Endra 7 - ulrich ralf basler - E-Book

Endra 7 E-Book

ulrich ralf basler

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Beschreibung

Der Klimawandel macht die Erde unbewohnbar. Hitze, Brände und Wassermangel engen den Lebensraum der Menschen und Tiere ein. Gerade rechtzeitig erscheinen die 'Fremden' um der Menschheit zu helfen. Sie bringen die Menschen auf deren Wunsch zu Endra 7, einem Planeten der mit deren Raumschiffe in kürzester Zeit erreicht werden kann. Auf der Erde 2.0 angekommen stellen die Siedler fest, das nichts umsonst ist. Für alles muss bezahlt werden.

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MOBI

Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2023

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U. R. basler

Endra7

Aufbruch ins Leben

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Endra7

Flucht

Ankunft

Eiwa

Landnahme

Nahrungsversorgung

Natalie

Umzug

Lynchjustiz

Ein Plan

Oval Office

Der Dong

Vorauskommando

Grüner Bezirk

Roter Bezirk

Blauer Bezirk

Kampftag

Impressum neobooks

Endra7

Aufbruch ins Leben

Das Mädchen rutschte auf allen vieren um ihr Leben. Wenn man sie erwischen würde hätte das ihr sicherer Tod bedeutet. Ihr größtes Glück war, das diese Fremden keine Hunde hatten und es dunkel war.

An Wachhunden vorbei zu kommen wäre vielleicht unmöglich gewesen. Doch so hatte sie eine kleine Chance und mutig nutze sie die.

Sie musste es schaffen um die Menschen zu retten. Es ging nicht nur um ein paar wenige Menschen.

Ungefähr zehn Meter vor ihr standen zwei der Fremden. Sie unterhielten sich leise. Wie sollte sie an den beiden vorbeikommen? Die Fremden aßen gegrilltes Fleisch das bis zu dem Mädchen duftete. Der Magen der kleinen zog sich zusammen, sie hatte seit Ewigkeiten kein Fleisch mehr gehabt. Sie kauten auf dem Fleisch währen sie sich unterhielten. Das Mädchen zögerte nicht, wenn die Fremden mit essen und reden beschäftigt waren konnte genau das ihre Chance sein.

Sie hielt den Dolch, den sie bei sich führte, fest in ihrer Hand und ging leise in einem Bogen um die zwei herum. Als sie dachte sie hätte es geschafft geschah es…….

Flucht

Zwei Wochen davor………

Carla drehte sich nicht mehr um. Die neidischen Blicke der am Straßenrand stehenden Bürger interessierten sie nicht. Sie zählte zu den Auserwählten, die auf die Reise in die Neue Welt mitgenommen wurde.

Zügig schritt sie in einer langen Kolonne die letzten einhundert Meter auf den Eingang zu. Hinter dem Eingang, der nichts anderes als eine vier Meter breite Öffnung mit einem eingelassenen und jetzt geöffneten Eisentor war, lag das Ausreisezentrum. Von dort startete der Aufzug ins Weltall.

Die Konstruktion war von den Fremden errichtet worden. Man konnte ihn schon von weitem sehen. Gläserne Gondeln schwebten an der Seite eines blauen Lichtstrahls in die Höhe während auf der gegenüber liegenden Seite des Lichts die leeren Gondeln aus dem Weltraum zurückkamen.

Carla ging leichtfüßiger je näher sie dem Tor kam. Endlich weg von der Erde, endlich weg aus diesem unendlichen Elend aus Hunger, Durst, Krieg, Hitze, und Naturkatastrophen. In den letzten drei Jahren musste sie acht Hurrikans miterleben, und ein jedes Mal wurde ihr Zuhause zerstört. Vor einem Jahr verlor sie bei einem Wirbelsturm ihre Familie. Mutter, Vater und ihre beiden Schwestern ertranken im Keller der notdürftigen Unterkunft, das früher einmal ein wunderschönes amerikanisches Einfamilienhaus im viktorianischen Baustil gewesen war. Die Regenmengen, die in jener Nacht niedergingen waren einfach unglaublich. Dreihundertneunzig Liter auf jeden Quadratmeter berichteten später die Nachrichtensender, seinen innerhalb von nur 24 Stunden gefallen. Ihre Familie hatte keine Chance gehabt. Sie ertranken wie viele andere, die Schutz vor dem Hurrikan in einem Keller gesucht hatten. Carla selbst überlebte weil sie zu jener Zeit zu Besuch bei ihrer Tante in Boston war.

Keine fünfzig Meter trennten sie mehr vom Tor. Links und rechts vom Tor befanden sich mehrere einstöckige Gebäude, daran anschließend folgte ein Maschendrahtzaun, der das Gelände von der trostlosen Wüste abtrennte.

