also, das Leben in vollen Zügen zu genießen – und das solltest du auch tun!
Partys
Nie wieder finden so viele Partys statt, auf die du gehen kannst. Hast du dir eine echte Studentenstadt ausgesucht, so bist du nicht nur durch Fachschafts-, Wohnheim- und Privatfeten immer gut versorgt, sondern jede Kneipe und jeder Club mit jungem Publikum gibt Erstsemesterevents, Semestereröffnungs- und -abschlussfeiern und hat mindestens einen Studententag in der Woche, an dem das Bier nur 1,50 € kostet. Wer zu faul ist, das Haus zu verlassen, kann einfach eine eigene Party schmeißen. Da geht der Alkohol dann auch nie aus, denn jeder bringt was mit und die Tankstelle ist nicht weit entfernt; die günstigste Variante ist es damit auch – die werten Nachbarn sollte man allerdings zumindest informieren.
Mit wem man dann Party machen möchte, hängt natürlich von der eigenen Mentalität und Stimmung ab. Willst du eher tanzen als trinken, dann solltest du dir jemanden suchen, der genauso tanzbegeistert ist. Ist eher der günstige Schnaps der Beweggrund, das Haus zu verlassen, und schwebt dir die Theke als dauerhafter Aufenthaltsort vor, solltest du dir ein paar alte Mathestudenten suchen – nein, ist natürlich nur ein Klischee!
Wer solchen Aktivitäten unter der Woche frönt, dem kann am nächsten Morgen siedendheiß einfallen, dass eine Klausur oder ein Referat drohen. Bestenfalls hat man vorher gelernt. Dann hilft nur: so lange schlafen wie möglich, kalt duschen, bei unempfindlichen Magen Kaffee trinken, und auf jeden Fall ein gutes Katerfrühstück – keine Angst vor der Tiefkühlpizza! Danach musst du es nur schaffen, für ein bis zwei Stunden wach und konzentriert zu bleiben. Anschließend einfach nach Hause gehen und weiter schlafen.
Keine Verpflichtungen
Endlich bist du nur noch dir selbst Rechenschaft schuldig und wenn dubefindest, dass die Vorlesung des Bundesverfassungsrichters heute mal ausfallen muss, weil das Wetter einfach zu gut ist und das Freibad um zehn so schön leer, dann ist das eben so. Die Uni kann auch mal warten. Vielleicht gibt’s ja auch keine Anwesenheitskontrolle oder jemand organisiert dir ein Skript – oder eben auch nicht. Und im schlimmsten Fall kann man den Schein ja auch nächstes Semester noch machen ...
Eine Woche genüsslich im Bett liegen bleiben, sich von Ravioli aus der Dose ernähren und das Bett mit Chips vollkrümeln? Herrlich! Dumme Sachen im Fernsehen gucken oder gute Bücher lesen? Am besten gleichzeitig. Wer soll sich denn beschweren? Man hat ja keinen Chef. Und Mutti ist ganz weit weg. Da stellt sich unmittelbar das kribbelige Gefühl von Freiheit ein. Ist man in dieser Zeit sogar zu faul zum Abwasch, dann sollte man die dreckigen Teller aber im eigenen Zimmer stapeln. Und zu einer Sache sollte man sich doch aufraffen: dem WG-Dienst. Denn die Mitbewohner verärgert man besser nicht. Wer gerade eine Woche vor Abgabetermin der Masterarbeit ist, möchte nicht auch noch für den verlotterten Zweitsemester das Klo putzen.
Am wenigsten Konsequenzen für solche Phasen der Untermotivation muss man während der Semesterferien befürchten. Fünf Monate im Jahr, in denen man nicht mal mehr einen Stundenplan in der Küche hängen hat und ohne schlechtes Gewissen jeden Tag bis zwölf Uhr schlafen kann – was für eine tolle Erfindung! Und die paar Hausarbeiten, die man schreiben muss, die kann man ja auch noch um vier Uhr anfangen.