Carla fürchtete sich nicht von dem was auf sie zukam. Alles war besser als hier auf der Erde bleiben zu müssen. Hier gab es für sie keine Zukunft mehr.

Am Tor standen mehrere der Fremden. Sie nannten sich die Umi´s. Sie blickten freundlich auf die ankommenden Menschen. Die Umi´s waren mit etwa 190 Zentimeter etwas größer als der Durchschnittsmensch und auch kräftiger gebaut. Carla dachte eigentlich immer, dass Außerirdische, wenn sie groß sein sollten, spindeldürr wären. Sie hatte sich getäuscht. Obwohl die Umi´s ganz anders als die Menschen aussahen gab es eine gewisse Ähnlichkeit, die daher rührte, dass die Umi´s wie die Menschen zwei Beine, zwei Arme, zwei Hände und einen Kopf hatten. Offensichtlich konnte sich die biologische Entwicklung auf anderen Planeten ähnlich der auf der Erde wiederholen.

Carla durchschritt das Tor. Mitten auf dem Weg stand ein kleiner Roboter, der auf seinen Füßen wippte und wieselflink alles und jeden beobachtete. Dabei machte er fröhliche Knurrlaute. Seine Kopfbewegungen waren nicht fließend was ihm ein bemitleidenswertes Aussehen gab. Die Menschen beachteten den kleinen Kerl nicht, sie waren viel zu sehr darauf taxiert wie sie hier am schnellsten fortkommen konnten. Carla war durch das Tor hindurch und auf dem Gelände des Ausreisezentrums angelangt. Sie atmete tief ein, das war der erste Schritt in ein neues und besseres Leben. Auf dem Gelände befanden sich mehrere Hundert Menschen. Die meisten hatten wie sie selbst eine Tasche mit dem persönlichen Besitz dabei.

„Bitte gehen sie weiter, Miss“, wurde sie von einer Ordnungskraft aufgefordert. Die Ordnungskraft war als solche durch die Aufschrift auf einem kleinen Schild zu erkennen. Ansonsten sah das Ding nicht wie ein Mensch aus. Es hatte nichts Humanes zumal es ein Roboter war. Hätte dieser Roboter Gefühle dann wäre er der traurigste Roboter im Universum gewesen denn er sah nicht einmal einem Roboter ähnlich. Er hatte das Aussehen von einem Straßenbesen mit einem Kleiderbügel auf dem Stiel. Das Schildchen mit der Aufschrift „Ordnungskraft“ war am „Kleiderbügel“ angebracht.

„Gehen sie weiter und steigen sie in den Aufzug“, forderte der Kleiderbügel Carla auf.

„Kann ich ihnen beim tragen helfen“?

Sie schaute erschrocken zu ihrer linken Seite, an der ein schwarzhaariger Mann neben ihr herlief. Dem Gesicht her war er als Asiate zu erkennen. Carla schalte sich selbst eine Idiotin. Wieso erschrak sie? Sie ging seit zwanzig Minuten in einer langen Reihe von Menschen und erschrak weil sie angesprochen wurde.

„Danke, ich kann das selber tragen“ antwortete sie dem freundlich blickenden Mann. Er mochte vielleicht Mitte zwanzig sein, etwas größer als sie selbst und um seinen Mund war ein Lächeln erkennbar.

„Ich möchte mich nicht aufdrängen“ entgegnete er. „Ich bin Jake“.

„Carla“ antwortete sie einsilbig. Jake hatte sie aus ihren Gedanken gerissen, in denen sie die letzte Zeit verbracht hatte. Jetzt fiel ihr auch die Geräuschkulisse um sie herum auf. Die Leute redeten miteinander, manche riefen sich etwas zu, andere lachten. Den ganzen Weg hierher war sie mit sich selber beschäftigt gewesen und hatte nichts von ihrer Umgebung wahrgenommen.

„Wohin reisen Sie?“ fragte Carla und grinste Jake an. Die Frage war überflüssig weil von hier aus jeder in die neue Welt aufbrach. Es gab nur ein Ziel. Die neue Erde, „Endra7“. Der Planet kreiste in einer Entfernung von 45 Lichtjahren in einem für die Menschen günstigen Abstand um seine Sonne, Jahreszeiten mit Schneefall, Regenzeiten und Sommermonaten warteten auf die Menschen. Die südliche Hälfte von Endra7 war mit einem nicht allzu tiefen Ozean bedeckt, die nördliche Hälfte des Planeten sollte für die Menschen bewohnbar sein.