Allerdings verflüchtigt sich dieses wohlige Gefühl der Freiheit irgendwann – und das hat dann meistens was mit Abgabefristen zu tun. Dann wird einem wieder bewusst, dass die Semesterferien keine Ferien, sondern „vorlesungsfreie Zeit“ sind. Da arbeitet man dann eben auch mal tagsüber und noch die Nächte durch. Und schade ist es im Nachhinein um die lange ungenutzte Zeit ja schon auch irgendwie. Denn man würde ja auch gerne mal nach Ungarn fahren. Und dieses Praktikumsangebot von der Pinnwand hörte sich auch verdammt interessant an.
Unvernunft
Ja, das alles ist nicht besonders vernünftig. Glücklicherweise hat das im Studium aber oft nicht so richtigschlimme Konsequenzen, zumindest solange man seine Prüfungen trotzdem schafft. Und niemand kriegt's mit. Vor allem, wenn man seine Eltern einfach drei Wochen nicht anruft, obwohl die schon dreißig panische Nachrichten auf der Mailbox hinterlassen haben. Wenn sie schon die örtlichen Krankenhäuser abgeklappert haben, solltest du aber vielleicht mal kurz eine Nachricht schicken, dass es dir gut geht. Das reicht dann aber auch. Man muss ja nicht immer auf dem neuesten Stand sein, was Taufen der Kusinenkinder oder ähnliches angeht. Und dann fragt einen die Mutter auch nicht, ob man genug Gemüse isst. Tut man nämlich vermutlich nicht. Schnellrestaurants, Mensa-Essen, Tiefkühlware für zu Hause, so sieht der Speiseplan aus. Dass es so viel Spaß macht, unvernünftig zu sein, ist eines der großen Rätsel der Menschheit.
Und dann ist da ja auch noch das andere Geschlecht, die Wahnsinns-Frau auf der Party neulich oder der charismatische Typ in der Marx-Vorlesung zum Beispiel. Eines ist sicher: die Uni ist neben all der Wissenschaft auch eine riesige Flirt-Veranstaltung. Die eigenen (Miss-)Erfolge dabei wird man später unter Lebenserfahrung verbuchen. Spannend ist es auf jeden Fall. Ganz im Gegensatz zum Grundkurs in Vorderasiatischer Archäologie. Vor allem, weil man entdeckt hat, dass man sehr gut Gitarre spielen kann und vielleicht besser mit der neuen Band seinen Lebensunterhalt verdienen sollte. Das wäre auch im Hinblick auf den eigenen Biorhythmus vorteilhaft, denn der diktiert Schlaf zwischen vier Uhr nachts und zwei Uhr mittags. Und da sind die Vorlesungen meist leider schon vorbei.
Ein paar Wochen macht das nichts. Meistens erinnert man sich auch daran, dass das Hauptseminar dieses Semester eigentlich super interessant war und man froh sein konnte, noch einen Platz bekommen zu haben. Und die Klausur in Bio, die wird nur einmal im Jahr angeboten und die braucht man, um für den Master zugelassen zu werden. So schnell ist man wieder auf dem Boden der Tatsachen und der Wecker klingelt um acht.
Reisen
Wer während des Semesters gebührend vernünftig war, kann sich in den Semesterferien mal etwas gönnen: Urlaub! Das machen normale Arbeitnehmer schließlich auch. Allerdings bekommen die übers Jahr auch ein bisschen Geld für ihre Mühen. Der gemeine Student aber nicht, der häuft im Zweifel Schulden an. Aber wann wird man im Leben nochmal drei Monate am Stück frei haben? Da könnte man eigentlich wie zu Schulzeiten ein paar Wochen am Fließband stehen und sich danach drei Wochen Spanien leisten. Wer vor den Ferien Geburtstag hat, kann einen Reisekostenzuschuss ganz nach oben auf die Wunschliste setzen. Zumal Reisen auch günstig sein kann: Mit (zugegebenermaßen unökologischem) Billigflug oder Mitfahrgelegenheit und Übernachten in Mehrbettzimmern von Selbstversorger-Hostels spart man eine Menge. Wer kontaktfreudig ist und auch gerne Gastgeber, der kann auch mal Couchsurfen ausprobieren.
Schwieriger wird da schon die Frage, ob du alleine reisen willst oder in Gesellschaft. Wer alleine reist, kann tun und lassen, was er will. Aber zu mehreren kann man auch mehr erleben und fühlt sich nicht so einsam. Nur ist nicht gesagt, dass ein guter Freund auch ein guter Reisegefährte ist. Am einfachsten ist es mit alten Schulfreunden, mit denen man noch die Abifahrt in schönster Erinnerung hat: Es funktioniert und man weiß, worauf man sich einlässt. Allerdings melden auch die neugewonnenen Freunde Ansprüche auf deinen auswärtigen Orientierungssinn an. Da heißt es überlegen.
Plant ihr einen Spezialurlaub (Skifahren, Wandern, Surfen) ist es meist kein großes Problem, denn man hat schon mal einen gemeinsamen Nenner und der Stress ist reduziert. Einigt man sich aber schwammig auf Strandurlaub mit ein bisschen Kultur, ist Vorsicht geboten: Schläft die Person genauso gerne und lange wie du oder steht sie auch am Sonntag um acht Uhr auf? Will sie soviel sehen wie du oder wird sie den ganzen Tag den Hintern nicht vom Liegestuhl bekommen?
Wer schon am Freitagabend stundenlang über die Abendplanung diskutiert, um dann schlussendlich doch zu Hause zu bleiben, ist keine gute Begleitung für jemanden, der auch mal spontan über den nächsten Programmpunkt entscheiden möchte. Denn die Menschen werden nicht grundlegend anders im Urlaub, im Gegenteil: Ihre unliebsamen Seiten lassen sich nicht mehr so einfach verstecken, wenn ihr 24 Stunden lang dieselbe Luft atmet. Allerdings sind sie entspannter und deswegen oft kompromissbereiter. Wer also gerne um acht Uhr aufsteht, hat so wenigstens Ruhe fürs Lesen oder die Morgensonne am Strand, bis die anderen um zwölf Uhr aufstehen und man einträchtig etwas unternehmen kann.
Wer allerdings lieber das wahre Leben woanders kennenlernen und sehen möchte, wie die Kanadier leben, arbeiten, ausgehen und lernen, der sollte ein Auslandssemester oder Praktikum in Betracht ziehen. Dann kommt man nicht nur als Tourist und kann auch länger bleiben. Ein nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt: Die Auslandserfahrung macht sich auch gut bei zukünftigen Chefs. Und ein studienbezogener Ausflug in die Ferne wird auch mal fremdfinanziert: Von den stolzen Eltern oder vom lieben DAAD zum Beispiel (s. „Auf und davon: Wege ins Ausland“).
Finde das richtige Studienfach
Am Anfang deiner neuen Lebensphase steht eine ganz simple und doch sehr schwierige Frage: „Was will ich überhaupt?“ Denn genau darum geht es ab jetzt: Du folgst nicht mehr den eingeschränkten Bahnen von Mathe, Deutsch und Latein, sondern kannst endlich, endlich, endlich selbst bestimmen, womit du dich in Zukunft befassen willst. Und nun lass dir das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung mal so richtig schön auf der Zunge zergehen. Vor dir liegen nun unendlich viele Möglichkeiten – aber das ist gleichzeitig genau dein Problem. Wenn einem alle Wege offenstehen, wie bitteschön soll man sich da für den richtigen entscheiden?