Ohne die Hilfe der Umi´s gäbe es für die Menschheit keine Rettung mehr.

Jake lachte laut wegen ihrer Frage.

„Ich vermute mal, dass wir gezwungenermaßen das gleiche Reiseziel haben. Wo ist ihre Familie“?

Diese Frage schmerzte Carla, sie zuckte zusammen und antwortete leise.

„Letztes Jahr bei einem Hurrikan gestorben“.

„Das tut mir leid. „Bitte verzeihen sie mir meine Frage“.

„Ist schon gut, sie können ja nichts dafür“.

„Sehen sie da drüben, da gibt es die letzte Möglichkeit hier auf der Erde etwas zu trinken“.

Carla hatte Durst. Der Marsch durch die Wüstenhitze hatte ihr zugesetzt und sie hatte es nur deshalb nicht bemerkt weil sie die ganze Zeit mit ihren Gedanken beschäftigt war.

„Gerne, ich könnte etwas vertragen“.

Die zwei änderten ihre Richtung und gingen auf die Baracken zu, vor denen Getränke ausgeschenkt wurden. Eine große Werbetafel verkündete, dass die Getränke eine Spende der Umi´s seien und kostenlos waren. Es gab gekühltes Mineralwasser, verschiedene kalte Teegetränke und einfaches Leitungswasser.

Jake und Carla entschieden sich für einen roten Früchtetee. Sie nahmen eine Karaffe mit zwei Bechern in Empfang und die beiden suchten sich einen Sitzplatz. Vor und rechts von den Getränkeständen standen dutzende von Tischen und Stühlen. Es gab genug freie Plätze. Nicht alle Ausreisewilligen kamen hierher um noch einmal etwas zu trinken. Die meisten gingen geradewegs zu den Aufzügen, stiegen ein und entschwebten in die Höhe. Es war, als hätten sie Angst davor, dass die Reise plötzlich abgesagt werden könnte.

Die zwei setzten sich so an einen Tisch, dass sie den Betrieb mit den Aufzügen gut beobachten konnten.

„Das blaue Licht, das wir sehen können ist eine besondere Metalllegierung, erklärte Jake. Das Kabel bis in den Weltraum soll angeblich weniger als eine Tonne wiegen. Das gleiche Material haben die Umi´s für die Gondeln verwendet“. Es ist unglaublich, dass es so ein leichtes und stabiles Material überhaupt gibt.

„Wieso leuchten die Gondeln dann nicht blau wenn es das gleiche Material sein soll?“

„Ich weiß nicht genau, vielleicht leuchtet das Kabel weil es die Energie transportiert. Irgendwie müssen die Gondeln ja bewegt werden“.

Carla nahm ein paar tiefe Schlucke von ihrem Getränk. Der Tee tat ihr gut.

„Das ist alles“? Dieses blauleuchtende Kabel und die gläsernen Gondeln? Das ist der ganze Weltraumbahnhof“?

„Es müssen hunderte von Gondeln sein. Sieh nur, jede Minute beginnt eine mit dem Aufstieg“.

Carla zählte wie viele Menschen in eine Gondel hinein gelassen wurden. Die Gondeln mochten vielleicht sechs mal acht Meter messen. Carla zählte fünfzig Leute. Dann schloss sich die Gondel und begann ihre Reise in den Himmel. Im Gegenzug kam jedes Mal eine leere Gondel herunter. Die Geschwindigkeit war beträchtlich.

„Wie schnell fliegen die“? fragte Carla.

„Ich weiß nicht. Ich werden den Reiseleiter danach fragen“.

Carla lachte laut heraus. Reiseleiter war ein seltsames Wort für einen Umi.

„Was hältst du von den Umi´s?“ fragte Carla.

„Etwas spät um darüber nachzudenken. Wir vertrauen ihnen unser Leben an. Davon abgesehen, das sie keine Nasen und keine Haare haben und ihre Haut rötlich ist finde ich sie Klasse. Ich meine, wer kommt schon durch das Weltall geflogen nur um einer Spezies zu helfen die gerade ihren eigenen Planeten zerstört hat und dem Untergang geweiht ist. Ich finde die Jungs prima“.

„Woher weißt du, dass das Jungs sind? Vielleicht sind es alle Mädchen“.

Jake lachte laut. „Da kenne ich mich aus. Ich weiß genau das es Jungs sind weil die mich sexuell überhaupt nicht anmachen“.

Jetzt war es Carla die laut lachen musste. Jake gefiel ihr. Sie mochte es wenn ein Mann Humor hatte. Sie sah ihn sich genauer an. Vielleicht war er ja nicht nur einer der Menschen, die einem begegneten und für einen kurzen Moment im Leben begleitete. Vielleicht wurden sie auf Endra7 im gleichen Dorf angesiedelt.