Vielleicht weißt du schon, in welche Richtung du gehen willst, dann hast du Glück und kannst gleich damit anfangen, die entsprechenden Studienfächer und Unis genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber wahrscheinlicher ist, dass du zu denen gehörst, die sich einfach noch nicht so richtig sicher sind. Das muss dich aber auch nicht gleich zur Verzweifelung treiben! Sieh es einfach als Chance, denn in deinem bisherigen Schuluniversum und deinem direkten Umfeld hast du garantiert erst von einem Bruchteil der vielen, vielen Studienfächer gehört, die es in Deutschland so gibt. Umschauen und Stöbern ist also auf jeden Fall ratsam: Nur so kannst du überhaupt entdecken, was alles möglich wäre.
Solltest du allerdings absolut keinen Schimmer haben, wohin die Reise für dich gehen soll, dann geh am besten etwas systematischer an die Sache ran:
Die wichtigste Frage: Was interessiert mich eigentlich?
Diese Frage kannst du jetzt ruhig einmal wörtlich nehmen: Blatt und Papier raus oder Textprogramm angeworfen und eine Liste machen! Versuche, nicht gleich zu stark zu ordnen oder dich selbst zu korrigieren, schreib erstmal einfach alles so auf, wie es dir einfällt: was dir Spaß macht, was dich besonders interessiert und was du gerne machen würdest. Beziehe ruhig Freizeit und Hobbys mit ein. Gibt es ein Thema, zu dem du auch den längsten Zeitungsartikel gerne liest und das dich immer wieder packt? Letztlich bedeutet ein Studium ja, dass du dich eine ganz schön lange Zeit mit einem Fachbereich, seinen Themen und Methoden auseinandersetzen wirst.
Oder du machst gleich ein Mindmap, in dem du die einzelnen Punkte gruppierst. Du schreibst dazu das zentrale Thema in die Mitte, etwa „Meine Interessen“ oder „Was interessiert mich wirklich?“ und positionierst davon ausgehend die Unterthemen, also deine groben Interessen. Mit Hilfe dünner Ästchen, die von den großen Ästen ausgehen, kannst du immer weiter differenzieren, kommst so deinen Wünschen und Interessen näher und erhältst damit gute Anknüpfungspunkte, die dir bei der weiteren Suche nach deinem Studiengang helfen.
Zum Schluss musst du das Ganze nochmal kritisch hinterfragen: Was davon interessiert dich jetzt so richtig? Sicher sind es nicht alle 20 Dinge, die du aufgeschrieben hast, sondern vielleicht 2 oder 3 davon, die dich wirklich packen. Und genau hier solltest du dann weiterdenken: Welche Studienfächer würden zu deinen Interessen passen. Bei welchem Fach könntest du dich endlich den ganzen Tag mit dem befassen, was dich so richtig fasziniert.
Wenn dich das jetzt überfordert und du einfach nicht darauf kommst, was dich wirlich interessiert, lass bloß keine Frustration aufkommen. Die Frage „Was will ich überhaupt?“ bereitet vielen, vielen Menschen Kopfzerbrechen, und das auch immer wieder aufs Neue – du bist also mit deinem Problem in guter Gesellschaft.
Zum Glück gibt es deswegen auch eine ganze Reihe an Literatur – gute, schlechte, seriöse, eher zweifelhafte – die sich mit diesem Thema beschäftigt und dir ganz unterschiedliche Anleitungen präsentiert, um deine Interessen zu erforschen. Oft geht diese Interessenserforschung mit der Suche nach dem Traumjob einher. Das ist praktisch, denn aus dem Ergebnis lässt sich dann auch leicht ableiten, welche Studiengänge infrage kommen.
So ein Test ist natürlich nur dann gut, wenn er richtig viel Arbeit macht – in 15 Minuten zum Traumjob wäre irgendwie auch unseriös, oder?
Ein umfangreiches, von der Stiftung Warentest ausgezeichnetes und wirklich empfehlenswertes Buch zum Thema kommt von Angelika Gulder. Es trägt den Titel „Finde den Job, der dich glücklich macht“. Hier findest du mit Hilfe des „Karriere-Navigators“ heraus, was dich erfüllt und wie du zu deinem Traumjob gelangst. Das macht richtig Spaß und du erfährst sehr viel über dich selbst. Das Buch ist übrigens auch zur Planung für die Zeit nach dem Studium sehr hilfreich. (s. auch „Erste Schritte Richtung Berufsleben“)
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Buchtipp:
Angelika Gulder:Finde den Job, der dich glücklich macht.
Von der Berufung zum Beruf. Campus Verlag 2007, 19,90 €
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Was ist nun aber der richtige Studiengang für mich?
Diese Frage hat es doppelt in sich. Schließlich weißt du jetzt zwar, in welche Richtung es gehen soll, aber vermutlich noch nicht, was dich in den entsprechenden Studiengängen an Themen und Methoden erwartet. Und hinzu kommt, dass es in den meisten Fällen ja nicht unbedingt eine Entsprechung von Studienfach und späterem Beruf gibt. Anders gesagt: Mit den meisten Fächern kannst du später sehr viele unterschiedliche Berufe ergreifen. Und das ist auch gut so, denn so bist du nicht auf einen einzigen Job festgelegt, nur weil du dich für ein bestimmtes Studium entschieden hast. Wenn du aber einen konkreten Traumjob hast, kannst du also zunächst recherchieren, was die Menschen, die diesen Beruf ausüben, so studiert haben. Dann hast du ungefähr die Fächer, unter denen du wählen solltest.
In einem solchen Fall hilft dir z.B. dielokale Vertretung der Arbeitsagentur. Aber auch Berufsverbände oder Gewerkschaften aus dem jeweiligen Berufsfeld können dir wertvolle Tipps geben.
Geht es dir allerdings zunächst nicht um einen ganz genauen Traumberuf, sondern um dein Traum-Studium, dann stellt sich eher die Frage: Was verbirgt sich hinter den jeweiligen Studienfächern? Denn erst, wenn du das weißt, kannst du die richtige Wahl treffen. Für diesen Fall gibt es wirklich gute Informationsquellen. Das ist auch nötig, schließlich gibt es beinahe unendlich viele verschiedene Studiengänge an unzähligen Universitäten und Fachhochschulen.
Die „offizielle“ und jährlich aktualisierte Übersicht aller Studiengänge an staatlichen Hochschulen bietet dir das Heft „Studien- & Berufswahl“ von der Bundesagentur für Arbeit und der Kultusministerkonferenz (s. „Bücher, die helfen“). Aber auch online bekommst du schnelle und aktuelle Infos, meist verbunden mit praktischen Suchmaschinen-Optionen (s. „Studienwahl online“). Dabei erhältst du aber nicht mehr als einen ersten Eindruck. Um mehr Details zu den einzelnen Studiengängen zu erfahren, solltest du die Homepages einiger Universitäten besuchen, die den Studiengang anbieten. Dort findest du dann Kurzbeschreibungen zum Studienfach und ausführliche Darstellungen der Studieninhalte, -schwerpunkte und Methoden des Faches.
Willst du noch mehr wissen? Dann kontaktiere am besten gleich die Studienberatungen einiger Unis. Dort hilft man dir gerne und schickt dir entsprechendes Infomaterial zu. Nur keine Zurückhaltung – das ist deren Job!
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Bücher, die helfen
Jedes Jahr aufs Neue erscheint das Standardwerk zur Studiengangwahl und es kommt direkt von den zuständigen Ministerien:
Studien- & Berufswahl 2012/2013(42. Auflage); Bundesagentur für Arbeit, Kultusministerkonferenz (Herausgeber), 9,80 € im Buchhandel (gibts aber in der Regel kostenfrei in den Berufsinformationszentren der Arbeitsagentur oder über deine Schule).