Jake hatte ein schmales Gesicht und volles schwarzes Haar. Dazu passten seine schwarzen Augen. Ja wirklich dachte sie, absolut schwarze Augen. Seine Haut war leicht bräunlich und Jake´s Figur war schlank und sportlich. Sein ärmelloses T-Shirt zeigte muskulöse Oberarme. Schnell wendete sie den Blick ab. Er sollte nicht bemerken dass sie ihn taxiert hatte.

Jake hatte Carla etwas früher bereits ausgiebig gemustert. Als er etwa einen Meter seitlich versetzt hinter ihr her ging bewunderte er ihre schulterlangen hellblonden Haare. Ihre Figur empfand er als perfekt. Er mochte große schlanke und sportliche Frauen. Ihr Gesicht konnte er sehen nachdem er sie angesprochen hatte und sie ihm erschrocken ihr Gesicht zuwendete. Oval förmig, blaue Augen, ein blonder Pony. Carla hatte Jake erobert ohne es zu wissen oder es überhaupt nur beabsichtigt zu haben.

Carla sah sich um. Dieser Weltraumbahnhof war für die Menschheit die einzige Hoffnung zum überleben. Er war in einer staubtrockenen Gegend angelegt worden. Wäre der Weltraumaufzug nicht da, wären die paar Häuser und Hütten nicht da, es wäre eine leere Wüste gewesen. Hierher kamen die Menschen die für ein neues Leben auf Endra7 ausgelost worden waren.

Vom ganzen Land her fuhren die Menschen mit den Zügen bis nach Dallas um dort in die extra dafür reservierten Busse umzusteigen. Mit den Bussen wiederum fuhren die Reisenden bis etwa zwei Kilometer vor das Ausreisezentrum. Von dort an mussten die Menschen bis hierher laufen. Die meisten hatten eine Tasche oder einen Rucksack dabei. Mehr war nicht erlaubt. Zuerst erschrak Carla als sie erfuhr, dass sie nur eine Tasche in ihr neues Leben mitnehmen durfte. Dann hatte sie Schwierigkeiten so viel wichtigen persönlichen Besitz zusammen zu tragen um die Tasche damit zu füllen. Nach den vielen Wirbelstürmen war nicht viel von privaten Dingen geblieben. Ein paar verlorene Fotos, ein Lieblingskleidungsstück, mehr war oft nicht übrig geblieben.

Carla trank aus und sah Jake an. „War es das, wollen wir gehen?“

Ohne über ihre Worte nach zu denken hatte sie im Geiste mit Jake eine Grupe gegründet. Sie würden den weiteren Weg zusammen gehen.

Jake bückte sich und nahm eine Handvoll Sand auf, die er in eine Plastiktüte schüttete. „Als Erinnerung an die Erde“, sagte er wie um Verzeihung bittend zu Carla und steckte die kleine Tüte in seine Hemdtasche.

Sie gingen zu den Gondeln und reihten sich in die Menschenschlange ein. Es dauerte keine fünf Minuten, in denen sie ohne zu sprechen in der Schlange standen, bis sie bei der Gondel ankamen, die sie weg von der Erde in das Weltall bringen würde. Beide hingen ihren Gedanken nach. Es bewegte vermutlich jeden Menschen, wenn er seinen Planeten für immer verlassen musste.

Sie betraten die Gondel. Als fünfzig Leute auf einfachen Sitzen Platz genommen hatten schlossen sich die Türen und der Aufstieg begann. Carla schaute nach draußen. Je höher die Gondel stieg, umso weiter konnte sie über das trostlose Land blicken. Das einzige was diese Wüste zu bieten hatte waren tausende von Kakteen. Als die ersten Wolken auftauchten wurde das Glas milchig. Keiner konnte mehr heraus schauen. Jake saß neben ihr und hielt ihre Hand. Carla bemerkte es nicht, Tränen liefen ihr aus den Augen. Dieser Moment war für sie schwer zu ertragen. Jake bemerkte es, er sah auch dass viele andere der Mitreisenden weinten.