Hier findest du alle Studiengänge an staatlichen Hochschulen, die es in Deutschland gibt, mit kurzen inhaltlichen Beschreibungen, den Universitäten, die den Studiengang anbieten, möglichenBerufsbildern und weiteren Infos. Ideal für das erste Reinschnuppern, um überhaupt eine Idee davon zu bekommen, was es so gibt und als Grundlage für die Uni-Suche. Außerdem gibt das Buch Tipps zur Studienwahl und liefert jede Menge hilfreicher Kontakt- und Beratungsadressen.
Vom AutorInnenduoDieter Herrmann/Angela Verse-Herrmanngibt es gleich mehrere unterschiedliche Ratgeber zum Thema – allerdings überschneiden sich diese inhaltlich deutlich, es reicht also vermutlich, wenn du eins davon durcharbeitest.
1000 Wege nach dem Abitur:So entscheide ich mich richtig. Stark 2010, 16,95 €
Studieren, aber was?Die richtige Studienwahl für optimale Berufsperspektiven. Stark 2010, 17,95 €
Der große Studienwahltest: So entscheide ich mich für das richtige Studienfach. Stark 2010, 14.95 €
Hier findest du aufeinander aufbauende Selbst-Tests mit knapper Beratung. Ausbildung oder Studium? Uni oder Fachhochschule? Was sagen deine Schulleistungen aus? Die richtige Fächergruppe und das richtige Fach finden. Das ganze funktioniert natürlich nur recht grob, aber wenn du vorher keinerlei Ideen hattest, dann kommst du hier vielleicht auf eine.
Denis Buss/Anke Tillmann: Aus dir wird was!:Alles zur Studien- und Berufswahl. Einstieg 2012, 10,00 €
Die Stärke des eher dünnen Buches liegt in den allgemeinen und nicht unmittelbar Fach-bezogenen Tests zu Beginn. Hier geht’s erstmal darum, deine Fähigkeiten aufzuspüren – und nicht einfach nach deinen besten Schulnoten auszuwählen. Es werden nicht nur Sprachfähigkeiten, sondern auch räumlich-visuelles, technisch-physikalisches und logisch-mathematisches Denken getestet und auch deine Kreativität spielt eine Rolle. Nach diesen Tests folgt die konkretere Fachsuche mit den üblichen Hinweisen zu Anlaufstellen und Hochschulen.
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Studienwahl online
Natürlich hält auch das Internet ein großes Spektrum an Hilfestellungen zur Wahl deines zukünftigen Studienfachs bereit. Zahlreiche Online-Portale versprechen unkomplizierte und schnelle Orientierung im Studienfach-Wirrwarr mit Hilfe von Tests. Allerdings ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen: Manche Tests erfordern zwei Stunden Hochkonzentration, wobei du aber Pausen einlegen kannst und deine Daten für einen gewissen Zeitraum abgespeichert werden.
Die Tests gliedern sich im Allgemeinen in Interessentests (Wie sehr interessiert es mich beispielsweise Computernetzwerke einzurichten?) und Fähigkeitstests, vergleichbar mit IQ-Tests. Hier musst du dein Können in sprachlichem, rechnerischem und räumlichem Denken unter Beweis stellen. Am Ende erhältst du eine Auflistung mit den für dich idealen Studienfächern und bist im besten Fall schlauer als vorher. Generell gilt die Faustregel: Je zeitintensiver und ausführlicher der Test, desto genauer lässt sich das passende Studienfach für dich bestimmen. Also: Ran an die Tasten! Hier ein paar empfehlenswerte und natürlich kostenfreie Portale für dich:
Entscheidungshilfen im Internet
www.was-studiere-ich.de
Ein Orientierungstest des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Du solltest dir für diesen sehr umfangreichen Test etwa 1 ½ Stunden Zeit nehmen. Deine Ergebnisse werden nach jedem Teil-Test gespeichert und du kannst Sie mit Hilfe einer TAN aufrufen, um den Test fortzusetzen. Wenn du alle Teile bearbeitet hast, werden dir Studienfachempfehlungen und Studienorte angezeigt. Allerdings ist dieses Portal auf baden-württembergische Hochschulen beschränkt. Überwww.hochschulkompass.deerfährst du aber, wo du das vorgeschlagene Fach noch studieren kannst.