Carla dachte darüber nach wie es soweit kommen konnte. Wie konnte ein intelligentes Lebewesen wie der Mensch seinen Planeten derart zerstören, dass er ihn fluchtartig verlassen musste. Noch vor 15 Jahren war die Erde ein wunderbarer Planet gewesen. Der Klimawandel hatte sich damals im Jahr 2020 bereits mit starken Stürmen und Unmengen Regen bemerkbar gemacht doch konnte Carla wie alle anderen Kinder, die zu der Zeit aufwuchsen, eine ganz normale Kindheit verbringen. Dann auf einmal gab es den ersten dieser Todesstürme. Die Boulevardblätter hatten dem Sturm diesen Namen verliehen. Ohne Vorwarnung entstand über der Karibik ein Wirbelsturm, der an Land mit Windgeschwindigkeiten von über 400 Km/h wütete. Fünfundachtzig tausend Tote forderte der Sturm. Im gleichen Jahr zerstörte ein ähnlicher Wirbelsturm große Gebiete auf den Philippinen, ein weiterer verwüstete die Provinzen in Chinas Süden. Die Toten dort konnte keiner zählen. Die Staatsführung hielt die Zahlen geheim. China hatte als weltgrößter Umwelt Verschmutzer immer wieder einen Klimawandel bestritten um sich vor teuren Sanierungsmaßnahmen zu drücken und dann kam diese Katastrophe. Seitdem regnete es in den USA und den meisten Ländern der Welt nur noch wenn ein Todessturm kam. Zwischen den Stürmen, manchmal vergingen mehrere Monate bis sich ein neuer Wirbelsturm bildete, verdorrte das Land. Zuerst starb das Vieh, dann blieben die Ernten aus und Hungersnöte, wie man sie früher nur von Afrika her kannte, quälten die Menschen rund um den Globus. Natürlich gab es noch größere Gebiete in denen Landwirtschaft möglich war. Der äußerste Norden der USA und der südliche Teil von Kanada waren solche Gebiete.

Die letzten Jahre waren für die Menschen die Hölle. Ein Wiederaufbau nach einem Sturm erübrigte sich weil jeder wusste, dass der nächste Sturm bald kommen würde. Und jedes Jahr wurden die Stürme schlimmer, genauso wie die andauernden Feuer die das Land verbrannten. Als im vergangenen Jahr in Frankreich ein Atomkraftwerk seine Kernschmelze erlebte und große Teile Europas mit einer radioaktiven Wolke verseucht wurden kam das Erscheinen der Aliens den Menschen wie eine Erlösung vor.

Sie kamen mit einem kleinen Raumschiff und landeten bei Berlin in Deutschland. Es gab keine Demonstrationen gegen die Aliens, wie man es aus derlei Science Fiktion Filmen kannte. Die Umi´s machten klar dass sie in friedlicher Mission gekommen seien um den Menschen aus ihrer üblen Lage heraus zu helfen. Diese Nachrichten verbreiteten sich in Minutenschnelle mit Twitter um die Erde. Die Fremden legten ihre Pläne dar und die Regierungen nickten alles ab. Was hätten sie auch machen können? Auf die Hilfe verzichten? Darauf bestehen, dass die Fremden sofort die Erde zu verlassen hätten? Es gab nur eine Lösung. Die Aliens kamen zur rechten Zeit und sie hatten die Technologie um die Menschen auf einen anderen Planeten zu bringen. Regelmäßig wurden in den TV Sendeanstalten weltweit Informationsfilme über Endra7 ausgestrahlt. Die Menschen konnten ihre zukünftige neue Heimat im TV betrachten. Ein fruchtbarer Planet der unserer Erde von der Größe her ähnelte, was in Bezug auf Gravitation wichtig war. Was würde ein Planet nützen der fünf Mal so groß wie die Erde war. Die Menschen könnten sich auf ihm nicht bewegen. Es gab auf Endra7 einen dreißig Stunden Tag, zwei Jahreszeiten und ausreichend Trinkwasser. Gefährliche Tiere gab es laut den verbreiteten Informationen nur im Ozean und die wenigen giftigen Pflanzen waren den Umi´s bekannt.

Jeder wollte die Erde verlassen und nach Endra7 reisen. Doch waren die Transportkapazitäten begrenzt. Die Umi´s trafen die Auswahl zusammen mit Beamten der verschiedenen Regierungen. Wer ausgewählt wurde bekam einen Anruf und begab sich schnellstens zum nächsten Ausreisezentrum. Von diesen Zentren hatten die Umi´s bisher acht Anlagen gebaut.

In unendlichen Kolonnen marschierten die Menschen in die Gondeln und verschwanden im All.

Carla dachte nach. Wenn es acht solcher Zentren gab, dann würden also acht Gondeln jede Minute die Erde verlassen. Pro Minute wären das vierhundert Menschen, jede Stunde 24.000 Menschen, jeden Tag 576.000 Menschen. In einem Monat würden über 17 Millionen die Erde verlassen. Eine unglaubliche Summe. Trotzdem könnten nicht alle acht Milliarden Menschen gerettet werden können. Das, so rechnete Carla aus, würde über 35 Jahre dauern. Wenn das mit dem Klimawandel so weiterging, und nichts sprach dagegen, dann hätten die Menschen keine 5 Jahre mehr bis auf der Erde alles tot sein würde. Selbst wenn die Umi´s noch mehr solcher Zentren bauen könnten würden die Transportkapazitäten nicht für alle Menschen reichen. Vermutlich gab es genug Menschen die lieber hier auf der Erde sterben wollten als in eine unbekannte Zukunft zu reisen doch diese Menschen waren in der Minderheit. Der Wille zum Leben wog stärker als die Liebe zur Heimat.

Das Nachdenken hatte Carlas Tränen gestoppt. Sie wischte sich mit ihrer Hand das Gesicht ab. Dabei entzog sie Jake ihre Hand, es war ihr immer noch nicht bewusst geworden das er ihre Hand gehalten hatte.

Sie schaute Jake an und lächelte verschämt.

„Wie lange geht die Fahrt noch?“ hörte sie jemanden neben ihr fragen. Irgendeiner antwortete, dass sie wohl gleich das erste Ziel erreichen würden. Doch es sollte noch über eine Stunde dauern bis sie die Station in 400 Kilometern Höhe erreichen sollten.

. . .

Auf der Station, es handelte sich um eine einfache Plattform, fühlten sich die anwesenden Menschen unbehaglich. Die Plattform war nichts anderes als ein riesiges Rechteck von dünnem Metall das im Weltraum etwa vierhundert Kilometer über der Erde schwebte. Es gab keine Außenwände, keine Decke, nichts außer der Ankunftsstelle der Gondel und das schwarze Weltall. Die Gondeln durchfuhren wie von Zauberhand die Plattform und stoppten etwa 5 cm über dem Plattformboden. Das Glas der ankommenden Gondel wurde durchsichtig und die Menschen konnten aussteigen. Hatten alle die Gondel verlassen schloss sie sich wieder und begab sich in eine Warteposition. Von dort an begann ihr Abstieg wenn auf der Erde eine Gondel startete. Am Ausstieg der Gondel standen zwei Umi´s und achteten darauf, dass auch jeder die Gondel verließ. Vielleicht mochte sich jemand fragen warum die Umi´s das kontrollierten doch wichtig war es keinem. Die paar Menschen, die über das nachdachten hätten auch keinen fragen können warum das so war. Ihre Neugierde wäre nicht befriedigt worden.

Auf der Plattform war eine geordnete jedoch angespannte Ruhe. Roboter wiesen die Menschen an wohin sie sich zu begeben hatten. Wer dachte, dass es von hier aus direkt zur neuen Heimat ging hatte sich getäuscht. Die Plattform war eine von acht, die die Umi´s rund um die Erde positioniert hatten. Überall dort, wo auf der Erde ein Abreisezentrum war stand im Weltall darüber eine solche Plattform.

„Ich muss mich gleich übergeben“, sagte Paula zu ihrem Mann. Sie stand zusammen mit Tom an der Stelle zu der die Roboter sie geschickt hatten.

„Mach deine Augen zu, dann siehst du das Weltall nicht“.

Es war in der Tat das absolute Nichts, das die Menschen ängstigte. Sich im Weltall befinden, keine Außenwände oder Decken die einem das trügerische Gefühl von Sicherheit gaben, war nur schwer zu verdauen. Die Reisenden waren ganz normale Durchschnittsmenschen die das Weltall bisher nur aus dem TV kannten. Die Vorstellung, dass die Energiequelle auf der Plattform ausfallen könnte und diese unsichtbare Wand, die das Weltall mit seiner Leere draußen hielt, machte vielen Angst. Paula sah sich um.

„Wo kommt der Strom her damit hier alles funktioniert?“

Tom sah sich nun ebenfalls um. Die Plattform mochte vielleicht dreihundert mal dreihundert Meter messen. Mitten drin war die Stelle an der die Gondeln ankamen und abfuhren. Auf der Plattform befanden sich an die eintausend Menschen, ein paar Roboter und eine Handvoll Umi´s. Da war nichts anderes.

„Vielleicht ist das technische Zeugs an der Unterseite. Da können wir ja nicht hinsehen“.

Paula akzeptierte diese Erklärung wie sie auch jede andere akzeptiert hätte um ihre Angst zu unterdrücken.

„Schließ deine Augen Schatz, dann wird es besser werden.“

Paula griff nach Tom´s Hand, schloss ihre Augen und tatsächlich wich das Angstgefühl etwas.