www.borakel.de
Hinter dieser Adresse verbirgt sich das Studien-„Orakel“ der Ruhr-Universität Bochum. Hier musst du zu Beginn ausführliche Angaben über deine Abi-Noten (sofern die schon bekannt sind) machen. Zeugnis also parat halten! Falls dir schon ein konkretes Studium vorschwebt, kannst du das im Vorfeld angeben. Am Ende erfährst du dann, ob du auch tatsächlich dafür geeignet bist – ohne Gewähr, versteht sich! Neben den Noten fließen auch noch außerschulische Interessen und Fähigkeiten mit in die Bewertung ein. Der Test nimmt etwa 30 Minuten in Anspruch. Gleich nach Abschluss erhältst du eine Auflistung der passenden Studienfächer mit einer kurzen Beschreibung des Inhalts und sogar mit Erfahrungsberichten von Studierenden des jeweiligen Fachs. Kleines Manko: Der Test deckt nur die Studienfächer der Uni Bochum ab.
www.studienwahl.de
Von der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit gibt‘s hier alle Infos zur Studienwahl. Letztlich entspricht das Angebot einer abgespeckten Version des jährlich erscheinenden Buches „Studien- & Berufswahl“ (s.o.) – allerdings nerven die äußerst vielfältig eingebundene Werbung und die Unübersichtlichkeit der Seite etwas. Der eigentlich praktische Studiengangfinder spuckt leider nicht nur aktuelle, sondern auch längst aufgelöste Studiengänge aus, da muss man also hinterher etwas aussortieren.
Spielst du vielleicht mit dem Gedanken, Lehrer zu werden? Dann gibt es für dich einen extra Online-Test. Beim „Career Counselling for Teachers“ kannst du Fragebögen zum Studium auf Lehramt bearbeiten, die dir zeigen, ob du das Zeug zum Lehrer hast. Außerdem kannst du auch eine „geführte Tour“ durchs Lehramtsstudium und den späteren Berufsalltag machen. Am Ende spuckt dir die Seite dann aus, ob das Lehramt etwas für dich sein könnte. Übrigens: der Test ist anscheinend so gut, dass die Teilnahme in einigen Bundesländern sogar als Zugangsvoraussetzung fürs Lehramt-Studium vorgeschrieben ist. Entwickelt wurde das Ganze von Wissenschaftlern der Unis Klagenfurt und Lüneburg.www.cct-germany.de
Persönliche Beratung
Du hast schon x Online-Tests gemacht und bist trotzdem nochnicht schlauer? Immer noch kein Grund zu verzweifeln! Es gibt noch andere Möglichkeiten, sich Orientierung zu verschaffen. Und manchmal ist ein persönliches Gespräch besser als ein anonymer Test. Sowohl die Unis als auch die Agentur für Arbeit bieten eine Studienberatung an. Vereinbare einfach einen Termin und lass dir von hilfsbereiten Profis auf die Sprünge helfen.
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Hier findest du Beratung:
Arbeitsagentur:www.arbeitsagentur.de
Studienberatung: Die findest du über die Homepage der jeweiligen Uni, meist unter Studium --> Studienberatung.
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Und wozu hat man eigentlich Familie und Freunde? Frag doch einfach mal die Menschen um Rat, die dich am besten und längsten kennen. Manchmal sehen die bei dir noch ganz andere Talente und Fähigkeiten als du selbst. Und eventuell gibt es ja auch Menschen in deinem Umfeld, die etwas studieren oder studiert haben, das dich auch schon lange interessiert. Dann frag sie nach ihren Erfahrungen, Informationen aus erster Hand sind oftmals die wertvollsten.