Wieder kam eine Gondel an. Wieder stiegen fünfzig Menschen aus und wieder schwebte die Gondel in ihre Warteposition aus der sie aktiviert wurde sobald auf der Erde eine neue Gondel den Aufstieg begann.

Die Roboter kümmerten sich sofort um die neu angekommenen und schickten sie in Tom´s Richtung. Bei den neu Angekommenen war die gleiche Angst zu sehen die auch alle anderen verspürten. Das grenzenlose Nichts vor Augen ohne schützende Wände und Decken schnürte vielen die Luft ab. Hätten sie wenigstens die vertraute Erde sehen können, doch die Plattform war so positioniert dass das dunkle All um sie herum war. Vereinzelt waren ein paar Sterne zu sehen, Interessierte wussten, dass das meistens Galaxien waren. Interessanterweise war es auf der Plattform einigermaßen hell. So wie an einer Bushaltestelle in der Nacht wenn am Straßenrand eine alte Funzel brannte.

Die neue Gruppe stellte sich wie angewiesen zu den anderen die zum Teil seit zwanzig Minuten hier wartete. Die ersten der Reisenden begannen sich hinzusetzen. Manchen wurde die lange Steherei zu anstrengend.

Tom streichelte mit seinem Daumen die Hand von Paula. Es vergingen noch zwanzig Minuten als plötzlich die Plattform zu vibrieren begann. Nicht stark jedoch gut fühlbar. Die auf dem Boden sitzenden standen auf. Auf der gegenüberliegenden Seite der Plattform erschien ein Raumschiff mit gewaltigen Ausmaßen. Es nahm die gesamte Breite der Plattform ein und stand an beiden Enden sogar noch über. Die Länge des Raumschiffes mochte gut und gerne 500 Meter betragen. Die Höhe hätte keiner schätzen können weil keiner das ganze Raumschiff sehen konnte. Das Schiff glänzte silbern, es hatte keinerlei Fenster oder Türen, keinerlei Beschriftungen oder aufgemalte Zeichnungen. Es war einfach nur ein riesengroßes Stück geformtes Metall. Trotzdem konnte man erahnen wo vorne und hinten war. Eine Seite des Schiffes erinnerte an das Vorderteil eines Flugzeuges, das andere an eine dicke runde Röhre.

Das vibrieren hörte nicht auf.

Die Roboter gaben den Menschen Anweisungen sich zu dem Raumschiff zu begeben. Sie setzten sich in Bewegung und überquerten die Plattform. Als die ersten Reisenden noch etwa zwanzig Meter vom Raumschiff entfernt waren öffnete sich das Raumschiff. Auf einer Länge von mehr als zweihundert Metern verschwand die Seitenwand des Raumschiffes bis in eine Höhe von ungefähr drei Metern. Jeder konnte in das Innere des Schiffes sehen, zumindest in jenes Deck das sich vor ihnen befand. Dass das Schiff nicht nur eine Etage hatte musste jedem klar sein. Dazu war das Schiff viel zu hoch.

Das Deck war mit billigsten Plastiksitzen ausgestattet. „Made in China“ war auf der Rückseite der Sitze zu lesen.

„Bitte kommen sie an Bord und suchen sie sich einen Platz“ ertönte eine freundliche Stimme aus nicht sichtbaren Lautsprechern. Die Menschen betraten auf breiter Front das Raumschiff. Die Abstände der Sitze zum Vordermann waren großzügig bemessen. Ganz anders als es die Menschen aus den Flugzeugen gewohnt waren. Im Gegensatz zu einer gemütlichen Urlaubsreise, die die Menschen früher gerne antraten und bei der die Fluggesellschaften für allerlei Komfort sorgten, gab es hier nichts außen den Sitzen. Keine Stewardessen, keine Bildschirme, keine Prospekte zum Lesen. Absolut nichts. Selbst ein Truppentransporter der NATO hatte mehr an Ausstattung.

In kürzester Zeit hatten alle einen Sitzplatz eingenommen und die Außenwand des Raumschiffes schloss sich. Dass es Fahrt aufnahm war nur an einem leichten Ruck zu spüren. Außer dem Atmen der Reisenden, dem Geflüster einiger war nichts zu hören. Keine Triebwerksgeräusche oder Motoren. Es war wieder so ein Zustand, der den Menschen Angst einflößte obwohl jetzt das leere Weltall nicht zu sehen war. Die meisten hielten ihre Augen geschlossen und beteten oder waren in ihre Gedanken vertieft.

Tom hielt wieder Paulas Hand. Seine Gedanken drehten sich um sein Zuhause. Tom hatte mit Paula zusammen ein Haus in Virginia. Dort arbeitete er als Sicherheitsberater bei einer überregionalen Company. Seine Firma entlieh Personal, für deren Ausbildung er mitverantwortlich zeichnete, in die ganze Welt einschließlich der Kriegszonen der US Army.

Davon gab es derer genug. Jetzt wo alles zusammenbrach, jetzt wo die Länder um Trinkwasser Kriege führten, wo die religiösen Fanatiker zum Endkampf über die Erde ausriefen, wo sich Nachbarn um Lebensmittel bekämpften war die US Army hauptsächlich in Nord- und Mittelamerika im Einsatz.

Tom war hart im nehmen. Ursprünglich stammte er aus Deutschland. Er wurde in Lörrach, einer kleinen malerischen Stadt im Süden des Landes direkt an der Grenze zur Schweiz geboren. Dort verbrachte er seine Kindheit, besuchte das örtliche Gymnasium und trat in die deutsche Armee ein. Er liebte es Angehöriger der „Bundeswehr“ zu sein. Er verpflichtete sich zu mehreren Jahren Dienst, besuchte diverse Lehrgänge und Spezialausbildungen und legte seinen besonderen Schwerpunkt auf Kampf- und Überlebenstechniken. Mit vierundzwanzig traf er im Spanienkrieg Mitarbeiter der Firma, für die er jetzt tätig war. Die erkannten sein Potential und heuerten ihn kurzum an.

Der Spanienkrieg war für ihn eine schwere Zeit. Das war unmittelbar bevor es mit den Todesstürmen losging. Muslime aller Nationen waren in Spanien eingefallen um Europa von der Westseite her zu erobern und zu islamisieren. Monatelang dauerte das Abschlachten der katholischen Bevölkerung bis es den NATO Streitkräften gelang die Invasionsarmee zu vernichten. Es lag nicht am Willen der NATO Mitgliedsländer dass es so lange gedauert hatte, vielmehr war es das unentschiedene Handeln der spanischen Regierung die für das lange Andauern des Krieges verantwortlich war.

Tom wanderte in die USA aus und verliebte sich in „P“, wie er Paula manchmal zärtlich nannte. Sie heirateten, kauften das Haus in Virginia und waren froh darüber, dass sie bis jetzt einigermaßen von den Todesstürmen verschont blieben. Trotzdem litten sie wie alle anderen unter dem Trinkwassermangel, der Hitze und der fehlenden Nahrungsmittelversorgung. Tom verfolgte täglich das Geschehen an seinem Computer und war sich im Klaren darüber, dass es keinen anderen Ausweg gab als die Erde zu verlassen.

Er telefonierte mehrmals mit seinen Eltern in Deutschland, daher wusste er aus direkter Quelle dass in Europa im Sommer Temperaturen bis 55 Grad herrschten und ein Leben außerhalb der eigenen vier Wände unmöglich geworden war. Innerhalb des Hauses konnte man es nur mit Hilfe von Klimaanlagen aushalten, die Tag und Nacht liefen. „Die Klimaanlagen sind mit Schuld an der Erderwärmung“ dachte Tom. „Auf der ganzen Welt liefen Millionen dieser praktischen Anlagen und jede verbrauchte Unmengen an Strom. Tom wusste es aus eigener Erfahrung. In seinem Haus in Virginia liefen vier Klimaanlagen und jede brauchte mehr als 3000 Watt Energie. Allein für die Klimaanlagen, die dafür da waren den Menschen nicht die Hitze spüren zu lassen, liefen weltweit hunderte von Kohlekraftwerken. Jedes dieser Kohlekraftwerke war ein Sargnagel für die Erde. Und jeder Sargnagel sorgte für noch mehr Hitze auf der Erde.

„Wie können wir den Umi´s jemals danken?“ fragte sich Tom. „Aus reiner Nächstenliebe retten sie so viele Menschen. Wir werden diese Schuld nie begleichen können. Eigentlich wissen wir gar nichts von den Umi´s. Vielleicht wussten die Präsidenten mehr doch dem Volk wurde wie immer nichts gesagt.

Paula hing wie ein Großteil der Reisenden ihren Gedanken nach. Sie beschäftigte sich mit den ungelösten Fragen. Würden sie ein Zuhause haben wie in Virginia? Wann würde sie schwanger werden können? Was könnte Tom dort arbeiten? Gab es bereits Siedlungen in die sie einziehen konnten oder musste erst alles neu gebaut werden? Wenn sie den Info Film richtig verstanden hatte halfen die Umi´s bei der Besiedelung von Endra7.

Wieder ging ein Ruck durch das Raumschiff. Die Seitenwand öffnete sich und eine freundliche Frauenstimme forderte die Reisenden auf das Raumschiff zu verlassen.