Andere Kriterien der Fachwahl
Natürlich gibt es auch noch andere Vorgehensweisen bei der Studiengangwahl. Das wichtigste Kriterium ist für dich vielleicht nicht unbedingt deine Interessenslage, sondern etwas ganz anderes. Denn eventuell ist es dir einfach wichtig, später eine Menge Geld zu verdienen oder einen krisensicheren Job zu haben. Diese Kriterien sind nicht unbedingt eine gute Entscheidungsgrundlage, um absolute Erfüllung zu finden, spielen bei einigen aber dennoch eine größere Rolle – und das ist natürlich legitim. Auch bei Eltern sind „handfeste“ Entscheidungsgrundlagen natürlich gerne gesehen, da heißt es dann oft: „Kind, studier doch bitte wenigstens was Anständiges!“ Und was ist anständig? Klar, die Fächer, mit denen man später einen soliden Job findet, bei dem man ordentlich verdient und der darüber hinaus noch ein hohes Ansehen genießt. Also, wenn du es nun einmal wissen willst:
Wie viel verdient man später mit welchem Studienfach?
Wer diese Frage mit einer genauen Zahl beantwortet, betreibt natürlich Wahrsagerei der übelsten Sorte. Die Gehälter von Berufseinsteigern unterscheiden sich je nach Firma bzw. öffentlichem Arbeitgeber und dem Stellenzuschnitt deutlich. Hinzu kommen Schwankungen aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung. Nicht zuletzt spielt auch das Verhandlungsgeschick bei der Vertragsunterzeichnung eine Rolle. Gehaltstabellen können also nur eine grobe Orientierung bieten, was man im statistischen Durchschnitt erwarten kann. Dein persönliches Gehalt kann später viel höher, aber auch viel niedriger sein.
Letztlich kannst du mit jedem Fach gutes Geld verdienen, wenn deine Leistungen stimmen und du dir einen gutbezahlten Job angelst, du engagiert bist und die nötige berufliche Flexibilität bzw. Durchsetzungsfähigkeit mitbringst. Statistisch gesehen liegen aber Juristen, Ingenieure und Mediziner bei den Einstiegsgehältern vorne. Am anderen Ende der Skala liegen die frisch gebackenen Geisteswissenschaftler.
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Gehaltstabellen zum Stöbern und für die Vorfreude aufs gefüllte Portemonnaie
www.sueddeutsche.de
(Gehaltsvergleich nach Berufen und durchschnittliche Einstiegsgehälter für Absolventen)
www.spiegel.de(regelmäßig neue Berichte zu Gehältern in bestimmten Berufen und für Berufsanfänger)
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Welche Berufe sind gesellschaftlich besonders angesehen?
An die Götter in Weiß kommt man als Journalist oderPR-Manager einfach nicht ran. Ja, das Prestige mancher Berufe ist – natürlich meistens zu Unrecht – unendlich viel größer, als das der anderen. Ehrlich gesagt besitzen heute viele Berufe aber überhaupt kein Prestige, allein aus dem Grund, dass diese neuen Berufsbilder noch kaum einer kennt. Der Stellenmarkt ist außerdem deutlich komplexer geworden. Früher musste man sich nur entscheiden, ob man bei der Post, der Sparkasse oder als Lehrer arbeitet, man konnte vielleicht auch noch an der Uni bleiben oder bei einer Zeitung anfangen. Heute wird man aber auch schon mal Key-Account-Manager, Marketing-Spezialist oder Web Producer. Da kommt die öffentliche Meinung nicht mehr mit. Wenn das Prestige aber trotzdem eine Rolle spielen soll, hier kurz zusammengefasst die Berufe „mit“ bzw. „ohne“:
